Wollt ihr zurück ins Mittelalter?

Michael Hartl
Von Michael Hartl
26. März 2013

Irgendwie haben wir über das Internet bei der ein oder anderen Person den Eindruck erweckt, wir würden zurück ins Mittelalter wollen. Über das Internet, wohlgemerkt. Wir nutzen also Computer, das Internet, Telefone und trotzdem glauben manche, wir würden Technik ablehnen und keinerlei Automatisierung wollen.

Bemerkungen in die Richtung hab ich schon des öfteren gelesen und auch die Frage wird uns ab und zu gestellt.

Von Zweien, die Handarbeit lieben

Natürlich haben wir auf dem Blog immer wieder mal von Handarbeit geschrieben. Und davon, dass schwere Maschinen weder für Waldböden noch für Felder gesund und gut sind. Wir machen vieles mit den Händen, das andere maschinell erledigen. Und wir haben schon oft geschrieben, warum das so ist. Zum Einen lieben wir die Gemächlichkeit, die Verbundenheit und vor allem auch die Ruhe, die die Arbeit mit den eigenen Händen statt mit motorgetriebenen Gerätschaften mit sich bringen.

Wir beschreiben auch immer wieder, warum manche heute üblichen Varianten der Feldbewirtschaftung oder des Maschinierungsgrades nicht mehr gesund sind. Genug wissenschaftliche Fakten sind da ja auf unserer Seite, wenn es um Themen wie Bodenverdichtung oder Monokulturen geht. Und je weiter wir uns von diesen Auswirkungen wegbewegen möchten, umso höher wird der Handarbeitsanteil.

Ein solches Mischkultursystem ist ökologisch und für den Boden gut - aber nicht mit großen Maschinen umsetzbar.

Ein solches Mischkultursystem ist ökologisch und für den Boden gut – aber nicht mit großen Maschinen umsetzbar.

Aber lehnen wir deswegen gleich Technik an sich ab?

Was ist Technik?

Über diese Frage ließe sich lange philosophieren – aber ich versuche das hier mal recht knapp zu behandeln. Im heutigen Denken wird Technik oft gleichgesetzt mit technischen Gerätschaften. Aber es sind auch bestimmte Techniken, die beim Kultivieren von Land angewandt werden. Also auch Methoden sind Technik. Handwerk ist Technik. Denn ohne die richtigen Techniken kannst Du keine Suppenschale schnitzen, keinen Korb flechten und kein Haus bauen.

Ja selbst die Kunst und unter in ihr die höchste, die kluge Lebenskunst, sind Techniken. Zumindest früher wurde das mal alles so gesehen. Heute sind aber mit Technik vor allem die technischen Gerätschaften und ähnliches gemeint. Und mit der Floskel „zurück ins Mittelalter“ wird unterstellt, man würde all diese modernen technischen Gerätschaften ablehnen.

Wir und Technik

Also speziell wir würden sie ablehnen, denn wir werden ja gefragt, ob wir gegen alle Technik seien oder zurück ins Mittelalter wollten. Und jeder, der uns über das Netz kennenlernt, bekommt ja in Form der Website schon das Gegenteil präsentiert, bei genauer Betrachtung. ;)

Wir leben in unserer Welt, wie es uns gefällt! :)

Wir leben in unserer Welt, wie es uns gefällt! :) – Fotograf: Gilbert Novy

Von allen die uns in der physischen Welt kennengelernt haben gab es diese Fragen bisher nicht. Denn wir leben ja recht normal – nur dass wir halt im Allgemeinen zum Beispiel den Besitz, die Verwendung und die Pflege von Fahrrädern für angenehmer und klüger halten, als den von Autos. Im Speziellen kann ein Auto aber sicher mal clever und nützlich sein – bei unserem Umzug hier her zum Beispiel. Im Allgemeinen denken wir, dass schwere Maschinen oder solche, die das Bodenleben im großen Ausmaß vernichten, nichts auf unseren Böden verloren haben. Wenn aber steinharter Boden das erste Mal aufgebrochen werden soll und nicht die Zeit ist, zwei bis drei Jahre dort zu mulchen um das Beet anzulegen, kann ein Traktor im Speziellen sicher wertvolle Arbeit leisten.

Das ob ist nicht die Frage!

