wir sind dann mal weg…

Michael Hartl
Von Michael Hartl
6. Februar 2012

Seit einiger Zeit haben uns erste Zweifel geplagt, die anders als von manchen in den Kommentaren zum damaligen Artikel vermutet nichts mit dem Winter oder Ungeduld zu tun haben. Wie ich auch in einem Kommentar dort versucht habe zu erklären, grübeln wir derzeit ja in keiner Sekunde über das Abbrechen unseres Weges als solchen oder über ein Ende unserer Idee. Wir versuchen die Idee weiterzuentwickeln und einen zielführenderen Weg dafür zu finden.

Die Entscheidung steht für uns und das liebe Paar, mit dem wir nun seit sieben Monaten zusammenleben fest: Lisa und ich werden weg gehen aus Tschechien.

Für uns ist die individuelle Selbstversorgung kein ausreichendes Ziel. Und wenn wir Selbstversorgung so umfassend begreifen, wie wir es tun, auch kein sinnvolles Ziel. Es geht uns um ganze Netzwerke oder Regionen, die eine hohe Autarkie anstreben. Um gegenseitige Unterstützung, Freude an der Kooperation und ein genügsames Leben. Und solche Ziele erfordern auch (lokal)politisches Engagement, soziale Interaktionen und Diskussionen grundlegender Fragen. Dies ist alles in der Muttersprache besser möglich, als in einer Fremdsprache. Und unsere Lebenszeit ist nun mal begrenzt.

„Fremdsprachen spreche ich mit dem Kopf – die Muttersprache mit dem Herzen.“

Höfe und Gemeinschaften gesucht

Nun sind wir also wieder an einem Punkt, den wir schon aus Erfahrung kennen. Die Suche beginnt erneut. Aber so unverkrampft wie die ersten Male, so dass es weniger eine Suche als viel mehr ein offen sein für phantastische neue Ideen und Möglichkeiten ist. Und es wird etwas kommen! Dank unserem Idealismus, unserem Freiheitswillen und der puren Freude an den Wundern der Natur hab ich in dem Punkt keine Zweifel.

Wir werden demnächst ein paar Zeilen dazu schreiben, was uns wichtig ist und wie wir zukünftig unsere Leben gestalten wollen. Ob sich was ändert zum bisherigen – und wenn ja, was. Wir sind offen für die Teilnahme an bestehendem oder geplantem. Wir sind aber auch offen, (wieder) etwas eigenes zu starten. Wenn der richtige Hof und / oder die richtige Gemeinschaft auftauchen, wird es sich einfach richtig gut anfühlen. Und dann werden wir den Schritt gehen.

In der Zwischenzeit

Wir werden die nächste Zeit Projekte und Gemüsebaubetriebe besichtigen, von denen wir lernen können. Werden wwoofen, um tollen Projekten oder Höfen zu helfen. Und wir werden durch all das neue Inspirationen bekommen. Und von wo wir dürfen und mögen werden wir natürlich auch berichten.

Wer hat Vorschläge, welche Projekte oder Betriebe wir unbedingt besuchen sollten? Wer lebt selbst in einer tollen Gemeinschaft und würde uns das zeigen? Oder welche Ideen habt ihr, was wir in der Zwischenzeit noch tun könnten?

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

35 Gedanken über “wir sind dann mal weg…

  1. Pingback: Über Selbstversorgung « Blogoin

  2. Reto

    Hallo Marek, meine Frau ist Tschechin und wir sind gerade in Tschechien auf der Suche nach einem kleinen Hof. Auf dem Rückweg in die CH diesen Mittwoch oder Donnerstag würden wir gerne mal bei dir vorbei schauen und dir ein paar Fragen stellen zur Selbstversorgung in CZ. Würde mich freuen von dir zu hören. Liebe Grüsse, Reto

  3. Pingback: Viele Ideen, einige Angebote und vielleicht etwas konkretes

  4. Anna

    Hallo :)

    Wir sind 2011 nach Süditalien gezogen und bauen da gerade was auf. So autark wie möglich, so wenig Rechnungen monatlich wie machbar, Tiefbrunnen mit Quellwasser ist gebohrt, die Hütte ist fast fertig, Hennen, Fisch und Schnecken sollen im Sommer kommen, Topinambur und 33 Obstbäume sind vorerst gepflanzt.

    Es sind noch mehr Deutsche hergezogen, aber weiter weg. Und andere wollen noch kommen.

