Traktor vs. Pferdestärke vs. Menschenkraft?

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
9. August 2010

„Lisa kannst du Traktor fahren?“ – „Keine Ahnung noch nie gemacht, aber ich kann’s probieren.“
Eine Stunde später – perfekt eingeschult von der jüngsten Tochter – tuckere ich auch schon den Hang auf und ab. Jeweils vorne und hinten einen Strohballen aufgespießt.

Es war Zeit für den kleinen Bio-Milchviehbetrieb bei dem wir untergemietet sind, das Korn zu dreschen und das Stroh einzulagern. Das Bild, welches ich bisher hatte, dass „hier am Land“ das Bedienen einer Maschine noch immer „Männersache“ ist, hat sich heute etwas aufgelöst – was mich freut. Aber das nur so am Rande.

Eigentlich wollte ich ja nur über die Gedanken berichten, die mir heute beim „Stroh heimfahren“ durch den Kopf gegangen sind: Was für ein immenser Aufwand! Vier Leute waren heute seit Mittag damit beschäftigt, das Stroh zu Ballen zu pressen (mit einer Riesen-Maschine… von dem Monster, welches zuvor sieben Meter Getreide auf einmal gedroschen hat will ich gar nicht erst anfangen :)) und anschließend in die Halle zu bringen. Insgesamt waren wir gut und gerne 8-9 Stunden beschäftigt. Und das nur für Getreide und Stroh für den Eigenbedarf. Der Großteil davon geht als Futter und Einstreu an die Kühe – und davon hat er gerade mal um die 25 inklusive Jungkühe. Klingt nach einem schnuckeligen Kleinbetrieb – ist es ja eigentlich auch. Dennoch bin ich immer wieder überrascht wenn nicht sogar erschrocken wie viele Maschinen und dazugehörige Geräte dieser Hof in Verwendung hat. Heute waren die zwei Traktoren und der „Hof-Truck“ im Einsatz und eben die verschiedensten Geräte zur Bearbeitung.

Strohballen (by Frau Blau auf Pauli, flickr.com)

Ich dachte mir immer wieder, was das Geld und Ressourcen kostet… Allein die Herstellung, die ständigen Reparaturen, der Treibstoff,… dann verdichten diese schweren Maschinen auch noch den Boden. Zwar hat es durchaus Spaß gemacht im Traktor über die unebenen Wege zu holpern und eben das Teil zu lenken, aber innerlich habe ich mich dagegen gesträubt… gegen den Lärm des Motors, diese Wucht des Traktors und eben obig genannte Gedanken. In meinem Bild von einem Miteinander mit der Natur, kann Landwirtschaft so nicht aussehen. Am schlimmsten fand ich bisher dieses Ungetüm, dass das Getreide gedroschen hat. Lag vielleicht auch an der gruseligen Lichtstimmung eines aufziehenden Gewitters :)

Aber Spaß beseite. Seit ich hier diese maschinenlastige Landwirtschaft zum ersten Mal bewusst miterlebe denke ich mir immer wieder, dass ich das eigentlich lieber alles ohne diese Maschinen machen würde. Allein wegen dem Lärm. Es ist zwar nett mal eine Motorsäge zu bedienen und Holzstämme unter einem Holzspalter zerbersten zu lassen, ich glaube das schüttet ganz schön Adrenalin aus wenn es etwas Neues für Eine/n ist. Aber das war’s dann auch schon. Sobald ich mir Gedanken darüber gemacht habe, dachte ich nur „Naja schon ganz cool es mal probiert zu haben, aber da will ich eigentlich nicht hin.“

Aber wie sonst?

Was ich mir bisher noch nicht beantworten konnte ist die Frage, wie man es sonst machen soll. Bäume per Hand sägen? Und dann auch noch in Stücke? Das Getreidefeld sensen? Das Korn mit dem Dreschflegel dreschen? (wo man glaube ich mindestens drei Leute braucht und es voll anstrengend ist? – „Er frisst wie ein Scheunendrescher“ :)) Das ist glaube ich selbst für den Eigenbedarf nicht wenig Arbeit. Bei den meisten Gemüse- und Obstsorten kann ich es mir ja noch gut vorstellen ohne Maschinen zu arbeiten. Aber alles, was händisch nicht mehr so einfach ist? Ich würde ja gerne noch zu anderen Geräten abschweifen (Sonnenblumenkerne schälen und danach Öl pressen?) aber es geht ja um Zugmaschinen.

Angenommen für den Eigenbedarf finden wir eine Maschinenfreie praktikable Lösung (immer her damit! :D) Was ist mit der Landwirtschaft an sich? Michael und ich, wir haben eigentlich nicht vor eine Ertragslandwirtschaft zu betreiben. Unser Traum wäre uns das Leben so einzurichten, dass allenfalls Überschüsse verkauft werden um unsere Kosten zu decken. Aber wenn ich mir das so überlege fühle ich mich fast „verpflichtet“ eine Ertragslandwirtschaft auszuprobieren um eine mögliche Lösung zu finden, die vielleicht mit der jetzigen oft rein wirtschaftlich orientierten Landwirtschaft mithalten könnte.

Zurück zu Ochs und Pferd

Schon oft haben wir darüber gesprochen anstatt eines Traktors, der abhängig von Öl ist, wieder mit beispielsweise Pferden zu arbeiten. Es versteht sich von selbst, dass Pferde dabei nicht geknechtet werden sollen, sondern dass ein humaner Umgang im Vordergrund steht. Wir haben uns einfach die Frage gestellt, welche Herangehensweise mehr Tierleid nach sich zieht. Ein Pferd, das ein paar Mal im Jahr Lasten ziehen soll, oder ein Traktor, der fossile Brennstoffe benötigt und verbrennt und somit die Umwelt (und dadurch auch Tiere) schädigt, der den Boden plattdrückt (in dem Milliarden von Tieren leben) und so weiter… Zumindest stelle ich mir das Arbeiten mit Tieren viel harmonischer (und ruhiger!) vor.

Oder selbst anpacken?

