Selbstversorgung im Winter

Michael Hartl
Von Michael Hartl
6. Januar 2012

Eine Frage die in Gesprächen und per Email immer wieder bei uns landet ist, was wir denn im Winter essen als Selbstversorger*innen. Eine Frage, die sich für uns nie so wirklich gestellt hat, denn es gibt das ganze Jahr über reichlich. Ansonsten wären ja schon alle unsere Vorfahren jämmerlich verhungert.

Aus dem Ärmel können wir uns jedes Mal als Antwort nur ein paar frische Gemüse, verschiedenes Lagergemüse und unterschiedliche konservierte Lebensmittel schütteln. Eine vollständige Übersicht werde ich auch heute und hier nicht liefern können – aber vielleicht einmal einen Eindruck davon geben, dass bei richtiger Planung und Herangehensweise einiges für Abwechslung sorgt.

Anders als wir es hier auf dem Blog sonst versuchen, wird es heute überwiegend eine reine Auflistung. Als „Winter“ sehe ich nun mal ganz klassisch Dezember bis Februar.

Frisches Gemüse im Winter

Viele der hier aufgezählten Pflanzen können zumindest in der ersten Hälfte des Winters frisch geerntet werden. Die meisten davon sind nach der Ernte vor sehr starken Frösten gut lagerfähig.

  • Rüben
  • Winter-Kohl
  • Kohlsprossen (Rosenkohl)
  • Winter-Blumenkohl
  • Topinambur
  • Winterrettich
  • Knollensellerie
  • Brokkoli
  • Meerrettich
  • Wirsing
  • Feldsalat (Vogerl-Salat, Rapunzel)
  • Pastinaken
  • Porree (Lauch)
  • Steckrüben
  • Grünkohl
  • Asia-Salate
  • Winterlauch
  • Winterportulak (Winterpostelein)
  • Chicoree

Kräuter von der Fensterbank

Kräuter im Topf auf der Fensterbank geben meist keinen so guten Ertrag wie im Freien. Aber wenn draußen eine dicke Schneedecke liegt, ist jeder Ertrag drinnen super!

  • Petersilie
  • Kresse
  • Kerbel
  • Melisse
  • Basilikum
  • Kapuzinerkresse
  • Schnittlauch

Sprossen und Keime

Um den gesamten Winter hindurch sehr nährstoffreiches, frisches Grün zu haben, empfiehlt sich auch das keimen lassen von Saatgut. Besonders dafür geeignet und bekannt sind folgende.

  • Alfalfa
  • Bockshornklee
  • Broccoli
  • Sonnenblumenkerne
  • Kresse
  • Linsen
  • Radieschen
  • Rettich
  • Senf
  • Weizen

Lagerobst und -gemüse

Damit wir als Menschen in Klimazonen mit einem kalten Winter immer besser überleben konnten, haben die Bäuerinnen und Bauern in den letzten 10.000 Jahren einige Sorten von Pflanzen weitergezüchtet, um sie gut lagerfähig zu machen. Vieles davon hält bei richtiger Lagerung den gesamten Winter. Manches, wie bestimmte Kürbissorten, sogar bis zu zwei Jahre!

  • Birne
  • Apfel
  • Kürbis
  • Zucchini (ja, auch ein Kürbis…)
  • Karotte
  • Steckrübe
  • Pastinak
  • Kartoffel
  • Sellerie
  • Winterrettich
  • Chinakohl
  • Rote Bete
  • Zuckerhut
  • Kohl
  • Porree (Lauch)
  • Knoblauch
  • Zwiebeln

Wildpflanzen

Wer ein paar Fundorte für Wildobst kennt, oder sie gezielt im eigenen Garten anpflanzt, findet im beginnenden Winter frisches Obst, um den Essenstisch zu bereichern. Zum Winterende kommen dann mehr und mehr Wildpflanzen auf den Teller.

  • Mispel (Früchte)
  • Schlehe (Früchte)
  • Sanddorn (Früchte)
  • Ehrenpreis (Blüten und Blätter)
  • Hasel (Blüten und Blätter)
  • Kornelkirsche (Blüten und Blätter)
  • Taubnessel (Blätter)
  • Brombeerblätter
  • Gundermann

Wer darüber hinaus Freude daran hat, essbare Wurzeln von geeigneten Wildpflanzen auszugraben, kann den ganzen Winter hindurch aus zahlreichen Pflanzen auswählen.

