Gurkensamen selber machen

Michael Hartl
Von Michael Hartl
9. November 2011

Wir nehmen von so vielen Pflanzen wie möglich selbst Saatgut. Zum einen, weil wir damit selbst unsere Sorten selektieren können. Sprich, von Jahr zu Jahr werden die Sorten mehr auf exakt unseren Boden und unser Klima hier angepasst. Und natürlich auf Lagerfähigkeit und unseren Geschmack. Zum anderen spart es Geld – und bei einem umfangreicheren Anbau nicht gerade wenig!

Einer der wichtigsten Gründe ist aber, dass das Wissen und die Fertigkeit, eigenes Saatgut zu gewinnen, die Grundlage für die Ernährungssouveränität ist. Und in unserem Verständnis natürlich auch ein fundamentaler Teil der Selbstversorgung. Nun aber zur Gurke!

Gurken-Saatgut gewinnen

Wie bei den meisten Pflanzen wird auch bei der Gurke (hier eine Feldgurke) gewartet, bis sie die so genannte Samenreife erreicht hat. Dann ist die Feldgurke nicht mehr grün, sondern es geht ins gelbe oder braune. Die Schale wird dabei hart. Die Gurke ist dann weit über die sogenannte Genussreife hinaus.

Die vollreife Gurke wird dann geerntet und darf bei Zimmertemperatur noch zwei bis drei Wochen herumliegen. So haben die Samen Zeit zum Nachreifen. Das erhöht die Keimfähigkeit, was bedeutet, dass ein größerer Anteil der gewonnen Samen rasch und gut zu wachsen beginnt und gesunde Pflanzen hervorbringt.

Nach dieser Lagerzeit wird die Gurke halbiert.

Mit einem Löffel wird das Saatgut vorsichtig herausgeschabt. Dabei fällt auf, dass die einzelnen Samen von einer glibbrigen Schicht umgeben sind. Diese Schicht ist dazu da, dass die Samen nicht in der Frucht keimen. Der Glibber hält also das Wasser vom Samen fern. Was also in der Frucht durchaus Sinn macht, ist beim Aussähen dann aber unerwünscht. Da soll das Wasser ja an den Samen herankommen.

Also helfen wir uns mit einem Trick: Die Samen samt Glibber kommen in eine Schale mit Wasser. Diese darf dann ein bis zwei Tage bei Zimmertemperatur herumstehen. Wir warten auf eine Gärung, denn diese löst den Glibber von den Samen.

Wann es so weit ist erkennen wir daran, dass sich der Glibber vom Samen löst. Dann werden die Samen in einer großen Schüssel mit Wasser gewaschen. Sollte hierbei Samen auf der Wasseroberfläche schwimmen, können sie direkt aussortiert werden und auf dem Kompost landen. Sie sind „taub“ – werden also nicht keimen.

Die anderen Samen werden durch einen Sieb abgetropft und auf ein sehr sauberes Brett zum Trockenen ausgelegt. Sobald sie trocken sind, werden die Samen in einem Papiertütchen lichtdicht verpackt und mit Sortennamen und Jahr der Ernte beschriftet.

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15 Gedanken über “Gurkensamen selber machen

  1. Pingback: Jetzt heißt es wieder Saatgut selbst vermehren!

    1. Jan

      Wenn Pflanze veredelt = gepfropft werden, bedeutet das folgedens: Man hat zwei Pflanzen, die man jeweils auf halber höhe abschneidet. Dann nimmt man von der "robusteren / wilderen" den unteren Teil mit den Wurzeln und vom ertragreicheren Teil das Gegenstück und steckt/klebt diese Teile übereinander. Also stell dir vor du hast eine wilde Pflanze die stark wurzelt und schnell wächst, von der nimmst du die Wurzeln + halben Stamm. Dann nimmst du eine sehr nahe verwandte Pflanze die langsam wächst, dafür aber viel mehr Früchte produziert. Von dieser nimmst du wiederrum die obere Hälfte des Stamms. Beide Teile werden so beschnitten, dass sie ineinander passen. So werden sie dann auch gesteckt und von außen umwickelt, bis beide Pflanzen zusammengewachsen sind.

