Leben kommt von Leben

Michael Hartl
Von Michael Hartl
2. Juli 2012

Wie wir Euch hier auf dem Blog ja berichtet hatten, haben wir hier mit einem sehr verdichteten Lehmboden nicht gerade beste Voraussetzungen für den Gartenbau vorgefunden. Zusätzlich gab es hier eine mehrmonatige Trockenphase über den Winter, so dass der Boden steinhart war – und leider nicht mit der Hand zu bearbeiten. Daher mussten wir uns am Beginn leider dafür entscheiden, zumindest die Fläche, die wir dieses Jahr für den Anbau von Frischgemüse brauchen, pflügen zu lassen. Dies hat ein Bauer aus dem Ort für uns gemacht.

Da dies aber idealerweise bei diesem einen Mal bleibt, und wir in den kommenden Jahren statt pflügen oder fräsen viel lieber das Bodenleben fördern möchten, heißt es seit Beginn unserer Arbeit hier, den Boden zu pflegen. Über die wissenschaftlichen Hintergründe, warum pflügen und fräsen nicht so optimal sind, hatte ich zum Weltbodentag 2011 einen Artikel geschrieben. Eine der Methoden, die wir dazu anwenden, möchte ich Euch heute kurz vorstellen und freue mich über Berichte Eurer Erfahrungen dazu.

Pflanzen für einen gesunden Boden

Wo die Natur gesund ist und das Leben in all seinen Facetten floriert, gibt es keinen nackten Boden. Er ist ständig von einer Mulchdecke und durch Bewuchs geschützt. Durch den Mulch wachsen alle möglichen Pflanzen. Gesunder Boden ist also ständig durchwurzelt. Immer wieder sterben Pflanzen ab. Die Blätter und Stängel werden zu neuem Mulch und schützen damit den Boden vor direktem Lichteinfall und zu hart aufschlagendem Regen. Das hilft, den Boden vor Verdichtung und Erosion zu schützen. Die Wurzeln abgestorbener Pflanzen verrotten im Boden, werden dabei zu Humus und hinterlassen einen feinkrümeligen Boden.

Diese Idee versucht man mit so genannten Gründünger-Pflanzen zu nutzen. Überall, wo im frühen Gartenjahr noch keine Nutzpflanzen gesät oder gepflanzt werden, säen wir solche Pflanzen aus. Einige, die den Oberboden stark durchwurzeln, andere, die mit ihren langen Pfahlwurzeln helfen, den Boden auch in der Tiefe aufzubrechen und natürlich welche, die die Insekten hier im Garten mit reichlich Nahrung versorgen. Dieses Jahr sind folgende Gründünger bei uns im Einsatz:

  • Quirlmalve
  • Süßlupinen
  • Gelbsenf
  • Inkarnatklee
  • Phacelia
  • Spinat
  • Winterwicke
  • Calendula
  • Tagetes

Über den kommenden Winter werde ich auch Ölrettich ausprobieren.

Gründünger-Pflanzen im eigenen Garten

Diese Lebensspender für den Boden werden meistens auf drei Art und Weisen verwendet:

  1. als Vorgründüngung. Im zeitigen Frühjahr werden auf Flächen und Reihen, für die spätere Kultursorten geplant sind, Gründünger ausgesät, die den Boden durchwurzeln, ihn beschatten und ihn dann rechtzeitig zur Nutzung für die Kultursorte mit Nährstoffen anreichern.
  2. als Gründüngung für den Winter. Nach der letzten Ernte einer Reihe oder Fläche werden die Pflanzenreste flach umgehackt oder auch stehen gelassen und ein Gründünger dort ausgesät. Dieser sorgt dafür, dass der Boden nicht nackt und schutzlos in den Winter geht und versorgt ihn wieder mit Nährstoffen. Die Durchwurzelung sorgt darüber hinaus dafür, dass Nährstoffe nicht so leicht aus dem Boden ausgewaschen werden können.
  3. zwischen den Kulturreihen. Am Anfang brauchen die Nutzpflanzen in unseren Gärten wenig Platz. Trotzdem müssen wir sie schon auf den Abstand voneinander pflanzen, den sie später mal brauchen werden. Die Fläche zwischen den Reihen unserer Nutzpflanzen sind nun also erstmal nackt. Oder besser gemulcht. Noch besser ist, dort Gründünger anzubauen und ihn zeitgerecht umzuhacken.
Gründünger zwischen den Kulturreihen

