More Than Honey – Eine Kritik

Michael Hartl
Von Michael Hartl
9. November 2012

Lisa und ich waren letztens mit einer lieben Freundin und ihrem Partner in Wien im Kino. Und wenn uns was ins Kino zieht, dann meist ein Film über ein Thema, das uns am Herzen liegt. Im aktuellen Fall also „More Than Honey“, ein Film über das Bienensterben. Der läuft seit Kurzem und hinterlässt viele staunende Menschen, denen vor allem die Bilder sehr zugesagt haben. Und die Bilder sind tatsächlich phantastisch!

Makroaufnahmen aus den Bienenstöcken, die tiefen Einblick zeigen. Aufnahmen der Bienen im Flug. Tolle Szenerien aus der Schweiz und aus Österreich. Schockierende Bilder von einer unendlich großen Mandelplantage in den USA.

Böse USA, gutes Europa?

Ein wenig hat mich das beim Film gucken schon gestört. Da werden große Monokulturen in den USA gezeigt und wunderschöne schweizer Alm-Öhi-Szenen…

Der raffgierige, geldscheffelnde Brutalo-Imker in den USA, der den Tod hunderter Bienenvölker in seinem Betrieb eher marktwirtschaftlich analysiert, kurz selbst sagt, er habe seine Seele verloren, so wie er mit den Tieren umgeht, es dann aber wiederum marktwirtschaftlich rechtfertigt. Als Gegenbild wieder der nette Imker von nebenan in Europa, der sehr traurig wird als eines seiner Bienenvölker stirbt.

Hatte der an sich recht gelungene Film sowas wirklich nötig? US-Bashing und nette Heimatbilder? Und ein Verschweigen der großen Probleme bei uns?

Wissen tut er’s

Auf der Website zum Film lässt sich ein sehr ausführliches Interview mit Markus Imhoof herunterladen, der Regie führte, das Drehbuch schrieb, und einer der Produzenten des Filmes war. Und da spricht er viel deutlichere Worte, als sie im Film vorkommen. Und weil die so wahr sind, hier ein Ausschnitt des Interviews:

Frage: Ist das Bienensterben ein Problem, das von staatlichen Institutionen gesehen wird, gibt es da irgendwelche Initiativen oder Überlegungen, etwas zu machen – oder ist es so wie bei Mr. Miller, dem us-amerikanischen Großimker aus dem Film, der sagt, „It’s my nature – ich sehe die Probleme, aber es geht nicht anders, wir sind schließlich Kapitalisten“?

Markus Imhoof: Jedes Land hat seine Bieneninstitute. Die UNO und der Club of Rome machen Analysen und dann wird in der Wirklichkeit nach der kurzsichtigen Rentabilität gehandelt.

Pervers ist, dass die Landwirtschaft, die von den Bienen lebt, selbst eine der größten Bedrohungen für die Bienen ist. Wenn man effektiv arbeiten will, dann muss alles grade sein und möglichst weit. Die ganzen Hecken und das so genannte Abfallland, was eigentlich der Rest Natur wäre, der wird mehr und mehr beseitigt und die Artenvielfalt wird wegrationalisiert. Mit der Ausrede, die Welt ernähren zu müssen, haben wir eine immer totalitärere Landwirtschaft. Und alles Totalitäre muss seine Feinde mit harter Hand bekämpfen, sonst funktioniert es nicht. Monokulturen sind ein Fest für Parasiten, die haben hier ein Schlaraffenland. Darum müssen Pestizide und Herbizide gesprüht werden.

Der UNO Food Report sagt zwar, dass die Menschheit nur mit einer kleiner strukturierten Landwirtschaft zu ernähren sei, aber das Gegenteil wird gemacht.

Ich habe zum Beispiel um Unterstützung angefragt beim Landwirtschaftsministerium in der Schweiz und die haben gesagt, „Also Bienen sind nicht so
unser Thema“.

Und außerhalb der Politik?

Ein ganz einfaches Beispiel mit dem Mais: da gibt es diesen Schädling, den Maiszünsler, der die Maispflanzen angreift und der mit einem Nervengift aus künstlichem Nikotin bekämpft wird: Die Samen werden damit gebeizt und beim Ausbringen – die Sämaschinen arbeiten mit Pressluft – wird das Pestizid auch in die Luft gewirbelt. Es gab 2008 einen großen Bienenunfall im Rheintal in Deutschland. Dort sind Unmengen von Bienen gestorben.

Jetzt muss das Pestizid gesetzlich verordnet besser am Samen haften und es muss beim Säen weniger Luftdruck verwendet werden. Das Nikotin wird aber von der Pflanze aufgenommen, so wehrt sie sich gegen den Schädling, und wenn die Pflanze schwitzt, und die Bienen davon Wassertropfen heim bringen, dann vergiften sie den Stock. Bayer sagt zwar auf seiner Homepage, es wäre unglaubhaft, dass die Bienen dort Wasser holen. Aber da wo Wasser ist, holen sie es. Und auch in den Pollen steckt das Gift. Neonikotinoide sind jetzt für Mais in Deutschland, Italien und Frankreich verboten. Aber beim Raps ist es seltsamerweise erlaubt. Bayer macht damit immer noch einen Jahresumsatz von über einer halben Milliarde und kämpft um Wiederzulassung für Mais. Wohl darum hat Bayer jeden Kontakt mit mir verweigert.

Aber wenn man die Fruchtfolge einhalten würde und nicht jedes Jahr auf demselben Acker Mais pflanzen würde, könnte der Maiszünsler gar nicht überleben. Das heißt, es ginge ohne Gift. Weil aber Mais und Raps so lukrativ ist für den Biosprit (also nicht mal für die Ernährung der Welt), wird einfach auf demselben Land immer und immer und immer wieder nur Mais gepflanzt.

Untersucht wird von den Firmen immer nur, ob die Bienen an einem Pestizid sterben oder nicht. Aber Professor Menzel hat nachgewiesen, dass die subletalen Schädigungen durch das Nervengift auch bei niedrigen Dosen verheerende Auswirkungen haben, dass die Biene z.B. den Heimweg nicht mehr finde oder ihnen die Lebenslust vergeht.

Die Agrochemie schiebt alle Schuld für das Bienensterben auf die Milbe „Varroa destructor“, die seit 40 Jahren eines der größten Probleme für die Honigbiene darstellt. Darüber ist zwischen der Chemischen Industrie und den Imkern eine Art Glaubenskrieg entbrannt. Das Bienensterben ist aber kein Mysterium: Die Bienen sterben nicht einfach an Pestiziden oder Milben oder Antibiotika oder Inzucht oder Stress: Es ist die Summe von allem. Die Bienen sterben am Erfolg der Zivilisation.

