Gebäude einfach wachsen lassen!

Ein Buch über Naturbauten aus lebenden Gehölzen

Michael Hartl
Von Michael Hartl
21. Mai 2014

Am neuen Grundstück haben wir am Ende des Winters viele Weidenstecklinge in einem Kreis in den Boden gesteckt. Die meisten sind angewachsen und treiben gut aus. Sieht jetzt ein bisschen ungewohnt aus. Aber es war unser erster Versuch, ein Weidentipi zu konstruieren. Denn so ein Weidentipi würde mehrere Funktionen in einem erfüllen, so unsere Überlegung. Ein schattiger Ort fürs Picknick und ein Kinder-Spielplatz auf der einen Seite; auf der anderen Seite werden sich aber auch jedes Jahr Weidenruten ernten lassen, die ich fürs Korbflechten brauche und um Weidenwasser für ein besseres Anwurzeln der Jungpflanzen herzustellen.

So sieht das derzeit aus…

Foto von austreibenden Weidenruten für ein Weidentipi

Mittlerweile haben wir uns ein Buch zum Thema besorgt: Naturbauten aus lebenden Gehölzen von Konstantin Kirsch. Ein sehr visionäres Buch, das einlädt, von einer Zukunft zu träumen, in der zumindest viele der zukünftigen Gebäude lebendig sein könnten! Dazu zeigt Konstantin Kirsch, was die Vordenker dieser Bewegung vor über hundert Jahren erdacht und ausprobiert haben. Er zeigt lebende Zäune, Lauben, einfache Häuser, größere Nutzbauten und auch wachsende Brücken!

Wie wir im Buch sehen können, werden eigentlich schon bei der Anlage der Naturbauten viel längere Ruten verwendet, als wir das nun gemacht haben. Wir dachten, die Triebe dann zu verflechten… wird aber eh auch gehen! ;)

Foto aus einem Buch, auf dem die Pflanzung eines Hauses aus Eschen zu sehen ist.

Aufbau des Buches

Zu Beginn des Buches gibt der Autor einen Überblick darüber, wieso sich überhaupt Naturbauwerke erzeugen lassen. Also wann und warum Gehölze verwachsen, wie wir dies so anlegen können, dass aus lebendem Holz Flächen werden und wie damit Räume, Dächer und Platz für Türen und Fenster entstehen können.

Danach geht er darauf ein, was sich auf diese Weise alles gestalten lässt. Als konkrete Beispiele zeigt er dabei Zäune, kleinere Gebäude, Wohnhäuser, Brücken und Stützwände für Abhänge und Terassen. Als dritten Teil des Buches geht er sehr ausführlich auf verschiedenste bestehende Beispiele ein und teilt die Ergebnisse seiner Literatur-Recherchen. Natürlich ist auch Platz für eine gute Auflistung besonders geeigneter Baumarten, wie Esche, Weide und Linde, und einen Ausblick, wohin uns die Reise mit lebendigen Gebäuden führen könnte.

Fazit

Das Buch ist auf jeden Fall eine große Hilfe, um zu verstehen, wie sich verschiedenste Strukturen aus Pflanzen herstellen lassen. Oder besser, wie wir sie so pflanzen und verbinden, dass sie zu dem Objekt heranwachsen, das wir uns vorstellen. Er zeigt viele Beispiele und Anregungen und hat zumindest bei mir dafür gesorgt, dass ich damit mehr und mehr spielen möchte. Eine Art mit der Natur zu wirken, die zwar viele Jahre Zeit braucht, aber damit viel mehr im Einklang mit der Natur ist.

Konkrete und vor allem detaillierte Anleitungen fehlen allerdings, da es einfach insgesamt viel zu wenig Erfahrung damit gibt.

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Naturbauten aus lebenden Gehölzen

Hast du bereits lebende Gebäude oder Zäune gesehen? Oder sie selbst angepflanzt? Wir freuen uns auf deine Erfahrungen in den Kommentaren!

kurz und knapp
Datum
bewertet
Buch: Naturbauten aus lebenden Gehölzen
Wertung
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10 Gedanken über “Gebäude einfach wachsen lassen!

