Wie finanziert ihr Euer Selbstversorgungs-Leben?

Michael Hartl
Von Michael Hartl
1. Februar 2013

Uns hat per Email mal wieder eine Frage erreicht, die in der ein oder anderen Weise immer wieder gestellt wird. Darum möchten wir diese Frage heute erneut beantworten.

Hallo ihr Lieben,
[…] meine Frage: ich habe es so verstanden, dass ihr beide nicht arbeitet. Aber irgendwie müssen doch solche Sachen wie Grundsteuer, Gas, Wasser und Strom, Telefon und Internet, und sonstiges bezahlt werden. Wie macht ihr denn das?

Die Frage nach dem Geld kommt relativ häufig. Scheint also viele zu beschäftigen. Wie könnt ihr Euch das leisten? Wovon zahlt ihr die Dinge wie Versicherung, Pacht oder Grundsteuer? Und so weiter. Und obwohl UNSER Weg keine Kopiervorlage sein kann, weil jeder Mensch sich seinen eigenen Weg erschaffen muss, möchte ich heute kurz darauf eingehen.

Vom Selbstversorgen und vom Aussteigen

Interessant finde ich dabei, wie viele Menschen anscheinend „selbstversorgen“ mit „aussteigen“ gleichsetzen. Denn wären wir Aussteiger*innen, würde ich die Frage verstehen. Wenn jemand nicht mehr „am System“ teilnehmen möchte, also auch dem Geld und sonstigem „Mitspiel“ an der Gesellschaft den Rücken zukehrt, finde ich auch interessant, wie so ein Mensch dann seine Pflichtzahlungen leistet oder was sie oder er im Falle einer Verletzung tut.

Wir sind aber gar keine Aussteiger*innen. Waren wir nie und haben wir nicht vor. Wir sind tief drin in der Gesellschaft und möchten mit ihr gemeinsam an ihrer Zukunft arbeiten. Einer der Wege, die wir dabei beschreiten, ist unser Experiment Selbstversorgung. Also unser Versuch, uns mit möglichst vielen der von uns benötigten Dinge selbst zu versorgen. Ohne das wir uns dabei verkrampfen oder unzufrieden werden. Diese „Dinge“ können Lebensmittel genauso sein wie Bildung, Holz, Mobilität oder Kleidung.

Woher kommt aber nun Euer Geld?

Ganz überraschend: wir verdienen es. Im Moment sogar recht bunt: Wir arbeiten gerne in Forst- und Landwirtschaft mit, helfen mit Freude im Weinbau und sehen im Leben generell mehr Chancen als Hindernisse und sind uns halt nicht zu fein, für sich anbietende Arbeiten. Darüber hinaus gibt es eben verschiedene Selbständigkeiten. Lisa bietet zum Beispiel Wildkräuterführungen und ähnliches an, um Kindern und Erwachsenen mehr Kenntnisse über unsere Umwelt zu vermitteln. Und sie hat ihre Leidenschaft für Hoopdance zum Beruf gemacht und stellt Hula Hoop Reifen in Handarbeit her und verkauft sie über das Internet. Ich (Michael) helfe zum Beispiel Organisationen rund um ihre digitalen Projekte, baue auch mal die ein oder andere Website und moderiere Veranstaltungen.

Wichtig ist uns, dass wir in Bereichen produktiv tätig sind, die wir lieben. In einem Ausmaß, das uns bereichert.

Unsere Vision: Leben rein durch den Hof

Foto vom Garten von Lisa und Michael aus dem Jahr 2012

Unser zukünftiges Ideal wäre einmal, so wenig Geld wie möglich zu brauchen. Und dieses nur noch durch selbständige Arbeit, ganz überwiegend durch das Herstellen und Verkaufen von landwirtschaftlichen Produkten, leben zu können. Auch wäre es toll, Menschen Naturerfahrungen zu ermöglichen und sie ihre eigenen Potentiale erkennen zu lassen. Wie das allerdings aussehen könnte, steht für uns noch in den Sternen.

