Schritte zur Freiheit

Gedanken und Ansätze zum Welternährungstag

Michael Hartl
Von Michael Hartl
16. Oktober 2012

Heute, am 16. Oktober, ist Welternährungstag. Welt-Ernährungs-Tag. Ein Tag also, der der Ernährung der gesamten Welt gewidmet ist. Genug zu essen für jede einzelne Person. Einer Idee also, von der wir in der Realität leider weit entfernt sind. Eine Milliarde Menschen, die zu wenig zu essen haben, um gesund zu bleiben. Eine weitere knappe Milliarde Menschen, die sich so viel vom vorhandenen Essen nimmt, dass sie zuckerkrank und übergewichtig wird.

Darüber könnte man heute, am Welternährungstag, sprechen.

Oder darüber, wie die hochindustrialisierte Landwirtschaft die Böden zerstört und mit ihren Giften das Leben im und über dem Boden gleich dazu.

Oder man könnte darüber sprechen, wie Konzerne Saatgut gentechnisch verändern und unabsehbare Folgen in Kauf nehmen. Oder wie sie über Hybrid-Zucht und andere Methoden die Bäuerinnen und Bauern dieser Welt in ihre dämonische Abhängigkeit bringen.

All das sind traurige Wahrheiten:

  • Wir haben genug zu essen für alle, müssten es nur fair unter allen aufteilen, tun es aber nicht.
  • Wir könnten unsere Äcker und Böden deutlich nachhaltiger bewirtschaften, tun es aber nicht.
  • Wir könnten unsere Erträge so einsetzen, dass nicht ein Großteil der Nährstoffe verschwendet wird, tun es aber nicht.

Wir, als Gesellschaft, wirken so, als könnten wir nichts ändern. Als wüssten wir zwar, was alles schief läuft, aber als wäre eben keine andere Welt möglich. Wir reden darüber, was alles geändert gehört, und zeigen Betroffenheit über die Ungerechtigkeiten in der Welt – sind aber nicht so betroffen, dass wir mal aufhören zu reden und beginnen uns und unsere Welt zu verändern.

„Was kann ich als einzelne Person schon tun?“ wird oft als Frage in den Raum gestellt.

„Ziemlich viel!“ ist die Antwort. Du kannst vielleicht nicht von heute auf morgen die Welt verändern, aber Dich selbst kannst Du von heute auf morgen verändern. Und das hat Folgen.

Ein gefüllter Erntekorb fürs Mittagessen

Ansätze für erste Veränderungen

Wenn Du als ersten kleinen Schritt beginnst, Bio-Lebensmittel einzukaufen und Bäuerinnen faire Preise zahlst, trägst Du dazu bei, dass sich das Gesicht der Landwirtschaft langsam verändert.

Wenn Du in kleinen Bio-Läden und direkt von Bio-Bauern kaufst, umgehst Du den Supermarkt und nimmst ihm damit ein wenig seines Geldes, mit dem er hauptsächlich Aktionäre beglückt und Bäuerinnen die Daumenschraube anlegt.

Wenn Du mit anderen eine Lebensmittelkooperative gründest, könnt ihr gemeinsam sicher stellen, beste bäuerliche Produkte zu guten Preisen zu bekommen, von denen die Menschen hinter den Produkten wirklich leben können.

Wenn Du mit einer größeren Gruppe einen landwirtschaftlichen Betrieb gemeinsam in eine CSA verwandelt – also in eine Community Supported Agriculture  oder zu deutsch: solidarische Landwirtschaft – dann nehmt ihr den Vermarktungszwang und den kapitalistischen Druck von den Bäuer*innen dieses Betriebs.

Wenn Du mehr pflanzliche Produkte konsumierst, und die tierischen vielleicht nur an einem Tag in der Woche zu Dir nimmst, dann werden für die Herstellung Deines Essens deutlich weniger Nährstoffe und Nahrungsmittel vernichtet.

Wenn Du anfängst, auch nur einen kleinen Teil Deines Essens selbst anzubauen, wirst Du neben dem Geschmack eigener Erträge auch den Geschmack von Freiheit kennenlernen.

Wenn Du Dich an einem Gemeinschaftsgarten beteiligst, nimmst Du mit anderen zusammen das Geld nahezu völlig aus dem Spiel und reicherst es dafür mit guten Gesprächen, Freundschaft und leckerem Essen an.

