Ist Selbstversorgung nicht sauviel Arbeit?

oder: "Wieviel Spass macht es, sich selbst zu versorgen?"

Michael Hartl
Von Michael Hartl
24. November 2013

Immer wieder werden wir gefragt, ob Selbstversorgung nicht total viel Arbeit macht. Oder andere Menschen behaupten einfach frei heraus, dass Selbstversorgung so viel Arbeit macht, dass sie es halt leider nicht neben ihrem Job und ihrem Familienleben machen können.

Wir bauen dieses Thema immer wieder in unsere Artikel ein. Zum Beispiel kam daher der Frage&Antwort-Artikel Wie finanziert ihr euer Selbstversorgungsleben? Aber versuch ich heute noch genauer auf die Frage einzugehen, wie viel Arbeit die Selbstversorgung macht – auch wenn das eine recht diffuse Frage ist, weil es ja drauf ankommt, in welchen Bereichen sich jemand selbst versorgen will, welche Lebensumstände die Person hat, welche Voraussetzungen dort herrschen, wo die Person ist, etc.

Wie viel Arbeit macht es, sich selbst zu versorgen?

HagebuttenmarmeladeEs macht so viel Arbeit, wie du investieren magst. Ich verstehe den Denkansatz nicht, sich zu überlegen, wie viel Arbeit 150-%-ige Selbstversorgung machen würde und dann aufzugeben, weil man sagt, dass ist so viel Arbeit. Warum nicht einfach schauen, wie viel Zeit man gerade über hat – und damit beginnen. Und dann entstehen Wissen und Möglichkeiten. Dadurch entstehen Freiheiten und Freiräume. So war es zumindest bei uns und bei einigen Menschen, die wir kennen.

Aus diesem Wissen und diesen Erfahrungen heraus entstehen neue Idee und neue Bekanntschaften. All das wird bei Pflege und Förderung dieser Bekanntschaften und bei weiterem Beschäftigen mit den Ideen und dem Vertiefen des Wissens zu entstehenden Netzwerken und klaren Visionen. Da sind wir zum Beispiel gerade.

Träume werden Realität

Und all das führt dann dazu, dass aus dem anfänglichen Traum Schritt für Schritt Realität wird. Und je mehr sich dann entwickelt und je mehr Erfahrung und Wissen du hast, umso mehr wird sich ergeben. Deine Bedürfnisse werden sich verändern – die meisten Menschen, die ich kenne, die diesen Weg ernsthaft und freudvoll gehen, wurden genügsamer. Sprich: weniger Bedürfnisse. Und einen laufend wachsenden Teil von ihnen befriedigst du durch eigenes Sammeln, Anbauen oder Mithelfen. Damit brauchst du irgendwann merkbar weniger Geld und kannst dann, wenn du magst, weniger gegen Bezahlung arbeiten. Und die damit gewonnene Zeit zum Teil für weitere Schritte zur Selbstversorgung oder anderen sinnvollen Tätigkeiten verwenden. Oder wenn du merkbar weniger Geld brauchst auf eine Tätigkeit wechseln, die vielleicht etwas weniger bezahlt wird, dich aber mehr erfüllt.

Was sich auch immer entwickelt, kann sich erst entwickeln, wenn du losgehst. Und um es einfach mal recht deutlich zu sagen: Warten, Planen, sudern (rumheulen), kritisieren derer die schon umsetzen, Schwierigkeiten statt Lösungsmöglichkeiten auflisten, selbst bemitleiden, „Ganz-oder-gar-nicht-Mentalität“ und so weiter bringen Menschen dagegen eher nicht weiter.

Einfach anfangen

So heißt es also aus meiner Sicht für all jene, die tatsächlich anders leben wollen, einfach anzufangen – egal wie klein der erste Schritt auch zunächst aussehen mag. Aber ihn zu tun ist nunmal der erste Schritt. :)

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

34 Gedanken über “Ist Selbstversorgung nicht sauviel Arbeit?

  1. Trutha

    Ganz ehrlich, sehr viele haben keine Ahnung wie viel Arbeit ein Garten tatsächlich macht. In der Theorie hört sich vieles so leicht an. Aber wenn man Lehmboden hat und gegen Quecke kämpfen muss, dann merkt man erstmal wieviel Arbeit so was ist. Erst recht wenn man chronisch krank ist und kaum laufen kann und nicht in die Hocke oder auf Knie gehen kann…..Es gibt wenig junge Leute die tatsächlich bereit sind mal umzugraben, sogar Kerle nicht…..