Es geht uns also gar nicht darum, ob wir Technik anwenden, sondern wie und in welchem Ausmaß. Es geht in einer Welt, in der wir gemeinsam das Ökosystem vernichten oder erhalten können, darum, die Auswirkungen unserer Handlungen zu bedenken. Und dabei weiter voraus zu denken und mehr in die Überlegungen mit einzubeziehen, als unsere Gesellschaft dies in den letzten Jahrzehnten getan hat. Es geht uns auch einfach darum, dass wir Technik nicht ihrer selbst willen einsetzen oder „weil man das halt so macht“, sondern wenn es uns hilft, ohne anderen zu sehr zu schaden. Wobei andere für uns auch Tiere und das Ökosystem als solches einschließt.

Wir lehnen Technik und Maschinen also nicht strikt ab. Sind also weder technik-feindlich, noch rückständig. Wir laufen aber auch nicht jeder technischen Neuerung und jedem Versprechen der Maschinierung fanatisch hinterher.

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

38 Gedanken über “Wollt ihr zurück ins Mittelalter?

  1. Pingback: Getreide mahlen ohne Strom

  2. Andreas

    Sozial und politisch gesehen, war das Mittelalter sicher keine schöne Zeit. In der Lebensweise würde ich schon gern in Richtung MA gehen. Bin auch Steinzeitfan.

    Ja, ich nutze auch den Laptop wenn ich mal Netz habe. Dummerweise braucht man heute dieses moderne Gerät, um erst mal zu lernen "einfach" zu leben.

    Außer in der Medizin, verdamme ich schon die moderne Technik. Ich versuche bei mir im Garten, aus Prinzip alles per Hand zu machen.

  3. man@nawiak.at

    hallo allrseits !

    eigentlich wollt ich schon vor einiger zeit antworten, aber wie ihr wisst, kommt da meistens etwsa dazwischen, was gerade jetzt erledigt werden soll und muss – irgendeine ausrede braucht der mensch ja, wenn schon nicht das wetter verantworlich gemacht werden kann.

    uns ( verein) geht es da ganz ähnlich. im kleinen gärtchen wird ein bisserl gemüse angebaut. das da keine maschinen zum einsatz kommen, ist jedem aus dem verwandten-, bekannten- und freundeskreis klar.

    wenn wir aber raus in die natur gehen und unserer leidenschaft fröhnen – dem leben mit in und von der natur – noch dazu nahezu keine ausrüstung mitnehmen, werden wir auch gefragt, ob wir uns die menschen zurück in die höhlen wünschen.

    natürlich könnten wir uns einen wohnwagen nehmen und irgendwo im grünen ein paar tage verbringen, aber das ist nicht das gleiche.

    jeden wochenanfang in der firma werde ich gefragt, ob ich am wochenende wieder im neandertal war. andererseits, wenn es darum geht, etwas über die natur oder das überleben in der natur in erfahrung zu bringen, kommen die selben leute und wollen sich informieren.

    der bezug und auch der zugang zu dem was man tut ist ein gänzlich anderer.

    bei eurem selbstversorgungsprojekt ist es ähnlich: man muss es tatsächlich verstehen um nachvollziehen zu können. leider scheitert es bei vielen unserer mitmenschen an beidem.

    soll aber niemanden aus der ruhe bringen, deshalb: Weiter so !!!

    liebe grüße,

    Manfred

  4. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

    Hallo Naturi,

    ich weiß nicht, ob wir uns in einer Sackgasse befinden. Es fühlt sich beim genaueren Betrachten schon so an, aber wirklich wissen tue ich es nicht. Aber selbst wenn wir es nicht wären, selbst wenn ein Lebensstil mit Auto fahren, Urlaubsflügen, viel Konsum und Junk Food ein gesunder Lebensstil wäre, der den Planeten nicht schädigt, würde ich ja unseren eingeschlagenen Weg fortsetzen. Einfach weil er mich zufriedener macht! :)

  5. Naturi

    Hallo, und danke für Eure interessanten Newsletter!

    Als jemand, der immer auf der Suche nach neuen Wegen ist, begegnet mir die von euch genannte Reaktion immer wieder. Selbst ein guter Bekannter von mir, kommt gerne mit der Antwort: Nein, ich will nicht zurück ins …zeitalter. Für ihn gibt es nur ein "Weiter".

    Als ich ihn dann neulich mal fragte, was er tue, wenn er bei seinen Fahrten bemerke, dass er sich in einer Sackgasse befände, ob er dann auch weiterfahren würde bis es kracht oder ob er dann dreht und wieder ein Stück zurückfährt um den richtigen Weg zu finden, gab es erstmal nur ein Schweigen als Antwort.