Obwohl wir immer wieder in Träumereien versunken sind, wie schön es doch wäre gemeinsam mit Pferden auf dem Feld stehen, haben wir für uns recht fix beschlossen, dass auch Pferde wieder Abhängigkeiten schaffen (Futter – etwa 1 Tonne Heu im Winter+Getreide?, Einstreu, Zuggeräte, Tiergesundheit, usw…) und wir deshalb lieber darauf verzichten sollten. Aber wer weiß was kommt. Hängt stark davon ab, ob wir noch auf die Idee kommen ein „Experiment nachhaltige (Ertrags)Landwirtschaft“ zu starten :) Im Moment denken wir darüber nach wie man sich mit kreativen fahrradähnlichen Konstruktionen helfen könnte. Zumindest weiß ich von Fahrrad betriebenen Getreidemühlen und Waschmaschinen – da geht sicher noch mehr :)

Was meint ihr dazu? Können Menschen gemeinschaftlich so anpacken ohne sich (körperlich) aufzuarbeiten? Oder kann zumindest eine Landwirtschaft mit Zugtieren mithalten? Ich selbst glaube, dass es gehen könnte (ohne es wirklich zu Wissen, nur mein Gefühl :)) allerdings nur, wenn weniger Fleisch und andere tierische Produkte konsumiert werden. Möchte da nur nochmal auf mein heutiges Strohballen Erlebnis hinweisen – keine Ahnung wie viele Hektar das sind, aber das Getreide fressen die 25 Kühe nur als Nachspeise ;D
Jedenfalls lerne ich durch diese Erlebnisse solch aufwendig produzierte Lebensmittel wie Getreide, Öl, Mohn, usw. erst wieder richtig zu schätzen.

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39 Gedanken über “Traktor vs. Pferdestärke vs. Menschenkraft?

  1. juergen

    Nein,das wird nicht gehen.Möchte euch mal sehen wenn ihr solche harte Arbeit nur händisch erledigt,keine 2 Wochen und ihr seit am ende.Mit eurem Weltverbesserungsgedanken verändert ihr nichts,das sind utopische träumereien

  2. Martin

    Ich bin nicht sicher, ob die Idee vom Korn und Viehfreien Hof schon erörtert wurde. Aber er löst viele Probleme, die hier bisher besprochen wurden. Der Einsatz von Technik (Hydroponic > http://www.neuland-koeln.de/ zur Vereinfachung von menschlichen Arbeitskraft sollte es ermöglichen mit geringeren Recourcen höhere Erträge zu erwirtschaften ohne die Umwelt wesentlich zu belasten. Die Nahrungsart von der ich spreche ist vergleichbar jener vor ca. 50.000 Jahren, als der Mensch darauf angewiesen war alle Produkte der Landwirtschaft roh zu essen. Durch den Einsatz intelligenter digitaler Technik ließen sich die Erträge verbessern ohne den Gebrauch von schädlicher Chemie.

  3. Lena

    Hallo zusammen!

    Ich verfolge euren Blog schon eine ganze Weile und das ist jetzt das Thema, zu dem ich wirklich aus Erfahrung und tiefster Überzeugung tatsächlich was sinnvolles beitragen kann :)

    >>Was meint ihr dazu? Können Menschen gemeinschaftlich so anpacken ohne sich (körperlich) aufzuarbeiten? <<

    Das kann ich mangels Erfahrung schlicht nicht sagen. Mir geht es viel mehr um die Fragestellung WENN Tiere; Welche?

    Ich habe seit über 20 Jahren Pferde, davon ca. die letzten 10 Jahre in Selbstversorgung mit Offenstall am Haus und Weiden auf eigenem Grund, dazu sowohl privat als auch beruflich einige Erfahrung mit Schafen und Rindern.

    Quintessenz: Pferde als Arbeitstiere sind sicher romantisch. Mehr aber auch nicht.

    Warum? Pferde sind wunderbare Tiere und die wahrscheinlich schönste Art und Weise Zeit, Nerven und Geld aus dem Fenster zu werfen. Ökologisch gesehen sind sie allerdings eine ziemliche Katastrophe. Angefangen bei gesundheitlicher Empfindlichkeit (gegenüber Wiederkäuern), über deutlich höhere Tierarztkosten die mit dem Nutztier- / Hobbyaspekt einhergehen (und wenn es nur die Impfung und/oder Wurmkur ist, die auch gesunde Pferde brauchen), bis hin zu dem Punkt der in meinen Augen wirklich wichtig ist: Pferde schaden dem Land auf dem sie leben. Pferdeweiden die pferdegerecht sind gibt es quasi nicht. Alle vertretbaren Kompromisse sehen immer so aus, dass sie entweder unheimlich arbeitsintensiv sind oder die Vegetation wirklich leidet – in den meisten Fällen sogar beides.

    Das ist nur eine ganz kleine Auswahl an Gründen, die machen, dass ich bei der Fragestellung WELCHE Tiere (wie gesagt, ob Tiere überhaupt notwendig sind, kann ich nicht beurteilen), ganz klar "Rinder!" antworten würde.

    Natürlich kann und will man keine Highend-Schwarzbunte extensiv halten und irgendwas ziehen lassen, aber gerade bei den Rindern gibt es einige sehr alte Rassen die sich dadurch auszeichnen, dass sie mit Extensivhaltung prima klar kommen, nicht so wahnsinnig groß (schwer) sind wie moderne Hochleistungskühe, wegen nicht vorhandener Spezialisierung auf Milch- oder Fleischleistung lange nicht so krankheitsanfällig und vor allem sehr viel langlebiger sind als "normale Rinder".

    Es gibt quasi keine Nische (wie z.B. Moorböden, sehr karge felsige Gegenden usw.) in der nicht mindestens 2-3 Rassen wirklich gut klar kommen.

    Was die "Motivation" angeht: Die Rinder von Leuten, denen was dran liegt, sind allesamt gut erzogen und würden für eine Hand voll trockenes Brot alles tun…

    Vielleicht hilft das ja irgendjemandem weiter :)

    1. Thorsten

      Ahoj Lena,

      warum plaedierst Du fuer die Haltung von alten Rinderrassen und nicht fuer die Haltung unempfindlicher Pferderassen? Deine Erfahrungen mit Pferden kann ich ueberhaupt nicht teilen. Mein Nachbar und ich halten Pferde gemischt mit Rindern, die Weiden werden so hervorragend genutzt, es wachsen nur wenig Baeume hoch. Von hoeheren Tierarztkosten bei Pferdehaltung habe ich nie etwas gemerkt – vermutlich weil ich nicht so ein Brimborium um mein Arbeitspferd gemacht habe wie die meisten Reitpferdezuechter – gleichwohl hat meine Stute das hohe Alter von 29 Jahren erreicht. Vielleicht stimmt etwas mit Deiner Weidewirtschaft nicht, es wachsen keine standortgerechten Pflanzen dort, die die dort weidenden Tiere mit den noetigen Minealien aus dem Boden versorgen koennen und die unempfindlich sind gegen Trittschaeden. Eine robuste Weide sollte auch von Pflanzen bewachsen werden duerfen, die auf den ersten Blick keinen grossen Nutzen, z. B. Futterwert aufweisen, so eine Pflanzengemeinschaft ist relativ unempfindlich und braucht kaum zusaetzliche Eingriffe durch den Menschen – man muss nur bereit sein, mit einer geringeren Besatzdichte zufrieden zu sein.

