Ein Gastartikel auf Lisa und Michaels Blog:

Auf Bauernhöfen die Sinne entfalten

Oder wie man herausfindet, dass Hühner keine Eier kacken.

Selina Scheib
Von Selina Scheib
15. März 2016

Während meiner Arbeit als Bauernhofpädagogin habe ich bemerkt, dass die meisten Menschen physikalisch einwandfreie Sinnesorgane haben, sie jedoch trotzdem ihre Umwelt nicht bewusst wahrnehmen und verarbeiten. Wie man die Sinne mithilfe der Bauernhofpädagogik wieder schärfen kann, ist allerdings leichter als vielleicht gedacht.

Die augenöffnende Situation

Stell Dir einmal vor, dass Du in eine Küche kommst, in der es verführerisch nach Rührei duftet. Den Meisten wird schon jetzt das Wasser im Mund zusammenlaufen. Auch während meiner Arbeit mit Kindern in einem Bauernhofschullandheim konnte ich beobachten, dass die meisten Kinder Rührei sehr gerne essen. Eine Situation werde ich aber wahrscheinlich so schnell nicht vergessen…

Wie gewohnt schöpfte ich beim Frühstück, einem Kind nach dem anderen etwas Rührei auf seinen Teller, bis mich ein Junge ganz entgeistert ansah. Ich fragte natürlich gleich nach, ob er etwa kein Rührei haben möchte. Darauf antwortete mir der Junge: „Ja, ich esse doch nicht die Kacke von Hühnern!“

Selbst herausfinden, statt überzeugen lassen

Das war natürlich ein triftiger Grund, kein Ei zu essen. In diesem Glauben hätte auch ich kein Ei angerührt. Ich erklärte ihm mit breitem Grinsen, dass Eier nicht die Kacke der Hühner sind. Leider glaubte er mir das nicht, da er dachte, ich wolle ihn nur dazu bringen, etwas Ei zu essen. Also blieb mir nichts Anderes übrig, als den Jungen zu schnappen und mit ihm zum kleinen Hühnerstall des Hofes zu stiefeln.

Dort angekommen beobachteten wir die Hühner eine ganze Weile, bis sich endlich ein Huhn erleichterte. Wir inspizierten das kleine Häufchen genau. Wir schauten uns an, wie es aussah: „Sieht aus wie eine Wurst in Braun und Weiß.“ Wir schnupperten, nach was es roch: „Riecht nach Kacke.“ Ganz überzeugt war der Junge allerdings erst, als ich ihn zu den Nestern schickte, um ein Ei herauszuholen. Wir schauten uns das Ei an: „Sieht nicht aus wie Kacke, sondern ist glatt und schön geformt.“ Anschließend rochen wir am Ei: „Riecht nicht nach Kacke, eher nach Stroh.“ Erst nach dieser ausführlichen Betrachtung von Hühnerkacke und Hühnerei war der Junge überzeugt, dass Eier nicht die Kacke von Hühnern sind. Jetzt traute er sich, beim Frühstück etwas Rührei zu probieren. Diese Situation öffnete mir im Hinblick auf die Nutzung unserer Sinne die Augen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die meisten Menschen haben physikalisch einwandfrei funktionierende Sinnesorgane. Jedoch werden bei Vielen die aufgenommenen Sinnesreize nicht wirklich erkannt und verarbeitet. Dies hat nichts mit der natürlichen und sinnvollen Einschränkung der Reizaufnahme zu tun, die die Reizüberflutung verhindert. Es ist vielmehr die Folge nicht vollständig entwickelter Sinne.

Jeder kann sehen, aber viele schauen nicht wirklich hin

Der Junge war am Tag vorher schon bei den Hühnern gewesen. Er hatte die Hühner wahrgenommen, da er genau wusste, wo der Hühnerstall ist. Er hatte sogar die Aufgabe, die Eier aus den Nestern zu holen. Als mir klar wurde, dass er den Abgleich zwischen Eiern und Hühnerkacke schon am Vortag hätte machen können, wusste ich, dass er zwar alles Wesentliche gesehen hatte, aber nicht wirklich hinschauen, wahrnehmen und das Gesehene verknüpfen konnte.

