Von Winter, Wald und faulen Zeiten

Michael Hartl
Von Michael Hartl
19. November 2011

Seit zwei Wochen hatten wir durchgehend Nebel und Minusgrade. Zugegeben – zwei, drei Tage waren dabei, wo das Thermometer auch mal über Null gekrochen ist. Und gestern war tatsächlich kein Nebel, für zwei Stunden die Sonne da und es war den gesamten Tag über 2 bis 3 Grad warm. Insgesamt ist aber der Winter da – und somit ändert sich hier unser Alltag gerade ein bisschen.

Letzte Arbeiten an den Beeten

Die warmen Stunden des letzten Tages wurden genutzt, um noch ein paar widerspenstige Grasbüschel aus einigen Beeten zu entfernen. Auch haben wir die von den Bäumen geflatterten Blätter als weitere (und bei manchen Beeten momentan einzige) sehr dünne Mulchschicht aufgebracht. Bei den Beeten, in oder neben denen ein Baum wächst, erledigt das die Natur von selbst.

Waldarbeit und Feuerholz

Eine der Arbeiten, die nun im Winter mehr unseren Alltag füllen wird, ist die Waldarbeit. Dazu zählt natürlich das Fällen der Bäume von Hand. Wir haben es zwar mit Motorsäge und unter Zuhilfenahme von Traktor und sonstigem technischen Gerät gelernt – ziehen es aber vor, die Ruhe des Winterwaldes so wenig wie möglich zu stören, die Luft nicht zu verpesten und unsere natürliche körperliche Kraft zu verwenden.

Die Bäume werden im Wald entastet, in 1,5 Meter lange Stücke gesägt und aus dem Wald getragen. Dann rund einen halben Kilometer mit Handwägen von uns zu unserem Hof gezogen. Dort angekommen werden die Stämme dann in 20 bis 30 cm lange Stücke gesägt und gespalten. Die so entstehenden Holzscheite werden dann auf Stapel aufgeschichtet und dürfen bis zum nächsten Winter trocknen – um uns dann die Bude zu wärmen und den Küchenofen zu befeuern.

Bäume pflanzen

Im Wald aus dem wir Bäume entnehmen, in unserem entstehenden Obsthain, in den notwendigen Windschutzhecken und an manch besonderen Ort in unserem Garten werden den ganzen Winter über Bäume gepflanzt. Schon die letzten zwei, drei Wochen haben wir damit begonnen. Wie jeden Winter hier ist das Ziel wieder mehrere hundert Bäume zu pflanzen. Das ist einer unserer Beiträge für eine noch lebenswertere Welt. :)

Und, wie ich es gerne betone, ohne Geld zu investieren. Ja, stimmt, wir müssen natürlich einmal alle drei Jahrzehnte einen neuen Spaten kaufen. Also nicht ganz ohne Geld. Aber die Bäume kaufen wir normalerweise nicht. Sollten wir mal einen ganz speziellen wollen, wird das vielleicht nicht ohne Geld gehen.

Aber wenn Du offen für alles bist was kommt und gute Beziehungen zu den Menschen im nächsten Dorf und zu den alten Bäuer*innen ringsum hältst, dann bekommst Du vielleicht ab und an ein paar Jungbäume und Sträucher, die dort im Überschuss aufgehen, geschenkt. Wenn Du einen Wald pflegst, wachsen dort durch natürliche Aussaat deutlich mehr Bäume nach, als auf dieser Fläche stehen können. Und wenn Du Freundschaften zu gleichgesinnten Menschen hältst, dann bekommst Du auch den einen oder anderen Baum auf diese Weise geschenkt. Um nur drei Beispiele zu nennen.

Sei kreativ! Sei offen!

Pflege was Du hast

Weitere Tätigkeiten, die klassisch für den Winter sind, sind Wartungen und Reparaturen. Das gesamte Werkzeug freut sich, wenn es zumindest dieses eine Mal im Jahr ordentlich durchgecheckt wird und kleine Mängel behoben werden. Kaputte Möbel freuen sich über eine Reparatur. Und alle freuen sich mit, wenn auch noch Hosen geflickt, Socken gestopft und Pullover gestrickt werden.

