Über das Vertrauen in das Kind

Ein Interview mit André Stern

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
8. Mai 2014

Einige von euch haben vielleicht schon unser Video Interview mit André Stern gesehen. Hier könnt ihr es nochmals verschriftlicht nachlesen. Das Video findet ihr hier:

André Stern über Bildung

Michael: Was ist deine Grundthese zur Bildung? Soweit ich weiß: Jedes Kind würde selbst all seine Potenziale entdecken. Ist das zu knapp zusammengefasst?

André Stern: Eigentlich ist es keine These sondern eine Feststellung. Es ist auch keine Theorie, wovon ich zu berichten habe, es ist auch keine Idee oder Methode, die ich zu verkaufen hätte. Oder eine These, die ich zu verteidigen hätte, oder eine Sache zu welcher ich Leute gewinnen sollte.

Nein, das ist etwas, das passiert ist, das war kein persönlicher Verdienst. Aber das könnte sowieso jedes Kind. Es ist für mich sehr merkwürdig eine Ausnahme darzustellen in dieser Gesellschaft, obwohl, das was ich erlebt habe, das natürlichste ist, was man überhaupt erleben kann. Jedes Kind unter ähnlichen Bedingungen, würde ganz was Ähnliches erleben.

Mein großes Anliegen, ist es, das Vertrauen in das Kind wieder herzustellen. Diese ganze Gesellschaft hat überhaupt keine Spur von Vertrauen in das Kind. Und meine ganze Geschichte, meine ganze Arbeit ist es, zu zeigen, wie viel Vertrauen wir in das Kind haben könnten. Und gerade in all diesen Bewegungen, die sich im Moment entwickeln, wo wirklich höhere Bewusstseinsebenen erreicht werden, scheint es mir wirklich sehr wichtig, dass wir sehen, dass wir das ohne das Kind gar nicht machen können. Und für mich ist es sehr merkwürdig zu bemerken, dass die kühnsten Versuche, die heute gemacht werden in Sachen Ökonomie oder in Sachen Essen oder in Sachen Ökologie und so weiter, die enden immer bei der Bildung.

Foto von André Stern

Die kühnsten Ökologen haben Angst davor, dem Kind zu vertrauen. Und deshalb habe ich diese Bewegung, die ich die „Ökologie des Lernens“ nenne, gegründet und jetzt auch eine neue Bewegung gegründet, die heißt „Ökologie der Kindheit“, weil diese Haltung, die wir der Erde gegenüber haben, die können wir dem Kind gegenüber haben. Und wenn wir das Kind ansehen, wenn wir nicht mehr das Kind belehren wollen, wenn wir nicht mehr das Kind irgendwie irgendwohin „erziehen“ wollen oder „großziehen“, als ob das Kind nicht groß würde, wenn man nicht dran zieht. Wenn wir stattdessen das Kind beobachten, einen Schritt zurück gehen, raus zoomen und vom Kind ausgehen und auf dessen Seite des Spiegels gehen, wo wir Vertrauen in das Kind haben, dann zeigt uns das Kind eine ganz neue Welt, die wir gar nicht erahnen können und mit dieser Ökologie fängt diese ganze neue Haltung an, die wir so bitter nötig haben.

Das Kind kommt auf die Welt mit dem Bewusstsein, dass es alles kann, das sind unbegrenzte Potenziale und unbegrenzte Möglichkeiten.

Michael: Vor allem für das Kind wäre das eine ganz neue Welt?

André Stern: Das wäre für uns alle eine neue Welt. Natürlich, wenn das Kind das Gefühl hätte „So wie ich bin, bin ich perfekt.“ – und das Kind kommt auf die Welt mit dem Bewusstsein, dass es alles kann, das sind unbegrenzte Potenziale und unbegrenzte Möglichkeiten.

Das Kind weiß „Ich bin so hunderprozentig fähig.“ und dann bekommt es die Meldung von den anderen „So, wie du bist, bist du nicht okay. Okay wärst du, wenn du so wärst, wie ich dich haben will.“ Das zerreißt das Kind zwischen dem Gefühl „Ich bin perfekt.“ und dem Gefühl „Ich bin unperfekt.“

Und niemand hält diese Schmerzen lange aus. Das aktiviert im Gehirn der Kinder übrigens die selben Netzwerke, wie körperlicher Schmerz, wenn das Kind merkt „So, wie ich bin, bin ich nicht okay.“

Da muss man sich doch vorstellen, wenn das Kind dieses Gefühl bekommt, dass es zerrissen wird zwischen seiner Meinung und der Meinung der anderen, dann hat es nur noch eine Möglichkeit um nicht mehr zu leiden und wieder ein Gleichgewicht herzustellen. Und da es an der Meinung der anderen nichts mehr ändern kann, an der eigenen aber sehr wohl, dann bringt das Kind die Meinung über sich selbst in Einklang mit der Meinung der anderen und meint auch „So, wie ich bin, bin ich ein Banause.“

Und wenn wir daran was ändern könnten, dass jedes Kind das Gefühl hätte „So, wie ich bin, werde ich wertgeschätzt und werde ich gesehen.“ dann wäre es für die gesamte Gesellschaft eine Veränderung. Eine komplette Veränderung, denn wir wären alle in einer neuen Haltung dem Kind gegenüber und wie immer im Leben wäre das eine gegenseitige Bereicherung, denn das Kind in uns wäre jedes Mal ernst genommen, hätte wieder einen Platz, hätte wieder eine Relevanz. Wir schaffen Räume für Jugendliche und Kinder und merken nicht, dass sie nicht architektonische Räume brauchen, dann wäre das für die ganze Gesellschaft eine Erneuerung.

