Lass dir nicht die Zeit stehlen!

Michael Hartl
Von Michael Hartl
6. September 2014

„Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit. Es gibt Kalender und Uhren, um sie zu messen, aber das will wenig besagen, denn jeder weiß, dass einem eine einzige Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunter kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen – je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt. Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.“

Eine meiner Lieblingsstellen aus dem Buch „Momo – oder – Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte.“ von Michael Ende. Ein Buch, das ich durch eine liebe Freundin vor Kurzem in die Hand bekam. Danke dafür! Denn dieses Buch, das bereits 1973 erschienen ist, beinhaltet eine Menge solcher Weisheiten.

Foto von der ersten Doppelseite des 1. Kapitels von Momo

Klar, man kann auch Haben oder Sein lesen oder sich über andere philosophische oder spirituelle Wege diesen Ideen nähern. Aber was ist ansprechender und fesselnder als eine gute Geschichte? Zumindest für mich war dies jetzt gerade genau der richtige Weg, mich mal wieder an bestimmte Punkte zu erinnern.

Wie wollen wir leben?

Unsere Lebenszeit ist begrenzt – ganz egal, ob und was danach kommen mag. Wir können diese begrenzte Lebenszeit nun auf verschiedene Weise verbringen, aber die meisten Menschen möchten zufrieden und glücklich leben. Und so wenige haben das Gefühl, dass sie das wirklich voll und ganz tun.

Was wir als erfüllte Zeit erleben, mag sehr individuell sein. Für mich ist es zum Beispiel selbstbestimmt, sorgenfrei, entspannt und lachend verbrachte Zeit. Zeit mit Freunden und Freundinnen also. Zeit mit der Familie. Zeit in der Natur. Spiel und Sport.

Was stiehlt uns die Zeit?

  • Perfektionismus, weil jeder weitere kleine Schritt hin zu einem (vermeintlich) perfekten Ergebnis eine immer größere Zeit in Anspruch nimmt.
  • Dinge aufschieben, weil man dann immer wieder Zeit damit verbringt, daran zu denken – und dann Zeit damit verbringt, diese Gedanken wieder wegzuschieben. Lieber gleich anpacken.
  • Reizüberflutung, die vor allem auch durch die Digitalisierung des Lebens geschieht. Smartphones, Computerprogramme, Facebook – alles buhlt ständig um unsere Aufmerksamkeit – und lenkt uns damit ab!
  • Sich einfach in alles fügen, in was das Leben einen wirft, anstatt zu entscheiden und zu gestalten, was ich mache und womit ich mich beschäftige. (Auch wenn das natürlich nicht immer im vollen Umfang möglich ist)
  • Und ganz nach dem Buch „Momo“: Der Versuch, Zeit zu sparen!

Warum „Zeit sparen“ Zeit kostet

Im Buch „Momo“ geht es im Kern um die grauen Herren, die mehr und mehr Menschen dazu bringen, Zeit zu sparen. Also alles ein bisschen schneller zu erledigen und auf unnötige Zeitfresser wie Freundschaften, Nachbarschaftshilfe und ähnliches zu verzichten. Jetzt ordentlich arbeiten, damit man später die damit gesparte Zeit schön genießen kann.

Die Menschen im Buch übersehen dabei völlig, dass sie durch dieses Verhalten plötzlich keine Freude mehr an ihren Tätigkeiten haben. Das sie gestresst sind. Alle unfreundlich werden. Und so weiter. Warum das so ist und wie eine mögliche Lösung aussehen kann, verrät im Buch einer der beiden besten Freunde von Momo, dem kleinen Mädchen, die die Hauptfigur des Buches ist. Dieser Freund heißt Beppo und ist Strassenkehrer.

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.
Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?
Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.
Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“
Beppo Strassenkehrer, aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende

Momo – oder – Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte.

Ich empfehle dieses Buch im Moment allen Menschen um mich herum – und hab daher auch jetzt den Artikel geschrieben. Denn es ist ein Buch, das zum Nachdenken anregen kann. Und da Michael Ende selbst immer wieder betont hat, dass er die Einteilung in Literatur für Erwachsene und Literatur für Kinder für Unsinn hält, gilt die Ausrede „ist ein Kinderbuch“ definitiv nicht! ;)

Ich möchte nach dem Lesen dieses fesselnden Buches auf jeden Fall wieder mehr darauf achten, wie ich meine Zeit verbringe. Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen!

Dieses Buch jetzt über den folgenden Link beim sozialen Buchhandel Buch7.de kaufen, die mit 75% des Gewinns Gutes tun:

Momo – oder – Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte.

