Unser Jahr 2010

Michael Hartl
Von Michael Hartl
28. Dezember 2010

Ein ganz persönlicher Rückblick auf das Jahr 0 unseres Projekts.

Dieses Jahr begann mit der Untermauerung unseres Entschlusses, ein Hofprojekt zu starten. Dieses Untermauern sah so aus, dass wir Anfang Jänner in das Nebengebäude eines Hofs in der Buckligen Welt gezogen sind. Was uns raus geholfen hat aus der Stadt und uns vielfältige Möglichkeiten bietet, uns auszuprobieren und erste Erfahrungen zu sammeln. Aber hier wird es nicht stattfinden, unser „Experiment Selbstversorgung“. Daher auch das Jahr 0. Vielleicht folgt 2011 das Jahr 0.2 und 2012 das Jahr 0.3. Vielleicht aber auch nicht….

Zur Miete ohne Geld

Ende 2009 haben wir über eine E-Mail-Liste von einem Haus in der Buckligen Welt erfahren, dass zur Miete steht. Allerdings sollte es nichts kosten. Keine Miete in Form von Geld. Die Gegenleistung für Haus und Wasser: 4 Tage im Monat am Hof des Vermieters mitarbeiten.

Das klang mehr als interessant – also machten wir uns eines Samstags auf, um uns das Haus anzusehen. Und verliebten uns sofort. Also wurde besprochen, unser jeweiliger Alltag angepasst, der Job angepasst und schon konnte es raus aufs Land gehen. Drei Wochen nach der Besichtigung.

Wir hatten damit nicht nur einen für uns wichtigen Schritt gesetzt, sondern uns auch bewiesen, dass alles möglich ist, wenn man will. Es geht nicht darum, wo der sichere Job ist oder welchen Lebenswandel man gewöhnt ist. Es geht einzig und alleine darum, was man wirklich möchte – ganz tief im Herzen.

Von Regenwürmern, Sand und Schnecken

Sowohl als wir das Haus besichtigten, als auch beim Einzug war die gesamte Umgebung in eine dicke Schneeschicht eingehüllt. Was schön aussah. Diese Schneedecke verbarg allerdings auch auf der einen Seite des Hauses eine durch beständiges Abstellen eines Fahrzeugs zu einem Parkplatz verdichte Fläche. Nahezu toter Boden also. Den wir nun langsam aber beständig wieder verlebendigen. Ohne Maschinen. Durch sanftes Auflockern, Anpflanzen von bestimmten „Gründüngungspflanzen“, die mit ihren langen Pfahlwurzeln den Boden aufbrechen, anderen „Gründüngungspflanzen, die schnell viel verrottbare Wurzel- und Blattmasse bildet und viel, viel Mulch. Gerade hier, also beim Mulchen, waren wir am Anfang unserer Versuche viel zu zurückhaltend, wie wir bei unserem Besuch bei der Familie Langerhorst lernen durften.

Die Anbaufläche auf der anderen Seite des Hauses benötigt eine recht ähnliche Behandlung, nur dass hier das Problem anders liegt. Beim Entfernen der Grasnabe, um überhaupt erst eine Anbaufläche zu schaffen, kam neben vergrabenen Bauschutt vor allem auch eine riesige Fläche Sand zum Vorschein, der wohl auch vom Bau übrig geblieben sein durfte. Also werden wir auch hier einiges an Arbeit investieren, bis eine humusreiche, lockere Erde mit guter Wasserspeicherkapazität entstanden sein wird.

Dann werden sich auch immer mehr Regenwürmer hier wohl fühlen, die zwar nichts gegen die Schnecken machen können, die mindestens 50 Prozent unserer Ernte gefressen haben, dafür aber dem Boden dabei helfen, wieder zu gesunden. Viele weitere tausende Arten von Tieren helfen dabei natürlich auch mit, der Regenwurm ist nur als einer der bekannteren genannt. Und verschiedene Pflanzen und Pilze natürlich auch.

Neben den beiden größeren Anbauflächen entstanden auch ein paar kleinere verteilt ums Haus und ein Hochbeet. Ebenso wachsen hier nun einige Sträucher mehr als bei unserem Einzug. Und wir haben Bäume gefällt, Äste gesammelt und heizbare Holzstücke daraus gesägt und gehackt. Seit 6 Wochen halten wir unser Haus damit nun schon warm.

Für die Ewigkeit

Ein paar Ernteergebnisse haben uns die Schnecken zwar gelassen – um das Konservieren und Einlagern von Gemüse zu erproben war davon aber nicht genug da. Also haben wir welches aus der näheren Region gekauft und verarbeitet. Zu Sugos, Chutneys, süß-sauren Salaten, Gemüsebrühe, und und und. Wir haben Pilze gesammelt, eingelegt und getrocknet. Eigenes und gekauftes Obst eingekocht und zu Marmelade verarbeitet. Und bei alle dem viel über die verschiedenen Methoden und Pflanzen gelernt.

Nach und nach brechen wir unsere Vorräte nun an und sind im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Vieles schmeckt uns besser als alles gekaufte. Ob das subjektiv ist? Ja sicher!

Alle guten „Dinge“ sind drei

Seit ein paar Wochen schmecken diese eingelagerten Vorräte einer weiteren Person. Denn Anfang Oktober zog Robert bei uns ein. Und nun lebt, heizt, hackt, arbeitet, kocht, lacht, plant, träumt, hinterfragt, putzt und lernt er hier mit uns.

