Internet im Selbstversorger*innen-Leben

Michael Hartl
Von Michael Hartl
14. Dezember 2011

Wir werden ab und zu gefragt, wie wir das machen wollen, mit dem Internet und den Computern, da so in unserem Selbstversorger*innen-Leben. Und da die Frage nun schon öfter kam, hier der Versuch einer Antwort.

Internet und Computer

Internet und die dafür nötigen Endgeräte sind tolle Erfindungen. Und die vielen verschiedenen Möglichkeiten über das Netz würde ich auch nicht missen wollen. Viele tolle Kontakte sind nur darüber entstanden. Kontakte generell können nach einem Umzug über das Internet sehr einfach und gut aufrecht erhalten werden. Wir haben, wenn wir so durch die vielen E-Mails lesen, die uns jede Woche über den Blog hier erreichen, anscheinend so viele Menschen mit unseren Texten erreicht und einige offensichtlich inspiriert. Wir wissen von zwei weiteren Pärchen, die hauptsächlich wegen unserem Blog nun ähnliches machen wollen. Und ne ganze Hand voll weiterer Menschen, denen wir nur noch den letzten Tropfen nötiger positiver Inspiration gegeben haben, dass sie nun ihren lang gehegten Traum von solch einem Leben umzusetzen beginnen. Internet ist also echt weltklasse. Das vorweg.

Die Idee, dass aber jede*r so ein Gerät zu Hause stehen hat, dazu noch ein iPad oder Netbook und dann noch mobiles Internet am Handy…. das finde ich offen gesagt etwas schräg. Egal wie normal sich das angefühlt hat, als ich selbst noch in diesem System drin gesteckt habe. Jetzt, mit ein bisschen Abstand, kommt mir das wirklich sehr materialistisch vor.

Und das Internet für Euren Blog, stellt ihr das dann selbst her?

Wir nutzen, wie viele andere Menschen, öffentliche PCs mit öffentlichem Internet in der nächsten Bibliothek. Ein Rechner kann locker von einem ganzen Schwung an Menschen verwendet werden. Zeitlich gestaffelt halt. Car-Sharing verbreitet sich zum Glück langsam. Computer- und Internetanschluß-Sharing wäre eine Idee für den nächsten Schritt.

Ich denke, es gibt nicht nur schwarz und weiß. Wir müssen uns heute als Gesellschaft und als Individuen nicht nur zwischen zwei Optionen entscheiden. Keine*r muss sich zwischen „eigenes Auto“ und „niemals einen Meter mit einem Auto fahren“ entscheiden. Genauso gibt es zwischen „eigener PC mit Internetanschluss“ auf der einen Seite und „niemals Google, Wikipedia oder E-Mail nutzen“ auf der anderen Seite einen bunten Fächer unzähliger Optionen.

UPDATE von Lisa: 17.3.2013

Tja, wie das Leben so spielt, haben sich unsere Umstände wieder geändert. Wir leben nicht mehr wie in Tschechien, ohne Strom, Wasser, Kanal,….

So „schräg“ es sich auch anfühlt: Wir haben wieder eigene Laptops und Mobiltelefone mit Internet. Was mich aber beruhigt ist, dass wir die Laptops zu 95% zum Arbeiten verwenden (was wir eben von zu Hause aus tun). Das bedeutet, für uns privat würde auch nach wie vor eine öffentliche Bibliothek reichen (hat es ja fast ein Jahr lang auch!). Derzeit geht es halt leider nicht. Hätten Michael und ich jeweils irgendwo ein Büro für unsere selbstständigen Arbeiten, stünden die Notebooks auch die meiste Zeit ungenutzt. Und da wir uns alles oft auch so einteilen, dass wir am Wochenende arbeiten (weil zum Beispiel das Wetter wochentags für den Garten perfekt war) kommt eine öffentliche Bibliothek mit begrenzten Öffnungszeiten im Moment nicht in Frage. Aber mal sehen wie sich alles entwickelt. Im Moment sind all unsere Jobs neben der Selbstversorgung leider sehr computerlastig… Hoffentlich klappt es mit der Nahversorgung mit Gemüse und Obst – dann reicht es hoffentlich auch irgendwann zum Bloggen in die Bibliothek zu gehen ;)

Teilen, teilen, das macht Spaß, wenn man teilt hat jede*r was!

Carsharing, Computersharing, Erfahrungen teilen, Nachbarschaftsbibliotheken, offene Regale und so viel mehr Teilereien sind gut für die Umwelt, sparen Dir Geld (weniger arbeiten – mehr leben! Juhu!) und sind auch toll für die Gemeinschaft.