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

36 Gedanken über “Wie finanziert ihr Euer Selbstversorgungs-Leben?

  1. Christoph

    Hallo zusammen, ich habe ebenfalls einen interessanten Ansatz, woher das Geld kommen kann. ich bin zwar noch kein Selbstversorger, aber plane es aktuell. Ich bin gelernter Hotelfachmann und mein Plan besteht darin, im Hotel auf 20-Stunden Teilzeit Basis im Frühstück zu arbeiten. Die Vorteile für mich:
    ein stabiles (wenn auch kleines) Einkommen,
    Sozialleistungen werden gezahlt, man ist also krankenversichert,
    es bleibt trotzdessen noch Zeit für das eigene Domizil,
    bezahlter Urlaub,
    und Hotels sind oft sehr spendabel wenn es um die Versorgung der Angestellten geht, sprich beim Frühstück kann man oft auch selbst etwas essen.
    Dazu verfügen Hotels oft über öffentliches Internet, man kann also viel dort erledigen und drucken und kann zu Haus auf einen Internetanschluss verzichten, was wieder Geld spart.
    Auch duschen und vieles andere kann man im Hotel erledigen ;-)
    SIcher ist es für einige ein Widerspruch zur Freiheit, da es ein Arbeitsvertrag ist, aber so lassen einen auch alle Ämter in Ruhe und man kommt damit super aus.
    Soviel also zu meinem Ansatz.
    Liebe Grüße, Chris

  2. maria watteroth

    Hallo ihr Lieben!
    Mit grossem Interesse habe ich die vielen Kommentare zum Tema Selbstversorgen und Geldverdienen gelesen. MeinWunsch ist es , mein Leben nachdem die Kinder ausgeflogen sind auf dem Land zu verbringen. Im naechsten Jahr wird es soweit sein.
    Ich lebe seit 28 jahren in Bolivien. Bin als Krankenschwester im „Entwicklungsdienst “ hierher gekommen. Ich verdiente damals sehr wenig . Schnell lernte ich meinen Mann kennen. Sein Verdienst war noch bescheidener, wenn er Arbeit hatte. Mit ein wenig Erspartem,das ich hatte , kauften wir ein kleines Haeuschen. Bald kam das erste Kind. Dann verlor mein Mann seine Arbeit, mein Vertrag war ausgelaufen, meine Ausbildung wird in Bolivien nicht anerkannt. Mit Hilfe einer Freundin begannen wir mit Broetchenbacken. Die Unsicherheit, was wir machen wuerden , wenn die Kinder krank wuerden, oder wir einen Unfall haetten , bedrueckte mich sehr, aber meistens hatte ich viel zu viel zu tun , um daran zu denken .Nach und nach konnten wir unser Geschaeft erweitern, bis ein vegetarisches Restaurant daraus geworden ist. Es ging uns gut. Die drei Kinder sind erwachsen. Vor zehn Jahren konnten wir ein grosses Stueck Land .fast 50 Hektar sehr billig kaufen. 2000 Dollar.Es war bergig, auf 3400 Metern Hoehe , stark erodiert , fast ohne Vegetation, Ein Haus gab es natuerlich auch nicht. Aber eine Wasserquelle gab es. Ein Campesino,der mal bei uns arbeitete sagte, dass er dieses Land nicht mal geschenkt naehme. Wir begannen mit Aufforsten. Auch die Kinder waren angetan von unserem Projekt. Es war eine Menge Muehe, neben der Arbeit im Restaurant hier ein paar Zimmer aus Steinen und Lehmziegeln zu bauen, den Garten anzulegen und zu pflanzen, Von Duerre, Hagel , Ziegenfrass und Einbruechen nicht zu reden. Wir haben bis jetzt 12000 Baeume gepflanzt oder pflanzen lassen. Bei all den Aktivitaeten hatten wir versaeumt fuer die Rente einzuzahlen. KV haben wir zwar inzwischen , aber die Rente, die mein Mann naechstes Jahr bekommen wird ist Mindestsatz.Ca 80 Euro. Ich habe noch einen kleinen Rentenanspruch fuer meine Arbeitsjahre in Deutschland. Aber wann ich den mal bekommen werde?
    ich bin 56 und die Renten sind ja des reinste Chaos dort. Naechstes jahr werden wir aber aufs Land ziehen und ich werde mich dem Garten und auch den Bienen und den Huehnern widmen ,die ich dann hoffentlich haben werde. Ich freue mich so darauf! Inzwischen sind die Baeume , Kiefern, Erlen und andere einheimische Arten, gewachsen. Im Garten gibt es Terassen und die Apfelbaeume fangen an zu produzieren. Ein grosses Gewaechshaus aus Lehmziegeln und Plastik, wie hier ueblich, gibt es auch. Drei Solarpanele bringen genug Strom fuer Licht und ein paar kleine Geraete. Ich bin sicher wir werden keine Not leiden. Geld um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten ist wichtig. Sicherheit in Form von Rente und Krankenkasse sind beruhigend. Aber erfuellend ist es zu leben und sagen zu koennen, dass ich nichts bereue und getan habe, was mir am Herzen lag.
    Beste Gruesse
    Maria

