living utopia – ein Leben frei von Geld

Pia und Tobi erzählen, wie jede*r die ersten Schritte in diese Richtung gehen kann!

Michael Hartl
Von Michael Hartl
23. Mai 2014

Alle Menschen bekommen, was sie brauchen und steuern bei, was sie können. Wir hören auf, alles monetär zu bewerten und achten mehr darauf, welche Bedürfnisse andere haben. Jeder teilt mit anderen und wir verteilen den vorhandenen Überfluss gerecht auf alle. Klingt gut? Ja, absolut. Wie der Weg dorthin aussehen könnte? Ich glaube ja, dass einzelne Gruppen mit gemeinsamer Ökonomie beginnen sollten.

Einen anderen Weg schlagen Pia Damm und Tobi Rosswog mit ihrem Projekt living utopia ein: Sie versuchen den direkten Weg zu gehen, ohne Zwischenschritt, und beginnen einfach schon mal, frei von Geld zu leben. Wir haben die beiden für euch interviewt.

Befreit vom Geld

Pia, Tobi, erzählt uns doch mal bitte, wer ihr seid!

pia: Wir durften im September 2013 das Projekt- und Aktionsnetzwerk living utopia gründen und sind seitdem mit verschiedenen Workshops und Projekten, die wir geldfrei organisieren, aktiv. Mit unseren Projekten möchten wir Räume schaffen, in denen bedingungsloses Sein und freie Entfaltung der eigenen Talente ermöglicht wird. Wir haben beide nach dem anfänglichen Studium gemerkt, dass institutionalisiertes Lernen für uns keinen Sinn ergibt und möchten uns selbst im lebenslangen Lernen nach unseren Themenschwerpunkten weiter- und fortbilden.

Foto von Pia und Tobi von living utopia

Ihr lebt also ohne Geld. Funktioniert das?

tobi: Unbedingt. Wobei wir eher von geldfrei als von «ohne Geld» reden würden, weil schon der Begriff den befreienden Charakter in sich trägt. Außerdem ist uns bewusst, dass so gut wie alles uns Umgebende mit und durch Geld produziert worden ist. Unser Motto ist: Vorhandenes besser nutzen und miteinander teilen. In Deutschland leben wir in einer unglaublichen Überflussgesellschaft, in welcher gemäß Valentin Thurns Film „taste the waste“ beispielsweise 40 – 50% der Lebensmittel weggeworfen werden. Wir könnten heute laut FAO 12-14 Milliarden Menschen ernähren, trotzdem haben fast eine Milliarde Menschen täglich nicht genug Essen. Wir möchten auf diese Problematik aufmerksam machen und vor allem keine weitere Nachfrage für ein Angebot schaffen, welches sowieso schon im Übermaß vorhanden ist.

Die anderen Grundbedürfnisse wie Kleidung, Mobilität oder Wohnen gehen wir auf die gleiche Weise an.

Von überflüssigem Geld und kostenlosen medizinischen Behandlungen

Gibt es mehr Leute, die so leben? Wäre das auch ein Konzept für die ganze Gesellschaft?

pia: Uns sind einige Menschen bekannt, die das Thema «geldfrei» bewegt. Dazu gehört nicht unbedingt, ohne direkten Geldverbrauch zu leben, sondern einfach sich frei zu machen von der Geldabhängigkeit – für sich selbst, aber auch für umgebende Mitmenschen. In unserem Netzwerkkreis bewegen sich einige Menschen, die diese bedingungslose Solidarität erleben und den Überfluss, in welchem wir leben, aufzeigen möchten und sich auf eine geldfreie Reise begeben – ob zu Fuß, einen Sommer lang oder als Bildungsreise.

Mit unserer Lebensweise und – philosophie möchten wir keinen Dogmatismus leben und vor allem keinen Absolutheitsanspruch verfolgen. Das Wichtigste bei unseren Ideen für die Zukunft ist: Es kommt nicht darauf an, ob mit oder ohne Geld, sondern einfach auf einen Bewusstwerdungsprozess. Wenn wir in Solidarität, Liebe und Rücksicht leben, ist Geld überflüssig. Darauf möchten wir durch unser geldfreies Leben aufmerksam machen sowie Impulse für einen Perspektivenwechsel geben.

Eines scheint sicher zu sein: es braucht einen Wandel unserer jetzigen Gesellschafts- und Wirtschaftsform, entweder «by design» oder «by desaster». Wir wünschen uns einen «designten» Wandel und möchten jeden Moment so gestalten und leben, wie wir uns eine Veränderung hin zu einer solidarischen Gesellschaft von morgen vorstellen.

Und wie macht ihr das mit der Krankenversicherung?

Pia: Momentan ist das ganz unspektakulär: durch die Familienversicherung. Gerade gibt es auch schon Menschen, die aus innerer Motivation ihr Talent, Menschen zur Heilung zu verhelfen, teilen möchten und uns anbieten, uns eine Behandlung zu schenken. So stellen wir uns ein zukünftiges solidarisches Miteinander vor. Uns ist gleichzeitig auch bewusst, dass dies natürlich nicht von allen gelebt werden kann, da Ärzt_innen ihre Existenz durch Behandlungen bestreiten. Genau deshalb ist es uns so wichtig, unsere Talente bedingungslos zu schenken und – da es uns gerade möglich ist – diesen Schritt einfach zu gehen. Denn „wo kämen wir hin, wenn alle fragten ‚wo kämen wir hin?‘, aber keiner losginge, um zu sehen, wo wir hinkämen, wenn wir gingen?“. Deshalb möchten wir die Idee des geldfreien Lebens schon jetzt leben – auch, wenn dieses scheinbar einige Schritte auslässt.

7 Ideen, um freier von Geld zu werden

Was kann jede/r Einzelne tun, um Schritte in Richtung „ohne Geld“ zu setzen?

pia: Es geht uns nicht um „ohne Geld“, sondern um „frei von Geld“, damit das eigene Umfeld möglichst nicht exkludierend gestaltet wird, sodass sich jede_r eingeladen fühlt, egal ob er_sie etwas „leistet“ oder nicht.

Foto des ersten Planungstreffens fürs utopivalMit living utopia möchten wir dazu einladen nach unseren begleitenden Motiven ökologisch, vegan, pazifistisch, solidarisch und geldfrei Projekte und Aktionen zu initiieren. Eins unserer Projekte ist das utopival: ein Mitmachkongress für 5 Tage und 100 Menschen, die sich gemeinsam in praktischen und theoretischen Workshops sowie durch ein anregendes Rahmenprogramm über die zentrale Frage „Wie stellen wir uns eine Gesellschaft von Morgen vor?“ austauschen. Erstmalig organisieren wir das utopival dieses Jahr. Es wird im Spätsommer in Wiesbaden stattfinden, mehr Infos und die Möglichkeit zur Anmeldung finden sich auf der Website www.utopival.org.