Michael: Vorhin wurde kurz gesprochen über die Kritik, die du immer wieder bekommst, nämlich dass in deinem speziellen Fall, du ja sehr günstige Bedingungen hattest und andere hätten die nicht. Also zum Beispiel: Warum soll ein Kind Lust auf Lesen entwickeln oder lesen lernen wollen, wenn es Eltern hat, die nur Fernseh kucken. Warum sollte dieses Kind ein Eigeninteresse entwickeln zu lesen?

André Stern: Das Kind kommt auf die Welt als soziale Maschine und verbindet sich ständig mit anderen. Und in dieser Welt der größten Verschiedenartigkeit, kann das Kind gar nicht nicht lernen. So, wie wir die Muttersprache gelernt haben und zwar „alleine“ – sie wurde uns nicht beigebracht. Wir haben sie zu einem eigenen Zeitpunkt in einem eigenen Rhythmus, nach einer eigenen Methodik gelernt. Ohne, dass sie uns beigebracht worden ist.

Warum? Weil wir ja vernetzt leben, mit den anderen und es geht ja nicht darum, das Kind zu isolieren oder in der Familie zu lassen. Das wäre ganz übel, wo eben die Eltern vielleicht nur Fernseh kucken. Darum geht es ja nicht, es geht ja darum, dass das Kind nicht getrennt wird von der ganzen Gesellschaft, von den ganzen Gemeinden, von den ganzen Gemeinschaften. Und das Kind kommt auf die Welt und sucht ständig Kontakt zu anderen Menschen, zu verschiedenartigen Menschen.

Das zur privilegierten Lage ist auch ein wichtiger Punkt: Zu glauben, dass ich unter günstigen Bedingungen aufgewachsen bin, oder zu glauben, dass die Bedingungen gegeben waren. Zu glauben „Naja, für dich ist es ja leicht gewesen das zu erleben, natürlich! Alle Bedingungen waren gerade ideal.“ Das ist einfach nicht richtig.

Das ist irgendwie die letzte Zuflucht, die man findet, aber das stimmt nicht. Das würde bedeuten, dass die Bedingungen im Vorfeld gestimmt haben, dass meine Eltern um sich herum geschaut haben und dachten, ja alles stimmt, die Bedingungen sind gerade ideal, also schicken wir die Kinder nicht in die Schule. So war es eben nicht und ich glaube, das ist eben der Schlüssel. Die Bedingungen haben nicht gestimmt, sie waren nicht ideal, sie waren nicht günstig. Sie haben zuerst diese Entscheidung getroffen, weil ihnen die spontane Veranlagung des Kindes und das Vertrauen in das Kind das wichtigste war.

Mit all diesen Potenzialen kommen wir alle ausnahmslos auf die Welt.

Und dann haben sie die Bedingungen, die das ermöglicht haben, alltäglich erfunden. Und die Bedingungen erfinden, die uns das ermöglichen, was uns wirklich am Herzen liegt, dazu sind wir alle fähig, zu jedem Zeitpunkt. Und das ist kein Privileg. Und ich erzähle von Dingen, von spontanen Veranlagungen, wie zum Beispiel die Veranlagung zum Spielen, zu unserer Begeisterung, zu unserer Verbundenheit zu leben mit anderen Lebewesen und so weiter… All diese spontanen Veranlagungen haben wir in uns. Mit all diesen Potenzialen kommen wir alle ausnahmslos auf die Welt. Und das was alle in sich tragen, kann unmöglich ein Privileg sein.

Michael: Das heißt, der Weg ist relativ einfach, wenn ich dich jetzt zusammenfassen darf auf ein Statement: Wir müssen dem Kind wieder vertrauen, dem Kind in uns und müssen es einfach laufen lassen als Gemeinschaft. Also das ganze Dorf erzieht eigentlich die Kinder – oder nicht erziehen, sondern das ganze Dorf gibt den Kindern die Möglichkeit sich zu entfalten.

Foto von André Stern

André Stern: Ja, das ganze Dorf gibt dem Kind grünes Licht „So wie du bist du gesehen, wertgeschätzt, so wie du bist, bist du okay, so wie du bist, bist du optimal.“ Wenn das Kind dieses Gefühl vom Dorf bekommt, dann verändert das das ganze Dorf, das ist klar. Das beobachte ich bei Antonin, bei meinem Sohn. Das ist einer, der verbindet sich ständig mit Menschen, unbeachtet ihres Alters, unbeachtet ihrer Hautfarbe, denn all diese Dinge kennt er nicht. Er kennt auch keine Hierarchie zwischen den Berufen. Er verbindet sich mit dem Müllmann und er ist extrem befreundet mit denen und sie mit ihm, denn zum ersten Mal gibt es einen kleinen Menschen, der sie anschaut, der sie wahrnimmt und der sie nicht verurteilt, der keine Hierarchie kennt und sie nicht in einem „niedrigeren Beruf“ sieht. Das heißt, der kennt keine Hierarchie – er bewundert sie!

