Mehr Matsch!

Unsere ersten Erfahrungen mit Lehmbau.

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
10. April 2012

Mehr Matsch – so fordert es Andreas Weber in seinem gleichnamigen Buch für Kinder. Ich fordere zusätzlich mehr Matsch für Erwachsene :)

Seit wir hier in unserem neuen Häuschen sind, werken wir fast rund um die Uhr um es in Schuss zu bringen. Mit Erfolg. Und das macht uns Handwerks-Neulinge (in puncto Haus sanieren) fast ein bisschen stolz…

 Sanieren mit Lehm – was der Erdboden so her gibt

Nix mit Kelle, nix mit Spachtel, bloße Hände, die im feuchten Etwas wühlen und braune Klumpen formen, um sie gleich danach, mal sorgfältig – mal ganz wild, auf den Wänden zu verteilen. Zugegeben, wir haben keinen neuen Putz aufgezogen sondern nur ausgebessert. „Nur“ ist aber auch gut gesagt. Die Löcher waren teils einige Zentimeter tief :)

 Traditionell bäuerlicher Flair

Die Wände in diesem alten Weinstöckl sind seit jeher traditionell aus Holz, mit Lehm verputzt und gekalkt. Genau so wollten wir es wieder machen um den urigen Charme zu erhalten.

Obwohl es unser Erdboden hier wahrscheinlich hergeben würde, haben wir aus Zeitgründen fertig gemischte Lehmsäcke gekauft. Groblehm, wie wir festgestellt haben – dass es auch feinen Lehmputz gibt, wussten wir erst nach dem ersten Blick auf die Packung. Naja, auch ok.

Im Lehm waren bereits kleine Steinchen und Stroh beigemischt. Hätten wir es uns also sparen können, einen Strohballen beim nächsten Pferdehof zu erschnorren – aber der wird dann eben mit Pilzbrut beimpft, auch recht! Im Übrigen sind diese quadratisch gepressten Strohballen hier nur äußerst schwer zu bekommen…

Das Auftragen von diesem groben Lehm hat sich anfangs als ein wenig kniffelig heraus gestellt, aber von Zimmer zu Zimmer haben wir Fortschritte gemacht und die Ränder immer schöner bekommen. Handschuhe sind auch sehr empfehlenswert, wenn der Lehmputz so rau ist… Aber „nackig“ hat man halt mehr Gefühl! Man könnte es auch als Gratis-Peeling sehen :)

Meine größte Erkenntnis: Lehm der beim drübertätscheln wieder an den Händen kleben bleibt und runter fällt: Wie beim Rollen von klebrigen Knödeln – Hände anfeuchten.

Nach einiger Zeit zum Trocknen geht der Kalk Spaß los: Dazu haben wir 1 Teil (gelöschten) Kalk mit 2 Teilen Wasser gemischt und auf einen 10 Liter Kübel 2 Esslöffel Leinölfirnis (damit der Kalk wischfester ist) dazugegeben. Kräftig rühren und los geht’s!

 Kalken für jedermann/frau!

Das Schöne am Kalk ist ja: Man kann herum schmieren wie eine Verrückte! Kreuz und quer geht’s die Wand entlang. Bei großen Flächen war ich zeitweise sogar mit zwei Riesenpinseln ausgestattet und hab mich gefühlt wie eine experimentelle Künstlerin die ihre ganzen Gefühle an der (Lein)wand aus lässt :D

Erster Kalkanstrich

Erster Kalkanstrich

Anfangs sieht das Ganze total schlimm aus, weil der Kalk sehr dünnflüssig ist und den Lehm (auch wenn er schon getrocknet ist) einfach nur verschmiert. Aber schon nach dem ersten Antrocknen sieht man gut wie es immer weißer wird. Und nach drei Anstrichen sieht es auch schon sehr schön aus. Über ein paar wenige dunklere Stellen muss man vielleicht noch drüber, aber im Großen und Ganzen ist die Arbeit getan. Aja und dann muss man nur noch hoffen, dass niemand zuvor mit normaler Dispersionsfarbe nachgebessert hat – dort hält der Kalk nämlich nicht ;)

Das soll weiß werden?