  2. Daniel

    Stimmt absolut. Ein Garten der mehr Arbeit bringt als Nutzen ist nicht der Sinn.Ich baue in meinem Garten hauptsächlich Dinge an, die wenig Pflege benötigen. Das geht gut neben einem Vollzeitjob.

    Kartoffeln, Bohnen, Mangol usw. sind typische Gewächse in meinem Garten. Wenig Arbeit reinstecken und viel rausholen. So kann man nach und nach mehr anbauen und wird immer unabhängiger, bzw. kann das Geld was man spart in andere Dinge stecken.

  3. Nicola

    Ich finde eure Aktivität sehr inspirierend, und ein langfristiges Ziel von mir. Es ist also eine freundliche Kritik die ich hier mache. Dieser Artikel bringt Gründe, wieso auch nur Teilselbstversorgung etwas erstrebenswertes ist, aber er beantwortet die Ursprungsfrage nicht. Wieviel Arbeit macht Selbstversorgung? Ich nehme an, die Antwort ist: zuviel. Wieso würde man sich sonst mit Teilselbstversorgung begnügen?

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Ich finde es schwierig, zu sagen, was eine „Vollselbstversorgung“ und was eine „Halbselbstversorgung“ sein soll. Ab wann ist ein Mensch „Vollselbstversorger*in“? Ab 100 Prozent Nahrungsanbau? Inklusive allen Ölsaaten, Säften (für Essig, etc.) und sämtlichen Getreide? Oder erst wenn auch sämtliche Energie zu 100 Prozent selbst erzeugt wurde – also ohne Windkraft und Solarstrom, den die dafür nötigen Teile sind ja nicht selbst hergestellt. Also Feuerholz, selbstgeschlagen. Und alle Kleidung muss selbst produziert sein. Und alle Heilmittel selbst gesammelt und verarbeitet. Und so weiter….

      Ich finde den Ansatz viel feiner, dass ich meinen Weg im Gehen finde und so viel mache, wie freudvoll funktioniert. In den Bereichen, die mir zusagen. Und wenn das immer mehr Menschen machen und wir uns dann austauschen, dann regionalisieren wir den wirtschaftlichen Austausch massiv – reduzieren unsere Kosten und sammeln wertvolle Erfahrungen, um wieder souveräner und resilienter zu werden. Darum geht es doch im Kern. Nicht um den Wettbewerb, wer am meisten Kohlköpfe im Keller liegen hat.

  4. Sandra

    Hallo zusammen,

    ich würde es z. B. klasse finden wenn noch mehr Leute „wach“ werden und sich dem System entziehen in dem wir leben und sich nicht zu bessern scheint… Mehr Selbstversorgung, gemeinsame Unterstützung und Austausch von Lebensmitteln, somit muss nicht jeder alles anbauen und es wär schon mal etwas weniger Arbeit. Vieles könnte man auch automatisieren z. B. Bewässerungsanlage mit Regenwasser (man spart sich grösstenteils das Giessen) und noch viel mehr kleine Erfindungen die einem eben die Arbeit etwas erleichtern bzw. abnehmen. Auf solche Ideen kommt man sicher mit der Zeit… Es ist doch vieeel schöner für sich zu arbeiten, ausserdem macht Gartenarbeit Spass und entspannt neben der ach so hektischen und wichtigen Arbeitswelt. Wir mussten leider unseren grossen Garten wieder verlassen und haben nun kaum mehr Platz für Garten/Gewächshaus… ein paar Sachen konnten wir trotzdem noch beibehalten und arbeiten weiter auf die komplette Selbstversorgung hin und wenns mal knapper ist mit Geld kann man wie Michael schon sagt zumindest auch einen nicht ganz so guten Job wählen der aber erfüllender ist als z. B. stupide Büroarbeit :)

