Eine Gedenkminute an Weihnachten…

Sklaverei ist keine Geschichte.

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
24. Dezember 2014

Mehr als die Jahre davor, bekomme ich heuer die Konsumbeschallung in der Weihnachtszeit mit. Die Konsumsucht (vlg. Niko Paech) herrscht ja das ganze Jahr, aber an Weihnachten ist es besonders schlimm. Aber was rede ich, ihr wisst ja was ich meine.

Besonders beschäftigen mich dabei in den letzten Tagen, all die Menschen, irgendwo auf der Welt, die unsere Konsumgüter produzieren müssen. Egal ob der Abbau von Rohstoffen oder in irgendeiner produzierenden Fabrik. Und ja, ich schrieb „müssen“, weil es unter ihnen noch heute Sklaven und Sklavinnen gibt. Auch Kinder.

Die moderne Sklaverei

Das bedeutet tatsächlich, dass sie müssen. Das sind keine Menschen, die sich „freiwillig“ versklaven lassen, weil sie sich ein besseres Leben erhoffen. Es sind Menschen, die zum Beispiel als Kindern ihren Familien weggenommen worden sind. Diese Menschen kennen es gar nicht anders, als ihr Leben lang 16 Stunden am Tag Steine zu schleppen, in hochgiftigen Quecksilberpfützen nach Edelmetallen zu suchen oder mit bloßen Händen Textilien in giftigen Farbbottichen zu färben. Edelmetalle, die sie niemals selbst verwenden werden, Kleider, die sie niemals selbst tragen werden.

Mich überkommt in den letzten Tage immer wieder Traurigkeit, wenn ich realisiere, dass fast jedes „Ding“, das ich täglich in die Hand nehme, höchstwahrscheinlich irgendetwas mit diesen Menschen zu tun hat.

Das ist zwar alles nicht neu für mich. Jedoch vergisst man es all zu schnell wieder, wenn man länger nicht an diese Menschen denkt. „Das weiß ich doch alles.“ Und dann fällt man in einen Alltagstrott und schon reisst die gedankliche Verbindungskette zwischen dem, was man kauft und denen, die sich dafür schinden müssen.

Selbst, wenn ich immer denke, dass ich vor „unnötigem“ Konsum gefeit bin, beweise ich mir selbst immer wieder das Gegenteil. Wie ich aber erst jetzt merke :) Ist gar nicht so einfach, aber auch nicht unmöglich da umzudenken… Immer wieder kann ich mir sehr gut Dinge zurecht reden, die ich brauche, wo ich dann aber vergesse erst mal nach zu gucken, ob ich das auch gebraucht bekommen. Es ist eben ein Übungsprozess… Und es soll uns auch noch gut gehen dabei. Es ist auch ein immens befreiender Prozess zu lernen, was man alles nicht braucht und wie ich dadurch „entlastet“ werde. Weil ich den „Ballast“ gar nicht erst anschleppe…

 

In Gedenken an die versklavten Menschen…

Ich möchte diesen Menschen gedenken und ihnen versprechen, dass ich sie nicht vergesse. Dass ich mich gegen die Verführungen der Konsumwelt wehren und der Welt von ihnen erzählen werde.

Ich denke auch an alle Lebewesen, die unter unserem Konsum zu leiden habe. An die Bäume, das Meer und unsere Flüsse. An die vertriebenen Wildtiere, an die eingesperrten „Nutz“tiere…

Trotz all dem, bin ich dankbar zu sein. Dafür, dass es mir gut geht und ich den Wohlstand einer erstklassigen Medizin genießen darf. Dafür, dass ich noch keinen Krieg am eigenen Leib erleben musste oder für irgendetwas verfolgt wurde…

Wir alle streben nach Glück. Und nicht weniger als das, verspricht uns die Werbung.
Darum kann ich niemandem und auch nicht meinem „früheren unwissenden Ich“ böse sein. Wir müssen nur lernen, dass Glück nicht das ist, was uns in der Werbung eingeredet wird. Glück ist nichts, woraus andere Kapital schlagen können. Niemals.

