Keine Patente auf Leben

Michael Hartl
Von Michael Hartl
28. September 2011

Stellt Euch vor, es gibt Menschen, die wirklich annehmen, dass sie ein Patent anmelden dürfen, auf eine Gensequenz, die sie entschlüsselt haben. Egal das die Gensequenz von der Natur geschaffen wurde und nicht von ihnen.

Oder ein Patent auf einen Brokkoli, dessen Aussehen oder Geschmack sie minimal verändert haben. Ungeachtet dessen, dass es die züchterische und bäuerliche Arbeit über Jahrtausende war, die weit mehr als 99 % der Eigenschaften auch der neu gezüchteten Variante des Brokkolis ausmachen.

Es werden Patente angemeldet – und wenn sie vom Patentamt zuerkannt werden, bedeutet das, dass niemand sonst weiter mit diesem Brokkoli züchten darf oder Saatgut davon nehmen darf. Außer diese Person oder Organisation zahlt satte Gebühren dafür.

Das Ende der Ernährungssouveränität

Das heißt, wenn die Firmen schaffen, den Großteil der Obst- und Gemüsesorten über Patente in ihre Gewalt zu bringen, dass Du dann nur illegal Saatgut von Deinem selbst angebauten Pflanzen nehmen kannst. Denn Du darfst die dann nicht vermehren. Du besitzt ja weder das Patent dafür, noch wirst Du es Dir leisten können, die Lizenzgebühr zu zahlen. Also wird es jedes Jahr heißen, Saatgut aufs Neue zu kaufen.

Gerade über die Patentierung von Gen-Sequenzen ist dieses Szenario gar nicht so abwegig.

Wenn es aber so weit kommen sollte, ist es mit der Ernährungssouveränität bald zu Ende. Das Recht eines jeden Menschen und jeder Region, sich zu ernähren – eigenes Essen anzubauen und das dafür nötige Saatgut selbst zu vermehren – wird damit massiv beschnitten.

Auf zur Demo gegen Patente auf Leben

Ein weiterer dieser Schritte ist gerade geplant und das Europäische Patentamt in München wird dazu demnächst eine Entscheidung treffen. Es sind Patente angemeldet worden auf Brokkoli und Tomaten.

Dagegen wird es am 26. Oktober 2011 um 9 Uhr am Europäischen Patentamt in München (Erhardtstr. 27) eine Demonstration geben. Bitte kommt hin, wenn ihr in der Umgebung wohnt oder schon immer mal die Hauptstadt Bayerns kennenlernen wolltet. Und leitet das bitte an interessierte und engagierte Leute weiter. DANKE!

Alle Infos zu den angemeldeten Patenten und den exakten Demoaufruf gibt es auf der Seite no-patents-on-seeds.org, auf der ihr bitte auch einen offenen Brief an die EU-Parlamentarier*innen mitzeichnen könnt.

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7 Gedanken über “Keine Patente auf Leben

  1. David

    Hallo Zusammen

    Der Artikel ist ja schon etwas alt, ich bin aber erst jetzt darüber gestolpert. Obwohl ich Eure Meinung zum Thema teile, möchte ich kurz auf zwei Bereiche des Volksglaubens eingehen und diese berichtigen:

    1) "…dass niemand sonst weiter mit diesem Brokkoli züchten darf oder Saatgut davon nehmen darf." Das ist falsch: Patente beziehen sich ausschliesslich auf die kommerzielle Nutzung, die private Nutzung einer patentierten Technologie ist erlaubt.

    2) "Das heißt, wenn die Firmen schaffen, den Großteil der Obst- und Gemüsesorten über Patente in ihre Gewalt zu bringen…" Das ist schlicht nicht möglich. Die Patentierbarkeit setzt die Neuheit ("gibt es noch nicht") und die erfinderische Tätigkeit voraus. Eine bestehende Sorte ist nicht neu und kann folglich nicht patentiert werden. Damit ein Patent erteilt wird, muss also eine neue Züchtung oder eine Genmanipulation vorliegen.

    Viel interessanter dünkt mich aber die Möglichkeit, die Patente für uns zu nutzen. Damit ein Patent erteilt wird, muss der Erfinder seine Erfindung in der Patentschrift nämlich offen legen (d.h. das Geheimnis lüften) und die Patentschrift ist öffentlich. Dadurch können wir für private Zwecke jede Erfindung dieser Welt für uns nutzen. Die deutsche Firma Palaterra zum Beispiel behauptet, das Geheimnis der Terra Preta geknackt zu haben und hat die Erfindung zum Patent angemeldet. Viele Leute schreien jetzt sofort auf, weil die Terra Preta doch die Indios erfunden haben (stimmt). Aber eben: 1) Die Terra Preta ist nicht Gegenstand des Patents sondern die Technologie zur industriellen Herstellung und 2) können wir diese Technologie privat nutzen. Dazu ruft man die Datenbank des Europäischen Patentams auf, sucht nach Palaterra und voila, schon kanns los gehen:

    http://worldwide.espacenet.com/?locale=de_EP

    Beste Grüsse

    David

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo David, beim unteren Teil Deines Kommentars gebe ich Dir voll recht – lasst uns die Patente für uns nutzen!

      Zu Deinen ersten beiden Punkten eine kurze Antwort (da ich leider gerade nicht viel Zeit habe):

      1. Das mag so sein – aber ab wann beginnt die kommerzielle Nutzung – und wie schnell lässt sich das gesetzlich ändern…

      2. Was am Markt passiert – auch am Saatgutmarkt – ist, dass neue Waren alte verdrängen. Also auch neue Sorten alte Sorten verdrängen. Und immer mehr der alten sterben aus. Sprich: wenn erstmal alle alten Sorten verdrängt sind (was natürlich nie passieren wird!), gibt es nur noch neue Sorten, die dann alle ein Patent haben. Darum geht es bei dem Spiel der Industrie.

      Alles Liebe,

      Michael

  2. Jonas

    Hab auch unterzeichnet. Also bei diesen ganzen Versuchen die Bürger zu kontrollieren frag ich mich echt wann man sich wieder mal mit "Genosse" ansprechen bzw mit "Siegheil" grüßen muss… scheint ja alles darauf hinauszulaufen

  3. Mimi*

    Wieder der Versuch dem Menschen ein Stück seiner Freiheit und Unabhängikeit zu berauben und ihn in die Abhängigkeit der Konzerne zu treiben…

    Wollt euch jedoch unabhängig von dieser traurigen Mitteilung ein Kompliment machen und mich bedanke für die zahlreichen Artikel in letzter Zeit :)

    Lg mimi

  4. Martin Bartonitz

    Es wird immer gruseliger, was unsere Großkonzerne und dahintersteckenden Geldeliten schleichend mit unserer Welt machen.

    Ziel ist es, dass am Ende Saatgut nur noch bei Monsanto und Co. gekauft werden kann. Besonders dann, wenn ihre Saatgut ein Terminatorgen inne haben und sich selbst nicht mehr fortpflanzen können.

    Ich Euch und uns allen viel Erfolgt mit der Demo!

    Lieben Gruß, Martin

    p.s. Vermutlich werden wir hier auch wieder sehen, dass unsere nicht von uns gewählten EU-Kommissare ihren Herren dienen werden und dafür sorgen, dass das durchkommt.

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