    LG aus der Schweiz

    Sandra

  5. Su

    also ich denk mir man muss ja nicht von heut auf morgen alles hinschmeißen und sich total selbstversorgen…. take it easy … lautet mein motto…. dieses jahr hab ich zb so viel marmelade kreationen eingekocht das ich jetzt fast jeden tag lust dazu habe was anders einzukochen… oder was anders zu kreiieren oder zu probieren… zb waschmittel selbst machen (bis ich das entlich mal gemacht habe ist ein halbes jahr vergangen, aber dann hat es spass gemacht gleich 4 liter zu machen usw.)

    also schritt für schritt… und danke für die zahlreichen tipps

    lg von den bodenfreikäuflern :)

  6. Frauke

    Hallo ihr Lieben,
    ich verfolge schon seit langer Zeit eure tollen Artikel auf Facebook und auch eure Website. Nun möchte ich mich auch mal zu Wort melden :-) Du triffst es in diesem Artikel auf den Punkt. Viele Menschen müssen erst darauf aufmerksamgemacht werden, dass es andere Wege gibt als Ganz oder Gar Nicht. Und vor allem, dass alles was dazwischen liegt, rein gar nichts damit zu tun hat, versagt zu haben. Dass Töpfchen Petersilie auf der Fensterbank der Stadtwohnung, das selbstgebackene Brot aus Supermarktzutaten, all das ist doch schon ein Teil Selbstversorgung. Darauf lässt sich doch suuuuper aufbauen. Immer Schritt für Schritt und jeder nach seinen Möglichkeiten und seiner Muße!
    Ich selbst habe mir dieses Jahr endlich ein Gemüsebeet angelegt, nur ganz klein und es war diesen Sommer auch nicht viel bepflanzt, aber nächstes Jahr wird es intensiver genutzt.
    Eure Beiträge und euer Lebensstil inspirieren viele Menschen, macht weiter so!
    Viele Grüße von der Ostseeinsel Fehmarn, Frauke

  7. claudia

    hallo ihr lieben
    das alles seine zeit braucht,
    musste ich ungeduldiges wesen erst lernen.
    aber der anfang muss da sein.
    nun hat es fast 2 jahre gedauert, bis wir unseren übernommenen dornröschengarten mit einem neuen haus bestückt haben und wir nun hochbeete,gemüsebeete,etc anlegen können, um im frühling durch zu starten.
    diesen sohabe ich mich aus meinem balkon eine grüne „hölle“ gezaubert.
    auch bei der aussaat dort, musste ich mich daran gewöhnen,das manche pflanzen halt so ihre zeit brauchen.
    jede minute bin ich gern auf dem garten und mit meinen pflanzen beschäftigt.
    auch wenn mir so manchesmal mein rücken einen denkzettel mit gegeben hat.
    ich sehe es nie als negative arbeit,
    denn für mich ist es positive beschäftigung,
    die mir freude bereitet und mir die möglichkeit gibt,
    den kopf leer zu machen und mich an der natur zur erfreuen.
    wenn jemand diese „arbeit“ als viel oder anstrengend(im negativen sinn) empfindet,
    ist es vielleicht nicht so das richtige für die person.
    solang das herz dabei glücklich ist, ist es spass und freude.
    lg claudia

  8. Hansi

    Sehr interessanter Artikel. Sicher ist die Selbstbestimmung einen Versuch wert. Was aus dem Karrieregehetze wird sieht man oft erst, wenn die „erfolgreichen“ in Rente gehen und sich „unnütz“ fühlen. Es wäre schön, frei auswählen zu können. Familie gründen und Selbstversorger sein dürfte allerdings sehr schwer/ fast unmöglich sein. Sehe einen gewissen Nachteil auch in einer möglichen sozialen Isolierung: keine Reisen, kein ausgehen, kein Restaurant, kein Einkaufsbummel, kein Auto…
    Werde Euren Blog weiter interessiert verfolgen.