Ich wünsche besinnliche Tage.

Übrigens: Eine nette Idee am Rande: Zeit statt Zeug!

Interessanter Link: Lisa Kristine über moderne Sklaverei.

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

24 Gedanken über “Eine Gedenkminute an Weihnachten…

  1. Katharina

    Superschön! Ich denke auch oft an diese Menschen, besonders wenn es um Kleidung geht. Ich nähe selber und wenn ich an einem gekauften Shirt zb. sehe, dass der Näherin am Saum der Faden abgerissen sein muss und sie die Naht neu ansetzen musste, habe ich unweigerlich das Bild von jungen, indischen oder chinesischen Frauen vor mir, die 12 Stunden am Tag in einer stickigen Fabrik für einen Hungerlohn nähen müssen.

    Da mir das so sehr zuwider ist, ist es mein Fernziel meine gesamte Kleidung, Wohntextilien und – wenns soweit ist – auch die Kinderkleidung selbst zu nähen. Wenn ich zb ein Shirt anhabe von dem ich weiß, dass es nicht durch die Hände einer 12jährigen Chinesin gegangen ist fühle ich mich den Menschen die unsere Konsumgüter herstellen auch insgesamt verbundener.

    Klar beute ich durch meinen Konsum immernoch Menschen aus, die Rohstoffe abbauen, die Elektronik herstellen, die Möbeln bauen usw. Aber es würde viel helfen, wenn jeder 1st-world Mensch einen kleinen Teil seiner Konsumgüter nicht mehr kaufen sondern selber machen würde!

  2. Philipp84

    hallo Lisa, sehe das auch genau so. Auch wenn ich viel arbeite und immer verleitet bin neues zu kaufen und gerade zu Weihnachten mir furchtbar schlecht wird, wenn ich den Geschenkeberg sehe möchte ich auch etwas ändern. Am liebsten lebe ich in meinem alten Haus , mache alles selber und wieder heil, heize mit eigenem Holz vom Feld usw. :) Ein toller Gedanke den man unbedingt pflegen sollte! Schön zu wissen dass es so Menschen wie Dich gibt. Grüße

  3. herman

    hab mir vor ca 3 j. mit fast 60 j. die erste waschmaschine gekauft- war ein bewährtes modell- kostete mich 4o€ an eine bedürftige frau und einige std .arbeit-ich zieh jetzt noch mal um und das teil passt nicht durch die badezimmertür ! wär ein grund, was modernes, schmales zu kaufen—aber muss das wirklich sein? hab mit freunderl´`n geredet….im keller aufstellen, durchs fenster reinwuchten, in die küche? probleme sind da zum(gemeinsam) lösen !
    Euch allen ein gutes neues jahr! euer he

  4. Nicole Vlachoyanni

    Liebe Lisa, vielen Dank, dass du uns „aufweckst“! Dieser Artikel ist wirklich sehr gut, um uns zu einem bewussteren und verantwortungsvolleren Leben zu ermutigen und uns zum Nachdenken über unser eigenes Konsumverhalten zu verleiten!

  5. Pingback: Endlich mal wieder: Links zum Wochenende. | ringelmiez

  6. Eva

    Ohjah, dieser ganze schnick-schnack und Konsum.
    Ich wäre nicht auf eurer Seite, wenn ich mir darüber keine Gedanken machen würde. Und dennoch wünschte ich mit zu Weihnachten das ein oder andere High-Tech Gerät. Und dann ist es da und ich fange an zu grübeln ob es mich nun bereichert oder belastet.
    Ich glaube es ist beides.

    Es hat seine Vorteile z.B. morgens mit einem Tageslichtwecker sanft geweckt zu werden und frischer in den Tag zu starten….Was wäre die Alternative? a) weiter wie bisher morgens schlecht rauszukommen b) Im Winter später beginnen zu arbeiten.
    a….find ich blöd
    b….naja, wenn das mal so einfach wäre….das wäre möglich, wenn ich selbstständig wäre, aber selbst dann wäre das nicht so einfach, denn das Geld will verdient werden und dazu wiederum muss ich mich an einige Regeln der Gesellschaft anpassen.
    Deswegen ist der Wecker als Beispiel, vielleicht doch das kleinere Übel, macht mich aber auch darauf aufmerksam, dass der Weg noch weit ist. Aber der Weg ist ja bekanntlich auch ein Ziel.