Es kann also jede_r jeden Moment der Wandel sein, den er_sie sich für eine Gesellschaft von morgen wünscht und durch Handlungsalternativen einfach loslegen, denn «Keine demokratisch gewählte Regierung eilt einem gesellschaftlichen Wandel voraus, sondern immer nur hinterher, um kein Risiko einzugehen“, um mit Niko Paechs Worten zu sprechen.

tobi: Einige Ideen, um freier von Geld zu werden:

  1. Vorhandenes besser nutzen: Gebrauchsgegenstände teilen, nicht mehr Benötigtes verschenken
  2. genießbare Lebensmittel, die nicht mehr verkäuflich sind, verwerten
  3. open source Projekte nutzen und eigenes Wissen „open source“ zur Verfügung stellen
  4. Reduktion der durchschnittlich 10.000 Dinge, welche jede_r besitzt
  5. Subsistenzwirtschaft, also der Versuch der Selbstversorgung, um praktisch zu erleben: Was brauche ich eigentlich und wie kann ich selbst zu meiner und der Existenz anderer beitragen?
  6. Gebrauchsgegenstände selbst reparieren und pflegen
  7. Lohnarbeitszeit verkürzen

Verrate uns in den Kommentaren, ob du glaubst, dass wir als Gesellschaft irgendwann geldfrei leben können! Ist eine Welt  möglich, in der wir Geld nicht mehr brauchen, weil wir uns an Bedürfnissen orientieren? Und wie kann aus eurer Sicht der Übergang dazu aussehen?

Wir hoffen das Interview hat Dir gefallen. Möchtest du zukünftig immer mitbekommen, wenn wir ein neues Interview oder einen anderen Artikel veröffentlichen, kannst du dich gerne in unseren Verteiler eintragen. Über diesen senden wir maximal einmal die Woche eine Information über die aktuellen Artikel raus. Bei Interesse hier deine Email-Adresse eintragen:

zur interviewten Person
Photo ofPia Damm und Tobi Rosswog
Name
Pia Damm und Tobi Rosswog
Website
Firma/Uni/Projekt
living utopia
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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

34 Gedanken über “living utopia – ein Leben frei von Geld

  1. Paul Free

    Leben frei von Geld, na klar ist das moeglich :-), und durchaus einfacher als diemeisten Anfangs vermuten.
    Ueber Jahre hinweg haben wir uns gegenseitig mit der Angst gefuettert, die unsere Gesellschaft wiegelaehmt auf aktuelle Probleme schauen laesstanstatt, wie z.B. Pia und Tobi die Probleme direkt anzugehen um Loesungen frei auszuleben.
    Vielen Dank fuer all euer Engagment!

    Ich selbst reise seit ca. 1.5 Jahren frei Geld. Ein grossteil in Portugal, wo ich mich derzeit auch aufenthalte.

    Derzeit mit der Idee ein freies Netzwerk zu inizieren (bzw. zu unterstuetzen) dass dazu dient auf eine Geldfreie Gesellschaft hinzuarbeiten. Wer daran ebenfalls Interesse hat, bitte bei mir melden.

    Erreichbar bin ich via meines blogs auf dem ich versuche mich mit der Thematik leben ohne Geld, bzw. eher eigentlich Leben frei von Geld auseinander zu setzen.

    (hinterlasst einfach an geeigneter Stelle einen Kommentar)
    http://ohnegeldumdiewelt.blogsport.de/

    Vielen Dank euch allen
    lg Paul Free

  2. tess

    ähm … aber ich könnte mir gut vorstellen, daß sich sowas als kleineres system neben dem großen geldsystem durchsetzt, auch länderübergreifend, und daß dort ein platz für all die menschen ist, die grad aus irgendeinem grund nicht in das geldsystem passen oder passen wollen.

    ja, fiel mir grad noch dazu ein^^

  3. tess

    Ich finde auf jeden fall gut, daß so dinge ausprobiert werden. Im kleineren rahmen kenne ich das auch, dass unter freunden, auf partys oder auf festivals ganz normal ist, dass alles mit allen geteilt wird. So kann man auch mal spontan auf einem festival landen ohne schlafsachen, geld und essen und es ist überhaupt kein problem.

    Schwierig wird sowas bei menschen mit behinderungen und dergleichen, die aber trotzdem so selbständig wie möglich bleiben wollen. Denn es gibt z.b. menschen, die nicht so viel nähe ertragen können. Dieses modell basiert aber auf nähe. Denn nur so kann das „tauschprinzip“ gelebt werden, durch viel kommunikation usw. und da fallen eben alle menschen raus, die nur die allernötigste kommunikation leisten können. Auch ländergrenzenübergreifend wäre so etwas schwierig. Es gibt so unendlich viele kommunikationsschwierigkeiten, wenn menschen sehr stark kulturell verhaftet sind und dann eben einfach viele mißverständnisse auftreten. Da würde so ein geldfreies system vermutlich einfach nur alle überfordern.

    Man müsste es quasi schaffen, einen geldfreien austausch zu etablieren, der auch ganz minimalistisch funktionieren kann. Und da weiß ich grad keine antwort drauf.

    Aber dafür!!! ist es ja eben so schön und wichtig, dass dinge einfach mal ausprobiert werden. Denn so! finden sich ja auch manchmal lösungen – einfach beim machen.

    Schöner artikel, danke ^-^

    1. Theresa

      Schau mal beim Netzwerk http://www.crealiity.com nach, Alle schwimmen im Meer der Potentiale und wir brauchen uns nur zu verknüpfen und unterstützen, unsere Ideen und Projekte zu verwirklichen. Darüber ist Raum für alle und jede Idee und kann in der Realität mit anderen umgesetzt werden. Da wirst Du auf jeden Fall fündig! ;-)

    2. Pia Selina DammPia Damm

      Liebe Tess, danke dir für deine Ideen und Gedanken, die du mit uns teilst. Ich kann und möchte gar keine finale Antwort geben. Nur kurz vielleicht: Ich sehe eine geldfreie Gesellschaft nicht als ein „System“, welches vollkommen durchdacht für alle Fälle direkt im Vorhinein Lösungen parat haben muss.
      Gesellschaftliche und mentale Infrakstrukturen neu zu denken und sich an zukunftfähige Alternativen heran zu wagen, ist ein langer und intensiver Prozess, welcher viel zeit in Anspruch nimmt. Viel Zeit also auch, um durch kollektive Intelligenz für all diese Herausforderungen Wege zu finden :)

      Ich gehe vollkommen mit deinem letzten Satz: „Denn so! finden sich ja auch manchmal lösungen – einfach beim machen“. Viel zu oft verlieren wir uns im Theoriegeplänkel. Einfach mal los gehen! :)

