Michael allein zu Haus

Michael Hartl
Von Michael Hartl
17. Dezember 2011

Fast drei Wochen war ich nun alleine hier am Hof. Bis auf einen überraschenden Besuch. Alle fort. Zeit zum Nachdenken. Die wunderbare Möglichkeit, so dick Brotaufstrich aufs Brot zu schmieren wie ich will. Und natürlich die Chance schlechthin, das Essen mal so brutal scharf zu würzen, dass alle Schleimhäute und Tränendrüsen mal so richtig in Fahrt kommen.

Aber das wars dann auch schon so ziemlich mit den Vorteilen. Ansonsten wurde durch diese drei Wochen mein Bewusstsein erneut dafür geschärft, warum es toll ist, in Gemeinschaft zu leben.

1 + 1 = 3

Als ich hier alleine war, war mein Tag schon sehr gut angefüllt mit Holz reintragen, Wasser holen und reintragen, heizen, Gemüse aus dem Keller holen, waschen und kochen, abspülen, zwischendurch immer wieder nachheizen und von Zeit zu Zeit neues Holz holen. Ab und zu noch Wäsche waschen, was bei uns von Hand dann doch nen halben Tag in Anspruch nimmt, und ein bisschen rund ums Haus für Sauberkeit und Ordnung sorgen und die Katzen füttern, pflegen und betreuen. Wenn ich da noch nebenbei ein bisschen was machen will, ist das fast unmöglich, denn es bleibt einfach keine Zeit, um auch noch Bäume oder Büsche zu pflanzen, Holz zu sägen und zu hacken oder auch mal nur die wichtigsten Räume sauber zu putzen.

All diese Arbeiten fallen ungefähr im gleichen Maße an, egal ob ich eine, zwei oder vier Personen am Hof habe. Mit jeder weiteren Person nimmt die Arbeit nur noch unwesentlich zu. Geheizt wird immer gleich viel. Gekocht natürlich jeweils für eine Person mehr – aber das hat nur Auswirkungen auf das Schneiden und Waschen des Gemüses – umrühren, Ofen befeuern und danach den Topf auf den Tisch stellen bleibt immer der gleiche Aufwand. Doppelte Anzahl an Personen bedeutet also nicht doppelten Aufwand – oder positiv formuliert: mit der doppelten Anzahl an Personen bekomme ich dreimal soviel pro Tag erledigt.

Gemeinschaftsleben ist weltklasse!

Das ist einer der Gründe, warum ein Gemeinschaftsleben einem Single- oder Pärchen-Leben aus meiner Sicht immer der Vorzug zu geben ist. Es ist effizienter. Egal ob wir uns die zu erledigende Arbeit, den Energie- oder Holzverbrauch oder die Weiterführung des Hofes, wenn mal wer auf Reisen oder politische Aktionen geht, ansehen.

Darüber hinaus fühlt sich ganz selbstverständlich gelebte Kooperation viel mehr nach einem echten füreinander da sein an, als die in der „normalen“ Gesellschaft durch Bürokratie und Finanzen „sichergestellte“ Krankenfürsorge oder Altenhilfe. Es ist wundervoll, jeden Tag mit Menschen zu verbringen, die man liebt, respektiert und bei denen es einen freut, sie als selbstbestimmte und zufriedene Personen zu erleben. Eine tolerante und gleichzeitig sehr offen und deutlich Feedback gebende Gruppe ist das ideale Umfeld, um sich persönlich zu entwickeln und charakterlich wie menschlich jeden Tag weiter zu reifen.

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8 Gedanken über “Michael allein zu Haus

  1. ursula schloer

    Ich bin 1981 ausgestiegen und auf die Philippinen mit meinen Kindern ausgewandert. Dort wollte ich ihnen ein einfaches Leben beibringen, daraus wurde allerdings nichts, weil ich einfach auch dort GEld verdienen musste und dann mit dem Schmuck den ich machte, sehr erfolgreich wurde.

    Doch dann ging ich öfter in die Berge und auf die Inseln und war mit Menschen zusammen die wirklich autark leben, was natürlich bei dem tropischen Klima einfacher ist. Was ich am meisten genossen habe war die Gemeinschaft die ich in diesem Lande erlebte, Grossfamilien, selbt meine `Fabrik`, ein richtiger Dschungel am Meer (haben wir selbst gestaltet nachdem es erst nur sand und Palmen waren), wurde eine Grossfamilie, heute noch bin ich auf Fb mit vielen dieser Leute verbunden, auch mit deren Kindern. Und bei den Stämmer im Süden habe ich in einfachen Bambushäusern verbracht, auf dem Boden geschlafen und gegessen was das Land so hergibt, in Gemeinschaft. Es war ein wunderbares Erlebnis. Nun bin ich zurück in Deutschland und vermisse das sehr, lebe alleine und bin nur noch vituell mit dieser Familie verbunden, würde gerne als Oma in einer Gemeinschaft leben.

