Ein Gastartikel auf Lisa und Michaels Blog:

Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle spielt?

Pia Selina Damm
Von Pia Selina Damm
26. September 2014

Vielleicht einen Kongress organisieren? So lautete jedenfalls eine meiner Antworten auf diese Frage sowie die meines Mitorga-Teams. Zu fünft machten wir uns vor einem halben Jahr auf den Planungsweg Richtung Mitmachkongress „utopival“.

Was ist das utopival?

Das utopival ist ein Mitmachkongress, der mit 100 Menschen über fünf Tage auf dem Freudenberg in Wiesbaden stattfand. Er wurde nach den begleitenden Motiven geldfrei, vegan und ökologisch organisiert.

Wieso „Mitmach“kongress? Weil wir den Anspruch hatten, die gewohnten Denkmuster in „Teil­nehmer*in“ (=Konsument*in) und Referent*in aufzulösen. Denn: Jede*r trägt Talente in sich und teilt diese gerne in einer Gemein­schaft.

Foto von Teilnehmer*innen des utopivals

Somit ist die Devise:
Wir alle bringen unsere Motivation, Freude und unseren Tatendrang zusammen und erschaf­fen neue Ideen, Aktionen und Projekte.

Wir teilten das utopival thematisch in die fünf Bereiche Wirtschaft, Ernährung, Bildung, soziales Miteinander und Kreativität ein. Insgesamt beschenkten uns 25 Referent*innen, die größtenteils auch Teilnehmer*innen waren, mit ihren Erfahrungen sowie ihrem Wissen.

Wieso „Utopi(e)“val?

Die „Utopie“ im utopival kommt natürlich auch von seiner Initia­torin: living utopia, dem Projekt- und Aktionsnetzwerk, welches dahinter steht. Wir verstehen unter Utopie, was Fernando Birri in sei­nem kurzen gleichnamigen Gedicht beschrieb:

utopival“Die Utopie – sie steht am Hori­zont. Ich bewege mich zwei Schritte auf sie zu und sie entfernt sich um zwei Schritte. Und wenn ich noch so weit gehe, ich werde sie nie erreichen. Wofür ist sie also da: die Utopie? Dafür ist sie da: um zu gehen!”

Eins ist mittlerweile unter Nachhaltigkeitsforscher*innen sicher: Der Wandel wird kommen – „by design oder by desaster“. Wir luden mit der zentralen Fragestellung „Wie stellen wir uns eine zukunfts­fähige Gesellschaft von Morgen vor?“ dazu ein, gemeinsam Schritte in eine solidarische Gesellschaft zu gehen und den Wandel „by design“ zu gestalten.

Das Experiment: einen Kongress geldfrei gestalten – kein Cent fließt direkt

Unabhängig von Geldgeber*innen agieren zu können und keine Energie für Bürokratiekram aufwenden zu müssen, erhöhte unsere Motivation enorm. Es gibt keine Grenzen im kreativen Planungsprozess – außer jenen in unseren Köpfen. Es gibt keine anonymen Scheine, die uns alles, was wir brauchen besorgen. Stattdessen treten wir in soziale Interaktion und werden „nur“ von all jenen unterstützt, die die Idee des utopivals teilen und sich damit solidarisieren – ein bereichernder Perspektivwechsel.

Mit der geldfreien Organisation möchten wir außerdem der Überflussgesellschaft entgegenwirken, indem wir keine weitere Nachfrage für ein sowieso schon übermäßiges Angebot schaffen. Nach dem Motto: Vorhandenes besser nutzen und Gebrauchsgegenstände teilen konnten wir den ökologischen Fußabdruck der Planung sowie der Durchführung möglichst niedrig halten. Diese Ideale finden sich in Form der begleitenden Motive „ökologisch“ und „solidarisch“ wieder: Wir möchten uns von ausbeuterischen Mechanismen gegenüber dem Globalen Süden möglichst frei machen und zeigen, was erreichbar ist, wenn auf möglichst lokale und vorhandene Ressourcen zurück gegriffen wird. Der Earth Overshoot Day, der Tag an dem wir als Gesellschaft alle uns für dieses Jahr zustehenden Ressourcen verbraucht haben, rückt immer näher in die erste Hälfte des Jahres: Dieses Jahr war er bereits am 20. August! Wenn Jede*r nicht mehr als die ihr*ihm zustehenden erdlichen Ressourcen verbrauchen würde, könnten wir uns einem solidarischeren Miteinander nähern.