Wenn Du gemeinsam mit anderen aufstehst und gegen Gentechnik, die Unterdrückung von Bäuerinnen und gegen die Agrarindustrie protestierst, trägst Du zum Wandel der Gesellschaft bei, die die kleinbäuerliche, nachhaltige Landwirtschaft und das Recht auf die eigene Vermehrung von Saatgut wieder als zu schützende Werte erkennen wird.

Wenn Du Dich konkret veränderst, beginnt sich die Welt zu verändern.

Beschäftigte Dich doch am heutigen Welt-Ernährungs-Tag mit Saatgut, Bio-Landwirtschaft, veganer Ernährung, Selbstversorgung oder Ernährungssouveränität. Und geh Deine ersten Schritte in eine andere Welt.

Denn nur wenn wir uns bewegen, kommen wir dort an.

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24 Gedanken über “Schritte zur Freiheit

  1. Korinna

    Hallo Zusammen,

    Für mich persönlich ist der vegane Weg ein ultimativer Weg, der uns für die Zukunft rüstet.
    Auf kurze Distanz beblickt, schenk er uns Gesundheit und ein gutes Gewissen, auf länge Sicht versteckt er, ein schönen Geschenk an die Generationen die nach uns kommen.
    Die Kausalitäten zwischen Fleisch und tierleid Produkten und dem Zustand unserer Erde und unserem eigenen Organismus weisst erschreckende Parallelen auf.
    Denn wir werden immer kranker.

    Nicht nur das der Fleischkonsum entsetzliches Leid bei den Tieren auslöst die wir essen, es bedeutet zusätzlich einen Kneul an Problematiken für die 3te Welt, für die wir uns hier in den Industrieländern, mehr als nur verantwortlich fühlen sollten.
    Jedes Masttier muss gefüttert werden, in Europa sind dies jedes Jahr 58 Millionen Tiere.

    Weizen, Mais und Soja werden spekulativ und bewusst, um enorme Gewinne zu erziehlen an der Weltbörse gehandelt und diese Preise kann sich ein dritte Welt Land nicht leisten – und ist ein schlag ins Gesicht, eines jeden verhungernden Menschen, weil für uns hier nur noch die Profite zählen und kaum noch jemand Verantwortung zu tragen bereit ist.
    Pro KG Rindfleisch werden 15.000 Liter Wasser benötigt – und inzwischen wissen wir alle das Wasser bald ein rares gut sein wird.

    Think global and act local, ist für mich ein treffende Beschreibung wie jeder Leben sollte um der Zukunft eine Chance zu geben … Nicht für uns sindern jenen die nach uns kommen. Die Zukunft heisst Vegan.

  2. Kate Dunning

    Als Mitglied eines kleinen aber gut funktionierenden regional auf den Kreis Schleswig-Flensburg u Stadt Schleswig begrenzten Tauschring hätte ich gerne Kontakt zu anderen Tauschringen – ob im norddeutschen Raum oder weiter südlich über HH hinaus -zwecks Austausch unterschiedlicher Erfahrungen. Einer unserer Schwerpunkte ist Tausch von Dienstleistungen – ein wichtiger Baustein im ländlichen, eher dünn besiedelten Raum, wir tauschen auch viele landwirtsch/gartenwirtsch Produkte.

  3. Kate Dunning

    Hallo Rob,

    ich bin voll auf Deiner Linie – auch ich sehe wenig Fortschritt, was das sozialökologische Bewußtsein der Massen betrifft – die ökonomische Denk- und Sehweise herrscht zu sehr vor. Es gibt nur die Möglichkeit in Deinen Freundes-u Bekanntenkreisen zu werben – am besten durch Vorbilder. Kleine aber gut funktionierende regional begrenzte Tauschringe sind für mich befriedigender als polit Demonstrationen.. obwohl ich selbst kommunalpolitisch aktiv bin u Protestbewegungen aller Art unterstütze..es müssen Taten folgen,unsere Kinder brauchen wieder Vorbilder..

  4. Lilly Alina

    Hallo meine Lieben,

    auch ich fand den Artikel wunderbar und ich glaube, jeder, der etwas ändern will, IST JETZT AUFGERUFEN, damit anzufangen, etwas ZU TUN, nicht nur zu träumen davon! Ich schließe mich an! also – wo können wir beginnen?

  5. Rob

    Hallo,

    ein sehr guter Artikel, der es wieder einmal auf den Punkt bringt. Danke!

    Leider lesen die Leute die ihn eigentlich lesen sollten nicht!

