Ein Gastartikel auf Lisa und Michaels Blog:

Was genau ist eigentlich Aktivkohle?

Theresa Steininger
Von Theresa Steininger
10. Juni 2015

Aus der Wohnwagon-Praxis wissen wir: Pflanzenkohle ist ein ziemlich leiwandes Material. Sie bindet Wasser und Nährstoffe, filtert, reinigt. Wir verwenden Sie in unserem autarken Wagen in der Grünkläranlage und in der Einstreu der Biotoilette. Immer wieder stoßen wir dabei auf den Begriff “Aktivkohle”. Hä? Dem Mysterium wollten wir auf den Grund gehen: Was ist Aktivkohle genau? Wie entsteht sie und was ist anders als bei “normaler” und Pflanzen-Kohle?

Kohle, Pflanzenkohle, Aktivkohle – ist das nicht alles dasselbe?

Jein. Na gut, alle drei enthalten viel Kohlenstoff, der ursprünglich zum Teil von Pflanzen stammt. Und alle drei sind schwarz. Aber sonst sind sie ziemlich verschieden!

Kohle entsteht, ähnlich dem Erdöl, wenn sich Pflanzenreste ablagern und über Jahrmillionen im Boden zusammengepresst werden. Meist handelt es sich dabei um Braun- oder Steinkohle, welche mit riesigen Maschinen abgebaut und verbrannt wird. Dabei entsteht z.B. Strom. Es werden übrigens immer noch fast 30 % des weltweiten Energieverbrauchs über Kohle gedeckt. Weitere 28% sind dann Erdöl. Aber über den Wahnsinn reden wir ein anderes Mal. Jedenfalls: „Normale“ abgebaute Kohle: CO2-Schleuder, nicht sehr sympathisch.

Pflanzenkohle ist da deutlich leiwander, denn sie wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie z.B. Stroh gewonnen und hilft beim Bodenverbessern, Düngen und Kompostieren (Stichwort: Terra Preta!). Du kannst unser Terra-Preta-Einsteu zum Beispiel als Beigabe zum Kompost verwenden. Während der Kompostierung reichert sich die Kohle mit Nährstoffen an. Dein Humus wird aufgewertet und kann in Zukunft noch mehr Wasser und Nährstoffe speichern, manche Studien sagen sogar, dass der Ertrag dadurch um bis zu 50% gesteigert wird. Das mag vielleicht etwas hoch gegriffen sein, aber jedenfalls musst du weniger gießen und düngen und bindest aktiv CO2 im Boden, was den Pflanzen und dem Klima gut tut.

Terra Preta Einstreu Kompost

Aktivkohle ist Pflanzenkohle, die unter besonderen Umständen hergestellt wird und noch weitaus poröser ist als Pflanzenkohle. Daher kann sie z.B. auch als Wasserfilter eingesetzt werden, ist aber auch um das 5-10 fache teurer!

Foto von Bio Toiletten Einstreu mit Aktivkohle

Was ist so einzigartig an Aktivkohle?

Aktivkohle besteht aus einem verwinkelten Labyrinth aus ultrafeinen Poren, das Schmutzstoffe bindet. Diesen Job macht Aktivkohle so gut, weil dafür viel Platz ist: Ein Gramm hat eine innere Oberfläche von 500 -1500 m2. Mit anderen Worten: Ein Teelöffel Aktivkohle hat die Fläche eines Fußballfeldes!

Im Vergleich: Pflanzenkohle liefert pro Gramm 300 m2, immer noch massig Platz für Partikel aller Art, die Filter- und Speicherleistung ist also auch dort gegeben, nur eben geringer. Als Wasserfilter also nicht ideal, aber zur Aufwertung des Bodens bestens geeignet!

Wie wird Aktivkohle hergestellt?

Hier sind sich Aktivkohle und Pflanzenkohle ziemlich ähnlich. Bei beidem wird das Ausgangsmaterial unter Ausschluss von Sauerstoff verbrannt. Aber erst durch die Aktivierung entsteht Aktivkohle!