Was kann ich machen, um Bienen zu helfen?

Auf diese schwierige Frage gibt es sicher keine so einfachen Antworten, aber erste kleine Schritte in die richtige Richtung könnten sein:

  • Dafür sorgen, dass es mehr blühende Pflanzen gibt – lasst Eure Balkone und Terassen erblühen, besorgt Euch Blumenkästen für die Fenster und lasst Eure Gärten und Feldränder zu ganzjährig blühenden Nektaroasen werden!
  • Hände weg von konventionellen Produkten – um das selbe Geld wie sonst konventionelles Halbfertig- und Fertigessen plus Naschereien, Zuckerzeugs und Junkfood lieber unverarbeitete, biologisch produzierte, saisonale Lebensmittel kaufen und damit zum selben Preis plötzlich gesünder leben und was für die Umwelt tun!
  • Stark machen, für eine kleinstrukturierte Landwirtschaft – kauft bei lokalen Kleinbäuerinnen, wählt Parteien, die sich dafür politisch stark machen, gründet Einkaufsgemeinschaften (Foodcoops), die nur bei kleinen Landwirtschaftsbetrieben einkaufen, und last but far not least: Werdet Bäuerinnen und Bauern und begrenzt Euch auf eine Größe, die ohne den Industrie-Wahnsinn der modernen Landwirtschaft auskommt!

Hat wer von Euch weitere Tipps, die von vielen Menschen umsetzbar sind? Dann ab in die Kommentare damit – ich werde sie von Zeit zu Zeit durchsehen und Tipps die ich auch gut finde hier in die Liste eintragen! DANKE!

Weitere Informationen

Und natürlich der Trailer, weil die Bilder sind auf jeden Fall beeindruckend:

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

40 Gedanken über “More Than Honey – Eine Kritik

  1. AHB-Blog(g)er

    Euren schönen Artikel habe ich gelesen, die Kommentare und den Film aber nicht gesehen. Okay, die Kommentare habe ich überflogen, und da gerade hat mich eines gewundert, was man vielleicht noch nachträglich in den Artikel einbauen könnte.
    Dieses bereits im Trailer angesprochene angebliche Zitat von Albert Einstein ist weder von ihm noch hat es je jemand in dieser Form ausgedrückt. Mal ungeachtet der Tatsache, dass ich nicht TV sehe oder ins Kino gehe, wäre so eine Falschzitierung auf einen Filmplakat ein Überlegegensgrund, warum ich eben nicht diesen Film unskeptisch begegnen sollte.
    Der Trailer hat mich zumindest nicht angesprochen, weil ich in den 2 Minuten nicht viel mehr als eine „Nutzinsektenhaltung“ und deren Folgen sah.

    Hier mein eigener Link mit diesem Zitat und dem Link zum Gegenbeweis, das es nicht von AE stammt):
    http://www.blog.adelhaid.de/2013/10/fliege-im-auto-teil-3.html
    Auch noch schön ausformuliert wurde es dort:
    http://web.archive.org/web/20140815010210/http://blog.dasmagazin.ch/2013/08/22/einstein-und-die-bienen/

  2. Pingback: More Than Honey – das Buch | Experiment Selbstversorgung

  3. Katrin

    Hallo,

    habe gerade euren Blog entdeckt (sehr interessan!) und den Beitrag über den Film gelesen. Ich wollte nur anmerken, dass der Imker in der Schweiz (der ältere Mann in der herrlichen Landschaft) nicht als Gegenentwurf zu den amerikanischen Großimkern gezeigt wurde, sondern als Beispiel, dass es auch in der Idylle falsche Wege geben kann: Nämlich sein Versuch, den eigenen dunklen Bienenstamm "rein" zu halten. Dadurch verhindert er für seien Völker den Austausch von Genen mit anderen Bienenrassen und seine eigenen Stämme werden anfällig, da er Inzucht betreibt.

    Es machen also viele Menschen in ganz unterschiedlichen Größenordnungen etwas falsch, was schlussendlich natürlich den Bienen schadet.

    LG, Katrin

  4. Winnie Pooh

    Hallo Subs

    Der Film ist zwar nicht schlecht gemacht, er beruht auch auf Tatsachen von dem was ich gesehen habe und das war nicht viel. Ich habe den Kinosaal recht schnell wieder verlassen, denn der Film schadet dem Stand der Imker. Ob es der Berufsimker, der Nebererwerbsimker oder der Hoppyimker ist, der Film geht vorwiegend von den amerikanischen GROßimkern aus. Die haben natürlich nichts für Maja und Willi übrig, da sie nur Ihren Profit und nichts weider sehen. Wenn Ihr Interresse an der Imkerei habt könnt ihr gern mit mir Kontakt aufnehmen. Ich kann mir ein Leben ohne diese kleinen Tierchen nicht mehr vorstellen, Sie sind wie eine Sucht und der perfekte Ausgleich zum heutigen Alltag, man kann einfach nicht mehr ohne Sie. Also gebt nicht so viel auf das was Ihr da seht bzw hört.

    Mit Imkerlichen Grüßen

    Winnie Pooh

  5. Sarah

    Naja, ganz so einfach kann man das leider auch nicht sehen(in unserem Gesellschaftssystem):

    Würden Imker die Bienen nicht wegen des Honigs "kultivieren", gäbe es wahrscheinlich schon seit vielen Jahrzehnten keine mehr.Unsere Bienen (v.a. die Deutsche Honigbiene) ist so überzüchtet, dass sie es ohne Menschenhilfe garnicht mehr allein schaffen würde (stellt euch eure Katze in der Wildnis vor, Bienen sind genauso domestiziert worden) und leider haben wir fast alle Wildbienenarten, die dazu im Stande wären autonom zu funktionieren ausgerottet.Hier müsste man, wenn man die Bienen sich selbst überlassen wollen würde zunächst die alten Rassen stärken.Wobei damit noch nicht das Pestizidproblem gelöst ist.

    Das riesige Problem sehe ich sowohl in der konventionellen Landwirtschaft, als auch in der Gentechnik, die wenn man ein wenig recherchiert, leider nurnoch eine Frage der Zeit ist, bis (hier in D) Frau Ministerin Aigner gezwungen ist diese zuzulassen (Technologie-Fortschritt).Es gibt scheinbar kaum noch Menschen, die sich tatsächlich dem entgegenstellen, was geldgierige Monopolfirmen wie Monsanto, Bayer, Syngenta und Co. da anrichten (schon seit Jahren).Die ohnmächtige Mehrheit macht lieber mit, als als Geächtete in der Wissenschaft niedergemacht zu werden (siehe z.B. Seralini-Studie)

    Es gibt so viele Baustellen hier, die man aber erst reparieren kann, wenn eine vernünftige und kritische Masse erreicht ist, um unsere weltweiten Probleme zu lösen….und da scheitert es leider schon: an der objektiven verantwortungsbewussten Presse.

