Ein Gastartikel auf Lisa und Michaels Blog:

ReGen Villages

Eine wahre Geschichte über technologische Utopien und Ökodörfer

Andreas Ilg
Von Andreas Ilg
10. Mai 2017

Man stelle sich eine Welt vor, in der Menschen in einer nachhaltigen, stressfreien und weltoffenen Gemeinschaft zusammenleben. Dies gelingt, indem sie die Natur nicht zum Sklaven machen und ausbeuten, sondern in gegenseitiger Wertschätzung gemeinsam an den vielfältigen Möglichkeiten partizipieren. Und trotzdem heißt das nicht, dass man auf das Angenehme und Luxuriöse verzichten muß, welches der moderne Fortschritt ermöglicht.

Ganz im Gegenteil: in dieser Utopie leben die Menschen in innovativen, hoch-technologischen Häusern, welche von einem Glasmantel umgeben sind. Im Vorgarten herrschen dadurch ganzjährig angenehme Temperaturen, welche das Wachstum von Orangen- oder Olivenbäumen beispielsweise auch in skandinavischen Ländern ermöglichen.

Designentwurf von der Außenansicht der ReGen Villages

Illustration © ReGen Villages

Die Nutzung regenerativer Energie-Technologien sorgt dafür, dass sauberer Strom, sauberes Wasser, Abwasser, Erdwärme und recyclebarer Müll in einem intelligenten Kreislauf eingebettet sind, welcher die Gemeinschaft nicht nur autark macht, sondern die Natur auch wieder gesunden lässt. Außerdem versorgt das Ökosystem vor der Tür die Einwohner mit hochwertiger biologischer Nahrung. Um das Dorf herum entstehen Waldgärten, welche die Anwohner*innen mit allem versorgen, was sie benötigen. Gemüse, für ein reichhaltiges Abendessen, Nüsse, die man zu Mehl verarbeiten und an Tiere verfüttern kann und Früchte als Snack für zwischendurch oder für die Gewinnung von Saft und Wein. Elektroautos, die mit Solarenergie gespeist werden, sorgen für die nötige Mobilität.

Ist das eine Utopie?

Schwer vorstellbar? James Ehrlich, Seriengründer und Senior Technologe der Stanford Universität baut gerade in den Niederlanden eine solche Welt. ReGen Villages ist ein Pilotprojekt, welches von der Stanford Universität unterstützt wird und von dem dänischen Architekturbüro „Effekt“ entworfen und projektiert wurde. Das Vorhaben zeigt, dass sich das Bewusstsein für Natur und Umwelt auch in der Technologie-Branche in den letzten Jahren verändert hat. Wie Elon Musk, der Gründer des Elektroautokonzerns Tesla, versucht auch James Ehrlich, die breite Masse für eine umweltfreundlichen und zukunftsweisenden Alternative zu begeistern.

Woher kam die Idee?

Inspiriert wurde Ehrlich nach eigenen Angaben, als er in die großen, unschuldigen Augen seines damals zweijährigen Sohnes sah und sich dachte:

Diese Augen werden mich in 30 Jahren fragen: „Wo warst du und was hast du getan?“

Er wird seinem Sohn in Zukunft vielleicht antworten können: “Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im Bezug auf Lebensmittel, Wasser, Energie und Abfall innerhalb einer kleineren Gemeinschaft, deren Mitglieder sich füreinander und für ihre Umwelt verantwortlich fühlen, war wahrscheinlich der einzige Weg, wie die Menschheit überleben konnte, ohne den blauen Planeten vollends zu zerstören.“

Welch tolle Vorstellung wäre es, wenn wir ohne Zukunftsängste leben könnten, weil unsere Grundbedürfnisse gedeckt sind. Wenn wir selbst entscheiden könnten, ob wir einen Teil unsere Zeit in Geld eintauschen, um uns davon Luxusgüter zu kaufen oder ob wir sie lieber in unsere Familie, Freunde oder Herzensprojekte investieren. Vermutlich würden wir häufiger Dinge tun, die uns und unsere Umwelt glücklich machen. An diese Art von Utopie könnte ich mich gewöhnen.

Aber wie kann das funktionieren?

