Gar nicht außer Rand und Band

Saatbänder selber machen

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
21. Februar 2013

Saatbänder? Wozu denn das? Oder was ist das überhaupt?

Das Prinzip ist einfach: Feine Samen wie z.B. die von Karotten, welche man eh immer viel zu dicht aussäht, sind im genau richtigen Abstand auf Bänder geklebt, die dann einfach beim Gießen weich werden und verrotten.

Bisher haben wir es nie geschafft, Karotten so auszusähen, dass wir nicht 70% wieder ausreissen mussten. Und wenn wir das nicht konsequent gemacht haben, bekommt man eben nur dünne Karöttchen, weil die Wurzeln keinen Platz haben sich auszubreiten – sie kleben aneinander und können nicht in die Dicke wachsen.

Foto einer großen Karotte, die von zwei Händen gehalten wird

So soll’s sein ;D Ein Monsterexemplar von vor 2 Jahren

Bei den Pastinaken ist mir das bisher besser gelungen. Bei denen fiel es mir einfacher die einzelnen Pastinaken zu sehen – bei den Karotten war es immer ein Wirr Warr aus Grünzeug, welches theoretisch zu einer Karotte hätte gehören können. Im Endeffekt waren es dann 10 Karotten nebeneinander, viel zu dicht gesäht…. :)

Bisher wäre mir aber nie in den Sinn gekommen Saatbänder von Gemüse zu kaufen, denn sie sind teurer als das normale Saatgut. Der erstbeste Suchmaschinentreffer brachte bei Bio Karotten jeweils 2,95€ für 6-8m² Karottensamen oder 5m Saatband.

Doch dann stieß ich zufällig auf ein Youtube Video, das ich vor längerer Zeit schon auf unserer Facebook Seite geteilt habe, in dem erklärt wurde, wie man Saatbänder selbst macht. Pfff, warum bin ich da nicht eher drauf gekommen?

Pro und Contra Saatbänder

Nun ist es zwar nicht so, dass Saatbänder, das essenziellste sind, was man sich im Garten vorstellen kann. Jedoch wenn man mehr als ein paar Meter Gemüse im Jahr aussäht, kann das ganz schön ins Kreuz gehen. Immerhin will man ja sobald es geht alles aussähen, damit man bald Ernte hat, nicht? ;)) Die Saatbänder haben da den Vorteil, dass man sie als schöne Winterarbeit vor dem Kaminfeuer basteln kann. Macht bestimmt auch Kindern Spaß – wir konnten es mit fleißigen BesucherInnen testen – tausend Dank dafür!

Aja, und nicht zuletzt, und das ist das für mich das wichtigste, bereiten sie im Garten dann weniger Arbeit. Erstens muss man nur das Band auflegen und feine Erde drüber sieben (Karotten brauchen eine verhältnismäßig feines Saatbett) und da sie schon im richtigen Abstand aufgehen, muss man später nichts ausreissen. Schont auf jeden Fall den Rücken zumindest ein bisschen, wenn man schon den ganzen Tag im Beet rumkriecht um Gemüse auszusähen :)

Und mir tut es immer so weh die Pflänzchen auszureißen. An sich ist das ja eigentlich nicht schlimm, weil das junge Karottengrün super in der Suppe schmeckt oder als Mulch den Boden nähren kann. Jedoch spart es somit auch Saatgut, dessen Preis schon mal ganz schön hoch sein kann. Vor allem wenn es sich summiert, weil man sooo viele verschiedene Sachen anbauen will und man, wie wir, noch am Anfang der eigenen Saatgutvermehrung steht :) Aber das wird dann schon, Schritt für Schritt!