    Zweites Beispiel ist da eine recht exklusive Küchenmaschine. Eigentlich bin ich der Meinung, wenn ich z.B. Hefeteig mit den Händen knete, dann habe ich eine schöne Beschäftigung, Bewegung und Genuss das Ziel zu erreichen. Maschinen machen da nur faul.
    ABER da ich leider nicht jeden Tag Zeit habe, alles was ich möchte so zu machen wie ich gerne würde, nehme ich mir die Hilfe einer Maschine und kann damit dann aber viel viel viel mehr noch selbst machen, weiß was drin ist und habe dann auch wieder Lebensqualität gewonnen. Weil sich dadurch eben mehr ändert, als nur das bisherige schnell und einfacher herzustellen, sondern auch Neues zu entdecken und letztendlich „naturnaher“ zu kochen….Bisschen quer….naja, was meint ihr dazu?

    Trotzdem mache ich mich mehr und mehr abhängig von der Technik….weiß nicht wirklich, welche Strahlung dahinter steckt und was sie mit uns anstellt und unterstütze sicher auch wieder ungewollt miserable Herstellungsbedingungen.

    Ich wünsche euch eine schöne Zeit zwischen den Jahren und Danke euch sehr für eure Gedanken und dass ich hier das Gefühl habe auch den richtigen Platz zu finden für meine Gedanken.

  7. Anton Berendi

    Der Film von Lisa Kristine ist schwer erträglich und Sklaverei ist keine Geschichte, gerade jetzt und heute nicht. Dessen sollten wir uns bei unserem grenzenlosen Konsum bewußt sein, es ist jede/r gefragt.

    KARL KRAUS
    An den Bürger

    Daß im Dunkel die dort leben,
    so du selbst nur Sonne hast;
    dass für Dich sie Lasten heben,
    neben ihrer eignen Last;
    dass du frei durch ihre Ketten
    Tag erlangst durch ihre Nacht:
    was wird von der Schuld dich retten,
    dass du daran nie gedacht!

    Ausgewählte Gedichte, S. 116
    Zürich/New York : Oprecht, 1939

  8. Annika

    Danke, dass du deinen Blog nutzt, um diese Gedanken zu äußern. Mir geht es gerade in den letzten Wochen ähnlich, u.a. durch diverse Dokumentationen, die die Missverhältnisse deutlich machen (ich empfahl bereits Cowspiracy, neulich sah ich über pro-vegan zudem ein Bericht über Lederherstellung, bei Spiegel-online eine Doku zur Kleidungsherstellung…). Es bleibt zu hoffen, dass mehr Menschen hinschauen und entsprechend ihr Handeln ändern. Ebenfalls noch schöne Weihnachtstage!

  9. Peter

    „Zeit statt Zeug“ ist für mich ein alter Hut, achteinhalb Jahre alt um genau zu sein.

    Damals kam meine Nichte auf die Welt, und ich als baldiger Onkel bekam von den Eltern schon vorher Geschenkkaufverbot – wenn dann was Selbstgebasteltes oder einen Gutschein für ein tolles Erlebnis (im kindgerechten Umfang, d.h. in maximal 2h einfach Reisezeit um das Heim, und um acht abends wieder zu Hause).

    Nachdem ich eh schon jeden freien Sonntag dort, und dann Hüpfburg und Trampolin oder Fahrradtourenbegleiter bin, werden es immer sehr ausgesuchte Ausflüge, in eine Fledermaushöhle, zu einem Wasserskiwettbewerb, oder ins Eisenbahnmuseum nach Nürnberg.

