Was ist das Experiment Selbstversorgung?

Das „Experiment Selbstversorgung“ ist ein Lernort. Es ist ein Experimentierfeld. Und ein Platz der Begegnung.

Voneinander lernen

Im Frühjahr 2010 entstand diese Website in einer ersten Version. Da sie einen Namen brauchte, entstand nach einiger Zeit des Grübelns und Herumprobierens der Name „Experiment Selbstversorgung“. Es beschrieb damals, um was es Lisa und mir (Michael) von Beginn an ging: Um das Ausprobieren eines Lebensstils mit einem hohen Grad an Selbstversorgung und dem Experimentieren mit Methoden, Ideen und Wegen dorthin. Recht bald übertrugen immer mehr Menschen den Namen der Website auf unser Lebensprojekt – und auch wir begannen, es so zu nennen.

Foto von roten Feuerbohnenblüten

Zeitgleich kamen Monat für Monat mehr Helfer*innen auf unseren jeweiligen Hof. Die Idee dabei ist, dass Menschen hier mithelfen, sich dabei ausprobieren, Ideen einbringen können und die Arbeiten und Methoden lernen, die gerade am Hof und im Garten an Tätigkeiten anliegen. Wir fragen auch stets, was die Person während ihrer Zeit bei uns lernen möchte und versuchen das weiterzugeben. Und auch wir haben bisher von jeder Person etwas lernen dürfen. So wurde aus einem Hof, der ab und zu ein paar Helfer*innen zu Besuch hat, ein Lernort, an dem alle von allen lernen, und den wir dankenswerterweise verwalten und entwickeln dürfen.

Miteinander experimentieren

Auch beim Lernen voneinander ist es uns immer wichtig, nichts als in Stein gemeißelt zu betrachten. Prinzipien im Leben zu haben ist super, aber sie sollten nie in unveränderbaren Dogmen festgeschrieben werden. Darum ist das Wort „Experiment“ nicht zufällig im Namen. Wir sehen das Ganze als großes Experiment. Wir sind experimentierender Weise auf der Suche nach einem Weg, der ein zufriedenes und genügsames Leben, eine gesunde persönliche Entwicklung, wirtschaftliche Stabilität, Selbstversorgung von Regionen, eine liebevolle Gemeinschaft und solidarische Netzwerke, sowie regionales Wirtschaften vereint.

Foto von Lisa und Michaels Garten aus dem Jahr 2012

Ganz in der Überzeugung, dass man jeden Weg nur zurücklegen kann, wenn man losgeht, fangen wir mit dieser Art des Lebens und Handelns einfach schon mal an. Ohne auf den perfekten Platz zu warten. Oder auf den richtigen Zeitpunkt. Denn der perfekte Platz wird immer von einem selbst erschaffen und der richtige Zeitpunkt, eine Änderung oder Entwicklung zu beginnen, ist immer: jetzt. Auch wenn man dabei nicht immer jeden Schritt richtig setzt oder jede Entscheidung immer richtig trifft.

Darum freuen wir uns, wenn andere ebenfalls hier her kommen, um zu lernen, sich einzubringen und uns auf Punkte hinzuweisen, die wir bisher vielleicht noch nicht gesehen haben oder in denen wir uns bis jetzt getäuscht haben. Dazu probieren wir mit Menschen, die eine Zeit bei uns verbringen, gerne auch deren Herangehensweisen an Aufgaben oder Tätigkeiten aus.

Sich begegnen

Und in all diesem gemeinsamen tätig sein liegt eine verbindende Kraft, die sehr häufig ein Gemeinschaftsgefühl aufkommen lässt. Immer wieder verbringen wir hier Zeit mit Menschen, die sehr familiär und bereichernd ist. So begegnen sich hier am Hof und auf unseren Veranstaltungen laufend Menschen, die sich gegenseitig inspirieren und vorwärts bringen.

Foto eines Redekreises

Eine andere Form des „sich begegnens“ ist eine Wirkung die dieser Ort auf viele unserer Helfer*innen bisher hatte. Sie begegnen der Natur. Auf eine für manche ganz neue Art. Und führen in ihr oft ruhige, meditative Tätigkeiten aus. Dabei wird so manche*r auf sich selbst zurückgeworfen und kann sich zum ersten Mal seit langem mit sich selbst, den eigenen Ideen und Zielen und der aktuellen Lebenssituation auseinandersetzen. Sie begegnen sich also selbst. Was für viele eine Art von innerer Heilung hat.

