Yoga kann immer sein

Michael Hartl
Von Michael Hartl
14. Februar 2018

Anfang des Jahres hab ich mir ja eine 365-Tage-Challenge gestellt. Ziel ist, dass dieses Jahr 365 Tage hat. Und ich an jedem davon körperlich gesund aktiv bin. Laufen gehen, klettern, Schwimmen, drei Saunagänge bei hoher Temperatur, Schlingentraining, Rennrad oder Mountain Bike fahren, Animal Athletics – und eben seit einigen Zeit nun auch Yoga*. Jeden Tag mindestens 30 Minuten eine solche körperliche Tätigkeit, die mir meinen Körper gesund, flexibel und kräftig erhalten soll. Damit meine Lebensqualität jetzt und mit höherer Wahrscheinlichkeit auch später auf körperlicher Ebene positiv gefördert wird.

Nur dieses hehre, langfristige Ziel alleine wäre mir aber vielleicht zu wenig, um daraus dauerhaft eine große innere Motivation zu gewinnen. Darüber hinaus achte ich also darauf, dass ich diese körperlichen Betätigungen auf eine Weise auswähle und ausübe, die mir Freude macht, die mir ein gutes Körpergefühl gibt, die mich erhebt und mich stabilisiert. Wenn ich kurz nach einer dreißig- oder sechzigminütigen Session nicht Lächeln muss und mich nicht super wohl fühle in meinem Körper, dann versuche ich rauszufinden, warum. Denn diesen Punkt möchte ich dann ändern. Weil neben der körperlichen Gesundheit der Spaß an der Bewegung auch im Mittelpunkt steht.

Foto: Frau dehnt sich vor einem herbstlichen Wald

„Ich mach die schönste Yoga-Pose“

Ein Bereich, von dem ich am Anfang dachte, er sei deutlich anders, ist eben das oben schon erwähnte Yoga. Ich habe natürlich in den letzten Jahren immer wieder mal einzelne Übungsabläufe mitgemacht, wenn die von einer Besucherin hier oder auf einem Festival angeleitet wurden. Aber mein Bild der Yoga-Szene war leider lang eines von Menschen, die viel Wert darauf legen, die fancy Yoga-Kleidung anzuhaben und möglichst toll in den unterschiedlichen Posen auszusehen. Bauch-Beine-Po-Yoga. Mit super starkem Fokus auf den körperlichen Aspekt. Durch viele Jahre, die ich mich mit westlicher Philosophie, Zen-Buddhismus und Taoismus beschäftigt habe, kam mir das dann aber stets zu schmal, zu unfertig vor. Eben wie ein Mode-Sport, wie körperliche Übungen, die für sich genommen mir persönlich weniger zugesagt haben wie zum Beispiel Animal Athletics.

Das aber hinter Yoga eigentlich selbstverständlich deutlich mehr steckt als die rein körperlichen Übungen wurde mir dann durch viele wunderbare Gespräche mit meinem Freund Philipp Strohm, dem Gründer von YogaMeHome*, deutlich. Den unterstütze ich seit einigen Monaten nun bei seinem Projekt und darf mich daher mit Yoga sehr intensiv auseinandersetzen. Und ja, Yoga ist definitiv mehr als die Asanas – also die Körperübungen. Diese stehen schon, so wie ich das verstehe, in Zusammenhang mit dem Atem. Und beides, also körperliche Aktivität und Konzentration auf den Atem, dienen dafür, den Geist dabei zu unterstützen, klar und ruhig zu werden.

Yoga ohne Asanas

Yoga, so schien mir also dann zunächst, ist etwas recht anderes als die anderen körperlichen Übungen, die ich mache. Klar eben auch mit einer körperlichen Komponente, die durchaus mal sportlich sein kann. Aber mit dem Unterschied, dass die Übungen einem ruhigen Geist dienen. Dass der Atem einem ruhigen Geist dient. Und dass wir mit diesem ruhigen Geist die Welt bewusster und reflektierter wahrnehmen können. Und damit unser Leben weniger abhängig ist, von impulsiven Reaktionen, die aus tiefsitzenden Mustern und Erfahrungen resultieren. Und nicht alle davon sind förderlich und gesund. Sich dieser bewusst zu werden, zwischen Wahrnehmung und Reaktion eine bewusste, reflektierte Ebene einzuziehen, scheint mir erstrebenswert. Ähnlich, wie das durch Meditation oder Achtsamkeitsübungen geübt werden kann.

Je öfter ich dann Yoga in Form der Asanas praktiziert habe, umso mehr habe ich dann aber wieder die Ähnlichkeiten erlebt, die das zu meinen anderen körperlichen Übungen hat.  Denn ich konzentriere mich bei allen Übungen, die ich mache, auf fließende Bewegungen, überwiegend langsam ausgeführt. Bei allen Übungen versuche ich den Atem und die Bewegungen in Harmonie zu bringen. Alle Übungen mache ich auch, um körperliche Freiheit und Stabilität zu bekommen, die mir ein gutes Heim sind. Und bei allen vermeintlich rein körperlichen Übungen kenne ich den Zustand, für den ich mal die Bezeichnung „Flow“ kennengelernt habe, den ich plötzlich erreichen kann. In dem es nur noch den Atem, die Bewegung und den Moment gibt.

