Ich lieb ein pulsierendes Leben

Michael Hartl
Von Michael Hartl
3. Dezember 2015

Bei mir gehen die Gedanken zur Zeit stark in Richtung eines nomadenhafteren Lebens, mit gewissen Fixpunkten. Im Leben und auf der Landkarte. :) Also Plätze, an die ich immer wieder zurückkehre. Mich dort einbringe, helfe, etwas aufzubauen und dann auch willkommen und ein Stück weit versorgt bin, wenn ich wiederkehre. Um immer eher dort zu sein, wo mein politisches Herz und mein Wunsch nach Zufriedenheit und Freundschaft mich gerade wissen wollen.

Wanderstiefel

Zumindest für eine Weile möchte ich so leben. Bis es sich an einem Ort oder mit einer Gruppe von Menschen oder aus sonst einem Grund wieder so sicher und zweifellos und angekommen anfühlt, wie ich das schon einige wenige Male im Leben hatte. Oder ich bleib für immer Nomade! :) Who knows. Nichts ist beständiger als Veränderung.

Mein „Ausflug“ in die Toskana

Dabei bin ich doch erst vor wenigen Monaten Richtung Toskana aufgebrochen. An diesen wundervollen Ort mitten in der Natur. Dort, wo ein alter Hof, mit terrassierten Flächen und einem einladenden Gastgeber, sich in die toskanischen Berge schmiegt. Und es gab Menschen, die das Ganze gemeinsam stemmen wollten. Klingt nach einem Joker, oder?

Foto einiger Gebäude im Projekt Castagnola

Und auf die eine Weise war es das auch, ein Joker. Tolle Menschen, die gemeinsam durchgestartet sind, und immer ausreichend Sonne, Quellwasser und Freude, um einen tollen Garten entstehen zu lassen. Die Option, das Grundstück irgendwann zu übernehmen.

Doch ich möchte mehr, als nur meinen eigenen Traum zu leben! Klar kann ich es mir auf meiner priviligierten Position gemütlich machen und das Beste für mich rausschlagen. Aber ich kann sie auch nutzen, um die Verantwortung zu übernehmen, die aus ihr erwächst.

Ich möchte, dass viele Menschen an den Lernort, den ich gerne miterschaffen möchte, kommen können, ohne quer durch Europa fahren zu müssen. Ich möchte nahe genug an einer deutschsprachigen Stadt leben, um mich politisch einzubringen. Und ich möchte mein soziales Netz, das nun mal eher in Wien als in der Toskana existiert, nicht so stark vermissen müssen.

Und zusätzlich verändern sich manchmal Schwerpunkte und Prioritäten. Ich fand dieses Jahr zum Beispiel die Flüchtlingsthematik viel wichtiger, als die Frage, ob ich nun 50 Kilogramm Kartoffeln mehr oder weniger ernten werde. Oder ob ich überhaupt welche ernten werde.

„Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und nicht der Beständigkeit.“
Mahatma Gandhi

Der nächste Platz kommt sicher

Doch einen Ort, an dem ich das alles so leben kann, wie ich selbst es oft träume, gibt es momentan eben nicht. Es gibt verschiedene Ideen und ich hab sooooo liebe Freund*innen, bei denen ich willkommen bin und teils wie ein Familienmitglied aufgenommen bin. Und dann gibt es meine wunderbare Familie, die mir ebenso immer Rückhalt gibt, wenn ich es brauche. Ich bin also sicher nicht heimatlos oder ohne Platz zum Leben.

Darüber hinaus weiß ich aus der Erfahrung der letzten Jahre, dass sich immer wieder Plätze auftun. Durch Freund*innen, Leser*innen oder zufällige Bekanntschaften wurde ich in den letzten Jahren immer wieder aufmerksam auf tolle Höfe, die es gegen Pflege zur Pacht gab oder Höfe, deren aktuellen Bewohner*innen Menschen suchen, die den Platz übernehmen und in guter Weise weiterpflegen.

Foto eines Weges im Herbstwald von unsplash.com

Daher bin ich recht entspannt, wenn es um die Frage geht, wo ich denn meinen Traum nun leben soll. Denn der Platz kommt bestimmt. Die richtigen Menschen auch. Und bis dahin lebe ich einfach bestimmte Aspekte meines Traumes umso stärker. Nicht an einem Platz, sondern mit vielem verbunden.