  1. Esti

    oh wie spannend….. ich liebe Weiden!!!… vor 3 Jahren habe ich uns eine Kopf/Korbweide in den Garten gepflanzt. Dies, weil ich mal an einem Weidenflecht-Kurs war. Fand das so etwas schönes, entspannendes, überhaupt, die ganze Pflanze ist einfach was ganz besonderes. So schneide ich nun jeden Spätwinter die Zweige, und habe in Zukunft eigenes Flechtmaterial.
    Diesen Frühling habe ich die geschnittenen Weidenäste um unseren ehemaligen Natur-Sandkasten gesteckt. Daraus soll eine kleine Laube/Erdnest entstehen. Für unsere beiden Jungs, aber auch für mich und meinen Mann. Alle Stecklinge sind schon wunderschön grün.
    http://buntix.blogspot.ch/search/label/Weide

    Und falls dann mit den Jahren das ganze mal nicht mehr grün sein sollte, dann merke ich mir den Tipp von Monya, und werde es dann aber vermutlich mit Waldreben bepflanzen.

    Ich bin gespannt auf weitere Weiden-News.
    Herzliche Grüsse
    Esti

  2. Stefan Shin Vedis

    Super! Vielen Dank! Grade erst gestern habe ich diesen neuen Bericht über Konstantin Kirsch und seine „Waldgartenhäuser“ gesehen! http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?jmpage=1&rubrik=18740&mediakey=fs%2Fhessentipp%2F2014_05%2F140516193307_ht_ganz_30491&type=v&jm=1&key=standard_document_51757823
    Der Bericht ist erst vor einigen Tagen erschienen und damit der aktuellste den es von ihm gibt! lieben Gruß, Stefan

  3. frau siebensachen

    meine erfahrungen mit weiden sind gemischt. ich habe eine große weidenhütte für die kinder gebaut, das ging sehr gut, hat spaß gemacht und sie sind gut angewachsen. es ist auch sehr stabil geworden, sodaß sogar 13jährige oben drauf klettern können. doch seither (7 jahre) verkahlt das weidenhaus von unten her immer mehr und es ist nahezu unmöglich, wieder grün in den unteren bereich zu bekommen. so ist es halt sehr ‚durchsichtig‘ und erfüllt seinen eigentlichen zweck, ein schlupfwinkel für die kinder zu sein, nicht.

    1. Monya

      Hallo Frau Siebensachen! :-)

      Ich habe mir dieses Jahr Jiagoulan – Pflanzen gekauft.
      Sie sahen sehr mickrig aus, als ich sie in den Balkonkasten gepflanzt hatte.
      Das war Anfang April.
      Aber jetzt hat er schon die halbe Rankhilfe eingenommen. Der ist total irre! :-)
      Wenn er so im Balkonkasten abgeht, wie wird er erst ausrasten, wenn er in Gartenerde steckt. ;-)

      Klasse find ich, daß ich ihn (auch einzelne Blätter) ernten kann und in meinen grünen Smoothie packen, oder trocknen und als Tee verwenden oder auch für Kräuterlimo nutzen kann.
      Saugesund isser auch noch.

      Er ist winterhart bis -18Grad und unglaublich genügsam.
      Und genau so irre, wenn es darum geht etwas zuzuwuchern.

      Wäre vielleicht eine Idee, ihn unten herum zu pflanzen. (Man kann übrigens auch ganz einfach Stecklinge davon ziehen.)
      Er wird sich sicher an den Weiden hochranken, als gäbs kein Morgen.

      Google mal danach.