Das soll weiß werden?

Über Kalk habe ich gelernt, dass er desinfizierend wirkt, Gerüche absorbiert und die Anfälligkeit für Schimmelpilz verringert. Ich bin mehr als begeistert!

Eine der ältesten Wandanstriche – einfach toll. Zudem ist er schneeweiß und macht den Raum sehr hell (was uns hier bei den kleinen Fenstern und dunklen Holzdecken sehr zugute kommt).

Gelöschter oder ungelöschter Kalk?

Beim Außenanstrich bin ich schon sehr gespannt, weil man wegen der Haltbarkeit anscheinend den Kalk selbst löschen soll. Davor hab ich noch ein bisschen Bammel, weil ungelöschter Kalk stark ätzend wirkt (Für den Innenanstrich haben wir ja gelöschten (Sumpf)kalk verwendet) . Aber da werden wir uns noch einen Fachmenschen dazuholen :)

Ich freue mich jedenfalls über diese neue Erfahrung und meine ersten Gehversuche als „Maurerin“. Hast Du auch schon mit Lehm und Kalk gearbeitet und irgendwelche Tipps oder besonderen Erfahrungen gemacht? Dann immer her damit, man lernt nie aus :)

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

11 Gedanken über “Mehr Matsch!

  1. Andreas Klein

    Moin,
    Grüsse aus dem Norden.
    Da wir (Frau und meine Wenigkeit) mittlerweile so einige Erfahrungen mit
    der Verwendung von Kalkfarbe gesammelt haben, möchte ich diese auch gerne weitergeben.
    Meine Liebste hat einen Blog über unser „Hausprojekt“ gedengelt, in dem so manches festgehalten wurde.
    hier der link: http://www.ourlovelyhousingproject.blogspot.de/
    Wer Lust hat, kann da ja mal reinschauen.
    Okay, ist kein Stroh und auch kein Lehm dafür aber guter 100 jähriger Klinker.
    Bei der Witterung in unserer Polarzone ist das nun mal so.
    So, muss nu wieder auf,n Bau und weitermachen.
    Ach so. Interessante Seite ! Muss ich mal in Ruhe durchstöbern.
    Nochmal Gruß
    und Tschüss

  2. Jasmin E.

    Hallo Ihr lieben!
    Ich bin seit einiger Zeit damit beschäftigt unsererm Lehmhaus einen neuen Lehminnenputz verpassen.
    Habt ihr damit Erfahrung, wie man die Wände, wie man mit „einfachen“ Mitteln die Lehmwände wasserabweisend macht?
    Es gibt ja den marokkanischen Tadelakt, nur weiß ich nicht wie man an ähnliche Materialien und jemand mit Erfahrung in diesem Bereich herankommt.
    Kennt ihr vielleicht einen Selberbaublog im Internet oder eine entsprechende Gruppe bei Facebook.
    Danke für Eure inspierirende Arbeit, die viele Menschen in meiner direkten Umgebung beeinflusst. :)
    Jasmin

    1. Christine Vollmer

      Hallo Jasmin,
      aus der Zeit, als wir unsere Wände mit Lehm versehen haben erinnere ich mich noch dunkel daran, dass es speziell für Lehm eine Art Elefantenhaut im Fachhandel gab. WIr haben die nicht gekauft, weil der Lehm sich dann nicht mehr so problemlos ablösen lässt. Tadelakt kannst du günstiger im Internet kaufen. Es soll aber ein sehr aufwendiges Unterfangen sein. Ich will das auch noch ausprobieren. Ich hab mir mal so ein Versuchsset bestellt, aber es liegt noch so viel wichtigeres an, dass ich es noch nicht ausprobiert habe.
      Viel Spass noch beim Renovieren.