      Jetzt hast du eine Pflanze mit den starken Wurzeln der Wildpflanze und dem hohen Ertrag der anderne Pflanze. Beide Pflanzen sind verwachsen, der obere Teil kriegt vom unteren die Nährstoffe durch den Stamm. ABER: es sind genetisch gesehen immernoch zwei Pflanzen. Jede der beiden Hälften behält ihre eigene DNA dabei.

      Was bedeutet das für deine Frage?

      Du erntest die Früchte der oberen Hälfte und gewinnst aus diesen Samen. Die Pflanzen die sich aus den Samen entwickeln, wissen nicht, dass die Mutterpflanze verdelt / gepfropft wurde (sie bekommen von Seiten der Mutterpflanze nur DNA der oberen Hälfte, die untere Hälfte mit der anderen DNA hat genetisch keine Auswirkungen auf den oberen Teil der Pflanze). Die darauswachsenden Pflanzen ähneln also eher der oberen Pflanze bevor sie gepfropt wurde.

      Um es nochmal verständlicher zu formulieren: Angenommen, man könnte eine Sonnenblume auf eine Kürbispflanze pfropfen/veredeln (was mit Sicherheit in der Praxis nicht geht, es soll nur ein extremes Beispiel sein). Jetzt blüht die Pflanze, du sammelst die Samen und sähst sie aus. Aus den Samenwachsen keine Sonnenblumenkürbispflanzen sondern normale Sonnenblumen.

  2. Iris

    Für mich ist es einfach ein wunderbarer Kreislauf. Man erlebt SEIN Gemüse, vom Samenkorn bis zur Ernte und wieder zum Korn. Schöne Sache. Ich bin gerade dabei langsam mehr und mehr Gemüse komplett selbst zu vermehren und sehr glücklich damit.

    Tolle Artikel!

  3. Heike

    Mit Tomatensamen. Paprika usw.. habe ich das auch schon gemacht. Und es macht echt Spaß!

    Funktioniert das auch mit Gewächshausgurken? Weil da ist der Samen ja wirklich teuer.

    Kann man die überreife und harte Gurke überhaupt noch essen? oder gehört die dann auf den Kompost?

    @Imme,

    mich würde interessieren, wie du das mit deiner Möhre gemacht hast? auch wegen Fremdbestäubung….

    allerdings wegen 19 Cent die Packung…. lohnt es sich ja nicht wirklich. Bestenfalls der Versuch ob es überhaupt klappt. :-)

    LG Heike

    1. Imme

      @Heike

      Die Selbsterzeugung von Samen habe ich noch von meinem Vater gelernt. Ich bin ja in der Kriegs- und Nachkriegszeit groß geworden, und da gab es überhaupt keine Saat zu kaufen. Möhren sind zweijährige Pflanzen. Wir haben die Vorratsmöhren eingemietet. D.h. es wurde im Garten eine große Grube ausgehoben (unsere war mind. 3 x 4 m und 75 cm tief). Dort hinein wurde eine dicke Schicht Stroh gegeben. Dann kamen dort Rüben (für die Ziegen) und Möhren hinein, wieder eine dicke Schicht Stroh oben drauf und die Erde wieder drüber und festgeklopft, so dass ein richtiger Hügel entstand. Nach Bedarf wurde die Miete geöffnet und das Gemüse entnommen. So haben wir die Möhren überwintert. Im Frühling bekommen die gelagerten Möhren neue Blätter, und man kann sie dann einpflanzen. Über Sommer blühen sie und bilden Saat aus. Das ist alles. So wurde es auch mit Petersilie gemacht. Ich glaube sogar, dass die Möhren "rasserein" waren, weil es im ganzen Umkreis nämlich nur eine Sorte Möhren gab :-))

