Iss mehr Salat

Michael Hartl
Von Michael Hartl
19. Oktober 2011

Heute wagen wir zum ersten Mal den Blick über den Tellerrand unseres Blogs hinaus. Da gibt es nämlich weitere Blogs, die wir gerne lesen – und daher auch zum Lesen empfehlen können. Heute geht es um einen Blog mit dem klingenden Namen „issmehrsalat.de“. Daniel bloggt dort über sich, seinen Garten und die Bienen, mit denen er „nach Warré“ imkert. Was das bedeutet – und viele weitere Antworten – erfährst Du im folgenden Interview, das ich mit dem Blogger Daniel von „issmehrsalat.de“ geführt habe.

Michael / Experiment Selbstversorgung: Was können Leser*innen auf Deinem Blog issmehrsalat.de entdecken und lernen?

Daniel / Iss mehr Salat: Ich bin der Ansicht, dass es zahlreiche „bessere“ Gartenblogs gibt, Blogs, die detaillierter beschreiben, fachlich fundiert(er) sind, witziger oder ein spannenderes „Grundthema“ haben wie das Experiment Selbstversorgung. Wenn ich mein Licht unter dem Scheffel etwas hervorhole, dann würde ich sagen, dass mein Blog thematisch relativ abwechslungsreich ist, vom Imkern über Hüttenbau, Hühnerhaltung (fiktiv) bis zur Düngung, dass meine biologische Grundhaltung grundsätzlich erkennbar ist und dass sich vielleicht viele Garteneinsteiger in meinen Erlebnissen wieder entdecken. Die Frage nach dem Lernen finde ich ehrlich gesagt grenzwertig, denn ich möchte nicht „besser wissen“. Ich beschreibe meine Erfahrungen inkl. Fehlern – wenn daraus Besucher*innen Vorteile ziehehn, freue ich mich.

Seit wann gärtnerst Du – und seit wann bloggst Du darüber?

Mit dem Gärtnern gings im Kindergarten los: Bohnen oder Kresse auf Watte unter einem Einmachglas, mit dem Yps Sonderheft inkl. Gewächshaus weiter über den elterlichen Garten im Teenageralter. Aber den ersten eigenen Garten habe ich erst seit Januar 2009 gepachtet und seitdem blogge ich darüber auch. Mit dem Bloggen habe ich in erster Linie für mich als Online-Aufzeichnungsmöglichkeit begonnen. Aber als die ersten Kommentare und immer mehr Besucher dazukamen, begann auch die Schreiberei darüber noch mehr Spaß zu machen. Ausführlicher habe ich das hier beschrieben:

Woher kommt der Name „iss mehr salat“ und was bedeutet er?

Auch das habe ich auf meiner „über mich“-Seite erklärt – die Kurzfassung:
„… Der Domainname issmehrsalat.de war entgegen vielen anderen Ideen Anfang 2009 noch zu haben und hat im übertragenen Sinn ja auch mit meinen Themen zu tun. Er ist nicht perfekt, genauso wenig wie mein Garten – aber immerhin gut zu merken :-)“

Warum gärtnerst Du? Und für wen könnte es interessant sein, ebenfalls eigenes Essen anzubauen?

Ich gärtnere, weil es mir Spaß macht, weil ich gute Lebensmittel schätze und – 5,- EUR fürs Phrasenschwein – weils besser schmeckt. Und es ist gar nicht soo einfach, sich komplett selbst zu versorgen. Mit dieser Erkenntnis schätzt man die Leistung der Bauern noch mehr. Aber man erkennt auch, dass DIN-genormte Äpfel, Tomaten oder Gurken nicht der Weisheit letzter Schluss sein können. Think about ;-)
Eigenes Gemüse oder Obst kann jeder anbauen, egal ober er in einer Wohnung in einer Kleinstadt wie ich wohnt, in der Großstadt oder auf dem Land. Egal ob auf dem Balkon, dem Schrebergarten oder dem gepachteten Garten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die sich nach den ersten Erfolgen nicht darüber freuen.

Du imkerst „nach Warré“. Was bedeuted das – und wie sieht die Methode im Groben aus?

Das ist ein heikles Thema, weil sich möglicherweise Imker, die anders imkern, missverstanden fühlen. Hinzu kommt, dass ich hierbei selbst nur Einsteiger bin, also besser keine Reden schwingen sollte. Sehr vereinfacht gesagt soll die Imkerei nach Warré den Bienen ein stressfreieres, natürlicheres Leben ermöglichen. Dadurch erhält man in der Regel weniger Ertrag, hat aber auch weniger zeitlichen sowie finanziellen Aufwand. Auch wenn oft von „Imkerei für jedermann“ zu lesen ist, erfordert auch diese Imkereiform ein umfangreiches Wissen – das ist nicht zu unterschätzen!
Mehr Infos dazu:

Da wir hier auf dem Blog vom Experiment Selbstversorgung sind, auch ein paar Fragen in diese Richtung. Was bedeutet für Dich ganz persönlich der Begriff „Selbstversorgung“?

Weitestgehend autark leben – das ist auch mein Traum. Ihr versucht das jetzt zu verwirklichen, habt eure Zelte abgebrochen – ich kann euch da gar nicht genug Bewunderung aussprechen. Das geht m. E. nur, wenn man unabhängig, sprich ohne Partner ist, oder der Partner / die Partnerin die gleichen Ziele, Lebensvorstellungen, Werte teilt und sich ein einfacheres, aber in anderen Dingen viel reicheres Leben vorstellen kann.

Wo sind aus Deiner Sicht die Grenzen der Selbstversorgung?