Konservieren und haltbar machen

Hier zähle ich nur kurz die vernünftigen Methoden auf, die es hierzu gibt, denn mit der richtigen Methode lässt sich nahezu jedes Obst oder Gemüse haltbar machen. Somit steht zu den oben aufgezählten Nahrungsmitteln viele weitere Leckereien wie Dörrobst, Essiggurken und Sauerkraut zur Verfügung.

  • Trocknen
  • Milchsäuregärung (z.B. Sauerkraut)
  • Abkochen
  • in Öl einlegen
  • in Essig einlegen
  • in Salz einlegen
  • mit Zucker konservieren (z.B. Marmeladen)
  • in Alkohol einlegen

Getreide, Hülsefrüchte und Nüsse

Nur der Vollständigkeit halber sei hier kurz erwähnt, dass das oben aufgeführte Trockenen natürlich auch alle Getreidearten, Bohnen, Erbsen, Sonnenblumenkerne, Leinsaat, verschiedenste Nüsse und so weiter umfasst.

Pilze im Winter

Frische Pilze können auch im Winter regional gefunden werden. Da es allerdings idealer ist, wenn Pilzliebhaber*innen sich eigene Pilze anbauen, zähle ich hier nur die Arten auf, die sich gut zu Hause anbauen lassen.

  • Samtfußrübling (Samthaubenrübling, Winterpilz)
  • Shiitake (Pasianipilz)
  • Stockschwämmchen

Was kannst Du noch anfügen?

Diese Aufzählungen sind sicher nicht abschließend und ich freue mich über weitere Anregungen in den Kommentaren!

Es ist aber auf jeden Fall schon zu sehen, dass der Speiseplan im Winter abwechslungsreich und gesund sein kann. Auch für Menschen die sich regional ernähren möchten oder sich aus dem eigenen Garten, den nächsten Wiesen und Wäldern selbst versorgen wollen.

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

16 Gedanken über “Selbstversorgung im Winter

  1. Martina

    Ich hab meinen Wintersalat (Entivien, Winterkönig, Chinakohl) im Herbst in den Folientunnel gesetzt und 3-fach mit Vlies zugedeckt. Solange es draußen nicht -15° hat hält sich der Salat wunderbar frisch und schmeckt um Welten besser als der im Kaufhaus.

  2. Michael

    Ideal als Winterpilze sind Austernpilze. Entweder wild gefunden beim Spaziergang im Wald, oder selbst kultiviert auf Holz. Einmal angelegt bringt die Kultur 8 Jahre Erträge. Erntezeit ist von November bis März.

  3. Sarah

    Hallo Lisa, hallo Michael!
    Ich hatte heute Matura und hab mich für das dritte Thema, einen Leserbrief an die Redaktion der Furche bezüglich des Artikels über euer Projekt, entschieden. Ich will keinen Roman schreiben, sondern euch nur kurz mitteilen, dass ich eure Lebensweise bewundernswert finde und ich sehr sympathisch und glücklich wirkt!
    Über dieses Thema zu schreiben war für mich eine große Inspiration!
    LG Sarah

  4. Andreas Koch

    Hallo

    Man kann uch gut Champignons und Steinpilze kultivieren. Ich sehe mmer häufiger in Katalogen und Läden Anzuchtsubstrate hierfür. Die versprechen wochenlang Pilznachschub, aber ich glaube, wenn man dem Substat ein geeignetes Klima schafft, werden sie einen immer wieder bereichern.

    MfG

    Andreas

    1. Friedhelm

      Hallo Claudia,

      das mit der Gemüsebrühe herstellen war ein toller Tipp von dir und den werden wir mal demnächst ausprobieren.
      Wir befassen uns erst seit kurzer Zeit mit diesem Thema und sind von daher für alles aufgeschlossen und auch sehr neugierig wie und was ihr so alles veranstaltet.
      Einfach Klasse!!!