Im Moment ist es so, dass das durchschnittliche Auto 23,5 Stunden pro Tag nicht genutzt wird und der durchschnittliche Privat-PC 20 Stunden am Tag aus ist. Und ein paar Menschen sitzen da und können sich solche Privat-Anschaffungen nicht leisten. Die könnten sich aber in eine „Wir-teilen-Gruppe“ einbringen und plötzlich würden die Geräte mehr genutzt und alle hätten was davon.

Das wäre fein!

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10 Gedanken über “Internet im Selbstversorger*innen-Leben

  1. Amante

    Hallo Leute,
    SEHR Interessantes Thema , an dem ich auch „rumdoktore“ , im Rahmen meines Traums von einem freieren Leben.
    Genau doktore ich zur Zeit noch an der Energieversorgungeseite, Internet-for-free habe ich endlich „gebacken“gekriegt (siehe unten). Ich hatte gelesen ihr macht das mit PV und Blei-Akkus , aber wie genau geht das ? Wieviel Wh muß das PV -Modul haben um ein z.b. ein Netbook-Akku mit der Angabe „57 Wh, DC 11.1V“ aufzuladen bzw. wie groß muss die Batterieanteil dimensioniert sein ? Was für ein Ladegerät brauche ich dafür -> es sind ja Lithiumionenbatterien im PC-Akku, die äußerst „garstig“ auf Spannungsschwankungen aus einer Versorgerbatterie reagieren…
    @Jan, @ Andreas : Habt ihr da eine Lösungen gefunden ? Brauche ich einen Ladebooster ? Ihr würdet mir SEHR weiterhelfen…
    Und was verbrauchen die ganzen Teilkomponeneten : also, Router, Antenne, Netbook usw.? Hat jemand damit Erfahrung ?

    Das mit „freifunk“net ist wirklich eine sehr , sehr gute Sache und kommt der Idee Internetzugang zu „sharen“ schon recht nahe. Das Gute an der Freifunk-Idee ist , das Design der Dezentralen Strukturschaffung von Privatnetzwerken , weltweit. Das ist auch wichtig vor den Hintergründen der ganzen NSA-Skandalen/Abhörskandalen usw. Das kombiniert mit freien Betriebssystemen wie Gnu-Linux und assozierten open-source-Produkten , bringt darüber hinaus noch eine höhere Internetsicherheit. Kann ich aus eigener Erfahrung nur empfehlen. (By the way „googelt“ mal Richard Stallmann und Jacob Appelbaum bei you tube). …Schön finde ich auch , dass es „freifunk“ im Grunde schon in ganz Europa gibt, z.b. wie in Spanien ( www. guifi.net) , meinem Lieblingsland,-). Aber auch in France, Italien Portugal gibt es schon diese Netzwerke. P.S. ihr braucht speziellen Router, Firmware und ne gute W-Lan-Antenne. Also, Internet-for-free , for free people ! Enjoy it !

  2. Andreas

    Hallo
    Das Thema beschäftigt mich hin und wieder und ich komme immer zum gleichen Schluß: Minicomputer mit Sonnenkraft betrieben (Akku) und werbefinanziertes Internet. Zum richtigen Arbeiten könnte das Internet etwas schwächeln (drosselt recht schnell bei dem Anbieter den ich kenne) aber um Blogbeiträge zu verfassen oder Mails zu beantworten reicht es dicke.
    Wenn gewünscht, schick ich per Email gerne weitere Details um hier nich zuviel Werbung zu verbreiten :-)
    Grüße und so
    Andreas

  3. Jan

    Ein >3-Jahre-Altes Notebook reicht noch für 2-3 Jahre, man muss also 20€/Monat) den man sinnvollerweise teilt. Für Selbstversorger ist da http://freifunk.net/ sicher interessant.

    Ebenfalls interessant wäre es, den Strom fürs Internet selbst zu erzeugen. Da die meisten Internet-Router mit 12V-Netzteilen arbeiten, kann man recht leicht mit (alten) Bleiakkus und PV ein eigenes Niederspannungsnetzwerk im Haus errichten. Notebooks arbeiten oftmals mit 19V, da braucht es ggf. Adapter (autoladegeräte). Gerade bei Routern liegen oft sehr ineffiziente Netzteile bei, man kann also vergleichsweise viel sparen.

  4. Heike

    @Michael,

    meine positiven Erfahrungen sind leider in dem Bereich äußerst Mager.