Und 2011?

Auf Dauer können wir hier leider nicht bleiben, denn eine Hand voll Punkte sprechen dagegen, dass wir hier unser Projekt starten. Aber bis wir eine Gruppe gefunden haben, die sich mit unserer Vision identifiziert und sich blind versteht, werden wir hier bleiben und es genießen. Und weiter viele wichtige Erfahrungen sammeln. Denn das Mitarbeiten am Hof zum Beispiel, was ja unsere Mietzahlung darstellt, ist in Wirklichkeit eine Ausbildung in allen möglichen land- und forstwirtschaftlichen Methoden und Techniken.

Eine zweite grundlegende Bedingung, damit unser Projekt starten kann, ist natürlich auch ein geeigneter Hof. Hierbei spielt für uns weniger der Ort des Hofes eine Rolle, sondern das Klima, der Boden und vor allem die derzeitigen Besitzer*innen. Da wir Menschen nicht von einem Hof verdrängen wollen, werden wir Menschen finden, die unsere Idee von einem gemeinsamen und kooperativen Leben und Arbeiten teilen und dem dann gemeinsamen Projekt ihren Hof zur Verfügung stellen. Und wenn das nicht 2011 passiert, dann eben 2012.

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

8 Gedanken über “Unser Jahr 2010

  1. Sigrid Voigt

    Hallo, ich bin begeistert von Eurer umgesetzten Idee- ganz spontan. Da ich Euch heute erst entdeckt habe, folge ich Euch erst mal und lese, was Ihr so macht. Ich selbst träume schon lange von einer Gemeinschaft, die aus Menschen mit Interesse und Liebe zur Natur,an umweltfreundlicher Landwirtschaft, Künsten aller Art, Kunsthandwerk und positiven, friedlichen Ideen von einem Miteinander, wo das Lernen ein lebenslanger Prozess ist, besteht–so eine Art : Gemeinschaft bestehend aus Menschen, die von den Fehlern der vergangenen Jahrhunderte gelernt hat und von einer anderen Zukunft träumt–ein großes Thema. Ich folge Euch einfach mal. Erst mal weiterhin viel Kraft, ganz viel Freude und einen kommenden schönen Frühling für Euch alle.

  2. simon rauch

    Hallo Leute

    Wäre es nicht an der Zeit ein ganzes Selbstversorger-dorf zu gründen?

    Ich habe gehört, das ganze Dörfer verkauft werden – z.B. in Ostdeutschland…

    Ich bin auch auf der Suche so etwas in die Realität umzusetzten – mir fehlt nur der Schotter – Ich kenne auch andere Leute die Interesse an so einem Projekt hätten.

    simonrauch@web.de – schreibt mir einfach

    mfg simon

  3. eva

    Hallo Lisa und Michael,

    gratuliere zum ersten Jahr!

    Ich weiß ja nicht, welche Region Ihr für Euren Hof ansteuert. Als möglichen Tipp könnte ich Euch geben, Euch einmal in Ungarn umzusehen. Da kommt dann noch die Herausforderung einer neuen Sprache dazu :)

    Die Grundstücke sind dort wesentlich günstiger als in Österreich und es gibt noch weitere Vorteile: keine spanischen Wegschnecken (noch nicht zumindest). Und die paar Schnecken, die es gibt, haben es im 10er Jahr nur geschafft, uns einen Gurkenkeimling wegzufressen und ein wenig an den Zucchini zu knabbern.

    Gießen muss man jedoch mehr als in Österreich, was aber über Regenwassersammlung und Schöpfbrunnen auch kein Problem darstellt.

    Weiterer Vorteil: in ländlichen Gebieten versorgen sich da noch ganz viele Leute teilweise selbst. Einen großen Gemüsegarten hat fast jede*r – damit auch enorm viel Erfahrung, wie's geht. Kleintiere haben sie auch (auch wenn ich schon gelesen habe, dass das nichts für Euch ist) und die Leute machen von Holz über viele, viele anfallende handwerkliche Arbeiten alles selbst. Da ist enormes Wissen zu Hause, das es bei uns in der Form nur noch selten gibt.

    Egal jedoch wo er stehen wird, ich wünsch Euch alles Gute mit Eurem Hof!

    Liebe Grüße,

    Eva

  4. antoine

    Ich finde es gut, dass es immer noch Menschen gibt die sich zu Hofgemeinschaften zusammenschliessen wollen.

    Erfahrungsgemäss zeigt es sich erst nach einigen Jahren, ob eine Gemeinschaft bestand hat oder nicht.

    Da ich niemand gefunden habe, der mit mir Wirtschaften will, habe ich mein Selbstversorgungsprojekt alleine gestartet.

    Ich hoffe, dass Du und Deine Mitstreiter Wege finden, um über dem täglichen, nerventötenden Kleinklein zu stehen. Eine Hofgemeinschaft ist wie eine Paarbeziehung, nichts zermürbt mehr, als die kleine Macken und Eigenheiten über die man am Anfang hinweggesehen hat.

    Die Idee, Mitarbeit gegen Miete, dünkt mich eine gute Idee zu sein. Nur muss von allen Anfang an geklärt werden, was eine Arbeit in Geld wert ist. Sonst gibt es früher oder später Streit. Ich würde an dieser Idee festhalten, den irgendwie müsse die ökonomischen Verhältnisse verändert werden.

    In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Erfolg bei euerer Suche.

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