Die Sinnesreize wurden nicht wirklich erkannt und verarbeitet. Er konnte sehen aber nicht wirklich sehen. Er konnte riechen aber nicht verarbeiten, was er riecht. Nach dieser Erkenntnis begann ich, den Sachverhalt der unterentwickelten Sinne genauer zu beobachten. Interessanterweise war dieses Verhalten bei fast allen Kindern und selbst bei Erwachsenen, mit denen ich auf  Bauernhöfen arbeitete, zu beobachten.

Kein Wunder…

Diese Unterentwicklung der Sinne ist allerdings nicht verwunderlich. Mit der Geburt ist der Körper zwar lebensfähig, jedoch noch lange nicht fertig entwickelt. Das Kind muss Bewegungsabläufe lernen und seine Sinnesorgane ausprägen. Es will entdecken und ausloten, was es noch riskieren kann, ohne in lebensbedrohliche Situationen zu geraten. Da gibt es Hitze und Kälte, Höhe und Tiefe, Helligkeit und Dunkelheit.

Das Kind lernt, sich kontrolliert zu bewegen. Es lernt, Gefahren einzuschätzen und sichere Situationen zu erkennen. All das geschieht, ganz leicht, natürlich und ohne zu pauken. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man dem Kind die Möglichkeit gibt, seiner unersättlichen Neugier nachzugehen und ihm auch den Raum dafür schafft. Es erweitert unbeirrt seinen Aktionsradius, da es durch Spiel, Versuch und Irrtum lernt. Auch die Sinne werden durch Herausforderungen im Spiel geschärft. Und hier beginnt das Dilemma…

Es ist vermutlich leicht nachzuvollziehen, dass sich diese elementaren Fähigkeiten draußen in der Natur optimal entwickeln.

Foto eines Bachlaufes in einem Wald

Die Natur hält vieles bereit.

In einem geschlossenen Raum werden die Sinnesorgane des Kindes nur wenig herausgefordert. Es gibt wenig Unterschiedliches bzw. immer Dasselbe wahrzunehmen. Die Ohren werden meist durch Lärm abgestumpft, als durch leise, sich ändernde Geräusche gefordert. Dadurch „verkümmern“ die Sinnesorgane und bleiben unterentwickelt. Diese Situation ist zu vergleichen mit der Situation eines eingegipsten Beines. Wird es nicht mehr belastet und gefordert, bilden sich die Muskeln zurück und das Bein wird dünn wie ein Stecken.

Meistens werden Räume auch noch kindersicher ausgestattet. Dadurch kann ein Kind keine Risiken oder Gefahren kennen und meistern lernen. Es gibt beispielsweise keine Möglichkeit ein Gespür für die Gefahr von Höhe zu entwickeln, da es keine Möglichkeiten gibt, etwas hochzuklettern und dann herunterzuspringen.

Die Folge

All das führt dazu, dass das Kind auf  halbem Weg der Entwicklung hängen bleibt. Es kann zwar gehen, aber ist sich der Gefahr, des zu schnellen und unachtsamen Laufens nicht bewusst. Es kann sehen, aber kann nicht wirklich wahrnehmen, was es sieht. Das Fatale ist, dass sich dadurch Selbstvertrauen und Selbstständigkeit nicht entwickeln können.

Das beste Übungsfeld: Die Natur

Die Natur dagegen ist voll unterschiedlichster Sinnesreize. Es liegt ein Duft von frischem Bärlauch in der Luft und ich kann einen kleinen Schmetterling durch die Luft fliegen sehen. Ich höre einen Vogel in den Baumwipfeln zwitschern und spüre eine leichte Brise auf meiner Haut. Überall gibt es etwas Spannendes zu entdecken und zu erkunden. Die Sinnesorgane reifen durch die Anwesenheit ausreichend großer Gegensätze und ausreichend feiner, fordernder Reize immer weiter heran.

