Ein Gastartikel auf Lisa und Michaels Blog:

Zeit für Veränderung – Utopien jetzt leben

Die Welt braucht neue Wege, Visionen und Utopien!

Tobi Rosswog
Von Tobi Rosswog
27. Februar 2015

Im Rahmen meines Vollzeitaktivismus beim Projekt- und Aktionsnetzwerk living utopia beschäftige ich mich intensiv mit Utopien, gestalte Mitmachräume für den gesellschaftlichen Wandel nach den begleitenden Motiven geldfrei, vegan, ökologisch und solidarisch. Hier möchte ich einen kleinen Einblick geben, warum gerade jetzt Utopien wichtig sind und wie der Begriff verstanden werden kann.

Aktuelle Präsenz des Utopiebegriffs

Wenn wir im Internet Utopien suchen, finden wir unzählige Beiträge und Artikel zu diesem Thema. Sei es utopia.de, die sich als Plattform für nachhaltigen Konsum verstehen oder sogar eine Fernsehsendung namens „Utopia“ nach dem Muster von Big Brother. Der gesellschaftliche Diskurs über mehr oder weniger utopietaugliche Alternativen zum Bestehenden scheint in alle Bereiche des Lebens zu dringen – manchmal wird der Begriff allerdings auch missbraucht, zum Beispiel, wenn daraus unseriöse Fernsehformate resultieren ;)

Utopie – was bedeutet das (für dich)?

Halte gerne kurz inne und frage dich, was du mit dem Begriff Utopie assoziierst …

Im Laufe meiner letzten 100 Workshops auf Kongressen, an Unis oder an anderen Orten ließ ich die Menschen ebenso zu „Utopie“ brainstormen und heraus kamen immer wieder Assoziationen wie: Traum, nicht real, Wunschwelt, unerreichbar, Prozess, Realtität von morgen, Vision, …

Brainstormingplakat zum Begriff "Utopie"

Brainstormingplakat zum Begriff „Utopie“

Aber was bedeutet Utopie überhaupt wörtlich?

In einem Buch über Utopien fand ich mal die altgriechische etymologische Bedeutung, die darlegte, dass nicht ganz klar ist, wie genau sich der Begriff ableitet: Es gibt zum einen den eu topos (guter Ort) und den ou topos (Nicht-Ort), woraus in der Philosophie dann gerne ein „guter Nicht-Ort“ gemacht wird.

Utopien als Prozess und Wegweiser*innen

Mein Verständnis von Utopie lässt sich am besten durch ein kurzes Gedicht von Fernando Birri wiedergeben:

Die Utopie – sie steht am Horizont.
Ich bewege mich zwei Schritte auf sie zu und sie entfernt sich um zwei Schritte.
Ich nähere mich zehn weitere Schritte und sie entfernt sich wieder um zehn Schritte.
Und wenn ich noch so weit gehe, ich werde sie nie erreichen.
Wofür ist sie also da: die Utopie?
Dafür ist sie da: um zu gehen!

Es geht darum, loszulegen und den Wandel zu gestalten. Es geht darum, sich auf den Weg zu machen und die Utopie als Prozess zu verstehen.

rötlicher Sonnenuntergang am Meer mit Strand

Wieso nicht abwarten und Tee trinken?

Der Postwachstumsökonom und Zukunftsforscher Prof. Dr. Niko Paech schreibt in seinem Buch „Befreiung vom Überfluss“:

Keine demokratisch gewählte Regierung eilt einem gesellschaftlichen Wandel voraus,
sondern immer nur hinterher, um kein Risiko einzugehen.

Wir sollten nicht auf irgendwelche vermeintlichen Autoritäten warten, um erst dann loszulegen, wenn es uns erlaubt oder per Gesetz vorgeschrieben wird. Uns möchte weiß gemacht werden, dass „dieses System alternativlos“ sei. Das bestehende System von Ausbeutung und Mitweltzerstörung ist aber nicht alternativlos, sondern unbedingt notwendig zu überwinden.