    (Ps: aber durch Menschen wie euch werden wenigstens die Menschen in ihrer Meinung unterstützt,die wenigstens schon angefangen haben zu denken, nicht allein zu stehen…und vielleicht ist das ja ein Anfang)

  6. Heike

    also die etwas ausgeflippte Unterhaltung muss ich jetzt nicht verstehen! Das ist euer unwürdig!

    Eigentlich lese ich seit über 2 oder gar 3 Jahren diesen Blog und selten hab ich mich mehr darüber geärgert wie heute.

    1.Was hat eure Diskussion noch mit Selbstversorgung zu tun?

    2. zur Selbstversorgung im kleinen Stil gehören für mich die Bienen mit dazu! Und natürlich wenn ich mag, einen winzigen Teil zur selbstversorgung. Aber halt nur einen winzigen Teil um die Tiere nicht auszubeuten und sie nicht verhungern zu lassen.

    3. ohne Bienen steht es auch für so manche die hier so abartig diskutieren schlimm aus.

    4. sind weder Agavendicksaft, noch Ahornsirup für die Wirtschaft besser.

    5. nur weil ihr die Produktion nicht seht, ist sie noch lange nicht besser. Geht euch wohl nichts an? Besser Europäer oder so? :(( das selbe gilt ja auch für Rohrzucker.

    6. Zuckerrüben wird wahrscheinlich keiner von euch verarbeiten.

    7. was nehmt ihr dann zum süßen? Denn chemisch hergestellter Süßstoff ist ja wohl auch nicht das wahre? Was soll diese kindische Diskussion?

    Warum könnt ihr, als erwachsene Menschen nicht den anderen akzeptieren? schlimm…

    Ich habe so gern den Blog hier gelesen, aber langsam macht das keinen Spaß mehr. Man darf keine andere Meinung haben. Wohin führt das noch?

    Ich verurteile diese Vermarktung genauso wie die meisten oder alle von euch.

    Deshalb muss ich aber nicht alle in einen Topf werfen. Dieses Verhalten finde ich verwerflich.

    sehr gern möchte ich diesen Blog weiter lesen, aber bitte mit zivilisierte Menschen!

  7. irishwolfhound

    danke für den beitrag!

    vor ein paar jahren wollte ich zu imkern beginnen und hab mich mit dem imkerverein vor ort in verbindung gesetzt. was ich da erlebt habe, hat mich abgeschreckt. verbohrt, bio ablehnend, chemie verstreuend – weil es immer schon so war …

    im eigenen garten habe ich dann festgestellt, dass, obwohl keine carnica mehr zu sehen war, die obstbäume trotzdem bestäubt wurden. plötzlich gab es mehr hummeln und nach einiger zeit sogar wildbienen!

    wer sich über das „gedankengut“ der carnica imker informieren will, google mal dunkelbiene …

    was gerne ausgeblendet wird: konventionelle honigerzeugung funktioniert ebenfalls nur mit SEHR HOHEM chemischen aufwand (stichwort varroa …) und den chemiefirmen ist es ja wohl egal, wem sie ihre mittelchen verkaufen …

  8. Olaf

    Lieber Max,

    schön das Du dich derart ereiferst den menschlichen Konsum von Honig und die Ausbeutung der Bienen zu legitimieren. Da sich ja nun hier zwei grundsätzlich verschiedene Ansichten treffen, räume ich einer ernsthaften Diskussion keine Chancen ein. Du als Imker wirst sicher nicht so schnell in Dich kehren und umdenken, als dass Du verstehst warum ich und auch andere (wie bspw. Marten) die Imkerei als überflüssig bzw. mörderisch ansehen. Ohne detailliert alles nochmal aufzuzählen, sollte der kleinste Nenner genügen. Der Mensch braucht keinen Honig, also sollte er einfach mal die Bienen in Ruhe lassen und nicht zwanghaft nach einem Weg suchen, damit es doch möglich wird. Beim Thema Essen reagieren die meisten Leute wie Kleinkinder, die Angst haben das man ihnen etwas wegnimmt. Und genauso wie bei dem leidigen Thema Fleisch und dem Konsum von artfremder Muttermilch hat man es in diesen Diskussionen komischerweise immer mit Leuten zu tun, die alles besser machen und vor allem "tierlieb". Selbst wenn Du Dich um Deine Völker sorgst, stammen 99% des zu kaufenden Honigs aus industrieller Herkunft (auch Bioindustrie). Leute wie du, die ihren Honigklau als ethisch vertretbar hinstellen, sorgen dann eben dafür, das sich alle anderen Konsumenten hinter diesen Behauptungen vom "tierlieben Honig" verstecken können. Es essen ja auch anscheinend 99% der Leute nur Biofleisch vom glücklichen Tier, obwohl es nachweislich nur 1% Biofleisch auf dem Markt gibt. Nur der vollständige Verzicht kann die Gleichgültigkeit der menschlichen Tiere verhindern. Dass Gegenargument "Schwarz/Weiß" zu sehen erinnert übrigens sehr stark an den verpönten "erhobenen Zeigefinger" oder die "Moralkeule". Dadurch das man diese Begriffe einsetzt um Unrecht als legitim darzustellen, wird es noch lange nicht zum Recht.

    1. max

      ok olaf,

      das "lieber" erspar ich mir, weil ich deine worte als beleidigend empfinde. vielleicht solltest du dir meine beiträge nochmal in ruhe durchlesen, und deine aussagen etwas revidieren.

      ich habe in keinster weise den honigkonsum legitimiert (auszer für mich selbst, aus eigener quelle, aus den oben angeführten argumenten, die du scheinbar überlesen hast) und schon gar nicht die ausbeutung der bienen.

      ich sags nochmal, jetzt schon zum vierten oder fünften mal, und damit auch du es lesen kannst, werde ich es ganz langsam schreiben ;)

      ich weisz, dass es vollkommen abartige arten der imkerei gibt, die ausbeuterisch und ohne jeglichen respekt gegenüber den tieren sind. und die verurteile ich genauso wie du, da geb ich dir vollkommen recht.

      ich weisz aber auch, dass es ethisch vertretbare formen der imkerei gibt, so wie auch ich sie praktiziere. und die gilt es meiner meinung nach zu unterstützen.

      alles, was ich hier erreichen wollte, war, eine differenziertere sicht auf diese dinge möglich zu machen.

