Heimisches für den Tee Genuss

oder: wie aus dem Labkraut Oolong Tee wurde

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
12. Juni 2012

Eine der tollen Sachen die ich während unseres Lebens in Tschechien gelernt habe war der Tee Genuss.

Davon habe ich heuer eine Pflanze schon selbst ausprobiert und sie gleich in größeren Mengen getrocknet: Das echte Labkraut (Galium verum). Vorgestellt wurde uns der Tee (in Wirklichkeit ja ein „Kräuteraufguss“, weil es keine „Tee Pflanze“ ist) als „czech Oolong tea“.

So weit so gut, mit Tees kenne ich mich nicht besonders aus, außer dass mir die meisten zu bitter sind – aber der Tee aus echtem Labkraut schmeckt wirklich sehr gut und so manche*r Tee Trinker*in hat mir auch schon die Ähnlichkeit im Geschmack bestätigt.

Echtes Labkraut als Genusstee

Der Oolong ist eigentlich ein halbfermentierter Tee – liegt also irgendwo zwischen Grün- und Schwarztee. Nur zu verarbeiten ist das Labkraut viel leichter, weil man es lediglich trocknen (und nicht fermentieren) muss und da es eine sehr zarte, filigrane Pflanze ist, geht das auch recht schnell.

Viele kleine gelbe Blütchen geben eine schöne Farbe…

Erst gestern haben wir den Tee wieder verkostet und sogleich wurde richtig bemerkt „Riecht ein bisschen nach Heu.“ Genau! Das echte Labkraut ist ja mit dem Waldmeister (Galium odoratum) verwandt – die Ähnlichkeit ist leicht zu erkennen an den quirlständigen Blättern die für mich aussehen wie die Sterne des Waldes…. :) und als ich damals eben diesen Waldmeister getrocknet habe, durfte ich schon etwas über diesen Heuduft lernen. Verantwortlich dafür ist nämlich das enthaltene Cumarin, welches in zu großen Mengen auch Kopfschmerzen verursachen kann. Deshalb gerade bei Waldmeister nie überdosieren (ca. 3g pro Liter Flüssigkeit). Bei der Verkostung meines ersten Waldmeistersirups (den ich geschmacklich furchtbar finde ^^) habe ich mir kurz danach eingebildet Kopfschmerzen zu haben, obwohl ich mich peinlich genau an die Dosierung gehalten habe, aber naja….

Das Trockengut

Ach und das interessanteste: Der Duft des Cumarins wird erst beim Anwelken oder Trocknen der Pflanze freigesetzt. Wenn man also ein Waldmeisterblatt abzupft riecht es nur sehr schwach. Einfach in die Hosentasche stecken und später nochmal schnuppern – duftet echt gut. So richtig realisiert habe ich das auch erst, als mir in meinem Kräuterbüchlein ein vanilliger Duft eines gepresstes Exemplars vom Wandern entgegenströmte, mmhmmm…

Labkraut für den Käse

Für mich ist diese Funktion eher nur im weiteren Sinne interessant, da wir keinen Käse essen, aber das Labkraut wurde früher für die Käseherstellung verwendet. Zum einen um die Milch zur Käsegewinnung einzudicken, zum anderen – und dafür wird es heute noch verwendet – um dem Käse Farbe und eine charakteristische Note zu geben (für eine Sorte von englischem Käse wird das noch gemacht). Heute werden dazu Enzyme aus dem Labmagen von jungen Kälbern gewonnen und angeblich – zumindest laut Wikipedia – ist der Einsatz von pflanzlichen Lab“austauschstoffen“ (interessant, dass es Ausstauschstoff heißt?) in Deutschland verboten. Weiß jemand ob das stimmt und warum?

Nun denn, für mich ist die Käse-Frage nur minder relevant, da wir aus mehreren Gründen tierische Produkte meiden. Allerdings habe ich Lust bekommen mal ein Rezept für veganen Käse auszuprobieren und dabei mit dem Labkraut zu experimentieren. Daher mein großer Aufruf nach veganen (wenn geht nicht all zu aufwändigen und mit einfachen Ressourcen) Käserezepten :) Ich werde nämlich auch immer wieder danach gefragt und kann nie was empfehlen weil ich mich bisher nicht nach einem Käseersatz gesehnt habe…

Färberpflanze Labkraut

Wie schon beim Käse erwähnt gibt die Pflanze auch Farbstoffe ab. Gelb kommt aus den Blüten und die Wurzeln wurden zum Rot färben verwendet. Allerdings scheinen die Wurzeln recht dünn zu sein und somit das Sammeln sehr aufwändig. Hat jemand Erfahrung?