Und da diese Frage bisher bei fast jedem Artikel zu einem Umzug oder einem Schritt in unserem Leben gestellt wurde, gehe ich diesmal direkt darauf ein:

Ist das Experiment Selbstversorgung also gescheitert?

Kommt darauf an, was Du für ein Bild im Kopf hast!

  • Wenn für Dich das „Experiment Selbstversorgung“ ein Pärchen war, das hinauszog um sich alleine durchzuschlagen und der Welt den Rücken zu kehren…
  • Wenn es für Dich der Versuch war, möglichst schnell möglichst autark zu werden und sich von der Welt abzugrenzen….
  • Wenn das Experiment Selbstversorgung für Dich zwei Menschen waren, die angetreten waren, um die härtesten Aussteiger*innen und die besten Selbstversorger*innen zu werden…
  • Wenn die Menschen hinter dem Experiment Selbstversorgung Deine Stellvertreter*innen waren, die für Dich Deinen Traum gelebt haben…

Wenn es irgendwas davon für Dich war, dann ist es gescheitert. Nicht daran, dass es nicht geklappt hat, sondern daran, dass das Experiment Selbstversorgung nichts davon jemals war.

Das Experiment Selbstversorgung war zunächst mal der Name für dieses Blogprojekt hier, das sich weiterentwickelt hat von einem Projektblog zu einer Plattform für ein viel breiteres Themenfeld.

Und dann war das „Experiment Selbstversorgung“ irgendwann der Name für unser Projekt, wenn man das so nennen möchte. Also unseren Lebensweg. Unsere Idee, uns spielerisch den unterschiedlichen Möglichkeiten anzunähern, wieder näher an Selbstversorgung heran zu kommen. Also damit zu experimentieren, wie wir wieder ein Stück weit in unsere Natur zurück finden. Wie wir Dinge wieder selbst machen können. Nicht um möglichst autark und unabhängig zu sein, sondern um im Netzwerk mit anderen Menschen in der Region möglichst frei zu sein und dabei einen Lebensstil einzuüben, der tauglich für eine Welt von morgen ist.

Von Beginn an viel breiter als „Selbstversorgung“

Und so haben uns von Beginn an viel mehr Themen begleitet, als nur die Selbstversorgung. In ihr hat sich eben für uns vieles zu einem sinnvollen Konzept zusammengefügt. Daher war sie unser Leitmotiv und landete auch im Namen. Und hat manchen eben das Bild gegeben, als wären wir nur auf dieses eine Thema fokussiert.

Fotos von Armen und Händen beim Ausgeben eines Mittagessens

Aber von Beginn an waren Themen wie Leben in Gemeinschaft, Upcycling, DIY und politisches Engagement mit dabei – ja auch als Artikel von Beginn an mit am Blog vertreten. Es ging uns immer um Verbindung zur Natur und zu Menschen. Es ging von Anfang an auch um gesellschaftliche Ansätze, die für die Masse funktionieren. Um eine vielfältige Auswahl an Möglichkeiten und Optionen. Denn es wird nicht den einen Weg geben, um die anstehenden und uns teils bereits überfordernden Probleme in dieser Welt zu lösen. Sondern es wird die Vielfalt aus kleinen Projekten, unterschiedlichen Ansätzen und engagierten Menschen sein, die eine neue Form des Zusammenlebens und eine friedlichere Gesellschaft ermöglichen werden.

Ideen teilen, inspirierende Menschen treffen und tolle Projekte besuchen

Und genau solche Menschen und Projekte möchte ich in den nächsten Monaten besuchen, um von Ihnen lernen zu dürfen und mich inspirieren zu lassen. Ich möchte noch viel mehr mit Heilpflanzen arbeiten und hier noch so viel mehr erfahren! Und ich werde mich noch stärker der Idee widmen, wieder wilder zu werden, Naturerfahrungen zu sammeln und zu Menschen und Natur eine noch intensivere Verbindung zu bekommen. Ich möchte Menschen besuchen und ihnen gerne auch auf diesem Blog einen Platz bieten, die auf anderen Pfaden wandeln, als es unsere Gesellschaft derzeit macht. Und damit das Zeug haben, uns als Gesellschaft zu inspirieren, wie wir anders leben können.

