„Wir brauchen verantwortliche Entwicklung auf der Welt“

Michael Hartl
Von Michael Hartl
27. Dezember 2016

Seit ich mich mit den Themen Selbstversorgung, Systemkritik und Alternativen leben beschäftige, bin ich immer wieder über Öff Öff gestolpert. Ein „Aussteiger“, der seit er drei Jahrzehnten versucht, einen ganz anderen Weg zu gehen. Und diesen auch zu begründen und zu verbreiten.

Viel wurde und wird über ihn geschrieben –  interpretiert und unterstellt. Mich hat nun mal interessiert, was er selbst zu sich, seinen Projekten und seinen Anliegen sagt.

Interview mit Öff Öff, dem Begründer der Schenker-Bewegung

Michael Hartl: Hallo Öff Öff. Du wirst häufig als “Aussteiger” bezeichnet. In welchen Punkten oder Bereichen hast Du das Gefühl, anders zu leben als die meisten Menschen in unserer mitteleuropäischen Gesellschaft?

Öff Öff: Vorab: Ein kurzes Überblicks-Porträt meines Aussteiger-Daseins findet man mittlerweile in den Wikipedia- und Pluspedia-Artikeln über Öff Öff bzw. Jürgen Wagner, und auf der Zentral-Website von Schenker-Bewegung global-love.eu

Portrait von Öff Öff

Zur Frage nach den Unterschieden: Der entscheidendste Unterschied zwischen mir und anderen Menschen ist wohl, dass ich echt offen nachdenken will, und dabei alles sehen will, was relevant sein kann (alle Argumente auf den Tisch, alle Probleme und Kritik sehen, Übersicht über alle Alternativen, Auswahl des argumentativ Besten…)… Ich will ohne Ausblendungen (wegen anderen, nicht-argumentativen Motiven!) immer nur nach den besten Argumenten gehen, mit Blick aufs Ganze…

Jetzt könnte jemand gleich schimpfen: “Wie hochmütig ist der denn, wollen wir das nicht alle, ich jedenfalls auch?!” – Aber es lohnt ein Blick in die Entwicklungs-Psychologie, wo Lawrence Kohlberg durch wissenschaftliche Forschung Maßstäbe für echte Verantwortungs-Reife herausgefunden hat: Sein sogenanntes “post-conventional or principled level”, welches eigentlich erst wirkliche Verantwortungs-Reife ausmacht, besteht darin, alles ‘Vorgegebene’ (Konventionen, ‘Spielregeln’, Gesetze, Handlungs-Anordnungen oder -Impulse usw.) kritisch an Gesamt-Verantwortung zu messen – im Unterschied zum blinden Mitmachen… (Wobei solche ‘Universalisierbarkeit’ von Moral ihre erfüllende Begründung und Motivations-Kraft letztlich durch Verbundenheits- bzw. Einheits-Erleben bekommt: (kosmische) Liebe, universelle Lebens-Einheit, eventuell ‘transzendentale’ Verbundenheit…; also so, dass ich allem seinen passenden Platz und sein passendes Maß geben kann und will, weil ich mich damit eins fühle, als Teile von mir oder gemeinsam als Teile größerer Lebens-Einheit… Kohlberg deutet an, dass diese ‘Verbundenheits-Erfüllung’ vielleicht noch als ein spezielles höchstes ‘Level’ unterschieden werden könnte…)

Foto von Öff Öff mit seiner Familie

Aber nun der ‘Hammer’(!): Laut Analyse der Entwicklungs-Psychologie ist diese echte Verantwortungs-Reife bei so gut wie keinem Menschen zu finden bzw.  – sogar man es sehr optimistisch beurteilen will – jedenfalls nur bei einer Minderheit!!! (Siehe zu Details dieser Forschungs-Diskussion das wissenschaftliche Fachbuch meiner Frau Anke Rochelt: “Bildung für ganzheitliche Nachhaltigkeit bzw. globale Verantwortung”, S. 183-192, und den Wikipedia-Artikel über Kohlberg etc.)… Solch kritisches Denken, wie es zum ‘principled level’ gehört, wenden Menschen vielleicht auf Einzel-Aspekte ihres Lebens an, aber ansonsten richten sie sich ihr Leben weitgehend ein, wie es ihnen aus anderen Motiven gefällt, ohne alles durch so eine kritische Gesamt-Verantwortungs-Brille betrachten und daran messen zu wollen, also ohne ein ‘rundes Bild’ solcher Verantwortlichkeit zu erlangen… –  Ich hingegen erkläre mich zu einem öffentlich prüfbaren ‘Versuchs-Kaninchen’, wie weit ein Mensch dieses “principled level” bzw. “Einheits-Level” leben kann…, und lade jede/n Zweifler an der beschriebenen Problem-Analyse ein, sich im Gespräch mit mir daran zu prüfen…