    Mir wurde dann im weiteren Gespräch klar, dass er eigentlich nicht das Gefühl hat, dass wir in einer Sackgasse unterwegs sind. Und ich glaube, dass das eines der Hauptprobleme ist, dass viele Menschen noch nicht erkennen, welchen Weg „wir“ eingeschlagen haben und dass wir uns in verschiedenen Lebensbreichen bereits in einer Sackgasse befinden. Sie erkennen auch nicht, dass wir in manchen Sackgassen schon so weit gefahren sind, dass es bereits kracht und trotzdem noch immer versuchen in die gleiche Richtung weiter zu fahren.

    Erst wenn man erkannt hat, dass der Weg zurück ja eigentlich der Weg nach vorne ist, der Weg der weiterführt, ist man bereit die Richtung zu ändern. Und wenn man umgedreht hat, geht man nicht mehr zurück sonder nach vorn.

    Ich freue mich, dass es immer mehr Menschen gibt, besonders jüngere, die das erkannt haben.

    „Wundere dich nicht, wenn dir auf deinem Weg jemand entgegenkommt. Es könnte sein, dass er schon erkannt hat, dass dieser Weg eine Sackgasse ist.“

  6. Heiner Schäfer

    Technik kommt von dem altgriechischen Wort techne, das wiederum Kunst bedeutet. Kunst ist eine Verbindung des transzendenten zur Stofflichkeit. Wer also alles mit großen Maschinen lösen möchte, ist in gewisser Weise technikfeindlich.

    Grundsätzlich bin ich dafür, dass Arbeiten, die Maschinen machen können auch von Maschinen gemacht werden sollen, damit Menschen für das Zeit haben, was sie besser als Maschinen können. Es sei denn etwas anderes spricht dagegen.

    Was neben den genannten Gründen gegen manche Maschinen spricht, ist der Kapitaleinsatz. In der Regel werdet ihr das Geld für eine große Landmaschine nicht auf dem Konto rumliegen haben. Also muss eine Finanzierung her. Finanzieren heißt Zinsen zahlen. Zinsen zahlen heißt mehr produzieren und verkaufen müssen. Mehr verkaufen müssen heißt immer auch mehr Arbeit, z.B. für Verkaufsförderung. Der Fachbegriff ist Total Cost of Ownership. Wenn man einmal in diesem Kreislauf steckt, ist es schwer, wieder herauszukommen. Es kann durchaus passieren, dass man irgendwann nur noch für die Bank arbeitet.

    Wenn in der Umgebung viele Menschen gerne von Euch mit Lebensmitteln versorgt werden wollen und gut dafür bezahlen, ist sicher die eine oder andere Maschine ein Segen. Aber nur, wenn die Maschinen auch durch unverziste Kunden-Einlagen finanziert werden. Ihr könntet den Maschinen-Finanzierern ja auch für eine gewisse Zeit Rabatt auf Lebensmittel anbieten.

    Jetzt bin ich aber weit abgeschweift um durch die Hintertür mein Lieblingsthema Zinsen einzuschmuggeln ;-)

  7. christa reitermayr

    ich denke auch, dass es ums WIE geht.

    es gibt durchaus situationen, in denen es sinnvoll ist, maschinen statt körperkraft einzusetzen.

    also, in meiner kindheit gab es tatsächlich – mangels waschmaschine- noch 1x im monat den großen waschtag. die wäsche wurde das ganze monat über gesammelt und dann farblich getrennt ( hell7 dunkel/ kochwäsche). im keller hatten wir eine wwaschküche. der name ist treffend, da es sich dabei tatsächlich im einen ofen handelte, der beheizt wurde. drüber war ein kessel eingemauert, in dem dann wasser erwärmt wurde. wenn es heiß genug war, wurde die entsprechende wäsche eingelegt, nach bedarf ausgekocht, mit der waschrumpel bearbeitet, usw.vermutlich war eine menge wissen dazu erforderlich, um die richtige wassertemperatur zu erwischen. waschmittel war übrigens kernseife.noch heute habe ich den seifigen geruch von frisch gewaschener wäsche in der nase…

    ok, das war jetzt nostalgische schwärmerei…in wirklich keit war meine mutter echt froh, als dann endlich eine waschmaschine ins haus kam, bei einer damals 6-köpfigen familie durchaus eine erleichterung des alltags.

    denn wäschewaschen war ja traditionell frauenarbeit, wie sovieles andere, wofür es heute maschinen gibt.

    im übrigen denke ich mir beim lesen eures blogs auch, dass ihr technik durchaus sinnvoll nützt.

    liebe grüße, christa

  8. Jens

    Wenn man das Mittelalter genau betrachtet, hat die Industrialisierung bereits damals begonnen. Es war der Anfang des massiven Einsatzes von Maschinen. Die Maschienen waren noch grösstenteils aus Holz gefertigt, doch wurden massive "Fortschritte" in der Technik gemacht. Dies war nötig, da die Nachfrage nach Nahrungsmitteln der wachsenden Städte befriedigt werden musste und somit der Druck zur Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft sehr hoch war.