1. Verkohlen

Als Ausgangsmaterial dienen Holz, Torf, Braunkohle, Fruchtkerne wie Olivenkerne, Kokosnussschalen etc. Sie alle enthalten viel Kohlenstoff. Zuerst wird das Ausgangsmaterial verkohlt, also ohne Sauerstoffzufuhr verbrannt. Der Vorgang wird auch „Pyrolyse“ genannt. So gut wie alles, was nicht Kohlenstoff ist, macht sich dabei aus dem Staub, es entsteht Platz für ein verwinkeltes Tunnelsystem aus feinen Poren.

Sauerstoff würde bewirken, dass der Kohlenstoff komplett verbrennt und als Gas entweicht oder zu Asche wird. Das passiert übrigens auch bei der normalen Verbrennung im Lagerfeuer – da bleibt vom Ausgangsmaterial nur ein Bruchteil des Kohlenstoffs über. Deswegen lieber ohne Sauerstoff, denn den Kohlenstoff wollen wir ja nutzen!

2. Aktivieren von Aktivkohle

Bei der anschließenden Aktivierung unterscheidet man zwischen Gasaktivierung und chemischer Aktivierung.

Gasaktivierung: Ein sehr, sehr heißer Gasstrom (700-1000°C) aus Wasserdampf, Kohlendioxid und Luft verwandelt einen Teil des Materials in Kohlenmonoxid und Wasserstoff, welche als Gas entweichen. Übrig bleibt ein hochaktives, poröses Kohlenstoffgerüst mit einer riesigen inneren Oberfläche.

Chemische Aktivierung: Nicht ganz so heiß („nur” 400-800°C), aber mit ordentlich Chemikalien, hier entsteht ebenfalls poröse Aktivkohle und zwar direkt aus dem unverkohlten Ausgangsmaterial. Die Chemikalien werden rückgewonnen und wiederverwendet.

Was tut Aktivkohle?

Aktivkohle reinigt, und zwar ziemlich gut! Der entscheidende Prozess dabei nennt sich Adsorption. Dabei lagert sich Schmutz aus Luft und Wasser an die Wände des Porenlabyrinths an. Die Poren unterscheiden sich im Durchmesser und nehmen dadurch verschieden große Schmutzteilchen auf. Es passen nicht alle Teilchen in jede Pore. Viele Poren in unterschiedlichen Größen sorgen für eine besonders gute Filterwirkung.

Was macht einen leistungsstarken Filter aus?

  • Die Art des Drecks – passt dein Schmutz in die Poren?
  • ph-Wert, Temperatur – optimale Rahmenbedingungen?
  • Zeit – wie lange ist die Aktivkohle mit dem verunreinigten Medium in Kontakt

INFO
Handliche Kannenwasserfilter filtert 1l Wasser in wenigen Minuten. Mehr Power haben leitungsgebundene Systeme, die filtern mehrere Liter Wasser pro Minute.

So gut diese einfache, natürliche Filterwirkung ist – Irgendwann sind alle Poren aufgefüllt und die Reinigungsleistung geht zurück. Dann muss die Aktivkohle getauscht oder durch Wärmebehandlung reaktiviert warden. Hier mehr dazu!

Wo wird Aktivkohle eingesetzt?

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Aktivkohle wird für Atemschutzmasken, Zigarettenfiltern und Abgasreinigung, für Trinkwasseraufbereitung, Entchlorung, Grundwassersanierung u.v.m. verwendet. Meist entfernt sie dabei unerwünschte Farb-, Geschmacks- und Geruchsstoffe aus Gasen, Dämpfen und Flüssigkeiten.

Im Wohnwagon verwenden wir Pflanzenkohle bei der Einstreu der Biotoilette, um Feuchtigkeit und Geruch zu binden (mehr hier) und in der Grünkläranlage, wo die Kohle dem Granulat beigemischt wird und Wasser und Nährstoffe für die Pflanzen bindet. Und natürlich auch bei den unterschiedlichen Trinkwasser-Filtern, die wir in unserem Shop anbieten.

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Ob in Form von Pellets, gebrochen als Granulat oder als Pulver, Aktivkohle gibt es in zahlreichen Varianten. Auch Gewebe und Fasern sind erhältlich.