Wichtig bei allen Gründüngern ist, dass sie eine gewisse Zeit brauchen, um den Boden ausreichend zu durchwurzeln und Nährstoffe einzubringen. Vor Ablauf dieser Zeit sollte er weder umgehackt werden müssen, weil eine Kulturpflanze ausgesät werden muss, noch sollte der Gründünger vor Ablauf dieser Zeit im Winter abfrieren. Welche Zeiträume da bei welcher Pflanze einzuhalten ist, kann guter Gartenliteratur entnommen werden.

Wenn Gründünger zwischen den Kulturreihen so groß wird, dass er Kulturpflanzen zu stark beschattet oder bedrängt, wird er flach abgehackt und einfach an Ort und Stelle liegen gelassen. So erfüllt er optimal seinen Zweck, ohne andere Pflanzen im Wachstum zu hindern.

Umgehackter Gründünger, zwischen den Kulturreihen liegen gelassen.Der späteste Zeitpunkt, sie umzuhacken, ist gekommen, wenn die Gründünger-Pflanzen beginnen zu blühen. Ab dann brauchen sie viel Energie und Nährstoffe, so dass ein Teil des Gründüngungs-Effektes verloren gehen würde.

Und nichts ohne Ausnahme…

Wo bei uns im Beet Platz ist und keine Konkurrenz mit Kulturpflanzen, dürfen ein paar Phacelia, Calendula und Tagetes stehen bleiben. Das ist nicht nur schön fürs Auge, sondern auch eine wichtige Nahrungsquelle für die Insekten in unserem Garten.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Gründünger? Welchen könnt ihr empfehlen?

Bitte teile diesen Artikel, wenn er Dir gefallen hat!
Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

17 Gedanken über “Leben kommt von Leben

  1. Simo

    hallo, wir haben dieses jahr quirlmalve gesät, auf ein stück, dass wir letztes jahr mithilfe von einer dicken schicht heu von wiese zu beet gemacht haben. die quirlmalve hat den sinn den von landiwirtschafltichen maschinen verdichteten boden zu lockern. nun ist sie schon riesig und blüht und macht samen. jetzt ist meine frage: sollen wir sie jetzt abmähen oder einfach weiter stehen lassen bis sie von selbst im herbst geht?

    1. Michael HartlMichael Beitrags Autor

      Hallo Simo,

      es kommt drauf an, was ihr gerade vor habt. Aber so wie du schreibst, dass ihr sie zum Lockern des Bodens verwenden wollt, ist gut sie lange stehen zu lassen, weil sie dann mehr Wurzelmasse bildet und den Boden damit besser durchwurzelt und aufbricht. Samen könnt ihr dann im Herbst recht gut absammeln von der Quirlmalve – mach ich auch gerne so.

      Alles Liebe,

      Michael

  2. Eva

    Wir haben auch Lehm- bzw. Tonboden. Wir müssen noch gut am Boden arbeiten.
    Am Anfang hatten wir Winterroggen. Fand ich super. War bloß schwierig, ihn zu bekommen. Habe dann Reste vom Bauern gekriegt. (wir waren spät dran damals)

    Wenn ihr Buchweizen sät: Woher nehmt ihr den? Lasst ihr den ausreifen?

  3. Christian

    Die Natur ist wahrhaftig und in der Natur gibt es keine frei liegende Erde!