      Mit Moorboeden sehr gut klar kommen im uebrigen Wasserbueffel, die man auch recht gut als Zugtiere einsetzen kann.

  4. Kerstin

    Mit euch ist es immer spannend :)

    Es gibt ganz hübsche Ölpressen für den Heimgebrauch mit Manpower. Auch Flockenquetsche und Mohnpresse sind für den Eigenbedarf wurderbar. Das Problem ist immer die Menge. Nicht umsonst kranken die meisten Milchbauern. Teure Technik zum Melken, Medikamente usw, damit die Milch billiger und mehr wird. Die Kuh gibt dann 10000l und gebracht hat es nichts, ausser Kosten. Die Frage ist nicht mit oder ohne Maschine, sondern Qualität zu gutem Preis, sprich Anbau nach der guten fachlichen Praxis. Nur die meisten Bauern begreifen das nicht. Es darf ja kein Kraut mehr auf der Wiese sein, damit das Energiegras die Schafe ja vollstopft und gleichzeitig jammern alle über die Tierarztkosten. Keine dieser Kurven steigt nur exponentiell, sondern fällt wieder und das drastisch. Die Technik für schonendere Bearbeitung gibt es ja. Ob breitere Schlappen für den Trecker oder Leguminosen als Vorfrucht oder Permakultur oder oder. Solange unendlich viele Idioten für das GANZE Hühnchen nur 2 Euro bezahlen wollen und der Pack Mehl nur 55 ct kosten darf, der BMW aber problemlos ein paar Hundert verschlingen darf, wird die Erde samt ihren Lebewesen ausgebeutet werden. Ich bin gespannt, ob ihr Tiere anspannen werdet und ich bin gespannt, wieviel ihr damit mehr produzieren werdet. Anbei kann ich zB auch Eichelmehl und Öl nach Dr. Markus Strauss empfehlen, um den Getreideanteil zu senken. Wie immer liegt ein grosser Teil der Lösung in der Vielfalt der Wege nach Rom.

  5. waugi

    ich muss gestehen ich hab mir jz nur den Artikel durchgelesen u nicht auch noch alle Kommentare jedoch besitze ein bio Landwirtschaft habe aber alles auf Pferde umgestellt …. (Pferdeeinstellbetrieb , arbeiten tu i mitn Traktor:) ganz so einfach ist es jz nicht das man alles per Hand macht ich hab eine kleine Landwirtschaft (kl als 30ha mit Wald) ich verwende mein heu einstreuen tu i Sägespäne was i von der Tischlerei im ort beziehe (stroh muss i wenn kaufen da ich das bei uns ned rentiert zum anbauen)…. also wir achten sehr auf unseren boden u unseren wald u verwend alles was bei uns wachst jedoch bezweifle ich stark das ich das ganze winterholz nur mit die Pferde rausziehen könnte beziehungsweise die Heuernte mit Traktoren schon mehrere Wochen in Anspruch nimmt im jahr u ich zu meinen teil noch so viele anderen arbeiten nachgehen muss/will das das die Wirtschaftlichkeit komplett zusammenhauen würd…. ich für meinen teil kann sagen das es so am wirtschaftlichsten u am ökologischsten so vereinbart is bei mir wies geht ohne das man sich körperlich umbringt aber auch ned die wiesen u felder zerstört… man muss halt immer einen guten Kompromiss machen wir verwenden Bsp. kleine Traktoren u haben bei manchen Maschinen die man nur saisonal braucht eine Gemeinschaft mit anderen betrieben …..

    zu der Vorstellung das Pferd zieht nur ein paar stunden das holz heraus is nicht ganz richtig Holzrückpferd sind in einen harten Training u kann man in etwa mit Gewichtheber bei den Menschen vergleichen die brauchen da hartes jahreslange Training damit die das holz aus abfälligen Gelände mir nicht dir nichts rausziehen können was zeit Geld u aufwand bedeutet …. mein Gedanke zu guter Letzt jeder muss für sich selbst entscheiden ich habe für mich einen guten Kompromiss der mich u meine Pferde glücklich macht :D

    ich finde euer Projekt toll u lese jeden Artikel u geb das erstemal meinen Senf dazu :)

  6. Robsn

    Moin,

    also ich habe nur die ersten drei oder vier Kommentare gelesen, trotzdem möchte ich dazu etwas sagen.

    Zum ersten, kann ich Lisas Gedanken sehr gut nachvollziehen. Ich arbeite als Gemüsegärtner in einer kleinen Bioland-Gärtnerei am Stadtrand von Bremen. Unser Betrieb hat ca. 1 ha, wovon die Hälfte unter Glas und der Rest Freiland ist.

    Wir versuchen, so viel wie möglich von Hand zu machen, aber das ist nicht zu bewältigen. Und das, obwohl wir viele Leute sind (mag vielleicht nicht ganz so schnell gehen, weil von diesen vielen Leuten die meisten unmotivierte 1-Euro-Jobber sind). Trotzdem kommen oft die beiden Traktoren, der Rasenmäher oder der Freischneider zum Einsatz. Das liegt leider einfach daran, dass es eine Erwerbsgärtnerei und ab 15 Uhr keiner mehr da ist.

    Wenn ich mir nun vorstelle, dass dieser Betrieb von einer 4-köpfigen Familie für die Eigenversorgung betrieben würde, bedeutete das: jeden Tag mindestens 12 Stunden harte, körperliche Feldarbeit und/oder Verarbeitung der Ernteprodukte. An Urlaub oder Freizeit ist da nicht zu denken. Und im Winter wirds übel, wenn man keine Früchte angebaut und eingemacht hat, da muss man dann von Feldsalat und Spinat leben (ganz krass gesprochen ;) ) oder feste heizen, was den Finanzrahmen definitiv sprengen würde.

    Persönlich bin ich der Meinung, dass wir definitv weg müssen von den Großbetrieben und zurück zu vielen Kleinbauern. Sonst seh ich für unsere Landwirtschaft und Gesundheit keine schöne Zukunft, ganz zu schweigen von der Umwelt.

    Ein weiterer guter Lösungsansatz wäre der Schritt hin zum Pkw-Verbot (erstmal nur die Pkw!). Wenn du als Person von A nach B kommen willst, dann musst Du eben Deine Muskeln anstrengen (oder Dein Hirnschmalz oder beides.). Dann die Landflucht stoppen und die Städte verkleinern und die ganzen Menschen nicht ballen usw.