Und tatsächlich: Je älter ich werde, desto eindeutiger wird mir: Der Kern des Problems liegt nicht darin, dass Menschen, die zu offenem Denken bereit sind, dann große Probleme hätten, die richtigen Argumente sehen zu können; der Kern des Problems liegt darin, dass kaum Menschen zu offenem Denken bereit sind… (Noch! – sage ich dazu, weil wir und die Welt damit nicht leben können, und es deshalb anders werden können muss…)

Michael Hartl: Gefällt Dir für dies Anderssein die Bezeichnung “Aussteiger” oder gäbe es bessere Begriffe dafür?

Öff Öff: Ich bin mit der Bezeichnung “System-Aussteiger” einverstanden, im Sinne von: Ausstieg aus Systemen bzw. Strukturen zu starker Gedankenlosigkeit (u.a. bzgl. angerichteter Schäden) – d.h. aus Strukturen prinzipieller Verantwortungslosigkeit -, und aus Strukturen der Gewalt bzw. gewaltsamer, bevormundender Herrschaft, und aus Strukturen der schädigenden Konkurrenz und Abrechnerei miteinander… Es geht mir nicht um Ausstieg aus Gesellschaft, Kultur, Zivilisation, Volk, Sprache, Technik, Organisation, Regeln, ‘Gesetzen’ usw. als solchen; jedenfalls nicht als Selbstzweck, sondern nur, insofern es für den beschriebenen System-Ausstieg sinnvoll oder nötig ist…  Allerdings gehört aus meiner Sicht ein Ausstieg aus dem Staats- und Geld-System dazu, weil diese Systeme im Wesentlichen für gewaltsame Herrschaft und kurzsichtige Abrechnerei stehen…

Ich mag aber statt negierender Bezeichnungen wie “Aussteiger”, “Staatenloser” usw. lieber positive Bezeichnungen wie “Vernunft- und Gewissens-Mensch”, “Schenker”, “Licht-Liebes-Arbeiter”, “Demokratie-Entwickler” usw.

„Es geht ums Nötige für freie Selbstbestimmung“

Michael Hartl: Mir bist Du vor vielen Jahren das erste Mal “über den Weg gelaufen”, als ich im Internet über andere Formen des Zusammenlebens recherchiert habe. Als “Schenker” – ja sogar Begründer der “Schenker-Bewegung”. Magst Du bitte kurz erklären, was die “Schenker-Bewegung” ist?

Öff Öff: Die “Schenker-(bzw. Schenk-)Bewegung”, d.h. die “Bewegung von Menschen, die mit anderen nur noch (in globaler Liebe) Geschenke austauschen möchten” (auch “Bewegung für Ganzheitliche Nachhaltigkeit” oder “für Ganzheitlich Nachhaltiges Leben” genannt), ist der Versuch, auf möglichst unideologische, konsens-offene Weise einen ‘kleinsten nötigen Einigungs-Nenner für globale Verantwortung’ zu finden… Was brauchen wir, um “gesamtwohl-entscheidungs-” und “gesamtwohl-konsens-fähig” zu werden? Wir brauchen dafür sicher einige Grund-Voraussetzungen (genug Verständnis und Willens-Fähigkeit, Verbundenheits-Bewusstsein…)… Aber sobald das Nötige gegeben ist, kann und soll alles Weitere vertrauensvoll in die Konsens-Findung solcher “globalen Konsens-Geschwister” gelegt werden, und es soll keine vermeidbaren ‘Ideologie-Vorgaben’ geben…  Es geht nur ums Nötige für freie Selbstbestimmung, auch gemeinsame freie Selbstbestimmung (sozusagen ein Modell von “Emanzipations-Kollektiv”)…

Das ist das kurze Kern-Programm von Schenker-Bewegung… —

Gruppenbild einer Teilnehmer*innen-Gruppe des SCI-Camps.