Echtes Labkraut als Heilpflanze

Es soll helfen: äußerlich bei schlecht heilenden Wunden und Schuppenflechte (dazu den frischen Saft aufträufeln oder Tee auflegen). Innerlich harntreibend bei Blasen- und Nierenleiden.

Lässt sich bei Regen ein bisschen hängen…

Viel Spaß beim Arbeiten mit dieser überaus gut duftenden Pflanze! Beim Sammeln noch ein Tipp: Blüten genau anschauen, manchmal sind sie klumpig zusammen gekräuselt und ein Tierchen hat sich darin eingenistet ;)

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18 Gedanken über “Heimisches für den Tee Genuss

  1. esther

    hallo,

    tolle idee mit dem labkraut, wir haben nämlich den garten voller klettenlabkraut, da werd ich mal experimentieren.

    den tip mit dem rohkostkäse möchte ich mal untersreichen. man kann ihn generell aus allen arten von nüssen machen und es ist höchst simpel.

    man kann ihn fermentieren, zb. mit sauerkrautsaft, rejuvelac, oder brobiotika (zb. symbionlact)

    geht aber auch ohne ferment, zb als frischkäse.

    ob da mit dem labkraut was passiert, da bin ich gespannt.

    von dem soja möchte ich mal ein bißchen abraten. ist nicht grad regional und auch gesundheitlich nicht wirklich empfehlenswert, abgesehen von ökologischen aspekten. ich finde in der veganen ernährung wird es so viel verwendet, was echt nicht nötig ist. es gibt so viele tolle nüsse und saaten, woraus man echt leckere cremes, milch oder käse herstellen kann. selbst ein roh-veganer fleischersatz ist höchst simpel und mega-lecker.

    wenn ihr wollt komm ich gern mal vorbei und mach einen rohkost-workshop.

    lg esther

    1. Helga

      fast das gesamte in österreich verkaufte soja stammt aus dem inland (in österreich), bei sojamilch mehrerer firmen (yoya gesamte produktion, hofer sojaprodukte der anteil von soja) und bei tofu der in österreich hergestellten produkte auch aus dem inland (meines wissens sind das die meisten). es gibt menschen, die kein soja vertragen, denen schmeckt es normalerweise aber nicht. aber kein lebensmittel tut allen menschen gleich gut, keines. die fleischindustrie basht seit langem gegen soja, ich halte diese berichte aber für seltsam und teilweise bedenklich. übrigens ist in der EU genmanipuliertes soja für den menschlichen verzehr nicht zugelassen, man kann also 100 % sicher sein, dass sojaprodukte die man hier kauft nicht genmanipuliert sind.

  2. jana

    hallo :)

    zum Thema Farbstoff aus der Wurzel:

    ich habs noch nicht probiert, aber das ist was dran. Es gibt eine eng verwandte Pflanze, die DAS Kraut zum rot faerben ist.. Krapp oder Faerberkrapp der Name. Deren Wurzeln sind dicker und haben wohl auch mehr Farbstoff.

    Soviel zu meinem Senf ;)

    liebe Gruesze von Jana, die sich demnaechst wieder an die Wollfaerberei macht…

  3. Miriam

    Huhu :D

    Kompliment zu Deiner super Seite, macht wirklich total Spaß darin zu stöbern!

    In meiner Phytoausbildung habe ich gelernt, dass das gelbe Labkraut auch Frauenbettstroh genannt wird. Es wird in Kissen eingenäht und fördert so einen erholsamen Schlaf. Ich habe es zusammen mit Heu, Rosen- und Lavendelblüten eingenäht und finde den Duft einfach traumhaft….