Und dass ein kleiner Mensch den Müllmann bewundert, tut dem Müllmann sehr gut und dem Kind auch. Und das ist eine gegenseitige Bereicherung.

Dazu gibt es eine kleine Geschichte, die ich immer wieder gerne erzähle: Antonin liebt Pizza. Und er hat eine besondere Beziehung entwickelt mit dem Pizzabäcker in der Pizzeria, in die wir immer wieder gehen. Das erste mal ist er dagestanden und hat zugeschaut: Er liebt Pizza, aber wie eine Pizza gemacht wird hatte er noch nie gesehn. Er ist da am Fenster gestanden und hat zugeschaut und dann ist der Pizzabäcker zu ihm gekommen und wollte ihm in seinem schlechten Französisch Ratschläge geben und hat ihm gesagt: „Pizza, Küche, nix gut, du was Gutes lernen!“

Das kleine Kind ist wie ein Befruchter, geht durch die schwarze Stadt und hinterlässt eine bunte Spur im Dorf.

Anders gesagt: Er hatte schon seine Meinung, er hat nicht viel von sich gehalten und nicht viel von seinem Beruf. Er hatte eben die Meinung der anderen übernommen. Antonin hat das aber nicht gehört, weil er so begeistert war, weil er so voller Bewunderung war und stell dir vor, aus einer Kugel Teig entsteht eine Pizza. Boah!

Und ich sage immer, das kleine Kind ist wie ein Befruchter, es geht durch die schwarze Stadt und hinterlässt eine bunte Spur im Dorf… oder in der Stadt, oder eben beim Pizzabäcker – dessen schwarz-weiß plötzlich nicht auf das Kind über geht, sonder der Funke springt vom Kind rüber. Und der Pizzabäcker – ohne es zu merken – jobbt plötzlich nicht mehr, sondern ist ein Künstler. Er lässt den Teig einmal drehen und knallt ihn auf den Schieber und es kommt ganz viel Mehl heraus und dann holt er die Soße und die ganze Choreografie macht er um Antonin zu zeigen, wie eine Pizza entsteht. Und Antonin platzt vor Freude da fliegen die ganze Zeit Funken in der Küche zwischen den beiden. Das ist eine enorme Bereicherung für Antonin!

Seit dem steht er jeden Abend eine halbe Stunde vor diesem Fenster und guckt sich den Pizzabäcker an und jetzt ist es eine enorme Bereicherung für Antonin. Er weiß jetzt wie eine Pizza gemacht wird, gebacken wird. Er ist ein Spezialist geworden, ihm wirst du nie beibringen müssen, wie ein Pizza gemacht wird. Wie gesagt, eine enorme Bereicherung für Antonin aber auch für den Pizzabäcker eine enorme Bereicherung.

Antonin war der Befruchter. Das war eine gegenseitige Bereicherung, das war eine Verbundenheit.

Inzwischen kennen wir den Pizzeriabesitzer ganz gut und ich habe diese kleine Geschichte in meinem letzten Buch beschrieben. Deswegen habe ich das Buch diesem Mann gebracht und ihm gesagt „Du kannst zwar kein Deutsch, [Anm.: Das Buch wurde André Stern direkt auf Deutsch verfasst] aber ich wollte dir das Buch unbedingt schenken, weil ich darin von euch berichte.“ Und dann fragte er mich „Ja was berichtest du denn über uns?“ und dann sagt ich „Über die Beziehung zwischen Antonin und deinem Pizzabäcker!“

Dann sagte er mir „Oh ja das stimmt. Du ich muss dir was sagen: Seitdem Antonin ihm jeden Tag zuschaut, ist mein Pizzabäcker ein umgekehrter Mensch. Ich erkenne ihn nicht wieder. Er kommt sogar mit Freude zur Arbeit.“

Deshalb meine ich, dass wenn wir Kinder wieder im Umlauf hätten, wenn wir Kinder wieder in ihrer Umwelt, in unserer Umwelt hätten, wenn Kinder wieder einen Platz hätten, wenn wir diese Hierarchie zwischen den Altersstufen wieder abschaffen würden, wenn Kinder auf gleicher Augenhöhe wären, wenn Kinder ein ganz natürlicher Teil unserer Welt wären, dann müssten wir sie nicht wieder in die Gesellschaft einspeisen und kindgerechte Dinge entwickeln. Sie wären Teil unserer Gesellschaft, so wie sie eigentlich auf die Welt kommen. Dann glaube ich, wäre es eine Veränderung für die ganze Gesellschaft, dann wäre es für uns alle eine Veränderung. Dazu braucht es wirklich ein Dorf, eine Gemeinde, eine Gemeinschaft, Menschen, die zusammen kommen und Bemühungen, die zusammen kommen. Das ist meine Hoffnung :)

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Und ich war nie in der Schule – Geschichte eines glücklichen Kindes.

zur interviewten Person
Photo ofAndré Stern
Name
André Stern
Website
Beruf
Gitarrenbauer, Künstler, Autor
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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