    Ich habe früher immer schon mit Rasenschnitt gemulcht, aber seit 2 Jahren mulche bzw. gründünge ich mit verschiedensten Kräutern! Dazu muss ich etwas ausholen:

    Vor einigen Jahren habe ich angefangen auf Fleisch zu verzichten. Zum einen weil es mir nicht mehr "geschmeckt" hat,( mein Körper hat mir klar gemacht, dass ich darauf verzichten kann und soll!) zum anderen ist mir erst "bewusst" geworden, wie krank es ist, Tiere unter miesesten Umständen zu halten und ihnen dann unter erbärmlichsten Umständen das Leben auszuhauchen! Nur um billiges Fleisch zu haben! Kurz danach haben wir alles was industriell verarbeitet war aus unserer Ernährung gestrichen. Das nächste waren raffiniertes Salz, Zucker usw. was aus unsere Küche flog und das war nicht das letzte! Jetzt bin ich bei Rohkost und grünen Smoothies mit vielen (Wild-)Kräutern angelangt und es geht mir immer besser und besser!!

    Das war auch der Grund, warum ich auf Kräuter als Bodendecker gekommen bin und weil die Vogelmiere ganze Teppiche in meinen Gewächshäusern gebildet hat, welche sehr willkommen sind. Wenn man weiss, dass z.B. die Vogelmiere die mehrfache Menge an Vitaminen, Mineralien etc. besitzt als das meiste was wir sonst so im Garten kultivieren. Nun ich praktiziere die Stufenkultur. Als erstes werden die Hauptgemüse im entsprechenden Abstand gepflanzt.(z.B. Kohlpflanzen) Dann kommen die mittelfristig reifenden Gemüse wie Salate, rote Beete, Radieschen etc. dazwischen. Überall wo jetzt noch nichts ist wird breitflächig Petersilie, Dill, Fenchel, Estragon, Koriander usw. ausgesät.

    Die Kräuter wachsen sehr schnell und bilden einen grünen Teppich der die Erde schützt und ich habe im Frühjahr frische Bio-Zutaten für meine grünen Smoothies! Dann kommen die ersten Salate und Radieschen raus, dann Kohlrabi etc. und am Schluss stehen die grossen Kohlpflanzen in einem Kräuterteppich. Alle profitieren davon: Wir sind gesund, die Pflanzen sind alle gesund und ich habe eingemachtes Gemüse und Pesto´s zu hauf. Vitamine für den nächste Winter!

    Peace und Love vom Bodensee, Chris.

  4. Karin

    Hallo, ihr habt doch in Heiligenbrunn auch einen Pferdestall? Warum holt ihr euch da nicht mal Pferdemist? Muss man, sweit ich weiss, etwas abtrocknen lassen und kann ihn dann in die Erde verarbeiten. :-)

  5. Rob

    Hallo,

    ich habe neben meiner "Dauergründüngung" (Veitshöchheimer Bienenweide) auch noch die Terra Life Mischung im Einsatz. Es sind bereits einige wichtige Pflanzen darin enthalten. Die Gründüngung lasse ich einfach stehen und sogar aussamen. Denn auch in einem nachfolgenden Anbau von Gemüse wird zwischen den Pflanzen wohl noch einiges an Beikräutern hochkommen. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Beikräuter dann z.B. auch Phacelia und Buchweizen sind und dass ist mir doch lieber als Gras!

  6. Gabi

    Habe auch schon Buchweizen als Gründünger angebaut. Ist auch sehr wüchsig. Auf freien Flächen, die länger nicht gebraucht werden, habe ich auch schon Mischungen ( selber zusammengemischt) von verschiedenen Gründüngersorten ausgesät. Dazu habe ich auch noch einige Sonnenblumen gegeben. Habe solche Mischungen auch schon die ganze Saison stehenlassen; nach der Blüte aussamen lassen; abmähen; wächst dann noch ein zweites Mal bis zum abfrieren im Winter. Ausserdem kann man einige Samen ernten. Nach so einer Aktion ist der Boden wunderbar locker und krümmelig.