  4. Zora

    Ich war vor einiger Zeit auf einem Vortrag von Tobi und als Folge davon werde ich nächste Woche eine Kleidertausch- und Verschenkparty an meiner Uni machen, die bisher auf großes Interesse stößt. Hauptsächlich, weil die Studis sich freuen, ihre überflüssigen Sachen loszuwerden.
    Solange wir in einem Land leben, indem sich Menschen freuen Dinge nutzbringend weiterzuverschenken, weil sie zuviel davon haben, solange finde ich das verschenken einen extrem guten Weg, um Ressourcen zu schonen und Solidarität zu fördern. Hypotethische Überlegungen von „was wäre wenn alle…“ empfinde ich als sehr blockierend, weil de facto unsere Gesellschaft (noch) eine Überflussgesellschaft ist und diese Frage, abgesehen von einem akademischen Diskurs, wenig beiträgt um eine Veränderung zu bewirken.

    Ich persönlich denke ja zur Frage: Geld – ja oder nein? ganz eindeutig „ja“. Im Sinne der Gemeinwohlökonomie als Instrument zur Förderung menschlicher Werte im Wirtschaften, weil Geld in meinen Augen nicht per se schlecht ist, die Art wie es aber eingesetzt wird äußerst perfide ist. Aber egal ob mit oder Geld, ist das Ziel bei beiden Ansätzen nach meinem Verständnis ein sehr ähnliches: Menschen wieder in ihrer Kooperationsfähigkeit und ihrem Verhalten nach Grundwerten wie Ehrlichkeit, Vertrauen, Respekt und Achtung vor der Natur zu fördern.

    LG Zora

  5. Elisa

    Man könnte vielleicht zusammenfassend sagen, dass vier Grundideen existieren:
    1. das derzeitig vorherrschende Wirtschaftssystem
    2. Tauschhandel mit Geld als reinem Tauschmittel
    3. Tauschhandel ohne Geld
    4. gegenseitiges Schenken
    Dass erstere Möglichkeit problematisch ist, ist wahrscheinlich klar. Nummer 2 und 3 können aber auch von Habgier und Gewinnsucht geprägt sein. Nummer 2 würde ich dabei noch bevorzugen, ein zusätzliches Tauschmittel ist schon ganz praktisch ( etwa bei zeitlicher oder räumlicher Distanz der Tausch-Willigen oder der zu tauschenden Produkte). Die vierte Möglichkeit klingt für mich am besten, wenn auch ihre Durchsetzung ziemlich unwahrscheinlich ist. Aber auch sie bringt Probleme mit sich – selbst wenn alle Menschen gleich schenkfreudig wären: Die übliche Selbstregulation von Angebot und Nachfrage wäre wahrscheinlich beeinträchtigt. Viele Produkte werden schließlich nicht einfach mal so ganz zufällig in den erforderlichen Mengen über den eigenen Bedarf hinaus hergestellt, da ihre Herstellung aufwendige Planung, Regulierung oder hohe Investitionen voraussetzt bzw. sich hierfür nicht allzu viele Freiwillige finden.
    Auch könnte ein solches System mit übergroßem sozialen Druck einhergehen
    ( wer nicht bereit ist, wirklich alles zu geben, erfährt keine gesellschaftliche Anerkennung, …)
    Man muss natürlich nicht mit solch einer Ganz-oder-Garnicht-Mentalität an die Sache herangehen. Ein Modell löst ja nicht Schlag auf Schlag ein anderes ab, es können zunächst einmal nur sich ergänzende Formen entstehen, bei denen sich auch Vor- und Nachteile ergänzen würden.

    1. Pia Selina DammPia Damm

      Liebe Elisa, danke für deine Ausführungen und Gedanken! :) Spannend, was du schreibst.
      Auf jeden Fall denke auch ich, dass wir nicht mit einer „Ganz-oder-Garnicht-Mentalität“ an gesellschaftliche Veränderung ran gehen sollten, sondern sie eher als Prozess verstehen sollten. Das macht uns flexibel uns kreativ, offen für neue Lösungen und Denkansätze.

  6. Reinsch

    Ich denke nicht, dass eine Gesellschaft ohne Geld möglich ist. Und das finde ich jetzt nicht einmal negativ. Eine Art von Geld hat sich weltweit in wohl nahezu allen Kulturen entwickelt und den Austausch von Waren deutlich vereinfacht, so dass Aufgabenteilung und Spezialisierung möglich wurde.
    Dass das Geldsystem inzwischen merkwürdige Auswüchse genommen hat ist zweifelsohne richtig. Dann aber als Konsequenz das Geld ganz abzuschaffen halte ich für falsch.

    Ich habe einige Artikel von Menschen gelesen die stolz behaupten ohne Geld zu leben. Schaut man dann genauer hin erkennt man schnell dass sie nicht ohne Geld leben, sondern nur mit dem Geld anderer Menschen.
    Ebenso überzeugen mich diese Tauschringe mit Ersatzwährungen nicht wirklich. Ob ich nun Euro, Token, Bitcoins oder Muscheln tausche, das System dahinter bleibt gleich.

    Das was ihr im Sinn habt, wenn ich das richtig verstanden habe, sind die Grundgedanken des Kommunismus. Wurde schon in einigen Ländern versucht, mit eher mäßigem Erfolg. Drei Hauptprobleme die ich sehe:

    1. Wie soll sichergestellt werden, dass sich wirklich jeder voll einbringt und nur nimmt was er braucht, statt zu versuchen mit minimalem Aufwand das Maximum für sich herauszuholen. Denn auch wenn wir es uns anders erträumen, so ist nunmal das menschliche Naturell…

    2. Selbst wenn wir von idealistischsten Menschen ausgehen: Wie geht man mit den teils deutlich unterschiedlichen Ansprüchen und den Umgang mit „Geld“ um?

    3. Auch wenn sich jeder voll einbringt und bereitwillig verschenkt, wer stellt sicher dass dabei auch das herauskommt was gebraucht wird? Was ist insbesondere mit zwar unangenehmen, aber notwendigen Tätigkeiten? Wenn da ein „regulierender Markt“ fehlt muss eine Planwirtschaft her, die ggf. Berufe zuteilt. Das ist einerseits ein unschöner Eingriff in die Freiheit, andererseits ist es beliebig schwer so einen Plan zu machen.

    Mein Fazit also: Lieber den Umgang mit Geld überdenken, als es als die Wurzel allen Übels zu verbannen.

    1. Pia Selina DammPia Damm

      Lieber Reinsch, auch uns geht es nicht darum, das Geld als „die Wurzel allen Übels“ zu verbannen, sondern Perspektivwechsel einzuleiten.

