Rebschnitt

Keine Angst vor der Schere

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
10. März 2013

Seit heute weiß ich, warum Wein machen so ein beliebtes Hobby ist. Heuer beginnen wir unseren „kleinen“ Weingarten von knapp 1000m² selbst zu pflegen. Vor ein paar Tagen hatten wir nicht den leisesten Schimmer davon, wie man Wein richtig schneiden muss. Zugegeben ein bisschen bange war mir ja schon. Immerhin gibt es da ja riesig dicke Wälzer darüber und mein Unterrichtspraktikum an einer Weinbauschule hat bei mir auch nicht gerade den Eindruck hinterlassen, dass es einfach wäre…

Aber wie so oft im Leben… alles chillig! Vor allem wenn:

  • man nicht finanziell davon abhängig ist, und es deswegen nicht darum geht im eigenen Weingarten auch aus dem letzten Futzelchen noch den maximalen Ertrag raus zu holen
  • man Uhudler bzw. andere Direktträgersorten anbaut (Veredeln? Papperlapapp! Rebe abgeschnitten und in die Erde gesteckt – und schon wächst ein neuer Weinstock daraus ;)

Uhudler hat dazu den Vorteil, dass er im Prinzip nicht gespritzt werden muss. Mittlerweile soll es einen Schädling geben, dem selbst der Uhudler nicht stand hält aber mal sehen, der Schädling muss ja erst mal kommen :)

Wir lernen von erfahrenen „Nachbar*innen“

Ja… und so standen wir vor drei Tagen zum ersten mal bei der lieben Brigitte Gerger im Weingarten und wurden wunderbar in den Rebschnitt eingeführt. Mit einer Lässigkeit, dass im Handumdrehen alle Unsicherheiten verflogen waren und Rebschnitt plötzlich als das Selbstverständlichste der erschien.

Die Brigitte Gerger der Wieseninitiative erklärt uns exakt, wie der Weinstock aufgebaut sein sollte und wie wir ihn deswegen schneiden werden.

Brigitte Gerger von der Wieseninitiative erklärt uns exakt, wie der Weinstock aufgebaut sein sollte und wie wir ihn deswegen schneiden werden.

Und nach der Erklärung gehts los!

Und nach der Erklärung gehts los!

Brigitte mit ihrem reichen Wissensfundus ist übrigens Mitbegründerin der Wieseninitiative im Südburgenland. Das Vereinsziel ist es, die Landschaft zu erhalten mit all ihren Besonderheiten. Die gefährdetsten Teile dabei sind eben Wiesen und Streuobstbestände. Eine tolle Sache, sich für deren Erhaltung einzusetzen, wie wir finden. Jedenfalls wurde mein Interesse für alte Obstsorten nur noch mehr geweckt.

Rebschnitt für AnfängerInnen

Soweit ich verstanden habe, sind die wichtigsten Punkte folgende:

  • Jetzt werden die alten Reben geschnitten, dabei sollen zwei „Strecker“ruten übrig bleiben, die man dann an die Drähte paralell zum Boden spannt. (aus den horizontalen einjährigen Ruten treiben wiederum Ruten senkrecht nach oben, die dann Blätter und Blüten/Trauben bilden)
  • Zusätzlich muss man sich eine Rute als „Zapfen“ zurückschneiden (so kurz, dass zwei Knospen bleiben und wieder möglichst Stammnahe!) – aus diesen treiben dann wiederum die Ruten, die man dann idealerweise im nächsten Jahr als einjährige Reben wieder parallel runter biegt.

Und den Rest? Ratzeputz wegschneiden! Das wars? Im Prinzip ja :)

So soll der Weinstock nach dem Schnitt im Winter aussehen: Zwei Strecker, die später zur Seite gebunden werden - und ein Zapfen für die Strecker des nächsten Jahres.

So soll der Weinstock nach dem Schnitt im Winter aussehen: Zwei Strecker, die später zur Seite gebunden werden – und ein Zapfen für die Strecker des nächsten Jahres.

Wein verjüngen

Wir haben hier zum Teil sehr große und gewucherte Weinstöcke. Das ist an sich nicht schlimm, jedoch wachsen sie irgendwann über das Spalier hinaus und man kann nicht mehr bequem arbeiten. Zudem schadet eine Verjüngung nicht! Vergreiste Weinstöcke geben keinen guten Ertrag mehr.

