Von Utopien und lieben Menschen

und einer lebenswerten Zukunft!

Michael Hartl
Von Michael Hartl
12. August 2015
Dieser Artikel ist Teil der Serie Ergebnisse des utopvials 2015

Fast jeden Tag purer Sonnenschein. Erfrischen in einem wilden, kühlen Bach. Sehr feines Essen und hundert total liebe Menschen. So sah meine letzte Woche aus. Klingt fast wie ein Club-Urlaub. Und ein bisschen wie Urlaub war es auch für mich. Noch dazu hat es kein Geld gekostet. Null. Niente. Weder mich noch die Veranstalter*innen. Und es gab dort Workshops und es wurde viel philosophiert und konkrete Ideen ausgeheckt.

Ich war auf dem Mitmachkongress utopival, der dieses Jahr am Findhof stattgefunden hat, ein gutes Stück entfernt von Köln. Eine Veranstaltung, bei der sich mehr als 100 Menschen getroffen haben, um über verschiedene Themen, die unsere Zukunft betreffen, zu lernen und zu diskutieren. Und über Themen, die den Weg dorthin betreffen.

Wie wollen wir auf Dauer zusammenleben?

Auf dem Kongress wurde wenig bis garnicht über die Übernutzung der natürlichen Ressourcen oder den Klimawandel diskutiert. Oder darüber, wie man die Wirtschaft grüner machen könnte. Es ging eben nicht darum, Schminke auf die Symptome aufzutragen. Viel mehr geht es beim utopival darum, sich die Ursachen anzusehen und gemeinsam zu überlegen, wie wir hier fundamental etwas verändern können.

Foto einiger Teilnehmender des utopivals, die über das Gelände geführt werden und sich neugierig umsehen.

Wie also kann eine Wirtschaft aussehen, die ohne andauerndes wachsen und wuchern auskommt? Vielleicht sogar schrumpft, weil wir alle immer weniger konsumieren? Und wenn weniger konsumiert werden soll, gibt es dann nicht am anderen Ende noch mehr Arbeitslose? Und wie soll dann die Lebensqualität hoch bleiben? Wie wollen wir Tausch oder sogar bedürfnisorientierte Verteilungssysteme organisieren? Und auf welche Weise sollen auf dem Weg dorthin Ressourcen und Nahrungsmittel verteilt werden, die überzählig sind?

Denn laut den Workshops und auch den meisten Teilnehmer*innen gilt es, eben jene vorhandenen Ressourcen zu nutzen, statt neue Nachfrage zu erzeugen. Es ist angesagt, einen liebevolleren Umgang miteinander zu erlernen und daher auch feinere Methoden für Begegnung, Sprache und Austausch einzuüben. Sich informieren über die Mitwelt. Und wieder mehr mit ihr in Verbindung kommen.

Geldfrei und reich an Inhalt!

Und um all diese gerade genannten Themen und noch viele weitere haben sich die fünf Tage utopival gedreht. In 25 Workshops und einigen weiteren Vorträgen und Gesprächsrunden wurde es konkret: In fünf Themensträngen ging es unter anderem um Kreativität, Soziales Miteinander, Bildung, Wirtschafut und Ernährung. Zum Beispiel mit den Workshops Erziehung im Kapitalismus, Degrowth und Gemeinschaft, Selbstversorgung und Landnutzung, Kreatives Schreiben, Vertrauen, Open Source Ecology, ….

Der Mitmachkongress utopival wurde vom Projekt- und Aktionsnetzwerk living utopia organisiert. Nach den Prinzipien solidarisch, ökologisch, drogenfrei, vegan und geldfrei. Wobei mich besonders der letzte Punkt sehr fasziniert hat. Die anderen Punkte versuche ich ja seit Jahren zu leben und halte die auch alle für mach- und wunderbar. Aber geldfrei? Ich mein, eine schöne Utopie… aber kann ein ganzer Kongress geldfrei organisiert werden?

Foto einer kleinen Diskussionsrunde vor einem Flip Chart mit bunten Zetteln daran.

Ja, das utopival hat es vorgemacht: Nicht mehr verkäufliche Lebensmittel wurden gerettet, die Location „Findhof“ war ohne Gegenleistung zur Verfügung gestellt worden, die Vortragenden waren ohne Honorar oder Spesen angereist. Ein Stück gelebter Utopie!

Danke für die Erfahrungen – and now: let’s spread the ideas!

Alle Inhalte auch für Dich!

Neben der Tatsache, dass das utopival komplett geldfrei organisiert war, haben mich ganz besonders die Menschen fasziniert, die der Mitmachkongress angezogen hat. Wirklich alle Teilnehmenden, mit denen ich mich ausgetauscht habe, waren lieb, interessiert, engagiert und offen. Oder kurz: wundervolle Menschen! Mit Menschen wie ich sie dort kennen und auch lieben gelernt habe, kann ich mir mehr als vorstellen, dass wir alle gemeinsam auf dieser Welt einmal unsere Utopien leben werden.

Abgesehen von all diesen Punkten ging es aber natürlich in erster Linie um die Workshops, die ich weiter oben ja bereits erwähnt hatte. Deren Vielfalt und Tiefe haben mich sehr angesprochen. Und zumindest die, an denen ich teilnehmen durfte, waren gut vorbereitet und wurden verständlich angeleitet. Und weil diesen Eindruck alle hatten, mit denen ich darüber gesprochen habe, dachten wir uns, dass all die Ideen, Methoden und Ansätze, die auf dem utopival vorgestellt und diskutiert wurden, noch mehr Interessierten zur Verfügung stehen sollen. In den nächsten Wochen werden wir daher nach und nach Artikel zu allen Workshops, die stattgefunden haben, hier im Blog veröffentlichen. Diese Artikel werden Pia, Daniel, Lotte, Tobi, Tinka und Marius von living utopia, sowie ich schreiben.