Anleitung zum Saatbänder basteln

Aber nun zum praktischen Teil ;) Dazu gibt es nicht viel zu sagen. Eigentlich brauchst Du nur Klopapier, Saatgut und einen Klebstoff. Den Klebstoff mache ich aus Mehl und Wasser. Einfach einen Löffel Mehl in etwas Wasser verrühren und aufkochen bis es glibbrig wird. Unbedingt auskühlen lassen und schon steht den klebrigen Fingern nichts mehr im Wege :)

Saatänder selber machen 2

Das Toilettenpapier haben wir – wenn möglich – in die einzelnen Lagen aufgeteilt (im Internet kursierten Mutmaßungen, dass die feinen Wurzeln nicht durch das 3-4lagige Papier stoßen könnten… kann ich mir zwar nicht ganz vorstellen, aber es spart auf jeden Fall Papier ;)) und mit den Fingern in den richtigen Abständen Klebepunkte getupft. Dann jeweils einen Karottensamen drauf und alle 20-30cm noch einen Radieschensamen als sogenannte Makiersaat – sie dient dazu, die Karottenreihe am Anfang der Saison zu finden, da Karotten eine gefühlte Ewigkeit brauchen, bis sie endlich mal keimen.

Dann wird das Papier „zugeklappt“ (siehe Bild, ich weiß grad nicht wie ich das in Worten erklären soll) und das ganze zum raschen Trocknen aufgehangen. Unsere Bänder sind größtenteils sehr kurz geraten (< 1m), weil wir so einen kleinen Arbeitstisch hatten und lange Bänder somit umständlich handzuhaben waren. Man kann sie natürlich beliebig lang machen!

Saatbänder selbermachen

Und! Das wichtigste: Es soll auch mit Zeitungspapier gehen! Aus Mangel an letzt genanntem, haben wir aber trotzdem Klopapier genommen ;) Hat jemand Erfahrungen mit Zeitungspapier?

selbstgemachte Saatbänder

Man kann Karottensamen auch mit Sand mischen um sie genau so großzügig ausstreuen zu können, am Schluss aber weniger Samen ausgesäht zu haben. Hat jemand Erfahrungen damit? Wie soll das Mischverhältnis sein? Heuer werden wir das auf einem Streifen auch mal ausprobieren, da wir vom Wurzelkeller noch Sand zur Hand haben :)

Ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse der Saatbänder. Ich habe ja immer nur einen Samen pro Punkt aufgeklebt. Manche Samen haben aber nicht 100% Keimfähigkeit – so wird sich schon die eine oder andere Lücke auftun… Mal sehen :))
BastlerInnen werden auf jeden Fall Spaß haben! Wie findet ihr Saatbänder? Viele Leute finden sie ja unnötig. Denn der Zeitaufwand bleibt möglicherweise der Gleiche, aber ich bastle wie gesagt gerne :) Viel Freude beim Ausprobieren!

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21 Gedanken über “Gar nicht außer Rand und Band

  1. Pingback: Selbermachen! (Schokolade, Haselnussaufstrich, Hafermilch) - das stille (w)örtchen

  2. S.Zacharias

    Ich mische den Möhrensamen mit Sand bei säen, allerdings funktioniert das bei mir nur dann, wenn der Sand eine ähnliche Korngrösse hat, wie der Möhrensamen. Dazu verquirle ich einfachen Sand aus dem Garten in einem Eimer mit Wasser und lasse das besinken, der gröbste Sand ist dann oben, der feinste unten. Das Wasser giesse ich ab, den groben Sand trockne ich und mische ihn dann später mit dem Samen, ca. 80% Sand. Dann stehen die Möhren nie zu dicht, lieber mache ich das Möhrenbeet ein paar Meter länger. Bei den Wildkräutern ziehe ich nur auf, was ich eindeutig als keine Möhre erkenne. Zur Markierung der Reihen jeden Meter einen kleinen Stock mitten in die Saatreihe, dann kann ich zwischen den Reihen sehr genau hacken schon bevor die Möhren aufgekommen sind.