      Wir möchten keinen neuen „-ismus“ erfinden, sondern uns auf einen Prozess in ein neues Miteinander begeben. Es geht nicht darum, irgendetwas von oben aufzuoktroyieren, sondern mentale sowie gesellschaftliche Infrastrukturen zu hinterfragen und neu zu leben.

      So weit erst mal von mir, denn auf einige Punkte bin ich an anderer Stelle schon eingegangen ;)

  7. Katharina

    Hallo,
    ich lese euren Blog sehr gern, weil ich mich für das Thema Selbstversorgung interessiere. Auch diesen Artikel habe ich mit Interesse gelesen und ich finde es positiv, wenn sich hier Menschen entschieden haben, ihren eigenen (anderen) Weg zu gehen. Allerdings muss ich einräumen, dass ich an die geldfreie Gesellschaft nicht glaube. Ich denke nicht, dass es eine große Mehrheit von Menschen gibt, die das wirklich (ich meine: wirklich!) wollen und bereit wären, dabei mitzumachen. Von dem Satz „Das ist aber eine tolle Idee“ bis hin zu „Ich mache da ganz real mit“ ist es nämlich doch ein großer Sprung. Zudem gibt es eine große Gruppe Menschen, die auf Geld und die damit verbundenen Statussymbole, Annehmlichkeiten und soziale Stellung Wert legen und sich nicht im Sinne einer gleichgestellten Gemeinschaft davon verabschieden werden. Das mag man für traurig halten, aber das ist eine Realität, die man bedenken muss.
    Ich hoffe, mir ist niemand böse, dass ich das so direkt anmerke, aber ich denke, dass die beiden Interviewten den Begriff „Utopia“ auch bewusst gewählt habe….
    Liebe Grüße
    Katharina

    1. Andi

      Als ich vor ein paar jahren vom bedingungslosen Grundeinkommen bzw. gar ein geldfreies System gehört habe, habe ich mir nie und nimmer vorstellen können, dass dies funktionieren könnte. Nachdem ich aber nun intensivst diese Materie studiert habe, kann ich es mir sogar sehr gut vorstellen, dass dies funktionieren wird.

      a) Bezgl. Statussymbol: Heute geben ja viele Leute Geld aus für Dinge, die sie eigentlich gar nicht brauchen, sondern eben nur um ein Statussymbol zu haben, andere Leute zu imponieren, anzugeben was man sich leisten kann… – Wenn wir aber nun das Geld abschaffen würden, so dass alles gratis wäre, dann würde dieser Reiz ja wegfallen und jene, die sowas bereits haben können es ja behalten wenn sie wollen oder der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

      b) Wer würde dann noch arbeiten?
      In der Schweiz wurde ein Test durchgeführt, indem Menschen auf der Straße gefragt wurden, ob sie bei einem bedingungslosen Grundeinkommen noch arbeiten würden. 80 Prozent würden demnach noch arbeiten wollen. 10 Prozent würden etwas anderes arbeiten wollen und die restlichen 10 Prozent würden lieber zuhause bleiben und sich um die Kinder kümmern, aufs Studium zu konzentrieren… Von den 80 Prozent haben 75 Prozent gesagt, die anderen würden dann nicht mehr arbeiten wollen.
      Das heißt man denkt immer zu negativ über die anderen.
      Darüber hinaus ist es ja gar nicht so, dass alle Menschen nur wegen dem geld arbeiten gehen. Bei vielen hat die Bezahlung doch ohnehin nur eine Nebenbedeutung. Ansporn zur Arbeit und Karriere sind doch vielmehr Ansehen, Ehrgeiz, etwas Gutes tun wollen – Weltverbesserung, der eigenen Berufung nachgehen, die eigenen Potenziale auszuleben….

      c) jetziges System
      Im jetzigen System brauchen wir ja eigentlich nur deshalb ständiges Wachstum und moderate Infaltion, damit die Immobileinpreise steigen und nicht „unter Wasser fallen“, der Wert der Unternehmen steigt, damit diese nicht so leicht pleite gehen können, damit die Firmen und Privatleute nicht endlos sparen, sondern investieren… – also damit die Wirtschaft in Schwung bleibt.
      Wir haben aber derzeit ein Niveau erreicht, indem die Bedürfnisse vieler Menschen gedeckt sind und oft nicht mehr wissen, wofür sie das Geld ausgeben sollten. Letzten Endes haben wir doch alles – sehr viele Häuser, welche so gebaut wurden, dass sie lange halten, breit ausgebaute Infrastruktur, Firmen aller Art, öffentliche Einrichtungen…. – für die Zukunft fehlt es einfach an Arbeit, da wir eh schon alles haben.
      Die niedrigen Zinsen und die hohe Geldmengenausweitung dienen ja auch nur dazu, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Die Zinsen sind ja bereits auf ~0 und die Geldmengenausweitung trifft auch auf ihre Grenzen. Zusätzlich wurden in den letten Jahren in vielen Menschen starke Geldentwertungsängste und sonstiges geschürt, sodass viele vorinvestiert haben und bereits alles haben, was man zum Leben bedarf – für das laufende Leben braucht man dann ja nicht mehr viel. Der deflationäre Crash wird also so sehr hinausgezögert, bis dass es so wirklich crashst, dass am ende vermutlich alle Aktien, Agrarflächen, Immos… quasi wertlos sind.

      d) Sicht der Reichen
      Man muss sich nur mal selber da hineinversetzen, wenn man eine eigenes Unternehen gründet mit dem Ziel um das Leben hier auf der erde zu verbessern. Dann klann es leicht sein, dass man in einigen Jahren extrem hohe Gewinne erwirtschaftet. Anfangs kann man die firma ja noch vergrößern…a ber irgendwann hat dies keinen Sionn mehr, weil die Nachfrage nicht ständig wachsen kann. Also bleibt man am Geld sitzen – so geschieht es derzeit bei vielen Firmeninhabern. Geld welches nicht ausgeben wird, muss aber in diesem Nullsummenspiel von jemand anders ausgebeben werden, um keine Deflation zu erzeugen – also muss imer mehr Geld gedruckt werden…
      Im Grunde genommen kann man sagen, dass die Insider und Eliten wohl in etwa die selben Ziele verfolgen wie „living utopia“. Schließlich wäre es für dennen ja auch das Beste und würde deren eigenes Leben verbessern, wenn ale Menschen glücklich und zufrieden sind und in freiwilliger Weise einander Dienen in dem was sie gerne machen und gut können….

    2. Pia Selina DammPia Damm

      Liebe Katharina, danke für deine Gedanken. Auf jeen Fall haben wir den Namen „living utopia“ bewusst gewählt ;) Dort steckt auch das Wörtchen „living“ drin, womit es von der Utopie zur gelebten Utopie wird.