    Gestern ist ein sehr guter Film auf ARTE gelaufen – "Zukunft pflanzen – Bio für 9 Milliarden" (direkt auf ARTE schauen oder Link in meinem Blog)

    Leider habe ich aber den Eindruck dass es keinen Interessiert. Als ich heute morgen zur Arbeit kam war das einzige Gespräch Fussball. Klar, ist ja auch viel wichtiger als die Ernährung.

    Dem größten Teil der Menschen mit denen ich zu tun habe, ist es größtenteils egal was sie "fressen", hauptsache viel, hauptsache Fleisch oder Wurst. Die Hoffnung, dass sich irgendwas bewegt in Richtung Nachhaltigkeit, Bio, natürliche Lebensweise usw. habe ich bereits aufgegeben. Der Mensch ändert sein Verhalten nur, wenn die "Daumenschrauben" angezogen werden und Leidensdruck entsteht. Und selbst dann sterben einige lieber als z.B. ihre Essgewohnheiten zu ändern.

    Es ist auch ganz klar so, dass wir es gar nicht wollen, dass alle satt sind, denn wenn wir und die von uns gewählte Diktatur (wir haben keine Demokratie, sondern nur die Freiheit unsere Diktatur selbst zu bestimmen!) es wirklich, ja wirklich möchte, dann gäbe es keinen Hunger mehr auf der Welt.

    Um nicht "depressiv" zu werden, beschäftige ich mich seit längerer Zeit nicht mehr mit dem ganzen Wahnsinn sondern handle lieber im kleinen, so wie vorgeschlagen. Regional, saisonal, selbst angebaut, gesammelt usw.

    Das Vorbild ist immer noch die beste Art jemanden zu überzeugen.

    Beste Grüße!

  6. Petra

    Seit ich meinen Garten habe und gewohnt bin das zu ernten was ich gerade heute essen moechte, ist ein Gefuehl der Freiheit, bzw. Unabhaengigkeit. Mit der Zeit "ekelt" dich eh die Ware im Supermarkt an. Die beste Investition die mein Mann und ich machen konnten, ein Stueckchen "ERDE" kaufen. Da ich ja in Italien wohne, haben wir auch Olivenbaeume angepflanzt und haben seit ca. zwei Jahren unser eignes Olivenoel. Bald ist es wieder soweit fuer die Olivenernte. Ich freue mich jetzt schon auf eine schoene Bruschetta mit frischem Olivenoel und Knoblauch (natuerlich auch mein eigener). Diese Unabhaengigkeit, bzw. immer Lebensmittel zu haben, ohne grossen Einkaufsstress, moechte ich nicht mehr missen.

    1. Carola Zingler

      Petra, Du lebst in Italien und sprichst deutsch? Ich bin ebenfalls in Italien (Aostatal), habe 2 große Hunde und möchte gern in der Natur arbeiten (gegen Hundefutter und – wenn geht – Taschengeld, um meine Kinder 1-2 Mal im Jahr sehen zu können). Hast Du da eine Idee? Ganz liebe Grüße Carola

      1. Petra

        Hallo Carola,

        nun da faellt mir nur GIGA-JOB (gebe Tierpfleger/Italien ein) ein. Da werden z.ZT. Tierpfleger fuer Italien gesucht, jedoch in der Toskana, muesstest also "umziehen". Da handelt es sich um deutsche Tierschutzvereine. Viel Glueck.

  7. Anna

    Hallo Michael,

    ich finde deinen Artikel wieder mal super und fühle mich total bestätigt :)

    Möchte nur noch hinzufügen dass Bio ja nicht gleich Bio ist. Man sollte auf die Siegel achten (klar, dass Demeter z.B. höhere Ansprüche hat als das EU- Bio Siegel) und woher es kommt (man braucht keine Kartoffeln aus Israel) außerdem wollte ich noch das von euch schon oft erwähnte saisonale Kaufen hinzufügen. Brauche ich Erdbeeren im Winter?

    Ich finde es eine klasse Idee, sich zu Saison das Gemüse zu kaufen (sofern man nicht die Möglichkeit hat, es anzubauen) und es haltbar zu machen.

    Am Sonntag kam die Ansprache zur Woche der Welt Hungerhilfe (ARD) und ein Spendenaufruf von unserem lieben Bundespräsidenten. Man soll also wieder Geld geben,weil es ja sooo nachhaltig ist, aber niemand kommt auf die Idee die breite Masse über die Folgen des Fleischkonsums aufzuklären (Lobby…).