    Es wurden immer bessere Pflüge erfunden und eingesetzt. Die Felder wurden grösser und an praktisch allen geeigneten Flusslagen enstanden Mühlen für Getreide und andere frühe Industrien. So entstanden auch bereits lärmige, wasserbetrieben Schmieden bei denen die Schmiedehämmer automatisch angetrieben wurden.

    Details dazu können im sehr empfehlenswerten Buch "Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa" von Hansjörg Küster nachgelesen werden. ISBN-13: 978-3406453571 Das Buch beschreibt sehr schön wie es zur heutigen Kulturlandschaft kam und ist auch für Gärtner sehr interessant.

    Den Ausagen in den einigen Kommentaren bezüglich Bauern und dem Hauptinterssen an Maschienen kann ich nicht zustimmen. Die Bauern die ich persönlich kenne, machen sich sehr wohl viele Gedanken über den Boden. Sie suchen auch nach Möglichkeiten die Techniken zu verbessern und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu fördern. Oft fehlt es jedoch genau an Techniken, welche in grossflächiger Landwirtschaft profitabel eingesetzt werden können. Leider können Mulchen, Kompostwirtschaft, Mischkulturen und andere im Garten funktionierenden Techniken nicht so direkt auf grossflächige Landwirtschaft übertragen werden. Ich bin zuversichtlich, dass sich auch in der Landwirtschaft neue, bessere und umweltgerechtere Methoden entwickelt und eingesetzt werden (müssen).

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Danke Jens,

      ja, ich sehe das mit den Bauern auch sehr ähnlich wie Du. Im Übrigen gibt es bereits Direktsaat-Verfahren (ohne Bodenbearbeitung) und Mulch-Saat, wo großflächig mit Mulch gearbeitet wird. Also im Feldbau.

      Du schreibst in Deinem Kommentar ganz beiläufig ganz kurz über den großen Denkfehler: groß und profitabel. Daran wird es scheitern, sollte es scheitern.

      Je kleiner der Anbau ist, je kleinstrukturierter die Landwirtschaft ist, umso höher der Ertrag. Das ist ein x-fach belegter Fakt. Je höher der Industrialisierungs- und Maschinierungsgrad, umso schlechter die Energieausbeute – die kehrt sich dann oft sogar um.

      Rein den wissenschaftlichen Fakten nach geht es also nicht um größer, moderner und technisierter, sondern um das genaue Gegenteil davon. Und dazu müssten wir als Gesellschaft vom Profitdenken weg kommen.

      Mehr Infos über die Energie-Verbräuche der jeweiligen Methoden hab ich im Artikel Würdest Du mit dem Auto über Dein Beet fahren? niedergeschrieben.

      1. Jens

        Individuell ist es meiner Meinung nach sehr schwer für den Bauern aus gross und profitabel herauszukommen. Kurzfristig bedeutet eine Reduktion der Ackerfläche einen reduzierten Ertag und profitabel muss es nun mal sein, damit der Bauer wie gewohnt davon leben kann. Richtig reich wird ja selten einer, grosse Abstriche will momentan jedoch auch kaum jemand machen.

        Die Umstellung eines Betriebes kann oft (ohne wirklichen Druck) nur langsam geschehen (Umstellung bedeutet nun mal Risiko) und meistens muss der anfängliche Ertragsausfall durch einen Nebenjob kompensiert werden.

        Wenn man ein paar Schritte zurück macht und das ganze System betrachtet wird das längerfirstig schon richtig kommen. Dazu muss jedoch der Preis von momentan viel zu billigen Gütern, welche von fossilen Brennstoffen abhängen (ja fast alles) teurer werden. Es wird nicht mehr Hunderte von Jahren brauchen bis die fossilen Brennstoff knapper werden. Dadurch wird sich die ganze Wirtschaft insbesondere die Landwirtschaft umorganisieren müssen.

        Es wäre natürlich schön, wenn die Menschheit als Ganzes nicht erst in der Extremsituation/Katastrophe umdenken würde. Meiner Meinung nach zeigt die Geschichte jedoch ziemlich schön, dass wir als Gesellschaft erst bei der Katastrophe oder kurz davor reagieren.