    Weiterhin viel Erfolg!

    Viele Grüße

    Gabi R.

      1. Gabi

        @ Marcus

        Habe die Gründüngung auf Gartenbeete gesät, die nicht gebraucht wurden ( als " Brache" ). Einfach auf eine gesäte Wiese gestreut, wächst nicht viel, bis gar nichts; der Boden muss bearbeitet sein.

        Gruß

        Gabi

        1. mi

          @ marcus: direkt auf die gemähte wiese säen haben wir bereits probiert – ist leider nichts geworden. aber unser boden ist auch sehr verdichtet – wie bei lisa und michael. womöglich hängt's auch von der beschaffenheit der wiese/des bodens ab. wäre aber gespannt, ob's da andere erfahrungen gibt.

  7. Marcus

    Hallo, ich hab ein ähnliches Problem und mich mit Gründüngung beschäftigt. Kann ich denn die Lupinen, Gelbsenf o.ä. auch ohne pflügen auf die abgemähte Wiese aussähen ?

    Herzlichen Dank für die Info im Voraus,

    Marcus aus Zscheilitz (bei Meißen)

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Haben wir so noch nicht gemacht. Kann mir aber vorstellen, dass das auf Wiesen geht, die recht licht bewachsen sind. Klar ist halt, dass Du das Gras so nicht los wirst.

      Und wie immer: im Zweifel einfach ausprobieren, Erfahrungen sammeln und später Wissen teilen! :)

  8. mi

    habt ihr erfahrungen damit, die gründünger-pflanzen einfach blühen zu lassen? ich kriegs nicht übers herz, sie zu schneiden, wo sie doch so schönes insekten-futter sind und noch dazu so toll aussehen ^^ würd mich interessieren, ob sie den 'kulturpflanzen' denn tatsächlich so viele nährstoffe klauen..?

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo mi,

      das kann ich gut verstehen – ich finde es auch nicht so dolle. Aber geschrieben steht, dass die Pflanzen halt zum Blühen und Samen ausreifen lassen sehr viel Energie brauchen. Ob sie die den Kulturpflanzen nehmen, weiß ich nicht, aber sie nutzen halt die Energie wieder, die sie in der Phase davor in den Boden gebracht haben – und durch Verrottung auch potentiell noch einbringen könnten.

      So stehts geschrieben – aber probier es einfach aus – hör auf Dein Herz. Wir lassen von fast jeder Gründüngung ein wenig stehen, eben für die Insekten. Aber wir sicheln oder hacken halt schon 80 – 90 Prozent vor der Blüte um. So haben wir viel Gründüngungseffekt, aber auch ein wenig was für die Insekten, denke ich.

      1. mi

        ja, das mit der energie fürs blühen bzw. die samen-bildung klingt logisch.

        hm, wir werden's mal ausprobieren und blühen lassen, und dort wo die gründüngung zu hoch wird und die anderen pflanzerl beschattet, ist es ohnehin notwendig auszulichten. vielleicht finden wir einen schönen mittelweg, mal sehen wie's wird :)

  9. Christian Joks

    Saubohnen noch. Relativ früh im Jahr zu säen. Sonst nur Bestätigung: Gelbsenf ist toll (mit der bekannten Einschränkung: zeitlicher und räumlicher Anstand zu Kohl). Ringelblumen und Tagetes, die wirken auch später im Kompost gut.

Schreib uns Deine Meinung!

Wir freuen uns darüber, dass du zum Thema beitragen willst.

Mit dem Absenden dieses Kommentars akzeptierst du die Kommentar-Richtlinien.

Abonniere unseren Artikel-Newsletter!

Schreib dich jetzt in unseren kostenlosen Artikel-Newsletter ein und du bekommst wie 8.900 andere Leser*innen einmal die Woche einen Überblick über unsere neuesten Artikel: