UTOPIKON – die Utopie-Ökonomie-Konferenz

Wege und Herausforderungen in eine geldfreie Welt

Michael Hartl
Von Michael Hartl
2. September 2016

Pia Damm und Tobi Rosswog, die beide hier bei uns am Blog regelmäßig schreiben, haben mir bei einem Treffen zwischen Weihnachten und Silvester letzten Jahres zum ersten Mal von ihrer Idee „UTOPIKON“ erzählt. Eine ganze Konferenz zur Frage, wie wir zukünftig leben wollen. Mit hunderten Teilnehmenden, hochkarätigen Vortragenden und in einem schicken Konferenzzentrum. Und das Ganze geldfrei!

Klang damals schon alles sehr gut – und umso schöner war es, als aus der Idee und ersten Plänen dann ein ganz konkretes Projekt wurde, das nun Anfang November stattfinden wird. Tobi Rosswog hat mir dazu jetzt ein paar Fragen beantwortet.

Portrait von UTOPIKON-Initiator Tobi Rosswog

Gemeinsam über wichtige Fragen nachdenken

Michael Hartl: Tobi, Du organisierst mit anderen die UTOPIKON. Bitte in drei Sätzen, was die UTOPIKON ist – und in einem, was sie nicht ist.

Tobi Rosswog: Eine Utopie-Ökonomie-Konferenz, die Alternativen aufzeigt, Inspiration gibt und Austausch ermöglicht. 300 Menschen werden dort an drei Tagen mitten in Berlin in 20 Workshops, 5 Keynotes und einem anregenden Rahmenprogramm über Wege und Herausforderungen in eine geldfreiere Gesellschaft diskutieren und hoffentlich auch praktisch werden. Die Fragen dabei sind: “ Wie können wir solidarisch wirtschaften?“, „Wie sehen Alternativen für eine zukunftsfähige Ökonomie aus?“ und „Wie möchten wir leben?“.

Es geht also darum radikal kritisch zu reflektieren und neue Wege außerhalb von Verwertungslogik, Leistungsdruck und Selbstoptimierungswahn zu skizzieren und auch gerne gemeinsam ein paar Schritte in Richtung sozial-ökologischer Transformation zu gehen.

Die UTOPIKON ist dabei kein get together, um in verkürzter Kapitalismuskritik auf das „blöde Geld“ zu schimpfen und auch kein Platz, um einen individuellen SurvivalGuide a la „Wie werde ich in drei Tagen geldfrei?!“.

Foto des UTOPIKON Logos auf dem Rücken eines Pullovers - darunter steht: Utopie-Ökonomie-Konferenz

MH: Wer wird auf der Utopie-Ökonomie-Konferenz sein?

Tobi Rosswog: Unglaublich inspirierende Menschen wie der Postwachstumsökonom und Nachhaltigkeitsforscher Prof. Dr. Niko Paech, der über „7 Prinzipien, wie Du Veränderung schaffen kannst“ sprechen wird. Außerdem die Aktivistin, Ökonomin, Historikerin und Politikwissenschaftlerin Dr.in Friederike Habermann, die über ihre Idee der „Ecommony – UmCARE zum Miteinander“ sprechen und einen Workshop begleiten wird. Oder auch der Architekt und Karma-Ökonom Van Bo Le-Mentzel, die Commons-Aktivistin & Publizistin Silke Helfrich, der Zeitpionier, Philosoph und Volkswirt Gerrit von Jorck, die Aktivistin und Autorin Hanna Poddig sowie der Initiator von Mein Grundeinkommen Michael Bohmeyer und noch viele weitere mehr …

Du kannst Dich also auf drei super spannende und inspirierende Tage einstellen.

Die Menschen hinter der Veranstaltung UTOPIKON

MH: Wer steht hinter der Veranstaltung? Wie groß ist Euer Team?

Tobi Rosswog: Hinter der UTOPIKON steht das Projekt- und Aktionsnetzwerk living utopia, welches nach den vier begleitenden Motiven vegan, ökologisch, solidarisch und vor allem geldfrei u.a. Mitmachräume wie diesen für den gesellschaftlichen Wandel organisiert und verwirklicht. Damit ist die UTOPIKON schon selbst ein gesellschaftliches Experiment und lädt zum Perspektivwechsel ein, um Schritte in eine geldfreie Gesellschaft zu gehen.

Unser Motto dabei: NOT JUST TALKING ABOUT UTOPIA, BUT: living utopia!

Das Kern-Koordinationsteam besteht aus sechs Menschen. Drumherum gibt es aber noch ca. weitere 15 Menschen, die verschiedene Verantwortungshütchen tragen und damit wunderbarerweise die UTOPIKON zu einem großartigen Mitmachraum gestalten. Wer diese Menschen sind? Gesichter zu ihnen findest Du auf der Website der UTOPIKON unter Team.

Foto einer Gruppe von Menschen bei einer Besprechung

MH: Ihr von living utopia organisiert ja zum Beispiel auch den Mitmachkongress utopival, der komplett geldfrei läuft – also die Teilnehmenden nichts kostet, aber wo auch die Vortragenden nicht bezahlt werden. Macht ihr das bei der UTOPIKON auch so? Und wenn ja, woher kommt dann das Essen? Die Unterkunft für die Vortragen? Der Veranstaltungsort?