    Also nochmal vielen Dank für deinen Artikel. Ich stimme dir voll und ganz zu!

    Liebe Grüße

    Anna

  8. Marie - Hinterw&auml

    Fantastisch geschrieben! Moral ist wichtig – Handeln ist und bleibt unumgänglich.

    Nun würde ich nicht unbedingt behaupten, dass zuckerkranke und übergewichtige Menschen raffgierig, bewusst maßlos oder "unmoralische" Konsumenten sind. Aber ich denke, ich weiß, worauf ihr hinauswollt. Ein weiterer Anreiz, über unsere derzeitigen (teilweise kranken) Lebensumstände nachzudenken. LG! Marie

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Das wollte ich auch so nicht sagen…. die einzelne Person ist oft massiv eingeklemmt in Zwänge, die das System auferlegt. Und es gibt Grenzen dessen, was Einzelne in ihrer konkreten Situation machen können – aber ein wenig Spielraum, eben auch für die ersten Schritte in die richtige Richtung, hat nahezu jeder Mensch in in unseren Breiten.

    2. Philipp

      Wo ist da die Solidarität? Ich sehe viele "Zivilisationskranke" Menschen, die ohne Maß und Ziel essen, rauchen oder trinken, ohne selbst etwas ändern zu wollen (oder es nicht schaffen), jedoch jede verfügbare medizinische Leistung in Anspruch nehmen möchten. Dieses Verhalten trägt unsere Gesellschaft mit, ruiniert unser Sozialsystem und davon profitiert-wiedermal unsere Wirtschaft.

      Opfer ihrer Lebensweise, die die Gesellschaft kleinlaut bestärkt, anstatt ihnen wirklich zu helfen (Da wird sich schon jemand drum kümmern, hauptsache meine Familie machts besser). Wie eine Alkoholikerehefrau, die dem trinkenden Mann täglich seinen "Stoff" heimbringt. Denn ihr unterstützt ja das Sozialsystem in irgendeiner Form.

      Fastfood, Supermarkt, Trafik und co ist das egal, die Kassieren halt ab. Genauso die Pharma und auch die OP-Säle sind froh, wenn sie ausgebucht sind. Das geht uns alle etwas an. Schaut mal in eine Grundschulklasse, da kann nur noch die Hälfte eine Sprossenwand hochklettern…wollt ihr bei der Entwicklung mitzahlen, zuschauen und ach die armen sagen, während andere daran ihr Vermögen vergrößern?

      Nur mal ein paar Fakten:

      1.Zucker ist neben Kokain Heroin eine der TOP-Drogen und die Princeton Universität konnte mit Bart Hobel nachweisen, dass er ähnlich wie harte Drogen im Gehirn chemisch süchtig macht. -> Zucker läuft in der Kinderwerbung, auch Eure Kinder sehen das irgendwo mindestens einmal.

      2. Bis 2030 ist laut dem Kieler Fritz Beste Institut für Gesundheits-Systemforschung mit einem Anstieg Diabetes Erkrankter um 22% zu rechnen. Demenz bis 2050 um 113%, Herzinfarkt bis 2050 um 75%, diese Leute müssen von uns als Bürger mitversorgt werden. Zahlt ihr dann mal die astronomischen Versicherungsbeiträge wegen der Pflichtversicherung.

      3. Genau dieses "hat doch eh keinen Zweck" Gefühl ist ja optimal für die momentanen Profiteure, den dieses Gefühl macht jeglichen uneigennützigen Antrieb zunichte. Und somit hat jeder passive "Mitträger" aktiv zum erhalt des Systems beigetragen, da es ja nur durch diese passive Machtabgabe erzeugt durch Stress, Angst und Frustration funktionieren kann.

  9. Flo

    sehr guter artikel.

    in diesem zusammenhang möchte ich gerne auf 3 (!) projekte in tirol verweisen: bauernkiste, biobox und gemüsekiste

    http://www.bauernkiste.at/ http://www.biobox-tirol.com/ http://www.gemuesekiste.at/tgk/kiste.html

    es sind 3 möglichkeiten mehr oder weniger regelmäßig frisches biogemüse direkt vom erzeuger vor die haustür geliefert zu bekommen.

    ich weiß – transportweg usw. aber mal ehrlich, ob das zeug zum geschäft gekarrt, und ich es dann mit dem auto hole, oder es wird dirket zu mir geliefert ist eigentlich egal.

    ich möchte hier keine werbung machen! aber ich finde es erwähnenswerte projekte

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