    Wir machten zwei filme über die Frauen eines Stammes, seht Euch das mal an, http://youtu.be/5ObQqGCPuv4, http://youtu.be/grYCWYNrG_0.

    Oben ist der Schmuck den ich damals machte, alles aus Naturmaterialien, inspiriert auch durch die Stämme und Natur. Und nun beschäftige ich mich mit Wildkräutern und Rohkost, billig gesund leben

  2. Lika

    Hallo!

    Ich verfolge euren Blog erst seit kurzem und finde ihn sehr interessant.

    Nun haben mein Mann und ich aber schon des öfteren darüber diskutiert wie das nun bei akuten Erkrankungen (wie Grippe, Bronchitis, Lungenentzündung etc) wäre, wenn man eben wie ihr weit abgelegen, ohne der entsprechenden Sprachkenntnis leben würde. Nachdem du geschrieben hast, dass ihr krankenversichert seid, stellt sich für mich noch zusätzlich die Frage, mit welchem Geld dies finanziert wird, ihr lebt ja im Prinzip autark ohne euch wirtschaftlich zu engagieren.

    Ein weiteres Thema bei uns war dann noch (wir haben zwei Kleinkinder), wie das Leben bei euch mit Kindern wäre. Kindergarten ist ja meiner Meinung nach nicht notwendig, aber die Schule und die damit verbundenen Kosten und Anschaffungen. Denn ich finde ein solches Leben zu führen und es seinen Kindern als Grundstein mitzugeben eine tolle Idee!

    Das brannte mir nun schon länger auf der Zunge und ich würde mich über entsprechende Antworten sehr freuen!

    Liebe Grüße und alles Gute aus Ö, Lika

  3. Peter Gerhardinger

    Servus Michael,

    es ist immer wieder ein Genuss zu lesen, wie Du die Dinge oder Vorgänge (auch innere…) formulierst und beschreibst.

    Schon lange träume ich von einem einfachen Leben auf dem Lande, fernab von lemminghaften, ferngesteuerten, ängstlichen Menschen in ihren "Burgen". Mein ~ ein ha großes Land mit einem fast nicht bewohnbaren Haus aus den 1920ern, das mir von Freunden für die nächsten zwei Jahre unentgeltlich für permakulturell angelehnte Anbauweise zur Verfügung gestellt wurde, könnte da ein Ansatz sein, aber: ALLEIN macht es keinen Spaß und Sinn.
    Erst in der Gemeinschaft von achtsamen, aufgewachten Menschen wird es das, was annähernd in Eure Richtung geht.

    Ich werde meine Gedanken in die gewünschte Fülle ausrichten und es loslassen – dann wird es sich alleine ergeben ;-)

    Euch eine schöne, nicht so turbulente NEUE ZEIT und viel Liebe

    Peter

  4. AdG

    Je mehr ich eure Beiträge verfolge, um so bewußter wird mir, was ich schon seit Jahren – ohja, ich kann schon von Jahrzehnten ;-) reden – in unserer Gesellschaft vermisse.

    Je länger ich eure Beiträge verfolge, umso klarer werden meine Ziele, vor allem die Tatsache, dass es hier keine "halben Sachen" geben kann :-)

    Was mich interessiert (ich habe bisher nichts im Blog gefunden) ist, ob ihr krankenversichert seid oder euch mit Naturmedizin befasst. Wo sind für euch die Grenzen? (z.B. Knochenbruch, größere offene Wunde).

    Herzliche Grüße
    AdG

  5. Daniel

    Hallo Michael das würde mich auch mal interessieren wie ihr das mit der Krankenversicherung und Rentenversicherung macht;) Aber du hast abzulut recht mit dem was du sagst;) Ich selbst könnte kaum auf die Gesellschaft meiner geliebten Frau oder meines Sohnes verzichten! Wenn sie mal auf Besuch bei ihrer Mutter in Polen ist ist es so als wäre ich nich ganz! Geschweige davonwie mir mein Sohn gefehlt hat!! Denn wir sind einfach nur zusammen eine Sele ( Familie) den am aller wichtigsten in meinen Leben ist für mich meine Familie!!!;)

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo,

      ja, wir sind sowohl krankenversichert als auch sehr interessiert an Naturheilkunde und Heilkräutern und einem gesunden Lebensstil.

      Rentenversicherung haben manche von uns hier am Hof. Lisa hat, ich derzeit nicht.

      Danke für die zustimmenden Worte! :)

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