Außerdem gibt es viele Möglichkeiten, ein Gespür für Risiken und Gefahren zu entwickeln. Ich kann auf Bäume klettern und herunterspringen, um zu erleben, was Höhe bedeutet. Ich kann ohne Jacke nach draußen gehen, um zu erfahren, was Kälte bedeutet. So sammelt das Kind eigenständig viele Erfahrungen, die zu Fähigkeiten heranreifen.

Ich kann selbst entscheiden, wie hoch ich auf den Baum klettere, da ich erfahren habe, von welcher Höhe ich sicher abspringen kann. Ich kann selbst entscheiden, ob ich heute eine wärmere Jacke anziehe, da ich erfahren habe, was es heißt, zu frieren. Das Kind lernt also aus seinen „Fehlern“ und das nachhaltig, denn keiner friert gerne oder möchte sich unnötig verletzen.

Das Spielen in der Natur schafft ein Urvertrauen und eine Selbstsicherheit, die das Fundament für ein eigenständiges Leben sind.

Man traut sich etwas zu wagen, kann seiner entwickelten Intuition folgen und offensichtliche Ungereimtheiten und Widersprüche mit Leichtigkeit erkennen. Das bringt uns nun wieder zur anfänglichen Situation zurück.

Auswirkungen geschärfter Sinne und Selbstsicherheit

Hätte der Junge in seiner bisherigen Kindheit die Gelegenheit gehabt, seine Sinnesorgane zu fordern und im Spiel Selbstsicherheit zu gewinnen, wäre die Situation bei der Rühreiausgabe ganz anders abgelaufen. Er hätte mir möglicherweise erzählt, dass er früher geglaubt habe, dass Hühner Eier kacken. Da er aber gestern das erste Mal die Gelegenheit hatte, Hühner zu beobachten und Eier ganz genau zu betrachten, sei ihm aufgefallen, dass dies nicht der Fall ist. Er wäre also alleine imstande gewesen, seine Annahme von Eier kackenden Hühnern, zu überprüfen und zu widerlegen.

Ausweg für alle

So problematisch sich das Ganze anhört, so einfach ist der Ausweg. Denn genau so, wie Du die Muskeln des eingegipsten Beines wieder trainieren kannst, kannst Du Deine Sinnesorgane fordern und damit schärfen. Du musst Dich nur in genauem Hören, Sehen, Fühlen, Riechen und Schmecken üben.

Gehe dafür in die Natur und versuche die feinen Sinnesreize so bewusst wie möglich wahrzunehmen. Du wirst mit der Zeit selbst das leiseste Rascheln in den Baumwipfel hören und die kleinste Ameise an einem Baumstamm hochlaufen sehen.

Chancen in der Bauernhofpädagogik

Auch bei der Arbeit mit Menschen auf Bauernhöfen gibt es viele Möglichkeiten, den Menschen zu helfen ihre Sinne zu fordern und ihre Selbstsicherheit zu stärken. Auf den Höfen gibt es viel zu entdecken, aber auch viele Gefahren, mit denen die Menschen umgehen lernen müssen.

Außerdem gibt es stets Situationen, in denen die Menschen eigenständig ihr vermeintliches Wissen zu Lebensmitteln und Tierhaltung überprüfen können. Falsche Annahmen können dadurch selbst widerlegt werden und der wirkliche Sachverhalt bleibt nachhaltig im Bewusstsein. Darin sehe ich die große Chance, mehr Wertschätzung für Lebensmittel und Nutztiere herzustellen. Als positive Folge werden die Menschen bewusster Lebensmittel einkaufen und verzehren, da sie dies nicht mehr aus einem Glauben heraus tun, sondern infolge eines selbstständig gesammelten und überprüften Wissens. So kann die Bauernhofpädagogik durch die Forderung der Sinne und die Stärkung der Selbstsicherheit zu einem bewussterem Konsumverhalten beitragen.

Habt auch Ihr ähnliche Situationen erlebt? Oder habt Ihr Eure Sinne schon anderweitig entfaltet? Ich bin gespannt auf Eure Geschichten und Anregungen in den Kommentaren.