  3. Brigitta

    Hallo Lisa,
    absolut klasse die Idee. Letztes Jahr habe ich auf dem Boden gelegen weil die Saatkörner so klein waren und ich die ohne Lesebrille nicht richtig sehe. Das probiere ich aus. Es war viel zu dicht gesäht und auf verziehen stehe ich nicht. Als ich das letzte mal verzogen habe, habe ich Stunden auf dem Boden zugebracht, weil ich die kleinen Pflänzchen einzeln eingepflanzt habe. Hat mir wehgetan die rauszureißen. Danke für den Tip, denn ich bin ein ehemaliges Stadtkind.
    liebe Grüße Brigitta

  4. Elisabeth

    Hallo Lisa!
    Der Tip mit dem Klopapier ist eine super Idee und gerade das richtige jetzt für den Frühling vorzubereiten. Mit Salatsamen geht das sicher auch ganz toll. Wir bauen schon sein 30 Jahren unser eigenes Gemüse und Obst an und tauschen auch immer wieder mit anderen Gartenfreunden selbst gewonnene Samen aus. Da freuen sich die Freunde bestimmt, wenn man schon fertig vorbereitete Saatbänder verschenkt. Gärtnern macht so viel Spaß und dieses Gefühl von Unabhängigkeit ist jede Mühe im Garten wert.

  5. Pingback: Ringel, Ringel, Reihe | Die Lindwurmfeste

  6. Majura

    Hallo ihr beiden,

    zum Glück bin ich auf eure Seite aufmerksam geworden. Die ist ja herrlich!

    Wir haben dieses Jahr unseren ersten Garten. Leider haben wir ihn erst vor zwei Wochen bekommen und bangen deswegen, ob wir überhaupt was ernten werden.

    Gerade bei den Möhren hatte ich mit meinem Mann auch sehr in der Wolle, ob nun lose Saat oder Saatband. Letzteres war mir auch zu teuer. Da finde ich eure Idee mit dem Klopapier doch echt super. Ist für den nächsten (hoffentlich noch lange nicht kommenden) Winter geplant!

    Liebe Grüße,

    Majura aus der Lindwurmfeste

  7. Stefan

    Danke für den prima Tipp, mit dem wir unsere Aussaat im Trockenen und warmen und ohne krummen Rücken machen konnten. Die Zeit ist vielleicht die gleiche (länger dauert's bestimmt nicht, wenn ich mir das Pikieren spare), aber die Arbeit ist so deutlich bequemer.

    Ein Ergänzungstipp im Gegenzug: Fürs Vorziehen kann man prima und ganz schnell Anzuchttöpfchen aus Zeitungspapier herstellen. Dazu gibt es fertige Pressen zu kaufen (z.B. http://www.manufactum.de/papiertopf-presse-buchen… ist aber mit Haushaltsmitteln und kurz nachdenken ganz einfach nachzustellen. Und die Töpfchen sollten sich später dann direkt in die Erde setzen lassen, die Zeitung verrottet. Saatband für Anzuchtpflanzen, quasi… Bei Bedarf reiche ich gerne mehr Erklärung/Anleitung nach.

  8. Pingback: Saatbänder selber machen | R(h)einsaat

  9. Doreen

    Servus, ihr Lieben!

    In einem alten Gartenbuch der DDR ist der Bau eines "Dibbelbrettes" beschrieben. Man nehme eine stabile Platte ca. 30 x 40 cm und macht einen Griff dran. Dann in der Unterseite Löcher bohren, Abstand ca 5 x 5 cm, und in diese Löcher kommen bspw. passende Dübel rein, sodass diese etwa 2 cm rausschauen aus dem Brett. Schaut wie ein grobes Fakirbrett aus, mit Griff :-)

    Nun kann man mit dem Dibbelbrett gleich mehrere kleine Löcher in die Gartenerde machen und da einzelne Samenkörnchen reintun.

    Mein Herzblatt hat mir eines gebaut und es kommt in diesem Jahr erstmalig zum Einsatz.

    Werde es bei Gelegenheit mal fotografieren und einstellen.

    Die Sache mit dem Toilettenpapier ist auch sehr einfallsreich.

  10. Britta

    Die Idee fand ich beim letzten Mal schon echt prima!! Leider fehlt mir irgendwie die Zeit dazu… aber irgendwann…. lol

    Mir tun die kleinen auszureissenden Sämlinge auch immer leid!! Bei mir klappt das mit dem Einsetzen an anderer Stelle auch nicht… vielleicht habe ich einfach zu große "Wurstfinger"?!??!?!?

    Ich bin auf jeden Fall auf Eure Erfahrungen gespannt!!