    Ich schweife aus und um das Thema abzuschliessen: es ist nicht so einfach, aus dem maschinisierten Teufelskreis herauszukommen, vor allem, weil kaum jemand sich schmutzig machen oder richtig arbeiten will und kann…

    Wer gute Ideen und Lösungsvorschläge hat, bitte immer raus damit :D

  7. alexandra kraft

    HALLO MICHAEL UND LISA!

    erstmals , finde ich eure experiment wenn mans jetzt noch so nennen kann ganz toll! immer wieder lese ich die inhalte in euren blog. wir (mein mann und ich) haben uns selber vor 3 jahren den traum vom eigenen "bauernhof" verwirklicht ! leider nicht in einer abgeschiedenen waldrandlage wie wir es eigentlich wollten:-) wir leben im nördlichsten waldviertel genauergesagt 5 minuten zur tschechischen grenze! ich hoffe nächstes jahr endlich mit meinen geplanten gemüsegärtchen anzufangen da bis jetzt alles arbeit und zeit ins haus flossen ! auch wir haben vor soweit es geht unnötig geld auszugeben . obwohl es manchmal mit kindern nicht so einfach ist! in unsren haus befindent sich ein über 100 jahre alter brotbackofen mit dem ich versuchen werde selber brot zu backen ( dauert noch etwas da der rauchfang weggerissen wurde). ansonsten hoffe ich noch viele tolle sachen von euch lesen zu dürfen und wünsche euch viel glück fürs weitere !liebe grüße aus dem waldviertel in österreich (niederösterreich) °! alexandra

  8. Elmar

    Ich würd mir da über einen selbstgebauten, solarbetriebenen Traktor/Arbeitsmaschine Gedanken machen. Hab da im Internet was gefunden, aus einem alten Rollstuhl, ein paar Metallrohren und 2 Batterien. Leicht (Boden wird kaum verdichtet), leider nicht wirklich schnell (das is aber ein Pferd auch nicht) aber jeden Fall umweltfreundlich und abgasfrei. Optimal wenn mal was zu schwer oder zu groß zum Transport ist. Und wenn Ihr den gerade nicht nutzt, bleibt zumindest etwas Strom übrig…

    lg und Gutes Gelingen!

  9. Andreas

    >>Was meint ihr dazu? Können Menschen gemeinschaftlich so anpacken ohne sich (körperlich) aufzuarbeiten? <<

    Ja, ich bin der Meinung es geht. Hier wurde ja schon viel dazu geschrieben. Ich denke, man könnte alles per Hand machen, selbst das Pflügen (Umgraben). Ich sehe es einfach so, das Arbeitskräfte, die in der Industrie wegfallen, in der Landwirtschaft aufgefangen werden könnten. Die Gedanken, Städtisches Territorium auch zur Nahrungsgewinnung heran zu ziehen, teile ich. Technische Geräte finde ich okay, wenn von Muskel- Wasser- oder Windkraft betrieben.

    Die Erträge der Landwirtschaft müßten auch längst nicht so hoch sein, wie im Moment. Ein Teil der Ernte wird oft schon beim Erzeuger, ein weiterer im Handel und große Teile noch mal beim Endverbraucher vernichtet.

    Wie schön wäre eine Welt ohne Motorenlärm und nächtlichen Lichtsmog!

  10. Stefan Müller

    Hallo Michael,

    Ja ich habe hier alles gelesen, und bin mit ziemlich allen Meinungen hier genauso Eurer Meinung,wir müssen

    zu einem viel nachhaltigerem Leben zurück kehren, kein Mensch braucht einen Traktor mit riesiegen Reifen und imensen PS Zahlen,der etwa 50.000 EUro und mehr kostet, ein kleiner alter Porsche Traktor,

    den man sich untereinander auch teilen kann und auf Gebrauchtmärkten Flohmärkten einfache Geräte ergattern wie Heuwender alter Pflug,und diverse Kleingerätchen, alles was noch mehr mechanisch ist, und mit sehr schmalen Reifen bestückt ist, um nicht zu viele Fossile Recourcen zu verbrauchen. Aber werden solche Menschen den Egoismus ablegen, die meinen sie bräuchten einen größeren Traktor, Mähtrescher, und starken Geländewagen, mit dem diese Herrschaften auch noch im Wald herunheizen können…

    und die Tiere verschrecken, genauso bin ich der Meinung, dass es keine Jäger braucht, die unsere lieben Tiere abschießen, und sich dafür noch Trophäen an die Wand hängen, jedes Lebewesen hat das Recht zu leben, und wenn die Natur meint es sei an der Zeit, dann wird sie es von selbst regeln einen Überbestand einzudämmen, aber nicht durch Menschenhand, heute nennt der Mensch es ja schon Sportschießen, Tiere zu töten, anders waren die Indianer, sie haben die Büffel nur erlegt, um zu überleben, und auch nur die Mensge, die notwendig wahren, und sie achteten die Tiere hatten enormen Respekt und Achtung vor ihnen, und baten sie um Verzeihung nach dem erlegen und bedankten sich. Heute wirft der Mensch all überschüssigen Lebensmitteln in den Müll, auch andere Dinge werden achtlos weggeworfen, die noch lange gebraucht werden könnten. Auch könnte man viele leerstehende alte Höfe an Menschen abgeben bevor sie zerfallen, und von anderen Abbruchhäusern Baustoffe hohlen, und sie wieder verwenden, denn vieles davon ist top im Schuß, um zerfallene Gebäudeteile komplett zu erneuern.Was das Essen angeht, muss der Mensch auch nicht andauernd in sich Nahrung reinstopfen, die Folge, er wird nur Fett und krank, und wenn man sich nur mal klar wird, was für Energie in all den weggeworfenen Dingen steckt, was alles dafür verbraucht wurde um diese herzustellen, all dieser unnötige Raubbau der Natur, und was das für Kosten verbraucht, kriegt man nur Kopfschmerzen. Es ist eine Schande, was das Indeviduum Mensch auf Erden anstellt. Überall werden Bäume gefällt, um neue krachmachende Strassen und Einkaufspassagen zu bauen

    große schwere Brücken über Gewässer,u.s.w. aber dass wir den Sauerstoff brauchen, den unsere Bäume produzieren daran denkt der Mensch nicht eine Sekunde,von Betonbrücken und Strassen können wir keinen Sauerstof bekommen, im Gegenteil, der Lärm und Gestank der unzähligen Fahrzeuge machen uns nur krank, die Folge: Krebs, Lärmschädigung, psychische erkrankung, Schlaflosigkeit, aber es gibt ja Ärzte, die verschreiben einen dann Psychopharmaka, und Schlafmittel, und so vieles mehr, was unmengen an Nebenwirkungen hat, die noch mehr krank machen, und all das nur weil der Mensch es immer schön bequem und einfach haben will..!!!Warum sind früher in Oma Opas Zeiten die Menschen viel gesünder gewesen, die keine Erleichterungen hatten, weil sie sich mehr bewegt haben,und nicht durch Abgase und versäuchtes Essen krank wurden, warum werden heute Menschen schon mit Krebs geboren, oder sterben in jungen Jahren daran, oder begehen Ammokläufe, na weil der Mensch einfach nicht für solche Dinge geschaffen ist, die wir heute dem Menschen abferlangen, ob körperlich oder Seelisch.Ich lebe hier in Limburg/Lahn, da ist es so laut vom Strassenverkehr, dass man nervenkrank wird, Abgase schlucken muss, das es einem übel wird, innerhalb einer Stunde rasen bei mir vor dem Balkon gut 150 Autos vorbei in der 30er Zone wohlgemerkt, die Stadt sagt dazu nur, das läge noch im erträglichen, egal ob hier Leben zu Schaden kommt. Glaubt mir, ich bin schon erkrankt habe ein Hirnwasser Leiden, einen kranken Dünndarm, und Depressionen, und soll viele Medikamente einehmen, um all die Auswirkungen zu unterdrücken merkt Ihr was..?? all das verursacht der Mensch..!!