Weiterführender Lesestoff

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

15 Gedanken über “Auf Bauernhöfen die Sinne entfalten

  1. S.W.

    Hallo,

    ich arbeite auch auf einem Bauernhof der Projektwochen für Schulklassen anbietet. Da hab ich auch schon Dinge erlebt… der Wahnsinn! :D
    Mir fällt es immer schwerer dort zu arbeiten und zu wissen, dass all diese Tiere zwar gut gehalten und umsorgt werden aber trotzdem ausgenutzt werden (Eier, Fleisch, Wolle, Reittier).
    Ja, es ist gut, dass Kinder auf diese Weise mit der Natur und mit Tieren in Kontakt kommen und dennoch leiden die Tiere früher oder später darunter.

  2. Markus

    Moin Moin,
    ich selbst bin auf dem Land groß geworden und fühle mich in der Stadt eher erdrückt als wohl.
    Mit dem Kindern die Natur näher bringen ist immer ganz schön, nur Schade wenn die Eltern es falsch machen.
    Ich war vor einiger Zeit im Museumsdorf bei Hamburg, als man in einem Stall war, wo es nach frisch duftenen Heu und Stroh roch. Da kam eine Mutter rein und sagte zu ihrem kleinen Jungen: „Jetzt gehen wir dahin wo es stinkt!“
    Da ist wohl leider was schief gelaufen.

    Solche Erfahrungen muss ich leider regelmäßig machen.

    Lieben Gruß
    Markus

  3. Alex

    Hallo Selina,

    was für ein aufschlussreicher Beitrag.

    Die Geschichte mit dem kleinen Jungen bringt es auf den Punkt. Selber herausfinden schafft Klarheit und hilft einfache Vorgänge im Alltag zu verstehen.

    Dabei ist ein Blick hinter die Kulissen wichtig, es sollte allerdings ein ehrlicher Blick und kein gespielter sein. Den wahren Alltag zeigen, mit allem, was dazugehört. Dadurch wird echtes Wissen vermittelt und am Ende kann sich jeder selber sein Urteil bilden.

    Die Natur ist und bleibt die beste Schule, denn darauf baut alles auf. Nur wenn wir lernen damit vernünftig umzugehen, wird sie uns lange erhalten bleiben. Das sollte jedem Menschen so gut es geht klar gemacht werden.

    Danke für diesen lobenswerten Einblick in die Bauernhofpädagogik. Ich finde es spannend mehr darüber zu lesen.

    Liebe Grüße von mir aus Laos
    Alex

  4. Mathias

    Verzeiht mir bitte den folgenden, wenig konstruktiven Kommentar, der vermutlich auch sehr an den Kerninhalten dieses Beitrags vorbeigeht. Ich habe dennoch das Bedürfnis ihn zu äußern:

    Eier sind nicht die „Kacke“ von Hühnern (wie bereits festgestellt wurde) – sondern ihre Menstruation. Möglicherweise sind sie damit nicht unbedingt appetitlicher.

    Statt einer Bauernhofpädagogik zu Lasten der sog. „Nutztiere“ wäre zumindest für mich eine „Lebenshofpädagogik“, bei der man die Tiere als Individuen mit eigenen Bedürfnissen und Rechten (z.B. Recht auf Leben und Unversehrtheit) kennenlernt, eine erstrebenswerte Alternative, welche möglicherweise noch viel mehr Werte (etwa Mitgefühl) vermitteln kann.

    Liebe Grüße,
    Mathias

    1. Selina ScheibSelina Scheib Beitrags Autor

      Vielen Dank für Deine Anregung!Es ist immer wichtig seine Gedanken zu äußern, auch wenn man meint sie seinen nicht konstruktiv, was ich bei Deinem Beitrag nicht sagen kann.

      Die Bauernhofpädagogik ist meiner Meinung nach definitiv nicht zu Lasten der Tiere, sondern dient genau dazu, was Du Mathias als „Lebenshofpädagogik“ beschreibst. Die Tiere werden nicht mehr nur als Beispielsweise Fleisch oder Eierlieferant gesehen, sondern als Individuen, die genauso respektvoll behandelt werden sollten wie Menschen. Ob man nun tierische Lebensmittel essen möchte oder nicht ist jedem selbst überlassen. Mir ist es nur wichtig, wenn man es tut, das man sich dessen bewusst ist und dies auch wertschätzt!