  3. Angela Seebacher

    Liebe Lisa, Lieber Michael

    ich kann gut verstehen, wie ihr euch selbstversorgt und wie sich euer Einkommen zusammensetzt. Mein Freund und ich versuchen ebenfalls so viel wie möglich selbst herzustellen, damit gesünder, nachhaltiger, zufriedener und nicht zu letzt billiger zu leben. Im Moment betreiben wir es noch in unserer Mietwohnung. Nun haben wir einen Bauernhof/Mühle mit eigener Stromversorgung durch Wasserkraft und 28000 km2 Grund in Aussicht und unser Traum würde damit in Erfüllung gehen. Nun meine Frage. ´Dieser Hof kostet Alles in Állem 500000€ (inkl. Steuern, Markler usw.). Auch wenn wir in vollkommener Sparsamkei leben würden, müssten wir ca. 1500€ im Monat an Schulden zurückzahlen. Basti wird weiterhin 40h arbeiten müssen und es ist unklar, ob ich weiterhin studieren kann/darf. Wie habt ihr das gemeistert? oder habt ihr den Hof geerbt? Ich kann mir auch vorstellen, dass der Druck auf die Beziehung imens groß ist.
    Danke für eure Offenheit!! lg, Angela

    1. Lisa PflegerLisa

      Liebe Angela!

      Also wenn ich das so lese, wird mir gleich ganz anders. Wenn ich versuchen würde mir das für mich vorzustellen, bleibt mir die Luft weg vor Beklemmung. Ich persönlich würde mir diese „Handschellen“ nicht anlegen, ganz ehrlich.

      Wir pachten unseren Hof derzeit (also wie Miete zahlen). In unserer Gegend beispielsweise gibt es Baugrund für 5-15€ pro m². Unsere Devise ist eher „weniger ist mehr“ dafür nicht von einem Hamsterrad ins nächste. Dafür aber auch nicht der „perfekte“ Traumhof (perfekt unter Anführungsstrichen, weil es wahrscheinlich den perfekten Hof nicht gibt und 2. weil es mir ja nix hilft, wenn er perfekt ist, und ich aber nix von ihm hab, weil ich dann nur mehr zum Essen und Schlafen Zeit dort verbringe und sonst Geld verdienen gehen muss, um den Kredit zu stemmen)

      Aber ist nur meine Meinung, ich hatte schon als Kind Beklemmungen nur bei dem Gedanken an einen Kredit (=Schulden). Gibt genug Leute, die das viel entspannter sehen, weil sie sagen, ob sie Miete oder Kredit abzahlen kommt für sie aufs Gleiche raus.

  4. Michi

    Hallo Lisa und Michael,
    sehr interessanter Blog, der viele Interessenten inspiriert. Mit drei Kindern können wir das selbstbestimmte Leben nicht in dieser Form umsetzen. Doch wir konnten vor kurzem immerhin ein Auto abschaffen. Es lohnt sich auch, mindestens einmal im Jahr alle Geldausgaben systematisch durchzuforsten.
    Weiterhin viel Erfolg !
    Michi

  5. Maxito

    Hallo Lisa und Michael,

    durch Zufall bin ich auf Eurer Seite gelandet. Ich finde Euer Projekt interessant und wünsche Euch viel Erfolg damit.

    Ich hätte eine Frage zu Eurem Shop und auch zu Euren "Jobs" die Ihr ausserhalb Eures Projektes ausübt (helfen in Weinbergen etc).

    Wer verkauft oder andere Einnahmen hat (z.B. aus den Kursen) muss Steuern zahle. Ich denke, in Österreich ist es nicht anders als in Deutschland. Durch die Selbstständigkeit kommen monatliche Fixkosten zustande (Steuern, Krankenversicherung etc.). Um diese Kosten zu decken, müssen einige Reifen verkauft werden und von dem "Erlös" müssen neue Materialien gekauft werden – zusätzlich zu den Fixkosten. Wenn ich hochrechne (komme aus dem Vertrieb) dann ist Lisa den ganzen Tag damit beschäftigt, Reifen zu produzieren um die Kosten zu decken, was widerum in eine Abhängigkeit führt, zumal es mit der Produktion nicht getan ist, da die Ware ja auch vermarktet werden muss. Widerspricht das nicht Eurer Vision? Oder müssen in Österreich keine Steuern gezahlt werden?