      Vor einigen Jahren hatte sich bei mir wohl ein Samenkorn der Petersilie zwischen den Terrassenplatten "verirrt" und war dort aufgelaufen. Ich habe die Pflanze stehen lassen und im nächsten Jahr Tausende von Samen geerntet – Petersilie kann man nie genug haben :-))

      Mein erster Versuch, Möhrensamen nachzuziehen, ist deswegen schief gelaufen, weil die Schnecken die eingepflanzte Möhre aufgefressen haben. Das zweite Mal hat es aber geklappt. Aus finanziellen Gründen lohnt es sich natürlich nicht, ich hab's aber aus Spaß gemacht, und weil ich meinem Enkel zeigen wollte, wie man so etwas macht. – Früh übt sich, wer ein Meister werden will :-))

      1. Heike

        @Imme,

        vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich werde es mal ausprobieren dieses Jahr! soviel Möhren hab ich zwar nie….. Aber der Versuch ist es wert. :-) du hast völlig Recht…. Schon allein damit meine Jüngste sieht wie es eigentlich zu funktionieren hat! Warscheinlich muss ich in die Grube noch etwas Kaninchendraht reinlegen…. Die Wühlmäuse freuen sich sonst. ;-))

        Samenreife…. Was stülpst du da rüber über die Blütendolde? Ich meine….. sonst reifen die Samen alle nach und nach und dann fällt der Samen sonstewo hin, der dürfte nicht auf mich warten. ;-)

        So erging es mir nämlich mit Kümmel, Senf und Koriander. Mullsäckchen war auch nicht die Erfindung… Oder ich hab da was falsch gemacht?

        Lg Heike

        1. Imme

          @ Heike – Ich stülpe gar nichts über die Dolden. Meist sind die Samen alle gleichzeitig reif. Wenn mal ein paar zwischen den Reihen keimen, macht mir das nichts. Bei mir ist sowieso nicht alles so ganz genau gerade, da dürfen schon mal ein paar Pflänzchen auch zwischen den Steinen wachsen :-)) oder irgendwo auf dem Weg!

          1. Heike

            @Imme,

            ich danke dir! Bei mir ist auch nichts so perfekt wie es andere Gärtner gern hätten…. ;-)) Aber ich wollte den Samen dann schon gern für das nächste Jahr sammeln….. darum meine Frage.

            Aber ich probiere es halt noch mal mit Mullsäckchen aus.

            1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

              Freut mich voll, dass ihr beiden Euch hier gut ausgetauscht hab – da gibts nichts anzufügen außer: Auf jeden Fall mal versuchen – es ist wichtig, dass wir alle lernen und üben unser eigenes Saatgut zu machen!

              PS: ab jetzt könnt ihr am Ende des Kommentars, zu dem ihr etwas schreiben wollt oder auf das ihr antworten wollt, auf "Antworten" klicken, dann wird Euer Kommentar als Antwort unter das beantwortete Kommentar gehängt. :)

              (Hab das mit Eurer Konversation hier mal nachträglich gemacht…)

  4. pro-edaphon

    Sehr schön beschrieben.Ich nehme an, ihr habt nur die eine Sorte, oder wie geht ihr gegen Fremdbestäubung vor? Oder lasst ihr euch überraschen?

    Ich habe das Wässern gerade mit Tomatensamen erstmals gemacht und hab diesmal schick sauber eingtütete Samen, statt einen Streifen Klopapier, auf dem die Teile noch mit ihrem eingetrockneten Glibberrest kleben. Geht echt gut.

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo pro-edaphon,

      wir haben bei manchen Pflanzen nur unsere Hofsorte, bei anderen nehmen wir dann mal ein Jahr eine andere Sorte mit rein, von der uns bestimmte Sorteneigenschaften interessieren, so dass sie sich ein wenig einkreuzen können. Danach heißt es dann natürlich wieder selektieren und auswählen. Über diesen Themenkomplex (Ernährungssouveränität, Saatgut, …) werden wir auf jeden Fall auch noch öfter schreiben. ;)

      Super, dass das bei Dir mit den Tomatensamen geklappt hat!

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