      Christine

  3. Nana

    ich hatte auch beim ersten mal Angst, dass es nicht weiß wird :D

    nach meiner Erfahrung tut es Weißkalkhydrat aus jedem Baumarkt, es muss nicht unbedingt gesumpfter sein.

    noch ein Tipp zum Kalkputzanstrich: mit Alaunsalz reingemischt wird man auch nicht weiß, wenn man sich mal an die Wand lehnt.

    1. Eduard

      Genau, das 90 CL (Weißkalk/Luftkalk) Pulver. Also ich weiß das so bei drei Anstrichen:
      1. normaler, dünn-milchiger Anstrich (2,5 Teile Wasser/1 Teil Kalkpulver)
      2. mit etwas Leinölfirnis (max. 1%=1EL pro Liter) -> erhöht die Elastizität und Festigkeit. Das Öl wird nicht am Ende, sondern zu Beginn dem Kalkbrei zugesetzt, dann verdünnt. Es entsteht „Kalkseife“.
      3. mit Magerquark -> erhöht die Wischfestigkeit. Mit ganz wenig Kalk vermengen und 20 Minuten quellen lassen. Es entsteht „Kaseinleim“. Diesen der Farbe zugeben (10-20%) und sofort verarbeiten.

      Weil ich in meinem alten Haus aus ungebrannten Lehmziegeln blühende Wände hatte, habe ich zwei Schichten Kalkputz drübergemacht. Der hohe pH-Wert soll ja Schimmel abhalten. Das ist aber alles noch in Arbeit, daher kann ich keine Erfahrungswerte beisteuern…
      Frohes Schaffen noch!

  4. Conny

    Hallo ihr 2,

    bin über eine Freundin auf euren Blog gestoßen! Tolle Sache, die ihr da macht!

    Mit Kalk und Lehm habe ich in den letzten Jahren auch einiges zu tun gehabt, wenn ihr mal auf unserer Website (leider nicht furchtbar aktuell) bzw. auf FB unter Ambisari schaut! Wir sind eine Keltengruppe aus Bayern und haben in den letzten 3 Jahren nach und nach (meist an den Wochenenden) ein Keltenhaus gebaut, mit Flechtwänden aus Hasel, dann Lehm draufgepatscht und mittlerweile gekalkt!

    Diese Materialien sind wirklich wunderbar, die Arbeit ist zwar zugegebenermaßen anstrengend, aber macht sowas von Spaß!

    Ich wünsche euch noch ganz viel Freude und Erfolg!

    Liebe Grüße aus München,

    Conny

  5. pro-edaphon

    Das ist das Schöne an alten Häusern, wenn sie noch nicht mit modernem Baumaterial verschlimmbessert wurden, wie bei unserem Häuschen leider der Fall.

    Wir haben von manchen Außenwänden die Disperversionsfarbe erst mit einer Putzfräse und Heißluftfön runtergeholt und den wenig saugfähigen (zementhaltigen) Außenputz dann mit Sumpfkalk mehrmals gestrichen. Warum sollte der für außen nicht verwendet werden? Weil es bei Regen dunkel durchschimmert und scheckig aussieht? Stört uns wenig.

    Für Mörtel-/Putzmischungen hatten wir Fels-Weißkalkhydrat genommen. Ich erinnere mich, dass bei 3-Schicht-Putz die unterste Schicht am grobkörnigsten sein soll, nach außen feiner werdend, damit die Wand wie eine Pumpe wirkt und eindringendes Wasser ganz schnell über Kapillarwirkung wieder nach außen befördert wird und abdampft.

    Einige Tips und Hilfe gibts auch bei fachwerk.de. hoepfer.net (Kalkputzregeln) fand ich noch hilfreich/empfehlenswert.

    Frohes Schaffen weiterhin!

  6. Nina

    Ich liebe euren Blog! Ihr helft damit so vielen Menschen, die schon die Idee haben, aber überhaupt nicht wissen, wie sie anfangen sollen! Und jetzt auch Lehmputz als Thema mit Tipps und Tricks! Super vielen Dank, ich träume schon lange von einem kleinen Häuschen aus Lehm und Stroh auf einem großen Stück Land. Und jetzt weiß ich wie´s geht! Danke dafür! :D

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