Mit Deinem Füller die Welt verändern

Kreativ schreiben, um Deine Ideen und Utopien inspirierend zu erzählen

Michael Hartl
Von Michael Hartl
20. August 2015
Dieser Artikel ist Teil der Serie Ergebnisse des utopvials 2015

Die Feder ist stärker als das Schwert.

Und das gilt im Informationszeitalter wohl mindestens so viel, wie damals, als das Eingangszitat verfasst wurde. Denn Gedanken, einmal niedergeschrieben, können heute einfacher und schneller weitergegeben werden, als je zuvor.

Foto einer Füllfeder

Foto von semihundido

Worte, die inspirieren

Ideen einer besseren Welt verbreiten sich vor allem über das Wort. Seit Menschengedenken geben wir das Wissen in Liedern, in Texten und in Gesprächen weiter. Auf demselben Weg entwickeln wir gemeinsam auch neue Vorstellungen unserer Zukunft als Gesellschaft. So eine Zukunft braucht ein Wissen darum, wie wir leben wollen. Und Wissen wird vor allem dadurch erlernt, dass wir uns inspiriert und angesprochen fühlen. Ein Weg, wenn Du an einer Veränderung der Welt mitwirken möchtest, ist also, ansprechende Geschichten über eine bessere Welt für alle zu schreiben, die dazu anregen, sie entwickeln zu wollen. Denn wie Charles Eisenstein so schön in seinen wundervollen Büchern schreibt, brauchen wir neue Geschichten darüber, wie wir leben wollen.

Und solche Geschichten kreativ zu schreiben, müssen wir üben, wie jede Fähigkeit, die wir neu oder weiter entwickeln wollen. Darum interessierte mich am utopial 2015, an dem ich teilnehmen durfte, sofort der Workshop „Kreativ Schreiben“, der dort angeboten wurde. Daniela Saleth zeigte uns verschiedene Methoden, die Kreativität beim Schreiben in Schwung zu bringen und mit unterschiedlichen Übungen zu trainieren.

Male oder zeichne ein Bild

Ich lade Dich herzlich ein, die Übungen mitzumachen, die wir im Workshop gemacht haben. Im ersten Schritt überlegst Du Dir, welche Frage Du bearbeiten willst. Daniela gab uns im Workshop mehrere Anregungen:

  • Was ist Zeit?
  • Was ist Realität?
  • Was ist Deine Utopie?

Du kannst eine dieser Fragen bearbeiten oder natürlich jedes beliebige Thema angehen, dass Dich gerade beschäftigt.

Die erste Übung sieht nun so aus, dass Du ein Bild zeichnest, dass sich mit der Frage beschäftigt. Eine Bleistiftskizze, ein buntes Bild mit vielen Farbstiften gezeichnet; ganz egal, mach das, was sich für Dich und das Thema richtig anfühlt. Und glaub mir, ich bin der Letzte, der solche Übungen gleich begeistert aufnimmt. Ich hab das Gefühl, nicht zeichnen zu können und mich für das Ergebnis schämen zu müssen. Aber als ich mich darauf eingelassen habe, durfte ich erleben, dass da plötzlich ganz andere Ideen aufkommen, als wenn ich nur über das Thema nachdenke. Vielleicht, weil andere Gehirnregionen mitwirken und weil neben dem Kopf plötzlich auch ganz haptisch am Thema gearbeitet wird.

Nur zu, probiere es aus! Ich war am Ende überrascht vom Ergebnis – und es hilft Dir für die nächste Übung!

Ein Gedicht nach Anleitung schreiben

In der zweiten Übung sollten wir ein Gedicht zu unserem Thema schreiben. Aber bevor sich das Gefühl breit machen konnte, dass das eine viel zu schwere Aufgabe sei, kamen zwei Ergänzungen von Daniela:

  • Das Gedicht kann sich reimen, muss es aber nicht
  • Ich leite Euch an, was in welcher Zeile stehen wird

Das klang dann schon schaffbar. Auch für Menschen, die sonst vielleicht keine Gedichte schreiben. Die Idee zu dieser Übung hat Daniela von einer Freundin kennengelernt. Als „Buddhistisches Heilgedicht“. Richte Dir also Zettel und Stift her und mach direkt mit, dann kannst Du dies selbst erleben. Wenn gleich die Erklärung folgt, gehe Zeile für Zeile durch und schreib immer erst Deine Zeile nieder, bevor Du liest, was in die nächste Zeile kommt.

Überlege Dir nun zu Deinem Bild aus der vorherigen Übung, wo Du darin stehst. Oder bist Du Teil des Bildes? Oder schwebst Du darüber? Halt dieses Gefühl und das Bild im Kopf, wenn Du jetzt gleich das Schreiben beginnst.