    2. Michael HartlMichael Hartl

      Lieber Mathias, auch ich fände noch idealer, wenn die Höfe, die im Rahmen von soetwas wie Bauernhofpädagogik Kindern und Erwachsenen wieder einen Zugang zu anderen Lebewesen ermöglichen wollen, Lebenshöfe wären, an denen Tiere nicht getötet werden.

      Aber wenn „normale“ Betriebe öfter ihre Türen öffnen, hat das vielleicht auch den Effekt, dass sie transparenter werden und damit nicht mehr den größten Scheiß bauen können. Auch wenn ich durchaus das Risiko sehe, dass wenn nur happy sunshine Betriebe ihre Tore öffnen für Besucher*innen und Lernende, dass hier dann ein falsches Bild von Tierhaltung insgesamt entsteht – und ab dann das Billig-Fabrik-Schnitzel mit einem guten Gewissen gekauft wird. „Weil ich hab ja gesehen, wie gut es Tieren am Bauernhof geht“.

      Darum: Zwiegespalten. Kommt sehr darauf an, wie das jeweils umgesetzt wird.

    3. sabine

      Autsch, das tut weh und muss widersprochen werden.
      Seit wann haben Vögel eine Gebärmutter? Als nicht lebend gebärendes Wesen kann das Ei der Henne wohl kaum ihre Mens sein! Oder wie siehst du das?
      Liebe Grüße
      Sabine

  5. Kathreen von "Mach mal"

    Ich habe als Kind neben einem Bauernhof gewohnt, das war ziemlich schön. Dort habe ich auch viele Nachmittage verbracht und gespielt. Trotzdem dachte ich, dass ich die Hühnereier selbst ausbrüten und den Küken dann sprechen beibringen könnte. Ich bin heute noch ein bisschen enttäuscht, dass das nicht funktioniert hat :D Liebe Grüße, Kathreen von „Mach mal“

  6. kari90

    Ach ja und weil ich jetzt beim Kommentieren total vom Thema abgewichen bin, möchte ich mich hier noch bei Selina für den tollen Artikel bedanken. Ich finde es toll, dass es solche Programme wie Bauernhofpädagogik gibt, die Kinder wieder etwas zurück zur Natur bringt.

  7. Heidemarie Siegel

    Ich habe mich bisher nicht eingehend genug mit Bauernhof-Pädagogik beschäftigt, um irgendeine Kritik rechtfertigen zu können. Diese ist auch mehr allgemeiner Natur:

    1. für diese Pädagogik eignen sich ausschließlich Bauernhöfe, die durch die Art ihrer Wirtschaftsweise diesen Namen verdienen.

    2.Es wäre nötig, parallel zu dieser sicherlich sinnvollen pädagogischen Arbeit daran mitzuwirken, dass flächendeckend eine sinnvolle Struktur Stadt-Land-Natur (wieder)entsteht, d.h. eine radikale Abwendung von den immer stärkeren Tendenzen zur Industrialisierung ( neueste Variante + Digitalisierung)

    3. Verstärkte Aufklärungsarbeit nicht nur der – überaus wichtigen – Verbraucher ( die ja z.B. in den Solawis aus dieser passiven Rolle schon langsam herauswachsen) sondern der “ konventionellen“ Landwirte, um ihnen klar zu machen, dass die Lobbyarbeit der Saatgut/Düngemittel/Landmaschinenindustrie incl . ihrer eigenen sog. gekauften Vertreter sie dazu bringt, den Ast, auf dem sie sitzen, abzusägen. Wenn Menschen von klein auf ihre Umwelt oder das, was davon übrig geblieben ist, nur noch per Touchscreen auf dem Smartphone wahrnehmen – warum sollten sie dann für diese Umwelt ernsthaft kämpfen?

