Wie gestalten wir die Zukunft, die wir wollen?

Meine Überlegung zu einem anstehenden Vortrag

Michael Hartl
Von Michael Hartl
7. Oktober 2015

Hinweis: Dieser Artikel wurde im Vorfeld eines Vortrages geschrieben, der bereits im Oktober 2015 gehalten und auf Video aufgezeichnet wurde. Die Überlegungen sind aber trotzdem nach wie vor aktuell! Das Video findest Du unter Was ich in sechs Jahren Selbstversorgung lernen durfte.

Viele Faktoren sprechen derzeit dafür, dass es so nicht weitergeht, wie wir die letzten Jahrzehnte gewirtschaftet und gelebt haben. Die Grenzen der ökologischen Tragfähigkeit werden regelmäßig überschritten, die Nachrichten zeigen immer wieder, dass das Finanz- und Wirtschaftssystem nicht mehr rund läuft und begründete Fluchtbewegungen schutzbedürftiger Menschen nehmen weltweit zu.

Es läuft also einiges schief und wir brauchen als Gesellschaft eine Veränderung zu einem stabileren und faireren System in dem Menschen zufrieden und mit hoher Lebensqualität ihre Potenziale möglichst gut entfalten können. Das erfordert auch Änderungen unseres Lebensstils: Nutzen statt besitzen, einen Teil der eigenen Lebensmittel selbst produzieren und vorhandene Güter pflegen und reparieren sind nur drei Beispiele. Aber die Gesellschaft als Ganzes muss sich verändern. Indem möglichst viele Menschen aktiv zu handeln beginnen. Denn es gibt keinen Weg zur Veränderung. Die Veränderung ist der Weg.

So wird derzeit ein Vortrag von mir angekündigt, den ich am 17. Oktober 2015 auf der TEDxLinz-Konferenz halten darf. Das Thema der Veranstaltung lautet „Is it the Future we want?“. Ist das die Zukunft, die wir wollen?

Wie gestalten wir unsere Zukunft?

In meinem TEDx-Talk möchte ich einen Beitrag zu dieser Frage leisten. Ich schreib noch an dem Vortrag, aber die Richtung ist durchaus klar. Ich möchte möglichst einfach aufzeigen, woran das System aus meiner Sicht derzeit krankt und wie wir die Zukunft ganz konkret gestalten können. Jede einzelne von uns. Den fertigen Vortrag werde ich auch hier online stellen, wenn es so weit ist – aber mich würden Eure Gedanken zu dem Themenfeld interessieren und ich darf zwei Eintrittskarten für die TEDx-Konferenz verlosen. Zu beidem aber weiter unten mehr.

Mein Vortrag wird sich ein wenig an unserem Weg orientieren. Vom politischen Aktivismus, über das Selbstversorgungs-Projekt, in dessem Rahmen ja auch dieser Blog entstanden ist, hin zu einem breiteren Ansatz. Denn einige Fragen und Diskussionspunkte kamen in den letzten Jahren in Gesprächen mit Interessierten und Besucher*innen an unseren Höfen immer wieder auf.

Warum nicht einfach aussteigen?

Eine der Gesprächsthemen, die mich verfolgen, seit wir diesen Weg gehen, ist das, warum nicht ganz aussteigen? Warum nicht erst mal die eigenen Schäfchen ins Trockene bringen? Zum einen, weil es natürlich ein absurder Vorschlag an vegan lebende Menschen ist. ;) Zum anderen, weil das für uns einfach nie in Frage kam. Wir wollten ja die Welt verändern. Wenn man das so nennen mag. Darum ja auch der Blog, die Bereitschaft Interviews zu geben, Vorträge zu halten, zu Kursen beizutragen und nicht zuletzt eben Besuche am Hof zuzulassen.