Aus der Ideenwerkstatt werden neue Projekte geboren

Wichtig war uns vor allem der gruppendynamische Prozess, der angeregt werden kann, wenn 100 Menschen sich fünf Tage lang intensiv austauschen. In diesem Kontext gab es am vorletzten Tag Raum für die Teilnehmer*innen, um sich vernetzen und neue Projektideen spinnen zu können. Vorgestellt wurden verschiedene Ideen: ein veganes Bildungscafé, die Multiplikation des „alternativen winterzusammenkommens“ von living utopia, gesellschaftskritische Straßenaktionen, ein veganes Seminarhaus und vieles mehr.

ideenwerkstatt

In den 2,5 stündigen Workshop gab es einiges an Input, der sich nun durch die Ideenwerkstatt als kreativer Output äußern konnte. Mit dem utopival möchten wir zwar Gesellschaftskritik vermitteln, uns geht es aber vor allem darum, positive Alternativen eines neuen Miteinanders erfahrbar werden zu lassen, sodass wir ganz praktisch und ganzheitlich Elemente einer Postwachstumsgesellschaft umsetzen können.

Was würdest Du tun, wenn Geld keine Rolle spielt?

Jede*r hat Antworten: Wir sammeln Ideen, Gedanken und Anregungen zu dieser umfangreichen Frage auf deineidee.livingutopia.org.

Ich beantworte diese Frage weiterhin mit: geldfreie Projekte und Aktionen organisieren und umsetzen, um bedingungslose Räume des Austauschs über eine Gesellschaft von Morgen zu schaffen, in welchen Jede*r leistungslos anerkannt ist. Das utopival 2015 hat schon einen Ort geschenkt bekommen: Es wird auf einem Seminarhof bei Köln stattfinden.

Hast Du Projektluft geschnuppert und möchtest deine gesellschaftskritischen Gedanken in Projekte und Aktionen des Wandels umsetzen? Wir, das Projekt- und Aktionsnetzwerk living utopia begleiten Dich gerne bei Deinen Ideen, falls Du sie nach unseren begleitenden Motiven umsetzen magst.

Verrate uns Deine Ideen und Projekte in den Kommentaren!

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Dieser Artikel ist ein Gastartikel. Vielen Dank an die Gastautorin bzw. den Gastautor. Dieser Blog "Experiment Selbstversorgung" wird von Lisa Pfleger und Michael Hartl betrieben. Solltest Du auch eine Idee für einen Gastartikel haben, lies Dir gerne unsere Informationen dazu durch!
Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

9 Gedanken über “Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle spielt?

  1. A.v.S.

    Hallo ,
    ich bin zwar neu, aber einen ähnlichen Traum habe ich schon lange.
    Früher wohnte ich in einem alten Gutshof. Viele, riesige, hohe Räume hätten Platz für einige Menschen gehabt. Mein Traum war das dort ältere Menschen und Eltern/Aleinerziehende mit Kindern gewohnt hätten. Die Älteren brauchen die Kinder um jung zu bleiben und eine Aufgabe zu haben, z.B. gemeinsam Obst/Gemüse anbauen, Tiere versorgen, Kinder bei Krankheit versorgen, Märchen erzählen und zuhören.
    Die Jüngeren brauchen Unterstützung bei der Erziehung Ihrer Kinder. Die Älteren brauchen Hilfe beim Einkaufen/Arzt usw.
    Mein Plan war gemeinsam Gärtnern, Kochen und Zusammen sein, wenn es notwendig ist. Jeder hätte seinen eigenen Wohnereich gehabt, aber auch Hilfe geben + empfangen können. Man hätte gemeinsam Pläne machen + umsetzen können.