    Hansi

  9. Cateyes

    Der Artikel ist wirklich wahnsinnig toll….
    ich finde das Wort genügsam auch sehr positiv….und irgendwie befreiend….von dem ganzen Druck immer das neueste Handy-Modell , die neueste Spiele-Konsole, das neueste Auto was auch immer haben zu müssen….dem ich ja sowieso noch nie viel beigemessen habe…

    die ersten Shritte sind am Laufen….was mich sehr sehr freut….mal schauen was sich 2014 dann so alles umsetzen lässt….
    Wünsch euch alles Gute!!!
    LG
    Sandra

  10. Joachim

    Es gab eine Zeit, da habe ich die Zeit in viele verschiedene Zeiten zerhackt. Da gab es die ArbetsZeit und die FreiZeit, die SchlafensZeit, die UrlaubsZeit, auch die Zeit für den Garten und, und, und…
    Immer mit der Zeit im Nacken, war es nicht besonders entspannend.
    Die Erkenntnis, das ich nur eine LEBENSZEIT habe wirkt sehr brfreiend. Plötzlich drängt die Zeit nicht mehr sondern sie ist da und ich nehme mir sie.
    Der schlimmer Gedanke:“Zeit ist Geld“ taucht nicht mehr auf.
    Arbeite ich eine Stunde um mir einen Kilo Karotten im Bioladen zu kaufen oder grabe ich ein Beet um um das Gemüse aus zu säen, ist auch leicht beantwortet. Der Spaßfaktor ist enorm und dann ist es egal wie viel „Arbeit“ es macht.
    JoAchim

    Wir müssen uns Zeit nehmen, wenn wir Gutes erreichen wollen: Gutes und Gedeihliches für die Seele. Die Zeit, die wir auf eine Sache verwenden, ist der Maßstab unserer Liebe zu ihr. Zeit ist gewissermaßen gleich Liebe. Und ohne Liebe kann keine Arbeit gedeihen.“

    Hugo Kükelhaus im Vorwort zu „Werde Tischler“, 1936

      1. Rija

        Ja leider, außer ein paar Kräuter sonst ist nichts mehr zu holen.
        Vorweg ich habe nur ein kleines Gemüsebeet im Garten, also ist die Selbstversorgung schon mal ziemlich begrenzt. Des weiteren habe ich so meine Probleme mit dem richtigen Zeitpunkt. Verspätet ausgesät, meine Pflänzchen die ich vorziehen wollte sind nicht gekeimt. Habe dann Pflanzen gekauft und gesetzt. Hatte dieses Jahr Tomaten, Gurken, Zucchini, Paprika und Salat. Sonst haben wir noch 2 Pflaumenbäume, 3 Apfelbäume, 1 Aprikose, 1 Sauerkirchbaum, 1 Birnbaum (die meisten Zwergbäume) Himbeeren und Johannisbeeren. Holunderblüten, Holunderbeeren, Brombeeren und Nüsse suche ich in der Umgebung. Natürlich würde ich gerne viel mehr aus unserem Garten rausholen, klappt aber nicht immer alles. Ich habe mir das große Buch der Selbstversorgung von Dick & James Strawbridge gekauft, darin sind Aussaat- und Auspflanzzeiten schön aufgelistet. Ich starte dann mal einen neuen Versuch 2014!!

        Da ich sehr pingelig bin und keinem mehr so richtig traue, versuche ich alles selbst zu machen, dabei bin ich schnell an meine zeitlichen Grenzen gestoßen.

        Also mein Fazit: „Wenn man alles selber machen will, ist Selbstversorgung sau viel Arbeit.!!!!“

        Meinen größten Respekt für Euch und weiterhin viel Erfolg.
        Euer Blog ist Klasse ich könnte mir jeden Tag eckige Augen lesen.

        lG
        Rija

  11. Gabriele Odenthal

    Mir gefällt bei Euch der ganzheitliche Gedanke. Selbstversorger sein zu wollen schließt im Prinzip das gesamte Leben mit ein. Man kann sogar sagen es entsteht eine neue Art zu leben. Ich lebe hier seit nun mehr als 6 Jahren auf Madeira und habe meine ersten Schritte unternommen in Richtung Selbstversorgung, weil ich zum einen frisches aus dem Garten liebe aber auch sehr gerne mit der Natur in Verbindung bin. Meine Favoriten sind zur Zeit Kräuter und Bäumchen.
    Vielen Dank für die vielen Anregungen.
    Herzliche Grüße aus Madeira, Gabriele