      allerdings sehe ich mich hier mit einem grundsatzproblem konfrontiert: hier geht es dir wohl nicht darum, etwas gutes für tiere zu bewirken, sondern lediglich darum, vegan zu sein. und das bringt eben auch mit sich, dasz du gegenpositionen nicht mal wahrnehmen willst (oder darfst). insofern ja, hier erübrigt sich jegliche weitere diskussion, denn vegan zu sein nimmt das ergebnis leider schon vorweg. bleibt wenig raum für die entwicklung von alternativen.

      ich glaube aber, dass für veränderungen in der gesellschaft ein diskurs notwendig wäre. aber mich in die defensive zu drängen und argumente, die dir nicht in den kram passen zu ignorieren, hat nichts mit diskursen zu tun. ich bin keine 14 mehr, und für deinen herablassenden stil nicht empfänglich.

      auch bin ich nicht der meinung, dasz ein vollständiger verzicht den respekt gegenüber den tieren erhöht, sondern das gegenteil bewirkt. welche erfahrungen hast du mit bienen schon gemacht, und was weiszt du auszer dem, was in diesem schlecht recherchierten maqi.de-artikel steht? und der trägt grosz die überschrift "bienenerbrochenes". na sehr respektvoll.

      (wobei ich hier nochmal anmerken will, dasz nicht alles falsch ist, was in diesem artikel steht, aber dasz es beleidigend für alle ist, die sich dagegen auflehnen und die sache anders anpacken, mit diesen methoden in einen topf geworfen zu werden)

      ich sag dir, was mit mir passiert ist: ich habe mich noch nie tieren so verbunden gefühlt, wie meinen bienen. ich hab beim abholen meines ersten schwarmes die kiste nochmal ausgepackt, weil da noch ein paar flugbienen rumgeschwirrt sind, und ich sie einfach nicht zurücklassen konnte. bin gesessen bis es dunkel und auch die letzte im kasten war. lies vielleicht mal meinen blog, eventuell kannst du gewinn daraus ziehen, wenn du dich nicht nur in einschlägig veganen welten bewegst. weil, mit verlaub, mir von einem veganen menschen imkerei erklären zu lassen, ist in etwa so, wie sich von einem katholischen priester eine eheberatung geben zu lassen.

      ich hör mir deine argumente gerne an, und stimme dir bei vielem zu, aber ich schau mich eben auch anderswo um. und wie ich darauf dann reagiere, entscheide ich selber, nicht die vegane gesellschaft.

      ich will dich ja nicht zum imker machen, und wenn du vegan leben willst, ist das deine entscheidung, die ich respektiere. aber mein weg sieht anders aus, und das solltest auch du respektieren. ich will nur, dass sachverhalte differenziert gesehen werden, welche konsequenzen daraus gezogen werden, bleibt jede_r/m selbst überlassen.

      summ summ, max

  9. Philipp

    Beispiel für Parasitismus:

    Ahornsirup: Hat überhaupt nichts mehr mit dem zu tun was die Indianer früher (vermutlich respektvoll) betrieben haben. Die Bäume sind an richtige Pipelines angeschlossen und werden ausgeblutet. Für 1l Ahornsirup werden ca 35l Baumsaft benötigt. Was ist daran bitte ethischer?

    oder bei dem hier ist ja Parasitismus noch schonender:

    Agavensirup: Der Pflanze wird vor ihrer Blüte (bevor sie sich überhaupt jemals sexuell vermehren konnte) der Kern entommen. Aus dem entstanden Loch tritt noch ein paar Monate der süße Saft der restlichen langsam absterbenden Pflanzenteile aus. Was ist bitte daran ethisch?

    Pflanzen empfinden genauso Stress und können sogar Schmerz empfinden. Welche Logik steckt darin zu sagen, nur bestimmte Lebewesen leiden, wenn sie mißbraucht werden, und andere nicht weil sie der wissenschaftlichen Einteilung nach halt "Pflanzen" sind.

    Warum vegan sein wollen? Um sich von anderen Abzugrenzen oder ethisch zu handeln? Ist es ethisch zu bestimmen, wer an dieser Ethik Teil haben darf und wer es nicht verdient hat? Das mal in meinem Hinterkopf zu diesem Streit über das Imkern und alternative Süßungsmittel.

    1. Marten

      Hallo Phillip,

      ich finde Deine Überlegungen hinsichtlich „Tiere nicht essen, Pflanzen aber schon“ gerechtfertigt.

      Zu dem Schmerzen von Pflanzen: Nach heutigem Stand des Wissens haben diese kein zentrales Nervensystem. Somit auch nicht die Möglichkeit, diese Empfindungen weiterzuleiten. Was Pflanzen habe, ist meines Wissens die Möglichkeit, sehr lokal begrenzt durch elektrische Reize zu oder auch durch Hormone oder Gerüche über größere Distanzen und sogar untereinander zu kommunizieren. Aber vielleicht straft mich die Wissenschaft irgendwann Lügen und ich muss mich korrigieren. :-)

      Leider steht der Umsetzung eines "Pflanzen-Verzichts" da eine entscheidende Tatsache im Weg: Ich muss etwas essen, um mein eigenes Überleben zu sichern. Dass tierische Produkte dafür nicht nötig sind, ist (zumindest für mich) keine Diskussion wert. Bleibt also, leider alternativlos, nur noch pflanzliche Nahrung.

      Wobei ich allerdings damit gut klar komme. Einer meiner Grundsätze lautet: Ich schade anderen durch meine Existenz. Tiere, Pflanzen, diesem Planeten. Was ich aber tun kann, ist diesen Schaden möglichst klein zu halten. Dazu gehört für mich ausdrücklich das vegane Leben (bei dem auch ich mir bewusst bin, dass dies ein Ideal ist, dass man leider nie zu 100% erreichen kann. Aber ich kann es versuchen).

      Zum veganen Leben gehört für mich (das sehen andere Veganer leider oft anders) ausdrücklich auch, den Schaden an anderen Menschen, an sich und auch den Raubbau an der Natur (Bodenschätze, Pflanzen, Verschmutzung, …) so klein wie möglich zu halten. Um daran nicht kaputt zu gehen, ist aber auch noch ein Spruch sehr wichtig für mich: Mut zur Lücke! Wenn es also mal nicht so schön hinhaut, wie ich mir das wünsche, dann klappt das eben nicht. Das nächste Mal vielleicht.

      In wie weit das Ernten von Agaven oder das "Anzapfen" von Ahornbäumen die Pflanzen belastet, dazu habe ich mir ehrlich gesagt noch nie überlegt. Ich verwende diese nicht. Jetzt nach Deiner Anregung werde ich mich aber dennoch mal schlau machen.