      Also ich liiiiiiebe ihn, falls man das noch nicht bemerkt hat. ;-)

      Viel Freude

      Liebe Grüße
      Monya

    2. Alexander Rohde

      Sollte es da nicht reichen, sagen wir mal jeden zweiten oder dritten Stecken so 20cm über dem Boden abzuschneiden und ihn so zum wieder austreiben zu veranlassen? Weiden wachsen ja wie wild, aber eben tatsächlich nur nach oben. Ich würde daher mir für jedes Jahr ein paar der Stecken vornehmen und diese zum Neuaustrieb zwingen. So wird das ganze auch unten herum sehr dicht.

      1. Michael HartlMichael Beitrags Autor

        Und ein weiterer Faktor bei der Idee, so wie sie im Buch dargestellt wird, ist ja, dass es auch ein Dickenwachstum der Stämme gibt. Wenn also die Ruten am Anfang dicht genug gesteckt werden, verwachsen nach einiger Zeit die Stämme. Dann soll es eine dichte Wand werden.

        1. Markus Teni

          Hallo Michael !

          Auf den ersten Blick eine feine Sache. Allerdings stellt sich für mich eine grundlegende Frage: Wie sinnvoll – und natürlich – ist es, lebende Geschöpfe in eine Form zu zwingen, die sie unter normalen Umständen niemals annehmen würden? Auch denke ich nicht, daß Bäume eine „dichte“ Wand ergeben, wenn man sie nur nah genug aneinander setzt. Diese „Massenpflanzenhaltung“ bewirkt auf Dauer folgendes: Die stärkeren Bäume setzten sich gegen die Schwächeren durch und nehmen ihnen den Lebensraum. Und ein lebendes Geschöpf (wie ein Baum) ist für ein Haus (statisches System) nach nicht nur westlichen Maßstäben nur bedingt geeignet. Da ich beruflich im Baugewerbe tätig bin, mache ich sehr oft die Erfahrung, daß Menschen so lange von einer naturnahen Bauweise begeistert sind, bis sie selber zu bauen beginnen !?!

          Zum Abschluß noch ein Satz, den ich auch meinen Kunden des Öfteren mitgebe: “ Das Bauen von Luftschlössern kostet nichts, aber ihre Zerstörung ist teuer.“

          Bei Interesse kann man auch gerne einen Blick auf meine Internetseite werfen oder mich persönlich kontaktieren: http://www.ib-teni.at.

          LG
          Markus

          1. Michael HartlMichael Beitrags Autor

            Hallo Markus,

            ich finde die Idee einfach interessant und ich glaube mit Sicherheit, dass es hier Grenzen des machbaren gibt.

            Was wir mit Bäumen, anderen Pflanzen, Tieren und Mitmenschen tun dürfen oder lassen sollten, ist eine interessante ethische Frage. Muss ich mir zum Thema „gewachsene Gebäude“ mal Gedanken machen. Danke für die Anregung!

  4. Anett Haase

    Hallo Ihr Lieben!
    Erstmal großes Lob für das fantastische Kochbuch an Lisa. Nun zu diesem Thema: Weiden sind toll, damit gelingt ein Tipi etc schnell und man kann früh auch die Ergebnisse „nutzen und geniessen“, da es einfach rasant schnell wächst.
    Was man aber immer besonders beachten sollte:
    Weiden benötigen VIEL Wasser, und sie neigen dazu, ihre Wurzeln zu allem, was Wasser führt, hinwachsen zu lassen, und das kann dann auch gern die Wasserleitung oder Abwasserleitung sein. Da ihre Wurzeln viel Kraft besitzen, zerstören sie diese und nach ein paar Jahren hat man das Dilemma.
    Auch sollte man sie aus oben genannten Gründen nur dorthin setzen, wo man nicht gerade das wasserintensive Gemüsebeet plant oder der Obstbaum sein Wasser für die Früchte braucht, da der flacher wurzelt als eine Weide. Ergo: Dort auf dem Grundstück planen, wo nichts passieren kann, in abgelegeneren Bereichen oder mitten auf der großen Wiese. Ansonsten: Immer drauf los!

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