Wunderpflanze Brennnessel

Michael Hartl
Von Michael Hartl
18. Mai 2013

Seit meinem Löwenzahn-Artikel wollte ich über die Brennnessel schreiben. Aber der wunderbare Frühling sorgt dafür, dass wir sehr viel draussen sind und pflanzen und sähen und pflegen. Auch. erste Ernten von Salaten, überwintertem Mangold, Radieschen und vielen Kräutern standen und stehen an. Einfach wunderbar.

Die Brennnessel als Frühjahrskur

Aber zurück zur Brennnessel. Zur Urtica dioica, meinem Lieblings-Frühlings-Kraut. Denn sie ist zuallererst eine Pflanze die uns Menschen hilft, in den Frühling zu starten. Tees, Säfte oder die Pflanze direkt verzehrt wirken stoffwechselanregend und blutreinigend. Dank ihrem hohen Eisengehalt ist die Brennnessel darüber hinaus blutbildend.

Foto eines Brennnesselfeldes

Gemeinsam mit jungen Birkenblättern ergibt sich ein schmackhafter Tee für solche Frühjahrskuren. Aus Blättern und Stengeln lässt sich ein sehr intensiv schmeckender Saft pressen, der aber besser nur verdünnt genommen wird. Am besten in Säfte, Tees oder Green Smoothies gemischt. Gerade in letzteren passt die Brennnessel sowieso auch gut dazu.

Die Brennnessel als Lebensmittel

Alleine schon geschmacklich ist es eine Bereicherung, die Brennnessel mit auf den Speiseplan zu nehmen. Wir machen hauptsächlich Suppen und Spinate aus ihr. In Suppen kommen einfach grob geschnittene Blätter; in den Spinat die ganzen Blätter – ein bisschen Knoblauch und Salz dazu – fertig! Die Brennessel kann auch fein geschnitten in Salate oder als Toping kurz vor Ende der Kochzeit auf Gemüsegerichte, Aufläufe oder Pizza.

Wenn die „brennende Nessel“ frisch verwendet wird, muss sie von ihrem auf der Haut brennenden Gift befreit werden. Dazu müssen, einfach gesprochen, die Brennhaare abgebrochen werden. Praktisch kann man das tun, indem man die geernteten Blätter in ein Geschirrtuch gibt, dieses samt den Blättern einrollt und diese Rolle dann wringt, wie wenn man ein nasses Handtuch auswringt.

Foto von Brennnesseln

Von März bis September kann die Brennnessel frisch verwendet werden. Da besonders die jungen Blätter gut als Zutat verwendbar sind, einen Teil der Bestände mit der Sense zurückschneiden. Dann treibt die Brennnessel neu aus. Dabei aber immer einen Teil stehen lassen – für darauf angewiesene Tiere und für die Ausbildung von Samen.

Diese Samen sind übrigens auch eine gesunde und leckere Zutat im Essen. Sie schmecken leicht nach Sesam und sind geröstet, gemahlen oder einfach nur getrocknet eine tolle Zutat im Müsli oder auf Salaten. Wie die Blätter stecken auch die Samen voll Mineralstoffen und Vitaminen. Die Blätter sind darüber hinaus eine wertvolle Proteinquelle.

Die Brennnessel als Gartenhelferin

Doch die Brennnessel kann noch viel mehr. Als Zeigerpflanze verrät sie uns, dass dort, wie sie wächst fruchtbarer Boden vorhanden ist. Diesen Boden verbessert sie sogar noch, indem sie ihn mit ihrem Wurzelwerk auflockert. Als Mulch auf Beete aufgebracht und mit ein einer dünnen Grasschicht überdeckt führt er zur Bildung von wertvollem Humus.

Diese Wirkung entfaltet die Brennnessel auch, wenn sie Komposthaufen oder -mieten beigegeben wird. Auf dem Kompost dient die Brennnessel zusätzlich als Starthilfe.

Als ausgezeichneter Dünger für die Pflanzen im Gemüsegarten dient diese Wunderpflanze in Form der Brennnessel-Jauche. Um diese herzustellen übergießt man 1 Kilogramm Brennnesseln mit 10 Litern Wasser und lässt sie zwei bis drei Wochen gären. Dabei immer wieder mal umrühren. Die Jauche dann, wenn sie fertig ist, eins zu zehn mit Wasser verdünnen, bevor man damit gießt.