        Meine Schlussfolgeung daraus ist jedoch nicht, dass wir einfach warten sollen bis es sich das System durch Zwang ändert. Es sind dringend Pioniere nötig, welche neue Techniken und Lebensweisen erproben. Meiner Meinung nach werden die erfolgreichen Techniken in der vollen Breite der Gesellschaft genutzt werden, sobald der Druck für Veränderung hoch genug ist.

        In dem Sinne wünsche ich allen viel Spass beim experimentieren.

    2. sabine

      Hallo Jens, zu deinem Kommentar, dass diverse Methoden wie Kompost etc. auf großen Flächen noch nicht eingesetz werden können, möchte ich ein wenig widersprechen. Auf großen mehrere Hundert Hektar Demeterbetrieben wird Kompost sehr wohl gut eingesetzt. Ich selbst habe meine 25 ha ebenso mit Kompost, auf den ja im bio.dyn. Landbau extrem Wert gelegt wird, eingesetzt. Schon vor 30 Jahren haben wir hier mit Pfluglosem Ackerbau herumexperimentiert.Auch wird im Feldbau statt Mulch teilweise Untersaat verwendet und die interessante Mischung von Mais mit Bohnen habe ich in der Südoststeiermark ebenfalls vor 7 Jahren schon auf großen Feldern gesehen.Es gibt genug gute Möglichkeiten der schonenden Bodenbearbeitung auch im Ackerbau. Dazu gehört nach meiner Erfahrung allein schon die Auswahl des richtigen Zeitpunktes. Nun hat sich aber die Landwirtschaft in den letzten 15 Jahren so entwickelt, dass es nur noch wenige Vollerwerbsbetriebe gibt und im Nebenerwerb,wenn der Betriebsführer einer anderen Arbeit nachgehen muss, dann bleibt für die Feldbearbeitung eben nur wenig Zeit und diese muss dann bei jedem Wetter geschehen, egal wie nass oder unpassend es ist.Oder die Arbeiten werden überhaupt an Dienstleister abgegeben und denen ist dein Boden völlig wurscht. Weiters ist es für die Bauern in klein strukturierten Gegenden wo sie von einem zu anderen kleinen Feld über Strassen fahren müssen fast unmöglich, den großen Aufwand von Zwillingsrädern zu betreiben. Also ich bin auch ganz der Meinung, so wenig Maschine wie möglich, so schonend wie nur geht und ich kenne eben auch noch genügend vor allem ältere Vollerwerbsbauern, die auf ihren Boden schauen und "Gefühl" dafür haben, bzw. bei den heuigen Dieselpreisen nicht unnötig Sprit verfahren. In dieser Hinsicht wird sich sowieso im kommenden Jahr einiges verändern, nachdem die letzte Periode der Dieseltreibstoffrückvergütung zu Ende gegangen ist. Das wird nun sehr spannend. Und da denke ich, dass die, die sich nun hier so Gedanken machen a la longe wohl die Nase vorne haben werden. Ich schau mich schon um nach alten Männern in Ungarn, die mir das Arbeiten mit Pferd oder Ochs beibringen und lege die Zucht meiner Kühe immer mehr auf robuste Tiere, die auch ohne Getreide Leistung erbringen aus. Bei den vielen Pleiten, die die Biomasseheizkraftwerke in den letzten Jahren erfahren müssen, zeigt sich ja bereits der viel zu große Energie input am Feld/Wiese.

      1. Jens

        Danke für die Einsicht. Ich habe bis jetzt leider noch keinen Bauern in meiner Gegend getroffen oder einen Betrieb gesehen, welcher in diese Richtung erfolgreich Landwirtschaft betreibt. Da muss ich wohl mal etwas genauer hinkucken/rumfragen.

        1. sabine

          Lieber Jens, das tut mir leid, denn es frustriert, wenn man keine positiven Impulse und Entwicklungen in seinem Umfeld sieht. Aber ich kenne etliche wunderbare Groß- und Mittelbetriebe, manche davon sind Stiftungen, da ist dann die Produktivität nicht so im Vordergrund, manche sind einfach hervorragend geführt.Lg Sabine

  9. SchneiderHein

    Dieser Post gefällt mir so gut, jetzt nehme ich Euren Link endlich mit!