  12. Kerstin

    Moin ihr Lieben,
    Ich finde, Selbstversorgung macht nur soviel Arbeit, wie ich selber dafür investieren möchte. Wenn ich mein eigenes Gemüse ernte oder ich mir die Nahrung, die mir die Natur schenkt, sammle, brauche ich nicht mehr ständig zum Kaufmann zu fahren, um einzukaufen.
    In den Garten zu gehen ist für mich absolute Entspannung, Körperbewegung und Meditation zugleich.
    Selbstversorgung bedeutet für mich, die Rückkehr zum Wesentlichen, das harmonische Zusammenleben mit der Natur, Was ja leider immer mehr verloren geht.

  13. Daniela Scholl

    Lieber Michael,

    genau, einfach mal anfangen. Dann geht es automatisch weiter. Jeden Tag einen kleinen Schritt gehen, statt vor dem ganzen Weg schon zu kapitulieren. Nur bis zur nächsten Biegung schauen, das langt ja meistens. Und geht es nicht generell eher darum, einfach mal was zu tun, als nur zu jammern, was man alles nicht tun möchte?
    Was ist das Leben? Ich glaube, es hat ganz viel mit diesen kleinen Schritten zu tun.
    Ich danke Euch für Eure großartige, inspirierende Webseite.
    Liebe Grüße aus Frankfurt von Daniela

  14. Helga Ah.

    Ich seh das auch so, Michael. Vielleicht könnte man noch den Begriff „genügsam“ durch etwas anderes ersetzen? Das klingt so nach „sich einschränken“, was ich überhaupt nicht so empfinde. Wenn ich Ende November mit einem großen Korb mit wunderbaren Kräutern und Salaten aus dem Garten komme, wovon viele wild wachsen, fühle ich mich reich beschenkt. Ein Salatkopf aus dem Supermarkt wäre da nur ein trauriger Abklatsch davon…! ;-)

  15. romy

    mich nervt sowas immer: eine kapitalistische firma ist für 100 schlechte dinge mitverantwortlich, macht sie aber 1 einzige sache gut, dann wird das sofort, kritiklos angenommen und hoch gelobt.

    eine bio-firma versucht 100 dinge gut zu machen und hat ein paar punkte, an denen es noch hapert; dann schießen die menschen gern sofort los, ja – man
    wußte es ja schon immer – bio is genauso scheiße.

    hab meine urlaubswoche viel mit euch gefüllt, das is doch mal ein schöner anfang :-)

  16. Sebastian

    Eigentlich sollte man die Frage mit einer Gegenfrage beantworten: Ist ein Job nicht sau viel Arbeit ?!?
    Unsere Gesellschaft gibt sich ja sehr viel Mühe uns einzureden, dass man für Glück in erster Linie Geld braucht, weil uns Konsumgüter ja so glücklich machen. Jemand der in dieser Denkweise gefangen ist, wird das glück nie verstehen, dass man empfindet wenn man den ersten Apfel von einem selber gepflanzten Baum erntet! Solche Leute sind dann auch chronisch unzufrieden und dadurch viel bravere Arbeitstiere, weil ihre Bedürfnisse ja nie befriedigt werden, irgendjemand hat immer das neuere Handy oder tollere Auto, da können sie schuften was sie wollen, die Gier wird nicht weniger. Zu meinem Glück wurde mir nie (erfolgreich) so ein Denken indoktriniert…
    Ich habe meinen Weg zum Selbstversorger zwar erst vor etwa 2 Jahren begonnen aber seitdem gibt es alle paar Wochen ungeahnte Glücksmomente, ob das jetzt eine gelungene Marillenmarmelade war, ein totgeglaubter Obstbaum der wieder austrieb oder ein Laubhaufen der in vergessenheit geriet und plötzlich den nötigen Dünger für den Beerengarten lieferte – allesamt wunderschöne Momente die mir mehr bedeuten, als dass ich am Zahltag losrennen kann um mir überflüssiges Zeugs zu kaufen.
    Der Weg in die Unabhängigkeit von krankmachenden Systemen und unnatürlichen Zwängen ist weit, aber der Weg wird jeden Tag spannender und die harte Arbeit, die man investiert ist unheimlich befriedigend. Wenn „Arbeit“ nicht automatisch mit etwas Deprimierenden gleichgesetzt wird, ist es ja auch nicht weiter schlimm, wenn man sau viel Arbeit hat!