Wir versuchen Menschen auch hier zu unterstützen. Indem wir den Begegnungsort Experiment Selbstversorgung zusammen mit allen an ihm ehrlich interessierten entwickeln und erhalten. Und indem wir für alle Menschen stützend und zuhörend da sind, die bei uns ins Grübeln über sich und ihr Leben gekommen sind. Danke für das Vertrauen, das wir hierbei so oft geschenkt bekommen!

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10 Gedanken über “Was ist das Experiment Selbstversorgung?

  1. Tom

    Hallo,
    finde diese Seite und die Gedanken sehr gut. Wir sind ein deutsch lettisches Paar welches 2011 eine Farm in Lettland gekauft hat und auch immer weiter zu Selbstversorgern heranreift. Auch wir haben ständig Helfer und Besucher, die unser Leben bereichern und beeinflussen. Von daher sehe ich unseren Weg durch eure Taten, Berichte und Geschichen mehr als Bestätigung.
    Leider gibt es von „unserer“ Sorte leider NOCH zu wenige

      1. Michi Langstrumpf

        Wie gerne würde ich mit meiner Familie so leben. Leider habe ich keine finanzielle Mittel. Und ohne Geld lässt sich dieses ja eigentlich völlig natürliche leben nicht mehr legal umsetzen. Besinders nicht mit zwei Kleinkindern.

        Ich träume von einer Welt ohne Geld und Habgier.

        Euch alles Gute! Und vergisst nicht einen Bunker ein zu richten.

  2. Felix

    Michael du schreibst über Dogmen, die man bei sich selbst als nicht unveränderlich implementieren sollte. Dabei folgt ihr einem sehr extremen Dogma, der von vielen seiner Anhänger heutzutage geradezu fanatisch,religiös vertreten wird. Der Veganismus!!!! ;)
    Denn das ist nach allen Indikatoren für Dogmen ein Bilderbuchdogma ;) Viele Grüße

    1. Michael HartlMichael Beitrags Autor

      Hallo Felix,

      ein Dogma ist die Annahme, dass Tiere für uns nutzbar und beliebig zu töten sind. Und das diese Annahme unveränderlich ist. Das sind gefährliche Dogmen.

      Wir folgen, entgegen deiner leider unrichtigen Beobachtung, keinem „Dogma Veganismus“. Eines meiner „Dogmen“, wenn du es so nennen magst, ist, möglichst wenig Leid zu erzeugen. Das hat einmal mit Mitgefühl zu tun, zum anderen mit Vernunft. Denn wir sollten alle an einer Welt mitarbeiten, in der wir auch zufrieden Leben können. Und dazu zählt für mich, dass niemand regelmäßig tötet – denn das verändert ganz natürlich einen Menschen. Und jemand, der sich mehr und mehr daran gewöhnt, den Willen eines anderen gefühlsfähigen Wesens zu ignorieren, oft sogar, eines Wesens, das dem Handelnden vertraut, und es tötet, macht mir eher Angst, als dass ich mich darüber freuen könnte. Vor allem, wenn es völlig unnötiges Töten ist.

      Meine Dogmen, wenn du mir welche zuschreiben möchtest, heißen also weniger „Veganismus“, sondern Vernunft und Mitgefühl. :)

      Aber erzähl du, was stört dich so sehr an der Idee von Menschen, die gewaltfreier leben möchten?