  10. Philipp

    Je mehr ich mich mit dem Thema Honig befasse, desto stärker fällt mir auf wie unpassend und für überbewertet ich das herkömmliche Label "vegan" halte. Es bezeichnet mehr eine Lebenseinstellung, wie man anderen Lebewesen gegenübertritt, als eine Ernährung ohne tierische Lebensmittel, was technisch unmöglich ist.(Haben denn kleine Vielzeller wie zB Wasserflöhe etc kein Recht Tiere zu sein, weil sie zu klein für unser Auge sind?).

    Von diesem Standpunkt her betrachtet fallen die meisten Formen von Bienen'haltung' sowieso schon raus. Doch ich denke darüber nach, ob eine Symbiose zwischen Biene und Mensch möglich ist(?auch ohne Wildtiere, wie Wildbienen zu stören?). Vorraussetzung wäre, dass Bienen nicht züchterisch manipuliert und unselbstständig gemacht werden, sondern in ihrer Anpassung an echte Naturgegebenheiten gefördert werden. In einer Symbiose ist es durchaus üblich, dass ein Partner Nahrungsmittel an einen anderen Abtritt und dafür Schutz erhält. Warum nicht? Wenn beide Seiten frei bleiben und eine Stärkung der Lebenstüchtigkeit erfahren.

  11. Christa Reitermayr

    lieber michael

    den film haben wir vor kurzem auch gesehen. ich war von den beinahe schon meditativen bildern sehr hin und hergerissen, so schön – und auch schrecklich fand ich sie.

    aus den kommentaren zu deinem post ist für mich ersichtlich, wie sehr das thema bienensterben bewegt.

    seit ein paar jahren hege ich auch ein gesteigertes interesse für bienen. dadurch bin ich mit imker_innen in kontakt gekommen und habe dann auch mal eine radiosendung über bienen und clothiniadin ( maisbeize) gemacht. es war kaum zu glauben, wie schwer es war, imker_innen vors mikro zu bekommen – hatte zum beispiel damit zu tun, dass imkerei ( zumindest in österreich) meist über bienezuchtvereine organisiert ist – mit allen vor- und nachteilen eines vereines halt. so habe ich erfahren, dass 20120 – anlässlich einer demo vor dem landwirtschaftsministerium für ein österreichweites clothiniadin- verbot, imkereiverbände ihre mitglieder davor "warnten", hinzugehen, mit der begründung, dann gäbe es keine förderung mehr ( in wien gibt es eine förderung ab drei bienenvölkern).

    hier noch ein buchtipp: "bienegeheimnisse" von irene dalichow ( goldmann arkana)- gibt einen recht umfassenden einblick in die thematik bienen ( an manchen stellen wars mir ein bissl zu esoterisch, aber das überwiegt zum glück nicht).

    ach ja, und den schluss vom film fand ich dann doch sehr schön- ich denke, es ist wie immer im leben und auf unserem heimatplaneten: die szenen mit dem imker, der mit den sogenannten "killerbienen" arbeitet und sie so akzeptiert, wie sie halt nun mal sind. die natur ist nicht lieblich und nett, sondern oft auch noch heute unberechenbar und verlangt uns eben eine respektvolle haltung ab, die wir sehr oft schon vergessen haben.

    im übrigen denke ich, werden uns die bienen sowieso überleben…

    liebe grüße, christa

  12. Philipp

    Zurück zu den Bienen, hab jetzt nochmal ein bisschen nachgeschaut, wie schädlich oder verträglich "veganes" Imkern für Bienen sein kann oder ob es überhaupt möglich ist.

    1. Die Honigmenge hängt mit Vermehrungsrate der Bienen zusammen. Nimmt man nur einen kleinen Teil der Überschüsse, scheint das Ergebnis in dieser Hinsicht nicht allzu schlimm → Das Maß ist entscheidend.

    2. Töten der Bienen: Als einzige Gefahr sehe ich jetzt stechende Bienen beim ernten. Allerdings müssen Bienen nicht gleich ausflippen wenn man so einen Hängebalken aus dem Stock nimmt. Da gibt es genug Fotos ohne Schutzanzug, die das darstellen. Vielleicht hat da jemand persönliche Erfahrungen.

    3. Gesundheitsrisiken für das Nahrungsmittel Honig: Wie bei allen anderen Nahrungsmitteln auch. Allerdings sollten Kinder unter 4 Jahren tatsächlich keinen Honig essen, da ihr Verdauungstrakt sich noch nicht vor allen Keimen gut schützen kann.

    1. max

      hej hej philipp,

      1. ja, und hängt auch vom raumangebot ab. je mehr raum, desto mehr honig wird eingelagert. das volk reduziert seine größe vor dem winter von selbst, die benötigte futtermenge für den winter kann eingeschätzt werden, und die überschüsse entnommen. in einigen fällen muss das sogar geschehen, rapshonig zum beispiel kristallisiert nach einigen tagen betonhart aus und ist auch für bienen nicht mehr von wert (zum lösen würden sie wasser benötigen, was im winter aber nicht vorhanden ist), oder honigtauhonig, der enthält zu viele mineralstoffe, die die verdauung der tiere belasten.

      2. bienenvölker haben unterschiedliche charakter. es gibt hochaggressive völker, und lammfromme. stechen tun sie nur, wenn sie sich sehr stark bedroht fühlen. bei manchen reicht es, in der nähe der einfluglöcher zu stehen, um attackiert zu werden, bei anderen kannst du die bienen mit der nase von den waben runterwischen und es wird nichts passieren.

      die stimmung der völker hängt immer auch vom wetter ab, wie bei uns auch…

      ligru max

    2. Marten

      Hallo Phillip,

      zu 1.:

      Ich gebe zu, dass ich mit dem Ernten von Honig auch nicht grundsätzlich das riesen Problem habe. Aber es bleibt dabei, dass wir Menschen das Zeug nicht brauchen. Die Bienen eben schon.

      So wird ihnen in der konventionellen Imkerei (erst recht in der Groß-Imkerei) nach der Entnahmen des Honigs als "Ersatz-Energieträger" eine Zuckerlösung hingestellt. Wenn das nicht so schlimm wäre, warum ist das dann notwendig?
      de.wikibooks.org/wiki/Einf%C3%BChrung_in_d…

      zu 2.:

      Die Bienen, die wir hier in unseren Breiten oder auch in der USA haben, sind so lammfromm gezüchtet, dass man sich um Stiche so gut wie gar nicht fürchten muss. Außer, man bedroht sie direkt. So "trötig" gezüchtet wehren sich diese aber leider z.B. auch mehr gegen einen großen Schädling, die Varoa-Milbe. Die afrikanischen Wildbienen oder die so genannte "Killer-Biene" hingegen schon. Diese schmeißen die Milben einfach aus dem Stock oder zerbeißen diese.