Alles hält länger, wenn es gepflegt wird. Ein sorgsamer Umgang im Alltag ist die eine Sache, das pflegen und rechtzeitig reparieren die andere. Das senkt den Konsum, spart also Geld – und schenkt somit ein bisschen Freiheit, wenn man will. Und bei Dingen, die man selbst herstellen würde, spart es Zeit und schenkt damit auch Freiheit!

Bücher lesen, Entspannen, Schlafen

Mit den immer kürzeren Tagen schrumpft die Zeit, die wir draußen verbringen und arbeiten können. Somit wird aber die Zeit immer länger, die wir mit lesen, entspannen oder schlafen verbringen können. Einer der Gründe, warum wir uns für ein selbstbestimmtes und freies Leben entschieden haben.

Für uns fühlt es sich einfach sehr natürlich und gesund an, im Winter lange zu schlafen und alles ein wenig ruhiger angehen zu lassen. So wie es sich im Sommer sehr natürlich und gut anfühlt, oft schon um 6 oder 7 Uhr mit den ersten Arbeiten im Freien zu beginnen und bis 22 Uhr draussen aktiv zu sein.

Und natürlich beginnt jetzt die Zeit, unsere wunderbaren Vorräte aufzuessen!

Ein Teil unserer Vorräte

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

13 Gedanken über “Von Winter, Wald und faulen Zeiten

  1. Josef

    Seruvs,
    ich hätte eine Frage zur Waldarbeit – welche Säge/Hacke verwendest du im Wald – ich bin auch an dieser Art der Waldarbeit interessiert – hier würde mir ein Foto/Info weiterhelfen – danke dir,
    Josef

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Ich helfe ja auch in der Waldarbeit bei Forstwirten mit – da sind natürlich Motorsägen und Traktoren im Einsatz.

      Wenn ich für mich alleine Holz mache, nutze ich Äxte, Beile und Bügelsägen. Wenn ich mal wen haben sollte, der regelmäßig mitgeht, würde ich auch eine Zugsäge (heißt das glaube ich) besorgen.

      Alles Liebe,

      Michael

  2. Friederike Steinberg

    Hallo Michael,hallo Lisa,

    lese gerade deinen Beitrag zu euren konservierten Lebensmitteln.

    Habe in 2012 die Tobinambur einfach im Land gelassen, ein Stück Stengel dient mir als Hinweis, wo ich Knollen finden kann.

    Funktioniert wunderbar, ernte frische Knollen im Winter und freue mich jedesmal auf's neue darüber, ganz besonders, weil ich in einer rauen Wintergegend lebe ( Rothaargebierge, Wittgensteiner Land NRW ).

    Eine Freundin hat über Winter Mangold im Mini-Frühbeet-Kasten gelassen – Mangold ist zweijährig, ist zwar langsm nachgewachsen – aber sie hat kontinuierlich frischen Mangold geerntet. Auch eine Freude.

    Habe meinen Rosmarin anfang Winter hereingeholt und auf eine Fensterbank im Keller gestellt.

    In der Erde hat sich ein Löwenzahn breit gemacht und treibt seit Wochen frische Blättchen. Danke ihm täglich dafür.

    Denke, in diesem Jahr werde ich einige Töpfe mit Löwenzahn im keller bunkern, so hab ich stets was Grünes auf dem Essen.

    War mir ein Bedürfnis euch das mitzuteilen – vielleicht ist es euch längst bekannt – so hat halt der Rest der Welt was davon.

    Herzensgrüße

    Friederike

  3. Imme

    Bäume wurden früher auch ohne Motorsäge gefällt – es gab noch gar keine Motorsägen! Dazu wurde eine 2-Mann-Baumsäge verwendet. Ich finde es schön, dass Ihr die Waldesruhe nicht durch Motorgeräusche stören wollt, das Wild aber hat vor diesen Geräuschen keine Angst. Die Tiere wissen ganz genau, dass die Holzfäller ihnen nicht gefährlich werden. Ein Schuss stört eigentlich die Ruhe gar nicht so sehr, und doch entsteht gleich Panik im Wald :-(( Ich bin gespannt, ob Eure Vorräte bis zur nächsten Ernte reichen. Unser Vorratskeller früher war weitaus üppiger bestückt. Da befanden sich Hunderte von Einmachgläsern mit Gemüse, wie z. B. Grüne Bohnen, Erbsen und Möhren, Dicke Bohnen in den Regalen. Grünkohl und Rosenkohl sowie Lauch standen bis in den Winter hinein im Garten und kamen von dort aus gleich in die Küche. Weißkohl wurde zu Sauerkraut verarbeitet (geschnetzelt, gesalzen und ab in den großen Keramiktopf, mit einem Holzdeckel beschwert und dann kam noch ein Stein oben drauf. Das Sauerkraut schmeckte schrecklich, war furchtbar sauer, hatte wahrscheinlich zu viel Vitamin C :-) ) Ich wünsche Euch, dass es für alle reicht, denn Nachschub kommt ja nicht so bald.