    Es lebt sich einfach entspannter mit Bauern ringsum, kleinen Märkten, viel Sonne und Wärem und das Meer nicht weit entfernt mit Treibholz und Fisch.

    Außerdem schön, dass man einfach einen Kanin bauen kann und 4 Wände – und es ist ein Haus.

    Unser Bauvertrag für das Haus besteht aus einer halben DIN-A4 Seite ;)

    Würde mich über Emailkontakt freuen!

    Bei youtube sind wir als "pugliaprivat" – zur Zeit aber noch fast leer, da wenig Zeit fürs Internet, das Grundstück braucht uns!

    Liebe Grüße und alles Gute – Anna :)

    http://www.youtube.com/user/pugliaprivat/videos

  5. Katharina

    Hallo Ihr beiden,

    erst einmal ein dickes Kompliment für den tollen Blog.

    Auch (mein Liebster und ich) sind auf der Reise zu unseren Familienlandsitz und eigener Ökosiedlungsgründigung.

    Wir haben uns vor kurzem erst kennengelernt und gehen jetzt gemeinsam den Weg.

    Wir waren erst vor kurzem in der Toscana um nach einen geeigneten Lebensraum zu finden…

    Vor ein paar Wochen haben wir dann meine Wohnung in Deutschland komplett aufgelöst und sind nach Südfrankreich gereist…

    … hier leben wir nun und sind dabei unsere Lebensvisionen weiter zu verwirklichen…immer noch auf der Suche nach dem geeigneten Grundstück für unser Vorhaben.

    Ich freue mich sehr…. mehr von euch zu lesen..

    und ein großes Netzwerk Gleichgesinnter zu weben.

    …vielleicht sollten wir auch mal über einen Blog über unsere Reiseberichte ins Leben rufen…. danke für die vielen Inspirationen…

    Herzlichst

    Katharina

  6. Pingback: Die nächsten Schritte

  7. Marek

    Das ist schade. Ich hatte immer das Gefühl, dass ihr keine Fortschritte mit Tschechisch macht, weil ihr das einfach für keine Priorität haltet. Im Sommer habt ihr gesagt, wir starten mit Tschechisch im Winter, wenn wir nicht so viel Arbeit haben. Im Dezember hat Lisa gesagt, es ist doch noch kein Winter! :) Und jetzt, wenn wir endlich einen echten Winter haben, stellt ihr fest, dass ihr weggehen müsst, weil ihr nie gut tschechisch lernen könnt! Na geh!

    Natürlich könntet ihr viele gute Gründe haben, warum ihr euch lieber woanders niederlassen möchtet. Wenn aber wirklich die Sprache das einzige Problem ist und alles andere für euch in Solany klappt, dann glaube ich ehrlich, dass ihr einfach zu früh resigniert habt.

    Ich bin nämlich absolut sicher, dass ihr innerhalb von einem Jahr kommunikationsfähig werden könntet, wenn ihr euch der tschechischen Sprache täglich widmen und mit dem tschechischen Paar nicht nur auf englisch reden würdet. Dann wäre es nicht nur möglich, sondern auch nicht so schwer.

    Ich habe damit eine persönliche Erfahrung. Im Sommer 2008 war ich zwei Monate in Österreich. Damals war ich fast gar nicht in der Lage deutsch zu sprechen oder verstehen. Daher hab ich nur englisch gesprochen und gar keinen Fortschritt mit Deutsch gemacht.

    Im Frühjahr 2009 hab ich entschieden, dass ich Deutsch selbst lernen möchte. Meine Ursprüngliche Idee war, dass ich jeden Tag etwa 20 neue Vokabeln lerne – memoriere. Das war aber sehr anstrengend und ich hab das nicht mehr als einen Monat ausgehalten. Allerdings hab ich damit gelernt die Grundwörter zu verstehen. Dann war ich auf einmal fähig, die meisten deutschen Texte zu lesen, obwohl ich vielleicht jedes zweite Wort im Wörterbuch suchen musste. Mit meinem PC-Wörterbuch ist das aber relativ schnell gegangen. Weil ich mich für die österreichische Tierrechtszene viel interessiert habe, hab ich dann fast jeden Tag deutsche Texte von TR-Webseiten gelesen.