Es gibt noch weitere programmatische Aussagen (wie eben ‘kein Staat’, ‘kein Geld’ usw.), aber die werden ganz davon abhängig gesehen, wie weit sie aus dem Kern-Programm konsens-argumentativ ableitbar sind…  Solange keine vernünftigen Gegen-Argumente da sind, kann viel Zusätzliches als gültig angesehen werden…; gibt es echte Gegen-Argumente, dann nicht mehr…

Eine kleine Erklärung noch, warum “Schenken” so betont wird: Weil es ja darum geht, alles danach zu richten, ob die ‘große Rechnung fürs Ganze’ aufgeht, egal was für ‘kleinere (Splitter-)Rechnungen’ dabei rauskommt. Ich gebe also für den Sinn im Ganzen, egal ob ich dabei konkret was ‘zurück-bekomme’, d.h. ohne es von kleineren Gegenleistungs-Rechnungen abhängig zu machen; das ist ‘organisches Schenken’… Ich mache also nichts anderes mehr mit anderen Menschen, als nur noch gemeinsam mit Blick aufs Ganze zu planen…  “Menschen-Geschwister bzw. kleine Menschheits-Familien, die sich in die große Menschheits-Familie und in die große Lebens-Familie einfügen wollen…”

Michael Hartl: Und was macht Dich so sicher, dass diese Art des Austausches global funktionieren könnte?

Öff Öff: Es kann nichts anderes funktionieren. Es ist logisch notwendig, sich das als eine Voraussetzung für global verantwortliche Entwicklung bzw. ‘ganzheitliche Nachhaltigkeit’ vorzustellen…

Ein Mensch und auch die Menschheit muss wissen, was er/sie tut – wenn es keinen Murks ergeben soll… Verantwortliche Entwicklung in der Welt wird es nicht geben, wenn wir das nicht verstehen und wollen, auch gemeinsam planen…  Verantwortliche Entwicklung fällt nicht irgendwie auf uns drauf, wie der Regen oder so, oder kommt irgendwie ‘automatisch’ (durch “Instinkte”, “unsichtbare Hände” usw.), wenn wir es nicht wollen, planen und tun…

Protrait von Öff Öff auf Pilgerreise

Nehmen wir einen Familien-Bauernhof als Veranschaulichung: Wenn es da aus dem Ruder geht, der Bauer säuft, die Frau das Geld für Shoppen ausgibt, die Kinder nur noch in Discos hängen oder gar auf Droge, und wenn der Hof verwahrlost, was dann? – Es wird wohl niemand im Ernst denken, irgendwelche Einzel-Eingriffe wie, mal den Stall auszumisten, oder der Bauernfamilie einen neuen Traktor zu geben usw., könnte die Lage entscheidend retten – sondern man wird sich als grundlegendste, ‘ursachen-behandelnde’ und einzig dauerhaft tragfähige bzw. nachhaltige Maßnahme um die Grund-Einstellung der Bauernfamilie kümmern wollen. D.h., man wird sich mit dem Wunsch an die Bauernfamilie wenden, mit ihnen nach Wegen zu suchen, wie sie wieder in eine echte Verantwortungs-Einstellung gegenüber ihrem Hof kommen können…  Auf die gemeinsame Verantwortungs-Planungs-Fähigkeit kommt es entscheidend an!  (- wo dann auch sowas wie die genannten Einzel-Hilfs-Angebote, Stall-Ausmisten, Trecker-Spende usw., als stützende Rand-Maßnahmen gern mit dazu kommen können… -)

Aus solchen Gründen betone ich auch immer: Nicht Aspekte wie Selbstversorgung (trotz radikaler Experimente von mir auch in diesem Bereich) sind entscheidend oder am wichtigsten zu beweisen. Das haben Frühmenschen, Naturvölker und viele ‘alternative Gemeinschaften’, die da gern einen Schwerpunkt wählen, bereits bewiesen. Noch nicht bewiesen, bezweifelbar, und doch entscheidend zu beweisen ist, dass wir Menschen ausreichend zu freiwilliger Gesamt-Verantwortlichkeit bzw. – dann auch gemeinsam – zu konsensueller (sozusagen ‘organischer’) Verantwortungs-Planwirtschaft fähig sind…

Die Menschheit stand ein erstes Mal auf dem Mond – sie muss endlich auch ein erstes Mal verantwortlich auf der Erde stehen…

Wirkliches Vorleben der Alternativen, auch gemeinschaftlich, ist absolut notwendig

Michael Hartl: Du warst an der Gründung mehrerer “offener Häuser” und von Gemeinschaften beteiligt. Was hat Dich dazu bewegt?