Brennnesseln sammeln, konservieren und aufbewahren

Foto einer Brennnessel

Wer die Brennnesseln auch im Winter haben will, schneidet sich die ganzen Pflanzen ab, bündelt sie und lässt die Büschel kopfüber im Halbschatten trocknen. Wenn sie komplett trocken sind, die Blätter von den Stängeln abstreifen und in Papier- oder Stoffsäcken aufbewahren. Die Wurzeln werden sauber von Erde gereinigt und auch getrocknet. Diese dann in einem verschließbaren Glas aufbewahren.

Wer mehr erfahren will über die Heilwirkungen der Brennnesseln, die Anwendung als Haarwasser oder zum Beispiel Brennnesseln bei Arthrose oder Rheumaleiden findet all das und mehr in Lisas Brennnessel-Artikel vom letzten Jahr.

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28 Gedanken über “Wunderpflanze Brennnessel

  1. Carmen

    Gegen Brennessel -Verbrennungen helfen bei uns die zerriebenen Wurzeln der Pflanze und die unteren Stängelteile, gleich frisch aus der Erde zerteilen und die betroffenen Stellen damit einreiben.

  2. Quer

    Mit Brennnesseljauche kann man auch eine Wildbienenart „Züchten“.
    einfach mal einen Eimer mit Brennnesseljauche „vergessen“,nach einiger Zeit schwimmen darin weißliche Maden mit Fadenschwanz.Das sind die Larven der sog.Mistbiene.Daneben noch einen Reisighaufen plaziert damit die Bienen nach dem verlassen des Wassers einen Unterschlupf haben.Diese Bienen sind robuster wie unsere Honigbienen,produzieren allerdings keinen Honig.Aber sie bestäuben auch unsere Pflanzen,ebenso reinigen sie das Wasser in dem sie lebten.Das Ganze funktioniert auch mit Tierjauche.

    1. Kerstin

      Hallo,
      ist zwar schon ein bisschen spät, aber ich habe diese Seite erst heute entdeckt.
      Ich benutze eng sitzende Gummihandschuhe – die, die man auch zum Abwaschen benutzt und preiswert im Supermarkt erhält… klappt gut, finde ich.
      LG, Kerstin

    2. Brennnesselfreund

      Hallo Friedhelm, klar den gibt es. Du musst einfach die äußeren Blätter über die inneren Klappen, also nicht die Blattunterseite anfassen und dann zusammenreiben damit die kleinen spitzigen Kanülhärchen zerstört werden, und dann kann man sogar das Blatt an Ort und stelle verspeisen ohne das irgendwas auf der Haut oder im Mund brennt.
      lg Christian

    3. Stephanie

      Hallo, gerade erst gesehen. Ja es gibt nen Trick. Ich Pflücke sie einfach entweder am Stiel oder das Blatt da wo es in den STiel geht. Da brennt es nicht.
      Wir trauen uns sogar das Blatt dann vorsichtig zu falten, verdrehen und ab in Mund. :-)))

  3. Fabian

    Hallo,

    sehr interessanter Artikel.
    Ich selbst trinke im Moment regelmaessig Brennnessel im Smoothie (vom Balkon, grosse und kleine Brennnessel).
    Mir ist jedoch nicht ganz klar, ob ich davon auch zuviel essen kann? Ich hatte gelesen das man nur junge Brennenssel essen sollte; was heisst den jung und was heisst alt? Und gibt es ein Problem mit Pyrolizidin bei der Brennnessel!?

    Vielen Dank und viele Gruesse
    Fabian

    1. Mathias

      Die jungen werden empfohlen, da sie nicht holzig sind. Eine andere Empfehlung ist bei älteren nur die oberen Enden abzuschneiden. Ich nutze oft mehr von den Pflanzen, da die Blätter nicht holzig werden und ein bisschen kauen ok ist (oder die Stengel eben auf den Kompost kommen).

      Pyrolizidin kommt nicht in Brennnesseln vor, wie kommst du darauf? Die Brennnessel verteidigt sich ja mit den Brennhaaren und anderen, relativ harmlosen Stoffen gegen ihre Frassfeinde. Die Stoffe können ausgewaschen werden und beim Kochen geht auch die Ameisensäure kaputt.

