Zukunft der Landwirtschaft

Michael Hartl
Von Michael Hartl
18. Februar 2013

Es ist schon eine ganze Weile her, dass auf dem Blog des biologisch-veganen Netzwerks ein Filmtipp gegeben wurde, der sich zwar sehr interessant angehört hat – aber da wir keinen Fernseher haben, konnten wir es nicht ansehen. Einige Wochen darauf wurden wir von einem Nutzer auf unserer Facebook-Seite wieder auf den Film hingewiesen. Diesmal mit dem Hinweis, dass er auf YouTube zu finden ist. Und kürzlich stolperte ich auf dem Blog permaculture.at erneut über diesen Film zum Thema „Landwirtschaft“.

Der Film ist von ARTE, knapp eine Stunde lang und trägt den Titel „Die Zukunft pflanzen“.

Bio für 9 Milliarden

Die Journalistin Marie-Monique Robin geht in dieser Dokumentation der Frage nach, ob die gesamte Weltbevölkerung nachhaltig und ohne Pestizide ernährt werden kann. Und zwar auch noch dann, wenn wir auf 9 Milliarden Einwohner*innen angewachsen sind. Das Ergebnis ist ein ganz klares: Ja, das geht! Denn eine kleinbäuerliche Bio-Landwirtschaft, die sich aus der Maschinen- und Ölabhängigkeit befreit, produziert krisensicherer und hat im Durchschnitt mehr Ertrag.

Foto eines Bauern in seinem Feld, in dem er mit der Methode "Milpa" Bohnen, Mais und Kürbisse auf einem Feld anbaut

Die Filmemacherin stellt in dieser mehr als sehenswerten Doku einige wissenschaftliche Studien und Arbeiten vor, die dies beweisen. Und zeigt viele positive Beispiele auf der ganzen Welt. Dabei sind verschiedenste Methoden zu sehen, wie zum Beispiel reduzierte Bodenbearbeitung (pflugloser Ackerbau), die Push-Pull-Methode gegen den Maiszünsler, die japanischen Teikei’s, die als Vorläufer unserer heutigen CSAs gelten dürfen und die traditionelle Mischkultur „Milpa“, die ich bisher als „die drei Schwestern“ kannte – also der Anbau von Mais, Bohnen und Kürbissen auf dem selben Feld.

Agro-ökologische Landwirtschaft statt biologische Landwirtschaft

Die Filmemacherin erklärt im Film – aber noch viel deutlicher in einem Interview, dass wir mehr brauchen, als das heute übliche Bio. Wir brauchen wieder ehrlich gemeinten Biolandbau, der die dauerhafte Bodenfruchtbarkeit und die Gesundheit des Ökosystems wieder auf eine Ebene mit dem Anspruch stellt, genug Essen für alle zu produzieren.

Wenn Sie 300 Hektar biologische Tomaten anbauen, ist das noch keine echte Alternative zur Monokultur. Das agro-ökologische Modell ist umfassender…
Marie-Monique Robin

So ein System funktioniert auf regionaler Ebene, mit kleinen Höfen, die wieder im Einklang mit der Natur wirtschaften. Wir haben das seit bald vier Jahren als unser Ziel und freuen uns, dass weltweit viele Projekte existieren, die am selben Strang ziehen.

ARTE: Die Zukunft pflanzen

Im Film, der im Oktober 2012 im Fernsehen lief, siehst Du wunderschöne Beispiele für Agroökologie und Bio-Landwirtschaft. Und auf der zum Film gehörigen Website findest Du viele weitere Hintergründe.

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6 Gedanken über “Zukunft der Landwirtschaft

  1. Philipp Hertling

    Ja, Landwirtschaft in den Städten! Wunderbar.

    Und außerdem brauchen wir Nährstoffrückgewinnung (Phosphor), um Landwirtschaft auch in Zukunft ökologisch betreiben zu können!

    Wer von euch kennt "Cradle to Cradle" (Prof. Dr. Michael Braungart und William McDonough) schon?