      1. kuhlpepper

        Hallo Michael,

        eine Super-Antwort auf die Frage – ich hätte die innere Ruhe nicht, darauf so zu antworten, ich wäre wahrscheinlich einfach nur „sauer“ gewesen….Aber Du hast recht: Wenn uns Leute als extrem/totalitär/dogmatisch bezeichnen, weil wir anderen Lebewesen nicht schaden oder so wenig wie möglich schaden wollen, so sehen sie nicht, dass sie selbst ihre eigenen Prämissen nicht reflektieren – und DAS IST – dogmatisch, die da sind: Es ist mir egal, ob andere Wesen ihr Leben oder ihre Lebensfreude verlieren, Hauptsache, mir geht’s gut.
        Also, mir hat die Haltung in Deiner Antwort so gut gefallen, ich teile sie, aber mir fehlt die Geduld mit Menschen, die das Offensichtliche nicht sehen wollen.
        Herzliche Grüße
        Minna

      2. Markus Gut

        Hallo Michael,

        du schreibst du lebst vegan, weil du möglichst wenig Leid erzeugen willst. Ist es denn so, dass bei einer veganen Ernährung immer weniger Tiere leiden müssen, als bei einer Ernährungsweise, die Fleisch beeinhaltet?

        1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

          Nein, ist nicht immer fix so. Es lassen sich Beispiele konstruieren, bei denen dies anders ist, wenn z.B. Mäuse, Rehkitze, etc. einberechnet werden, die bei der Produktion mancher Pflanzen getötet werden. Aber es ist zum einen ganz stark tendenziell so, dass für pflanzliche Produkte weniger Tiere sterben, zum anderen kann man ja mehr und mehr auch auf diese Opfer in der Produktion achten…. alles Prozesse, alles auf dem Weg. :)

    2. Thomas Markgraf

      Musste mal Googlen zb die struktur des schweinefleisches dem menschenfleisch sehr ähnelt, ist das nicht wiederlich? Les das mal hier Allerdings produziert der Körper ausreichende Mengen bereits selbst, der Verzehr von vielen tierischen Fetten kann so leicht zu einer Überversorgung mit Cholesterin führen, die einen Anstieg der Blutfettwerte und langfristig chronische Krankheiten wie Arterienverkalkung oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen kann. Auserdem kannst du dich ohne fleisch genauso gesund ernähren du musst dich nur erkundigen Danach schau dir doch mal ein Paar Bilder an von den Tieren die du isst wie die gehalten werden glaub mr das verdirbt jedem den Appetitt auf Fleisch ^^ Also wenn du mit 300 Kilo und Verstopften Aterien da hockst dann springe ich übers Feld mit einer Möre im Mund :)

      So sollen die kleinen Babykälber und die anderen Tiere alle in Ruhe weiterleben ich esse Tofu !

      Was nicht bedeuten soll das ich andere davon überzeugen will ebenfalls auf Fleisch zuverzichten, aber wenn ich Fleisch essen will habe ich immer das Tier vor den Augen die total Apatisch in irgenteiner Fabrik in einer kleinen Zelle sitzt gemäßtet wird und mit Antibiotika zugepumpt wird … Lasst uns diese ganzen Fabriken zu machen und die Tiere wieder auf dem Bauernhof glücklich leben lassen dann wäre das schlechte gewissen vllt nicht so groß aber so? Nein das ist mir alles zu Grausam …

      Also warum soll das schlecht sein? :)

      Schlecht wird es nur wenn wir wie Christen von Tür zu Tür laufen und andere mit aller macht Unseren Willen / Lebenswandel aufzuzwingen, und ich glaube so sind nur sehr weniger Veganer :)

    3. Rainer

      Lieber Felix,

      ich habe im Jahr 2000 einen Selbstversuch gestartet. Ich wollte wissen wie es sich anfühlt kein (wenig) Fleisch zu essen. Angeregt durch meine Neugierde und zwei, in meinem Bekanntenkreis damals häufig vertretenen STANDpunken. Zugespitzt formuliert: Wenn du auf Fleisch verzichtest, dann 1) lebst du gesünder und wirst 100 Jahre; 2) wirst du wegen Mangelernährung deinem Körper schaden und früher sterben.
      Aus diesem Versuch ist ein lustvoller Umgang mit Lebensmitteln entstanden. Fleisch habe ich seither keines mehr gegessen; ausser ein paar mal im Jahr einen Fische (meist einen Karpfen aus dem Waldviertel von BioFisch).
      Auch so manche interessante Geschichte habe ich durch meine Neugierde entdeckt. Tip: Vergleich der Essensgewohnheiten der Osterinsulaner mit jenen der Bewohner der kleinen Insel Tikopia.

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