Meine eigenen Erfahrungen der letzten Jahre möchte ich gerne im Gegenzug dafür weitergeben. Und da es wieder Anfragen für Vorträge und Kurse gibt, ist die Idee entstanden, dass ich beides ein wenig verstärkt machen könnte, nächstes Jahr. Wenn ich zum Beispiel von Wien nach Stuttgart fahre, um dort Freund*innen zu sehen oder ein tolles Projekt zu besuchen, dann könnte ich die Reise auf einige Tage aufteilen und in Linz, Salzburg, München und Ulm jeweils einen Vortrags- oder Diskussionsabend mitgestalten.

Unterstütze mich dabei, wenn Du magst!

Wenn Dir diese Idee zusagt, und Du bereit bist, solche Vorträge oder Veranstaltungen in Deiner Gegend mitzuorganisieren oder mir eine Couch als Schlafplatz auf meinen Reisen zur Verfügung stellen magst, dann klicke gerne auf den folgenden Button und trag Dich in die Unterstützer*innen-Liste ein, auf die ausschließlich ich zugreifen kann. Über diese Liste kann ich mir dann auf einer Karte anzeigen lassen, wo Menschen wohnen, die mitorganisieren wollen – und so sehe ich, wann ich auf einer Reise durch deren Wohnort komme. Dann wird’s Zeit sein, Dich zu kontaktieren und gemeinsam etwas zu organisieren!

Michael bei seinen Veranstaltungen unterstützen

Und wenn Du zwar im Moment nicht mitorganisieren magst, aber an den Veranstaltungen Interesse hast, dann trag Dich gerne in unseren Veranstaltungs-Newsletter ein:

[wysija_form id=“2″]

Ich lieb ein pulsierendes Leben,
das prickelt und schwellet und quillt,
ein ewiges Senken und Heben,
ein Sehnen, das niemals sich stillt.

Ein stetiges Wogen und Wagen
auf schwanker, gefährlicher Bahn,
von den Wellen des Glückes getragen
im leichten, gebrechlichen Kahn ….

Und senkt einst die Göttin die Waage,
zerreißt sie, was mild sie gewebt, –
ich schließe die Augen und sage:
Ich habe geliebt und gelebt!

Rainer Maria Rilke

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

11 Gedanken über “Ich lieb ein pulsierendes Leben

  1. Tari

    Hallo Michael,
    cool dass du nach Stuttgart kommen willst! Da könnte ich auch endlich mal zu einem Vortrag kommen und dich als Person erleben, nicht nur als stiller Blog-Leser, wie so viele hier :)
    Wenn du dann eh schon in der Region bist: Kennst du Christine Volm aus Sindelfingen? Sie ist eine Expertin in Sachen Wildpflanzen und bietet häufig geführte Exkursionen und Seminare, teilweise auch mit Kochkurs, an. Falls du sie noch nicht kanntest und es bei dir gerade „reinpasst“ ist dies ihre Seite: http://www.christine-volm.de/

    Viele Grüße!

  2. Eduard

    Besonders so persönliche Artikel haben immer eine gewisse Wucht. Und alles ist gut (oder ‚authentisch‘ wie wir heute sagen würden), alles hat seine Berechtigung. Aber es gibt Spannungen. Warum? Weil es immer Spannungen gibt. Sie drücken sich philosophisch-abstrakt gesprochen in der Diskrepanz zwischen relativer und absoluter Existenz aus. Diese Welt ist relativ, ja, „Nichts ist beständiger als Veränderung“. Aber Veränderung ist nicht beständig! Das sagt sich sonst immer so leicht dahin, aber alles hier vergeht (wie poetisch es Dichter auch ausdrücken mögen). Weil man es nicht oft genug sagen kann: es gibt hier nichts, das bleibt. Auch das noch so ökologisch produzierte Weizenkorn, die noch so nachhaltig produzierte Energie… Nicht dass das nicht wichtig wäre, wir müssen essen, brauchen Energie – doch was ist wenn es etwas gibt, das darüber hinausgeht? Dann befinden sich der Umweltschützer sowie der Ausbeuter auf der gleichen Ebene, eben der relativen. An diesem Punkt sagt u.a. die Religion, dass es durchaus etwas gibt, das nicht vergeht, eben eine absolute Existenz. Ich denke, die Bewusstwerdung der Psychologie, die Selbsterkenntnis der Philosophie oder die Gotteserkenntnis der Religion laufen alle darauf hinaus. Ich will das jetzt nicht weiter ausführen, aber bei so vielen Eurer Artikel habe ich mich gefragt: wie wollt Ihr das umsetzen ohne eine klare und praktische innere Kultur? Woher gerade auf gesellschaftlicher Ebene das Mitgefühl, das Verantwortungs-Bewusstsein, oder die Tiefe der Naturmystik nehmen? Oder nochmal anders gesagt: können unsere Sehnsüchte und Träume je voll und ganz Erfüllung finden, wenn nur diese vergängliche Welt zugrunde gelegt wird?
    Eduard