    1. Michael HartlMichael_Hartl Beitrags Autor

      Liebe Imme,

      danke für Dein Kommentar. Das ist übrigens nur ein Ausschnitt unserer Speisekammer. Das Bild zeigt nur einen Teil eines Regales – und da sind drei Regale drin. Außerdem haben wir noch Erdkeller für Wurzel- und Kohlgemüse, sowie ein Lager für unsere Äpfel.

      Wir fotografieren gerade unsere Innenräume im Haus eher nur so mit kleinen Ausschnitten – denn ein wenig Privatsphäre möchten wir dann doch noch haben. Trotz Blog. :)

  4. Pia

    Warum trocknet ihr das Holz nicht drei Jahre wie üblich? Wir haben festgestellt, dass Holz, weclhes nur ein jahr getrocknet wurde doch noch recht viel Feuchtigkeit enthält und stark rußt.

    Das mit den Klamotten interressiert mich auch. Ich kaufe secondhand und mache selber. Aber eben dieses Selbermachen ist ja auch nur begrenzt möglich….

    Ansonsten schick ich Euch liebe Grüße.
    Tolle Seite mit tollen Visionen. Ich habe sie vor ein paar Tagen gefunden und bin völlig fasziniert von Eurer klaren Entscheidung.

    PIa

    1. Michael HartlMichael_Hartl Beitrags Autor

      Hallo Pia,

      wenn wir immer diesen Vorlauf hätten für Holz, könnten wir es länger trocknen lassen. Aber mehr als zwei Jahre dürften bei normaler Trocknung nicht nötig sein. Zu trockenes Holz verbrennt dann auch wieder uneffektiv. Weiß den HIntergrund dieser Klugheit leider nimmer. ;) Aber Du hast schon recht – zwei Jahre trockenen wäre fein – nur braucht man dazu den Platz und den Puffer an genügend Holz.

      Danke für das Lob.

    1. Michael HartlMichael_Hartl Beitrags Autor

      Hallo Birgit!

      Im Moment versuchen wir sehr wertschätzend und erhaltend mit dem umzugehen, was wir an Kleidung haben. \“Neues\“ kommt dann von Freund*innen, Familie oder Second Hand – also gebrauchte Sachen. Gleichzeitig wird hier am Hof mehr und mehr selbst hergestellt. Es wird genäht, gestrickt und bald auch gewebt – so dass wir da auch Schritt für Schritt in die richtige Richtung gehen, denke ich. Wir möchten zukünftig durchaus auch selbst Leinen anbauen und herstellen. Mal sehen… :)

    2. Lisa PflegerLisa Pfleger

      Meist gar nicht, liebe Birgit, weil wir echt selten mal was brauchen. Ansonsten: Geschenkt von Familie & FreundInnen oder wenn doch mal kaufen: Second Hand Laden. Und wenn es was ist, dass man so nicht bekommt (wie gute Winterschuhe oder einen Sport BH z.B.) dann googlen wir nach „Fair Trade“ :)

    1. Michael HartlMichael_Hartl Beitrags Autor

      Hallo Elke,

      nun kommentierst Du also neben Facebook auch hier. Also kopiere ich es Dir hier her:

      Wir essen im Moment vieles – zum Beispiel frisch eingelagerte Zucchini, Kürbisse, Kartoffeln, Äpfel, Birnen, Chinakohl, Topinambur, Pastinaken, Karotten, Rettiche, Salate, Radieschen, Kresse, Spinat, … und nahezu alles, was unser Garten hergibt in konservierter Form. :)

      Das ist übrigens nur ein Ausschnitt unserer Speisekammer. Das Bild zeigt nur einen Teil eines Regales – und da sind drei Regale drin. Außerdem haben wir noch Erdkeller für Wurzel- und Kohlgemüse, sowie ein Lager für unsere Äpfel.

      Und Deine Umschalttaste klemmt…

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