Und wieso brauchen wir Utopien?

Eine Alternative ist dringend notwendig, denn so kann es nicht weitergehen. Dazu wurde bereits genug geschrieben und gesagt. Ein System, welches auf unbegrenztes Wachstum auf einem begrenzten Planeten setzt, ist nicht zukunftsfähig. Um es nur am Earth Over Shoot Day zu verdeutlichen: Der Earth Overshoot Day rückt immer näher in die erste Jahreshälfte. 2014 hatten wir bereits am 19. August alle für dieses Jahr vorhandenen Ressourcen verbraucht und lebten fast die komplette zweite Jahreshälfte auf Pump. Wie können wir dieses Leben über unsere Verhältnisse verantworten, wenn wir doch wissen, dass die Erde endlich ist? Und wie können wir damit einhergehend diese Verantwortung durch verschiedenste Entgrenzungen aus unserem Alltag, unseren Köpfen und unseren Herzen drängen?

Niko Paech und andere wissenschaftliche Stimmen erkennen auch, dass wir vor einem Wandel stehen, den wir entweder selbst gestalten (by design) oder er unkontrolliert gestaltet wird (by desaster).

By design, not by desaster

Wir sollten den Wandel kreativ „by design“ gestalten. Hier und jetzt! Wir sollten neue Wege gehen und nicht warten bis fertig diskutiert wurde… Wir brauchen gesellschaftliche Experimente und neue Ideen, um uns auf dem Prozess klar zu werden, in welche Richtung die Utopien gehen können.

Es geht darum, von unten graswurzelmäßig aktiv zu werden und einen Perspektivwechsel anzustoßen. Lasst uns Utopien diskutieren, aber vor allem auch praktisch erlebbar werden lassen.

Die Utopie – ein neuer „ismus?“

Für mich ist vor allem wichtig, dass die Utopie nicht zu einem neuen „ismus“ wird, der sich dann ein wenig hier und dort von Sozialismus, Kapitalismus, Anarchismus oder welchen „ismen“ auch immer abgrenzt.

Der Philosoph Karl Popper schreibt in seiner „Utopiekritik“: „Der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, erzeugt stets die Hölle“. Und weiter: „Wenn wir die Welt nicht wieder ins Unglück stürzen wollen, müssen wir unsere Träume der Weltbeglückung aufgeben. Dennoch können und sollen wir Weltverbesserer bleiben.“

Wieso haben Utopie und Träume für ihn eine so negative Konnotation? Utopie bedeutet für Karl Popper ein neues System aufzustellen und dies von oben auf zu oktroyieren. Genau darum geht es nicht!

Motor für kreative Veränderung

Unsere Visionen und Utopien sind es, die uns tragen und Motivation schenken. Deswegen sollten genau diese nicht aufgegeben werden. Dennoch darf die Utopie nicht zu einem Dogma werden.

Wir sollten uns trauen, diese Art des statischen Konzeptdenkens zu verlieren, um offen und frei zu werden, uns innerhalb eines Prozesses flexibel auf Herausforderungen einzulassen und diese kreativ zu lösen.

Einfach mal los gehen – Schritt für Schritt deiner Utopie entgegen!

Die Frage könnte sein: Wieso handeln wir (noch) nicht genug, fühlen uns handlungsunfähig, erdrückt und ohnmächtig?

Eine Antwort könnte sein: Wir lernen von klein auf, dass das, was uns jetzt hier umgibt, die Realität ist, mit der wir uns auseinandersetzen zu haben. Andere Gesellschaftsentwürfe können demnach gar nicht in unseren Vorstellungen sein. Aber: Realität ist nicht starr, sie ist veränderbar!

Alle sagten: „Das ist doch unmöglich!“. Da kam eine, die wusste das nicht und hat’s einfach gemacht.