    Das Überraschendste für mich war, dass ich dann den größten Fortschritt gemacht habe, ohne dass ich irgendetwas anstrengend lernen – memorieren musste. Nicht mit Vokabelnlernen, sondern damit, dass ich fast täglich mit der Sprache in Kontakt gegangen bin, nachdem ich sie schon mit dem Wörterbuch und mit Kenntnis der Grundgrammatik und Grundwörter verstanden habe, habe ich den echten Fortschritt gemacht.

    Nach 4 Monaten vom Deutschlernen habe ich Lisa im Sommer 2009 zuerst getroffen und sie kann jetzt sicher bestätigen, dass ich dann schon eine Grundkommunikation auf deutsch führen konnte. Nach 12 Monaten war ich schon in der Lage, fast alle Texte und Hörtexte (ohne Dialekte) im Grundsatz ohne Wörterbuch verstehen. In der aktiven Sprache war ich immer ein bisschen zurück, weil ich sie hier in Tschechien nicht viel geübt habe. Im Oktober 2011 hab ich mich jedoch für eine C1 Deutschprüfung angemeldet und musste daher meine aktive Sprache verbessern. Dann habe ich wieder gestartet, Grundvokabeln zu memorieren. Nach zwei Monaten habe ich die Prüfung bestanden und vom Sprechen habe ich 30 von 30 Punkte bekommen.

    Was möchte ich damit sagen? Ich habe deutsch innerhalb von 2 und halb Jahren sehr gut gelernt, aber nur 3 Monate davon habe ich mit dem Gefühl verbringen, "jetzt lerne ich deutsch". Nur 3 Monate habe ich dafür Mühe angewendet – 1 Monat zuerst, um die Grunwörter und Grundgrammatik zu fassen, und dann 2 Monate, um mich auf die Prüfung vorzubereiten. Alles andere ist natürlich, ohne Mühe erfolgt, nur weil ich fast täglich in Kontakt mit der Sprache, von der ich schon etwas verstanden habe, gegangen bin.

    Natürlich ist Tschechisch viel schwieriger als Deutsch, das Hauptproblem ist aber nur die Grammatik. Ihr müsst aber die Grammatik nicht nötig gut beherrschen, um kommunizieren zu können. Deswegen glaube ich, dass es geht. Versucht es zumindest. Verbringt einen Monat intensiv mit den tschechischen Lehrbücher (ihr habt doch viele gekauft!), um die Grundlagen zu fassen. Dann sprecht mit den Tschechen so viel tschechisch wie möglich und lest ein bisschen von den Lehrbücher auch. In einigen Monaten werdet ihr kommunikationsfähig. Ich bin sicher.

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo Marek,

      danke für Dein sehr langes Kommentar. Ich stimme Dir prinzipiell schon zu.

      Dein Ziel war ja nicht an sich, deutsch zu lernen, sondern weitergehende. Also nicht deutsch lernen zum Selbstzweck, sondern – wie Du schreibst – deutsch lernen, um deutschsprachige Texte lesen zu können und mit einer Tierrechtsbewegung in Austausch treten zu können, die Dich phasziniert (hat) und nunmal deutsch spricht.

      Übertragen auf uns wäre das, Motivation tschechisch zu lernen daraus zu ziehen, dass wir dort (was uns eben wichtig ist) zum Beispiel politisch sehr aktiv sein könnten. Und warum wir zu Zweifeln begonnen haben, habe ich auch im Artikel geschrieben:

      Es geht uns um ganze Netzwerke oder Regionen, die eine hohe Autarkie anstreben. Um gegenseitige Unterstützung, Freude an der Kooperation und ein genügsames Leben. Und solche Ziele erfordern auch (lokal)politisches Engagement, soziale Interaktionen und Diskussionen grundlegender Fragen. Dies ist alles in der Muttersprache besser möglich, als in einer Fremdsprache.

      Denn dafür braucht es bäuerliche Netzwerke, (lokal)politische Arbeit, Diskussionen, und so weiter. Und dafür gibt es, wenn wir ehrlich sind, nicht nur sprachliche Hürden.

      Wir sind in unseren Leben nicht immer weiter gekommen und zufrieden geworden, weil wir der Masse hinterher oder irgendwelchen Schwierigkeiten davon laufen würden. Wir sind in dieser wunderbar ruhigen Zufriedenheit, weil wir immer wieder kritisch und selbstreflektiert hinterfragen was wir tun und wie wir es tun. Und wenn sich dabei bestimmte Ergebnisse häufen und damit ein immer stärkeres Handlungsbedürnifs entsteht, dann sollte man offen für einen nächsten neuen Schritt sein. Sobald dann nach ausreichender Überlegungs-, Nachfühl- und Ruhezeit Herz, Bauch und Hirn alle zustimmen – sollte man den Schritt auch gehen. Nichts anderes machen wir gerade.