33 Gedanken über “Über das Vertrauen in das Kind

  1. Rosemarie Krömer

    Ich finde dieser Artikel bietet doch einiges an Infos. Ich selbst habe meine Kinder schon vor 40 Jahren ähnlich gelenkt und geleitet und kann nur sagen: Es lohnt sich, es war eine sehr spannende und lehrreiche Zeit für mich und meine und meiner Kinder Entwicklung. Ich glaube, es ist aber uns Eltern nur möglich, wenn wir selbst schon von vielen Altlasten unseres Unterbewusstseins frei sind.
    Liebe Grüße
    Rosemarie

  2. Pingback: An der Zukunft vorbei gestalten | juna im netz

  3. Sina

    Danke für Euren inspirienden Block. Ich habe erst heute das wunderbare Interview von Andre Stern gelesen und die Disskusion, die es ausgelöst hat. Es ist Off Topic, daher fasse ich mich kurz. Erziehung gibt es schon so lange, wie es die Menscheit gibt und jede Zeit hatte ihre optimalen Methoden. Wenn man kitisch unsere Gesellschaften betrachtet, mit ihren Kriegen, Massentierhaltung, unserer Wirschaftsweise, dem Massenkosum, Erwachsene, die dem Alkohlismus verfallen, die menschenverachtenden und totgeschwiegenen Missstände in Altenheimen etc. p.p., dann sollte jeder selbst sehen, was Erziehung bringt und wohin sie uns gebracht hat. Bisher keine besseren Erwachsenen. Denn das alles ist unsere Gemeinschaftproduktion. Ich denke, was Kinder brauchen, sind Vorbilder und Regeln des Miteinanders, die in der Gemeinschaft für jeden gelten- auch für die Erwachsenen. Wer sein Kind vom Tisch schmeißt, weil es beim Abendessen brüllt, muss auch seinen eigenen Frust und Streit unterlassen. Das hat nichts mit Erziehung im Sinne von „Wir machen aus dem Rabauken einen guten Menschen, weil er das von Natur aus nicht ist“ zu tun, sondern mit einem miteinander in der Gemeinschaft. Kinder spiegeln überdies ihre Eltern und rollen all zu gerne das hervor, was die Eltern unter den Teppich kehren oder ihnen nicht bewusst ist. Der Partner und die Kinder sind die größten Spiegeln. Ein recht bekannter Kinderpsycholge hat einmal gesagt, wenn ihm Eltern ihre Kinder schicken antwortet er: Nein danke, ich nehme nur Sie!

  4. Sabina

    Hallo alle miteinander,
    habe mit voller Begeisterung das Video sowie die Kommentare dazu gelesen. Habe immer wieder in meine Hände klatschen müssen um Beifall zu spenden. Ich war auch so ein Problemkind, hatte immer das Gefühl mit mir stimmt was nicht. Hatte Alpträume von der Schule auch noch als ich schon Jahre raus war.Mit 17 damals hatte ich die Idee,das Schulsystem individuell auf jeden Schüler abzustimmen. Die meisten lachten mich aus, weil es nicht machbar erschien. Heute reichlich 40 Jahre später, steht das Thema höher im Kurs als jemals zuvor. Viele haben sich an dem Wort Erziehung gestört und konnten sich nicht vorstellen, dass Kinder ohne Erziehung auskommen. Es ist nur ein Wort! Aber wenn du Zeit , Verständnis und viel Liebe für dein Kind aufbringst und es beobachtest erkennst du dein inneres Kind und weist instinktiv was das Kind in dem Moment braucht.Es kommt auf dein Bewusstsein darauf an, von welcher Seite du das ganze betrachtest. Ok, heute mit meinem jetzigen Bewusstsein, würde ich meinen Sohn auch anders erzogen haben, man hat sich immer wieder von der Gesellschaft vorschreiben lassen, was angeblich normal ist. Und wer will schon nicht als „normal“ abgestempelt werden. Das angebliche Problemkind von damals, hat sich in der damaligen DDR schnell gemausert. Mit 21 Jahren hatte ich meine eigene Drogerie.Noch bevor die Mauern gefallen sind umgesiedelt an den Bodensee und vor 10 Jahren ausgewandert in die USA Kalifornien. Leider habe ich dadurch auch wenig Einfluss auf meine heute 2 Jährige Enkeltochter, aber ich denke meine Schwiegertochter und mein Sohn lassen sich von dieser kleinen Persönlichkeit inspirieren. Sie hat jetzt schon ihren Spitznamen “ kleine Erwachsene“ vom Kindergarten erhalten. Ich denke führen lassen und geführt werden von beiden Teilen bringt die NEUE Generation und unsere Gesellschaft zum aufblühen.

  5. Eva

    Danke! Der Artikel hat mich wieder zum Nachdenken gebracht. Weil jemand „antiautoritäre Erziehung“ angesprochen hat. Dazu mag ich sagen „Antiautoritäre Erziehung meint nicht das Fehlen von Regeln, sondern dass sich Erwachsene und Kinder gleichsam an die gleichen Regen halten.“ (so ähnlich aus „Alle Macht den Kindern“) Das hilft mir im Umgang mit meinen Kindern (und bei meiner Arbeit als Lehrerin) viel. Mir fällt leider auf, dass sich Erwachsene oft erhaben auf Kinder „stürzen“ und alles besser wissen wollen. „Tu dies — tu jenes“ – aber selbst sind sie schlechte Vorbilder. Typisches Beispiel.: Die Mutter, die ihr Kind anschreit mit „du hast nicht zu schreien“.