      Was ich aber schlimmer zum Thema "Töten der Bienen" finde: Diese werden als Massenprodukt benutzt und auch so "entsorgt". Der Film (ich habe bisher nur Ausschnitte und Rezensionen gesehen) zeigt das recht deutlich. Respekt vor dem Leben (der mir zumindest sehr wichtig ist) blebt dabei vollkommen auf der Strecke.

      Zu 3.:

      Ja, kleine Kinder und immunkranke Menschen sollten u.a. (!!!) keinen Honig zu sich nehmen. Das gilt aber eben auch für viele andere Dinge des Lebens. Da habe ich persönlich kein Prblem mit, da jeder in unserer Gesellschaft die Möglicheit hat, sich zu informieren und sich danach zu entscheiden.

      1. max

        hej hej,

        1. wird in der ertragsimkerei so gemacht, weil einfach der preis zählt: ein kilo honig ist um die zehn euro wert, ein kilo zucker weniger als 1 euro. einfache rechnung. aber es gibt auch andere imker_innen, denen bienengesundheit wichtiger ist, und die honig als futter im volk belassen.

        2. die europäische honigbiene (weltweit sind alle ertragsbienenvölker europäische bienen) ist leider nicht alleine fähig, die varroa zu beseitigen. der schlüssel liegt in der zellgrösze der wabenzellen, die technisch vor hundert jahren vergöszert wurde. das thema ist zu kompliziert, um es hier auszuführen, aber der schlüssel zur natürlichen resistenz liegt darin, die grösze der bienen wieder zur natürlichen grösze zurückzuführen. dieser aufgabe haben sich schon einige imker_innen verschrieben, ich mir übrigens auch. aber züchtung alleine hat wenig auswirkung auf die varroa (ist ja schlieszlich auch noch nicht gelungen, über zucht eine resistente form zu finden).

        was das töten betrifft, ich kann nur immer wieder sagen, dasz es auch andere wege gibt.

        ligru max

  13. Marten

    Lieber Max,

    ich denke, auch Du bist ein Opfer der Schwarz-Weiß-Malerei. Aber ich helfe gerne, auch Dein Bild ein wenig bunter zu machen:

    Soja für den direkten, menschlichen Verbrauch hat nix mit dem Soja zu tun, der die massiven Schäden in Südamerika, Afrika und so weiter zu tun hat.

    Ersterer wird im schlimmsten Falle in China, meistens aber hier in Europa speziell für die direkte Nahrungsmittelproduktion angebaut:
    http://www.vebu.de/gesundheit/lebensmittel/soja/9

    Hinzu kommt der Faktor, der bei der Verfütterung an die "Nutztiere" zustande kommt: Je nach Statistik ist beim Umweg über das Tier das 5- bis 16-fache notwendig, um den gleichen Nährwert für uns Menschen zur Verfügung zu haben. Hier auf der Seite findest Du u.a. die Ausführung der Statisik, die den Faktor 16 annimmt: http://www.vegan.ch/warum-vegan/warum-kein-fleisc

    Also, selbst WENN "unser" Soja aus diesem zerstörereischen Anbau kommen würde (was bei der "Fleisch-Produktion" zu über 95% tut), ist die Effizienz der veganen Ernährung damit immer noch nach vorsichtigster Rechnung FÜNF mal so hoch, wie der beim Umweg über/durch das Tier.

    Schöne Grüße

    Marten

    1. max

      lieber marten,

      du hast mein kommentar wohl nicht verstanden, oder ich habe mich nicht klar genug ausgedrückt. ich wollte damit sagen, dass die methoden, die in dem verlinkten artikel aufgezeigt sind, als argument gegen imkerei anzuführen ungefähr so wäre, wie die methoden der agrarindustrie als argument gegen sojaanbau zu verwenden.

      nach olafs logik dürfte es dann wohl gar keine landwirtschaft mehr geben, wenn mensch immer nur die allerschlechtesten seiten einer problematik aufzeigt.

      und wie ich ja gesagt habe, denke ich dass es hier wie da verschiedene methoden gibt, und dass hier wie da auch ökologisch und ethisch verträgliche methoden angewandt werden. immerhin BIN ich imker, und ich töte keine königinnen, ernte kein gelee royale oder bienengift, ich schwefele auch keine völker aus, und belasse honig als wintervorrat im volk.

      diese nährwertstatistiken kenne ich auswendig, habe selber lange zeit vegan gelebt. aber mit deinem letzten satz hab ich ein großes problem: du meinst also, dass selbst wenn "unser" soja (wer immer das sein mag, und wer immer auch die warenreinheit garantieren kann) aus diesem zerstörerischen anbau kommen würde, wäre die effizienz der veganen ernährung um ein vielfaches höher, und damit wäre dann der zerstörerische anbau gerechtfertigt? quasi, waldrodung für tofu ist ok? das kann ja wohl nicht ganz dein ernst sein, nicht mal in einem theoretischen gedankenexperiment…

      ligru max

      1. Marten

        Lieber Max,

        ich habe oben für den Soja-Anbau die formulierung "selbst wenn" benutzt. Defakto hat der Anbau des Sojas für die direkte Ernährung nix mit dem Umwelt- und Regenwald-zerstörenden Soja zu tun. Also darfst Du gerne das "selbst wenn" als das sehen, als das Du es benannt hast: Ein Gedankenexperiment. Und ja, in diesem Gedanken-Universum WÄRE das sogar noch die bessere Wahl als der Umweg übers Tier. Besser ist aber nicht gleich gut.

        Zu Deinem Imker-Argument: Willst Du ausschließen, dass Dein Imker-Kollegen hier oder anderswo so handeln? Darum geht es mir. Dort wo die große Masse des Honigs produziert wird, wird leider so gearbeitet.

        Und zuletzt muss ich meine zugegebernermaßen sehr rhetotische Frage wiederholen: BRAUCHEN wir Menschen Honig? Ist es also eine vitale Frage, eine Frage des Überlebens oder auch nur des gesunden leben? Wie schon oben geschrieben, hadere ich bei der Bestäubungsfrage selber. OHNE Imkerei zum Zwecke der Bestäubung werden wir (mich als Pflanzenfrssser eingeschlossen, der auch im Supermarkt Obst und Gemüse kauft) wohl nicht auskommen. Auch, wenn es Studien gibt, die besagen, dass die Wildbestäuber durchaus ähnliches leisten, wie die Kultur-Bienen und diese sogar eine Konkurrenz für die Wildbestäuber darstellen. Bei dem Honig bleibe ich dabei, dass der für uns nicht notwendig ist und somit bei den Bienen zu verbleiben hat.