Aktivkohle in Wasserfiltern für den eigenen Haushalt

Was uns natürlich am meisten interessiert: Aktivkohle für die Wasserreinigung im privaten Umfeld. Kannenwasserfilter, kompakte Outdoorwasserfilter oder leitungsgebundene Filtersysteme, es gibt viele unterschiedliche Ausführungen – ein paar, die wir besonders gut finden, gibt es seit kurzem in unserem Shop. Aktivkohle wird oft mit anderen Reinigungsmethoden kombiniert: Umkehrosmose, UV-Licht-, Glasfaser-, Keramik-, Membranfilter und viele mehr.

Diese Kombination macht Sinn, denn Aktivkohle eignet sich zwar besonders bei Verunreinigungen von organischen Verbindungen wie z.B. Chlor, bei einigen Stoffen ist sie jedoch nur begrenzt wirksam oder wirkungslos.

UnknownAktivkohle filtert Rotes_XAktivkohle filtert nicht
Chlor und Chlorabbauprodukte Nitrat, Nitrit
Ozon Kalk
Medikamentenrückstände Ammonium
Hormone Mineralien
Pestizide
Lösungsmittel
Pflanzenschutzmittel
Halogenkohlenwasserstoffe
Viren
Geruchs- und Geschmacksstoffe
Asbestfasern
Blei (alle Schwermetalle nur bei speziellen Aktivkohlefiltern)
radioaktive Stoffe wie z.B. Radon

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Achtung! Es kommt stark auf den Filtertyp und die Qualität an! Billige Kannenwasserfilter um 20 Euro reinigen natürlich nicht so gut wie leitungsgebundene Systeme, wofür man einen Batzen Geld aufbringen muss. Kannenwasserfilter bieten nur vor Chlor und organischen Verbindungen ausreichenden Schutz.

Was bei Kannenwasserfiltern zu beachten ist: Wenn das gefilterte Wasser zu lange steht, oder man vergisst, den Aktivkohlefilter rechtzeitig auszutauschen, können sich Keime bilden. Also sollte man je nach Herstellerangabe den Aktivkohlefilter eines Kannenwasserfilters alle paar Monate austauschen. Bei leitungsgebundenen Filtersystemen ist dies nur alle paar Jahre nötig.

Wer die „Kraft“ von Aktivkohle nutzen will und damit bereits sauberes Leitungswasser aufwerten möchte kann das z.B. mit einem Aktivkohlestab oder einer Aktivkohle-Wasserflasche machen – die filtern zwar nicht so stark, binden aber trotzdem Schadstoffe und reichern das Wasser mit Mineralstoffen an – und das Wasser schmeckt einfach frischer und besser.

Ökologische Aspekte

Weltweit werden jährlich ungefähr 1,1 Mio. Tonnen Aktivkohle produziert, Tendenz steigend (9 %/Jahr). Nur 15 – 20% davon werden aus erneuerbaren Ressourcen gewonnen (Kokosnussschalen, Holz, Maiskolben, Lignin, Bambus, Mandelschalen, Haselnussschalen, Walnussschalen, Aprikosenkerne und auch Sägemehl aus Kiefern, Rosensamen, … geben würde es genug!).

Wieso fossile Materialien verwenden, die neues CO2 aus den Tiefen der Erde in die Atmosphäre packen, wenn man genauso erneuerbare Stoffe nutzen kann?

Apropos CO2 und Atmosphäre: Mit der Einbringung von Pflanzenkohle in der Landwirtschaft entstehen auch Chancen für unsere heimischen Böden. Bezüglich Wasser- und Nährstoffspeicherung haben die mittlerweile großteils die Qualität von Wüstenboden. Aber dazu ein andermal mehr.

AutorInnen:

Richard Preißler & Theresa Steininger

Quellen:

http://www.donau-carbon.com/Downloads/aktivkohle.aspx
http://www.aquacare.de/info/veroeff/ak2/ak2.htm
http://www.umweltanalytik.com/daten/umkehrosmose.pdf
http://www.tigg.com/granular-activated-carbon.html#Anchor-Por-18377
http://www.waterprofessionals.com/process-water/activated_carbon_filters.html
http://www.chemvironcarbon.com/de/aktivkohle/wasistaktivkohle
http://www.wasser-wissen.de/abwasserlexikon/a/aktivkohle.htm
http://www.chemie.de/lexikon/Pyrolyse.html
http://www.chemie.de/lexikon/Aktivkohle.html
http://www.asseau.com/de/03-6.html
http://www.carbonit.com/wissenswertes/wer-filtert-was
http://ianrpubs.unl.edu/live/g1489/build/g1489.pdf
http://pflanzenkohle.weebly.com/herstellung.html
https://www.soilreef.com/blog/2012/05/5-ways-that-biochar-is-different-from-charcoal/#.VVCZItqqqko
http://www.farago.info/job/Brennstoffvorraete/Brennstoffe.htm
http://www.schwarzhumus.at/test/
http://www.terra-preta-sachsen.de/pflanzenkohle-u-pak.html
http://www.ithaka-journal.net/pflanzenkohle-in-der-rinderhaltung
http://www.chemie.de/lexikon/Pyrolyse.html
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S138718111400376X
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0304389406008739
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1226086X13001287
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1387181103005754
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2212371714000353
http://www.cellulosechemtechnol.ro/pdf/CCT45,7-8(2011)/p.527-531.pdf

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12 Gedanken über “Was genau ist eigentlich Aktivkohle?

  1. Aktivkohle kaufen

    Aktivkohle ist klasse :). Ich verwende es am liebsten als Gesichtsmaske oder zum Zähne putzen. Als Gesichtsmaske entfernt es sehr effektiv und schonend unerwünschte Hautunreinheiten. Durch die poröse Eigenschaften der Kohle, saugt es sozusagen die Schadstoffe aus. Für weiße Zähne ist es auch klasse, aber das sollte man laut meinem Zahnarzt nicht zu oft anwenden, da es den Zahnschmelz angreifen kann.

  2. Marie

    Dankeschön für den ausführlichen Artikel! Ich finde es ganz schön beeindruckend, was Aktivkohle alles kann. Hat jemand hier Erfahrungen mit Pflanzenkohle bzw. Aktivkohle zur Bodenverbesserung? Ich habe mal gehört, dass sich damit die Erträge um bis zu 50% steigern lassen, aber das scheint mir doch ein wenig reißerisch…

  3. Andi

    Hallo Theresa,

    Danke erstmal für den Artikel,

    Möchte dich nachfolgend noch auf 2 Fehler hinweisen:
    1. Du bist der Meinung, dass Erdöl, genauso wie Kohle in Jahrmillionen aus biologischen Materialien entstand. Hast du schon mal was von der abiotischen Erdöltheorie gehört?
    http://der-weg.org/luegen/oelschwindel.html
    Demnach gibt es unendlich viel Erdöl – das heißt natürlich jetzt nicht, dass wir verschwenderisch damit umgehen dürfen, aber es hat eben keinen Sinn, auf Biosprit und den ganzen Unfug umzusteigen. Denn die Pflanzen für den Biosprit werrden ja wohl kaum biologisch angebaut. Ich bin auch der Überzeugung, dass der Ölpreis im kommenden Herbst erneut dramatisch einbrechen wird – ca 25 Dollar.

    2. Das mit dem Kohlendioxid ist ja auch so ein Megaschwindel – es ist doch völlig egal, wieviel CO2 wir in die Luft pusten!
    Was glaubst du denn, wieviel Prozent Co2 in der Luft enthalten ist?
    Ca 0,04% – Ja richtig gelesen.
    Für die Pflanzen wäre es übrigends sogar viel besser, wenn mehr CO2 in der Luft wäre – sie würden besser wachsen. UNd uns würde es auch nciht schaden, noch sonst irgendwen oder was!
    Weißt du, dass vor einigen hundert Jahren wir eine sehr viel höhere Co2 Konzentration in der Luft hatten als derzeit? Das hat man glaub ich aus Eis von dieser Zeit gemessen.
    Übriegnds war es dazumals auch schon viel wärmer als Heute – damals war Grönland völlig grün – in Norwegen, Schweden. gab es Weinberge….
    Warum um alles in der Welt sollten wir also Angst vor einer Erderwärmung haben???
    Um MIssverständnisse vorzubeugen: Ich halte sehr viel von Umweltschutz und nachhaltigem Leben….. – aber bitte alles ohne Lügen.

    1. Berni

      @Andi: Wenn man jemanden der Lüge bezichtigt, muss man sich schon sehr sicher sein, bei dem was man behauptet. Was macht dich da so sicher, dass deine beiden Thesen die richtigen sind, zumal doch die im Text vertretenen Aussagen eher der gängigen Lehrmeinung entsprechen?