    Ich möchte mehrere Menschen finden, die auch so natürlich leben möchten wie ich, abgelegen in der Natur, selbst versorgen mit einfachen Möglichkeiten, und ohne all die krankmachenden Ursachen wie Dauerlärm und vergaste Luft, aber wo und wie finde ich diese Menschen, die mitmachen.?? Es gibt ja schon Gemeinschaften wie : das Experiment-Tempelhof, Die Über-Lebens-Künstlerin, Die Rebellin auf Schloss Tonndorf, Das Dorf sieben Linden, wovon ich gehört habe.

    Mir währe es halt lieb, etwas hier in meiner Waldumgebung mit gleichgesinten zu finden.

    So, an alle, das wars erstmal.

    lGr. Stefan.Ihr könnt mir auch gern privat schreiben unter: Stefan_mueller.der1@live.de

  11. Siegfried Meyer

    Auch wenn ich gern an alten Motorrädern bastle, machen mir viele technische Geräte tatsächlich Angst, sogar kleine wie z.B. Motorsäge, Flex, Schleifstein, Schredder etc.. In einer Großwirtschaft würde ich nie arbeiten wollen. Ich mache gern alles im Kleinen und von Hand.

    1. Stefan Müller

      Hallo Siegfried,

      Ich habe einen langen Beitrag direkt über Dir geschrieben, kannst ja mal durchlesen, was Dein Spass mit nem alten Motorrad angeht, ich habe auch ein altes Bike, fahre aber nur wenig damit, habe sie selbst mal umgebaut,sie ist sehr schön geworden, wenn Du nicht so weit weg bist, können wir uns ja mal für ne kleine Tour treffen.

      Und ja, es gibt viele Geräte und Maschinen, die einem Angst mit dem Umgang machen.Vieles braucht man auch garnicht.!! Kannst mir auch über meine Email schreiben. Stefan_mueller.der1@live.de

      Gr. Stefan.

  12. stefan

    aloha, schon klar das pferde, kühe, schafe, ziegen, schweine und andere liebenswerte geschöpfe fressen und lebensraum brauchen, unglaublich dass ihr sie bloß darauf reduziert, weg mit den haustieren, was uns einschränkt glücklich und frei zu sein – weg damit, gründen wir einen zoo für ehemalige haustiere!

  13. Clemens

    PS: Die angepasste Technologie bedeutet natürlich auch, Technik weiter zu entwickeln. Gerade Traktoren können sehr bald unabhängig von Erdöl werden. In puncto Treibstoff ist das jetzt schon möglich, in sachen Motoröl müsste man die Alternativen noch forcieren – eben die Technik anpassen…

  14. Clemens

    Die Lösung lautet: Angepasste Technik! Also die Technologien und deren Art und Weise des Einsatzes an den Bedarf und die Notwendigkeit anpassen – an die Bedürfnisse von Mensch und Natur, nicht umgekehrt.

    Der Einsatz kleiner Traktoren ist absolut vertretbar – ich finde es also auch völlig OK, dass Ihr Euren eigenen Garten vom Nachbarn pflügen habt lassen.

    Darüberhinaus wäre es überlegenswert, auf pfluglose Bodenbearbeitung umzusteigen und wieder vermehrt zu grubbern.

    Große, industrielle Maschinen sind abzulehnen, keine Frage. Maschineneinsatz ausnahmslos zu verteufeln finde ich aber ebenfalls nicht richtig. Ist doch nett, dass Euer Nachbar ´nen Traktor und ´nen Pflug hatte und Euch die Arbeit damit abnehmen konnte ;-)

    Seid umarmt und liebe Grüße,

    Clemens

  15. Martin Lade

    Also ich hab von Landwirtschaft keine Ahnung. Aber eines fällt mir auf: Bisher wurde hier nur über Traktor vs. Pferde diskutiert. Dabei hat der Bauer, bei dem die beiden damals arbeiteten, doch 25 Kuh-Stärken im Stall stehen! Früher hatte man doch auch den Ochs vorgespannt und dass es mit Kühen geht, zeigt Edgar Reitz in seinem neuen Film "Die neue Heimat" (http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/hunsrueck/aktuell/Heute-in-der-Hunsrueck-Zeitung-Die-neue-Heimat;art779,2981596).

    Liebe Grüße

    Martin

  16. Klaus

    Wie ich das gerade lese denke ich, hopla, hab ich das geschrieben? Denn es sind genau meine Gedanken. Wir haben auch einen kleinen Hof. 100% verzichten wir noch nicht auf maschinelle Unterstützung. Aber das beschränkt sich auf Rasenmäher, Kettensäge und diverse el. Werkzeuge. Allerdings leben wir auch noch nicht von unserem Hof. Vielleicht schaffen wir das ja doch noch?

    Gruß, Klaus

  17. Thorsten

    Also, eine handdynamische Arbeitsweise auf einem kleinen Bauernhof ist durchaus moeglich:

    Seit 15 Jahren betreibe ich einen kleinen Betrieb von 1o ha mit dem Schwerpunkt Milchwirtschaft ( zwei bis drei Kuehe). Mein Pferd, mit dem ich in den ersten Jahren das Heu gemacht habe (Maehen, Heuwenden und -Rechen sowie Heimfahren, ist inzwischen 27 Jahre alt und auf Rente. Den Mist fuehre ich jetzt per Schubkarre auf die Weide anstatt mit dem Wagen (da laufe ich dann ein paar kilometer am Tag mit der Schubkarreanstelle eines Spazierganges :-), das Brennholz, das ich mit der Handsaege gefaellt habe, trage ich auf der Schulter nach Hause (die Winter in der sogenannten "Kalten Heimat" (Ostpreussen) haben es durchaus in sich), zersaege es dort weiter mit der Handsaege und spalte es natuerlich von Hand. Vorher half mir mein Pferd beim Herausziehen der Baeume. Ein Pferd ist auch ein sehr grosser Helfer im Garten, arbeitet halt schneller als 10 Leute, dafuer aber nicht so genau.