Öff Öff: Die Reihenfolge meines Vorgehens lag für mich in einer gewissen ‘Logik der idealistischen Werte’: Wenn globale Liebe bzw. gewaltfreies Teilen und Schenken ein Schlüssel für gesamt-verantwortliche Entwicklung der Welt sein soll, dann ist die erste Aufgabe natürlich Bewusstseins- bzw. Bildungs-Arbeit – was ich daher am Anfang in ‚klassischer‘ Weise jahrelang gemacht habe, als freiwillig obdachloser ‚Wander-Prediger‘ (mit großen Vorbildern wie Buddha, Jesus und Gandhi im Kopf)… Als dann 1994 eine erste Möglichkeit für seßhafte Gemeinschafts-Bildung entstand, war mir klar, dass sich das Lieben, Teilen und Schenken erstmal gegenüber den mitmenschlichen Art-Genossen bewähren müsste (nicht nur, weil es Art-Genossen sind, sondern jedenfalls, weil die Menschen das Steuerruder für alles Übrige, auch das Schicksal der Pflanzen und Tiere und Mutter Erde, in die Hand genommen haben…)…

Also erstmal ‚alternative Sozial-Arbeit‘, jeden Menschen als Menschheits-Bruder oder -Schwester annehmen, Friedens- oder Konsens-Gemeinschaft draus schmieden… Dann einige Jahre später kamen Experimente mit ‘ganzheitlichen Permakultur-Projekten’ hinzu. Denn wenn man sich erstmal angemessen schwerpunktmäßig um Bewusstseins- und soziale Probleme gekümmert hat, ist es dann zu gegebenem Zeitpunkt natürlich auch was Wertvolles, ganzheitliche ‚runde Modelle‘ des gesunden Lebens zu demonstrieren (‘ganzheitliche Biotope aus Pflanzen, Tieren und Menschen, allem Leben’…)…

Foto eines Hauses einer Gemeinschaft der Schenker-Bewegung

Michael Hartl: Wie können Einzelne, die beginnen neue Ideen zu leben, dafür sorgen, dass sich diese Ideen verbreiten?

Öff Öff: Erstmal wirklich eigenes Vorleben der Alternative, auch gemeinschaftlich, das ist die wichtigste Substanz… Wie Gandhi sagte: “Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen möchtest.” Was ich in meiner Schenker-Lebensweise und in den Projekten von Schenker-Bewegung zu machen versuche, seit einigen Jahren besonders in den Projekten “Real-Utopia” und “lilitopia”…  – Und solche gelebte Substanz möglichst gut ausstrahlen lassen…

Darüber hinaus kann man sich aber auch, sogar mit einer Lebensweise ‘von außerhalb des Systems’, ‘brücken-schlagend’ mit engagieren für verschiedene Bildungs-Prozesse in der derzeitigen Gesellschaft bzw. im vorhandenen System: Als ein erstes, ganz grundlegendes Beispiel möchte ich anführen: Dass die Gesellschaft erstmal überhaupt freien, unmanipulierten Durchblick und Überblick für die Menschen zulässt, also dass für die freie Wahl der Bürger endlich mal best-möglich alle (relevanten) Wahl-Alternativen sichtbar werden können! Solche ‘freien Alternativen-Übersichten’ werden auch im gegebenen ‘System’ eigentlich schon durch das gesellschaftlich anerkannte Ideal des “Beutelsbacher Konsenses” gefordert!… Reife bzw. mündige Menschen haben das Recht und die Fähigkeit, für eine Wahl-Entscheidung die verfügbaren Alternativen zu sehen! Und umgekehrt, wenn man ihnen diesen Überblick nicht gibt, verkrüppelt man auch diese Fähigkeit! Im flotten Spruch gesagt: ‘Wer alles sieht, kann auch alles berücksichtigen; wer nicht aufs Ganze schauen kann, kann keine richtige Verhältnismäßigkeit finden…’

Foto von Öff Öff in jüngeren Jahren vor seinem Erdloch im Winter

Und wenn auf solchen ganzheitlich orientierten ‘Wahl-Übersichts-Landkarten’ irgendwas besonders markiert würde, dann nicht wegen manipulativer Ideologie-Gefälligkeit, sondern wegen besonderem Wahl-Orientierungs-Wert (wie z.B. ein besonders hoher Berg auf der Landkarte, den man von überall sehen kann), usw…