    Liebe Grüße

    Britta

  11. Anna

    Hallo ihr zwei,

    unser Garten liegt am Hang und da rollen die Samen immer so schön nach unten, egal, wie vorsichtig man ist.

    Eure Idee find ich super.

    Allerdings ist mir das Klopapier glaube ich zu schade ;)

    Wir haben es bis jetzt immer so gemacht, dass wir die Karotten so gesäht haben, wie sie eben aus der Tüte kamen und dann vereinzelt, aber die Pflanzen nicht weggeworfen, sondern an anderer Stelle wieder eingebuddelt. Das hat immer super funktioniert. Die umgepflanzten Karotten waren am Ende auch immer genauso Groß wie die anderen :)

    Liebe Grüße

    Anna

  12. Eckart Schöne

    cooler Tipp… passen da nicht aber zwei Reihen Möhren (nebeneinander, versetzt) auf die Breite des Lokuspapiers … oder zusamen mit dem Samen einer anderen "verträglichen" Pflanze ? Werd ich mal ausprobieren! LG Eckart

  13. Klaus

    Ich habe das schon mit Sand vermischt gesät, aber man hat keine Kontrolle über die Aussaatdichte.

    Besseren Erfolg hatte ich mit der Dippelmaschine. Die ist zwar nicht unbedingt für Karotten gedacht, aber meine kann man sehr fein einstellen und praktisch für jede Art von Samen verwenden. Ich mache immer erst eine Probesaat auf festem Boden (Wege zwischen den Beeten), wo man die samen dann liegen sieht. So kann ich kontrollieren, vie dicht sie rausfallen.

    Ganz ohne späteres Auszupfen geht das aber nicht, denn es fallen auch mal 2 oder 3 Samen raus bzw fallen sie auch mal zu dicht. Aber nie sind so erbärmlich viele auf einem Fleck. Außerdem kann es auch mal zu kleineren Lücken kommen, weil kein Samen gefallen ist. Das finde ich nicht so schlimm. Da stecke ich dann einfach noch mal einen Radieschensamen zwischen. Man will ja sowieso nicht alle Radieschen gleichzeitig ernten.

  14. Andrea-Lorene H&auml

    Hallo Lisa, hallo Michael!

    Die Idee mit den Saatbändern finde ich super :-)

    Mein erster Gedanke, als Saatbänder auf den Markt kamen, war – völlig unnötig…doch je mehr man sich mit dem Gemüseanbau beschäftigt, je besser kann man die Erleichterung einschätzen, keine kleinen Pflänzchen mehr auszureißen (was mir auch immer richtig weh tut).

    Bei der Gelegenheit: Eure Seite ist super informativ und absolut professionell. Es macht mir immer viel Freude neue Anregungen zu bekommen.

    Seit Jahren bemühe ich mich, mein Gemüse selbst anzubauen – mal mit besserem / schlechterem Erfolg. Doch nun hatten wir das Glück, ein Haus mit einem schönen Grundstück und Obstbäumen kaufen zu können…sogar ein uralt-Backhaus ist noch vorhanden…demnächst wollen wir erste Backversuche im Holzbackofen wagen.

    Euer Sauerteigrezept nehmen wir als Grundlage :-)

    Ich wünsche Euch weiterhin eine gute Zeit und viel Erfolg bei Eurer Arbeit…

    Herzliche Grüße

    Andrea-Lorene

    1. Mia

      Hallo!

      Die heutige Druckerschwärze ist ungiftig und modernes Zeitungspapier (in schwarz/weiß, kein buntes) kann gut für Saattöpfchen oder ähnliche Gartenbasteleien genutzt werden :)

      Dieses Jahr werde ich das auch ausprobieren.

      LG, Mia

  15. Antje Radcke

    Tolle Idee, danke für den Tipp! Hatte im letzten Jahr (auf einem Gemeinschaftsacker) genau das Problem und konnte die Möhren kaum von den Wildkräutern unterscheiden – die gemeinerweise (sicher absichtlich) sehr ähnliche Blätter haben. In diesem Jahr habe ich endlich einen eigenen Garten. Werde wohl mal ans Basteln gehen…

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