    Eure "Nebenjobs" – arbeitet Ihr immer angemeldet oder auch schwarz? Ich möchte Euch nicht angreifen, aber ich gehe von letzterem aus – z.B. wenn Ihr für Freunde arbeitet – und fängt hier nicht die "Ausbeutung" an? Jeder der arbeitet – auch für Freunde – hat ein Recht auf Sozialversicherung, Rente etc. Schwarzarbeit gibt vielleicht momentan mehr Geld, aber auf langer Sicht verliert der/die Schwarzarbeitende immer – und natürlich auch die Gesellschaft, weil keine Steuern gezahlt werden und Ihr betont ja – Ihr seid keine Aussteiger sondern Selbstversorger und wollt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, worunter auch das Steuernzahlen fällt.

    Auch ich bin Selbstversorger und fahre damit sehr gut, aber wie es hier dargestellt wird, ist es etwas naiv, denn ja, der finanzielle Teil ist mit der Wichtigste – man kann viele Visionen haben, wenn man aber keine Rücklagen hat bzw. bilden kann, dann kann einem schon ein kleines Unglück alles zerstören. Sei es durch Naturgewalten, Krankheiten etc.

    Ich finde die Fragen nach dem Finanziellen sehr gut und wichtig und es wäre sehr interessant zu wissen, wie Ihr es handhabt, um hinterher nicht von der Hand in den Mund leben zu müssen. Denn fast in allen Fällen ist es der finanzielle Faktor, der Menschen davon abhält, diesen Schritt zu gehen. Und zu Eurem Experiment gehört auch dieser Teil. Ich finde es schade, dass Ihr dies hier verallgemeinert wird (jeder muss seinen eigenen Weg finden etc). Natürlich erwarte ich keine Zahlen zu Euren Einkommen und möchte auch nicht Euren Bankkontostand wissen, aber die Kosten – die ja eigentlich kein Geheimnis sind interessieren mich sehr wohl. Ihr pflegt doch diesen Blog um Eure Erfahrungen mitzuteilen, dann also bitte auch diesen Teil, sowie die Misserfolge, Schwierigkeiten etc. Um diese Informationen erweitert, wäre es ein wervoller Blog für mich, der wirklich aussagefähig ist – denn es ist nicht nur alles Friede-Freude-Eierkuchen. Alles andere liest sich für mich ein bisschen wie ein Märchen – und aus eigener Erfahrung weiss ich, so einfach wie ihr es darstellt ist es nicht, denn es ist nicht damit getan ein bisschen Obst und Gemüse anzubauen.

    Und aus dem Vertrieb kommend – Ihr solltet Eurer Gemüse etc. wiegen und dokumentieren, denn wenn Ihr keine Anhaltspunkte habt, wieviel Ihr produziert – wie könnt Ihr dann langfristig planen? Es geht ja nicht nur darum, für heute was auf dem Teller zu haben, sondern davon leben zu können. Es gibt immer Jahre, in denen die Ernte schlecht ausfallen kann, so dass es gut ist, einzumachen, konservieren etc.

    Liebe Grüsse aus dem sonnigen Andalusien

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo Maxito, wenn Lisa nur einen Reifen im Monat baut, hat sie a bisserl was verdient – dafür macht man ja eine Preiskalkulation, oder? Warum sollte sie dann gezwungen sein, noch mehr Reifen zu bauen? Dann würde ja was mit ihrer Kalkulation nicht stimmen. :D

      Jede Tätigkeit, der man sich im Leben annimmt, sollte so gestaltet sein, dass sie einem Freude macht. Sowohl von der Art der Tätigkeit, als auch von deren Umfang. Und darum stellen wir halt unsere finanzielle Absicherung auf ein paar verschiedene Beine.

      Und was genau soll unserer Vision widersprechen? Das wir uns erarbeiten, nach was wir uns sehnen? Was wäre denn die Alternative dazu?

      Deine schräge Unterstellung mit dem Schwarzarbeiten führt zu einer noch schrägeren, nämlich dass wir keine Steuern zahlen würden. :D Kannst beides abhaken. Eben genau, weil wir gewisse Rücklagen bilden müssen und auch (leider) Geld investieren müssen. So wie Du schreibst. Und so wie wir immer wieder schreiben geht es uns darum, den Menschen die Angst vor den ersten Schritten in ein selbstbestimmtes Leben zu nehmen. Weil es dafür keinen Grund gibt. Und weil es einfach tatsächlich unnötig ist, 500.000 Euro auf der hohen Kante zu haben, um so ein Leben zu starten. Auch keine 100.000 und auch keine 10.000,- Euro. Jeder Mensch kann immer starten. Wir haben das ja auch so gemacht. Und wenn man dann eben mehr Sicherheit haben will – z.B. Eigentum an Grund, dann muss man sich das eben erarbeiten.