Es geht darum, neue Erfahrungen zu machen. Die Volkswirtschaftlerin, Politikwissenschaftlerin und Historikerin Dr.in Friederike Habermann meinte in dem Zusammenhang mal:

Wir brauchen neue Erfahrungen, in denen wir uns verändern und so neue Erkenntnisse erlangen können. Insofern ist nicht nur realistisch, was im Augenblick durchführbar erscheint: Die Welt formt uns, und wir formen die Welt.

Das 9-Punkte Problem – unsere Denkmuster fesseln uns

Damit einher geht es, neue Perspektiven zu entwickeln – das, was für uns gerade möglich ist. Und dabei ist es mir ein Anliegen sich auch außerhalb der bisherigen Denkstrukturen zu bewegen. Das 9 – Punkte Problem macht das ganz anschaulich. Die Aufgabe besteht darin, neun quadratisch angeordnete Punkte mit einem Stift durch vier gerade Linien zu verbinden, ohne den Stift abzusetzen.

Eine sehr interessante Knobelaufgabe, die aufzeigt, dass wir auch außerhalb der Konventionen nach Lösungen suchen sollten, weil sich manche Probleme sonst nicht lösen lassen. Wie Albert Einstein schon sagte: „Probleme können nicht mit der selben Denkweise gelöst werden, mit der sie auch entstanden sind.“

Wir alle haben unterschiedliche Utopien – Wie sieht deine aus?

Welche Schritte gehst du, damit eine zukunftsfähige Gesellschaft von morgen – deine Utopie – schon jetzt erlebbar wird?
Ich freue mich auf eure Ideen, damit wir uns gegenseitig inspirieren, Ideen spinnen und vernetzen.

In diesem Sinne: „NOT JUST TALKING ABOUT UTOPIA, BUT living utopia.“

Klappstuhl mit Seifenblase

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Dieser Artikel ist ein Gastartikel. Vielen Dank an die Gastautorin bzw. den Gastautor. Dieser Blog "Experiment Selbstversorgung" wird von Lisa Pfleger und Michael Hartl betrieben. Solltest Du auch eine Idee für einen Gastartikel haben, lies Dir gerne unsere Informationen dazu durch!
Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

13 Gedanken über “Zeit für Veränderung – Utopien jetzt leben

  1. Lars

    Ein herzliches Wow von mir an Euch alle hier. Es ist wunderbar, bestärkend und heilsam Eure Ideen, Projekte zu lesen und einfach zu wissen, hier bewegt sich etwas. Zur Frage was meine Utopie ist und wie ich sie lebe, kann ich noch nicht viel sagen. Es ist viel mehr so dass ich mich an Euren Beiträgen nähre und stärke. Die Angst bzw. befürchtung meine ursprüngliche Gesinnung nicht mehr wieder zu finden sitzt tief. So werde ich im jetzt Eure Site’s gerne weiterempfehlen und mich regelmässig bei Euch inspirieren und „anpushen“ lassen. In Gedanken mache ich mir Feuer damit es alsbald so lodert wie das eurige, um das zu verbrennen was es nicht mehr braucht und mit der daraus erstandenen Kohle zeichne ich mir meine Utopie.

    Ich wünsche Uns allen, Rückenwind, regen der uns klar sehen lässt und ein ewig loderndes inneres Feuer.

    Herzliche Grüsse

    Lars

    1. Tobi RosswogTobi Rosswog Beitrags Autor

      Danke Dir herzlichst für Deine lieben Worte, Lars.
      Sie motivieren mich sehr, Ich freue mich, dass Du Inspiration aus den Worten bekommst.
      Wichtig nur: Not just talking about utopia, but living utopia!
      Alles Liebe und sonnigste Grüße,
      tobi
      PS: Vielleicht interessiert Dich ja auch unsere neuste Internet-Kampagne „geldfreier leben“. Mehr dazu unter: http://geldfreierleben.de

  2. Tobi RosswogTobi Rosswog Beitrags Autor

    Woow. Danke dir sehr lieber Andreas für diese detailierte Beschreibung deiner Utopie, die du jetzt schon versuchst durch viele Aktivitäten lebendig werden zu lassen.