Schaut man sich das Konzept von ReGen Villages an, so glaubt man in der Aufbausimulation eines Computerspiels gelandet zu sein. Man benötigt eine ca. 16.000 qm große Fläche. Ein angrenzender See oder Wald wären ideal. Statt das Baugebiet nun in Parzellen einzuteilen und direkt mit Zäunen abzutrennen, setzt das Konzept der ReGen Villages auf Offenheit und Gemeinschaft. Erreicht wird das durch die Anordnung der ca. 20 Wohnhäuser in Ringform. Verfügbar sind standardisierten Wohnhäuser in acht verschiedenen Größen von 80 – 140 qm Wohnfläche. Damit eine dreiköpfige Familie in den ReGen Villages komplett selbstversorgend lebend kann, reicht für sie eine Fläche von 639 qm.

Illustration zur Berechnung des qm-Bedarfes für eine vierköpfige Familie.

Illustration © ReGen Villages

Die verschiedenen Häuser stehen unter einer Art Glashaus. Die Flächen der Vorgärten und Terrassen sind unterschiedlich groß. Im Inneren des Kreises gibt es Flächen für die Nahrungsproduktion, ebenfalls unter Glas. Neben kleineren Häusern, welche spezielle für die Pflege und Bewirtschaftung verschiedener Obst -und Nussbaumarten eingerichtet werden, gibt es im Zentrum ein großes Gewächshaus, welches auf vertikalen Anbau ausgelegt ist. Es ist entsprechend hoch und bis unter das Dach mit Regalen ausgestattet. Dadurch braucht es nicht viel Platz und ist äußerst effektiv in der Ausnutzung des Sonnenlichtes. Dort können Gemüse und Kräuter angebaut werden.

Frischwasser wird hauptsächlich durch die Speicherung und Aufbereitung des Niederschlagswassers in großen Wassertanks gewonnen. Das Abwasser wird durch mehrere Aqua Points wieder nutzbar gemacht. Abfallprodukte des Abwassers werden in einer Biogasanlage in Energie umgewandelt. Strom und Wärme liefert das Dorf durch modernste Solartechnik und Erdwärme mit sehr großem Wirkungsgrad. Davon profitieren auch die Ladestationen für Elektroautos, die 10 Teslas bequem Platz bieten würden. Eines der zentralen Anliegen der ReGen Villages ist neben der Unabhängigkeit besonders die Verantwortung und Lust an der Gemeinschaft. So verwundert es nicht, dass an jeder Ecke des Dorfes sogenannte “Social Spaces” einladen, um mit anderen Bewohnern in soziale Interaktion treten zu können. Abgerundet wird das Konzept durch ein “Community House”, welches als zentrale Anlaufstelle dient und den Gedanken von Gesellschaft und Miteinander noch einmal unterstreicht.

Bald keine Utopie mehr. Illustration der kreisförmigen Anordnung aller ReGen Villages Objekte.

Illustration © ReGen Villages

Wie würde der Alltag im ReGen Village aussehen?

Neulich ist mir die Kurzgeschichte “Humanic Park” von Andreas Eschbach mal wieder in die Hände gefallen. Ich denke, niemand möchte ernsthaft so leben, wie es da satirisch beschrieben wird.

Die Pointe: In 1000 Jahren haben die Menschen die Welt zerstört. Es gibt keinen Sauerstoff mehr, da sie den letzten Baum gefällt haben. Unsere Nachfahren, kleine Insekten, welche mit Kohlenmonoxid und Kohlendioxid in der Atmosphäre umgehen können, leben nun auf der Erde.

Die Frage, die unbeantwortet bleibt: „Warum haben sich die Menschen freiwillig der Grundlage ihres Daseins beraubt?“

Wenn man im Gegensatz dazu, die Vision der ReGen Villages sieht, kann man leicht ins Träumen kommen. Was wäre das für ein Alltag? Man wird morgens vom Sonnenlicht geweckt und nicht durch ein schrilles Weckerklingeln. Man nutzt das eigene, natürlich aufbereitete Wasser für die Morgentoilette. Und dann trinkt man ein Glas frisch gepressten Orangensaft – selbstverständlich aus eigener Ernte. Vormittags beteiligt man sich an den in der Gemeinschaft anfallenden Aufgaben. Aufgrund eines hohen Automatisierungsgrades hält sich der Aufwand in Grenzen. Am Nachmittag geht man einem eigenen Projekt nach, alleine oder mit den Nachbarn und Nachbarinnen. Jeder Mensch kann seine Stärken einbringen und es gibt genug Freiraum für angenehme Tätigkeiten, die nicht auf maximale Produktivität abzielen, sondern auf Kreativität, Gesellschaft und Miteinander. Angeln, ein Buch schreiben, eine App entwickeln, Gesellschaftsspiele spielen, Sport machen, ernten oder säen.