Buddhistisches Heilgedicht

  • 1. Zeile: Um welches Thema geht es?
  • 2. Zeile: Ich… (Wo bist du?)
  • 3. Zeile: Ich… (Was siehst du?)
  • 4. Zeile: Was passiert (dort)?
  • 5. Zeile: Übertrage hier die 2. Zeile
  • 6. Zeile: Deine emotionale Reaktion auf die vorherige Zeile
  • 7. Zeile: Übertrage hier die 4. Zeile
  • 8. Zeile: Dein erster Gedanke / Deine rationale Reaktion
  • 9. Zeile: Übertrage hier die 6. Zeile
  • 10. Zeile: Welche Körperreaktion spürst Du?
  • 11. Zeile: Übertrage hier die 8. Zeile
  • 12. Zeile: Deine emotionale Reaktion
  • 13. Zeile: Übertrage hier die 10. Zeile
  • 14. Zeile: Dein erster Gedanke / Deine rationale Reaktion
  • 15. Zeile: Übertrage hier die 12. Zeile
  • 16. Zeile: Welche Körperreaktion spürst Du?
  • 17. Zeile: Übertrage hier die 14. Zeile
  • 18. Zeile: Übertrage hier die 3. Zeile
  • 19. Zeile: Übertrage hier die 16. Zeile
  • 20. Zeile: Übertrage hier die 1. Zeile

Und jetzt ab in die Kommentare mit dem Ergebnis! :) Nein, lies Dir Dein Gedicht einfach in Ruhe durch und spür in Dich hinein. Je öfter Du das übst, umso leichter wird es Dir von der Hand gehen. Ich fand das Ergebnis faszinierend. Es ist, bewusst angewendet, eine schöne Methode, um sich einem Thema, dass einen stark beschäftigt oder gar zu überwältigen droht, nachzuspüren und ein wenig auf den Grund zu gehen.

Oder eben einfach so, als schöne Übung für zwischendurch. Die die Kreativität fördert und anders ans Schreiben herangehen lässt.

Gemeinsam einen Text schreiben, ohne sich abzusprechen

Die nächste Übung funktioniert nur in Gruppen. Drei oder vier Personen solltet ihr dafür mindestens sein. Falls Du aber gerade alleine bist und noch eine Übung machen möchtest, hat mir Daniela nach dem Workshop noch eine weitere Übung zugeschickt. Diese stelle ich weiter unten vor.

Für alle, die gerade mit anderen Menschen sind oder die eine Idee für ein nächstes Treffen, ein Auflockern während einer Planungsphase oder eben ein kreatives Element für einen Gruppennachmittag möchten, kann ich die „Knickgeschichte“ empfehlen. Wir haben sehr gelacht und uns zum Teil auch sehr gewundert, welche Geschichten auf diese Weise so entsanden sind.

Die Knickgeschichte

  1. Nimm ein großes Blatt Papier. Gerne die Rückseite eines alten Plakats.
  2. Ebenso natürlich einen Stift vorbereiten
  3. Nun überlegt Euch gemeinsam, zu welchem Thema die Geschichte sein soll und wie der Titel ist
  4. Schreibt den Titel ans untere Ende des Blattes
  5. Setzt Euch in einen Kreis
  6. Die erste Person schreibt nun einen ersten Satz oder Teilsatz oder mal auch zwei, drei Sätze. Wie es gerade fließt. Die anderen sehen dabei nicht zu und erfahren nicht, was die Person schreibt.
  7. Nun bekommt die zweite Person das Blatt. Liest sich durch, was die Person davor geschrieben hat und schreibt ihrerseits ein wenig.
  8. Bevor das Blatt nun an die dritte Person geht, knickt die zweite Person das Geschriebene der 1. Person so nach hinten um, dass es nicht mehr sichtbar ist.
  9. Die dritte Person kann nun ausschließlich lesen, was die zweite Person geschrieben hat und setzt dies mit eigenen Ideen fort.
  10. Dann knickt die dritte Person das Geschriebene der zweiten Person um und reicht das Blatt weiter.
  11. Und so dreht sich das Papier im Kreis, wird beschrieben, geknickt und weitergereicht, bis sich ein stimmiges Ende ergibt.

Danach wird die Geschichte gemeinsam vorgelesen! :)

Karteikarten kreativ genutzt

Eine weitere Übung, hat mir Daniela dann noch im Nachhinein zugesendet, die ich so schön finde, dass ich diese auch noch mit Euch teilen möchte. Mit dieser Methode könnt ihr immer wieder Eure Kreativität üben.