Aber klar habe ich diese Frage immer verstanden! Es ist ja oft schmerzhaft zu sehen und zu erleben, wie Wirtschaft und Politik hier immer wieder falsche Wege einschlagen – oder alte Glaubenssätze und Herangehensweisen auf die Probleme der Zukunft anwenden. Als Beispiel nur kurz: Früher haben wir Autogestoppt, also per anhalter gefahren – heute zahlen wir über Mitfahrzentralen dafür. Und wir waren gratis couchsurfen – und heute zahlen wir über Rbnb dafür. Und die Firma, die das ganze aufgebaut hat, verdient sogar noch mit. Dafür, dass sie für den Markt einfangen, was selbstorganisiert und nahezu geldfrei neben ihm entstanden war.

Aber lächeln wir einfach darüber. Im Wissen, dass sich neue Ideen immer durchsetzen werden, wenn ihre Zeit gekommen ist.

Das System im Großen ist schwer zu ändern – aber fangen wir bei uns an!

Foto eines lichten Waldes, durch dessen Bäume die Sonne scheint

Ich bin ja streckenweise selbst der Meinung gewesen, dass sich die Gesellschaft nicht retten lässt. Ganz einfach weil da zwei sehr beständige Systeme sind. Die sich gegenseitig bedingen und fördern. Kapitalismus und die Konsum-Demokratie. Die sich selbst infrage stellen müssten und sich so fundamental ändern müssten, dass sie nicht mehr die selben blieben. Und sowas passiert selten von innen heraus.

Aber das ist auch egal, denn hoffentlich ist die Macht dieser beiden Systeme gar nicht so groß, unser Verhalten zu bestimmen. Sie setzen uns gewisse Grenzen für mögliche Handlungsmuster, wenn wir uns im legalen Rahmen bewegen wollen. Aber sie können nicht vorschreiben, wie wir uns entscheiden. Ob wir ein Werkzeug kaufen – oder es beim Nachbarn ausleihen. Ob wir ein eigenes Auto kaufen oder mit Menschen aus der Umgebung einen Carsharing-Verein gründen.

Neue Lebensweisen wollen eingeübt werden

Natürlich gehen all diese Veränderungen nicht von heute auf morgen. Wie eine neue Sportart zu beginnen oder eine neue Sprache zu erlenen muss auch ein anderer Lebensstil individuell wie gesellschaftlich nach und nach eingeübt werden. Fertigkeiten und Handlungsweisen, die ermöglichen, dass wir in dieser Gesellschaft anders leben können. Mit mindestens gleichbleibender Lebensqualität, weniger finanziellem Aufwand und deutlichen sozialen Gewinnen.

Einige Projekte, die das heute schon vorzeigen, möchte ich dann auch im Vortrag vorstellen. Kennst Du Lernorte, Plätze für den Wandel, oder wie auch immer ich das nennen mag, die ich als Beispiele zeigen könnte? Orte, an denen Menschen anders leben und kooperieren? Seien es FoodCoops, Gemeinschaftsgärten, repair cafes oder sonstige Projekte. Wenn ja: Ab damit in die Kommentare! Und Gedanken zu diesen Überlegungen hier oder etwas, was Du ganz unbedingt mit in einen solchen Vortrag packen würdest, wenn Du ihn halten könntest? Dann auch ab damit in die Kommentare.

Verlosung von zwei Karten für die TEDxLinz-Veranstaltung

Logo des Logos der TEDx Veranstaltung in LinzBEREITS VERLOST!!!

Und für alle, die zur TEDxLinz-Konferenz am 17. Oktober 2015 kommen wollen und gerne ein Ticket gewinnen wollen: Glück gehabt! Wir verlosen hier zwei Tickets! Am Freitag ziehe ich aus allen Abonnent*innen unseres Veranstaltungs-Newsletters zwei Gewinner*innen. (Nicht mit dem Artikel-Newsletter verwechseln!) Du hast ihn noch nicht abonniert? Dann los:

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

11 Gedanken über “Wie gestalten wir die Zukunft, die wir wollen?

  1. Martin Garms

    Zu Deiner Frage:
    Ich finde die Tempelhof- Gemeinschfat einen der interessantesten Plätze, die ich kenne – innerhalb 4 Jahren 80% Lebensmittel-Selbstversorgung für über 100 Bewohner umzusetzen ist die Tatkraft und Praxisorientierung, die wir heute brauchen.
    Aktuell bauen sie in einer großen Gemeinschaftsaktion mit 80 Helfern das erste Earthship – ein Haus, das sich komplett selbst versorgt und haben es als erste in Gesprächen mit der Gemeinde geschafft – trotz den deutschen Baubestimmungen – eine Baugenehmigung zu bekommen. Der Bau wird dokumentiert, am 23. 10 sendet das ZDF einen Bericht und auf der Website
    http://www.earthship-tempelhof.de/
    gibt es wunderbare kurze Filme über den Baufortschritt, die echt Laune und Mut machen!
    Mit herzlichen & verbundenen Grüßen, Martin Garms

  2. Jürgen Shogun

    grüß euch, Freunde,

    nun, mir fällt auf, daß eine Wirtschaft in Form des bedingten Tausches nicht funktionieren kann. Dieser bedingte Tausch hat zur Folge, daß Strategien wie die geplante Obsoleszenz verfolgt werden, und so die Möglichkeit für nachhaltiges wirtschaften in keinster Weise gegeben sein kann!!!! Die Folge ist ein verderben des Lebens.
    GEBEN und bekommen lautet die Devise für die Zukunft, die ich will. (für andere zu sprechen steht mir nicht zu)

    freuend auf einen guten Vortrag grüßt dich Jürgen.

  3. Lino P.

    Hey Michael,

    wie mir scheint, hast du alle wesentlichen Ideen sowie den roten Faden schon beisammen. Aus meiner Sicht: Die eigene Verantwortung wahrnehmen. Bewusste Entscheidungen zu alltäglichen Dingen treffen. Gewohnheiten lassen sich (spielerisch und gar mit Freude) ändern. Der rote Faden folgt einer einfachen & „kreisläufigen“ Logik.
    Für deinen Vortrag bedeutet dies: Simply connect the dots & make people understand & see the circles. :-)
    Viel Erfolg!

  4. Monika Krampl

    Nicht nur mit dem Thema „Wie gestalten wir unsere Zukunft“, sondern auch „Wie gestalten wir unsere Gegenwart“, beschäftige ich mich schon sehr lange. Erst als Teil der Zivilgesellschaft in vielen Projekten, seit einem halben Jahr in der Politik. Ich füge einen Blog-Text von mir ein, der mir passend erscheint.