Es gibt genügend Raum sich zu entfalten in jeder Hinsicht. Und abends sitzt man im Sommer wie im Winter allein oder gemeinsam im Vorgarten bei angenehmen Temperaturen neben den Olivenbäumen und trinkt ein Glas vom dorfeigenen Weißwein. Ich persönlich bin davon überzeugt. Darauf lohnt es sich hinzuarbeiten.

Design Entwurf einer Innenansicht mit vertikalen Pflanzenbeeten.

Illustration © ReGen Villages

Aber wie weit ist das Projekt schon?

Aktuell entsteht das erste ReGen Village in Almere in den Niederlanden. Über 6.500 Familien wollen Teil dieser Utopie werden und haben sich für die 100 vorhandenen Pilothäuser beworben. Zur Zeit wirbt James Ehrlich anhand eines TED Talks weltweit für sein Projekt und sucht Mitstreiter und Mitstreiterinnen.

Ich hoffe, dass es nicht allzu lange dauert, bis das erste ReGen Village in Deutschland entsteht. Wir werden das Projekt auf jeden Fall weiter verfolgen und über Neuigkeiten in unserem Blog Future Proof World berichten. Glaubt ihr, dass diese Art von zusammenleben möglich ist, dann meldet euch.

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Dieser Artikel ist ein Gastartikel. Vielen Dank an die Gastautorin bzw. den Gastautor. Dieser Blog "Experiment Selbstversorgung" wird von Lisa Pfleger und Michael Hartl betrieben. Solltest Du auch eine Idee für einen Gastartikel haben, lies Dir gerne unsere Informationen dazu durch!

16 Gedanken über “ReGen Villages

  1. Sven

    Der Ansatz ist spannend, aber auf unserer Welt leben mehrere Milliarden Menschen, weswegen mir der Ansatz „Dorf“ viel zu klein ist. Es ist ein Ansatz, der wieder für wenige Menschen gedacht ist, wahrscheinlich für Menschen, die das nötige Kleingeld besitzen und dementsprechend ist der Luxusansatz auch zu erkennen, natürlich mit dem Ansatz der Nachhaltigkeit.

    Es spricht zwar überhaupt nichts dagegen, wenn sich hier eine Gemeinschaft findet, die super zusammenpasst, ein solches Projekt umzusetzen, aber es ist eben nicht die Lösung für alle Menschen,nicht die Lösung, die Nachhaltigkeit für alle durchsetzen wird.

    Die Bedenken, die hier von einem Kommentator eingebracht wurden, dass das aber nichts mit Natur im eigentlichen Sinne zu tun hat, kann ich verstehen, aber wir werden, wenn wir den Tieren und Pflanzen genügend Platz auf diesem Planeten lassen wollen, nicht umher kommen, unsere Ernährung mit technischen Hilfsmitteln zu sichern. Die Natur erleben können wir dann, indem wir uns auf Erkundungstouren durch den Wald begeben …

    1. Andreas IlgAndreas Ilg Beitrags Autor

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Habe gerade den Film „Tomorrow“ gesehen, der sehr eindrucksvoll zeigt wie schon jetzt durch einen manuellen Anbau von Permakulturen, dass 3- bis 4-fache an Ertrag pro qm erzielt werden kann als durch die industrielle Landwirtschaft. D.h. es wäre schon möglich auch mit wenig Platz viele Menschen zu versorgen. Sogar ganz Städte (das ist erklärtes Ziel von Detroit). Meines Erachtens spricht aber auch nichts dagegen diesen Prozess durch moderne Technologien positiv zu unterstützen.

  2. Egon Hauck

    Ein interessantes Projekt. Es ähnelt sehr dem, das ich seit etwa 10 Jahren entwickele, allerdings ohne Universitäten im Hintergrund. Mein Schwerpunkt liegt auf einer ökologischen und sozialen Gestaltung. Eine nachhaltige Gemeinschaft ist nicht nur im Wasserverbrauch, im Essen und trinken nachhaltig, sondern auch als Gemeinschaft selbst nachhaltig, was bedeutet, dass in ihr alle Altersgruppen vertreten sind, dass die dort lebenden auch dort ihren Lebensunterhalt erwirtschaften können, sowohl durch Gartenbau, als auch durch kleine Werkstätten, durch den Austausch ihrer Produkte und Dienste. Die Häuser sind quasi autark, Sie sollen in meinem Projekt als Alternative zum nicht mehr bezahlbaren Sozialwohnungssystem in Quartieren mit 10 bis 20 Häusern, die von den Bewohnern in Gemeinschaftsarbeit selbst gebaut werden und deren Kosten durch das Wohngeld, das weiter gezahlt wird bis der subventionierte Preis von 10000 € abgezahlt ist. Danach sind die Bewohner des Hauses Eigentümer ad Usum.
    Auf diese Art könnten in ganz Europa, kleine Dörfer bzw. Quartiere entstehen, Quartiere, in denen viele Menschen ein kooperatives Zusammenleben erproben. So gewinnt das Projekt nicht nur eine ökologische und soziale Komponente, sondern bildet den Boden für einen gesellschaftlichen Wandel. Mehr dazu auf utopia.de im Blog 10000 € Haus, oder auf der Webseite http://10000-euro-haus.de

  3. Ursula Goldbrunner

    Hallo Ihr Lieben, ich finde das Projekt sehr reizend und schön ausgedacht. Wenn alle mitmachen, kann das sicherlich auch funktionieren. Wir machen seit 20 Jahren sowas ähnliches in wunderschöner, natürlicher Umgebung in Südspanien und können uns das Glashaus sparen. Allerdings wollten bei uns nicht viele Leute mitmachen, weil es doch ein „bisschen“ Arbeit macht, einen Garten zu pflegen und sich um die eigene Infrastruktur zu kümmern. Das stellt man allerdings erst fest, wenn man dann wirklich loslegt.
    Wünsch Euch viel Glück
    LG
    Ursula

  4. Ben

    Hi,

    Auf eine Weise faszinierend zu lesen; dennoch erschreckt mich der Gedanke in einem Glasdorf zu leben, in dem versucht wird mit allen Mitteln der Technik eine Hightech-Natur zu erschaffen, die sich von örtlichen Gegebenheiten unabhängig macht und nicht der wahren Natur folgt, sondern dem Gaumen der Menschen. Von Fukuoka habe ich gelesen und fühle sehr stark, wie er erklären versucht, was er mit natürlicher Landwirtschaft meint. Dies wäre nicht natürliche Landwirtschaft; Pflanzen wachsen nicht in ihrer natürlichen Form in der Erde, sondern aufgereiht in Regalen in Glashäusern. Sie wären auf die Technologie der Menschen angewiesen, es würde nicht versucht, der Natur zu ihrer größtmöglichen ureigenen Perfektion und Natürlichkeit zu verhelfen.
    Ich finde es schwer meine Sicht auf den Punkt zu bringen, aber ich denke in der Tat, dass solche Dörfer keine schönen Plätze zum wohnen wären, zumindest nicht viel angenehmer als ein normales beliebiges Neubau Reihenhausviertel.
    Mein Hauptgedanke ist glaube ich, dass der Mensch wieder in die Falle tappt zu denken, er würde mit seiner Technologie etwas bahnbrechendes erschaffen und auf dem Pfad wandelt, zu denken über der Natur zu stehen, sie zu verstehen und in Regale abpacken zu können und so dann natürlich zu leben. Man setzt sich in ein Haus, bei dem man den Abglanz der Wunderbar-keit der Natur anschaut und sich ein luxuriöses, hochtechnisches Leben schafft, durch das man aber nur immer weniger von der wahren Natur (auch des Menschens) versteht. Das Wollen steht hier weit oben. Ein Elektroauto, exotische Früchte zu jeder Jahreszeit, Wein, Unabhängigkeit von örtlichen Gegebenheiten…..
    Nicht das wir nicht jetzt schon fast alle so leben würden, das tun wir, und ein solches Projekt würde die Lebensdauer der Menschen auf dem Planeten verlängern können. Aber der Urgedanke kommt nicht aus Einsicht in die Natur der Natur, und der des Menschens, sondern aus wissenschaftlicher Fortschrittsgläubigkeit und Luxusüberlegungen.

    Dennoch denke ich, dass die Menschen so sehr in Ihren Bahnen fixiert sind, dass es vielleicht eine gute Option für Wohlstandsorientierte wäre, Erden-freundlicher Ihrer Sicht der Dinge nachzugehen, die nächste Mission zum Mars oder gar neuen Galaxien zu planen.

    Der wirkliche Weise würde womöglich mit einem Grinsen auf dem Gesicht die Unnötigkeit der ganzen höchst raffiniert ertüftelten Bauten, Anlagen und Konzepte anschauen und wieder in seinen Garten unter freiem Himmel gehen, Tee trinken und sich freuen, die Welt nicht nur hinterm Fenster kennenzulernen.

    Viele Grüße,

    Ben

    1. Eduard

      Sehe ich ähnlich. Einfachheit sollte in jeder Hinsicht die Grundlage sein. Und das mit dem Glas gibt es bereits, wurde unter dem Namen „Biosolarhaus“ patentiert. Das Problem: Glas ist als Baustoff für die Außenhülle unheimlich teuer… Man sollte also Einfachheit mit den heutigen technischen Möglichkeiten verbinden, und da es heute eine Strohballenpresse gibt, wäre die beste Lösung ein Strohballenhaus.

    2. Andreas IlgAndreas Ilg Beitrags Autor

      Hallo Ben,

      sehr interessante Gedanken. Ich persönliche kann dem technologischen Fortschritt viel abgewinnen. Er hat immerhin dazu geführt, dass wir alle (vermutlich auch der wirklich Weise) nicht mehr in Höhlen wohnen, in ferne Länder reisen und per Telefon oder Computer mit der ganzen Welt kommunizieren und dabei so viel lernen können. Und warum sollte das Leben nicht angenehm bzw. luxuriös sein? Es kommt ja immer darauf an, wie man Luxus definiert. Wenn Luxus in Zukunft mehr Zeit und mehr Gemeinschaft statt mehr Besitz bedeutet, dann wären wir ja auf einem guten Weg.

  5. Dieter Brehm

    Sehr spannender Ansatz – danke für diesen schönen Beitrag. Ich will jetzt nicht als Bedenkenträger auftreten, nein, weil im Grunde meines Herzens bin ich ein naiver Idealist….
    Ich stelle mir dennoch immer die Frage, ob eine solche Gemeinschaft wegem dem Faktor Mensch überhaupt funktionieren kann: Neid, Habgier, Missgunst, das sich abgrenzen wollen von anderen…sind das Dinge, die von der Menschheit überwunden werden können? Ohne diese Überwindung, so denke ich mir, kann eine solche Gemeinschaft nicht funktionieren.

    1. Michael HartlMichael Hartl

      Ja, das ist eine spannende Frage. Diese Eigenschaften von Menschen, sofern wir sie überhaupt wirklich alle haben, bedingen sich aber doch gegenseitig mit der die Menschen umgebenden Gesellschaft. Also müssen wir auch andere Umfelder schaffen, damit sich andere Eigenschaften herausbilden können. Oder?

      1. Dieter Brehm

        Ich bin kein Psychologe. Ich spreche nur aus dem, was ich sehe und wie ich den Umgang der Menschen miteinander erfahren habe: Ein Anlass mit inspirierender Wirkung bringt Menschen mit einem gleichen Interesse zusammen. Das geht ein Weile gut, solange das neue Feuer der Idee noch in den Menschen brennt. Mit der Zeit, wenn sich so was wie Alltag und Gewohnheit einstellt, dann wird das Feuer kleiner, wird eine kleine Flamme und die Menschen verfolgen in Wahrheit wieder ihre eigenen kleinen Ziel – mit allen Faktoren, die ich im Ausgangskommentar schon beschrieben habe: Neid, Missgunst, Habgier, sich über andere stellen.
        Das kannst Du in jedem (neuen) Verein nachleben, wenn du ein Weilchen dabei bleibst. Auch in jeder Beziehung.
        Ich möchte das wirklich tolle Projekt nicht niederreden und auch keine kleinlichen Sprüche klopfen der Art „das kann doch sowieso nicht funktionieren“ Glaubst Du, dass für die Menschen ein Umfeld geschaffen werden kann, so dass diese kleinlichen Eigenschaften nicht aus den Menschen hervortreten? Ich empfinde es als sehr wichtig, den Faktor Mensch bei solchen Projekten mit einzuplanen und nicht automatisch nur Gutes zu erwarten.
        LG, Dieter