    Wir haben zwar den ehemaligen Nutzgarten, den wir 1996 übernommen haben, in einen Wohngarten verwandelt, in dem uns Schnecken & Zecken nun fast jegliches ernten von der Hand in den Mund verleiden, aber ein Technikfan bin ich im Bereich Garten auch nur bedingt: Elektrischer Fuchsschwanz, Heckenschere, Kettensäge, Laubsauger, Dampfstrahler und allerlei anderes Technikgedöns käme mir auch nicht in den Garten. Jedes Jahr werden ich daher von unseren Nachbarn mitleidig belächelt, wenn ich unsere Vorgartenhecke mit der Hand schneide. Aber ich hasse einfach diese Geräusche bei der Gartenarbeit. Gut, dass es schon seit vielen Jahren Leisehächsler gibt. Denn früher, als die noch laut rumschepperten, weigerte ich mich die Dinger zu nutzen.

    Es gibt wirklich viele Geräte, die für manche nützlich und hilfreich sind. Das sehe ich bei meiner Mutter. Mit Arthrose in den Händen ist der Schnitt ihrer Buchsbaumhecke ohne Akkuschere nahezu unmöglich – oder würde danach zur Einnahme von Schmerzmitteln führen bzw. sie müsste jemanden mit dem Schnitt beauftragen. Da wäre dann der Schnitt ohne elektrisches Gerät nahezu unbezahlbar. Aber deswegen darauf verzichten?

    Jeder hat andere Fertigkeiten oder körperliches Einschränkungen. Und im gewerblichen Bereich gelten eh' ganz andere Maßstäbe als im Hobbygarten. Darum ist es gut, dass jeder die Wahlmöglichkeit hat.

    Allerdings bin ich immer froh, wenn in den Nachbargärten mal nicht die Rasenmäher, Heckenscheren, Dampfstrahler oder Laubsauger laufen und man in Ruhe den Garten und die Gartenarbeit genießen kann …

    LG Silke

  10. Rob

    Interessant ist auch folgendes:

    Ich wurde während meiner Arbeit auf dem Feld oft gefragt was das den wird. Nach meinen Erklärungen kommt dann oft die Antwort: …viel Arbeit! Das könnte stimmen, wenn man es so betrachtet. Im Gegenzug stelle ich ihnen aber dann immer die Frage, ob ihr Walking oder Spazierengehen auch unter Arbeit fällt?! So mancher schaut dann etwas verwundert.

    Oder: viele haben eine Schneefräse für ein paar Quadratmeter, die dann auch leidenschaftlich benutzt wird. Anschließend gehen sie dann eine große Runde spazieren!

    Da stimmt doch was nicht, oder liege ich da falsch?

    1. sabine

      oohhjaa, wie oft schmunzel ich genau darüber, wenn dickbäuchige typen auf ihren rasenmähertraktoren ums haus düsen und nun auch noch die tollen schneefräsen.aber die schlechten fitnessstudios wachsen wie die schwammerl aus dem boden, ist halt doch fad, was tun mit sooo viel freizeit. aber bin ich doch froh, der bewegungsmangel bringt uns (medizin/therapie) wieder patienten (ich arbeite in der bewegungstherapie ;-)). ansonsten will ich mich ganz dem kommentar von seelenherz anschließen. für manche menschen ist diese belächelte technik und da sogar die schneefräse eine große erleichterung für den alltag.

      ich selbst habe so wie lisa und michael gelebt bis ich eines tages einen sehr schweren unfall hatte. das schmerzensgeld davon habe ich zum überwiegenden teil für maschinen ausgegeben, denn ich hätte mein wunderschönes landleben aufgrund meiner vielen handicaps aufgeben müssen. also es ist alles relativ.

  11. Olli

    Sehr gut geschrieben. :)

    Genau so seh ich es auch und ich hoffe, dass es schnell mehr Menschen werden die so denken bevor es für unsere Erde zu spät ist.

    … oder besser gesagt …

    bevor es für die Menschheit zu spät ist.

    Die Erde wird es auch noch nach uns geben und die Natur wird sich den zerstörten und vergifteten Lebensraum zurückholen.

  12. SeelenHerz

    Zudem ist es für mich ein Genuß mit den blosen Händen in der Erde zu wühlen. Es fühlt sich so…menschlich-himmlisch an.

    Auch ich bevorzuge Handarbeit in vielen Bereichen meines Lebens – doch die technischen Geräte haben durchaus ihre Berechtigung, allerdings nur dort wo es Sinn macht (wie auch Kerstin geschrieben hat).

    Alleine die Annehmlichkeiten in deinem Haus oder der Wohnung: fließendes Wasser aus dem Hahn, warmes Wasser aus dem Hahn, die Heizung, Telefon, Herd, Kühlschrank, Waschmaschine – alles Technik bzw. technische Geräte die uns das Leben sehr erleichtern.