    Zu Beginn schreibst du, dass alles bei dir damit anfing, dass du Probleme der Zeit erkannt hast. Dann gab es einen Perspektivwechsel und nun versuchst du deine Utopie zu leben ;) Darüber wird es höchstwahrscheinlich in meinem nächsten Artikel hier noch was geben. Danke dir nochmal für die Bekräftigung, dass dies drei Schritte, um den Wandel zu gestalten, zu sein scheinen.

    Deine beiden Punkte finde ich sehr gut.
    Auf jeden Fall ist eine gesunde Ernährung sehr sinnvoll.
    Und außerdem braucht es auch ein kooperatives und neues Miteinander.
    Das scheinen mir auch zwei entscheidende Punkte zu sein, um eine zukunftsfähige Gesellschaft von Morgen zu gestalten.

    Danke dir herzlichst für das Teilen deiner Erfahrungen.
    Der Gemüse/Obstkorb sieht super lecker aus ;)

  3. Andreas

    Ich sah schon in meiner Jugend, vor etwa 15 Jahren, ein großes Problem in der Vergiftung und Denaturierung unserer Lebensgrundlagen. Von daher reifte in mir der Traum vom Leben in freier Natur als Selbstversorger, wo ich qualitativ höchstwertige Lebensmittel produzieren kann, am Besten natürlich in einem Land mit einem wärmeren Klima. Im Jahr 2005 habe ich dann auch Sepp Holzers Permakultur gelesen, war davon begeistert und motiviert ähnliches zu erschaffen. Die Umsetzung dahin ist natürlich aber nicht gerade so einfach – bei mir waren es hauptsächlich gesundheitliche und finanzielle Gründe. Daher habe ich mich nun vorallem in den letzten Jahren intensiv mit den Themen Gesundheit, Gemüse-Obstgarten, Permakultur, Humusaufbau und Ökonomie, Geldsystem auseinandergesetzt – theoretisch, wie auch praktisch. Dies war für mich ein enorm wertvolles Studium, um einen großen Beitrag für eine zukunftsfähige Gesellschaft leisten zu können.

    Heute verschwenden wir so viel Zeit und Energie für unser völlig krankes Gesundheitssystem. Denn bei einer wirklich gesunden, vollwertigen Lebens- und Ernährungsweise dürfte man normalerweise gar nicht mehr krank werden und hochleistungsfähig bis ins hohe Alter von 100 Jahren und mehr bleiben. Letzten Endes halte ich weder von der Schulmedizin, noch von der alternativen Medizin besonders viel, da so und so meist nur die Symptome behandelt werden, um dann mit derselben Ernährungs- und Lebensweise fortzufahren, anstatt wirklich die Ursachen zu finden. Besser wäre es zudem auch div. Heilkräuter, Wildkräuter, Heilpilze (Reishi, Shiitake), Heilerden (Bentonit…) und natürlich viel rohes biologisches Obst und Gemüse in die Ernährung zu integrieren. Das Wichtigste ist, dass der Körper frei von sämtlichen Giftstoffen wird und aufgefüllt mit Mineralstoffen, Spurenelemente, Vitamine… – dann ist man gesund.

    In einem Buch über Humusaufbau habe ich kürzlich folgende wertvolle Sätze gelesen:
    „Je geordneter unsere Nahrung ist – man könnte dazusetzen – je geordneter auch das Bodenleben ist, desto eher führt geordnete Nahrung einen aus der Ordnung geratenen Organismus (Mensch) wieder zur Ordnung zurück. Das ist der Fundamentalsatz des Heilwissens und des Heilverstehens überhaupt. Paracelsus scheint das gewusst zu haben als er sagte: „Unsere Nahrung sollte Heilnahrung sein“. Aber: Ist sie es heute noch?“

    Das Problem ist dabei vorallem, dass die Information dazu weitgehend fehlt und auch der Zugang zu gesunder Ernährung. Viele Menschen, welche die finanziellen Mitteln dazu hätten geben das Geld aber lieber für sinnlose materielle Güter aus – also braucht es erst mal einen großen Gesinnungswandel, bzw. Abschaffung des Geldes.