        1. max

          das dreht sich aber ein wenig im kreis. so wie du nicht ausschlieszen kannst, dasz soja umweltschädigend angebaut werden kann, so will natürlich auch ich nicht asuschlieszen, dasz manche (oder viele) imker_innen den falschen weg gehen. mir drehts selber den magen um wenn ich die bilder aus kalifornien sehe, und viele europäische groszimkereien sind da um nichts besser. die menge machts, wie so oft.

          aber so wie du nicht jede art des sojaanbaus verteufelst, so sollte hier auch nicht jede art der imkerei verteufelt werden. schlieszlich bewegen wir uns hier nicht im forum vom lagerhaus, sondern auf einem alternativen blog. schätze mal, groszimkereien sind hier nicht vertreten.

          brauchen wir honig? wenn du auf zucker verzichten willst, nein. aber ich will nicht. und ich habe lieber zwei bienenvölker, die mir mit extensiver und ethisch vertretbarer wirtschaftsweise 4-60 kilogramm honig pro jahr liefern, als die selbe menge an zucker aus zuckerrüben zu gewinnen. die benötigte fläche und der technische aufwand, um daraus zucker zu gewinnen, stehen in keinem verhältnis dafür. und der positive nebeneffekt der bienenhaltung betreffend bestäubungsleistung ist mir auch viel wert. (und bitte, komme mir niemand mit agavensirup aus mexiko, oder ahornsirum aus kanada, oder vielleicht sogar rohrzucker aus kuba. der blog hier heiszt "selbstversorgung", nicht "wie konsumiere ich mich glücklich")

          die frage nach der bestäubungsleistung ist aber die egentlich essentielle, der honig kann ja auch nur ein netter nebeneffekt sein. aber ohne honigbienen wirds eng. faktum ist leider, dass die probleme der imkerei auch solche der wildbienen sind (siehe zb neonicotinoide und systemische insektizide). nur haben wildbienen keine lobby, bzw ist ein rückgang der populationen nur über regelmäszige und aufwendige zählungen festzustellen. gehen den imker_innen die bienenvölker ein, so ist das gleich zu merken. sozusagen dienen sie auch ein wenig als indikator für die wildbienenpopulationen. jedenfalls darf davon ausgegangen werden, dasz deren bestäubungsleistung nicht ausreichen wird. selbst erfahren: meine gurken sind heuer, seit ich honigbienen halte, förmlich explodiert, und wir haben immer schon eine nette wildbienenpopulation gehabt (bin biologe. habe also ein auge dafür)

          ligru max

    1. max

      lieber olaf,

      eigentlich sollte ja auf derartige artikel gar nicht erst geantwortet werden. die zitierten fachbücher sind zum einen etwas überaltet, mit sicherheit nicht allgemein gültige und ubiquitär angewandte regeln, und einige dinge sind schlichtweg sogar falsch.

      abgesehen davon wäre es in etwa so, wie wenn ich dir jetzt die allerschlimmsten seiten von soja aufzeigen würde: verheerende landwirtschaftliche methoden, monokulturen, übermäsziges düngen, einseitige ausnutzung der bodenressourcen, schlechte soziale bedingungen auf den betrieben, miese gehälter, rodung von regenwaldflächen, und tatsächlich, soja ist auch giftig (im rohen zustand), und jetzt denk noch mal an die vielen tiere im boden, die der traktor niedermäht.

      aber wir werden uns ja wohl drauf einigen können, dass es da wie dort verschiedene möglichkeiten gibt, und dass nicht alle gleich schlecht sind, oder?

      es ist zwar verlockend, alles immer schwarz-weisz zu sehen, weil es dann auch leichter fällt, sich als held, oder zumindest als "besser", zu positionieren, aber ausser dem eigenen ego bringt das niemandem was. denn die realität ist leider etwas komplizierter, und antworten auf die dringenden fragen unserer zeit zu finden bedeutet etwas mehr, als ein vermeintlich "richtiges" produkt zu konsumieren (und diese richtigkeit mit extremistischen und einseitigen pamphlets zu beweisen).

      ligru max

  14. Philipp

    (shive.eu): Viele Leute giessen ja den Garten. Wenn man von oben giesst werden die ganzen Blütenpollen von den Blüten gewaschen. Daher immer möglichst tief angiessen (wenn man überhaupt giesst). Allgemein brauchen die nektarsuchenden Insekten auch Früh- und Spätblüher und abwechslungsreiches Terrain mit Schutz-, Schatten-, und Ruheplätzen.

    Übrigens:

    Unser feiner Gesundheitssektor ist da nicht anders: Medizinischer Honig ist ja ach so toll und bedient einen wachsenden Markt. Auf meine Anfrage hin, warum denn der Honig unbedingt aus Neuseeland hergeschifft werden muss, und wieso man stattdessen nichts für die Förderung sinnvollerer Imkerei mit qualitativ hochwertigerem Honig tut hieß es nur, dass die Bienenvölker hier eh alle total verpestet sind und mit ein bisschen Glück noch überleben und der beste käme halt von Neuseeland. Typische Form heutiger Disglobalisierung.

    Hier über Wildbienenschutz: http://www.paul-westrich.de/artenschutz/wiekannic

    Und hier ein PDF zum Wildbienenschutz: http://kurzlink.de/Nm94u5Wm6

  15. max

    hej hej,

    ich bin selber grade dabei, die wege einer "naturnahen" bienenhaltung auszuloten und mit eigenen bienen zu erkunden, und wollte mal eben auf einige kommentare aus meiner sicht reagieren:

    also zuerst mal hoffe ich doch, dass niemand hier ernsthaft glaubt, dass nur weil etwas pflanzlich und vegan ist, es automatisch auch "gut" ist. was soll denn bitte an agavendicksaft positiv sein? monokulturen, pestizide, das ganze in mexiko (nicht grade ums eck), und der sirup ist ein ebenso wie zucker hochgradig verarbeitetes industrielles produkt. siehe zum beispiel hier: http://www.gesund-heilfasten.de/blog/maerchen-aga

    was bienen und imkerei betrifft, stellt sich mir die frage, ob es sinnvoll ist, die imkerei vollkommen zu boykottieren, oder ob es nicht eher sinn macht, zumindest solche imker_innen zu unterstützen, die auf der suche nach alternativen sind, oder diese vielleicht schon gefunden haben. immerhin, und das haben hier ja einige erkannt, wäre auch eine vegane gesellschaft zumindest auf die bestäubungsleistung der honigbiene angewiesen (wildbienen können diese aufgabe nicht in dem notwendigen maße erfüllen, außerdem gehts denen genauso besch***en wie den honigbienen).