      1. Gesine

        Seeehhr interessant! Ich glaube, dass es ein wichtiger Punkt ist deine Meinung und Maxitos Meinung unter die Lupe zu nehmen. Und tatsächlich verstehe ich beide. Ich finde mich bei Maxito wieder in meinem Wunsch das Leben kalkulierter und abgesicherter zu machen. Und bei dir Michael liebe ich den Idealismus ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren.

        Es ist das alte Lied: „Alles kontrollieren wollen“ contra „Sich dem Lauf des Lebens anvertrauen“ (was ich jetzt nicht auf euch beide beziehen will). Beide Extreme für sich auszuloten ist wirklich nicht so einfach. Ich merke an mir, dass je nachdem wie ich mich gerade fühle, auch deutlich Verschiebungen in die eine oder die andere Richtung stattfinden. Mal quälen mich Existenzängste, mal ist alles einfach nur wunderbar. Und das unabhängig von meinem realen Kontostand!

        Maxito, du würdest dir wünschen, wenn Michael und Lisa mehr wiegen, messen, auflisten. Aber bringt das was? Jeder Gartenstandort nebst Boden und Klima und jeder Lebensstandort mit seinen speziellen Möglichkeiten z.B. an Jobs in der Nähe und jeder Mensch mit seinen Fähigkeiten – das alles ergibt soviele Verschiedenheiten, dass ich mir nicht sicher bin, ob eine exemplarische, genaue Analyse aller Umstände irgendwem weiterhelfen könnte.

        Ich hätte Schwierigkeiten, meine eigenen Lebensumstände auf diese Weise zu analysieren und irgendwie wehrt sich auch einiges dagegen in mir. Wir (mein Mann und ich) versuchen einfach möglichst viele für uns passende Optionen fürs Geld-verdienen zu kreieren und – es klappt. Wir überleben seid 25 Jahren mit unserer Selbständigkeit, Land und Haus sind inzwischen unser Eigentum geworden (sehr beruhigend) und kleinere Rücklagen sind auch drin, falls mal das Auto oder etwas anderes zusammenbricht. Ich weiß, dass falls mal keine Aufträge kommen, wir immer noch mit Garten-Eintritten, Kuchen backen, Workshops etc. über die Runden kommen – wenn auch im totalen Sparmodus. Dafür gibts mehr Zeit und Ruhe. Wenn wir viele Aufträge haben, müssen wir natürlich doppelt arbeiten. In der Woche unsere Projekte, am Wochenende dann die Gartenbesucher empfangen. Das macht aber Spaß und solange dies so ist, machen wir das so weiter. Das einzige: Falls wir beide mal nicht in der Lage sind zu arbeiten, falls wir mal krank werden, falls wir mal nicht mehr die Krankenversicherung zahlen können…. Da kommen die alten Sorgen wieder hoch und ich überlege, wieviele Rücklagen ich bräuchte, um so eine Zeit halbwegs menschenwürdig zu überstehen.
        Dann aber denke ich wieder: soll man sein ganzes Leben auf Eventualitäten hin absichern? Verpasst man dann nicht einen wichtigen Teil des Lebens? Wieviel Risiko ist man bereit einzugehen für ein freies, selbstbestimmtes Leben? Wieviel Absicherung braucht ein Leben?

        Und am Schluß kommen immer dieselben Gedanken heraus: ich tue, was ich kann. Ich arbeite, wo ich gerne bin. Das, was ich tue, macht mich aus. Und: mehr geht nicht. Sinnvolle Alternativen gibt es nicht. Darum: es ist so wie es ist und dass nicht mal so übel.

        liebe Grüße

        Gesine

        1. Simon

          Hi Gesine und auch alle Anderen Selbstversorger,

          finde deine Ansicht sehr überzeugend.
          Im Grunde geht es um ein Gefühl nicht um eine Kalkulation, die man nur allzugerne machen würde, da viele von uns das so gelernt haben (Schule etc.). Für mich war nach langem Ringen und Kämpfen mit mir selber und dem was ich an unbewussten Überzeugungen (Sicherheit vor Freiheit, versuche Stärke zu zeigen etc.) so mitbekommen habe nun endlich der Punkt gekommen an dem ich den Absprung geschafft habe und mich in das Abenteuer Selbstversorgung stüzen will. : ) : ) : )

          Ich hoffe euch in der kommenden Zeit auch mal etwas zu berichten.