Andere Beispiele für system-übergreifendes Brücken-Engagement: Ich arbeite im Moment in der Gegend Marburg-Stadtallendorf für folgende ‘Brücken-Agenda’ (die auch auf andere Orte übertragbar ist): Wir brauchen eine Kombination aus bestmöglicher Bürger-Beteiligung bzw. ‘Mitnehmen der Menschen von der Straße’ (wofür ich Entwicklung von “Transition Streets” am geeignetsten finde), mit bestmöglicher globaler Verantwortungs-Werte-Orientierung (wofür ich die “Erd-Charta” am geeignetsten finde), mit bestmöglicher praktischer und gesellschaftlicher, auch institutioneller Umsetzung dieser Werte-Orientierung (wofür ich insbesondere eine “Nachhaltigkeits-Agentur” am geeignetsten finde)…   Zum letzteren: Wir haben in der Gesellschaft “Arbeits-Agenturen” und “Kriegs-Ministerien”, aber keine “Nachhaltigkeits- oder Friedens-Agenturen”! Für die wichtigsten Aufgaben haben wir keine Organisations-Zentralen!  –  Eine “Nachhaltigkeits-Agentur” könnte m.E. der beste ‘Schlüssel’ bzw. ‘Katalysator’ sein, damit die Gesellschaft endlich mal angemessen ‘angeregt würde’, die Augen für ganzheitlichen Blick zu öffnen…

Öff Öff über sein neuestes Projekt und zur Frage, wie radikal man die eigenen Ideale leben muss

Michael Hartl: Dein neuestes Projekt ist „Real-Utopia“. Verrate uns dazu bitte ein wenig.

Öff Öff: “Real-Utopia” ist als bewusste Kontrast-Veranstaltung gemeint zu den internationalen Mainstream-TV-Serien mit dem Titel “Utopia” oder “Newtopia”, die in den letzten Jahren in mehreren Ländern im Fernsehen liefen (Holland, Spanien, USA usw.). Der deutsche TV-Sender Sat1 pries seine “Newtopia”-Serie als größte Sensation der Fernseh-Geschichte an: Dass ein paar Menschen unter Kamera-Aufsicht auf ein freies Stück Land gesetzt wurden, mit der Ansage: “Es braucht einen echten Neu-Entwurf des Lebens und der Gesellschaft, nichts ist euch vorgegeben, schaut, was ihr draus machen könnt…”

Die Sendungen im Mainstream-TV sind natürlich – voraussehbar –  als Unterhaltungs-Shows entartet, und die Sat1-Serie ist nach einigen Wochen wegen durchschauter Unehrlichkeit wieder aus dem Programm genommen worden…

Foto eines Wohnwagens im Projekt RealUtopia

Im Kontrast dazu – was mir von Anfang an, als ich davon hörte, gleich klar war –  möchte ich mit wirklich echten ‘Alternativen’ ein richtig ernst-gemeintes “Real-Utopia” vormachen, als ganzheitlichen Neu-Entwurf auf öffentlicher (Prüfungs-)Bühne…  Weil es tatsächlich immer mehr zur echten Schicksals-Aufgabe für uns Menschen wird…

Für dieses Real-Utopia gibt es eine verwilderte Wiese am Rande von Marburg als ‘Base-Camp’, die “Perma-Oase” (ich nenne es auch gern “Welt-Zelle Marburg”  ;-)  ). Und es sind andere Projekte drumrum damit verwoben, die “Nachbarschaft Deckenbach” im Marburger Vorort Homberg-Ohm/Deckenbach, und “Hannes Wohnzimmer” in Marburg-Süd, und das “Knüpf” in Marburg-Weidenhausen, und insbesondere auch die “Ganzheitliche Bildungs-Werkstatt lilitopia.de” in Stadtallendorf. Weil Bildung, wie beschrieben, ein zentraler Schlüssel für Veränderung von Menschen ist. Ich pendele meist zwischen der Real-Utopia-Wiese und lilitopia hin und her, habe in lilitopia auch Familien-Leben mit meiner Frau Anke Rochelt und unserem Kind Aljoscha und mehreren Tieren (als “Lebewesen-Familien”-Experiment, wie ich es für alle Projekte anstrebe, in Real-Utopia vor allem mit den Wild-Tieren, usw.)…

Michael Hartl: Öff Öff, Du wirst oft kritisiert, weil Du “so radikal” seist, weil Du keinen Unterhalt für Dein Kind zahlen wolltest und so weiter. Wie konsequent denkst Du muss ein Mensch seine eigenen Ideale leben, um gesellschaftlich etwas zu verändern? Und kann man es dabei vielleicht auch übertreiben?