    Dagegen stehen z.B. diese schweren Baum-Killer-Maschinen, welche innerhalb einer Minute einen Baum fällen, ihn entasten, schälen und zerstückeln. Zudem den Waldboden zerstören und die Tiere verschreckt. Sinnvoll?

    Oder einfach nur Jalousien die man elektrisch hoch und runter fahren kann. Sinnvoll?

    Für einen jungen, durchtrainierten Sportler der im ersten Stock eines Mehrparteienhauses wohnt mag ein Lift nicht sehr sinnvoll sein – für einen alten, gebrechlichen Menschen oder jemanden im Rollstuhl ist derselbe Lift absolut sinnvoll um in das selbe Stockwerk zu gelangen.

    Ob etwas sinnvoll ist oder nicht, kann jeder nur für sich selbst entscheiden.

    Menschen welche gerne mit den Händen arbeiten sind nicht automatisch "rückständig". Sie lieben einfach nur den Kontakt mit dem was sie tun. Sie lieben es mit den Händen zu erschaffen. Ganz mit dem Tun zu verschmelzen.

  13. Monika Krampl

    Die Antwort ist so einfach nicht. Denn eigentlich geht es gar nicht um die Frage ob Einsatz von Technik/Maschinen oder nicht.
    Worum es geht ist, dass euer Mut und eure Veränderung – von euch selbst, dem Umgang mit euch selbst und der Umwelt, Angst machen und Aggressionen wecken. In unserer Zeit, in der es darum geht, möglichst konform zu gehen mit Konsumzwang – Einkaufen, Autos, Häuser, Schönheit, Jugendlichkeit, etc., etc. – sind Menschen die (nicht Aussteigen), sondern wieder Einsteigen ins Leben eine Bedrohung.
    Und auf Bedrohung des eigenen (vermeintlichen) Ichs, des eigenen Lebensstils und der Lebensphilosophie, wird entweder mit Angst oder Aggression reagiert.

    Dass immer wieder geäußerte Vorwürfe und/oder Kritik verunsichern ist normal. Es hat aber auch sein Gutes, weil, so wie ihr auch, dann das eigene Verhalten und die eigenen Meinungen nochmals reflektiert, und damit wieder ein mehr an Sicherheit gewinnt.

    Ich habe am Wochenende an einem Permakultur-Workshop teilgenommen. An diesem Workshop haben 30(!) Menschen teilgenommen. Sehr gut gefällt mir, dass sich hier altes Wissen und Erfahrungen mit neuem Wissen und Erfahrungen verbinden.

    Ich habe gelernt, Erde mit meinen Sinnen wahrzunehmen und zu bestimmen – nämlich die Erde zu fühlen, sie zu betasten und zu kneten, an der Erde zu riechen und sie zu kosten!
    Und ich habe den Unterschied wahrgenommen, zwischen Erde die mit Hand-Werk gut gepflegt wird und Erde, über die mit Maschinen drübergefahren wird.

    Was ich mir mitgenommen habe und mit euch teilen möchte:
    „Gib was du kannst und nimm was du brauchst“ (Genevieve Vaughan)

    Weiter so und liebe Grüße
    Monika

  14. Hilke

    Für technikfeindlich hielt ich euch nie – sonst würdet ihr euch hier und auf Facebook ja gar nicht präsentieren. Ich finde eure Einstellung wiederum sehr gut – Technik in Maßen, wie sie eben hilft. Bleibt weiter am Ball. :) Ihr seid inspirierend.

  15. Kerstin

    Tja, die gute fachliche Praxis ist noch immer nicht bei den meisten angekommen. Bodenverdichtung und Nachhaltigkeit sind für viele immernoch ein Fremdwort. Wirklich schade, dass in unserer Gesellschaft alles Alte als schlecht gilt. Andere Völker haben das Wissen der Waisen geschätzt und es nicht einfach ignoriert. Das Ergebnis unserer Ignoranz sind vom Mais ausgelaugte Böden und wir essen Kulturgemüse, das weniger Inhaltsstoffe hat als Löwenzahn. Wir haben Hochenergiegräser und die Tiere sind krank und brauchen Antibiotika in rauhen Mengen. Man kann viel tun, aber ob es sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt Papier. Vielleicht sollte man einfach ab und an inne halten, sich setzten und über den Sinn seines Tuns nachdenken.

    1. Rob

      Hallo Kerstin,

      sehr gut erkannt und geschrieben. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Bauern nur an neuen Gerätschaften usw. interessiert sind. Bodenstruktur, Bodenleben, alternative Bewirtschaftungsformen ohne tiefe Bodenbearbeitung usw. interessiert keinen, zumindest habe ich noch keinen davon reden hören. Aber ganz grundsätzlich fehlt es ihnen einfach an Wissen. Dieses Wissen kann man aber nur mit Interesse aufbauen, aber daran mangelt es eben – wie oben beschrieben. Darum müssen wir uns damit abfinden, dass sich nichts ändern wird.