      Genau das möchten wir anregen: Von der vermeintlichen „Realität“ abzusehen und dahin zu kommen, die Wirklichkeit mit zu formen, denn Realität ist nicht starr, sie ist veränderbar. Dr. Friederike Habermann hat mal gesagt: „Wir brauchen neue Erfahrungen, in denen wir uns verändern und so neue Erkenntnisse erlangen können. Insofern ist nicht nur realistisch, was im Augenblick durchführbar erscheint: Die Welt formt uns, und wir formen die Welt.“

      Fangen wir an, gesellschaftspolitische Veränderungen aktiv und kreativ mitzugestalten! ;)

  8. Grübler

    Hallo,

    so wie ihr euch das vorstellt, würde das unsere Gesellschaft in die Steinzeit zurückwerfen. Die Familie(Sippe) steht für sich und kümmert sich primär um die Essensversorgung, Hauptaufgabe der Frau ist der Nachwuchs. Wollt ihr das wirklich?

    Geld ansich ist ja nichts schlechtes – als Tauschmittel. Das derzeitige Finanzsystem ist schlecht, da durch Zinsen und Spekulationen Geld arbeitet, also „Geld“ aus dem nichts erschaffen wird, für das aber irgendwer eine Arbeitsleistung erbringen muss.

    Das zweite große Problem ist der Wasserkopf der Politik, der sich gebildet hat und seine Bürger immer mehr aussaugt. Ich kenne nur die Zahlen für Österreich, hier werden von weniger als 2 Mio EW direkte Steuern bezahlt – bei 7 Mio EW. EIne Folge daraus sind auch unsere imensen Staatsschulden. Die andere Seite ist, dass es auch nicht genug Arbeitsplätze für 7 Mio Menschen gibt. Wie stellt ihr euch Subsistenzwirtschaft in einer Großstadt vor? Was soll ein Politiker tauschen können, der nichts anderes kann als schwafeln?

    Mich würde euer Konzept interessieren, wie ihr die Grundsicherung für jeden Menschen ermöglichen wollt, d.h. ein Dach über dem Kopf, Wasser, Nahrung, Wärme. Hat jeder ein Recht auf eine Wohnung? Wer bekommt wieviel Grund und Boden zum Leben? Wer kümmert sich um den Erhalt von Gebäuden, Straßen, Kanalisation, Wasserleitungen, Stromnetz?
    Wie wollt ihr die Spezialisierung der Technologie weiterführen? Die Menschen arbeiten weiterhin in den Fabriken, nur diesmal freiwillig ohne Gegenleistung und die Produkte werden verschenkt?

    Ich hoffe ihr seht das als konstruktive Kritik, ich bin absolut für eine Änderung des aktuellen Systems, nur bedarf es eines klaren Zieles wohin die Reise gehen soll. Wie schon jemand kommentiert hat, funktioniert euer System nur, solange genug Überfluss da ist.

    Ich kann euch nur eine Reise nach Zentralafrika empfehlen. Dort werden ihr genau das finden, das ihr wollt.

    1. living utopia

      Wunderschönen guten Tag lieber Grübler,

      danke dir herzlichst für deine kritische Anmerkung. Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass es nicht möglich sein wird, unsere ganze Philosophie darzulegen, das funktioniert auch selten in Workshops, welche wir zu diesem Thema machen. Deswegen wird es sicher auch nach meiner Antwort Unklarheiten geben.

      a) Natürlich möchten wir nicht „zurück in die Steinzeit“. Und selbstredend auch keine heteronormativen und patriachalen Rollenaufteilungen und Gesellschaftsstrukturen in irgendeiner Weise reproduzieren. Weniger Konsum, Suffizienz – die Frage nach Genügsamkeit -, Subsistenz sowie Regionalökonomie ist in keinster Weise gleichzusetzenungleich mit Steinzeit. Außerdem lässt sich in dem Zusammenhang auch die Frage stellen, ob mehr Zeit für die Essensversorgung aufzubringen nicht sinnvoll wäre, allein schon um für mehr Entschleunigung zu sorgen. Essen ist schließlich ein wichtiger Teil unseres Lebens, beziehungsweise nicht nur des eigenen Lebens, sondern ein politischer, sozialer und Einfluss auf die Mitwelt ausübender Akt.

      b) „Ich kann euch nur eine Reise nach Zentralafrika empfehlen. Dort werden ihr genau das finden, das ihr wollt.“
      Danke für die Empfehlung. Daraus lese ich, dass noch nicht ganz klar geworden ist, was wir uns für die Zukunft wünschen. Wir verstehen uns nicht als „Aussteiger_innen“ sondern als „Einsteiger_innen“ in eine solidarischere Gesellschaft. Wir möchten uns nicht von der Gesellschaft distanzieren, sondern aktiv in der Gesellschaft ein neues Miteinander leben.

      c) Wie erwähnt haben wir kein Algemeingültigkeitskonzept. Kurios, dass das oftmals „erwartet“ wird… Es ist eingach eine Lebensphilosophie, durch welche wir versuchen so wenig Leid wie möglich zu verursachen. Es ist uns gar nicht möglich, ein fertiges Konzept zu liefern. Angemerkt sei, dass auch der Kapitalismus kein Konzept ist, welches kein Leid verursacht (eher das Gegenteil) – nichts destotrotz wird er gelebt und und nur unzureichend in Frage gestellt. Wieso also sollten wir bei etwas verharren, das viel Leid verursacht, anstatt einfach mal einen Schritt in eine neue Richtung zu gehen?

      d) Unserer Meinung nach muss die Reise nicht vorher feststehen. Das kann sie auch gar nicht. Selbst wunderbare Konzepte wie die GWÖ und PWÖ, die konkretere Vorstellungen ausgearbeitet haben, liefern keine Patentlösung. Der Wandel ist ein Prozess. Dadurch, dass nicht dogmatisch an einem Konzept oder einem –ismus festgehalten wird, kann außerhalb der gewohnten Denkstrukturen auch nach links und rechts, nach oben und unten geschaut werden. Durch Flexibilität und Spontanität, vereint mit Kreativität können wir den Wandel einleiten. Der Weg ist das Ziel.

      e) Wir verstehen uns als Impulsgebende, wir sind keine Ökonom_innen oder Städteplaner_innen. Wie der Erhalt von Gebäuden etc. geleistet werden kann ist auch hier ein Prozess. Dies kann natürlich nicht von heute auf morgen passieren, dann – da gebe ich dir Recht – wäre es ein absoluter crash, keine Frage! Der Weg wird wahrscheinlich über die GWÖ und PWÖ gehen. Schon jetzt gibt es viele Initiativen und Projekte, sogar eine Bank, die ihre Strukturen danach ausrichten.

      f) „Die andere Seite ist, dass es auch nicht genug Arbeitsplätze für 7 Mio Menschen gibt.“ Daraus wäre der Umkehrschluss, dass es in diesem System immer Menschen geben muss, welche stigmatisiert am Rand der Gesellschaft leben, sich nicht ausprobieren und verwirklichen dürfen und gerade mal ein Existenzminimum zum Überleben bekommen, damit das System funktioniert. Möchten wir das? Wir können doch einfach mal von dem 40h-Wochen Lohnarbeitskonzept wegkommen und vielmehr zu einer Postwachstumsgesellschaft hin, in welcher 20h/ Woche gearbeitet wird und der Rest der Energie und Motivation dem Gemeinwohl geschenkt wird.

      Ich konnte vermutlich nicht auf all deine Fragen und Gedanken eingehen, habe dennoch versucht, anzureißen, um was es uns geht.

      Liebste Grüße und noch einen wundervollen Tag,
      pia
      für living utopia

      1. Grübler

        Hallo Pia,

        a + b) Du hast mich falsch verstanden. Die Gesellschaftsform die ihr euch wünscht ist im Moment in Teilen von Afrika vorhanden. Du sollst nicht auswandern sondern eine Studienreise machen und dir das live ansehen, wie es wäre wenn es rundherum keinen Überfluss gibt, von dem genug übrig bleibt, um einen kleinen Teil mitzuversorgen.

        c, d, e) Der Weg ist das Ziel? Wir marschieren los, egal in welche Richtung, aber Hauptsache wir bewegen uns? 20h statt 40h bei gleicher Entlohnung klingt toll, würde das nicht eine Verteuerung der Produkte um 100% bedeuten? Alle leisten gleich viel – nur der Kommunismus funktioniert auch nicht. Wenn es so einfach wäre, dann hätten wir auch schon eine bessere Gesellschaftsform als den Kapitalismus…

        f) Damit das System funktioniert sind auch nur wenige Menschen notwendig. Den Rest durchfüttern ist schwer zu definieren – im Prinzip läuft es aber dahin hinaus, dass nicht jeder entsprechend seines persönlichen Willens und Leistungsfähigkeit etwas produktives Beitragen kann. Wenn sich jeder nur um sein Essen kümmert -> Steinzeit. Eine Welt in welcher jeder das macht, dass er will -> Schlaraffenland. Und diese Phantasie hört dann auf, sobald 2 gegenteilige Meinungen aufeinanderprallen, z.B. ich will auf der Autobahn 200 fahren dürfen, ein anderer ist dagegen. Ich will Fleisch essen, auch wenn es 10x mehr Ressourcen kostet, usw.

  9. Daniela

    Hey ihr zwei (bzw. vier!),

    ach, ich würde mir so sehr eine geldfreie Gesellschaft wünschen… ich schaffe es leider nur selbst noch nicht, geldfrei zu leben, befinde mich aber glaube ich grade in einem Prozess, weil ich merke, dass mir Geld (solange ich genug zum Essen und für die Rechnungen habe) absolut garnicht mehr wichtig ist, auch von Besitztümern trenne ich mich mehr und mehr, ohne eine Gegenleistung, maximal einen Tausch zu erwarten.

    Wir werden sehen, was die Zeit mit sich bringt… Auf jeden Fall wird sie etwas bringen, wenn wir darauf hinarbeiten!

    Liebe Grüße,
    Dani

  10. living utopia

    lieben dank für den fruchtbaren austausch sowie die zahlreichen kommentare! es freut uns sehr, dass die idee eines geldfrei(eren) lebens so viele menschen im herzen tragen und denkenswert/ unterstützenswert finden :)

    eine kleine anmerkung zum thema „tausch“:
    wir versuchen von dem tausch-gedanken wegzukommen, da auch hier in „leistung – gegenleistung“-kategorien gedacht wird. es wäre doch viel schöner, wenn wir alle in unsere gemeinschaft das schenken, was wir von herzen gerne tun. und vor allem, wenn wir alle menschen solidarisch mittragen, einfach aufgrund ihres seins, aufgrund ihres leistungslosen selbstwertes und wir keinen unterschied machen zwischen besitzenden und besitzlosen. roussaeu konnte schon sagen: „die erde gehört niemandem, aber die früchte uns allen“.

    in diesem sinne, versuchen wir ganz nach fromms plädoyer mehr zu „sein“, um uns von dem „habensmodus“ zu befreien.

    liebste grüße und noch einen wundervollen tag,
    pia und tobi für
    living utopia

  11. Arne

    Sicher wird es möglich sein als Gesellschaft auch ohne Geld auszukommen! Wir haben das ja erdacht und können uns somit doch auch was „anderes“ einfallen lassen! Oder nicht?

    Frei von Geld! Das klingt wirklich gut! Und inspiriert mich total!
    Betreibe schon seit einigen Jahren „Tauschhandel“ über einen Tauschkreis, das ist ein tolles Übungsfeld – denn dort gibt es auch die Möglichkeit „Stunden“ zu tauschen. Ist letztendlich auch eine Währung aber der Gedanke ist dass die Zeit von jedem gleich viel Wert ist und somit jede Arbeitsstunde gleich „eine“ Stunde ist. – http://tauschkreis.org/

    Die Menschen dort kommen dennoch immer wieder in Versuchung für eine ihrer geleisteten Stunden mehr als „eine“ Stunde zu verlangen, da sie meinen dass sie mehr Wert wäre. Ist dem so? Sind wir so nicht wieder beim selben Problem?

    In meiner Wildnisschule biete ich von Anfang an direkten Tauschhandel an und tausche so Naturmentoring gegen Supervision, Shiatsu und Hilfe bei dies und das.

    Möchte echt gerne komplett auf Geld verzichten, insb. weil das selbstständig sein soooo teuer ist (Sozialversicherungsabgaben, Steuern, …) und nicht zuletzt irre viel bürokratischen Zeitaufwand bedeutet – diese Zeit möchte ich lieber draußen in der Natur mit den Eltern & Kindern verbringen.

    Dieser Artikel regt mich an da weiter dran zu bleiben und weiter zu konkretisieren wie ich das umsetzen kann! Danke dafür! :)

    1. Pia Selina DammPia Damm

      Lieber Arne,
      danke für deine Gedanken und Ideen, die du teilst und deine motivierenden Worte! :)

      Ich kann dich super gut verstehen, wenn du sagst, dass der Bürokratiekram so viel Zeit auffrisst. Da haben wir mit living utopia wirklich ein unglaubliches Privileg, uns um so etwas nicht kümmern zu müssen. Das ist auch einer von vielen Gründen, wieso wir komplett geldfrei wirken: Um all unsere Energie & Motivation in den gesellschaftlichen Wandel zu stecken.

      Noch schöner wäre es (in meiner Utopie) auch vom Tauschgedanken weg zu kommen, sondern Menschen als Wesen mit leistungsfreiem Selbstwert anzuerkennen. Jede*r hat Talente, die sie*er schenken und teilen kann. Unsere Utopie ist eine Gesellschaft, die ohne den “Leistungs- Gegenleistungs”-Gedanken auskommt – eine geldfreie Schenkökonomie.

      Super, dass du in deiner Wildnissschule auch frei von Geld deine Talente einbringst! :)

  12. Bea

    Hi,
    das klingt ja fast schon biblisch. :) Denn früher, so zumindest laut Bibel, lebten die Menschen ja auch ohne Geld. Sie tauschten.
    Ich kann mir das schon vorstellen. Es wäre sehr befreiend. Ohne Profitgier. Die Menschen wären wieder Menschen und unserem Planeten würde es dann sicher auch besser gehen…
    Und für Selbstversorger bin ich sowieso immer zu haben :) Es ist einfach toll, sich aus seinem Garten zu ernähren. Es schmeckt viel besser und außerdem isst man weniger, weil man das Essen mehr wertschätzt.
    lg Bea

  13. Valeria

    Hallo zusammen, danke ein interessanter Beitrag!

    Ich habe ehrlich gesagt noch nie groß darüber nachgedacht, wie es wäre wenn die Gesellschaft „geldfrei“ wäre. Außer, dass ich weiß, dass dadurch sicher viele „Probleme“ oder ähnliches womöglich wegfallen würden.

    Und kenne ich ein Leben ohne bzw. mit wenig Geld und ja, es ist möglich. Ich mag Geld, wenn ich daran denke anderen und mir Träume zu erfüllen, gut essen zu können, zu reisen o.ä. Ohne Geld ist das allerdings auch möglich. Denke die Gesellschaft wäre „besser“, würde sie davon mehr wissen und Gebrauch nehmen. Ich kann ohne Geld überleben, weil andere mich unterstützten, ich etwas anderes als Geld zum Tausch anbiete, in Läden Kleidung besorge, wo es umsonst ist usw.

    Spannendes Thema! Danke und Alles Gute!

    1. Pia Selina DammPia Damm

      Danke dir, liebe Valeria für deine Gedanken :)
      Spannend, dass du beschreibst, dass du auch „ohne Geld“ (oder freier vom Geld?) deine Grundbedürfnisse decken kannst. Noch schöner wäre es (in meiner Utopie) auch vom Tauschgedanken weg zu kommen, sondern Menschen als Wesen mit leistungsfreiem Selbstwert anzuerkennen. Jede*r hat Talente, die sie*er schenken und teilen kann.

      Spannend für dich vielleicht die Frage:
      „Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle spielt?“

      Die Frage zielt auf die Annahme ab, dass all deine Grundbedürfnisse gedeckt sind und du einfach aus innerer Motivation deinem Talent nachgehen kannst – was würdest du tun?

  14. Sebastian

    Hy, mal Rande euer Projekt gefällt mir sehr gut und ich verfolge es mit grosser Spannung : )

    Zum Thema selbst , der Idee kann ich sehr viel abgewinnen.
    Die meisten von uns haben sicher das eine oder andere aus eigener Sicht! unnötiges rum liegen das man nicht braucht. Das man entsprechend verwerten könnte.
    Genauso natürlich die Bezugsquellen des Benötigten.
    Da ist sicher gewaltiges Potenzial da, wo jeder ansetzen kann.

    Denke aber der Gedanke ist nicht ganz ausgereift, es ist ein sehr guter Lösungsansatz zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht langfristig genug.

    Den zum Geld selbst und da mein ich nicht die jetzige Geldsystematik. Sondern ein reines Tauschmittel! Ganz wichtiger unterschied.
    Ganz ohne wird es nicht gehen auf Grund der über Regionaler Spezialisierung und damit Verbundenen Austausch.
    Denn selbst bei Gemeinschaftlicher Nutzung, muss es mal grundsätzlich vorhanden sein.
    Wobei einige Dinge,manche wichtiger andere nicht, nicht Regional produziert werden können bzw. nur unter mehr Aufwand. Damit ist keine Arbeit gemeint sondern Materialeinsatz wiederum Ökologisch zweifelhaft.
    Das war schon mein kleiner Senf zum Geld :D

    Da gibt es eh schon zig Konzepte wie das aussehen könnte aber dazu muss jeder grundsätzlich persönlich, egal wo, für sich und sein Handeln Verantwortung übernehmen. Aber beim Thema Verantwortung selbst übernehmen, renn ich hier ohnehin offene Türen ein.

    In diesem Sinne, ich hoffe ihr habt noch viel Kraft und Freude daran weiter zumachen.

    Liebe Grüsse
    Sebastian

    1. Joia

      Lieber Sebastian,

      Wenn es ums Tauschen geht, schließe ich mich der Anmerkung in dem Kommentar von Pia und Tobi an. Denn angenommen die Menschen würden die Dinge verschenken, die sie selbst nicht zum Leben benötigen, auch überregional/global, dann bräuchten wir weder Geld noch andere Tauschmittel. Diese Problematik löst sich also auf sobald wir schenken statt zu tauschen.
      Wahrscheinlich funktioniert das mit dem Schenken nur dann, wenn wir bereit sind auf materiellen Überfluss zu verzichten. (Wir können ja stattdessen den immateriellen Reichtum feiern:)
      „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ (Mahatma Gandhi)
      Der Wandel zu dieser neuen Lebensart müsste natürlich freiwillig in jedem Menschen stattfinden. Schenken basiert ja auf Freiwilligkeit, sonst wäre es Zwangsenteignung.
      Wir können Wandel also nur bei uns selbst leben und eine Inspiration sein für andere.
      „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“
      (Mahatma Gandhi)
      Wie siehst du das?

      Für alle, die sich für die Funktion des momentanen Geldsystems interessieren:
      Der Unterschied zwischen einem reinen Tauschmittel und dem momentan existierenden Geldsystem wird vielleicht durch den Zeichentrickfilm „Goldschmied Fabian“ verständlich. (gibts auf Youtube :) Hat mir zumindest sehr geholfen das Geldsystem in seinem Kern zu verstehen.
      Wahnsinn wie viele Probleme ihren Ursprung im Geldsystem haben! Das war mir vorher nicht bewusst.

      Danke für die Inspiration,
      Alles Liebe,
      Joia

    2. Pia Selina DammPia Damm

      Lieber Sebastian,

      danke dir sehr für deine lieben und motivierenden Worte.
      Nur kurz: Wir sind uns durchaus bewusst, dass wir „systemimmanente Nischen“ nutzen. Das tun wir, um unabhängig mit unserer vollsten Motivation und Energie für die gesellschaftspolitische Veränderung aktiv sein zu können.