    Ein Pferd, das gut eingearbeitet ist, ist wirklich eine tolle Hilfe. Dafuer sollte es aber auch regelmaessig arbeiten, nicht nur deshalb, um seinen Unterhalt zu verdienen, sondern ueberhaupt im Training zu sein, anderenfalls ermuedet es schnell, wenn Du es nur von Zeit zu Zeit mal hernimmst.

    Meine Erfahrung ist die: mein Pferd hat sich deshalb nicht so sehr bewaehrt, weil ich einen Kleinfamilienbetrieb habe, ich nicht genuegend Zeit habe, mich regelmaessig mit dem Pferd zu beschaeftigen, dagegen ist es, wenn es sich um eine Grossfamilie oder eine Gemeinschaft handelt, eine sehr sinnvolle Bereicherung dieser Gemeinschaft.

    Mit der Sense das Gras fuer die Ueberwinterung einer Kuh oder eines Pferdes zu schneiden, dauert etwa 30 mal so lang als mit dem Pferdemaeher.

    Der Traktor dagegen brachte nur eine etwa 5 mal groessere Vereinfachung/Geschwindigkeit gegenueber dem Pferd bei einem unverhaeltnismaessig groesserem Energieaufwand.

    Das Pferd frisst das, was auf meinem Land waechst, die Tierarztkosten bei meinem Pferd sind zu vernachlaessigen – es kam nur einmal ein Tierarzt in 15 Jahren….

    Lasse Dir nichts von Theoretikern erzaehlen, einfach nach Deinem Gefuehl gehen!

    Ein Pferd ist eine tolle Sache!!!!

  18. monka

    ich glaub ja nicht, dass ihr ernsthaft mit dem gedanken spielt pferde zu halten, möchte aber trotzdem darauf aufmerksam machen, dass mensch den pferden ja erst zeigen muss was sie machen sollen, und da sie wahrscheinlich nicht verstehen werden wozu das gut sein soll (außer möglicherweise ihr vermittelt per pferdeflüsterer) werden sie es nicht gerade gerne machen.

    mein vater hat pferde zum kutschenfahren, waldarbeiten und weingarten umgraben benutzt und ich bin ziemlich sicher, dass es ihnen nicht gefallen hat. es hängt ja bei allen dreien ein ordentliches gewicht dran, wobei das umgraben wahrscheinlich noch am leichtesten ist.

    und selbst wenn ihr ein pferd vorm schlachten retten würdet, wäre es alleine doch ziemlich einsam …

    1. Michael HartlMichael Hartl

      Hallo Monka, danke für Deine Einschätzung. Und super, dass Du Deine Erfahrungen / Beobachtungen mit uns teilst.

      Wir haben uns vorgenommen, uns mit allen Aspekten der Selbstversorgung und der Landwirtschaft völlig unvoreingenommen und ohne dogmatischen Eifer zu beschäftigen. Das Interessante daran ist, dass rein aufgrund der wissenschaftlichen Faktenlage bisher das Beste für den Boden und die Umwelt immer im Einklang mit unseren Idealen ist.

      Und als absolute Grundlage das Handeln an der Erhaltung von Böden und Umwelt auszurichten hat nicht unbedingt etwas mit "grün" oder "verklärt" zu tun, denn die Menschheit sollte z.B. auch schon aus rein egoistischen Gründen einen langfristig lebenserhaltenden Weg einschlagen.

  19. Nico

    hi, danke für die Mühe die Ihr Euch mit den Beiträgen hier gemacht habt. Da kann jeder noch was lernen. Es ist echt erfrischend mal zu lesen wie andere den Kram erklären, die es auch grad erst lernen.

    Meine Antwort zu dem Thema stammt noch aus meiner Zeit vor der Permakultur als ich mich mit der Energiewirtschaft beschäftigt habe. Wenn man sich komplett alle Energiequellen und Technologien anschaut, auch exotische und solche wie Kernfusion, die vielleicht mal funktionieren werden wird klar:

    die automatisierte Landwirtschaft hat kein Zukunft. Sie ist überhaupt keine Option. Theoretisch hätte sie eine Option sein können, aber die Weltwirtschaft hat es leider verpasst frühzeitig Alternative Energien für die Fortführung der maschinellen Landwirtschaft (und alle anderen Bereiche wo Maschinen im Einsatz sind) zu schaffen. Der Zug ist ganz einfach abgefahren.

    Dieses Jahrzehnt wird unsere bisherige Energiewirtschaft zusammenbrechen – das sieht man z.B. ganz deutlich wenn man sich das Thema des "Exponentiellen Wachstums" anschaut und natürlich einfach mal mitverfolgt wie der Zusammenbruch seit einigen Jahren schon abläuft. Für eine neue Energiewirtschaft haben wir jetzt gar keine Inkubationszeit mehr. Vergessen wir nicht: Für die Produktion von Anlagen zur Nutzung von Alternativen Energien benötigt man als allererstes mal – fossile Energien…

    Ich freue mich deswegen tierisch auf die kommenden Jahre, wenn die Maschinen nach und nach stehenbleiben werden und meine Freunde endlich verstehen wovon ich rede und warum es mir nicht zu dumm ist im Garten Blätter zum Essen zu sammeln…

    schon fertig

  20. Permakultur-Blog

    @Stephan:

    "die produkte und waren erzeugt, die als lebensmittel angeboten werden, aber für die menschliche, gesunde ernährung absolut nachteilig sind. Wer braucht actimel, red bull und co?"

    *Zustimm*

    Jedes mal, wenn ich durch den Supermarkt gehe, frage ich mich, wo die Lebensmittel sind. Ich sehe Süssigkeiten, Alkohol, unmengen von Plastik, Berge von sinnlosen Kohlenhydraten und Aromen. Die echten Lebensmittel muss man doch heutzutage schon suchen. Zur Ernährung ist das alles weder notwendig noch sinnvoll.

  21. Stephan Pabst

    nochmal ein kurzer nachtrag:

    den ansatz die Menschen und ressourcen einzubeziehen, die gerade erforderlich sind um den boden und das wasser nachhaltig zu zerstören ist genial – wenn ein landwirt heute über 100 menschen ernährt, dann versorgt er damit eine industrie, die produkte und waren erzeugt, die als lebensmittel angeboten werden, aber für die menschliche, gesunde ernährung absolut nachteilig sind. Wer braucht actimel, red bull und co?