      1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

        Hallo Rob. Also DIE Bauern sind ALLE gegen Änderungen und bessere Bodenbearbeitung. Schade nur für diese Sichtweise, dass es viele Bio-Bauern und -Bäuerinnen gibt, die sehr wohl sehr viel machen für die pfluglose Bodenbearbeitung oder ähnliches. Oder Lisa und ich als Bäuerin und Bauer sind auch "ein bisschen" daran interessiert.

        Also kurz gesagt: ich würde das nicht so negativ sehen und nicht verallgemeinern.

        1. Rob

          Da habt ihr mich wohl missverstanden. Erstens habe ich geschrieben, dass dies meine Erfahrung ist, also mit den Bauern mit denen ich zu tun habe (alle konventionell, es gibt in meiner näheren Umgebung keine Biobauern!). Zweitens habe ich es als selbstverständlich vorausgesetzt das Biobauern normalerweise etwas anders denken!

          Ja, es gibt viele Beispiele die es vormachen und mit denen habe ich mich schon intensiv auseinandergesetzt. (Friedrich Wenz, Sepp Braun, Franz Brunner, Uwe Wüst….).

          Aber die Mehrheit denkt…"das haben wir schon immer so gemacht (pflügen) und es funktioniert ja!" Warum etwas ändern?

          Ist es nicht so?

          1. Kerstin

            Hallo Rob,

            ich stimme dir zu 100% zu. Mein Agarwissenschaftsstudium hat mich eins gelehrt: Bauern nehmen nur etwas an, wenn es billiger ist als das, was sie sonst tun. Das Traurige: Ihre Anbauwiese ist teurer . Warum? Weil mit der Stückzahl- Ökonomie wir genau an dem Punkt sind, an dem man sich fragen muss, ob inklusive Maschinenkosten, Dünger/ Futter, Spritzmittel/ Medikamente sich das ganze noch lohnt. Leider fehlt hier immernoch die Tatsache, dass ein ausgelaugter Boden ebenfalls einen Preis hat. Ein verseuchter Fluss ebenso. Man kann also nicht mehr tun, als dies zu kommunizieren und mit den Menschen sprechen.

            Lieber Michael,

            natürlich trifft das nicht auf wirklich alle Bauern zu, aber auf verdammt viele. Die Politik tut das Ihre, indem sie diesen Unsinn unterstützt. Genau aus diesem Grund sind Menchen wie du und Lisa so wichtig. Wieviele Bauern haben euch angeschrieben und sind bei euren Camps? Bestimmt nicht viele. In Deutschland herrscht nämlich für gewöhnlich die " ich lerne in der Schule und danach nie mehr" Methode…

            Danke für eure Antworten.

            Alles Liebe eure Kerstin

              1. Kerstin

                Danke für das Video. Leider sind es bei uns immer die " Alternativen" und Hobbygärtner. Ich erlebe das hier oft im Obstbauverein. Da hat man einen alten Mann mit 80 Jahren, der seit 70 Jahren Bäume schneidet und sich belehren lässt und das beste für seinen Baum und seine Vögel will und es auch tut. Wir haben auch Gartenbaubetriebe dabei und Bauern. Sie kommen, hören zu, gehen früher und veranstalten dann das allerletzte mit den Bäumen…Es ist zum Haare raufen. Zuletzt hat einer vom Nabu unsere Wildkräuterführerin und Biosphärenbotschafterin der Streuobstwiesen von einer Wiese verjagd…Herr werf Hirn herab.

                1. Rob

                  War letzte Woche auch auf einem Schnittkurs. Der Mann war auch 74 Jahre, aber absolut undogmatisch und sehr nett. Die meisten sind viel früher gegangen, kann ich bestätigen (lag aber wahrscheinlich auch am Wetter!) Bezüglich Obstbaumschnitt versuche ich den Öschbergschnitt umzusetzen.

                  Ansonsten ist es wirklich zum davonlaufen, wie die Leute ihre Bäume schneiden. Die meisten stürmen einfach drauf los und attacke – ohne Plan.

                  Ich persönlich schau mir den Baum über längere Zeit an, denke nach, versuche ihn zu "lesen", stelle mir vor, usw. Erst wenn ich ein schlüssiges Konzept habe hole ich die Schere.

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