Tobi Rosswog: Unbedingt! Auch die UTOPIKON ist radikal geldfrei gestaltet. Das ist natürlich kaum vorstellbar …

Unsere Devise lautet: Vorhandenes sinnvoll nutzen, um keine Nachfrage für ein Angebot, welches sowieso im Übermaß vorhanden ist, zu schaffen -das ist übrigens auch das Nachhaltigste was wir machen können ;) Das heißt konkret: Während der UTOPIKON wird es Lebensmittel geben, die nicht mehr verkaufsfähig, aber genießbar sind – Gründe dafür sind vielfältig: überschrittenes MHD, Ernte-Ausschüsse, falsche Etikettierung etc.

Die Unterkunft für die Referent*innen organisieren wir für sie privat, falls sie nicht sowieso Freund*innen in Berlin haben, die sie für die Zeit besuchen möchten.

Foto des Konferenzraumes der Forum Factory

Der Ort ist das fantastische Kongresszentrum „FORUM Factory“ – ein großartiges Geschenk. Die Geschichte, wie wir zueinander gefunden haben, ist schön: Auf einer meiner Vortragsreisen war auch Berlin als Ort drin. Da es dort eine sehr große Resonanz zu den Ideen von living utopia gibt, dachten wir an einen großen Saal für einen Vortrag. Die Forum Factory hatte sich angeboten für einen Abend den Raum geldfrei zur Verfügung zu stellen. Aus dem super lieben Kontakt entstand dann schnell die Idee, dass wir doch auch eine noch größere Veranstaltung ermöglichen könnten – die UTOPIKON war geboren!

Diese kleine Geschichte zeigt auf, um was es uns unter anderem mit der geldfreien Organisation geht: Wir möchten wieder in soziale Interaktion treten und uns nicht in Rollen als „Verkäufer*in“ und „Konsument*in“ begegnen. Wir möchten vorleben, wie wir das ansozialisierte Prinzip von Leistung und Gegenleistung überwindern und in ein solidarisches Miteinander kommen können. Es geht dabei um Kooperation und nicht um Konkurrenz. Wenn wir gemeinsam aus intrinsischer (innerer/ ideeller) und nicht extrinsischer (meist monetär) Motivation Ideen verwirklichen möchten, entsteht ein viel größeres Potential!

Wie kann jede*r mitmachen?

MH: Wenn Du einen Wunsch frei hättest: Welchen Impuls sollte jede*r Teilnehmende von der Utopie-Ökonomie-Konferenz mitnehmen?

Tobi Rosswog: Es ist unbedingt notwendig und auch möglich Gesellschaft fern der alltäglichen kapitalitischen Logik selbst zu organiseren – gemeinsam können wir Schritte dahin gehen!

MH: Die Teilnahmeplätze werden ja verlost. Nun wird es Menschen geben, die keinen Platz bekommen oder keine Zeit oder Geld haben, um nach Berlin zu fahren. Welche Möglichkeiten haben diese Menschen, um sich mit dem Thema so tief auseinander zu setzen?

Tobi Rosswog: Genau, da die Resonanz so groß ist, dass es sicherlich mehr als 300 Anmeldungen geben wird, werden wir die freien Plätze verlosen. Dank eines wunderbaren Event-Doku-Teams werden wir so viel wie möglich vor Ort filmisch, schriftlich und auch auditiv begleiten, um danach eine Online-Utopie-Akademie zu gestalten. Auf dieser Website können Menschen den Inhalt auf verschiedenen Ebenen nachvollziehen.

MH: Wie können Interessierte um einen Platz bei der Utopie-Ökonomie-Konferenz anfragen?

Tobi Rosswog: Ab sofort kannst Du Dich noch bis zum 05. September auf der Website zur Utopie-Ökonomie-Konferenz unter UTOPIKON.de anmelden!

Michael Hartl: DANKE TOBI

Abschließend für Euch noch der Trailer zur Veranstaltung:

Wie findet ihr diese Idee? Kennt ihr ähnliche Projekte und Veranstaltungen? Ich freue mich über Eure Kommentare unterhalb dieses Artikels!

Bitte teile diesen Artikel, wenn er Dir gefallen hat!
Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

3 Gedanken über “UTOPIKON – die Utopie-Ökonomie-Konferenz

  1. Bettina

    Ich bin auch begeistert davon. Mich wundert immer nur, warum JUNGE Menschen da mittun-meistens Studenten (wie mir scheint). Ich weiß nicht, ob das eine Anlehnung an Raphael Fellmer ist (der Jahre lang geldfrei gelebt hat). Versteht mich jetzt nicht falsch, aber funktioniert Gesellschaft OHNE Geld? Selbst Raphael lebte von dem, was andere ihm schenkten oder wegwerfen. Nun lebt er wieder MIT Geld, denn keine Wohnung ohne Geld. Du bist OHNE Geld immer auf die anderen angewiesen. Mich würde auch ein Leben ohne Geld interessieren, aber das funktioniert nicht. Mit WENIG Geld leben – okay – aber wieviel ist WENIG?

  2. Henriette

    Da war das UBUNTU-Festival in Graz, in der alten Papierfabrik am 22./23. Juli 2016.
    Alle, die dabei sein wollten, haben etwas beigetragen. Seien es Essen, Mithilfe bei der Organisation, Geschenke, Know-how, Beiträge zur Gesundheitserhaltung, Impuls-Voträge. Alle haben kostenlos daran teilhaben können. Das Festival war ein Vorgeschmack einer geldfreien, kooperativen Welt auf kleinem Raum während eines Wochenendes.

Schreib uns Deine Meinung!

Wir freuen uns darüber, dass du zum Thema beitragen willst.

Mit dem Absenden dieses Kommentars akzeptierst du die Kommentar-Richtlinien.