  1. Lege dir fünf Stapel mit leeren Papierschnippeln oder alten Karteikarten an.
  2. Schreibe in den ersten Stapel verschiedene Textformen (Artikel, Gedicht, Kurzgeschichte, Collage, Innerer Monolog etc.).
  3. Nenne im zweiten Stapel mögliche Hauptdarsteller (Schlaubi Schlumpf, das einsame Gänseblümchen, Kunigunde, Pustör – der Windtroll etc.)
  4. Nenne im dritten Stapel mögliche Gegenspieler oder Herausforderer (Gargamel, Frieda – die hungrige Kuh, Bartholomäus Mäusezahn, der Fink vom Dach etc.).
  5. Nenne im vierten Stapel ein Leitmotiv (Liebe, Apokalypse, Reise, Krieg, Familie, Epidemie, Freundschaft etc.).
  6. Nenne im fünften Stapel wahlweise ein Genre (Fantasy, Krimi, Science Fiction, Öko-Thriller, Tragödie, Komödie etc.) oder ein Adjektiv (absurd, lustig, rührend, intellektuell, kafkaesk etc.).
  7. Jetzt ziehst du dir aus jedem Stapel einen Schnipsel und daraus ergibt sich dann z.B.: Heute schreibe ich ein Gedicht, in dem das einsame Gänseblümchen auf Gargamel trifft und in dem es um eine Epidemie gehen wird, die sich in der fernen Zukunft auf einem fremden Planeten (Science Fiction) abspielen wird.

Du kannst natürlich beliebige andere Stapel hinzufügen mit den Kategorien „Ort“, „Zeit“, „Gegenstand“ und so weiter. Besonders spaßig ist es, wenn man das mit mehreren Leuten macht und noch einmal extra überrascht wird von den vielen verschiedenen Inputs, die andere auf die Karten geschrieben haben.

Ran an die Stifte!

Ich hoffe, Du probierst die ein oder andere Übung aus diesem Artikel aus. Denn wenn wir lernen, kreativer zu schreiben, können wir auch unsere sachlichen Texte und Diskussionsbeiträge ansprechender formulieren. Und dann bewegen sie mehr.

An Daniela ein herzliches Dankeschön für den Workshop und die tollen Übungen!

Wenn Dir die Übungen hier gefallen haben, teile den Artikel gerne mit Deinen Freund*innen. Und wenn Du weitere Übungen kennst, mit der wir alle unseren Schreibstil kreativer und besser machen können, gerne ab in die Kommentare damit!

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Serie: Ergebnisse des utopvials 2015

Auf dem Mitmachkongress utopival gab es eine Menge Workshops und Vorträge. Dessen Inhalte und Ergebnisse möchte eine Gruppe an Teilnehmenden von dort hier nach und nach zur Verfügung stellen.

Die bisherigen Artikel der Serie:
Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

6 Gedanken über “Mit Deinem Füller die Welt verändern

  1. Helena

    Hallo Michael,
    dein Beitrag ist sehr schön und für Menschen wie ich, die selbst schreiben, auch sehr inspirierend.
    Bei dem Gedicht habe ich also gleich Zettel und Stift genommen und mitgeschrieben. Hier mein Ergebnis:

    Es geht um die Freiheit.
    Ich bin mitten im Bild;
    Ich sehe die ganze Welt vor mir.
    Sie verändert sich.
    Ich bin mitten im Bild
    und fühle mich gut. So gut.
    Die Welt verändert sich,
    ich kann es schaffen,
    ich fühle mich gut, so gut.
    Mein Körper fühlt sich leicht,
    ich kann es schaffen!
    Ich fühle mich bereit.
    Mein Herz ist warm.
    Ich bin frei…
    Ich sehe die ganze Welt vor mir;
    mein Herz ist warm.

    Es geht um die Freiheit…

    Bitte macht weiter so! (Ich liebe eure Seite!)
    Beste Grüße,
    Helena

  2. Martin

    Hallo,dazu gibt es viel mehr zu sagen als ein Kästchen hergibt.Komme gerade von einer befreundeten Familie aus Syrien,zuerst lerne ich ja imme rdie Kinde rkennen,meist durch meine Hundegruppe :-)Wolfland GL de rtotale Kiddiemagnet.(mein Hundegewerbe)Was das literarische angeht habe ich mich vor Jahren mal versucht,rtilähnlich zu Walte rMoers Zamonien,mi tHauptdarstellern wie …….Lamm Bada und Lamm Brusko ;-)Wa rwohl die Zeit nicht reif dafür………..stimmt,Netzwerk machts möglich.Realität ist das wa sGestalt annimmt.bzw ich dazu verhelfe.Mein Motto der 5.Dimension,und da ich da sschon etl Jahre erf.reich mache kanns so verkehr tnich sein :-)Lg aus Berg.Gladbach,Martin

  3. Jan

    Hi Michael,

    das mit dem Schreiben ist eine sehr wichtige Sache; stimme da vollkommen zu.
    Auch die Techniken, die das Schreiben verbessern, beschreibst du schön und eindringlich.

    Eine wichtige Frage habe ich aber an dich: Wie bekommt man die Menschen dazu, es auch zu lesen?
    Ich habe einiges ausprobiert, aber irgendwie steigert sich die Reichweite nicht. Das ist häufig sehr ernüchternd.

    Viele Grüße und vielen Dank für die unermüdliche Arbeit, die ihr hier leistet.

    Jan

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