    1. Andrea

      Genau das habe ich auch gedacht, der Job kostet zuviel Zeit. In die Stadt zu fahren, um durch viel zu große Supermärkte zu latschen und dann für drei Teile ewig an der Kasse anzustehen ist auch nervtötend und zeitintensiv.

  17. Friederike

    Vielleicht sollte der Untertitel dieses Posts heißen „Wieviel SPASS macht es, sich selbst zu versorgen?“, dann sähe die Sache schon nochmal ganz anders aus. Ich arbeite ziemlich viel in meinem „Brot-Job“ und ich genieße es trotzdem (oder gerade deshalb), abends noch mit Männe im Gemüsegarten rumzupulen oder den Hühnerstall zu säubern oder nach den Kaninchen zu schauen. Allemal mehr, als irgendwo in einer Kneipe zu sitzen und smalltalk zu ertragen. Wenn ich zum Beiipiel die Viecher zum Zweck der Selbstversorgung hätte (was ich nur bedingt habe), dann müsste ich nur ab und zu einen Samstag drangeben zum Schlachten und Zerlegen und Einfrieren. Ich denke, es ist genauso, wie Ihr sagt: einfach mal klein anfangen – und plötzlich merken, was da alles geht – und wieviel Lust auf Mehr es macht.

  18. Ute

    Vielen Dank! Deine Worte haben mich nochmal zum Nachdenken und Weitermachen motiviert. Denn die kleinen Schritte werden nach und nach immer größer und die Freude über jedes „Selbstgemachte“ wächst.
    Man muss nur lernen, es so zu sehen!

  19. Margot

    hallo!
    meine familie und ich sind jetzt keine selbstversorger, mein mann selbständig, ich bin hausfrau und habe einen sohn der mit leichten defiziten betreut gehört, aber wir versuchen naturnah zu leben und sind auch zu der erkenntnis gekommen das es nicht wesentlich mehr arbeit macht.
    unsere eier legen die hühner die auch den biomüll brav durchwühlen. in unseren hochbeeten ziehen wir einen großteil des gemüse das wir brauchen, von freunden und bekannten bekommen wir im tausch das obst
    einkochen und einlegen ist keine große arbeit und nimmt nicht viel zeit in anspruch und versorgt uns im winter.
    wir tauschen sehr viel im bekanntenkreis, erhalten dadurch dinge die wir nicht haben.
    man muss sich einfach nur aufraffen und mal anfangen. irgendwann nimmt es seinen lauf und man kann es sich nicht mehr anders vorstellen.
    alles gute für euch

  20. Anja

    Guten Abend, ihr Zwei,

    ich stimme Dir vollkommen zu. Micha: Ich verstehe den Denkansatz: Wie viel Zeit braucht man denn? auch nicht. Ich gehe voll arbeiten und dennoch baue ich an, wecke ein, pflanze, ernte, mache selber …! Grad hab ich den Kräutertee vom diesjährigen Sommer zerkrümelt und zum Trinken aufbereitet.
    Für mich ist dieses Fummel, Machen, Ernten, Unkraut jäten pure Entspannung und der Ausgleich zu meinem sonst sehr stressige Job. Das erdet mich mehr als fernsehen (hab gar keinen) oder PowerJoga im Fitnessstudio. Das Unkraut diskutiert nicht ne halbe Stunde mit mir rum bevor ich es dann doch rausziehe! Und wenn ein Beet erstmal fertig gejätet ist, dann ist es halt auch für ein paar Wochen fertig – das finde ich ungeheuer befriedigend! Und ich tue die Dinge dann, wenn ich Lust drauf hab und für mich die Zeit rangekommen ist. Eine Kartoffel wird ja nicht sauer oder verdirbt, wenn sie zwei Wochen später aus der Erde kommt. Gut, manche Sachen verderben dann halt auch (Ich habe es drei Jahre lang nicht geschafft, meine Zuckerschoten zu ernten und zu verbrauchen – jetzt baue ich keine mehr an!) Aber wen ich mich nicht zum Sklaven meines Gartens mache verliere ich auch nie die Lust am Garten, am Grünen, an der Natur, und zur Not gibt es immer Nachbarn und Freunde, die ernten kommen!
    Die eigentliche Frage ist doch also: Wie viel Liebe bringt man der Selbstversorgung entgegen?