    2. Johannes

      Hallo,
      habe neulich einen Artikel gelesen über Pflanzenkohle-Herstellung in größeren Mengen für jeden:
      http://www.ithaka-journal.net/kon-tiki-die-demokratisierung-der-pflanzenkohleproduktion Darin fand sich auch der Hinweis, dass bei dieser Methode die Pflanzenkohle mit Wasserdampf bei ca. 700°C aktiviert wird und größere innere Oberflächen als 300m²/g erreicht werden.

      @Andi:
      Zu Deinem 2. Punkt: Bitte auch logisch argumentieren.
      Du schreibst, es sei egal, wie viel CO2 wir in die Luft pusten, und als Begründung gibst Du den momentanen Gehalt von CO2 in der Luft an. Dieser Zusammenhang erklärt sich mir nicht.
      Du behauptest, dass Pflanzen bei höheren CO2-Gehalten besser wachsen, lieferst dafür aber keine Begründung und keine Quelle. Ich hab hier was interessantes: http://www.reuters.com/article/2014/05/08/global-warming-food-nutrients-idUSKBN0DO1LL20140508 „Rising CO2 levels may cut nutrient levels in crops, study finds“ und deren Quelle ist http://www.nature.com/nature/journal/v510/n7503/full/nature13179.html Kurz: Höhere CO2-Gehalte führten in Feldversuchen zu geringeren Zink-, Eisen- und teilweise Protein-Gehalten bei Getreide und Reis.

      1. Andi

        Hallo Johannes,
        Danke für deine Kritik. Das mit dem besseren Wachstum habe ich vermutlich von diesen Artikel noch inne:
        CO2-Mythos aufgeflogen: Warum wir für Pflanzen und Wälder mehr Kohlenstoffdioxid brauchen
        Mike Adams
        Wenn Sie mit den Erderwärmungs-Leuten reden, dann ist Kohlenstoffdioxid – CO2 – der größte Feind der Menschheit. Jegliche Produktion von CO2 sei schlecht für unseren Planeten, so erzählt man uns, sie müsse strikt eingeschränkt werden, um die Erde zu retten.
        Und wenn es nun gar nicht so wäre? Wenn CO2 in Wirklichkeit ein lebensrettender Nährstoff für die Welt wäre, der die Lebensmittelproduktion vervielfachen und der Welt mehr nährstoffreiche gesunde Pflanzen liefern könnte?
        Wie sich herausstellt, brauchen Nutzpflanzen dringend CO2. Verglichen mit dem Wert, der für Pflanzen optimal wäre, herrscht zurzeit auf der Erde ein erheblicher Mangel an CO2. Treibhausgärtner kaufen sogar Kohlenstoffdioxid und leiten es in ihre Treibhäuser ein, damit die Pflanzen optimal wachsen. Die wissenschaftliche Begründung dafür ist unanfechtbar. Dazu nur ein Beispiel: Der Landwirtschaftsminister von Ontario sagt:
        CO2 steigert die Produktivität durch stärkeres Wachstum und größere Kraft der Pflanzen. Unter anderem führt CO2 zu früherer Blüte, höherem Fruchtertrag, seltenerem Abfallen der Knospen bei Rosen, kräftigeren Stängeln und größeren Blüten. Erzeuger sollten CO2 als Nährstoff betrachten.
        http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/mike-adams/co2-mythos-aufgeflogen-warum-wir-fuer-pflanzen-und-waelder-mehr-kohlenstoffdioxid-brauchen.html

        Allerdings ist optisch gutes Wachstum ja nicht gleich höhere Qualität, wie du angemerkt hast – das habe ich auch bei anderen Quellen gefunden:
        http://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-co2-ist-ein-pflanzenduenger-und-kein-schadstoff
        http://www.pflanzenforschung.de/de/journal/journalbeitrage/gruene-revolution-verpufft-durch-klimawandel-2149/
        http://bildungsserver.hamburg.de/klimawandel-und-landwirtschaft-nav/2203496/kohlendioxid/

        Kurzum ist die ganze CO2 Debatte m.E. doch ziemlich belanglos.
        Was den KLimawandel betrifft sind eher andere Faktoren schuld, wie globale Abholzung der Wälder, Versiegelung mit Beton und Asphalth…