  6. Valeria

    Ich finde die im Interview angesprochenen Themen sehr spannend und schließe mich an: Lass das Kind raus und vertraue ihm. :)

    Unser Bildungssystem hat mir z.B. null „gebracht“. Natürlich lag das auch an mir, weil ich keine Lust hatte und zu den „Problemkindern“ gehörte. Natürlich habe ich etwas Gelernt, aber erst wo ich aus der Schule (endlich) raus war, konnte ich lernen mein wahres Potenzial zu entfalten und tue das immernoch. Selbstbestimmt. Und mehr Kind. Ein Glückskind. :)

    Danke euch und Andre!

    1. Nel

      Liebe Valeria,

      dein Kommentar ist super, denn du stellst schon ganz selstverständlich das Kernproblem da, indem du dich selbst als „Problemkind“ bezeichnest und meinst „natürlich lag das auch an mir“!!! Nein! Du warst und bist gut so wie du bist! Nur das haben die Anderen nicht gesehen, nicht zu wertschätzen gekonnt, es passte nicht ins (Schul-)System!!!

      In diesem Sinne, vielen dank für diesen Artikel und die Diskussion darum :D

      1. Nel

        *kurz etwas allgemines in eigener Sache:

        Als staatl. anerkannte Erzieherin und angehende Lehrerin wundere ich mich sehr oft wie achtlos, bevormundend und befehlend viele Erwachsene mit Kindern umgehen! Wieviel schlechtes vielen Kindern eingeredet wird ist schockierend! Als Beispiel möchte ich die Debatte zum vermeintlichen ADHS anbringen! Doch dies auzuführen bedarf Buchbänden und ist hier nicht das Thema! Ich möchte eigentlich nur sagen dass jeder in sich gehen sollte um zu reflektieren und somit zu vermeiden Anderen Menschen aber auch sich selbst etwas unwahres, verletzdendes oder sogar krankhaftes einzureden!

        1. Valeria

          Hey Nel, danke für die Antwort. Ja, na klar. Daher ja in Anführungszeichen „Problemkind“. So dachte ich früher bzw. es wurde mir leider eingetrichtert. Von anderen und vom Ego. Danke, ich gebe dir recht: Wir sind gut, so wie wir sind! :)

          Danke für deine Ergänzung – bin ganz bei dir. Auf eine Zukunft voller Bewusstsein und mehr Selbstreflexion! LG

  7. Christina

    Ich lese euren Blog auch immer sehr gerne, aber das Interview finde ich als (sehr (selbst-) kritische!) Pädagogin etwas heikel. Die Ideen des Herrn Stern entsprechen einerseits der Reformpädagogik und finden daher bereits (zurecht!) Anwendung in vielen reformpädagogischen Erziehungs- oder Schulkonzepten, sie erinnern mich aber auch stark an die antiautoritäre Erziehung der späten 70er und Anfang der 80er Jahre, die, kurzgefasst, erwiesenermaßen negative Auswirkungen wie Verunsicherung, Orientierungslosigkeit etc. hatte – was ich nicht nur im Studium erfahren, sondern (leider) auch praktisch beobachten konnte. Zur Erziehung glaubt immer jeder, etwas sagen zu können, aber nicht umsonst ist es ein eigener Wissenschaftszweig!

    1. Michael HartlMichael

      Danke für deinen Input, Christina. Auf jeden Fall sollte gerade das Thema Erziehung differenziert angesehen werden – und für jedes einzelne Kind! Ich finde Verallgemeinerungen gerade im Bereich Bildung und Entwicklung nicht gut. In keine Richtung.

      Du schreibst: „Die Ideen des Herrn Stern entsprechen einerseits der Reformpädagogik und finden daher bereits (zurecht!) Anwendung in vielen reformpädagogischen Erziehungs- oder Schulkonzepten…“ – Das klingt, als würde die Reformpädagogik schon überall eingesetzt! Aber ist das so? Sind nicht all die reformpädagogischen Ansätze weiterhin totale Nischen und Ausnahmen? So mein Eindruck, aber der ist sicher sehr subjektiv.

      Da ich aber glaube, dass im Bildungssystem noch viel zu sehr nach alten preußischen Methoden gearbeitet wird, finde ich Menschen wie André Stern sehr wichtig, weil sie Ideen in den Raum stellen. Und damit zur Diskussion anregen. Das ist absolut notwendig für gesellschaftliche Entwicklungen. Und darum freue ich mich darüber, dass er viele Menschen inspiriert, dadurch viele Gespräche zu Bildung stattfinden und ich und andere, die möchten, dazu lernen dürfen. Auch dank konstruktiven Kommentaren hier zum Artikel.

      Vielen Dank! :)

  8. Michaela

    Vielen Dank für das Interview. Wir selbst mussten letztes Jahr Deutschland verlassen um das Freilernen für unser Kind zu ermöglichen, da es ja in Deutschland verboten ist.
    André Stern hat uns mit seinen Büchern und Vorträgen viel geholfen uns selbst zu hinterfragen. Schön, dass ihr das Thema Selbstversorgung weiter ausdehnt :)

  9. Christian

    Hallo Zusammen!
    Ich bzw. wir – meine Lebenspartnerin und ich – wir sind auch der festen Überzeugung, dass Kinder heutzutage in ein Leben gepresst werden, welches sie schlicht und einfach kompatibel mit unserer Gesellschaft machen soll.

    Dabei hat man schon lange aufgehört zu hinterfragen – ob die Entwicklung unserer Gesellschaft überhaupt in die richtige Richtung geht und verpasst es die tatsächlichen Talente der Kinder wirklich zu fördern. Schon lange geht es nicht mehr um die freie Entfaltung von Kindern – sonder ausschliesslich um Uniformität. Was uns zu dem Schluss gebricht hat zumindest solange wir hier in Deutschland leben lieber auf Kinder zu verzichten – als sie diesem gnadenlosen System zu überlassen.

    Falls Ihr Interesse habt, habe ich hier auf meinem Blog meine Meinungen und Erfahrungen zum aufwachsen im „Hamsterrad“ einmal aufgeschrieben:

    http://feel4nature.com/aussteigen-aus-dem-hamsterrad-warum-es-keine-alternative-gibt/2014

    Toller Blog und eine bewundernswerte Lebensweise, übrigens!

    LG, Christian

  10. Carsten

    Nachtrag: in der Ablehnung des Schulsystems stimmt ich mit André Stern überein. – Mit dem Reist eigentlich auch nur haben wir wohl verschiedene Vorstellungen vom Wort „Erziehen“. Lasst uns nicht immer mehr Worte abschaffen, sondern das Positive in ihren Bedeutungen hervorheben.

  11. Carsten

    Ich kann Veronicas Reaktion verstehen. Das Interview beginnt mit der radikalen These Erziehung sei überflüssig – gar schädlich. Solch ein grandioser Vorwurf der sich in seiner Radikalität an einen Großteil der Menschheit aller Zeiten und Kulturen richtet solltet sehr gut begründet werden. Stattdessen kommen blumige Worte, Allgemeinplätze und romantisierende Schilderungen schöner Seiten des Kindseins (die ja unbestritten sind).

    Warum erziehen Menschen ihre Kinder? zu allen Zeiten an allen Orten? Doch nicht weil sie so begeistert beim Pizzabäcker zuschauen. Wer Kinder hat, weiß daß es neben den schönen auch noch andere Momente gibt. Wenn das Kind all die Zutaten auf dem Fußboden verteilt zum Beispiel. Nicht so streng sein? Was ist mit der Wertschätzung natürlicher Ressourcen? Kinder kennen das nicht, weil sie die Tomatenpflänzchen nicht angezogen, gepflegt und geerntet haben. Für sie ist es nur lustig wie schön das matscht – ungeachtet wieviele andere Kinder was drum geben würden, so eine Tomate zu essen. – Natürlich wird unser Sohn den Anbau von Tomaten kennenlernen und diese dann wertschätzen. Vielleicht schraube ich auch den Bildschirm mit ihm auf damit er sieht wie er funktioniert und ihn nicht zertrümmert. Und wenn er der Katze wehtut? – Wir werden überall eine verständige Lösung finden, aber das alles ist Erziehung. Ob das Wort nun schön klingt oder nicht.

    Ich glaube, es geht hier mehr um eine Abneigung gegen das Wort „Erziehen“. Diese geht einher mit ähnlichen Abneigungen z.B. gegenüber Worten wie „Disziplin“, „Fleiß“, „Pünktlichkeit“, „Ordnung“. – Das muß jeder selber wissen, ob er sich da dem Zeitgeist unterwirft und die Werte die hinter diesen Unwörtern stecken ablehnt oder – wie oft zu beobachteten – der Wert als solcher eine neue komplizierte Umschreibung oder eine englische Bezeichnung erhält damit wir ein zeitgeistkonformes Gefühl damit haben.

    1. Michael HartlMichael

      Was er mit der radikalen These aber ganz offensichtlich schafft, ist Diskussionen auszulösen. :) Ich finds interessant und freu mich sehr, über euer aller Beiträge mehr Meinungen zum Thema kennen lernen zu dürfen. Danke dafür!

      (Ich bin übrigens ein sehr großer Freund von Ordnung und Fleiß!)

  12. stephanie

    Es ist schön, dass sich positive Erlebnisse weiter verbreiten! Durch meinen Sohn lerne auch ich sehr viel und bin so DANKBAR zur richtigen Zeit, das für mich Richtige/ hilfreiche erfahren zu haben. (vor der Geburt meines Sohnes – beschäftigte ich mich näher mit Montessori + Pickler – dies half mir sehr weiter! DAS BEOBACHTEN ist einfach einmalig und ich bin so froh, das Vertrauen haben zu können, dass alles kommt, wann man es braucht ;)!

    P.s: ich liebe Lisa’s Kochbuch – es wird schon sehr viel ausprobiert und von meinen Männern geliebt ;P (obwohl wir keine Veganer sind ;) )

  13. Herbert Otto

    Ein wunderbarer Artikel. Ich habe sehr geweint beim Lesen. Zum einen habe ich an meine Kindheit gedacht, da ist mir viel ausgetrieben worden. Darunter leide ich zum Teil heute noch, mit 60 Jahren.
    Zum anderen habe ich an meine Kinder gedacht. Denen bin ich nicht immer der Vater gewesen, der ich sein wollte.
    Und zum dritten habe ich an meine Enkelkinder gedacht. Die wachsen heute wieder anders auf und kommen dem oben genannten schon recht nahe.
    Diesen Artikel sende ich meinen Kindern.
    Und ich danke euch sehr für das Einstellen dieses Interviews. Es spricht mir aus dem Herzen.

    1. helene

      lieber herbert,

      dir möchte ich sagen, dass meine um 20 jahre ältere und sehr weise schwester immer zu mir sagt, dass man als mama oder papa nie auslernt egal wie alt man ist ;-)
      ich habe auch oft ein schlechtes gewissen gegenüber meiner tochter, aber man kann es beim nächsten mal besser machen, oder? das schöne ist doch, dass wir unseren fehler erkennen und daran wachsen können! ;-)

  14. Veronica

    Ich finde Eure Seite und Lebenseinstellung Klasse. Aber das Interview ist oberflächlich und belanglos. Peinlich für Euch und ihn, die Ihr alle eigentlich viel zu sagen habt. Aber wenn man es (noch nicht) besser formulieren kann, dann lieber schweigen, sei es auch ein paar Jahrzehnte. Ohne Erziehung ist alles Vertrauen und Vernetzen nichts wert. Warum das bei André Sterns und irgendwann bei Euren Kindern trotz der Ablehnung des Worts Erziehung dennoch gut klappt und klappen wird, liegt nur daran, daß gutes Erziehen letztlich das Vorleben eines guten Lebens ist. Die Grenzen und Rahmenbedingungen, die man sich letztlich auch selbst setzt, werden auch das Kind prägen (und desöfteren durchgesetzt werden müssen)…

    1. Michael HartlMichael

      Liebe Veronica, warum reagierst du so stark? Warum ist es „peinlich“ was er sagt? Er erzählt wie er es als Kind erlebt hat und jetzt als Vater erlebt. Und das möchte er zur Diskussion stellen. Das ist nicht peinlich, finde ich. Und warum sind Interviewende peinlich für dich, wenn dir nicht gefällt was die interviewte Person sagt?

      Die Interviews sind oft Artikel, wo wir Meinungen anderer darstellen, die nicht immer 100 Prozent der unseren entsprechen. Weil die Welt einfach vielfältiger ist als nur unsere Weltsicht. Und viele der Interviews behandeln Themen, die uns gerade interessieren, und wo wir noch am Meinung finden sind. Die Kommentare sind dabei ein Bereich zur Diskussion.

      Darum auch noch ein paar Worte zum zweiten Teil deines Kommentars: Ja, da denke ich triffst du ins Schwarze – ich glaube auch, das Vorleben ist das Entscheidende! :)

      1. Veronica

        Lieber Michael,

        Deine Antwort ist souverän und freundlich, da kann man nur den Hut ziehen! Deine Fragen auf meinen recht harschen Kommentar sind berechtigt und ich möchte sie Dir gerne zum Teil beantworten. Meine deutliche Reaktion hängt mit Erfahrungen zusammen, die ich beruflich und im privaten Umfeld mit Menschen gemacht habe, die bei Kindern genau mit den im Interview genannten Stichworten (vertrauen, vernetzen, selbstbestimmt wachsen lassen) viel Unheil angerichtet haben. Am Ende waren Jugendamt, Schulbehörde und Staatsanwaltschaft mit schwerwiegenden Folgen involviert. Nicht weil an Vertrauen, am Vernetzen und an der Gleichberechtigung des Kindes irgend etwas Schlechtes wäre, sondern weil es ausschließlich darauf ankommt, in welchem Rahmen das Kind das auszuüben lernt. Im günstigsten Fall hat das Kind ein Elternhaus, das ihm all das und noch viel mehr ermöglicht. In Eurem Forum und Umfeld werden sich sicherlich besonders viele solche achtsamen Zeitgenossen aufhalten. Viele sind aber nicht in der Lage, dem Kind so viel Entwicklungsfreiheit zu bieten und verlassen sich dann gerne auf Kindergärten und Schulen, die mit solchen Parolen die Entwicklung in ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen wollen. Leider ist genau das oft der Nährboden für obskure Gestalten, die nicht selten andere als altruistische Ziele im Umgang mit Kindern verfolgen.

        Vielleicht kannst Du ungefähr verstehen, vor was ich warnen will. Das Thema ist viel zu komplex, um in einem kurzen Post annähernd dargestellt zu werden. Jedenfalls bin ich keineswegs im Grundsatz gegen Waldorfkindergärten, freie Schulen und alternative Lernformen, gegen vertrauensvolle Gleichberechtigung und schon gleich gar nicht gegen ein Erziehen „durch das ganze Dorf“. Höchst allergisch bin ich aber gegen oberflächliche Pauschalisierungen, die, in die falschen Hände geraten, schlimmen Schaden zufügen können. Die Aussagen des Interviews sind eben nicht einfach nur naiv, sondern leider potentiell gefährlich, da wohlmeinende Eltern unter Umständen mit einer Überdosis Vertrauen in die Selbstregulierungsfähigkeiten ihrer Kinder die falschen Weichen stellen.

        Mit peinlich meinte ich lediglich die Tatsache, daß die Oberflächlichkeit und potentielle Brisanz seiner Aussagen im Interview in gewisser Weise natürlich auch auf Euch zurückfällt. Ich bin von Euch sonst Reflektierenderes gewöhnt.