    Einmal hab ich ihr als fast 2jährige Krabblerin so ein hölzernes VW-Käfer ähnliches Holzauto mit dicken runden Holzrädern geschenkt, das auch als Massageroller durchgehen könnte und später auch sicher so benutzt wurde, giftfrei, heimisch hergestellt, mit FSC-Zeichen, die volle Wäsch halt.
    Sie hat es ausgepackt, und dann über eine Stunde am Stück hingebungsvoll gespielt – mit dem Raschelpapier und der Schachtel mit dem knisternden Zelluloid-Fenster… :D Na, ich hab daraus gelernt.

    Und für den Spruch „Und nicht weniger als das, verspricht uns die Werbung.“ ja, da könnte man Euch herzen, das Prinzip Werbung stellen nicht mehr viele in Frage.
    Nur sollte man dann so konsequent sein, die Werbung vom eigenen Blog verschwinden zu lassen ;) ;) ;)

    1. Michael HartlMichael Hartl

      Lieber Peter, ja, mit der Werbung überlegen wir ständig…. irgendwie müssen eben die Kosten für die Seite gedeckt werden.

      Wir überlegen verschiedenes und es würde mich freuen zu lesen, was du für gut empfinden würdest:
      – weitere Bücher schreiben, auf die wir dann schon auch hinweisen
      – Ebooks, die man um 1,50 Euro runterladen kann
      – Ein jährliches Crowdfunding, das die Kosten der Website deckt

      Gerne weitere Ideen oder Meinungen dazu! :)

      1. Peter

        > – weitere Bücher schreiben, auf die wir dann schon auch hinweisen

        Ware gegen Geld, hört sich gut an, solange wie der Verlag Euch was lässt.

        > – Ebooks, die man um 1,50 Euro runterladen kann

        Eigentlich kaufe ich nur Fachbücher als Ebooks, weil ich die eh nur am PC lese und diese gerne durchsuchbar habe. Den Index über mehrere Bände im Kopf wie beim Meyberg/Vachenauer, Bronstein,/Semenjajew oder dem Niemann, das geht schon länger nicht mehr – Kopf zu klein.

        Das teuerste Ebook was ich habe ist umgerechnet 45 € (nach einem Probekapitel als PDF) – es war mir eine große Hilfe und „Schuhlöffel“ in ein mir bis dato neues Thema.

        Es muss nicht „billig“ sein, sondern preiswert. Laberbla für 1,50€ oder „free and biased“ davon gibt es jede Menge. Oder was ist von einem Maggi-Kochbuch zu halten, wo man für jedes Rezept drei Packerl von Maggi aufreissen muss?

        Wieder aus dem Fachbuch-Bereich: Der Javascript-Papst Douglas Crockford hat ein“Buch“ geschrieben, was soviel kostet wie ein normales O’Reilly Buch, aber nur 1/3 so dick ist. Manche motzten schon Mogelpackung. Ich nenne es Kondenswissen. Kurz. Auf den Punkt.

        > – Ein jährliches Crowdfunding, das die Kosten der Website deckt

        …ist der Grund warum ich Wikipedia nicht mehr benutze. Die betteln auch 1/6 des Jahres… und können aber Spendenquittungen ausstellen.

        Der Hinkefuß ist die Onlinebezahlung. Typen wie ich, die ebay/amazon/paypal verweigern, haben Probleme so etwas zu beziehen. Auch wirst du dich wundern, wie viel an Gebühren etc in solchen Bezahlsystemen, der Buchhaltung und der Steuerberatung versickern. Ein Onlineprodukt (Dienstleistung) für 5€ über PayPal und mit der guten alten Papierbuchhaltung und Steuerberater lässt Dir Pi*Daumen 70¢ netto. Da halte ich E-Books für 1.5€ für wenig ergiebig, bis negativ ertragreich. Da kann man es auch gleich herschenken, oder? (Wenn man alles online macht und der Stb/die Buchhaltung Vollzugriff auf das PayPalkonto hat geht es besser und wirft mehr ab, aber man hat halt dann seine finanziellen Testikel in jemandes anderen Schlinge…)

        Ich kann Euch nur raten, Euch vorher mit StB und Buchhalter zusammenzusetzen, und *vorher* für jedes Bezahlmodell einen Prozess zu definieren. Und durchzukalkulieren. Das muss vorher stehen!

        Es ist ja z.B. denkbar, dass ihr personalisierte ebooks gegen Rechnung verschickt.
        Kunde kriegt UUID(Seriennummer) , zahlt mit UUID(Seriennummer) im Verwendungszweck,
        das Rohbuch ist bei Euch, und vor dem Versenden wird es „personalisiert“ kriegt eine Widmung „für XY von ABC, (Kundenbindung) und eine UUID(Seriennummer) als Zahl und QR-Code auf Seite zwei, da wo naormalerweise steht Verlag, Ausgabe 1 etc.pp.
        Letzteres ist zumindest eine moralische Bremse, das Ebook gleich bei der nächsten Tauschbörse einzustellen, da man feststellen kann, *wessen* Kopie es ist.
        Machbar, wenn jeder von Euch der versendet ein PDF-Buch binden kann (also ein Skript aufrufen kann).

        Was der Ingenieur in mir sagt: Was hast du unternommen, um die Hostingkosten so niedrig als möglich zu halten? Welche Sachen brauchst Du zum Betrieb? Welche nicht? Muss es WP sein? Eine statische Website könnte man für 12€/a betreiben! Aber dann müssten alle Autoren damit umgehen können. Ich hab keine Ahnung wie Eure Prozesse und Datenflüsse ausschauen, das weisst wohl nur du…

      2. Pia Selina DammPia Damm

        Ich fände ein Crowdfunding richtig gut. Das zeigt, dass Projekte laufen, wenn sie bedingungslos und solidarisch undterstützt werden. Das macht außerdem selbst ja schon richtig viel Werbung.

        Oder: Direktunterstützung durch einen grünen Öko-Hoster, der auch webspace zur Verfügung stellt – beispielsweise Greensta, die unterstützen zur Zeit auch living utopia.

        Allerdings weiß ich nicht, wofür alles Kosten anfallen und weiß deswegen auch nicht, ob eine Direktunterstützung das alles abdecken könnte. Ich weiß nicht, ob die Kosten hier auf dem Blog schon transparent öffentlich gestellt sind, aber das wäre vielleicht auch noch ein schöner Step…

        … so weit kurz meine Gedanken :)

  10. Pia Selina DammPia Damm

    Danke, Lisa, für den Artikel! Mir geht es ähnlich: Wenn ich an all das Leid, die Ausbeutung und Herrschaftsstrukturen denke, werde ich an den „Weihnachtstagen“ einfach nur traurig…
    Hinzu kommt bei mir noch der Gedanke des „warums“ – ich vermute, die wenigsten Menschen feiern Weihnachten noch aus religiöser Überzeugung.

    Deswegen haben wir vor einem Jahr nach einer Alternative gesucht und ein Modellprojekt gestartet: das alwizuko (alternatives Winterzusammenkommen). Dieses Jahr wird es in Heidelberg und Chemnitz von zwei Menschen multipliziert. Und hier in Hannover in einem wunderschönen Jugenzentrum, das Schließzeit hat dürfen wir schon alles vorbereiten und mit 20 Menschen eine Alternative zu diesem Konsum-Ankurbel-Fest leben. Es macht mich glücklich, Menschen diese Möglichkeit geben zu können.

    In unserem Winterzeit-Newsletter möchten wir auch ganz konkret Alternativen aufzeigen: http://us9.campaign-archive1.com/?u=d881b32e3260e9b3e60b57a03&id=49677a714d&e=5d2316c4a4
    Vielleicht möchte die ein oder der andere ja mal rein schnuppern :)

    Euch winterlich-sonnige, ruhige, reflexive und besinnliche Tage.

    1. Dani Gutmann

      Danke Lisa. Danke Pia!
      …für eure Worte und euer Handeln.
      Ich wohne zurzeit ja in der Stadt und da ist es fast unmöglich, diesen Weihnachts- Geschenke-WAHNsinn zu umgehen. Dieses Jahr hat es mich wirklich traurig gemacht, die Menschenmassen in ihrer Konsumsucht zu sehen.
      Ich selbst habe heuer keine Geschenke verteilt, weil mir dies nicht richtig und auch nicht wichtig vorkommt. Vor allem auch könnte ich nicht Dinge kaufen, von denen ich weiß, wie und wo und unter welchem Leid diese hergestellt wurden. Leider verstehen viele Menschen in meiner Umgebung nicht, warum ich so handle. Und viele davon versuchen noch immer mir eine Freude zu bereiten, in dem sie mir Dinge schenken, die ich nicht brauche. Das macht mich traurig und somit befinde ich mich in einem Zwiespalt, denn ich möchte meinem Gegenüber nicht enttäuschen, in dem ich zeige was ich empfinde – ich denke an die Menschen, die diese Dinge produziert haben, welche Unternehmen dahinter stehen, welche Gewalt an die Natur, welch Sklaverei und Ungerechtigkeit. Wie soll man da reagieren?
      Ich bin dabei, meinen „Besitz“ immer mehr zu minimieren (weil es mir gefällt mit wenig gut leben zu können und weil es sich leichter anfühlt), und wenn dann noch etwas ungewolltes dazu kommt ist dies eine Last für mich, denn es wurde bereits gekauft (manche Sachen kann man zurückgeben, aber andere dann wieder weniger bzw ist es schwieriger), es wurde mir „geschenkt“ und vll auch etwas aufgedrängt. Das klingt schrecklich, vorallem wenn ich an die Lieben denke, die mir somit einfach ihre Liebe zeigen möchten. Aber im Prinzip genau das Gegenteil machen, weil sie in irgendeiner Weise gegen meine Lebensweise vorgehen.

      Um diese Nachricht langsam mal abzuschließen, frage ich euch – wie geht ihr mit solchen Situationen um? Wenn ihr eigentlich garnichts materielles braucht, es euch aber geschenkt wird? Wie fühlt ihr euch dabei? Gibts da nen Weg, in dem jede/r zufrieden da steht?

      Alles Liebe euch allen :)
      Daniela

      1. Lisa PflegerLisa Pfleger Beitrags Autor

        Hallo Dani!

        Ohje, das klingt nach einer blöden Zwickmühle. Einzig eine Tante „konnte es heuer wieder nicht lassen“ es gut zu meinen. Dafür hatte sie aber zum ersten Mal ein schlechtes Gewissen und wir haben uns darauf geeinigt, dass ich mir einfach nächstes Jahr was von ihr wünsche (wird wohl ein Buch, dass ich in der Bibliothek nicht bekomme, oder was zum Essen. Essen ist immer gut :D) Darauf haben wir glücklich eingeschlagen.

        Zu deiner Situation… Sprichst du viel über das Thema? Ich selbst bin bisher eher der Typ gewesen, dass das meiste in meinem Kopf abgeht und ich mit Freunden und/oder Familie nicht so viel darüber spreche. Vielleicht hilft das aber… Weißt du was ich meine? Vielleicht musst du es deinen Liebsten gar nicht so direkt sagen, wenn du Angst hast sie zu verletzen. Möglicherweise geht das auch indirekter: Wenn du einfach ständig davon sprichst, dass es dir viel Spaß macht auszumisten, wie frei du dich dabei fühlst und wie die „Kleinkram“ belastet… Wenn sie das immer wieder hören, dann muss es ja mal Klick machen. (Vielleicht sprichst du nicht darüber, kurz nachdem dir was Materielles in die Hand gedrückt wurde :D)

        Ich glaube das kann funktionieren. Auch bei Menschen, die man vielleicht nicht so oft sieht… Reicht ja schon am Telefon: „Hallo Oma! Ja gut geht’s mir. Besonders heute, ich habe so viel ausgemistet… Weißt du, Krempel belastet mich nämlich. Bla bla…“

        Bei mir war es auch ein längerer Prozess, da ich sehr konfliktscheu bin (ich arbeite aber neuerdings daran, mich nicht anzupassen und meinen Standpunkt klarzumachen… so sensibel und gewaltfrei wie möglich). Wurde aber immer besser.