    Leider wird so eine Art der Landwirtschaft von der derzeitigen Agrarpolitik gefördert – Um ein menschenfreundliches, sozial verträgliches und umweltgerechtes Lebensmittelsystem auch politisch zu fordern, haben sich ca. 600 zivilgesellschaftliche organisationen auf die European Food declaration geeinigt. Wer das gut findet kann hier die Petition unterzeichnen: http://www.europeanfooddeclaration.org/.

    Die Steigerung der Produktivität ist leider immer noch eines der Ziele der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik der EU) was angesichts der Zerstörung afrikanischer Milch- Fleisch und Gemüsemärkte durch subventionierte europäische Exporte ein humanitärer Wahnsinn ist!

  22. Stephan Pabst

    @Joel

    um deine Frage mit dem Heu zu beantworten: Früher, also noch in den 50er Jahren, arbeiteten noch 32,3 % der Bevölkerung Österreichs in der landwirtschaft, heute sind es 4,7% – mein Opa hat noch Heu auf sogenannte Hiefel gepackt, so dass es auch im Regen draußen bleiben konnte ohne große Qualitätsverluste, und dann wurden die Hiefel mit dem Pferdewagen eingesammelt.

    @Lisa: Moderne Pferdearbeit ist möglich, sogar Rundballenpresse am Vierspänner ;-))
    http://www.starke-pferde.de/Pferdearbeit/Landwirt

    Reifendruck zerstört Bodenleben. Das ist ein faktum – deshalb setzt die "moderne" Landwirtschaft ja auch auf einige Tricks, um den Ertragsrückgang der mit einer derartigen Bodenverdichtung einhergeht, sowie das damit verbundene aufkommen von Problemunkräutern wie Ampfer oder Disteln – zu überbrücken. Herbizide und mineralische Düngemittel (NPK)ernären die Pflanzen und hinterlassen einen toten Boden, der arm an Humus und Bodenlebewesen ist. Diese beiden Wachstumsfaktoren tragen nachweislich zu einer nachaltigen Ertragssteigerung bei, die aber mit einer Landwirtschaft, die auf künstliche, externe Inüputs die auf Erdöl basieren (Dünger und Spritzmittel)nicht mithalten kann.

    Sowohl der Weltagrarbericht als auch folgende Studie belegen, dass kleinbäuerliche und ökologische Landwirtschaft die Welt ernähren kann. Schon derzeit ernährt "Unsere" industrielle Landwirtschaft erst 1/3 der Menschen – 2/3 werden bäuerlich ernährt –

    nachzulesen unter:
    http://www.weltagrarbericht.de/ http://www.etcgroup.org/upload/publication/pdf_fi

    Ich finde deinen Impuls, Lisa sehr spannend; finde, dass es nicht nur um die Frage geht ob wir genug zu essen haben, wenn wir die Maschinen weglassen, sondern, welche Art von Leben wir uns vorstellen – wie groß der Anteil ist, den wir für unsere Ernährung aufbringen wollen. Die Ausgaben für Nahrungsmittel haben sich in den letzten Jahrzenten immer mehr verringert – derzeit ca. 5% des BIP – der Stellenwert der Nahrungsmittelerzeugung ist außer in Feinkostläden nirgends wirklich spürbar; Es ist, meine ich, Zeit das die KonsumentInnen auch zu BesorgerInnen werden und die Produzentinnen zu VersorgerInnen. Der Schüssel zu einer solchen Ernährngswirtschaft liegt meines erachtens in der vernetzten Kommunikation zwischen diesen beiden Partnern. Stadt und Land müssen wieder zusammenwachsen – wenn schon nicht räumlich, dann virtuell, durch Kontakt, Beziehung, Vernetzung – Warum kennt kaum jemand einen der BäuerInnen, die die Lebensmittel herstellen? Wer weiß wie das geschieht und kann auswählen, ob die Nahrung, die er/sie isst tatsächlich umwelt- und menschengerecht produziert wurde?

    ein Beispiel, wie das möglich werden kann sind sogenannte food-koops (lebensmittelkooperativen) wie es sie in wien derzeit in 3 Bezirken gibt (bioparadeis im 9., fresskorb im 14. und speis im 8.)wo 30-40 Menschen sich direkt beliefern oder beliefern lassen, einmal die woche einen abholort für lebensmittel haben und rotierende ladendienste. Exkursionen und arbeitseinsätze bei den Versorgenden Betrieben gehören fix dazu.

    das nur ein paar impulse – freu mich, dass hier so eine spannende diskussion stattfindet

  23. CH

    @Joel: Beim überbetrieblichen Maschineneinsatz hat man halt auch das Problem, dass man sich absprechen muss. Und dann greift wieder das Qualitätsargument, das du beim Heu angebracht hast. Man kann eben nur zu bestimmten Zeiten mähdreschen/ackern/was auch immer, und wenn es dann schon wieder regnet, wenn man den Schlepper kriegt, ist das ein Problem.

    Bei der Jagd nach immer größeren Maschinen stimme ich dir allerdings zu, das müsste nicht sein.

    @Michael: Ich denke, man muss da ein wenig nach der Kultur differenzieren, in der man lebt. Bei uns bringt ja z. B. auch der Biolandbau (meist) weniger Ertrag, während er in anderen Ländern eher ertragssteigernd wirkt (habe ich zumindest so gelesen). Wenn man mal nach "produktivität landwirtschaft" sucht, findet man Zahlen, wie viele Menschen ein Landwirt 1950 ernährt hat (10), und wie viele er 1996 ernährt hat (104). Die Bevölkerung hierzulande ist eben auch gewachsen seit der Zeit, zu der noch Subsistenz herrschte, und daher muss meiner Meinung nach die Produktivität einfach höher sein als früher, damit unsere verstädterte Kultur überhaupt ernährt werden kann. Ansonsten müssten wir alle dazu übergehen, wieder unser eigenes Stück Land zu bewirtschaften, und ich weiß nicht, ob dafür die Fläche reicht…

    1. Lisa PflegerLisa Pfleger Beitrags Autor

      Hallo und danke erstmal für die anregende Diskussion :)

      @CH: Da gebe ich Dir recht, auf den einzelnen Landwirt gesehen ist das so sicher richtig. Jedoch wenn man den Rattenschwanz bedenkt, der da heute noch dran hängt sieht das schon wieder anders aus. 1950, angenommen, der/die LandwirtIn macht alles händisch, kann 10 Menschen ernähren, find ich realistisch. Heute werden aber Maschinen benutzt, zu deren Herstellung viel mehr Menschen involviert sind als der Landwirt selbst (Ölförderung + Raffinerie + Transporte, Förderung von Eisenerz für den Traktor, Gummi für die Reifen + die jeweilige Verarbeitung, Transport und so weiter, die Liste lässt sich noch unendlich ausbauen und weiterführen). De facto ernährt also nicht der Landwirt allein, heute mehr als 104 Menschen sondern daran sind viel mehr Menschen und auch Ressourcen beteiligt. Dazu kommt noch – weil du die Produktivität der Bio Landwirtschaft angesprochen hast – dass auch die Herstellung von Dünge- und Spritzmitteln in der konventionellen Landwirtschaft wahnsinnig viel Energie frisst.
      Dem gegenüber haben wir nun den einzelnen Menschen mit ein paar (Hand)Arbeitsgeräten stehen, der auf Dünger verzichtet, Saatgut vielleicht sogar zum Teil selbst vermehrt usw.
      Dazu kommt, auch noch die Frage WOVON die zehn Menschen damals ernährt wurden. Bekanntlich stecken in einem Kilo Fleisch bis zu 16 Kilo Getreide, Soja, oder ähnliches welches man auch direkt und ohne über diesen Umweg zu sich nehmen könnte.