      Unser langsfristiger Plan sieht vor beides zu kombinieren: „systemimmanente Nischen“ zu nutzen und gleichzeitig utopietaugliche, zukunftsfähige Alternativen zu verwirklichen, um an einem neuen Miteinander mitzuwirken.

      Unsere Utopie ist auf jeden Fall eine Gesellschaft, die ohne den „Leistungs- Gegenleistungs“-Gedanken auskommt – eine geldfreie Schenkökonomie. Dass das nicht von heute auf morgen geschieht, sondern ein laaaaaanger Prozess ist, ist uns klar. Wir machen uns auf den Weg und möchten ein neues Miteinander shcon mal jetzt lebendig werden lassen ;)

  15. Joia

    Hallo liebe Leute :)

    Danke für den inspirierenden Beitrag zur praktischen Umsetzung des geldfreien Lebens!
    Eine Welt auf der die Menschen miteinander leben, weitergeben statt zu horten, davon träume ich auch. Wenn es jeder für sich schafft, sein Ego zu überwinden, sich einfach nur am „Dasein“ zu erfreuen, frei zu geben, suchtfrei und mit dem zu leben, was nötig ist, dann leben die Menschen wieder als Teil eines Großen Organismus. Die Welt wäre nicht nur geldfrei sondern auch in Frieden.

    Los gehts! :)

    1. Bettina

      Leben ohne Geld macht auch Raphael Fellmer und ich möchte das auch gerne machen nur – du bist IMMER von den anderen abhängig, auch wenn´s die anderen nicht mitkriegen.
      Du lebst dann nur vom Überschuss des anderen.

      Ohne Geld leben – ob das auch für alle möglich wäre.
      Schwer zu sagen, aber wir werden´s spätestens dann erfahren, wenn unser Finanzsystem den Bach runtergeht und zwecks Überlastung das STromnetz ausfällt.

      DANN wird der Bettelmann zum König!

      1. Pia Selina DammPia Damm

        Liebe Bettina,

        danke dir für deine Gedanken.

        Meiner Meinung nach sind wir als kooperative Gemeinschaftswesen immer abhängig von anderen Menschen. Durch eine geldfreie(re) Lebensweise kommt dies vielleicht noch deutlicher zum Vorschein.

        Dass wir durch Geld unabhängig sind, ist meiner Meinung nach ein Trugbild: Millionen moderne Sklav*innen produzieren unserern Lebensstandard hier vor Ort sowie in Ländern des Globalen Südens.
        Um die Abhängigkeit zu verdeutlichen braucht es nicht mal dieses schreckliche Beispiel. Wir denken, mit Geld können wir alles bekommen, da der Schein die anderen zwingt uns das zu geben, was wir brauchen…

        1. andrea

          hallo ! (das erste mal das ich überhaupt einen kommentar schreibe……) mich wundert das seit febr. 15 niemand mehr geschrieben hat!?!
          seit ein paar wochen beschäftige ich mich jetzt schon mit dem thema geldlose gesellschaft. wobei ich schon seit frühester jugend darüber nachdachte wie schön die welt ohne geld wäre…..
          ich bin auch der meinung das eine systemänderung nur von unten erfolgen und dies immer weitere kreise zieht…. allerdings befürchte ich das es nicht ohne konflikte oder gar bürgerkriege abläuft. ich denke die zeit reicht auch nicht mehr für einen „designten“ wechsel……. sondern es gibt wahrscheinlich einen dicken finanzcrash (auf den ich insgeheim schon lange hoffe) dies wird dann der startschuss sein um richtig loszulegen…
          ich bin selbstständig mit einem kleinen maler- und stuckateurbetrieb in BW und finde es immer einen schrecklichen moment die rechnung abzugeben. der zweitschrecklichste moment ist es den briefkasten zu öffnen…..( den braucht man dann ja auch nicht mehr…..!)
          kaum denkt man jetzt endlich ist mal ein polster auf dem konto schon ist wieder alles weg: lohn für den mitarbeiter, material, finanzamt, krankenkasse, berufsgenossenschaft, urlaubskasse, knappschaft, strom , heizöl, usw… hab sowieso noch n paar vergessen….so gut es geht unterstützen wir auch die familie meines mannes die im kosovo lebt. und zwar gerne. alles in allem (im winter siehts eher mau aus ) können wir absolut nix zurücklegen, aber für die grundbedürfnisse reicht es gerade . und das genügt mir auch vollkommen. ich bin glücklich so und wir geniessen ein relative freiheit. ABER ICH WÜRDE GENAUSO GERNE ARBEITEN WENN ICH KEIN GELD BEKOMMEN WÜRDE ABER FÜR DIE GRUNDBEDÜRFNISSE MEINER FAMILIE GESORGT WÜRDE. und ich bin mir ziemlich sicher. das die meisten in meiner kleinen gemeinde auch trotzdem fürs allgemeinwohl gerne arbeiten würden.
          ich habe 2 kinder und als das erste noch klein war hatte ich schon diese idee die sich nun allmählich ihrer durchführungsreife nähert:
          mich nervte das tägliche kochen für nur 3 personen ziemlich und ich stellte mir vor wie amüsant es wäre mich mit ein paar leuten zusammenzutun und abwechselnd in der gemeindehausküche tolle mittagessen oder abendessen zuzubereiten und diese mit den anderen gesellig zu verspeisen.
          diese idee hat sich manifestiert zumal dieses gemeindehaus mittlerweile mit einer sauteuren neuen küche ausgestattet ist die kaum benutzt wird…. 100 leute würden reichen damit jeder nur 1x im monat mit kochen dran ist….. die vorteile: jeder kann 1x am tag anständig essen, in gesellschaft, die kinder spielen ,die alten werden gebraucht, zeit wird gespart, zusammen kann man besser planen d.h. gesünder kochen weniger verschwenden , usw. klar arbeiten alle unentgeltlich mit, nur die lebensmittel müssen halt noch gekauft werden aber da könnte man z.b. beim bauern um die ecke mengenrabatt bekommen , u. vielleicht entwickelt sich daraus ja noch sowas das in richtung selbstversorger geht mit garten und viehhaltung…. achso ihr seid ja vegan. also darüber kann man ja noch reden . wenig fleisch dafür aber alles zu verwerten ist auch eine option…..oh was hab ich viel geschwafelt…… also ich bin bald soweit das ich einen aufruf starte….
          bin mal gespannt wie alles weitergeht. es war sehr schön zu lesen das sich so viele leute mit dem thema beschäftigen….liebe grüsse andrea.

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