  3. Susie

    Hallo Michael,
    Auch ich bin schon seit geraumer Zeit stille Leserin Deines Blogs und kann mich den Kommentaren ober mir nur anschließen – der Gedanke von „Gescheitert“ ist auch mir nicht in den Sinn gekommen. Im Gegenteil – der „Ausflug“ in die Toskana war Dir zwar von Herzen vergönnt, hatte aber (für mich) den Beigeschmack von „viel zu früh am Ziel ankommen“ wo doch der Weg das Ziel ist ;-))
    Mit anderen Worten – mein Eindruck, dass Du ein sehr großes Bedürfnis hast Dich mit Deinen Ideen mit Gleichgesinnten zu vernetzen und Dein ständig wachsendes Wissen mit anderen zu Teilen, wurde durch den Entschluss zum lernenden Nomaden zu werden (sehr treffend ausgedrückt übrigens) somit bestätigt (wie schön für mich *g*) und ich wünsche Dir auf Deiner Reise alles alles Gute und viele liebe Menschen.
    DANKE – für die Zeit die Du uns restlichen Erdmitbewohner(innen) schenkst!
    glg Susie

    PS: Da ich zu zweit in einer – von meinem Umfeld liebevoll Schuhschachtel genannt – sehr kleinen Gemeindewohnung lebe, kann ich leider keinen Platz am 2sitzer Sofa anbieten – bin aber sicher hier finden sich genug, die das sehr wohl können und wollen.

  4. Charly

    Hey, ich bin schon sehr lange stille Leserin dieses Blogs und muss sagen das es für mich auch nie das war was du unter „gescheitert“ aufgelistet hast! Schön so viel Vielfältigkeit zu sehen und ja Pläne ändern sich nun mal ;) Ich finds auch sehr ermutigend zu sehen wie man mit immer neuen Wünschen und evtl Erkenntnissen umgehen und seinen Lebensweg anpassen kann. Viele neigen ja doch eher dazu im Gewohnten zu bleiben (natürlich aus vielen Gründen die häufig verständlich sind, aber es wäre doch schön, wenn viele mutiger ihren Weg gehen könnten).
    Eine Sache fand ich übrigens schade und zwar am Anfang. Ich finde es klingt teils ein bisschen so als würde jeder der seinen Traum lebt und anderen nicht ständig aktiev hilft nur „das beste für sich rausschlagen“. Aber Menschen sind halt unterschiedlich und manche tun halt lieber still kleine Dinge und anderen ziehen hinaus um Sachen weiterzutragen. Beides ist nicht jedermanns Sache und das ist auch okay so.
    Liebe Grüße

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo Charly,

      danke für Deine Worte. Ich habe im Artikel keine Aussage darüber treffen wollen, was andere tun. Ich habe versucht zu beschreiben, dass für mich ganz persönlich das Gefühl da war, dass ich damit nicht so viel helfe, wie ich das tun könnte, wenn ich woanders wäre.

      That’s it. :)

      Alles Liebe,

      Michael

  5. Sara

    Hallo Michael!

    Ich find es schön, dass du dich nicht auf einen bestimmten Weg „verkrampfst“ und somit offen bist für vieles Neue, was noch so kommen mag :)! Außerdem finde ich, dass gerade diese Themenvielfalt eures Blogs sehr ansprechend ist (also nicht nur „reine Selbstversorgungshemen“) – immer wieder konnte ich mir hier schon Anregungen holen, danke :)!

    Glg Sara

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