        Als das Ziel sehe ich, dass wir weitläufige Permakulturwaldgärten anlegen sollten, mit hoher Artenvielfalt an Pflanzen, Teiche, Seen, Trockensteinmauern…. So werden sich auch viele nützliche Tiere ansiedeln. Nebenbei würden die Bäume auch viel Wasser speichern, wodsurch der Meeresspiegel, bei einer Klimaerwärmung wohl kaum ansteigen wird…

        Wäre es nicht schön, wenn wir die derzeitigen Monokulturflächen in wunderschöne essbare Fruchtgartenparadiese umgestalten? Ich habe letzten Herbst bereits den ersten Schritt auf 2 ha gewagt, um dort was ganz besonderes entstehen zu lassen :-) und du?

        1. Berni

          Die Behauptung „CO2 steigert die Produktivität durch stärkeres Wachstum und größere Kraft der Pflanzen“ finde ich etwas zu pauschal. Ich möchte mal aus dem Buch „Biologische Grundlagen der Pflanzenzüchtung“ zitieren, Abschnitt 3.2.3.2, der sich mit dem Thema beschäftigt, wie sich CO2 auf die Pflanzen auswirkt:

          „Der Einfluß der CO2-Konzentration auf das Pflanzenwachstum ist sehr komplex und hat immer auch die Wirkung anderer Umweltfaktoren, speziell der Temperatur, mit einzubeziehen. […] Eine verallgemeinernde Aussage über das Ausmaß einer steigenden CO2-Konzentration auf Wachstum und Erträge der Kulturpflanzen ist kaum möglich, weil sich Einzelpflanzen und Pflanzenbestände über die gesamte Vegetationsperiode in komplexen physiologischen Reaktionen auf die veränderte Umweltkonstellation einstellen müssen.“

          Alles in allem geht aus dem Abschnitt hervor, dass man wohl bei leichtem Anstieg des CO2 einen leichten Anstieg der Biomasse erwarten kann, was aber nicht unbedingt bedeutet, dass damit auch der Ertrag steigt. Im Gegenteil, es kann durchaus sein, dass der Ertrag gleichzeitig sinkt.

  4. Marion Kreid

    Danke fuer den sehr interessantes und informativen artikel. Hast du dich auch informationen zu terra Petra. In diese sehr fruchtbare erde wurde ueber Lange zeit immer wieder kohle eingebracht. Ich wuerde mich ueber links oder texte freuen.

    1. Theresa SteiningerTheresa Steininger Beitrags Autor

      Da beschäftigen wir uns viel damit! Wir experimentieren hier mit unserer Bio-Toilette (Trocken-Trenn-Toilette) und verwenden ein eigens dafür entwickeltes Einstreu mit Pflanzenkohle drin. Außerdem arbeiten wir mit „Sonnenerde“ zusammen, die viel Erfahrung haben (von ihnen gibts eine Dokumentation „Humus“ die sehr sehenswert ist. Die haben im Download-Bereich schon sehr viele interessante Infos! http://www.sonnenerde.at/index.php?route=common/page&id=1273)

      Jedenfalls schreiben wir über Terra Preta sicher auch bald mal einen Artikel!

  5. Nina

    Hallo Theresa,

    danke für deinen spannenden Artikel! Ich mache persönlich viel im Bereich Bushcraft und Survival und habe da recht häufig mit (Aktiv-)Kohle zu tun.
    Spannend und sicher nützlich, mal ein bisschen mehr Hintergrundwissen dazu zu bekommen!

    Viele Grüße, Nina

  6. Andreas

    Vielen Dank für den ausführlichen und informativen Artikel :-)

    Im Zuge eines Survival-Lehrgangs haben wir aus dem, was man am Wegrand so findet, (leider gehört eine PET-Flasche zum Naturbild fast überall dazu), einen Kohlefilter gebastelt. Es dauerte ne Stunde für n Glas Wasser (dröppelte so vor sich hin..), aber da wir oben Kaffee reingekippt haben, war das auch schon schwer beeindruckend :-)
    Wir hatten da eine heiße Glut hergestellt und diese mit Bachwasser abgeschreckt, nachdem sie zerstampft wurde. Was da raus kam haben wir direkt genutzt. Hatte funktioniert :-)

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