Tomaten für die Welt!

Wie man Tomaten für den Heimgebrauch vermehrt.

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
7. Oktober 2012

Letzte Woche, bevor ich wieder ins Krankenhaus musste – wo ich mich aktuell auch noch befinde – habe ich zu Hause mein erstes Tomatensamen Experiment gestartet.

Tomatensamen zu gewinnen ist zwar etwas mehr Aufwand als die Samen einfach nur wo raus zu schütteln, aber es ist eine ganz spaßige Angelegenheit wie ich finde :)

Tomatensamen – Vermehrung leicht gemacht

Das praktische an Tomaten – oder „Paradeisern“ wie viele hier im österreichischen Raum sagen – ist, dass man kaum Probleme mit Verkreuzungen hat. Oft hat man bei Gartengemüse das Problem, oder eher die Herausforderung, dass Sorten sich verkreuzen und dann irgendwas raus kommt. Uns ist es zB mal passiert, dass sich Zierkürbisse in Speisekürbisse eingekreuzt haben, die irgendwo am Grundstück aufgegangen sind. Das Ergebnis: Vermeintliche Speisekürbisse die furchtbar bitter und somit ungenießbar waren (zum Schnitzen allerdings noch gut genug ;)).

Aber zurück zum positiven: Tomaten sind easy peasy! Da sie Selbstbefruchter sind (die Befruchtung findet bereits in der geschlossenen Blüte statt) besteht kaum Gefahr einer Verkreuzung (wenn man zB mehrere Sorten hat wie gelbe Cocktail Tomaten und große violette Fleischtomaten etc…). In seltenen Fällen könnte es passieren dass zB eine brummelige Flauschihummel auf der Pflanze landet und die Blüten aufbeisst aber so what.

Jetzt bin ich wieder abgeschweift, sorry ^^ Also! Zum Wesentlichen:

Schnapp Dir eine (oder mehrere, je nach Bedarf) sehr reife Tomate Deiner Wahl, aber keine faulige/schimmelige! Wichtig noch vorab: Es darf keine F1 Hybridsorte sein! Die Pflanzen und deren Früchte die Du aus den Samen ziehst sind nicht stabil, sprich die Sorteneigenschaften sind unter Umständen ganz anders oder schlimmstenfalls hast Du nur Minifrüchtchen. Achte also auf das Etikett – meist sollte genügen wenn Du die Bezeichnung „F1“ nirgends lesen kannst und idealerweise steht was von „samenfest“ drauf.

Dann: Die glimmbrige Masse mit den Kernen rausquetschen oder löffeln und in ein Glas geben. Ein paar Schluck Wasser dazu und eine Prise Zucker dazu. Letzteres muss nicht sein, unterstützt aber den folgenden Vorgang…

Der Zauber der Milchsäuregärung

Das ganze bleibt dann 1-3 Tage bei Zimmertemperatur stehen. Ich hab zusätzlich noch Küchenkrepp mit einem Gummiband oben drauf gegeben, damit sich nicht zig Obstfliegen darin ertränken, weil die stehen natürlich voll da drauf…

Einmal am Tag umrühren bitte damit sich kein Schimmel bildet. Was sich trotzdem bilden kann ist eine Hefeschicht – bei mir war das der Fall. Dann schwimmen so kleine weiße Häutchen drauf aber man kann sie recht gut von Schimmel unterscheiden. Leider hab ich kein Foto davon… ich versuch dran zu denken, wenn es noch mal vorkommt.

Die Samen, die zuerst mit der Glibbermasse oben schwimmen, sind dann fertig wenn sie nach unten sinken. Dann kannst Du es noch testen indem Du einen Samen zwischen den Fingern reibst. Er sollte frei von Glibber sein und sich samtig-rauh anfühlen :)

Info: Warum die Glibbermasse entfernen?

Diese Glibberschicht ist eine Schutzschicht, die keimungshemmend wirkt. Deren Zweck in der Natur ist, dass die Samennicht zu früh aufgehen und die Keimlinge dann möglicherweise erfrieren. Diese Schutzschicht entfernt man mit der hier beschriebenen Methode. Im Endeffekt erhöht man damit die Keimfähigkeit und die Geschwindigkeit der Keimung der Tomatensaat. Bei Aussaat von vielen Samen wird damit auch eine gleichmäßigere Keimung erzielt.