    Frei nach dem Motto… gehört ja nicht mir. Aber Berlin war vielleicht auch das schlechteste Pflaster um die Erfahrungen dort zu sammeln. ;-)

    Mittlerweile sind wir auch raus ins ländliche…. aber auch da will jeder sein eigenes haben. Die einzige Ausnahme…. Bücher. Die tauschen wir gegenseitig. Fachliteratur allerdings auch nicht.

    herzliche Grüße Heike :-)

  5. Heike

    Vom Prinzip her hab ich nichts gegen ein Teilen von solchen Gegenständen. Zur Not gibt es sehr große USB Sticks um meine persönlichen Daten zu sichern und bei mir zu haben.

    Aber egal was ich mir mal mit jemanden geteilt habe. die anderen haben es nie so geachtet wie ich. Weder meine Bücher, noch andere Dinge. Mit dem Resultat….. das ich nichts mehr weggebe.

    Und andere haben IHR Zeug noch lange nicht geteilt! Nur weil ich persönlich eine offene Einstellung dazu habe, haben dies noch lange nicht alle.

    Heute hab ich diese Naivität abgelegt. Musste viel Lehrgeld bezahlen um das endlich zu begreifen. Aber vielleicht ist es im ländlichen Bereich anders. :-)

    Liebe Grüße Heike

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Heike » Hallo, ich habe auch schon einige negative Erfahrungen gemacht – aber halt auch Unmengen an positiven Erfahrungen! :)

      Und darum gehts doch – den Fokus auf das zu richten, was man möchte und nicht so häufig die Rückschläge überbewerten und so.

  6. Hans

    Internet, Computer und teilen ….

    Ja, super, ich glaube es gibt viel mehr Dinge (materiell ider immateriell), die man problemlos teilen kann.

    Beim Computer gibts jedoch etwas, was ich zur Diskussion stellen möchte –

    ich sammle seit längerem aus dem Internet Infos zu den Themen Survival, Natur, Pflanzen, Gartenbau, Permakultur, Bücher über alte Techniken, …… etc. etc.

    Obwohl ich ein Liebhaber von Büchern in Papier-Form bin, haben diese elektronischen Sammlungen für mich den Vorteil, dass unheimliche grosse Datenmengen auf kleinem Raum wie einer PC-Platte gespeichert werden konnen. Und noch wichtiger: alles hat Platz auf ein paar DVDs, und diese kann ich weitergeben, und so kommt dieses gesammelte Wissen anderen Interessierten zu Gute. Und die gebens auch wieder weiter ……

    Aber da brauche ich einen eigenen PC oder Laptop, um dies zu nutzen. Für das worst-case-Szenario EMP (siehe Eva Marbach) sind dies Daten wenigsten dezentral auf DVDs gespeichert……

    glg

    Hans

  7. eva

    … und es würde wieder mehr Kontakt geben. Allein davon hätten alle was.

    Die Wohlstandgesellschaft macht nicht nur Besitz, sondern auch Vereinsamung sehr leicht.

    Glücklicherweise gibt es gerade einige Ideen und auch Umsetzungen, wie (abgesehen von Auto und Computer, was eine sehr gute Sache ist) auch andere Güter geteilt und mehr Menschen zugänglich gemacht werden können.

    Ich denke dabei an Bücher-Austausch-Stellen, die ich schon da und dort gesehen habe (Leute legen Bücher, die sie nicht mehr brauchen ab und holen sich die, die andere Leute nicht mehr brauchen). Es gibt "Kost nix" Shops, wo man Sachen hinbringen kann, die man nicht mehr braucht und dafür wieder etwas holen. Es gibt online-Tausch-Kreise und Plattformen, auf denen sich Menschen gegenseitig etwas schenken.

    Schön, dass es sowas schon gibt und hoffentlich wird es immer mehr.

  8. Daniel

    Du hast recht damit das sich dadurch die Leute besser informieren können und jeder was von hat;) Doch mit bedauern muss Mann heute festelen wie abhängig man von der ganzen Elektronik ist! Zum Beispiel ist eine Email schneller verschickt als ein Brief oder Informationen schneller gefunden als in Büchern. Was mir dabei nur Sorgen macht ist was ist wenn durch irgend eine Katastrophe das System zusammenbricht. Wie soll es dann weiter gehen ohne das alles im Cahos versinkt! Ich habe Angefangen mir seit dem ich den Roman EMP gelesen habe darüber mal Gedanken zu machen;) Und es ist erschreckend wie sehr wir alle von der Technik abhängig sind ohne das es uns überhaupt bewusst ist;)

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