    Das Problem bei den Landwirten ist, dass sie meist eher ziemlich profitorientiert denken, bzw. aufgrund des Geldsystems oft dazu gezwungen sind – sie betreiben Raubbau an der Natur und zehren an dem wertvollen Humus, anstatt ihn aufzubauen. Gottseidank gibt es auch wirklich professionelle Biobauern, welche vorbildhaften Humusaufbau betreiben.

    Ich habe nun selber im vergangenen Jahr in Oberösterreich ein 2 Hektar großes Grundstück übernommen, um darauf ein Permakultur-Fruchtparadies zu errichten. Da war ich echt geschockt in welch schlechtem Zustand die Böden sind (Kein einziger Regenwurm, keine Lebendverbauung der Bodenteilchen…), wenn darauf jahrzehntelang Monokulturen in „konventioneller“ Weise bewirtschaftet werden. Da gilt es nun mit viel Kompost, Bodenbedeckung und tiefwurzelnder Luzerne und anderem Gewächs den Boden zu verbessern und wieder Leben hineinzubringen – und so eine Lebendverbauung der Bodenteilchen zu erreichen, damit wieder ein schöner krümeliger, fruchtbarer Boden entsteht.

    Folgendermaßen habe ich die Permakultur auf dem Grundstück grob beschrieben geplant:
    Das Grundstück soll mit vielen hundert verschiedenen Obstbäumen bepflanzt werden und eine Grünfläche mit großer Artenvielfalt an Gräsern, Getreide, Wildkräutern, Wildblumen, Ölsaaten, Gemüse, Leguminosen, Knollengemüse (Topinambur, Knollenziest…) … angelegt werden. Durch zusätzlichen Zugang zu verschiedenen Giftpflanzen, Laubbäumen, Hecken und Nadelbäumen können sich die Tiere (Schafe, Gänse, Enten, Hühner…) selber aus der Apotheke Gottes bedienen, um eine Verwurmung und andere Krankheiten zu verhindern. Die Tiere sollten sich damit weitestgehend ganzjährig selbst versorgen können.

    An der Nordseite eines Erdwalls soll ein dichter Wildgehölzstreifen das Grundstück zusätzlich von der Straße abschirmen, den Zugang von Großwild verhindern und Unterschlupf, KInderstube wie auch Nahrungsquelle zahlreicher Nützlingen dienen. Denselben Zweck haben die dreireihigen Wildsträucherhecken westlich und östlich des Grundstückes.
    Quer durch die Mitte des Grundstückes soll eine freistehende trockenverlegte Natursteinmauer aus Konglomerat errichtet werden. Diese dient auch als Koppelabgrenzung für Schafe. Die Mauer soll mit vielen trockenheitsliebenden Kräutern bepflanzt werden, als Unterschlupf für wärmeliebende Tiere dienen und in die Wärmefallen sollen wärmeliebende Pflanzen gesetzt werden.

    Zusätzlich ist auch ein ca. 2000 m² großer Naturteich geplant mit dreifacher Nutzung – als Biotop, für Fische und zum Schwimmen.
    Dieses Grundstück bietet mir auch eine hervorragende Möglichkeit zur Saatgutvermehrung und Pflanzenanzucht vieler Sorten.

    Es soll ein Prototypprojekt einer nachhaltigen, zukunftsfähigen, natürlichen Landbewirtschaftungsform mit möglichst wenig maschinellem Einsatz, wenig menschliche Arbeit, aber beste Qualität der erzeugten Produkte.
    Der Vergleich von Patrick Whitefield bezgl. einjährige und mehrjährige Pflanzen finde ich dabei sehr wertvoll. Wir brauchen die vielen großen Monokulturen genau NICHT mehr – gestalten wir sie vielmehr lieber mit sinnvollen mehrjährigen Pflanzen.