Wer von Euch hat das Buch Momo gelesen? Und was hat es bei dir ausgelöst? Welche Bücher würdest du mir zu den Themen Zeit, Zufriedenheit und Lebensfreude noch empfehlen?

kurz und knapp
Datum
bewertet
Buch: Momo - oder - Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte.
Wertung
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18 Gedanken über “Lass dir nicht die Zeit stehlen!

  1. Marina

    Das Buch Momo begleitet mich seit meiner frühen Kindheit und steht noch immer als eines der ganz wenigen bei mir.im Regal, weil es una so viel lehrt und ich es so gerne verleihe, es ist aktueller denn je und einfach so weise :)
    Gerade habe ich auch „Wild“/“Der große Trip“ gelesen, auch sehr empfehlenswert, da heißt es auch einmal: was willst du mit deinem einzigen, tollen, wilden Leben machen?
    Nun ich denke nicht den grauen Männern überlassen :)

  2. Armando

    Toller Beitrag – Was mir oft auffällt ist, dass Leute immer wieder sagen: Schön wenn Du das kannst ich habe dafür keine Zeit.

    Dann denke oder sage ich stets: Jeder von uns hat 24 Stunden am Tag – die Frage ist nur was wir damit anstellen oder wie wir Sie verbringen bzw. wofür wir sie einsetzen.

    Danke für den Beitrag und sonnige Grüße
    Armando

  3. Nino Eth

    Ich bin sehr glücklich darüber das es noch andere Menschen gibt die die Moral dieser Geschichte Ernst nehmen. Diese Leistungsgesellschaft ist einfach absurd. Wir saugen so viel alternative Philosophien in uns auf und tun am nächsten Tag alles was der eigentlichen Erkenntnis widerspricht. Ich würde gern eine Ausbildung im Kunsthandwerk machen. Musste jedoch bald feststellen das wirtschaftliche Sichtweisen sich nicht mit zeitaufwändiger Ruhe in Einklang bringen lässt (man wird eher fast schon als faul angesehen). Letzten Endes. „WENN ich heute meine Aufträge fertig kriege, habe ich morgen mehr Zeit für noch mehr Aufträge und kann im eigenen Ford nach Hause fahren statt für wenige km das ungenutzte Fahrrad nehmen zu müssen“-Die lechzen doch förmlich nach Stress und Ausbeutung. Die Wirtschaft funktioniert-keine Einwände und jeder Europäer als Ressourcenorientierter Selbstversorger-auch absurd. Ich halte es Für wichtig moderne Denkweisen mit altem Wissen zu verbinden. alle wollen natürlicher leben? Warum macht sich dann nur ein Mensch an die Arbeit, um Athur Viechulas Entwürfe zur Nutzung von Weidenhäuser in die Realität um zu setzen`? Ein Weidenhaus (mit WLAN ) war in der Grundschule mein Traum von der Zukunft und diese Gedanken wurden von Anderen Menschen gesät. Dennoch ist kaum einer gewillt es zu versuchen… ich jedoch werde es nächstes Jahr versuchen. vielleicht springt dabei noch ein Buch heraus. Bei den grundlegenden Problemen seid ihr sehr inspirierend (manchmal mit kompletten Lösungsansätzen) Danke! mach weiter so. :)

  4. Kiastn

    Das Buch Momo hat mich durch mein Leben und das meiner Kinder begleitet. Die Textstelle von Beppo Straßenkehrer, die du ausgewählt hast, beinhaltet die Gedanken, dich mich in all den vergangenen Jahren immer wieder an das Buch denken ließen. Es ist heut noch aktueller als vor 20 Jahren. Im Übrigen empfinde ich es als wesenlich lesenswerter diese Gedanken in Büchern weiterzureichen, die dann auch wirklich gelesen und vorgelesen werden. Ein weiteres tolles Kinderbuch von Michael Ende ist „Die unendliche Geschichte“ in der ebenso Weisheiten und tiefsinnige Gedanken verpackt wurden. Ein wunderschönes Buch! (Bitte auf keinen Fall den Film anschauen – dann ists vorbei mit der Fantasie und den eigenen Bildern!)

  5. lumpine

    ein forscher hat sich einmal die zeit genommen, die als so fleissig geltenden ameisen genauer zu beobachten.
    das erstaunliche: eine einzelne ameise arbeitet pro tag nur einen bruchteil der zeit, die ein mensch heutzutage mit arbeit verbringt. der rest sind schlafen, mit andren ameisen kommunizieren oder „spazierengehen“, also scheinbar ziellos herumlaufen.