Wenn ein Weinstock zu verwachsen ist und damit zu hoch wird, darf auch mal radikal mit der Baumsäge drangegangen werden!

Wenn ein Weinstock zu verwachsen ist und damit zu hoch wird, darf auch mal radikal mit der Baumsäge drangegangen werden!

Wein für die Selbstversorgung

Naja, zugegeben Alkohol ist nicht das wichtigste, dass man selbst anbauen muss ;) Ich persönlich bevorzuge ja den Traubensaft, der besonders vom Uhudler phantastisch schmeckt! Das ist ganz ein eigener Geschmack. Auch die Trauben sind total lecker zum Essen und die Marmelade ist sowieso ein Traum. Die Konsistenz der Beeren ist auch sehr lustig – irgendwie gallertartig oder wie ein extrem weiches Gummibärchen :) Wir haben hier auch eine weiße Sorte, die, wenn man sie kurz vor der Vollreife erntet, auch einige Zeit lagerbar ist! Besser gehts nicht, oder?

Im Moment werden wir wohl nicht unbedingt mit dem Hobbyweinmachen beginnen, sondern eher Saft und Marmelade machen. Aber wer weiß, Michael gefällt die Arbeit schon sehr ;)

Heute waren wir den ganzen Tag draußen in der Sonne und wie ich eingangs schon erwähnt habe, mir ist nun sonnenklar warum das so ein beliebtes Hobby ist. Es gibt kaum was Schöneres als im Weingarten zu arbeiten…

Habt ihr schon Erfahrungen mit Weinsorten und Pflege? Wir hätten ja gern ein paar Stöcke, die sich gut zum Trocknen (für Rosinen) eignen und auch sonst noch ein paar verschiedene Tafelsorten.

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

14 Gedanken über “Rebschnitt

  1. Jens

    Danke für den Erfahrungsbericht. Als Wegeleitung für Anfänger ist der Bericht aber eher weniger hilfreich. Zum Glück kann man wirklich kaum etwas falsch machen. Dickes Altholz sollte der Anfänger aber meiner Meinung nach erstmal in Ruhe lassen.

    Es gibt durchaus auch Reben in der Fächerform. Da wäre die hier vorgestellt Methode ziemlich unbrauchbar.

  2. Martine

    Ja das richtige schneiden hab ich gelernt. Habe nur einen stock der an eine suedwand waechst. Er gibt blauwe und weisse trauben die herrlich schmecken. Die letzte weissen habe ich letztes jahr am 11-11 geerntet.

    Ihr vergisst hoffendlich nicht auch die traubenkerne zu essen? Die meisten leute spucken die aus was sehr schade ist.

    XXXm

  3. Sandra

    @ Günther: Wie man an den Rebpflege herangeht ist Geschmacksache. Man kann gar nicht schneiden oder jedes Jahr. Es kommt insgesamt für Traubensaft oder Wein auf dieselbe Erntemenge heraus.

    Für die Verwendung als Esstrauben würde ich den Rebschnitt vorziehen, um ganze Trauben ernten zu können und größere Beeren zu erhalten. Wenn nicht geschnitten wird, sind die Weinbeeren viel kleiner und natürlich sind sie auch unzugänglich was eine optimale Ernte im Herbst enorm erschwert.

    Man schneidet deshalb im Winter (noch besser zu besonderen Tagen), damit die Rebe nicht so stark darunter leidet, weil sie sich in Winterruhe befindet. Bei eventueller Einkürzung im Sommer ist es förderlich behutsam vorzugehen.

    Mit besten Grüßen ;-)

    1. Günther

      Hallo Sandra, von ausgebildeten Önologen und pomologen zu ausgebildeter Önologin und Pomologin.

      Rebschnitt ist so individuell wie Haarschnitt bei uns :-)

      Ich schneide Reben, natürlich im Winter, aber sicher nicht mit der Säge. Altes Holdz hat immer noch eine Speicherfunktion und dient zur Einlagerung von Reservestoffen. Nicht umsonst sind Trauben aus alten Anlagen meist intensiver und Gehaltvoller als aus Junganlagen. Auch wenn der Ertrag runter geht.