      Hier steht noch was zu längeren Zeiträumen (max. 3 Monate, 3x täglich) und dass man während der Schwangerschaft im allgemeinen auf entwässernde Tees verzichten soll (wozu auch Br.tee gehört)

      http://www.brennesseltee.eu/brennesseltee-nebenwirkungen

  4. Pingback: “Wie groß ist euer Land und zu wie viel Prozent versorgt ihr euch selbst?” | Experiment Selbstversorgung

  5. Theresa

    hey,

    erstmal ein riesen Lob für euren Mut und dass ihr eure Erfahrungen teilt!! :)

    Ich habe auch einen Garten. Ziemlich groß sogar – dafür dass ich mitten in der Stadt wohne ;) Ich frage mich allerdings gerade ob es sehr gesundheitsschädlich ist, wenn ich dort Brennnesseln und andere Kräuter zum eigenen Verzehr sammle. Wahrscheinlich ja.. :/ Allerdings haben wir in dem kleinen Stück Garten auch noch 4 Obstbäume und da beschwert sich ja auch niemand, dass es gesundheitlich bedenklich sein könnte. Vielleicht habt ihr ja Tipps oder Anregungen, denn im Internet finde ich leider nicht viel dazu.

    Liebe Grüße aus Rostock :)

    1. Kalle

      Heiho. Ich habe mich auch schon oft gefragt ob ich alles auf dem balkon (direkt rauszeigend zu einer viel befahrenen straße) essen darf … sicher ist – grünes was fernab der stat wächst ist mit hoher wahrscheinlichkeit gesünder. Warum ich es trotzdem esse? Einmal bin ich bei meinem Vater mit im Auto gefahren und wir haben über dieses Problem geredet … da zeigte er auf die Apfelplantagen, Gwtreidefelder etc. Am Rand der Autobahn u d hat mich gefragt ob ich denke, dass diese Aurobahn tatsächlich gesünder und sauberer sei als mein Balkon?

      Naja schön ist es wie gesagt nicht. Aber da ich eh mit jedem Apfel aus dem Supermarkt und jedem Korn Mehl die Abgase mitesse – tue ich es halt auch mit meinen Balkonsachen ….

  6. anonym

    Ja finde ich auch, Brennessel ist wunderbar und sehr vielfaeltig nutzbar. Brennessel ist auch als Faserpflanze erwaehnenswert. Frueher wurden daraus Textililien gemacht (Nesseltuch) als es noch keine Baumwolle gab …

    1. Arne

      Genau, die Fasern! Prima Schnüre kann man machen aus der Brennnessel … und ich liebe es die zu knüpfen! :D Die sind dann vielseitig einsetzbar, je nach Kreativität & Idee! ;) Und sehr widerstandsfähig sind sie auch, habe damit schon erfolgreich Feuer gebohrt!

  7. Pingback: Brennnessel auf unserem Teller | Zurück zum Ursprung

  8. minathene

    Brennesseln sind so lecker! Gestern hätte ich sie wohl besser essen sollen als aus versehen in sie reinzugreifen. Jetzt sitze ich mit scherzenden Fingern im Büro und werde fast verrückt :(

  9. Eva

    Rezept für Brennnesselblüten: Blüten pflücken, mit Knoblauch, Salz und Pfeffer in etwas Öl kurz braten – auf getoastetes Brot legen (oder auch ungetoastetes). Köstlich!!! Geht mit männlichen und weiblichen Blüten, besser sind allerdings die weiblichen. Mit reifen Samten noch im Blütenstand geht das auch noch.

    Liebe Grüße,

    Eva

  10. Stefan v. Hochfeld

    Servus,

    …auch zur Brennessel muss ich meinen Senf dazu geben.

    Du schreibst dass die Brennessel von dem Gift befreit werden muss.

    Dadurch verlierst du aber eine sehr interessante Eigenschaft.

    Wenn du die Brennessel, mit Gift, klein schneidest und dann in

    eine Gemüsesuppe gibt, etwas ziehe lässt, kannst du es schmecken.

    Einen leichten angenehmen Fisch Geschmack.

    Vielleicht liegt es am Acetylcholin das auch beim Gift des Feuerfisches und

    des Skorpionfisches zu finden ist.

    Übrigens hat man sich einmal gebrennesselt hilft Rumex (Ampfer), dieser sollte auch nicht weit entfernt zu finden sein.

    Ubi malum, ibi remedium (Wo das Übel da auch die Heilung) — Paracelsus.

  11. Ursula

    Hallo Lisa und Michael,

    Euere Artikel sind schön geschrieben und geben viel

    Information weiter. Das ist sehr schön.

    Ich kenne und benutze die Brennnessel seit vielen Jahren und kann das bestägigen was Ihr schreibt.

    Für die Ernte gibt es noch einen Trick, den Ihr vielleicht kennt oder auch noch nicht: Die Ernte nach dem Mondkalender. Das gilt für alle Pflanzen und noch vieles mehr. Mehr darüber bald in meinem blog.marisisofia.blog.de

    Sonnige Grüsse aus Spanien

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