    In weiterer Folge plane ich eine Erweiterung dieser Flächenbewirtschaftung um ca. 20 Hektar. Also weiträumige essbare Landschaften zur Selbsternte für alle. Es soll zu einem ganz besonderen Naturparadies mit weltweiter Bekanntheit heranwachsen, bzw. sich ausbreiten.

    Nebenbei arbeite ich auch seit vielen Jahren an einem hochqualitativen Koch- und Backbuch mit vielen verschiedenen gesundheitlich und geschmacklich sehr wertvollen einfachen Rezepten – vorwiegend vegan.
    Ich denke, dass ich mir hier erstmals sehr viel vorgenommen habe mit großen Zielen – möge es auch Inspiration für andere sein um ein zukunftsfähiges Leben mit hoher Lebensqualität hier auf Erden zu ermöglichen. Möge dazu dieses Geldsystem bald implodieren.

  4. Cosima

    Wirklich ein schöner Artikel.
    Ich finde vor allem das Beispiel mit dem 9Punkte Problem toll.
    Das veranschaulicht so gut, dass man sich manchmal selbst einen Riegel vor die Lösung schiebt.

    Für mich hat eine Utopievorstellung auch zwei Ebenen. Einmal die „große“ Utopie, die man auch als Systemveränderung betrachtet, zum andern aber mein Ich als Utopie. Wie möchte ich gerne sein und wie Sartre, glaube ich auch, dass ich und jeder Mensch, die Freiheit dazu hat sich zu verändern. Es bedarf bestimmt einiger Faktoren. Allerdings wird für mich hier deutlich, dass jeder eine Verantwortung hat und die WAHL hat sie wahrzunehmen oder von sich zu weisen.

    Danke für deine tollen Anregungen, Tobi. Es freut mich sehr, dass ich auch schon öfter die Möglichkeit hatte, an deinen Ideen teilzuhaben.

    Liebste Grüße
    Cosima

    1. Michael HartlMichael Hartl

      Liebe Cosima,

      gefällt mir, was du schreibst. Ich denke, ein paar der wichtigsten Fragen im Leben, die sich jede Person immer wieder mal stellen sollte, sind: Was für ein Mensch möchte ich sein? Wie soll mein Leben aussehen? Welche Wirkung soll es haben?

      Immer im Hinterkopf dabei, dass wir in erster Linie unser Leben nicht so gestalten müssen, dass es anderen gefällt oder dass wir berühmt werden oder anerkannt und gelobt werden, sondern in erster Linie so, dass wir Freude daran haben und uns jederzeit aufrichtig selbst in die Augen blicken können. :)

      1. Pia Selina DammPia Damm

        Die Fragen, die du aufwirfst, Michael, finde ich ebenfalls super wichtig! Bei Workshops und Projektttagen merken wir immer wieder, dass solch vermeintlich „simplen“ Fragen gerne verdrängt werden und sich keien Zeit genommen wird, diese zu stellen. Dabei sind sie so wichtig…

        Ergänzend zu deinem zweiten Abschnitt möchte ich noch hinzu fügen, dass ich auch noch eine wichtige Komponente darin sehe, so wenig Leid (menschliches wie nicht-menschliches) sowie Umweltzerstörung wie möglich während unseres Lebens anzurichten.

        1. Michael HartlMichael Hartl

          Liebe Pia,

          ja, so wenig Leid zu erzeugen, wie es eben geht und das darin schon umfasste schonen des Ökosystems ist beides in meinem 2. Absatz erwähnt: Unser Leben so zu leben, dass wir uns jederzeit aufrichtig selbst in die Augen blicken können.

          Und das können wir nicht, wenn wir Leid erzeugen und Lebensgrundlagen zerstören. :) Um das zu ertragen, muss man vieles ausblenden.

          Aber danke, dass du es noch klarer gemacht hast.