    Ein tolles veganes Käserezept gibt es hier: http://rohkostuniversum.blogspot.de/search/label/
    allerdings in Rohkostqualität ;)

    Liebe Grüße,

    Miriam

  4. Katharina

    Hey,

    ich trockne selbst seit einigen Jahren heimische (Wild-)Kräuter. Das beste Buch zu dem Thema, das ich bisher gefunden habe ist "Tee aus Kräutern und Früchten" vom Kosmosverlag mit über 100 Pflanzen wie z.B. Haselnuss(blättern) die man teilweise nie in Kräuterbüchern findet, da es keine medizinische Wirkung haben. Das Thema Teeheilkunde wird im Buch aber eher vernachlässigt.

    Ich hab z.B. lange nach der Info gesucht, ob ich für Lindenblüten und Birkenblätter wirklich Sommerlinde und Hängebirke brauche. Gott sei dank ist nur der Wirkstoffgehalt besser, ansonsten kein Unterschied und keine Vergiftungsgefahr.

    Viel Spass noch beim experimentieren und selbstversorgen.

  5. Christa

    Ich liebe Laubkraut-Tee! Da ich, genau wie du, die meisten Teesorten zu bitter oder fade finde, habe ich auf Empfehlung eines Freundes mal diesen Tee probiert und bin immern noch begeistert!

    Ich wünsche euch weiterhin alles Gute!

  6. Pingback: Hoftelegramm Juni 2012

  7. Luise

    Toller Artikel! Labkraut ist eines der Kräuter, die hier viel wachsen, aber an die ich mich noch nie so wirklich rangetraut habe. Jetzt muss ich den Tee direkt mal ausprobieren – mit dem Sammeln muss ich wohl aber bis morgen warten wegen Dauerregens….

  8. Sandra

    Labkraut hat mich gut in der Schwangerschaft und am Anfang der Stillzeit unterstützt.

    Käse: Michael Machatschek hat mit Labkraut gekäst indem er einen Sommer lang verschiedene Labkräuter von verschiedenen Standorten gesammelt, getrocknet und anschließend gemischt hat. Dann hat er diese Labkrautmischung zum Käse machen genommen, um eine durchschnittliche Eindickzeit von einer 1/2 Stunde zu erreichen. Er sagte, dass von nur einer Sorte Labkraut von einem Standort die Gerinungszeit sehr unterschiedlich und nicht vorhersagbar war. So war es einfacher.

    Das Lab war neben dem Insulin eines der ersten genmanitulierten Stoffe, die im großen Stil hergestellt wurden. Darum bin ich kein Freund von industriellem Lab und Käse. Das Märchen, das Lab aus Kälbermägen nach wie vor hergestellt wird, wird wohl von der Industrie verkauft, um sich eine schöne Idylle von früher einzureden. Falls ich falsch liege, möge es mir jemand aus der Molkereiindustrie bitte mitteilen.

    1. Anne

      Also was verstehst du unter genmanipuliert? Wenn Insulin oder Lab durch biotechnologische Verfahren gewonnen werden, wird an den Genen, die die entsprechenden Enzyme kodieren, nichts verändert (die sind von der Natur schon unglaublich optimiert). Sondern es wird lediglich die entsprechende Gensequenz aus der Zelle des ursprünglichen „Hersteller-Organismus“ (im Falle von Lab der Kuh oder deren Magenbakterien) isoliert und in spezielle E. coli Bakterien eingeführt. Die Bakterien produzieren dann chemisch absolut identische Enzyme, die dann wiederrum aus den Bakterien isoliert werden. So bekommt man das Lab oder das Insulin oder auch viele andere Stoffe in großen Mengen, ohne das z.B. ein Tier dafür leiden oder sterben muss. Ganz abgesehen davon, dass man durch so ein Verfahren bei Insulin z.B. auch ein menschliches Protein herstellt und nicht das von Schweinen verwenden muss.
      Daneben ist es natürlich schön wenn man sein Lab selbst gewinnen oder andere Wege wie Labkraut findet (schon allein wegen der Experimentierfreude die man beim Ausprobieren und kombinieren hat :) ).