    Und du hast auch damit recht zu sagen, dass man klein anfangen kann – einfach mal ne Marmelade kochen, im nächsten Jahr werden es dann zwei Sorten, im dritten kommt wieder was dazu …! Alles muss klein beginnen – sang schon Gerhard Schöne!

    Und noch eine kleine Anekdote vom letzten Sommer:
    Als die Küche mal wieder voll stand mit eingewecktem Löwenzahnhonig und Erdbeermarmelade und ich gerade am Seifen sieden oder Salbe machen war , sagte meine Sohn (17): Mama, ich weiß ja, Du machst mittlerweile fast alles selber, ich weiß, aber können wir mal bitte wieder einkaufen gehen? – den Satz fand ich spitze!

  21. Heiner Schäfer

    Die Menge an Arbeit ist für mich nicht das Problem, sondern die Zeit, zu der die Arbeit gemacht werden muss. Für die Apfelernte und die Verarbeitung der Falläpfel mache ich das Büro schon mal ein paar Tage zu, weil es nur einmal im Jahr ist. Beeren können jeden Tag in kleinen Mengen geerntet werden, das ist sehr praktisch. Brennesseln wachsen von alleine und wenn ich sie nicht ernte, wachsen neue. In der zweiten Sommerhälfte war ein Smoothie aus Brennesseln und Brombeeren unsere Hauptnahrung. Zuchtgemüse macht mehr Arbeit und in der Regel kann die Arbeit nicht aufgeschoben werden, weil ein Kunde dringende Wünsche hat. Aber ich arbeite dran …

  22. Nine

    Hallo Ihr Zwei,
    ich verfolge euch nun seit ein paar Wochen via Webblog und Facebook.
    Ich bin grade in einer Phase wo sich sehr, sehr viel tut. Tausend Gedanken entwickeln sich weiter, neue reifen. Ich lerne grade jeden tag dazu.

    Was das mit euch zu tun hat: Ich finde sehr viele Punkte wieder, die ich super und für mich persönlich wichtig finde: Überzeugung bei dem was ihr tut, Offenheit für Fehler aber auch Verbesserungen durch andere Menschen, Reflexion ohne Perfektion anzustreben.Auch die Antworten im Interview.Klasse! Ich wünsche euch weiterhin Vorankommen und auch in Zukunft Offenheit und Zufriedenheit.
    -Mensch sein-

    Herzliche Grüße aus dem Norden,
    Nine

  23. josipa

    sehr schön geschrieben!
    aber michael…. kannst du die schrift nicht um einen hauch dunkler machen? bitte! ich tu mich sehr schwer beim lesen… habe sogar schon ein par mal „überflogen“ weils unglaublich anstrengend ist… dieses grau und die dünnen lettern… nur so n tip….

    1. Manuela Glaubke

      Hallo ihr Lieben :-)

      Sehr schöner Text und ich möchte auch etwas dazu sagen: Mein Mann und ich sehen es garnicht als Arbeit an, denn Gartenarbeit entspannt auf wundervolle Weise. Davon abgesehen, macht es unglaublichen Spass zu backen, zu kochen, zu säen und zu ernten sowie das ausprobieren. Nicht zu vergessen das Lernen dabei. Das Wissen was man erlangt…einfach fantastisch :-) Liebe Grüße an euch Manuela Glaubke

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