    zum honigklau: ja, bienen produzieren den honig als vorrat für den winter. prinzipiell füllen bienen den ihnen zur verfügung stehenden raum (irgend ein hohlraum, egal ob spechthöhle, wandverschlag oder magazinbeute) mit waben aus, in denen sie brut heranziehen, nektar zu honig verwandeln und als vorrat einlagern. ist der raum ausgefüllt, also wird der platz zu klein, teilt sich das volk und schwärmt. der trick der imkerei ist nun, den raum einfach durch zusätzliche magazine (kisten mit waben) zu erweitern, und mehr platz für mehr honig zur verfügung zu stellen. positiver nebeneffekt: auch das volk kann größer und stärker werden, und eventuellen bedrohungen besser gegenüber stehen. im prinzip liegt es nun an der betriebsweise der imker_innen, ob aller honig geerntet und durch zuckersirup substituiert wird, oder ob eben nur der überschuss geerntet wird. und dagegen lässt sich ja nun nichts sagen, oder?

    zur bienenkiste: meiner meinung nach verdient sie das prädikat "natürlich" nicht. was ist daran natürlich, das gesamte volk nahezu auf den kopf zu stellen und überall licht hineinzulassen? und praktisch ist sie schon gar nicht. für extensive bienenhaltung besser geeignet ist auf jeden fall die top bar hive.

    ein letztes noch: bienen ohne pflege zu halten ist unmöglich, auch in einer bienenkiste (egal in welcher beute). zum einen würde das volk immer schwärmen (was an sich nichts schlechtes ist), aber dann hat mensch als imker_in auch für diesen schwarm verantwortung zu tragen. wird er nicht von anderen imker_innen eingefangen, nistet er sich im besten fall wild irgendwo ein und stirbt meist übern winter, und im schlimmsten fall geht jemand mit insektenspray ran. und zum anderen vernichtet die varroa-milbe jedes ungepflegte und wilde volk mit großer wahrscheinlichkeit innerhalb der ersten saison, und den winter überleben solche völker mit sicherheit nicht.

    das sind meine meinungen, wer will kann auch gerne meinen blog zu dieser thematik lesen. aber ich warne davor, die welt immer schwarz weisz zu betrachten. böse tierhaltung und so, so einfach ist das eben leider nicht. wir stehen vor ernsthaften problemen, die es anzupacken gilt. sich abzuwenden und zu meinen, "damit hab ich nichts zu tun" mag zwar einfach sein, führt aber nirgendwo hin.

    schließlich gehts hier um mehr als um die süße für den tee…

    ligru max

  16. Matthias

    Guten Tag !

    Es geht gut mit der Honigbiene, wie mit den Menschen, noch nie gabs so viele wie in letzter Zeit auf unserem Planeten.

    Die Honigbiene ist über einen sehr langen Zeitraum hin zu einer ertragreichen, honig spritzenden "Hochleistungskuh" domestiziert. Das macht sie weniger anpassungsfähig gegenüber vielfältigen Herausforderungen der Umwelt (Pestizide, Krankheiten).

    Die Bestäubungsleistung eines Bienenvolkes ist sehr beeindruckend. Die Bestäubung in der Pflanzenwelt erfolgt jedoch nicht ausschließlich über die Honigbiene. Wind, Säugetiere, Vögel.. und andere Insekten sind mit die ÜberbringerInnen der frohen Botschaft. Ein vor wiegender Fokus auf die Betäubungsleistung der Honigkuh ist nur die halbe Wahrheit, den Rest und mehr als das machen andere z.b. die wilden Schwestern von Maja: Die Wild Bienen.

    Die Biene ist ein kulturelles Phänomen geworden, Maja ist auf der Leimwand, die Bühne,nicht mehr, die Wiese hinterm Haus.

    "Wie gehts eigentlich Willy ?" hör ich mich fragen.

    MM

    1. Gottfried Gehberger

      Für mich gibt es für Honig keine Alternative. Honig ist etwas einzigartig gutes, geschmacklich wie gesundheitlich, dennoch werde ich, nachdem ich jetzt den Film gesehen habe, keinen Honig mehr kaufen. Dazu hab ich zuviel Respekt vor den Lebewesen (bzw. dem Superorganismus?), die/der den Honig erzeugt.

      Damit einhergehend muss ich konsequenterweise aber auch Mandeln aus Kalifornien absagen, nachdem ich gesehen habe dass Bienenvölker dafür missbraucht werden. Mit Mandeln aus Kalifornien, aus dieser Riesenplantage, unterstützt man das Ausbeuten von Bienen genau wie beim direkten Kauf von Honig. Ob für zB Mandeln aus Italien auch extra Bienenvölker angekarrt werden müssen, weiß ich nicht.

      Für mich ist der Film die schärfste Kritik an der Menschheit, die ich je im Kino gesehen habe.

      1. Marten

        Ich stimme kallisty oben zu:

        Der Honig gehört den Bienen. Honig zu essen stellt keine Notwendigkeit für uns dar.

        Dieser Teil der Begehrlichkeiten des Menschen betrachte ich als absolut überflüssig. Was die Befruchtungsarbeit der Beinen angeht, so bin auch ich als Veganer allerdings auf industrielle, landwirschaftliche Produkte angewiesen. Und somit auf Honigbienen, die zumindest im gewerblichen Anbau (für uns Menschen!!!) unverzichtbar sind.

        Es stellt sich nur die Frage, ob die Haltung der Bienen so erfolgen muss, wie sie es im Moment tut. Alternativ (vorausgesetzt, der Mensch würde ganz oder zumindest auf einen Großteil des Honigs verzichten) wäre die sogenannte "Bienenkiste" zu nennen, mit der ich schon seit Jahren liebäugele:
        http://www.bienenkiste.de/

      2. Stefan

        Vielen Dank für diesen wichtigen Post Michael! Diesen Film will ich sehen! Und danke für die Info mit der Bienenkiste! Das schau ich mir näher an! Ich bin so froh, dass solche Filme gemacht werden, welche das Bewusstschein vieler Menschen schärfen und dann doch immer wieder den ein oder die andere zu einem nachhaltigeren Lebenswandel bewegt!

        herzlichen Gruß,

        Stefan

  17. subs

    ui, vielen Dank für euren Bericht. den Film möchte ich auch unbedingt gerne sehen. Obwohl ich ganz ehrlich sogar ein bisschen Angst habe. Diese "Fakten" tun mir immer gar nicht gut, wird einem da doch erst so richtig klar wie schlimm es um uns tatsächlich steht.

    Wir haben vor in den nächsten Jahren unseren eigenen Bienenstock zu haben. :) Mal sehen ob das klappt. Und bis dahin verzichten wir erstmal auf Honig und Produkte die mit Honig angereichert sind. Gibt ja genügend Alternativen.

    Ganz Liebe Grüße

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