  9. max

    hej hej,

    das mit dem verbot hängt glaub ich damit zusammen, dass lab aus labkraut auch den geschmack verändern kann, und dass käse ja nicht blosz geronnene milch ist, sondern auch eine gesetzliche definition besitzt.

    käse kann aber auf verschiedene weisen gemacht werden, am besten in die weltküche gucken. im prinzip gehts ja nur darum, das eiweisz in der milch zum gerinnen zu bringen, und das geht entweder enzymatisch (lab), durch säuren (zitronensaft, joghurtkulturen) oder hitze (verbrannte milch ;)

    in indien wird einfach milch mit zitronensaft gemischt. die milch flockt aus und wird dicker, nach einiger zeit wird alles durch in tuch geseiht und gepresst. nennt sich paneer.

    in arabischen ländern kennt mensch unter dem namen laban/labneh/lubneh einen käse aus joghurt, der einfach in ein tuch gekippt wird und abtropfen darf, bis er dick genug ist, um zu bällchen gerollt (und in kräutern gewälzt) zu werden.

    funzt natürlich auch (bedingt) mit sojamilch. sojamilch plus zitronensaft dickt auch ein, ist quasi ein schneller joghurt"ersatz", und aus sojajoghurt labneh zu machen klappt bestimmt auch. käse aus soja wär dann übrigens einfach tofu…

    ligru, max

  10. Peter

    Hi, der bisher beste vegane Käse ist der hier:

    3TL Agar-Agar mit 450ml Wasser aufkochen. 120g Cashewkerne, 1,5TL Salz, 1TL Zwiebelpulver (Pulver! wichtig für die Halbarkeit), 1TL Knoblauchpulver, 0,5TL Kurkuma, 2-3EL Zitronensaft, 2-3EL Hefeflocken

    dazugeben, fein pürieren und aufkochen. Nach abkühlen ist das der Käse Schnittfest.

    Viele Grüße

  11. Marion

    Hier ein Rezept für veganen Frischkäse:
    http://www.chefkoch.de/rezepte/2099671338877131/V

    Wir machen unsere Sojamilch seit kurzem, selber. Sojabohnen kann man selber anbauen und zusätzlich braucht man nur noch Wasser. Wir haben zwar eine Sojabella gekauft, die das alles automatisch macht, da wir noch nicht wussten, dass das Ganze auch auf dem heimischen Holzherd gemacht werden kann :-)

    Die Bohnen (100g) über Nacht einweichen, mit einem Stabmixer oder Küchenmaschine pürrieren und mit einem Liter Wasser bei ständigem Rühren 10 Minuten köcheln lassen. Durch ein Tuch schütten, fertig. Was da an Masse übrigbleibt nehme ich für Desserts oder ich tu es in den Marmorkuchen.

    Ihr habt ja jetzt Strom, da könnt ihr vielleicht Sojamilch selber herstellen. Die Sojamilch aus dem Laden ist stark behandelt, man schmeckt den Unterschied sofort.

    Alldieweil …

    Ferne Grüsse Marion

    PS: Jetzt geh ich mal Labkraut suchen, ich hoffe ich finde eines, denn Tee ist mein Lieblingsgetränk :-)

  12. Jutta

    Ich habe mal mit Klettlabkraut bei der Käseherstellung experimentiert (weil es das einzige Labkraut war, was ich bei uns in größeren Mengen finden konnte). Allerdings hatte ich keine Ahnung, wie ich das Zeug dosieren musste oder ob ich es vorher irgendwie behandeln/vorbereiten muss. Damit ich das Kraut auch wiederfinde, habe ich einfach ein Sträußchen gebunden und das in die erwärmte Milch gehängt. Die Labwirkung war sehr gering und dauerte viel länger als bei echtem Lab.

    Zur Zeit mache ich keinen eigenen Käse mehr, weil ich leider keine Quelle für gute Rohmilch mehr habe, seit wir umgezogen sind, aber es juckt mich schon in den Fingern, die Lab-Experimente irgendwann fortzusetzen.

    Jetzt werde ich aber auf jeden Fall auch mal die Augen offenhalten, ob ich nicht doch irgendwo echtes Labkraut erspähe und euer Tee-Rezept mal ausprobieren. Färben kann man mit Labkraut angeblich auch (rot und gelb, aus Wurzeln und Blüten).

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