  2. Andi

    Also ich würde dann mein gerade im Aufbau befindendes Fruchtgartenparadies nach Permakulturgrundsätzen noch um ca. 20 Hektar vergrößern mit einer Riesengroßen Vielfalt an gesunden Obstbäumen und Beerensträuchern, Gemüse, Heilkräuter, Wildblumen… mit großen Teichen und einem See…. Natursteinmauern, Schafen, Enten, Hühnern, Gänse, Bienen… – quasi ein Paradies für Mensch und Tier zur kostenlosen Beerntung für alle.

  3. holzi

    Hallölle

    wiemachst du das geldfrei leben wen ich fragen darf?

    gibts den kongress nur in wuppertal?

    2projekte hab ich am laufen.

    1. Selbstversorger hof mit eigenem hsusbau etc. Daraus soll auch eine comjunity entstehen.

    2. Ein webseite für alternative seiten. Sammelsensorium

    auf die geldfrei fragehab ich auf eurer seite schon geantwortet

    mfg

    1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

      Den Mitmachkongress utopival gibt es nicht in Wuppertal, sondern dieses Jahr war er in Wiesbaden und nächstes Jahr in der nähe von Köln. Näheres dazu hier: http://www.utopival.org

      Uiii… das ist eine umfangreiche Frage! ;) Dazu machen wir den Workshop „living utopia: geldfrei.er leben“. Schau doch mal auf unserer Website, dort sind alle Termine aufgelistet, vielleicht kannst du ja ein einem ;)

      Ansonsten in aller Kürze:
      In allen Lebensbereichen geht es im Grunde um die Devise „Vorhandenes sinnvoll nutzen“. Circa 50% aller produzierten Lebensmittel werden in Deutschland weggeworfen, obwohl diese noch genießbar sind! Deswegen kooperieren wir direkt mit Lebensmittelunternehmen und bekommen dann „nicht mehr verkäufliche“ Ware. Kleidung bekommen wir über Kleiderschenkpartys oder Umsonstläden. Für alles finden sich kreative Lösungen, wenn wir mit Menschen in soziale Interaktion treten und Vorhandenes miteinander teilen oder Ungenutztes verwenden.

      So viel sei aber noch gesagt: Es geht darum, geldfreier – unabhängig(er) von Geld zu leben – das heißt, wir sind nicht dogmatisch und sagen: „Wir rühren nie wieder Geld an, Geld ist böse!“. Wir schauen einfach im Prozess, wie weit wir gehen können und wohin uns dieser Weg führt.

      Der Mangel an gesellschaftlichem Miteinander, die Zerstörung unseres Planeten, Herrschaftsstrukturen und Ausbeutung von Lebewesen sind nur einige Gründe für unseren Lebensentwurf.
      Hinzu kommt, dass wir selbstbestimmt leben möchten: Unabhängig von Geldgeber*innen Projekte und Aktionen für einen gesellschaftlichen Wandel gestalten, uns über unsere gesellschaftliche Position bewusst werden und freie Bildungsarbeit machen wie Seminare, Workshops, Vorträge. Das wichtige begleitende Motiv dabei: Allen Veranstaltungen steht nicht die Barriere Geld im Weg. Es wird nicht eingeteilt in Besitzende und Besitzlose und vor allem möchten wir versuchen, dadurch auch die Kategorien „Teilnehmer*in“ = „Konsument*in“ und „Referent*in“ = „Produzent*in“ aufzulösen. Deswegen gestalten wir unsere Bildungsangebote mit living utopia möglichst interaktiv, bedürfnisorientiert und mit vielen Methoden.

    1. Pia Damm

      hej!
      danke für dein Interesse und deinen lieben Kommentar :)
      klingt super spannend das „Utopia Stadt“-Projekt in Wuppertal… wie weit ist das denn schon? Soll dort auch eine Lebensgemeinschaft leben oder ist es eher als Kulturort für öffentliche Veranstaltungen gedacht?

      Du kannst dich jetzt schon mal auf http://www.utopival.org/ mit deiner E-mail-Adresse eintragen, um über das utopival 2015 informiert zu bleiben! Wir freuen uns auf dich :)

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