      2. Tobi RosswogTobi Rosswog Beitrags Autor

        Danke dir sehr Michael für die Fragen.
        Die und noch viele weitere Fragen beschäftigen mich gerade immer mehr, weil ich während meiner Workshops und Projekttage merke, dass sich viele Menschen diese Fragen noch nie ernsthaft stellten oder sich dafür die Zeit nehmen…
        Immer ist etwas anderes gerade wichtiger und dran – Schule, Studium, Beruf, … .

        Der liebe Jean Jacques Rousseau hat mal großartigerweise gesagt:
        „Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will.“

    2. Tobi RosswogTobi Rosswog Beitrags Autor

      Herzlichsten Dank dir liebe Cosima für deinen Kommentar.
      Das 9 Punkte Problem mag ich auch immer wieder gerne verwenden, da es vielen Menschen einen AHA-Moment ermöglicht und zum Perspektivwechsel anregt.
      Es gibt da auch noch andere einfache Methoden … Vielleicht in anderen Artikeln mehr davon ;)

      Super, dass du auch nochmal klar machst, dass es sicherlich einige Einflussfaktoren gibt, die es begünstigen, damit du eine möglichst freie Wahlmöglichkeit hast, um Verantwortung zu übernehmen.
      Hast du für dich welche erkannt und magst sie mit uns teilen?

      Das ist immer wieder Thema, wenn ich mich mit Menschen über ihre Utopien unterhalte … Wie kann ich frei werden, um meine Talente zu entfalten und meine Utopie zu leben?

      Danke dir herzlichst für deine Impulse!

      Herzlichste Grüße,
      tobi

      1. Cosima

        Danke Michael, dass du das aufgegriffen hast. Denn genau wie auch Pia erwähnt, wird die Wertebildung und -Ausrichtung nicht so ernst genommen, wie sie sollte.
        Die Zeit in sich hineinzuhorchen, um sich die Fragen die ihr genannt habt, was mochte ich, wie möchte ich Leben, ist sehr wichtig. Doch oft wird diese Zeit ersetzt, dadurch, dass man sich an gesellschaftlichen „Normen und Idealvorstellungen“ hängt. Sich daran zu orientieren, um sie vielleicht in Frage zu stellen, ist absolut legitim. Allerdings sollte man sich auch dafür Raum und Zeit nehmen und es nicht als gegeben und unveränderbar ansehen.

        Ein wichtiger Punkt, den ich persönlich nennen kann, ist die Unterstützung meiner Eltern. Persönlich, wie finanzielle unterstützen sie mich bei meinen Entscheidungen. Dabei weiß ich, dass es ihnen vor allem um meine persönliche Entfaltung geht und nicht darum z.B. einen „sicheren“ Karriereweg einzuschlagen. Ich weiß das sehr zu schätzen und versuche ihnen das auch oft zu sagen.
        Außerdem habe ich durch einige außerschulische (Bildungs-)Angebote, wie die Schülerakademie 2°Campus oder den Jugendkongress Burger, Bauern und Banditen, viele tolle und inspirierende Menschen getroffen. Ich habe die Chance bekommen mich mit Themen auf andere Weise, wie in der Schule zu beschäftigen und wieder gemerkt, dass lernen und etwas verstehen, Spaß macht und wichtig ist um Dinge im größeren Zusammenhang sehen zu können.
        Dabei konnte ich mich ausprobieren. Das hat mir viel geholfen, um meine Interessen kennen zu lernen und zu vertiefen.

        Liebste Grüße
        Cosima

        1. Tobi RosswogTobi Rosswog Beitrags Autor

          Herzlichsten Dank dir liebe Cosima für deine offenen Worte. Geh weiter deinen wunderbaren Weg und inspiriere die Menschen damit!
          Letztes Jahr war ich auch wieder auf dem Kongress von JANUN zum Thema „Macht.Wachstum.Glück“ was immer eine großartige Möglichkeit der Inspiration und des Netzwerkens ist.
          Vielleicht sehen wir uns dieses Jahr ja auf dem JANUN Kongress oder auf unserem Mitmachkongress utopival :)

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