      Nichtschneiden ist für Tafeltrauben wahrlich nicht die erste Wahl. Aber Beilschmid Rudi aus Rust könnte da sicher viel mehr darüber erzählen

      Wobei ich davon lebe, aber auch mit wenig Ertrag leben kann :-)

  4. Sandra

    Ich sage mal naja. Zuerst wollte ich keinen Kommentar hinterlassen, da aber am Ende nach Tipps für Tafeltrauben gefragt wurde: Perle von Csaba, Königin der Weingärten und Tafeltraubensorten, die resistent auf div. Pilzkrankzeiten (Pero und Oidium) sind.

    Der Artikel geht maximal als enthusiastischer Hobbyweinschnittartikel durch. Ich weiß ja nicht was das Ziel war? Nehme an Erfahrungen zu teilen und mehr Infos zu bekommen.

    Es gibt kein Hausrezept für den Rebenschnitt, so wie es in diesem Artikel angegeben wurde. Ich wünsche euch, das ihr genau dieselbe Sorte + denselben Standort + dasselbe Rebalter usw. wie die Gitti habt, damit ihr das 1:1 übernehmen könnt und die Weingartenpflege funktioniert.

    Wahrlich sind pilzresistente Weinsorten einfacher in der Pflege. Gerade beim Uhudla gibt's recht unterschiedlich wüchsige Weinsorten, drum kann man gerade da im Unterschied zu vielen weltweit üblichen Weintraubensorten keinen Standardschnitt auf alle Varianten umlegen.

    In der langjährigen genauen + häufigen + sensiblen Beobachtung werdet ihr schon drauf kommen was wichtig und passend ist.

    Liebe Grüße von der ausgebildeten Önologin und Pomologin ins Hinaznlond. :)

    1. Michael HartlMichael Hartl

      Liebe Sandra,

      genau dieser Weg – beobachten, machen, ausprobieren, nachsteuern, lernen – gehen wir ja. Und dieser Artikel ist ja keine Anleitung sondern unser Bericht über unseren Tag beim Weinschnitt. Und was er bei uns ausgelöst hat. Uns hat er nämlich die Angst davor genommen, die durch zu viel Mystifikation und "Verwissenschaftlichung" bei sehr vielen Menschen bei viel zu vielen Themen entsteht. Und dann oft dazu führt, dass nicht mal der erste Schritt gegangen wird – und der heißt eben: sich von jemand erfahrenen erklären lassen und dann selbst umsetzen und die Ergebnisse beobachten. Daraus entsteht Erfahrung – und dann echtes Begreifen. Theoretisches Wissen kann das nur unterstützen – aber nicht erzeugen.

      -> Zur Info: Was dieser Blog ist – und was nicht

  5. anja

    für getrocknete trauben eignen sich kleintraubige sorten ohne kerne am besten wie z.b sultanas. oder wenns rosinen werden sollen kleintraubige rote. ich mag muskattrollinger getrocknet, herrlich würzig.

  6. Günther

    also radikal mit der Baumsäge würd ich an meine Weinstöcke nicht rangehen. Du hast sicher auch keine Freude, wenn man dir einen Arm amputiert. Jede Wunde bedeutet Stress für die Rebe und da is nix mehr mit chillig.

    Ansonsten ists echt nicht so schwer :-)

    1. Michael HartlMichael Hartl

      Der Bilduntertitel ist von mir. :) Und ich finde es nicht gut, mit der Baumsäge ran zu gehen – darum wohl diese "verbale Radikalisierung". ;)

      Aber wenn der "Kopf" des Weinstocks schon deutlich, deutlich höher ist als der unterste Draht, an dem die Strecker dann ja festgebunden werden, dann hab ich jetzt den Eindruck, sollte man verjüngen, wenn es sich anbietet (schöne Austriebe weiter unten).

      Hoffe die Begriffe passen einigermaßen…

      Oder in der Sprache Deines Beispiels: Wenn mein Arm am vertrocknen und abbröseln ist, bin ich vielleicht ab irgendeinem Punkt sogar sehr dankbar für die Amputation des selbigen.

      Liebe Grüße!

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