Für mich ist Yoga also immer mehr zu einer Geisteshaltung geworden. Zu einem inneren Zustand, der förderlich ist, aber ohne Ehrgeiz. Vielleicht kann ich so weit gehen und sagen, dass ich Yoga also während Asanas üben kann, während einem Lauf durch den Wald, während dem Geschirrspülen und gerade auch während einem Gespräch mit einem anderen Menschen. Und genauso kann ich Laufen gehen, meine Muskeln trainieren oder Asanas machen, ohne dabei Yoga zu praktizieren. Frei zu entscheiden, ob ich nur den Körper seiner selbst und der Optik willen trainieren will, oder ob es eben um mehr geht.

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5 Gedanken über “Yoga kann immer sein

  1. madschuno

    Geliebtes Wesen – Michael ! Wie immer lese Ich mit aufmerksamer Anteilnahme deine Kommentare . . . diesmal mit einem Zusatz meinerseits versehen: Beim Nackt-Yoga (gab es mal für Mich mit dem no-guru-guru in Canossa) fallen die fancy-yoga-klamotten EINFACH weg (& DANN spielt es plötzlich auch überhaupt KEINE Rolle mehr, in WELCHEM Armanianzug Du DEINE Übung machst – kann nigalnagelneu sein oder abgerissen und verschmuddelt!) Die befreiendste & damit freieste Yoga“übung“ für Mich war jedenfalls der/die/das Orgasmic-Yoga in der Polyamoriegruppe des Christopher Gottwald, mit Ihm als DJ, weil das MIT Musik „gezündet“ wurde. Mag ja sein, dass Mich SPEZIELL Rhythmus so antörnt – der ja nichts anderes ist als: innehalten und/oder lauschen . . . mitgehen/mitmachen/mitleben . . . Was Ich Dir & Mir & Euch wünsche . . . & auch, dass Du/Ihr doch mal (bei Gelegenheit) auf Fraunhofelf vorbeischaut – die Türen sind offen . . .

  2. Martin

    Hallo Michael,
    das ist ja wirklich witzig dass Du jetzt auch Yoga für Dich entdeckt hast. Warum ich das „witzig“ finde?
    Ich bin auf euren Blog vor ein paar Jahren aufmerksam geworden als ich zum Thema Selbstversorgung recherchierte. Wir leben hier auf unserem Hof mit mehreren Generationen und vegan – Lisas Buch ist natürlich am Start ;)
    und wir bauen sehr viel Gemüse und Obst selbst an. Wobei – und das brauche ich Dir nicht erzählen – eine umfängliche Selbstversorgung ein sehr sehr hochgestecktes Ziel ist…
    Und jetzt schreibst Du auch noch über Yoga: Unser Hof ist neben all dem oben erwähnten ein Retreat-Ort mit der Hauptausrichtung auf – 3x darfst Du raten – YOGA :)
    Vielleicht magst Du ja mal persönlich oder zumindest virtuell vorbeischauen. Hier unsere Webseite: http://www.chaitanya.de
    Ich würde mich sehr über einen Austausch freuen. Und wenn Du keine Lust / Zeit dazu hast, dann ist es auch gut, und ich sende Dir einfach nur gleichgesinnte Grüße aus Norddeutschland!
    Martin

  3. Rabea

    Essenziell ist doch, dass du dich wohl fühlst und eine Positive Wirkung verspürst. Dich dir selbst und deinen Bedürfnissen näher fühlst und ihnen und dir bewusster wirst. So verstehe ich jedenfalls die Absicht von Yoga und habe es auch so beigebracht bekommen.
    Ich habe erst vor kurzem den Weg zu eurem Blog gefunden und er gefällt mir sehr gut. Besonderstoll ist, eure Beiträge sind mit so viel Persönlichkeit verfasst worden.
    Liebe Grüße

  4. Eva Walderdbeere

    Find ich sehr interessant und nachvollziehbar deinen Zugang :)

    War bei mir ein wenig ähnlich. Hatte große vorbehalte von „dafür bin ich zu faul und ungelenkig“ bis hin zu „das ist mir zu spirituell“. Bin dann eines Tages ins Yoga reingerutscht weil ich zwei Trainingsräume vertauscht hab und dann statt Wirbelsäulengymnastik 90 Minuten Yoga machen durfte. Das war dann meine dritte Yogaerfahrung damals (also die 3 Person die es mir näher gebracht hat) und da hat es gefunkt. Bin aber auch schon aus einer Yogaklasse gegangen weil es garnicht stimmig für mich war. Mittlerweile unterrichte ich selbst :) und lege (derzeit) den Fokus auf die Achtsamkeit (was teilweise auch die korrekte Ausführung der Asana bedeutet) während der Einheit. Und auch außer halb einer fixen Einheit. Yoga ist eben nicht (nur) Kopfstand :)

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