  5. Zurück zur Natur

    Hallo
    Ich lese gerne und mit Freude die vielen lehrreichen Beiträge.
    Ich stehe noch relativ am Anfang.
    Ich möchte gerne haltbare Gemüsebrühe herstellen.
    Ich hab es schon mal versucht und es ist daneben gegangen.
    Ich konnte nicht genau rausfinden an was es gelegen hat.
    Ich würde es gerne nochmals versuchen hab nur kein Rezept mehr das ist verloren gegangen
    Vielleicht hat jemand von euch ein Rezept für mich.
    Ich möchte es gern nochmals versuchen.
    Liebe Grüsse
    Zurück zur Natur

    1. Claudia

      Hallo,
      für haltbare Gemüsebrühe musst Du eigentlich nur verschiedene Gemüse Deiner Wahl kleinraspeln, auf einem Blech trocknen lassen und das Ganze mit Salz vermischt in verschließbare Gefäße füllen.
      Von dem Gebrösel einfach einen gehäuften Teelöffel pro Tasse (ca. 250 ml) mit kochendem Wasser übergießen.
      Ich hab das mal in der Minimalversion mit lila Karotten, Zwiebeln und Selleriegrün gemacht und fand allein diese einfache Zusammenstellung schon sehr lecker. Du kannst natürlich reintun, was Du willst und Dir z. B. verschiedene Sorten zusammenstellen. Ich brauch im Winter, wenn’s kalt ist, immer mal wieder eine Tasse Suppe zum Aufwärmen, und die soll halt auch nicht immer gleich schmecken…
      Liebe Grüße,
      Claudia

  6. Pingback: Gib Dir die Kugel! | Experiment Selbstversorgung

  7. Pingback: Was ist los beim Experiment Selbstversorgung?

  8. Angelika Juliane Sik

    Habt ihr schon Milchsäuregärung mit Kürbis im Einweckglas versucht. Es lohnt sich, schmeckt toll und ist obendrein probiotisch. Kürbis raspeln, salzen, wer mag noch Kümmel oder Lorbeer dazugeben und ab in's Glas, obendrauf hab ich gewaschene Krenblätter gelegt, gut reindrücken, ich hab ein kleineres Glas genommen und es unter den Deckel gespannt. Dann in der Küche stehen lassen bis die Gärung beginnt, wenn man den Gummiring berührt, entweichen Gase, das ist normal und das Glas steht unter Druck. Unbedingt einen Teller oder Schüssel drunter stellen, den auch Flüssigkeit tritt aus. Das ist dann ein guter Zeitpunkt, um das Glas kühler zu stellen. Nach fünf Wochen habe ich mein Erstes geöffnet und war begeistert.

  9. Christa

    Ich baue seit ein paar Jahren den sibirischen Kohl an und bin begeistert davon. Er ist völlig pflegeleicht, benötigt nur ein wenig Kompost als Düngung, sät sich jedes Jahr von selber wieder aus und bildet selbst an den Pflanzen die Samen bilden, wieder neue Blätter zum Essen. Man kann ihn fast das ganze Jahr über essen: im Sommer die zarten Blätter in den Salat und im Winter alle Blätter als Gemüse. Er schmeckt ein wenig wie der Grünkohl.

  10. gabi

    Wir haben diesen Winter erstmals Haferwurzel. Kann ich sehr empfehlen. Schmeckt lecker ( ähnlich wie Schwarzwurzel) aber viel leichter zum Ausgraben und putzen. Wie das mit der Winterhärte ist, kann ich aber nicht sagen, da bis jetzt noch nie unter – 3 Grad war und natürlich auch noch kein starker Frost, der länger andauerte.

  11. eva

    superschönes Foto!!! Und danke für die Aufzählung. Da sind ein paar Anregungen für das kommende Jahr dabei.

    Mir fallen noch Hasel- und Walnüsse ein (weiß aber nicht, ob man die als "Lagerobst" bezeichnen kann ;))

    Dann Hagebutten – aber die kennt Ihr ja.

    Und – ganz banal: Getreide, getrocknete Hülsenfrüchte, getrockneter Kuckerutz bzw. gemahlen: Polenta

    Wildgemüse: Alles, was schon rauskommt. Das kann spätestens im Februar ja schon eine ganze Menge sein: Hirtentäschel, Vogerlsalat, Scharbockskraut, Brennnessel (gibt's jetzt gerade bei uns an geschützten Stellen), Vogelmiere und Gänseblümchen (quasi das ganze Jahr, wenn schneefrei) und und und

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