Ein Gastartikel auf Lisa und Michaels Blog:

Pflanzliche Notnahrung

Survivalwissen für Extremsituationen

Bella
Von Isabella Ostovary
27. November 2014

Im Buch „Pflanzliche Notnahrung“ von Johannes Vogel geht es um die Verwendung von Pflanzen in Extremsituationen. Und das nicht nur in mitteleuropäischen Wäldern, sondern weltweit. Wie erkennt man die richtige Pflanze? Für was kann man welche Pflanzenfamilie verwenden? Wie wichtig ist welche Pflanzenfamilie fürs Überleben?

Der Unterschied zu anderen Büchern über Wildpflanzen ist, dass man nicht einzelne Pflanzenportraits durchliest, sondern das man sich über botanische Systematik und Familienportraits dem Thema annähert. So kann man bei Extremsituationen, in denen man gezwungen ist unbekannte oder nicht eindeutig bekannte Pflanzen zu essen, das Risiko reduzieren, giftige Pflanzen zu sich zu nehmen.

Ist das eine Blume?

Der Autor startet anfangs mit einem Crashkurs in Botanik, der einer Einführungsvorlesung auf der Universität um wenig nachsteht: Aufbau einer Pflanze, Bestimmungsmerkmale, kleine Standortkunde und Systematik. Schon in den ersten Kapiteln kommen sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Laien auf ihre Kosten.

Danach werden die gängigsten und zum Überleben wichtigsten Nährstoffe erläutert und kurze Hinweise zur Zubereitung gegeben. Zum Beispiel sollte man Pflanzen, die in direktem Kontakt mit Wasser stehen immer blanchieren, um mögliche Erregerstadien von Parasiten auf der schleimigen Oberfläche abzutöten.

In diesem Teil erläutert der Autor auch die in Survivalkreisen anscheinend viel gepriesenen Genießbarkeitstests und warum man diese lieber nicht anwenden sollte.

Die Familie ist wichtig

Der Hauptteil des Buches beschäftigt sich mit Familienportraits, allerdings nicht mit denen der Großmutter mütterlicherseits des Autors, sondern mit den Familienportraits von Pflanzenfamilien. Dieser Teil erklärt Allgemeines zur jeweiligen Pflanzenfamilie und liefert Informationen zu Blüten, Blättern, Samenständen, Wuchsformen, Geruch und wo wichtige Vertreter der Familie zu finden sind.

Unter anderen wird die Familie der Korbblütler vorgestellt, die sehr artenreich ist und besonders viele essbare Arten enthält. Wir erfahren hier, einiges über bestimmungsrelevante Merkmale wie Blütenbau, Blattform und Blattstellung und nebst dieser Beschreibung wird die Verwendung dieser Familie in Extremsituationen erklärt: die Samen können einfach zerkaut werden und enthalten viel Energie in Form von Öl und entwickeln oft energiereiche Rhizome oder Pfahlwurzeln. Da es sich bei den energiereichen Speicherstoffen in diesen Pflanzenteilen um Inulin handelt, das leicht ausgewaschen werden kann, sollten die Bitterstoffe mit kaltem Wasser ausgelaugt werden.

Zu einigen Familien stellt der Autor auch interessante Faustregeln vor, wie z.B. diese, die bei unbekannten Vertretern der Korbblütler angewendet werden sollte: „im Notfall muss bei unbekannten Korbblütlern folgende Regel beachtet werden: Ernten Sie keine Pflanzen die einen schwarzen Fleck an der Spitze der grünen Hüllblätter unterhalb des Blütenkopfes besitzen oder deren Blätter eher unangenehm nach Chrysanthemen oder stark nach Mohn riechen.“ Klingt jetzt etwas kompliziert (was es auch ist) und ist ein wichtiger Hinweis wenn man in einer Extremsituation ist, kein Bestimmungsbuch zur Hand hat und die Familie der Korbblütler kennt, aber die Pflanze, die man gerade essen will, nicht.

Um diese Faustregeln auf unbekannte Pflanzen anwenden zu können muss man, wie der Autor immer wieder betont, botanisches Grundwissen beherrschen, da man mögliche Extremsituationen sonst mit dem eigenen vorzeitigen Tod durch Vergiftung verkürzt (siehe „Into the Wild“) oder seine Situation durch Folgebeschwerden, Zeit- und Nährstoffverlust noch verschlimmert.

Wow, Pflanzenfamilien zu kennen ist also nicht nur was für Botaniker, sondern wirklich sinnvoll.

Dirty Dozen – jetzt wird’s schmutzig

Dieser Teil des Buches beschäftigt sich mit den sogenannten Dirty Dozen. Das sind Pflanzengattungen, die weltweit zu finden sind, einen hohen Nährwert haben und die man fast nicht verwechseln kann wie z.B. Brennnesseln, Fuchsschwänze, Gänsefüße oder Kletten. Zu jeder Gattung gibt es viele Informationen zur Erkennung, Sammelzeit, Standort usw. Das die Sammelzeiten der jeweiligen Gattung weltweit unmöglich die Gleichen sein können wurde wohl übersehen, die Informationen vor allem zu den Verwechslungsgefahren mit anderen Gattungen habe ich sehr hilfreich gefunden, da diese in vielen Büchern fehlen.

„Wer die Dirty Dozen verinnerlicht und einen Blick für die Pflanzen entwickelt hat, wird auf jeder Fernreise ständig essbare Pflanzen finden […]“ nun, ich werde es auf meiner nächsten Reise ausprobieren.

Im letzten Teil wird anschaulich erklärt wie man erwünschte bzw. unerwünschte Inhaltsstoffe aus den Nahrungspflanzen zugänglich machen bzw. entfernen kann und wie man diese Methoden mit Holz und Steinen umsetzt . Auslaugen, Rösten, Trocknen, Garen, usw. klingt ja alles nicht so wild, aber mit nichts weiter als Holz und Steinen als Werkzeug… ich glaube ich muss das erst mal ausprobieren, sonst stelle ich mich in einer Extremsituation sicher ziemlich blöd an. Jedenfalls verstehe ich jetzt viele Verarbeitungshinweise zu Wildpflanzen besser, da auch erklärt wird welche chemischen Reaktionen durch die jeweilige Zubereitung ausgelöst werden und welche z.B. gefährlichen Stoffe in der Pflanze dadurch inaktiviert werden.

Um das Buch abzurunden sind zum Schluss auch einige einfach herzustellende Werkzeuge beschrieben, mit denen man an die begehrten Kalorien über und unter der Erde am schnellsten herankommt. Bis ich den Grabstock und die Mahlrinne ausprobiere wird es wohl noch etwas dauern, aber ich denke den vorgestellten Beerenpflücker werde ich demnächst bauen, da es bei meinen Eltern im Wald ziemlich viele Schwarzbeeren gibt, die mit dem Pflücker sicher besser zu sammeln sind.

Mein Fazit

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen, da der Autor mit Themen wie Ernährung mit Wildkräutern, pflanzliche Medizin und Survival, die ja oft ein bisschen romantisiert werden, nüchtern umgeht und sie ausführlich diskutiert. Ein weiterer Pluspunkt ist seine Ausdrucksweise, die einen tollen Spagat zwischen Fachbegriffen und Alltagssprache schafft.

Und du?

Wie gut kennst du dich mit Wildpflanzen aus? Hast du noch andere gute Tipps (auch Literatur)? Hast du dich schon mal bei Pflanzen „vergriffen“?

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Pflanzliche Notnahrung – Survivalwissen für Extremsituationen

 

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