          Finanziell kann ich im Moment dazu sagen, das ich das Glück habe mit meiner Freundin in das alte Haus ihrer Eltern einzuziehen, die nebenan wohnen und auch einen Teil ihres Lebens mit Selbstversorgung betreiben.

          Um die KV und Rente plus andere Versicherungen und natürlich Urlaube etc. PC, Handy zu finanzieren werde ich mich nun mal umschauen.

          Strebe eine Ausbildung als Yogalehrer an, die allerdings auch finanziert werden will.
          Als Abschluss habe ich einenen Bachelor der Sportwissenschaften und unterrichte im Moment Tennistraining, was aber auch noch nicht des Herzens letzter Schluss ist. Ich hoffe noch etwas zu finden was auch mit meinen Werten näher in EInklang gebracht werden kann.

          Eine schöne Zeit euch allen mit dem Motto „Weniger (Konsum) ist Mehr“ wünsche ich!

              1. Tim Stieffenhofer

                Ich empfehle dazu das Buch „Walden“ / „Life in the Woods“ von Henry David Thoreau, für die die es nicht gelesen haben. Das Buch ist zwar von 1854, dennoch hat der Inhalt die Zeit gut überstanden. Darin beschreibt Thoreau ganz detailliert sein „Selbstversorger-Experiment“, mit Zahlen und Fakten. Für mich war das Buch eines der inspirierendsten, die ich je gelesen habe!

  6. Andreas

    >>was mich noch viel mehr interessiert als das Geld, das wäre, wie viel eures täglichen Bedarfs ihr tatsächlich aus eigenem Anbau bekommt und wie viel ihr noch zukauft. Auch wäre eine Aufstellung der Jahresernte mal ganz interessant.

    Vielleicht habt ihr ja mal Lust darüber zu berichten.<<

    Obiges würde mich auch mal brennend interessieren. Ich selbst plane ja auch meine Ernte zu wiegen und in schönster bürokratischer Manier aufzuschreiben. Bevor die jungen Obstbäume tragen, muß ich mich leider noch ein paar Jährchen gedulden.

    Ich selber habe ja die selbstversorgung auch immer als "Ausstieg" gesehen, die Praxis sieht anders aus. Zumindest in Deutschland muß man erst mal genügend geld mitbringen, um als "Selbstversorger" leben zu können.Wobei ich denke, das es bei den meisten nur eine Teilselbstversorgung ist und keine Autarkie.

    Ich oute mich mal hier als Hartz IV Empfänger. Ich trage am WE Zeitung aus, bringe Altpapier weg und bin mir auch nicht zu Schade eine Pfandflasche aufzuheben.

    Mein größter Traum wäre es, einmal von der Selbstversorgung zu leben und nebenher einen kleinen Job zu haben, der mir die KV sichert und ja, Grundsteuer und Zeugs muß auch bezahlt werden.

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Solche Auflistungen und Tabellen müssten angelegt werden. Durch Wiegen, Messen, Aufzeichnen, etc. Das geht sich in unseren recht ausgefüllten Tagen nicht ohne Belastung aus und ist für uns derzeit absolut uninteressant und unwichtig. Vielleicht ist das mal ein eigenes Projekt, das eine Person die dafür ein Jahr bei uns lebt, durchführen kann. :D

  7. Tobi

    "Ich habe es so verstanden, daß ihr beide nicht arbeitet"… Die Frage ist ja schon symptomatisch.

    Im Büro zu sitzen , Werbezettel zu verteilen oder

    irgendeine unsinnige Arbeit zu verrichten, die ausser

    einer Firma fast niemandem nützt, nur um Mieten,

    Versicherungen,also eine überteuerte Infrastruktur

    zu bezahlen, wird als Arbeit angesehen. Dabei ist

    dies der sicherste Weg in die Abhängigkeit und

    Sklaverei.

    1. Simon

      Hi, das:

      „m Büro zu sitzen , Werbezettel zu verteilen oder

      irgendeine unsinnige Arbeit zu verrichten, die ausser

      einer Firma fast niemandem nützt, nur um Mieten,

      Versicherungen,also eine überteuerte Infrastruktur

      zu bezahlen, wird als Arbeit angesehen. Dabei ist

      dies der sicherste Weg in die Abhängigkeit und

      Sklaverei.“

      sehe ich ganz genauso! :) guter Kommentar

  8. Uwe Schulz

    Hallo!

    Bin durch FB auf eure Seite gekommen.

    Beeindruckend, wie ihr das alles meistert.Schön zu lesen, wie ihr eigendlich "meinen Traum" lebt.

    Ich hoffe, an den Punkt zu kommen, wo ich auch endlich mich aus den selbst angebauten Früchten der Natur versorgen kann.

    Bis dahin probiere ich eure Tipps auf dem Balkon im kleinen…

    Den Sauerteig werde ich gleich bereits mal ansetzen!

    Alles gute euch weiterhin!

    Ich freu mich auf weitere unterhaltsame und lehrreiche Blogs!

  9. Timo Kühne

    Ihr seid wirklich Mutig. Allerdings glaube ich auch, dass zwischen Aussteigen und Selbstversorgen ein großer Unterschied besteht. Für mich ist ein Aussteiger jemand, der sich von allem abgrenzt, in den Wald zieht und das gesellschaftliche Leben komplett hinter sich lässt. Wenn Ihr Geld verdient und ganz normal eure Sachen bezahlt, ist das kein Aussteigen. Wahrscheinlich könntet Ihr dann nicht mal diesen Blog führen. Ich habe nich nie einen Aussteiger mit einem PC erlebt. ;)

    1. Martin

      Das stimmt Timo. Da denke ich an Diogenes von Sinope als Aussteiger. Er hat nicht einmal etwas niedergeschrieben, von den Erzählungen über ihn aber, könnte ich wohl sagen: er war ein (guter) Aussteiger… wie sehr man das aber glauben kann was über ihn erzählt wurde….? (Trotzdem bleibt er mir aber DAS Symbol für Genügsamkeit). Was ich damit sagen möchte, ein kompleter Ausstieg ist nichts für Jedermann. Wer dafür nicht geeignet ist wird eher resignieren als aussteigen. Selbstversorgung aus der Not heraus ist nicht das vernünftigste, da fordert man das Scheitern heraus. Lieber bessere Zeiten abwarten. Das muss man einfach einsehen. Anfangs braucht man genug Möglichkeiten um Geld zu verdienen, einen Hof usw…. es ist weniger Ausstieg sondern Einstieg, eben in die Selbstversorgung. "Gesund" geschiet das vorwiegend auf subjektiver Ebene – ohne Vorurteile, gewaltfrei, nüchtern und vernünftig. Klarer Kopf ist vorausgesetzt um richtige Entscheidungen zu treffen. LOVE

  10. Gesine

    Hallo Lisa, hallo Michael,

    ich finde spannend, was ihr macht. Besonders, weil ich auch einmal ein paar Jahre so gelebt habe. Auf dem Land mit Selbstversorgung. Das ist lange her. Ehm – kurz überlegt – rund 30 Jahre! Heute sieht mein Leben anders aus ohne dass ich meine Grundwerte aufgegeben hätte.

    Mein Mann und ich sind vor ca. 15 Jahren von Berlin aufs Land gezogen. Wir gestalten Gärten und haben hier unser Areal gefunden um uns gestalterisch aus zu toben. Von unserer Gartenfirma können wir gut und einfach leben. Einen Gemüsegarten hatten wir auch. Den haben wir aber weitestgehendst aufgegeben und kaufen stattdessen unsere (vegetarische) Nahrung bei einem Bio-Lieferservice in der Nähe. Warum? Unsere Arbeit lässt uns keine Zeit für den Gemüseanbau.

    Und außerdem haben wir soviel Lust an anderen kreativen Dingen, dass uns die Lust am Gemüsegärtnern zweitrangig geworden ist. Fast jedes Wochenende haben wir für Gäste geöffnet und von den Eintrittsgeldern finanzieren wir die Pflege unseres Schaugartens. Dies gibt uns wieder die Freiheit, an anderen Projekten teil zu nehmen. Im Moment arbeiten wir an einem Projekt in Afrika, wo nur mit einheimischen Pflanzen Gärten gebaut werden sollen.

    Das alles hat sich mit der Zeit so ergeben und wir sind zufrieden damit.

    Im Moment bewegt uns, dass wir mit unserer vegetarischen Ernährung inkl. Milch, Käse und Eiern auch nicht verhindern, dass Kälber geschlachtet werden und männliche Küken geschreddert. Da wollen wir noch mehr ändern….

    Schaun ma mal.

    euch wünsche ich weiterhin viel Enthusiasmus und Kraft für eure Träume!!!

    alles Liebe

    Gesine

  11. Wolfgang

    Liebe Lisa, lieber Michael,

    was mich noch viel mehr interessiert als das Geld, das wäre, wie viel eures täglichen Bedarfs ihr tatsächlich aus eigenem Anbau bekommt und wie viel ihr noch zukauft. Auch wäre eine Aufstellung der Jahresernte mal ganz interessant.

    Vielleicht habt ihr ja mal Lust darüber zu berichten.

    Lieber Gruß,

    Wolfgang

  12. Eva

    Hallo Michael, hallo Lisa,

    ich finde Eure Ideen, Geld zu verdienen super! Vor allem die kreative Arbeit mit den Hoop-Reifen. Leider hatte ich Probleme, Deine Links zu öffnen, Michael. Mein alter Internet-Explorer zeigt hartnäckig einen "Zertifikatfehler" an. Bei Lisas Hoops geht's gut.

    Liebe Grüße und viel Freude weiterhin,

    Eva

  13. Sylke

    Hallo,

    danke für die umfangreiche Erklärung.

    Diese Mail kam von mir :-(

    Ich meinte irgendwo hier gelesen zu haben, dass ihr euch rein um den Hof kümmert. Deshalb hatte ich diese Frage gestellt. Ich hab aber den Artikel nicht mehr gefunden.

    Auf alle Fälle find ich das ganze Projekt sehr interessant und nachahmungsfähig. Freue mich immer, etwas Neues von euch zu lesen.

    GLG Sylke

  14. Thomas

    Gute Frage!

    Da wir uns hier auf der Alp ebenfalls zu einem grossen Teil selber versorgen, fällt schon mal ein beträchtlicher Teil vom benötigten Einkommen weg, den man sonst extra dazu benötigen würde. Nahrung macht schliesslich einen Grossteil vom Einkommen aus.

    Klar, man braucht auch für andere Fixkosten Geld – so zum Beispiel für Kommunikationsmittel, Mobilität und so weiter – wie im Beitrag richtig erwähnt. Dieses "Extraeinkommen" erwirtschaften wir (wie Ihr ja offensichtlich auch), mit zusätzlichen Arbeiten. Wir arbeiten im Frühjahr als Aushilfen in einer Gärtnerei und bieten auch sonst unsere Dienste an: Erstellen von Webseiten, Verkauf von handgestrickten Wollsocken, und sonstige Dienste, dort wo gerade "Not am Mann" ist.

    Da unser Leben hier in der Natur der Berge keinesfalls von übermässigem Konsum geprägt ist und unsere Lebenskosten somit ziemlich unter dem Durchschnitt liegen, kommen wir auf diese Art auch ziemlich gut über die Runden.

    Die Frage ist halt immer, was man selber für Ansprüche hat und wieviel persönlichen Luxus man braucht. Wenn man sich aber darüber einmal klar geworden ist und auch bereit ist, auf das Ein oder Andere zu verzichten, dann braucht man ja wirklich nicht übermässig viel, um zu überleben und gut über die Runden zu kommen.

    Klar ist, dass man auch gute Beziehungen und eine Portion Glück braucht, um an einem Ort zu leben, wo es einem gefällt und nicht gleich einen Hof oder Ähnliches selber kaufen muss… denn dies würde den finanziellen Rahmen in den meisten Fällen mit Sicherheit sprengen.

    Hier hilft vielfach auch, sich mit Gleichgesinnten zusammen zu tun und gemeinsam nach Lösungen zu suchen – denn gemeinsam erreicht man oft mehr, als allein. Natürlich muss man auch bereit sein, Kompromisse einzugehen, was die Arbeit und das einfache Leben – abseits vom Massenkonsum – angeht.

    Dies sind sicherlich Voraussetzungen, die es braucht, um ein Leben mit möglichst wenig Geld führen zu können. Aber wie heisst es so schön: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!

  15. Die Kärntnerin

    Hm, finde ich irgendwie lustig, dass sich diese Frage anscheinden vielen eurer Leser stellt. Ich wär nämlich gar nicht auf die Idee gekommen, dass ihr gar kein Geld verdient.

    Wahrscheinlich weil ich irgendwie angenommen hab, dass es bei euch im Grunde so läuft wie bei uns. Nur dass ihr das weiter gesponnen habt, als wir. Uns versorgt ein großer Garten und ein kleiner Acker auch mit Gemüse und Obst, von Jahr zu Jahr wird es mehr und die Einkäufe weniger. Alles was geht wird selbst gemacht und es kommen immer mehr Ideen zum unabhängig sein dazu…

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