        1. Gregor Ilg

          Hallo Dieter,

          ich finde Deine Fragen sehr sinnvoll und sehe sie gar nicht als „niederreden“ sondern eher als ernsthaftes Interesse mit einer gesunden Skepsis.

          Ich persönlich finde die oben beschriebene Idee sehr reizvoll, glaube aber ähnlich wie du, dass die einfache Vorstellung, von einem nachhaltigen glücklich und zufriedenen Miteinander nicht allein dadurch erzielt werden kann, dass man in einem modernen Öko-High-Tech-Dorf lebt. Die ReGen Villages können lediglich ein inspirierendes Umfeld schaffen, in dem dann gemeinsam neue Ideen und Projekte ermöglicht werden.

          Und das halte ich wiederum für absolut möglich. Nicht umsonst gibt es Unternehmen (und auch Vereine) in denen sich die Menschen jahrelang engagieren und wohlfühlen, weil sie nämlich gemeinsam immer wieder neue inspirierende Projekte und Tätigkeiten durchführen. Die ReGen Villages können einen idealen Rahmen darstellen. Aber den Sinn und Zweck des eigenen Handelns können sie nicht definieren. Dafür müssen andere Konzepte einspringen (Stichwort: NewWork und Digitale Bildung).

          1. Andreas Broby Ilg

            Leute
            Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich ihr mich mit dieser Diskussion über meinen Artikel macht. Ich sehe mich gerade dieser Situation in meiner staatl. Schule ausgesetzt. Ich denke quer und finde viele Dinge im Schulsystem nicht mehr zeitgemäß. Dadurch werde ich abgelehnt und isoliert. Meiner Wahrnehmung nach sind es gerade die von Dieter genannten Eigenschaften, welche uns daran hindern Kinder durch eine andere Brille schauen zu lassen. Teamgeist, Interesse an der Gemeinschaft, Empathie, Lust am Lernen und Freude an der Natur sind unter anderem Eigenschaften die wir brauchen werden, in Zeiten des digitalen Wandels. Leider stehen diese nicht an erster Stelle im heutigen Schulsystem. ReGen Village ist ein wunderbarer Rahmen um diese Eigenschaften zu lernen. Was eben noch fehlt ist eine Lehreinrichtung die diese Dinge auch vermittelt. Mit diesem alten, verkrusteten Schulsystem geht dies leider nicht. Es gibt noch zu wenige die sich darüber Gedanken machen. Aber es werden von Tag zu Tag mehr und darin liegt meine Hoffnung. Viele kleine Zellen werden zu einem starken Organismus. Irgendwer muss anfangen nach dem „warum“ zu fragen.
            Danke und LG
            Andreas

            1. johanna fessl

              wenn sich der mensch nach dem warum frägt, will er wissen wozu er hier ist,oder,
              was ist meine,des
              menschen aufgabe hier auf diesem planeten?
              ich empfehle die joty-meditation,eine uralte methode aus dem osten.
              lerne auf licht und klang in deinem inneren zu meditieren, und das leben hier wird zur freude,
              und voller liebe, denn das ist unsere alleinige arbeit und aufgabe als menschen,
              liebevoll zu allen wesen zu sein(,solange tiere noch geschlachtet werden,. hat einmal ein alter mann gesagt, wird es noch kriege unter den menschen geben, neid , eifersucht, gier werden weiterbestehen, und ein wahres miteinander verhindern)
              „I have no friend exept my Beloved
              I have no work exept His love“
              (Sant Darshan Singh Ji Maharaj)
              machen wir uns an die arbeit,mal jeder in seiner nächsten umgebung,dann in der weiteren umgebung, gemeinschft….,es ist echte arbeit,( aus meiner erfahrung)
              johanna

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