    Zusammenbringen was zusammengehört – Politik & Zivilgesellschaft – und gemeinsam neue Wege beschreiten
    Einer der Gründe warum ich nach 30 Jahren Arbeit in Projekten und Initiativen der Zivilgesellschaft in die Politik (Die Grünen St. Pölten) gegangen bin ist, Zivilgesellschaft und Politik zusammen zu bringen.
    Auf der einen Seite gibt es die mit Recht (Partei-)Politikverdrossenen.
    Auf der anderen Seite gibt es die vielen Menschen aus der Zivilgesellschaft – Bürger und Bürgerinnen – die in den letzten 30 Jahren aufgrund neuer Bedürfnisse, Wünsche und Erfordernisse in den verschiedensten gemeinschaftlichen Projekten viele neue Organisations-, Kommunikations- und Lernmethoden entwickelt haben, die nicht nur dem Zeitgeist entsprechen, sondern die auch in die Politik Eingang finden sollten.
    Zivilgesellschaftliche Projekte, Initiativen und Netzwerke sind zu wichtigen Treibern von innovativen Entwicklungen geworden und die involvierten BürgerInnen haben sich durch soziales Lernen, experimentieren und Wissensaufnahme neue Kompetenzen angeeignet.
    Auch die BürgerInnen in den einzelnen Projekten mussten lernen. Sie lernten, dass man im wertvollen Chaos Ideen und Visionen haben kann, dass für die Umsetzung – Ideen zur Welt zu bringen – Strukturen notwendig sind. Da die alten hierarchischen (von oben nach unten) Strukturen nicht mehr passten, haben sie vielfältigste, neue, kreisförmige (auf gleicher Augenhöhe) Strukturen und Methoden entwickelt.
    Politik kommt nicht mehr bei den Menschen an, wenn es nicht mehr um das Gemeinwohl – um die Bedürfnisse – der Menschen geht, sondern um die so genannten „Sachzwänge“.
    Politik kommt auch nicht mehr bei den Menschen an, wenn PolitikerInnen nicht merken, dass ein Paradigmenwechsel stattfindet, dass sich die Werte, Bedürfnisse und Wünsche von Menschen verändert haben. Und vor allem sind viele Menschen der „Autoritätsgläubigkeit“ des 20. Jdhts. entwachsen. Wobei so manche „Landesfürsten“ noch aus den Formen des 19. Jdhts. heraus agieren. Das passt nicht mehr und Menschen wollen das auch nicht mehr.
    Grade die sehr engagierten Menschen wollen über ihren Lebensraum und die Entwicklung der Gesellschaft mitgestalten und mitbestimmen. Tun sie das doch – bis jetzt noch nicht wahrgenommen von der politischen Ebene – schon eine ganze Weile!
    Und – sie können das genau so gut und schlecht wie PolitikerInnen. Vielleicht sogar ein Stück besser, nicht weil sie besser sind, sondern weil sie eine Fehlerkultur entwickelt haben, in der Fehler als wertvoll erachtet werden und daher einen Lernprozess anregt.
    PolitikerInnen müssen aufwachen und aufhören zu glauben, dass „nur sie“ fähig sind Politik zu machen. Es ist an der Zeit, gemeinsam Politik zu gestalten – PolitikerInnen und jene Bürger und BürgerInnen aus der Zivilgesellschaft, die bereit dazu sind und sehr viel an Engagement, Erfahrung und Wissen mitbringen.
    Der Hunger nach gemeinsinnigen, lebensbejahenden Wirtschaftsformen wächst (Zitat: Heini Staudinger)
    Der Hunger nach gemeinsinniger, lebensbejahender Politik wächst auch!

  5. Jutta Müller

    Lieber Michael, ich nehme schon lange voller Bewunderung an eurem Leben, euren Ideen und euren Anregungen teil. Danke dafür! Es gibt Hoffnung, dass es junge Menschen wie euch gibt, denn leider gibt es auch eine ganze Menge handy- und internetsüchtiger junger Leute, die wie Zombies herumlaufen.
    Was m.M.n. noch Raum finden sollte in einer „Zukunft, die wir wollen“, wäre der Bereich Bildung, ev. die Freilernerbewegung oder das natürliche Lernen, also die angeborene Begeisterung der Kinder für ihre Bildung zu nutzen: http://www.lais-schule.at.
    Vielleicht auch noch die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens, der Gemeinwohl-Ökonomie, der solidarischen Ökonomie, der ressourcenbasierten Ökonomie – einer Welt ohne Geld.
    Liebe Grüße Jutta Müller

  6. Peter Sauer

    http://www.reggiopaedagogik.eu/
    https://de.wikipedia.org/wiki/Reggio-P%C3%A4dagogik
    auf diesen Seiten ist vieles zur Reggio-Emilia-Pädagogik zu finden. Eine Art frühkindlicher Begleitung die auf regionaler Ebene mit Eltern und Organisationen (hoffentl. bald auch in Ö.) zusammenarbeitet, um die Kinder positiv zu stärken. Besonders wichtig, wie ich finde, ist es möglichst früh die Grundsteine für ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu legen…
    Alles Gute für deinen Vortrag :-) Pete

  7. Ulli

    Hallo Michael!

    Hier ein paar „Netzwerke“ die ich im Raum Wels nutze bzw. kenne:

    – Repair Cafe Wels
    – Die Vorratskammer-bio aus der region
    – wir gemeinsam- tauschkreis
    – garten eden-gemeinschaftsgarten

    Mehr fällt mir grad nicht ein, ist schon spät! ;)

    Alles Gute für deinen Vortrag. Am liebsten würd ich mal euren Hof besuchen,aber es gibt so wenig frei Termine dafür….sehr schade!

    Lg

    Ulli

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