      1. Marek

        Natürlich ist alles in der Muttersprache besser möglich als in einer Fremdsprache, das ist aber doch keine neue Erkenntnis, das müsst ihr schon früher gekannt haben. Trotzdem habt ihr euch für diesen Hof entschieden, ihr wart total sicher, dass er so viel besser als die anderen ist, dass es der Mühe wert ist, mit den Sprachhindernissen zu kämpfen. (Als ich euch im Sommer mit dem Umziehen geholfen habe, habt ihr überzeugend gesagt, jetzt ziehen wir uns zum letzten Mal.)

        Ich hab nur versucht zu erklären, dass es gar nicht so schwer sein muss, die Sprache zu lernen, wie ihr geschrieben habt ("Aber das [unser Tschechisch] zumindest die nächsten Jahre nicht gut genug sein wird, steht für uns im Moment leider außer Zweifel."). Auf meiner persönlichen Erfahrung wollte ich beweisen, dass es schon doch innerhalb von einem Jahr gut genug (auch für irgendeine Form von lokalpolitischem Engagement) werden kann and dass es gar nicht so anstrengend sein muss, wenn ihr euch dem Lernen in einer richtigen Weise widmet, was ihr meiner Meinung nach noch nicht gemacht habt.

        Es kommt aber natürlich darauf an, ob ihr den Hof noch immer so toll (und so viel besser als die anderen) findet, dass es für euch der Mühe wert ist. Ich möchte nur nicht, dass ihr das Gefühl bekommt, dass die Hindernisse unbeherrschbar sind.

  8. Carsten

    Es ist nicht leicht, den richtigen Weg zu finden und man kommt wohl nicht umhin, einige Wege ein Stück weit zu gehen um zu sehen. Unser Projekt "Bergsmossen" in Schweden ist nun auch an einem Wendepunkt. In diesem Jahr ändert sich alles. Ich werde höchstwahrscheinlich auch nach Deutschland zurückgehen und genau wie ihr dort nach vielversprechenden Projekten schauen bzw. einfach Netzwerken. Eine Lektion aus der Einsamkeit des schwedischen Waldes ist, daß es ohne soziale Strukturen, ohne ein nahes Netzwerk aus ähnlich arbeitenden Menschen nicht geht. Eure Idee, bzw. Euer Anspruch, in einem größeren Radius Veränderung herbeizuführen klingt gut.Es bleibt spannend. Viel Erfolg!

    1. Cobo

      Sepp Holzer habe ich 2007 besucht… ist ganz nett bei ihm. Ich war damals schwer begeistert und hab auch lange mit seinem Sohn geplaudert der bei der Führung dabei war. Allerdings lassen sich viele Dinge die er zeigt nicht in kleinem Maßstab übertragen. Permakultur an sich ist eine tolle Sache, ich weiß aber nicht wie gut Sepp Holzer deren Ideen wirklich umsetzt.Aber schauts euch selbst an… man muß sich sein eigenes Urteil bilden :)

    1. Peter

      Servus Ihr zwei Beiden, das was Waltraud schreibt kann ich Euch auch empfehlen. Ernst ist ein ausgezeichneter Kenner der Pflanzenwelt und bietet eine Lebensinsel der besonderen Art. Besucht ihn mal, Ihr werdet staunen ;-)Klasse, dass Ihr Euren Weg so geht. Beste und sonnige GrüßePeter

  9. Gert Schmidt

    Deutschlands Norden könnte sich eignen: Hier ist ein Demeterhof, der von Bürgern gemeinsam bewirtschaftet wird und Entwicklungspotenzial für die nächsten Jahre bietet: Hof Luna in Everode http://www.hof-luna.de In der Region Hannover und beschäftigen wir uns mit CSA / Selbstversorgung – und hier gibt es auch eine elementare, große Bürgerbewegung, die sich für den veganen Lebensstil einsetzt.Es bieten sich gleich mehrere Gründe, mal hier vorbeizuschauen ;-)Auf jeden Fall alles Gute für euch!

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