      Ich weiß auch nicht ob es wünschenswert ist, dass wir alle wieder unser eigenes Stück Land bewirtschaften, da Arbeitsteilung durchaus Sinn macht und wir auch noch andere Berufssparten brauchen, aber es gibt auch sinnvolle Möglichkeiten die man in der Stadt hätte: zB: eine Stadt wieder grüner (also wirklich im Sinne von grünen Flächen) zu gestalten, Obstbäumen und essbaren Pflanzen die durchaus Zierwert haben können oder auch sollen den Vorzug zu geben (mehr Öffis + Radwege, (weniger)keine(!) Autos – und stell sich eine/r vor, was man aus Parkplätzen alles machen könnte :) Innenhöfe nützen, Essbares an Hauswänden hochwachsen lassen, Dächer begrünen (und bewirtschaften)… es gäbe zig Möglichkeiten.

  24. Permakultur-Blog

    Naja, Landwirtschaft ohne schweres Gerät wird noch heute in den meisten Ländern der Welt betrieben und ernährt dort auch die Menschen.

    Traktoren haben sich in Deutschland ja auch erst in den 50ern und 60ern durchgesetzt, man muss also gar nicht so lange zurück schauen, um zu sehen, wie es auch geht.

    Die Frage ist immer: stecke ich mehr Energie rein, als ich raus bekomme, oder bekomme ich mehr raus, als ich reinstecke. Und da sieht es bei den Maschinen meist sehr schlecht aus.

    Ansonsten gibt es natürlich immer alternativen wie z.B. Wasserkraft. Eine Mühle kann nicht nur Mahlen, sondern über Keilriemen auch große Maschinen auf dem Hof antreiben. Z.B. automatische Drescher.

  25. CH

    Ich bezweifle, dass bei einer Rückkehr zu alten Methoden alle Menschen auf der Welt ernährt werden können. Wie soll das funktionieren, wenn jeder nur gerade genug für sich selbst erwirtschaften kann? Natürlich klingt die Vorstellung von Ackergäulen usw. romantisch, aber ich befürchte, sie ist auch nicht mehr als das.

    1. Michael HartlMichael Hartl

      @CH: Die jetzige Methode (auf Öl basierende Landwirtschaft) ernährt nicht alle Menschen. Vor allem, weil wir landwirtschafltiche Selbstversorgung in immer mehr Regionen der Welt durch Marktmechanismen wie Exportsubventionen zerstören. Mit einem hohen Selbstversorgungsgrad der Bevölkerung könnte die Ernährungssicherheit so gut garantiert werden, wie über kein anderes Verfahren. Und das ohne Öl-Abhängigkeit, umweltschädigende Maschinen und lebensvernichtenden Gifteinsatz.

      Landwirtschaft ohne motorisierte Maschinen bedeutet ja nicht, dass eine Person nur Lebensmittel für eine Person herstellt. Wie kommst Du auf diese Idee?

  26. Sabine

    "Was meint ihr dazu? Können Menschen gemeinschaftlich so anpacken ohne sich (körperlich) aufzuarbeiten?"

    Die Antwort ist ganz einfach: Nein, das geht nicht! Wenn du mir nicht glaubst, probier es einfach mal aus eine Saison als Erntehelferin auf einem Bergbauernhof zu arbeiten … da muss aus Gründen der Lage sehr oft noch mit der Sense gemäht werden, usw. Also genau das was du dir vorstellst. Und da man in der Regel als solche HelferIn nichts bezahlt bekommt, sondern das Ganze ehrenamtlich macht, wird man auch nicht allzu stark hergenommen. Ausserdem kannst du auch nur für zwei Wochen arbeiten oder so … sozusagen ein Arbeitsurlaub. Die Bauern freuen sich darüber, dass ihnen überhaupt jemand zur Hand geht und verlangen nicht zu viel. Doch selbst dieses Wenige hat es in sich!

    Ich garantiere dir nach diesem Versuch wirst du die Sache mit der Landwirtschaft realistischer sehen ;-)

    1. Michael HartlMichael Hartl

      @Sabine: Also ich mähe auch mit der Sense und ich kenne Leute, die mähen noch viel mehr als ich mit der Sense – und niemand von denen arbeitet sich körperlich auf. Finde Dein Beispiel daher nicht so schlüssig. Und Bergbauernhöfe in schwierigen Lagen bräuchten wir nicht, wenn wir, wie im Artikel angedeutet, aufhören würden, tierische Produkte herzustellen. Denn nur wegen diesen brauchen wir Nutzflächen ohne Ende…

  27. Joël

    Ich bin relativ unwissend, was Landwirtschaft anbelangt, aber soweit ich weiß ist der "Ernteerfolg" beim Heu nur dann da, wenn es trocken bleibt, oder? Insofern ist der Maschineneinsatz "sinnvoll", weil es eben schneller/mit weniger Personneneinsatz geht als per Muskelkraft.

    Die Frage, ob weniger Menschen in der Landschaftwirtschaft tätig sind, weil die Maschinisierung kam oder oder der Personalmangel einen verstärkten Maschineneinsatz gebracht hat, ist ein wenig wie die nach Huhn und dem Ei.

    Interessant finde ich auch die Möglichkeit, wenn mehere landwirtschaftliche Betriebe verschiedene Maschinen gemeinsam anschaffen – dann werden wenigstens zur Herstellung weniger Ressourcen verbraucht. (Achtung, Hörensagen:) Leider gibt es die "Unser Fahrzeug soll größer/teurer sein das das von den Nachbarn" auch auf dem Land, so dass teilweise unnötig große Traktoren angeschafft werden. (Hörensagen Ende)

    Allein mit menschlicher Muskelkraft arbeiten? Hängt auch davon ab, wie die Erntekräfte bezahlt werden. Dieser ethische Aspekt sollte meiner Meinung nach auch nicht unterschätzt werden!

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