        Ich bezog mich allerdings in meinem Kommentar auf das schriftliche Interview und habe mich später, als ich es auch noch anhörte, nicht mehr so sehr daran gestört, daß vieles fehlte. Im Gespräch hat man natürlich auch andere Reflektionsmöglichkeiten.

        1. Michael HartlMichael

          Danke sehr, Veronica. Jetzt versteh ich ein wenig besser. Das stimmt schon, ein Kind kann sich nur dort sehr frei entwickeln, wo es auch gefördert und angenommen wird. Und wo es durch „Vorbilder“ inspiriert wird.

          Ansonsten kann das vielleicht ins Auge gehen, da magst du Recht haben.

    2. Herbert Otto

      Liebe Veronica, nach meiner Erfahrung spricht so ein Mensch, der in seinem tiefsten Inneren sehr verletzt ist. Schau doch einfach mal nach was du da so findest.
      Du richtest und du behauptest. Beides steht dir nicht zu.
      Und was ganz schlimm ist: Du übst Druck aus, wenn das Kind sich nicht an die Schablone deines Vorlebens hält. Dann drückst du es wieder in deine Richtung. Jedoch: Dich gibt es schon und du bist einmalig. Und dein Kind auch. Wie wäre es, wenn du ihm seine Einmaligkeit lässt und lernst dich daran zu erfreuen? Herbert

      1. Veronica

        Lieber Herbert,

        verletzt nicht, aber wütend, daß (nicht nur) in meinem Umfeld Kinder durch solch oberflächliches Geschwätz schwer geschädigt wurden. Nichts gegen André Stern, den halte ich für einen guten Mann und vermutlich tollen Vater. Aber natürlich reicht es nicht aus, sich daran zu freuen, daß ein kleines Kind begeistert beim Pizzabacken oder Lehmofenbauen zusieht, daß es gerne süße Lämmchen streichelt oder Blumen pflückt. Kinder sind vor allem zukünftige Mitglieder unserer Gesellschaft, die sinnvolle Entscheidungen werden treffen müssen. Da reicht es nicht aus, das Kind beglückt beim Sichentwickeln zu beobachten, da müssen gewisse Weichen gestellt werden und das sollte nicht zu spät passieren. Im günstigsten Fall reicht ein gutes Vorleben in einer guten Gemeinschaft aus. In aller Regel sind aber Eltern ganz normale Menschen mit Schwächen und Fehlern, die sich selbst an (hoffentlich selbst gesetzte und gut begründete) Regeln halten müssen. Das kann man Kindern, denke ich, nicht früh genug beibringen.

        Daß ich damit nicht ein Leben nach Schablone meine, in das sich meine Kinder fügen müssen, ist bestimmt klar geworden. Aber ich sehe auch an meinen drei Kindern zwischen 6 und 9, daß der Grad an individueller Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit mit der steigenden Notwendigkeit der Befolgung bestimmter Regeln korreliert.

        1. Veronica

          Bevor es Mißverständnisse gibt: ich meine natürlich nicht, daß Kinder sich bestmöglich in das bestehende Gesellschaftssystem einzufügen lernen sollen, sondern eher den Weg einer Abkehr vom Konsumsystem im Sinne einer Anpassung an das Gegebene… Das geben m.E. viel zu wenig Eltern ihren Kinder als Unabdingbarkeit mit.

          1. helene

            liebe veronica,

            da kann ich dir nur zustimmen. meine tochter ist erst 3 1/2 jahre alt und ich merke selbst in diesem frühen alter schon, wie andere darauf reagieren, weil wir zB das geld, das normalerweise für alles nur spielzeug ausgegeben wird bei div. anlässen (geb., weihnachten, etc.) alles auf ein sparbuch für sie legen. sie bekommt spielsachen nur im kleinen rahnmen: oft vom flohmarkt, spielzeug (welches von mir noch stammt), etc. genauso halten wir es mit der kleidung. und beim fahrrad zu ostern, welches ein schöner alter roter „dreiraller“ war, wurde auch gesagt, was das ding denn soll? wir hätten für sie doch ein schöneres kaufen können. sicher hätten wir, ist aber nicht von nöten! und ihr war es egal. es ist inzw. ihr lieblingsrad und sie fährt jeden tag damit, aber unsere gesellschaft polarisiert schon selbst so kleine wesen, die gar nicht wissen, von was wir eigentlich sprechen.
            oder wenn ich höre, dass 8-jährige bereits das 4. iphone haben, weil sie sonst darunter leiden, nicht unter gleichaltrigen anerkannt zu werden… do stöts ma die hoar auf! viell. denke ich dann anders, wenn unsere tochter selbst in dem alter ist, aber ich hoffe doch, sie solange als möglich davon abhalten zu können.

            noch was fällt mir dazu ein: ich wuchs eigentlich auch so wie unsere tochter auf und hatte dann trotzdem im teenageralter auch immer das bedürnis „mithalten“ zu müssen und in der handelsschule natürlich nur die „echte“ levis-jeans wie alle anderen auch.

            aber als ich erwachsen wurde, fand ich wieder zu den wurzeln zurück und bin nun wieder sehr bescheiden. ich wehre mich sogar dagegen, immer das neueste zu haben und bin mit wenigem zufrieden. es gibt dinge, die wichtiger sind als materielle…. ich hoffe, dass ich das meiner tochter mitgeben kann…

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