    Ich habe zwei wunderbare Links zum Thema

    1. Nährstoffrückgewinnung

    Cradle to cradle: Michael Braungart at TEDxRheinMain (Dauer: 16:17)
    http://www.youtube.com/watch?v=iY4OeqwKp-c
    2. Landwirtschaft in Städten

    William McDonough: Cradle to cradle design (speziell ab 16:37 bis 20:10 Stadtplanung für China; Dauer: 21:57)
    http://www.youtube.com/watch?v=IoRjz8iTVoo
    Liebe Grüße.

  2. kahalla

    Ich habe beide Filme, sowohl den über die echte Biolandwirtschaft, die wie alle wirklich nachhaltigen Systeme eher dezentral und in regionalen Kreisläufen funktioniert.

    Und den Film über Monsanto, eine der Firmen die mit der Kontrolle über die weltweite Nahrungsproduktion eine Art Weltherrschaft anstrebt. Monsanto ist gruslig.

    Allerdings sollten sowohl Landwirtschaft als auch industrielle(???)/ handwerkliche Produktion dezentralisiert werden genauso wie Wasser und Energiewirtschaft. nur eine "Wertschöpfung" vor Ort lässt uns den Wert dessen erkennen, das "geschöpft" wurde. Nur dann erkennen wir auch die Kehrseite dieser Schöpfung und wir reduzieren automatisch den Transport von Menschen und Waren der eine Unsumme an Energie und Rohstoffen verschlingt und in über 90 % unnötig wäre, wenn dezentral und kleinteilig produziert würde.

    Sozial nachhaltig ist genauso wichtig wie ökologisch nachhaltig. Schließlich sind es in den brasilianischen Urwäldern die Ärmsten die den Wald zerstören , auch wenn die Reichsten davon profitieren. Ein Mensch der Angst (vor Hunger) hat, ist erpressbar, alles zu tun um dieses Schicksal abzuwenden. So verstärkt sich menschliches Elend aus sich selbst heraus. Wir sollten in einer Welt leben in der sich inneres Wachstum, Mitmenschlichkeit, geistige Freiheit und seelische Gesundheit von selbst verstärken und nicht die Eigenschaften, die Diktatoren, Killer und Geheimdienste für ihre Existenz benötigen.

  3. shuttlex

    Weltweit werden soviel Lebensmittel produziert, daß man davon 12 Milliarden Menschen ernähren könnte. DieProbleme sind unter anderem die Profitgier und das etwa die Hälfte der Lebensmittel weggeworfen wird.

    "Frisch auf den Muell – Die globale Lebensmittelverschwendung" lief zuletzt auf ARD EINSFESTIVAL am Samstag, 12.01.2013 um 13:05

    Auch zu finden unter Youtube youtube.com/watch?v=N5ZxP8MQCkQ

    Mein Tip: wer kein Fernsehen aber einen PC hat, kann sich die Filme auch Internet aufnehmen lassen.

    1. fred

      die 12 Milliarden Menschen mit BIO Nahrung zu versorgen könnte man noch um das 10 bis 20 fache erhöhen wenn alle auf BIO roh-vegan umstellen, und 95% der Krankheiten sind auch weg. Natürlich müsste man die Versteppten und Verwüsteten Landstriche wider bepflanzen und aufforsten.

  4. kristina

    Marie-Monique Robin hat auch einen extrem empfehlenswerten Film über Monsanto gedreht. Ich habe gerade nachgeschaut wie der auf Deutsch heißt: "Monsanto – mit Gift und Genen". Es gibt auch ein Buch, das einige Jahre vorher erschien: "Mit Gift und Genen: Wie der Biotech-Konzern Monsanto unsere Welt verändert"

    Falls ihr Buch und Film noch nicht kennt, müsst ihr ihn euch unbedingt anschauen. Probiert auf youtube, ich habe ihn bloß auf italienisch für meine Freunde gefunden. Selbst habe ich die DVD in Originalsprache und Deutsch/Englisch, am Flohmarkt um einen Euro ergattert. Fernseher habe ich auch keinen. :-)

    LG, Kristina.

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