  6. Klaus Töws

    Ich habe Momo damals als Theateraufführung gesehen in der Grundschule und hatte damals nicht alles verstanden. Hab mich danach noch jahrelang dran erinnert und den Sinn dahinter erst später verstanden. Ich finde schon das es zu der heutigen Zeit wie die Faust aufs Auge passt.

  7. Christian Carl

    Ich habe Momo noch nicht gelesen, werde dies aber bald nachholen. Danke dafür!

    Das Thema Zeit beschäftigt mich seit – sagen wir mal – geraumer Zeit………………….nicht weil ich gerade keine Zeit hätte, sondern weil ich zu jenen gehöre die, mit wechselndem Erfolg, einen Ausweg suchen aus dem unseligen Hamsterrad das uns unsere, von Gier und persönlichem Erfolg dominierte Gesellschaft, scheinbar aufzwingt.

    Mein Buchtipp zum Thema: Tom Hodgkinson – Anleitung zum Müßiggang

    Laßt Euch weder vom Titel, schon gar nicht vom Klappentext, in die Irre führen. Dieses Buch ist kein Plädoyer für die Faulheit. Viel mehr ein Angebot, Fantasie und Humor vorausgesetzt, unseren eigenen Lebens- und Arbeitsstil zu hinterfragen. Und – es bietet einen kulturgeschichtlichen Überblick über die Entwicklung der Arbeit……………..

    Liebe Grüße
    Christian

      1. Christian Carl

        Stimmt – sein Stil ist richtig witzig zu lesen. Das hat mir auch gut gefallen – ist keines der üblichen trockenen Sachbücher.

        Für mich war da auch nichts grundlegend Neues dabei, weil ich Vieles davon schon längst verinnerlicht habe. Ich verwende das Buch dennoch hin und wieder um meine Einstellung hinsichtlich der Arbeit zu überprüfen. Als Buchtipp für jene, die sich neue orientieren wollen, oder sich mit dem Thema Zeit, Arbeit, Lebenseinstellung etc. befassen wollen, ist es mir einen Buchtipp wert.

        Ich habe den historischen Hintergrund nicht wirklich recherchiert, aber einen schon. Nämlich den Zusammenhang zwischen der industriellen Revolution und dem Niedergang des freien Handwerks. Innerhalb kürzester Zeit waren manche Branchen gezwungen ihre Geschäfte zu schließen, um sich fürderhin einem Leben als moderner Sklave mit einer gschmackigen 70 Stunden- Woche in den „fortschrittlichen“ Fabriken widmen zu dürfen……………….traurige Sache finde ich.

        Und ja, scheinbar hatte auch das Mittelalter gute Seiten. Vermutlich trifft das aber auf jede Epoche zu ;-)

        Wär‘ fein wenn Du Deine Meinung zu „Die Kunst frei zu sein“ posten könntest – wennst fertig bist natürlich !!

        Liebe Grüße
        Christian

  8. Christa Reitermayr

    momo hab ich vor etwa 25 jahren gelesen und dann halt immer wieder mal , oder auch nur stellen daraus.
    wahrscheinlich mit ein grund, weshalb ich nicht immer und überall erreichbar sein muss und auch nicht jeden tag emails lese(n muss).
    die pendeluhr auf dem bild oben finde ich trotzdem schön ;-)))

    liebe grüße, christa

  9. einfacheinfachleben

    Hallo Michael,

    Momo habe ich noch nicht gelesen, nach Deinem Artikel ist das Buch jedoch auf meine Lesewunschliste gewandert …

    Ich kann rund um die Thematik „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry empfehlen. Kommt in der Regel ebenfalls als Kinderbuch daher, ist aber für Erwachsene ebensfalls sehr lehrreich.

    Viele Grüße aus Berlin,
    Anja

  10. Saladyn

    Auf jeden Fall ein lesenswertes (oder besser: eines der lesenswertesten Bücher) die jemals geschrieben wurden.
    Der meiner Ansicht nach wichtigste Satz in deinem Blogbeitrag ist: „Was wir als erfüllte Zeit erleben, mag sehr individuell sein. “ Das stimmt vollauf: für den einen mag es die Zeit mit seinen Kindern sein, die er als erfüllt betrachtet. Für den anderen mag es eine 80-Stunden Woche, die er nicht mit Freunden oder Familie, sondern mit komplexer Arbeit verbringt, eine erfüllte Zeit sein.

  11. Susanne Herz

    Du hast mich grade dazu inspiriert, das Buch zu lesen. Ich kenne nur den Film und war etwa 14 Jahre alt, als ich den gesehen hab. Der von dir gewählte Textausschnitt beruhigt und entschleunigt schon allein durch die Sprachmelodie… sehr schön.

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