Vom Spurenlesen

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
9. März 2016

Spuren erzählen Geschichten. Du kannst dir das nicht vorstellen? Konnte ich auch nicht so richtig.

Niemals ohne Grund

Beim letzten Wochenende meiner Ausbildung bei der „Natur- und Wildnisschule Ost“ (kurz: Nawisho) durfte ich in die Kunst des Spurenlesens hineinschnuppern. Wie so oft kam ich völlig ohne Erwartungen hin – war bis zum Verlassen der Haustüre gedanklich noch mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Worum soll es da nochmal gehen?

So wie mich erst gestern eine Szene aus „Herr der Ringe“ zum Schmunzeln brachte: Pippin – einer der entführten Hobbits – lässt eine Blatt-Brosche fallen, damit Aragorn, Gimli und Legolas sie finden um ihnen den Weg zu weisen. Einer der drei sagt dann sinngemäß so etwas wie „Das Mallorn-Blatt der Elben fällt niemals ohne Grund. Sie sind noch am Leben!“

Vor dem Spurenlesen-Wochenende, wäre mir so eine Szene wahrscheinlich nicht weiter aufgefallen. Diesmal schon ;D

Flucht? Kampf? Entspannung?

So hat es auch im Tierreich immer Gründe warum Spuren so oder so aussehen. Von deren Identifikation mal abgesehen. Zu wissen von welchem Tier diese Spur sein könnte ist das eine. Aus der Art und Weise der Abdrücke oder anderer Spuren Schlüsse zu ziehen, das andere.

So geben mir Abstände und Trittmuster Hinweise darauf, ob das Tier gemütlich dahin spaziert ist, oder ob es weggelaufen ist. Warum ist es weg gelaufen? Vor wem?

Frustration

Am Anfang konnte ich so gar nicht wirklich etwas mit dieser Spurensucherei anfangen. Meine scheinbare Unfähigkeit ein Trittsiegel (also so eine Fußspur am Boden) überhaupt zu erkennen, ließ mich recht schnell aufgeben.

Aber immerhin lag auch kein Schnee, sondern mein Auge musste sich erst mal an den Strukturreichen Matsch gewöhnen um da überhaupt irgendetwas zu sehen.

Spur ist nicht gleich Spur

Aber dennoch haben wir noch einige schöne – deutliche – Fußspuren finden können. Und nicht nur „Fußspuren“ sind Spuren. Nein. Das ist – könnte man sagen – der kleinere Teil. Immerhin kann man diese Trittsiegel tendenziell nur im Schnee, Matsch oder Sand finden. Auch Kot, Federn, Knochen, Fraßstellen, Nester, ja, die Art ob und wie eine Feder zerbissen wurde können mir Aufschluss über „den Täter“ geben.

Sehen was man nicht sieht

Für mich das spannenste war, plötzlich Dinge zu sehen, die man vorher nicht gesehen hat. Zu erahnen was hier passiert ist, ohne dabei gewesen zu sein. Zum Beispiel anhand eines Haufens Federn (wer wurde hier verspeist?) und deren (Ab)bissspuren (Wer hat hier gespeist?). Häufchen von Kot, die mich davor nicht die Bohne interessierten, verraten mir plötzlich welche Tiere sich da im Wald aufhalten. Dachs? Fuchs? Wildschwein?

Zugegeben, in Kot zu stochern ist noch immer etwas gewöhnungsbedürftig (bitte aufpassen zwecks Erregern und so). Das Bild der Gruppe war einfach herrlich, mal so mit einem Schritt von Außen betrachtet, wie sie um einen Kothaufen herum knieten und heftig debattierten :D

Gute Bücher

Am sonnigen ersten Tag der Spurenleserei wurden wir mit zahlreichen Bestimmungsbüchern ausgestattet. In die ich mich auch erstmal genussvoll vertiefte und die Sherlock Holmes von weitem beim Mutmaßen beobachtete. Skeptisch, wie die da nur sehen können, was sie sehen. Uneingängig für mich…

Aber es wird! Die Materie ist sehr spannend. Mein Lieblingsbuch vom Wochenende ist definitiv „Tierspuren“ vom blv-Verlag. Die Gestaltung und die vielen Info-Texte haben mich angesprochen, sowie die Verständlichkeit der Bestimmungen.

Ob ich jetzt jemals so stark ins Spurenlesen reinkippen kann? Ich weiß es nicht. Die mir innewohnende Ungeduld ist schon ein Hund.

Aber vielleicht braucht es einfach auch noch etwas Zeit. Wie Martin hier so schön schildert, dem es Anfangs scheinbar ähnlich ging wie mir ;)

Was mich definitiv stark anspricht ist die Bestimmung von Vogelfedern. Ich liebe die kleinen Gefiederten und Federn haben einfach einen ästehtischen Reiz an den Kothaufen leider nicht rankommen ;D

Und du?

Schon mal einer Tierspur gefolgt oder läufst du eher blind durch die Welt? Bei mir war es in Bezug auf Spuren eher immer zweiteres ;) Aber wer weiß, seit ich mich mit Wildpflanzen beschäftigt habe, sehe ich die Welt auch mit anderen Augen :)

Ich freue mich jedenfalls auf das nächste Wochenende: Flintknapping! Am Freitag geht’s los – jippiee!

Hier noch ein paar Impressionen vom Wochenende:

PS: Ein oft empfohlenes Buch, das ich leider noch nicht gelesen habe, obwohl es mir eine Freundin vor einiger Zeit geschenkt hat, *ähämm* ist „The Tracker“ von Tom Brown Jr. (zu Deutsch „Der Fährtensucher“). Auf Deutsch leider meist nur mehr zu Liebhaberpreisen erhältlich.

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2 Gedanken über “Vom Spurenlesen

  1. Holger B.

    Hallo Lisa,

    schön das du das Thema Wildnispädagogik weiter verfolgst. Ich selbst habe meinen Abschluss im Januar gehabt. Auch bei uns war das Spurenlesen ein eigenes Thema für ein verlängertes Wochenende. Ich selbst fand das Thema so spannend, dass ich mich für eine 7 monatige Weiterbildung, die nur das Thema Spurenlesen verfolgt, angemeldet habe.
    Aber nicht nur Spuren werden in dieser Weiterbildung behandelt, sondern auch die Vogelsprache, so dass wir Teilnehmer auch in diesem Bereich Erfahrungen sammeln können. Daneben wird auch das anschleichen verfeinert, welches ich schon im Wildnispäd. Lehrgang hatte. Auch das „lesen“ der Landschaft wird ein Teil in der Ausbildung sein. Ist die Gegend durch Menschenhand verändert worden oder ist sie natürlich entstanden, was ebenfalls sehr spannend klingt.

    Ich kann jeder Natur begeisterten Person nur empfehlen sich mit diesen Themen zu beschäftigen. Neben meiner liebe zur Pflanzenwelt wird nun so auch die Liebe zur Natur und deren Bewohnern weiter vertieft. :)

    lg
    Holger

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