Tomaten Saatgut gewinnen

Der letzte Schritt ist, das Glas mit Wasser aufzufüllen, die Samen wieder sinken zu lassen und dann das Wasser mit dem „Glibber“ (der hat sich ja eigentlich zersetzt) vorsichtig abzugießen. Dann wieder mit Wasser auffüllen, abgießen auffüllen…. So oft wiederholen (bei mir wars so 5-8 mal) bis das Wasser ganz klar ist. Dann die Samen in einem Sieb abtropfen lassen und luftig trocknen (am besten rasch innerhalb von 2 Tagen).

Ich hab sie auf ein Holzbrett „aufgestrichen“ (dachte am Küchenkrepp kleben sie dann vielleicht fest). Die Arche Noah empfiehlt maximal einen Kaffeelöffel in einen Kaffeefilter zu geben und auf eine Schnur zu klammern.

Wichtig noch während des ganzen Prozesses, wenn man mehrere Sorten verarbeitet: Alles gut beschriften damit man auch nachher noch weiß was was war :) Außer man legt keinen wert drauf, kommt ja auch immer auf die individuellen Bedürfnisse an ;)

Jaaa probiert es aus, mir hat es unheimlich viel Spaß gemacht, vielleicht gerade deswegen, weil man eben etwas zaubern muss anstatt einfach nur trockene Samen wo rausrieseln zu lassen :))

Viel Spaaaß und wie immer her mit euren Erfahrungen, Tipps und freudigen Erlebnissen! Ich Grüße einstweilen noch aus dem Krankenhaus, wo ich gut umsorgt werde und Essen ans Bett bekomme. Bis demnächst! :)

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24 Gedanken über “Tomaten für die Welt!

  1. Monika

    Hey,
    ich habe heuer zum ersten Mal im Garten ganz viele verschiedene alte Tomatensorten von der Arche Noah und jetzt werden die ersten reif :) Jetzt war ich auf der Suche nach ein paar Tips, wie ich am besten Saatgut zur Erhalt der Sorten auf unserem Biohof gewinnen kann. Da bin ich auf diese Anleitung gestoßen. Find ich toll – werde ich jetzt gleich probieren :)
    Dankeschön also für die Anleitung :)

    1. mrbleistift

      Hallo,

      hier ein Tip, für alle die sich für samenfeste Sorten interessieren.
      Ich bin selber begeisterter Selbstversorger, was Die Samen betrifft.
      Es ist allerdings heut zu Tage nicht einfach die richtigen samenfesten Sorten oder überhaupt welche zu finden. Mein Tip, Bingenheimer Saatgut AG. Ich bestelle seit 2 Jahren da und bin sehr zufrieden. die BSAG hat nur samenfeste Sorten im Angebot. Ich bin zur Zeit noch in der Testphase, welche Tomaten mir am besten schmecken.Dieses Jahr war Black Cherry und Pilu dran. Die Black Cherry schmeckt grandios!

      MfG
      MMI

  2. Katharina

    Hey!

    Ist zwar schon ein etwas älterer Artikel, aber trotzdem noch eine Idee dazu: Wer in Herbst seine übrig gebliebenen Tomaten nicht vewertet (einlegen, rot werden lassen…), kann sie einfach so wie sie sind in ein
    Beet werfen und ein bisschen einhacken. Dort gehen im Frühjahr Tomaten auf. Und diese Tomaten – so war es zumindest bei mir immer – wachsen viel schneller, als gekaufte oder im Haus vorgezüchtete. Sie neigen auch weniger zum „schießen“, bekommen also dickere Stängel und fallen nicht so leicht um. Vielleicht mags jemand ausprobieren, anstatt übrig gebliebene Tomaten wegzuwerfen!

    Aber Vorsicht: Niemals Tomaten mit braunen Flecken verwenden, besonders wenn der Tomatenstrauch auch schon teileweise braun war. Das ist eine Braunfäule und kann im Folgejahr den gesamten Bestand an Tomaten und Kartoffel dahinraffen! Davon befallene Pflanzen gehören in den Restmüll!

    LG aus NÖ!

      1. Harry

        Ja, dass Tomaten aus dem Samen des Vorjahres aufgehen erleben wir jedes Jahr. Sei es, dass die Samen aus dem Kompost auf die Beete gelangen, oder es sind Tomaten, die im Vorjahr abgefallen sind und dann im Herbst untergegraben wurden.
        Wie dem auch sei. Es werden Tomatenpflanzen daraus.. Aber sehr kräftig sind die nicht gerade. Vielleicht weil wir die ja nicht umsetzen? Aber was nützt es?????????????? Sie sind eh viel zu spät und deren Früchte werden kaum noch reif.
        Was meint Ihr dazu?