    1. kari90

      Das man durch das Smartphone nicht die Welt kennen lernen kann – da bin ich völlig bei dir. Auch das es mancherorts einfach besserer Pädagogen (besonders in den Kindergärten, Volksschulen) bedarf, um Kindern wieder mehr über ihre Umwelt zu lehren. Nachdem man bei vielen Eltern nicht mehr davon ausgehen kann, dass sie über natürliche Abläufe Bescheid wissen, muss hier wohl die Schule eingreifen. Bei dem Beispiel mit dem „Ei kacken“ frage ich mich, warum die Eltern das dem Kind nicht schon früher erklärt haben. Von irgendwoher muss diese Idee ja kommen und er wird ja dann schon früher keine Eier mehr gegessen haben (es sei denn er wusst vorher einfach nicht woher Eier kommen und hat das auf dem Bauernhof dan völlig falsch interpretiert).

      Zu dem Punkte mit den Bauern von deinem Kommentar, Heidemarie, da muss ich schon sagen, dass ja viele Bauern mittlerweile umdenken. Auch weil etwa biologischer Anbau und Nachhaltigkeit durch die steigende Anfrage der Konsumenten kleinen Betrieben wieder ermöglicht, wirtschaftlicher zu arbeiten. Als Bauer ist man aber halt auch Unternehmer und will natürlich auch für das Risiko das man trägt ein wenig mehr verdienen (ich will hier keine Grundsatzdiskussion darüber starten, dass der Mensch halt einfach immer nach mehr strebt). Hier ist also schon der aufgeklärte Konsument gefragt finde ich – vielleicht sollte man anstatt der unzähligen Tausender in Urlaube/Weltreisen/.. einmal mehr in die wirklich relevanten Dinge im Leben investieren.

      Und zur Digitalisierung habe ich als Technikerin – die auch versucht ihr Leben immer nachhaltiger zu gestalten – noch einen kleinen Kritikpunkt. Für die meisten Menschen wird Technik und Fortschritt immer verteufelt. Klar geht in unserer Zeit schon alles sehr rapide vorwärts und das hat auch seine Nachteile – Technik wird auch nicht immer zum Vorteil aller eingesetzt. Es gibt aber auch gute Ansätze wie man Landwirtschaft mit neuer Technik profitabel und gleichzeitig umweltschonender gestalten kann. Unkraut am Feld muss nun mal eingedämmt werden, wenn der Konsument weiterhin Getreide essen will. Die ältere Generation kennt ja noch das geliebte „Strupfen ziehen“ (oberösterreichisch).
      Klar ist auch immer die Frage woher die Technik kommt und am besten wäre es neue Innovationen in alter Technik auch nachrüsten zu können. Sowas gehört meiner Meinung nach unterstützt, um schrittweise die konventionelle Landwirtschaft umweltfreundlich zu machen, denn auch wenn alle Bio und Kleinbauern sind, gibt es trotzdem immer wieder etwas zu verbessern ;-)

      1. Selina ScheibSelina Scheib Beitrags Autor

        Der Junge muss vor seinen Eltern diese Annahme ja noch nie geäußert haben. Wenn der Junge nur gesagt hat er mag Eier nicht, da die Eltern nicht nachdrücklicher gefragt haben, kann es schon sein, dass diese davon gar nichts wussten.

        Was auch häufiger der Fall ist, ist dass viele Erwachsene nicht einmal solches Wissen besitzen. Die wenigsten Wissen zum Beispiel, dass Milch eigentlich Muttermilch für Kälber ist. Der moderne Mensch macht sich keine Gedanken darüber, was er verzehrt. Es gibt halt Milch weil sie gut schmeckt und scheinbar gesund ist. Und genau da setzt die Bauernhofpädagogik an. Sie schafft Wissen, wodurch dann überhaupt erstmal bewusst konsumiert werden kann.

        Und ja Technik ist nicht immer schlechter. Es gibt durchaus auch Technik die die Umwelt schont.

        Vielen Dank für Deine Gedanken dazu :)

    2. Selina ScheibSelina Scheib Beitrags Autor

      Vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Zu erst wäre allerdings zu klären, Was für Dich, Heidemarie Bauernhöfe sind, die diesen Namen verdienen?

      Und ja die Bauernhofpädagogik ist sicherlich erst ein Anfang, der Umdenken fördert.
      Aber schließlich fängt alles einmal klein an :)

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