Öff Öff: Zur Beantwortung der  – ganz wichtigen! – ‘Radikalitäts-Frage’: Wie konsequent bzw. radikal muss man mit Vernunft, Liebe, Schenken etc. bei sich anfangen, wenn man die Menschheit noch ausreichend zu solcher Umkehr bewegen möchte?

Und zum Thema Kinder und Unterhalt: Ich kann anbieten, dass bedürftige Menschen, auch Kinder, in den Projekten von Schenker-Bewegung zumutbare geschenkte Existenz-Grundlagen bekommen… Für meinen Umgang mit Frauen und Kindern von mir  – wie mit allen Menschen allgemein! –  war das, Geschenke-Austausch, immer die einzige Option, – wie es immer auch alle Beteiligten von Anfang an wussten und bejahten… Was – wohlgemerkt – nur bedeutet, dass im direkten Umgang mit mir nur Austausch von Geschenken möglich ist. Es bedeutet nicht, dass Frauen, Freunde, Mit-Idealisten von mir ebenfalls ‚hundertprozentig‘ “Schenker” bzw. “existentielle Schenk-Ökonomen” sein müssten, auch in ihren sonstigen sozialen Bezügen. Da können sie als sogenannte “Schenker-Verbündete” durchaus z.T. noch in Staats- und Geld-Bezügen leben…  —   Und ein wichtiger konkreter Hinweis noch: Es geht bei dem angesprochenen Unterhalts-Konflikt nicht um meine jetzige Frau Anke und unseren Sohn Aljoscha, sondern es geht um mein erstes Kind, Tochter Johanna, die 2005 geboren wurde. Mit einer anderen, damaligen Mit-Idealistin als Mutter, die sich Ende 2006 von mir trennte und später, entgegen klaren Absprachen, auf die Idee kam – erpresst auch durch den Staat… -, Unterhalts-Forderungen gegen mich zu erheben…


Was denkt ihr zu den Ideen und Aussagen von Öff Öff? Habt ihr ihn vor dem Lesen dieses Interviews schon gekannt?

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3 Gedanken über “„Wir brauchen verantwortliche Entwicklung auf der Welt“

  1. Ronny Scheel

    hallo
    nun ich habe auch einige berichte vor einigen jahren im tv verfolgt, meine meinung die natürlich nicht die richtige sein muß ist jedoch das dieser herr auf kosten der gemeinschaft lebt, er nimmt mehr als er gibt, ganz grass ausgedrückt, nannte man dieses früher schmarotzertum.
    ich versuche auch ein leben zu leben mit inhalt, dazu gehört aber auch, das man sowohl hilfe an die gemeinschaft geben muß um auch hilfe aus der gemeinschaft zu erfahren. ein sich nur mit ideen zu verkaufen ist nicht der rechte weg (frage wieviel bekamm den herr …für die tv sendungen, bestimmt nicht nur eine tomatenpflanze?).
    danke ronny
    ps meine freundin und ich versuchen seit einger zeit eine wohngemeinschaft aufzubauen, ist schwieriger als man denkt (wohnprojekte.de elbe)

  2. Wilfried Streiner

    Danke an das Team von experimentselbstversorung.

    Ich habe schon viel von euch gelernt und umgesetzt. Seit einem Jahr gibt es auch keine Chemie mehr im Haus, nur noch etwas EM. Danke dafür.

    Dass ich hier nun Öff Öff kennenlernen darf – danke. Hat eine tolle Einstellung der Herr.

    So viele tolle, tiefe Weisheiten – die es besser beschreiben als viele Andrere. Macht weiter so.

  3. die Sammlerin

    Ich kenne Öff Öff aus einigen Berichten im Fernsehen und bin ganz fasziniert von die “ Andersartigkeit“. Es spricht einen Teil in mir an, lässt eine Seite schwingen . Ich will jedoch ehrlich sein, so leben wie er möchte ich nicht.

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