Hol Dir alle Informationen, um die es beim utopival ging!

Ende August 2015 ging eine Ergebnis-Website online, die auf interaktive Art und Weise Menschen die Ideen des utopivals näher bringen und zum Perspektivwechsel einladen will.

Dort gibt es unter anderem:

  • Film-Interviews mit Niko Paech, Van Bo Le-Mentzel, Gülcan Nitsch und vielen mehr
  • Schriftliche Dokumentation der 25 Workshops in Form von Artikeln,
  • Tonaufnahmen der Diskussionsrunden zum Thema Menschenbild, drei Keynotes, …
  • ein Impressionsvideo sowie
  • Fotos, die die Atmosphäre widerspiegeln

Schau Dir die Ergebnis-Website jetzt an: utopival.org/ergebnisseite

Hier auf der Seite werden wir dann in den nächsten Wochen die ganz ausführlichen Artikel online stellen.

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Serie: Ergebnisse des utopvials 2015

Auf dem Mitmachkongress utopival gab es eine Menge Workshops und Vorträge. Dessen Inhalte und Ergebnisse möchte eine Gruppe an Teilnehmenden von dort hier nach und nach zur Verfügung stellen.

Die bisherigen Artikel der Serie:
Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

9 Gedanken über “Von Utopien und lieben Menschen

  1. Manuel Fritsch

    Ich fühle wie Matthias, das hat mich auch am meisten berührt. Solche Begegnungen sind es auch, die wir bei Move Meta ermöglichen wollen, in unseren Gruppen und Rendezvous. Noch vor aller äußeren Änderung der Welt (Aktivismus, Aktionismus) geht es uns darum, eine innere Haltung in Menschen wachsen zu lassen, indem wir einen neuen Glauben stiften: „Ich bin gut, so wie ich bin.“

    Ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man es noch nicht kennt, und die Wurzel eines liebevollen Umgangs miteinander. Wir wollen all diejenigen mit Liebe anstecken, die von alleine nie darauf kämen, z. B. ein utopival zu organisieren, weil sie eben noch gar nicht selbst zu lieben gelernt haben – und aus Liebe eine gesamtgesellschaftliche Bewegung machen, die jeden anspricht, vom Aussteiger bis zum Ökonomen.

    Michael, wenn du auch über uns einmal schreiben möchtest, würde ich mich sehr freuen!

    Herzliche Grüße
    Manuel
    Gründer, Move Meta, http://de.movemeta.org

  2. Matthias

    Ich habe ein paar Kurz-Videos vom Utopival angesehen. Was mich so fasziniert und inspiriert hat, ist die Freude und das Lachen der Menschen, die dort teilhaben durften. Ihre Dankbarkeit, ihre Liebe und Wärme – das kommt direkt rüber. Es steht im eklatanten Kontrast zum sogenannten „Alltag“, in dem nicht gelacht und nicht geteilt wird. Alle leben nebeneinander statt miteinander. Das ist so traurig… Veranstaltungen wie das Utopival sind so unglaublich wichtig, um als Keimzelle wahre Impulse in die triste Welt zu setzen.

    LG Matthias

  3. Mike

    Hallo! Ich begrüsse das sehr, und ich anerkenne, dass jeder auf dem Weg ist und jeder noch herausfinden möchte, was ihn weiterbringt. Hierzu eine überaus wichtige Anmerkung zu Eurer Website:

    Ja, sie ist gratis. Und ja, Ihr müsst dennoch etwas bezahlen. Was denn? Die Daten aller Besucher!! Falls Ihr es nicht gewusst habt: Google scannt jeden WordPress-Besucher ausführlichst, bspw. über die eingebundene Schrift, die sich jeder Besucher vom Google-Server herunterlädt.

    Bitte überlegt Euch alle, wie Ihr die seltenen Webdesigner unterstützen könnt, die nicht WordPress oder andere Systeme vom Internet downloaden, sondern sich die wirklich riesige Mühe machen, etwas eigenes zu entwickeln. Danke.

    Herzlichen Gruss, Mike

  4. Christel

    Ich bin kürzlich auf ein Buch gestossen mit dem Titel „2020 – Die neue Erde“, geschrieben von Bauchi (Jesus Urlauber) Georg Berres.

    Das Buch ist eine wunderbare Inspiration wie es sein könnte im Jahr 2020! Es hat sich daraus sogar schon eine Facebook Gruppe mit dem Namen „AGENDA 2020 – Ein Experiment in der Matrix“ gegründet. Dort treffen sich liebevolle, liebende Freigeister und befuchten einander mit Ideen und Liebe, Freiheit und gemeinsamen Wachstum…da findet ein unglaublicher Austausch statt… wirklich, HIER verändert sich die Welt. Das ist großartig!!!

    Anbei die Links…https://www.facebook.com/2020DieneueErde

    Buch im PDF Format: 2020 – Die Neue Erde

    Es gibt sogar schon eine Hörbuch Version: https://youtu.be/taxXpqDMFNU

  5. Pingback: utopival – ein erster Einblick | utopival

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