  3. Pingback: Jetzt heißt es wieder Saatgut selbst vermehren!

  4. Pingback: Ich will meeeehr!

  5. saradieschen

    cool, danke fuer die erfahrungen!

    ich habe von mini-tomaten vom markt die ich letztes jahr sehr lecker fand einfach bisschen saatgut mit einem teeloeffel auf ein kuechenpapier gestrichen.

    hat gut geklappt, die pflaenzchen aus diesen samen stehen nun gluecklich auf der fensterbank :)

    aber gerade fuer groessere mengen werde ich das hier mal ausprobieren!

  6. Pingback: Eigene Gemüse-Samen für’s nächste Jahr extrahieren – es ist noch nicht zu spät « aktionissimus

  7. Lisa

    Wir haben auch ein Jahr lang die Samen nur auf eine Zeitung/Serviette/Küchenrolle gestrichen, ohne sie in Zuckerwasser gären zu lassen. Viel Spaß beim Runterlösen :(

    Die Gärung entfernt das Fruchtfleisch, das noch dran ist:

    – die Samen lassen sich nach dem Trocknen viiiiel leichter runterlösen von Papier/Brett etc.

    – sie halten länger

    Noch ein Tipp: wir nehmen immer von den allerersten Tomaten die Samen. Das sind die Kräftigsten! Außerdem kann im Herbst schon auch mal die erste Braunfäule drauf sein.

    Gutes Gelingen an alle!

  8. Sarah

    Noch ein tip am Rande:

    Man kann die Samen, um die Keimfähigkeit und Lagerfähigkeit zu erhöhen, nach der Gärung (Lisas Methode) einige Std in Knoblauchbrühe oder Kamillentee einlegen (aber bitte nicht frisch aufgebrüht^^). Dann werden sie desinfiziert.

  9. CityFarm Augsburg

    Auf den Same befindet sich eine Schutzschicht, die keimungshemmend wirkt. Diese ist dafür verantwortlich, dass die Samen in der Natur nicht zu früh aufgehen und die Keimlinge dann möglicherweise erfrieren. Diese Schutzschicht entfernt man mit Lisa´s Methode. Im Endeffekt erhöht man damit die Keimfähigkeit und die Geschwindigkeit der Keimung (Saat geht schneller auf) der Tomatensaat. Aber es ist egal, ob die Samen zuerst auf Papier trocknen und man die Prozedur dann im Frühjahr macht oder eben jetzt schon.

  10. MamaMia

    Wie toll, Danke für den Tipp.

    Wollte eh diese Woche auch zum Ersten Mal meine eigenen Samen ernten. :-D

    Alle sgute wünsche ich Dir weiterhin für Deine Genesung!!!!!!!!!!!!!

    Vielleicht mögt ihr ja mal auf meinen blog gucken, da gehts auch ein bisschen (aber mehr um die alltgälichen Themen bei mir wie Kleinkind, vegane Rezepte, Hund, Garten) um Selbstversorgung – siehe Ernteerfolge!

    Ich möchte das Thema Selbstversorgung im eignene Garten in Zukunft noch ausbauen, weil ich hin und weg war wa sich heuer alles aus dem Garten ernten konnte, als Garten"anfänger"

    Vieeleicht würdet ihr meinen blog ja evtl.a uch verlinken oder so, falls er Euch ein bisschen gefällt.

    GLG aus NÖ

    MamaMia

  11. markus

    Ich habe die Samen auch immer einfach nur getrocknet und es hat bisher gut funktioniert. Aber aus Interesse: Wofür soll der ganze Wasser-Zucker-Usw-Aufwand denn gut sein? Was bringt das für die Samen? Würde mich interessieren…

  12. Steffen

    Soviel Arbeit mache ich mir mit Tomatensamen nicht.

    Man nehme die reife Tomate (am besten die ersten die es so gibt, jetzt ist schon viel zu spät eigentlich) und schneide sie auf. Dann pule man die Kerne mitsamt der glibbrigen Masse raus und teile mit einem Messer immer ein Kern aus der Masse ab. Diesen Kern direkt auf Küchenkrepp oder Klopapier. Den Vorgang so lange wiederholen, bis alle Kerne auf dem Papier sind. Zwischen den Kernen läßt man eien Abstand von 1cm und legt die Kerne am besten in einer Reihe auf. Das Papier kann auf der Fensterbank getrocknet werden (ca. 2 Tage), dann sind Samen und Papier gut trocken.

    Das beste: zum Aussähen schneidet man die Rechtecke einfach durch, so daß man ca. 1x1cm-Blättchen mit je einem Samenkorn in der Mitte hat. Diese Blättchen kommen so wie sie sind in die Pflanztöpfe.

    Das mache ich schon jahrelang so, und habe damit beste Erfolge.

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