Trouble over Tokyo

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
13. März 2011

Klingt nach einem schlechten Scherz, aber an diesen klingenden Künstlernamen einer Ein-Mann-Band aus London, musste ich die letzten Tage ständig denken. Zu der überaus vertrauenswürdigen Berichterstattung der Behörden Tokyos passend, gibt es von Trouble over Tokyo sogar einen Song namens „The Liar“ (dt.: Der Lügner). Fast schon lachen musste ich bei der Beschreibung seines Musikgenres: Indielectro Angst-Pop.

Dabei vergeht mir das Lachen mehr und mehr, wenn ich an Japan denke. Mir vergeht das Lachen generell wenn ich an die globale Atompolitik denke. 438 tickende Zeitbomben (Atomkraftwerke) weltweit, die mit nur 3 (!!!) lächerlichen Prozent zur Deckung unseres Energiehungers beitragen?

What the fuck?

Entschuldigt meine Ausdrucksweise, aber dazu fällt mir echt nichts Besseres mehr ein. Und dann auch noch diese dreiste Behauptung Atomkraftwerke seien so wahnsinnig klimafreundlich. Erstens ist das keine Kunst, wenn man als Vergleichswert ein Kohlekraftwerk heranzieht und zweitens ist das absolut schwachsinnig. Wenn man eine Sekunde über Uranabbau, „Entsorgung“ und sonstigen Aufwand, der da getrieben wird, nachdenkt, kommt man schnell drauf, dass da sehr wohl klimaschädliche Gase in die Luft geblasen werden. So gesehen verpuffen Atomkraftwerke noch immer fast drei Mal so viel CO2, als ein Windkraftwerk. Hoppla, Windkraftwerke erzeugen auch CO2? Na sowas!

Atommeiler

(Foto: tobo, flickr.com)

Von diesem Traum von der „grünen Energie“ und der „nachhaltigen Wirtschaft“ bin ich zum Glück schon aufgewacht. Nein, ich  glaube nicht daran. Jene, die die tolle erneuerbare Energie propagieren und daran verdienen, machen ihren Job schon sehr gut. Klingt doch toll, wenn wir einfach nur Solarpanele installieren und Windräder aufstellen müssten und alles wäre wie immer! Meiner Meinung nach ist das aber ein fataler Trugschluss. Erneuerbare Energien: Ja. Aber damit den immensen Energiehunger auf dem derzeitigen Level stillen und noch darüber hinaus: Nein!

Mein Lieblingswort ist derzeit Rebound-Effekt. Zwar ist nicht gesagt, dass dieser eintreten wird. Jedoch stell ich mir alles Andere schwierig vor, wenn nie davon gesprochen wird, dass wir verdammt noch mal zu viel Energie verbrauchen (direkt aber auch indirekt durch Konsumgüter).

Ich hab’s sowas von satt. Zum Glück wird mich mein Leben sättigen – im Sinne von „erfüllen“, „zufrieden machen“. Wir haben nämlich ein tolles Rezept gegen Energie- und sonstigen Konsumhunger entdeckt: Simplicity. Endlich haben wir ein offizielles Wort gefunden, welches unser Vorhaben kurz und knackig benennt. Das einfache Leben. Sowohl hinsichtlich einer einfachen oder „bescheidenen“ Lebensweise, als auch, Hand in Hand gehend, mit einem wirklich einfacheren, unbeschwerlicheren Leben. Was könnte das Leben mehr erleichtern als das Loslösen von Materiellem? All die Dinge die wir haben oder haben wollen zu hinterfragen und drauf kommen, hey, eigentlich brauch ich das nicht und noch weniger macht es mich zu einem glücklicheren und zufriedeneren Menschen?

Tja und um den Kreis zu schließen: In einem solchen Leben erübrigt sich für mich auch die Frage nach der Energie. Abgesehen von der Energie, die in unseren Breiten für das Heizen drauf geht und für ein bisschen Licht (ein paar LED’s? :))
Leben, ich freu mich auf Dich! Bis dahin zähl ich die Wochen bis zum Juli – dann hab ich mein Studium fast in der Tasche und es kann losgehen.

Aber erstmal zähl ich noch die Tage, bis meine Liebe wieder wohlauf aus Japan zurück kehrt. Ja, richtig gehört. Michael ist in Tokyo um von den Troubles zu berichten, die die Atomkraft den Menschen eingebrockt hat.
Pass auf Dich auf..
[Update: Michael ist wohl auf und befindet sich bereits auf dem Rückflug!]

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6 Gedanken über “Trouble over Tokyo

  1. Philipp

    Unsere Generation wurde, denke ich, noch nach dem Motto erzogen: Kümmere Dich um Dein eigenes Glück (und mische dich nicht in anderes ein.) Ich finde, dass das auch sehr eng mit dem Gedanken des Individualismus zusammenhängt.

    Doch genau hier liegt der Hund begraben. Der Einzelne hat eine kollektive Verantwortung, sich positiv einzubringen. Reicht ein "es nur für sich selbst gut machen?"

    Schon gleich gar nicht gilt ja der Gedanke: "Ich als einzelner kann ja eh nix machen!"

    Ist für mich Resignation und die Rechtfertigung, sich einer subjektiven Überforderung zu ergeben.

    Ich denke dass man nichts können muss und vor allem auch niemanden zwingen oder "lehrmeistern" muss, um sich einzubringen. Für mich ist da eher eine liebevolle Art, Ehrlichkeit und Durchhaltevermögen gefragt.

    1. Lisa PflegerLisa Pfleger Beitrags Autor

      Danke für Eure Beiträge.

      @Phillip: Ich denke auch, dass das "überzeugen" wollen in den meisten Fällen eher nach hinten los geht. Seit ich damit aufgehört habe und einfach mein Ding mache, habe ich viel eher dass Gefühl, dass sich Leute dafür interessieren. Genau aus diesem Grund würde ich auch ungern diesen Blog aufgeben wollen – auch ich wenn immer ungerner vorm Bildschirm sitze :))

  2. Michael HartlMichael Hartl

    Lisa, ich stimme Dir absolut bei jedem Wort zu.

    Zur Info für Euch: Da die Informationslage in Japan mehr als dürftig war und die Gefahrenlage so massiv angestiegen ist, haben wir (Global 2000, Friends of the Earth Japan und ich) entschieden, dass ich vorerst wieder zurück fliege. Ich bin jetzt bereits wieder in Wien.

  3. Torsten

    Hallo Lisa,

    ich stimme Dir in allen Punkten deines Artikels zu! Das derzeitige Hauptproblem stellt zweifelsohne unser maßloser Konsum dar!

    Bezüglich der atomaren Gefahr wird es höchte Zeit dass die Menschheit endlich von Energiegewinnungssystemen, welche grundsätzlich auf der Verbrennung beruhen, weg kommt!

    Ich bin in Gedanken bei den millionen Japanern, welche derzeit enormes Leid ertragen müssen!

    Viele Grüße Torsten

  4. Thomas

    Ich bin ein paar Jahre älter als ihr, hab aber so was ähnliches gedacht. Da spukt dann den ganzen Tag "Tschernobyl" im Kopf herum, das habt Ihr wahrscheinlich nicht so in Erinnerung.

    Immerhin: Ich durfte gestern bei einem Freund mithelfen, einen Obstgarten anzulegen. Den therapeutischen Wert von so einer Aktion an so einem Tag fand ich riesig. Dabei wars Zufall, lange geplant. so wurds doch noch ein guter Tag.

    Irgendwann müssen die anderen 99,5% doch auch merken, daß es so, wie sie es machen, nicht geht.

    Viele Grüße,

    Thomas

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