Bei Kleidung wirds schwierig bis unmöglich. Oder Werkzeugen. Oder ärztlicher Versorgung. Oder im Alter? Oder mit Kindern und deren Ausbildung? Demjenigen, der Geld hat, sind wohl keine Grenzen gesetzt. Wer mit weniger auskommen muss, hats da vermutlich schwieriger, man denke an Landkauf, Unterkunft usw.. Mancher mag es als faulen Kompromiss abtun, aber Anne Donaths Lebensweise finde ich nicht schlecht. Ein paar Wochen in einem sozialversicherungspflichtigen Job arbeiten, das restliche Jahr frei haben. In einem kleinen, einfachen und abbezahlten Haus leben, Gemüse selbst anbauen. Für mich wäre das durchaus denkbar. Gemeinschaftlichen Wohn-/Lebenskonzepten bin ich skeptisch gegenüber. Ich befürchte, das würde mich auf Dauer zu sehr anstrengen.

Gibt es eine Pflanze oder eine Landbautechnik, die wir unbedingt kennen sollten?

Pflanze: schweirig, ihr kennt doch sicherlich alle Arten. Aber ohne Tomaten könnte ich mir mein Leben nicht vorstellen.
Technik: Permakultur? Ja, die sollte jeder Gärtner kennen.

Welchen Tipp kannst Du uns für unser Projekt „Experiment Selbstversorgung“ mitgeben?

Dazu kenne ich euch einfach zu schlecht, sorry. Aber wenn ich mal von mir ausgehe, dann müsste ich mir vornehmen: gelassen bleiben, egal was passiert. Nicht unter Erfolgsdruck setzen lassen, von nichts (eurem Blog) und niemandem (Eltern, Freunde) – auch ein Scheitern des Projekts ist legitim.

Welche thematisch passenden Bücher, Filme oder Blogs kannst Du empfehlen?

Blogs: die üblichen Verdächtigen bzw. diejenigen, die ich bei mir verlinkt habe. Und ich freue mich auf diesen Winter, wenn ich wieder häufiger schreibe und lese und hoffentlich das ein oder andere neu erschienene Gartenblog entdecke.
Bücher: Der Biogarten + Seymours Werke sind sicher ein guter Einstieg. Dann je nach Interesse Wissen mit speziellen Werken vertiefen.
Filme: keine;


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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

5 Gedanken über “Iss mehr Salat

  1. Uwe

    Hallo zusammen,

    Themenrelevante Interviews in Blogs zu starten, gehört ja schon zur "hohen" Schule des Social Media Marketing. ;-)

    Daniel's Blog lese ich auch seit gut 8 Monaten. Eben der authentische Stil gefällt mir sehr gut und ich habe auch schon einige Erfahrungen und Erkentnisse in meinem gepachteten Garten umsetzen können.

    Leider erschienen in den letzten Wochen wenige Artikel bei issmehrsalat. Aber im Sommer und Herbst hat man halt mehr im Garten zu tun. Ist ja auf meinem Blog nicht anders. ;-/

    Ich verfolge bestimmt nicht viele RSS-Feeds von Selbstversorger-Blogs, aber ich freue mich immer wieder auf Beiträge von Daniel's und selbstverständlich auch eurem Blog. Weiter so…

    Gärtnerische Grüße

  2. Daniel

    Besten Dank für die Vorstellung des Garten Blog von Daniel werde mal des öfteren auf Daniels Blog vorbei schauen dar es mich besonders interessieren tut auf welche Art er seine Bienen hält. Es ist ja nicht so das Mann nur Honig ernten will sondern seinen Garten was gutes tut;) Macht bitte weiter so;) MfG Daniel

  3. Sebastian

    Bei issmehrsalat.de schaue ich auch sehr gerne vorbei. Ich habe vor kurzem einen Kleingarten übernommen und mich in diesem Zusammenhang auch auf die Suche nach Gartenblogs gemacht.

    Unter anderem stieß ich auch auf Daniels Blog. Sehr hat mir gefallen, dass er von Anfang an gebloggt hat und man seine ersten Schritte im neuen Garten mitverfolgen konnte. Ich habe issmehrsalat.de im Prinzip erstmal komplett durchstöbert. Das Layout ist klar und Daniel schreib in einem angenehmen Stil.

    Ich kann issmehrsalat.de ebenfalls nur empfehlen.

    Kleine Anmerkung: Nächstes Mal geht es vielleicht etwas kürzer. ;-) Die Vorstellung von Gartenblogs finde ich sehr gut!

    1. daniel

      :-)

      hi sebastian,

      stimmt, ist lang. das merke ich JETZT auch. michael hat mir halt meines wissens kein limit gesetzt ;-)

      dass ich angenehm schreibe, hat mir noch nie, wirklich noch nie jemand gesagt. das war ein dickes lob für mich :-))

      was ich beim fünften mal durchlesen feststelle, ist, dass ich authentisch schreibe. ich erkenne mich darin wieder.

      so, jetzt bin ich mal sehr gespannt, wer hier noch so folgt bei der vorstellung. ich freu mich drauf.

      und, lieber michael, hoffentlich dauerts nicht so lange, damit ich nicht so lange im blickpunkt stehe ;-)

      viele grüße

      daniel

      1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

        Hallo ihr beiden. Wegen der Länge, sehe ich das bei Interviews nicht so problematisch, da man ja sehr zügig über die Fragen springen kann – und nur die Antworten liest, die einen interessieren. Wer alles liest, den interessiert scheinbar alles. ;)

        Und Daniel, ja, ich versuche bald ein weiteres interessantes Blog vorzustellen – versprochen! :)

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