        Ansonsten nimm dir die „gewaltfreie Kommunikation“ zu Herzen. Die funktioniert nämlich auch, wenn man die Einzige ist, die das übt :) Du bietest damit weniger Angriffsfläche und die Chance jemanden zu beleidigen sinkt massiv. Wenn derjenige sich dann immer noch beleidigt oder angegriffen fühlt, liegt es wohl eher an seinem mangelnden Selbstwert. Das habe ich gerade an mir selbst lernen dürfen :)

        Alles Gute! Du schaffst das, und es ist dein gutes Recht auszudrücken, was dir gut tut und was nicht.

        Lisa

        1. Dani Gutmann

          Hey Lisa!

          Das sind gute Tipps von dir, vll sollt ich wirklich immer wieder erwähnen, dass ich lieber weniger Kram um mich haben möchte.

          Bei manchen Menschen in meiner Umgebung ist es leider so, dass sie es wissen, dass ich keinen Wert auf neue Kleidung, Parfum oder Sonstiges lege – schenken mir solche Sachen aber trotzdem – es gibt dann auch immer wieder Diskussionen darüber, und ich stoße dann leider immer wieder auf volles Unverständnis und auch auf ein Verändern-wollen meiner Lebensweise. Ich hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie es irgendwann akzeptieren werden und/oder es „einsehen“ werden. Im Prinzip tun sie sich selbst dann nichts Gutes, wenn sie eigentlich wissen, dass ich mich über überflüssige Geschenke nicht freue, vielleicht auch ärgere. Ich kann Gedanken oder Gefühle auch immer weniger verstecken, dass will ich auch immer weniger – weil dann zeigt man sich selbst nicht ganz bzw verfälscht, und wozu sollte man so etwas tun? Um den Anderen zu schützen? oder einen Gefallen zu tun? Klar, schreie ich nicht auf, wenn mir Jemand etwas schenkt, ich würde nichts tun, dass meinem Gegenüber verletzen würde – aber da muss man halt abwiegen oder einschätzen lernen, in welchem Grad will ich mich nun zeigen und in welchem Ausmaß ist es überhaupt notwendig meine Meinung zu sagen. Ich selbst bin auch eher konfliktscheu, aber der Wunsch, dass ich mich zeige wird in letzter Zeit immer größer und das ist auch gut so. Die beste Methode ist da wohl „Learning-by-doing“ ;)

          super dass das mit deiner Tante so gut geklappt hat – dass ihr euch einigen konntet :)

          die gewaltfreie Kommunikation ist mir immer wieder untergekommen, hab mich aber noch nicht wirklich damit auseinander gesetzt, ich werd mir mal ein Buch ausborgen und reinlesen.
          Das mit dem mangelndem Selbstwert ist mir auch schon ein paar mal aufgefallen, dass egal was man sagt, manche Gegenüber sich als Opfer fühlen. Wenn man sich dies dann mal bewusst macht oder es einem bewusst wird, dann kann man immens wachsen und sich Selbst und deinem Gegenüber besser verstehen und kennen lernen.

          Die Kommunikation zwischen zwei Personen finde ich allgemein spannend, weil man immer wieder etwas anderes hört, als dass gesagt wird – es kommt immer darauf an, wie man sich fühlt und was man gerade denkt. Da spielt so viel mehr mit als die Worte, die man sagt. Das kann manchmal ziemlich verwirrend sein, aber wenn man sich Selbst bewusst macht, sich Selbst wahrnehmen kann und hinterfragen kann, fängt man an sich zu entwickeln. So sehe ich das. Weiß nicht ob du diesbezüglich auch schon Erfahrungen gemacht hast?

          Egal in welchem Fall, es ist immer wichtig, sich selber treu zu bleiben, und dies dann so zu leben, ohne jemand Anderen zu verletzen. Das ist dann wahrscheinlich eher so eine Gefühlssache, die man abzuwägen hat (Situationsbedingt).

          Aber da komm ich dann wieder zu den Gedanken „auf Jemanden Rücksicht nehmen“ – das wiederum finde ich als nicht so gut. Sich mit Empathie zu begegnen ist wohl der bessere Weg zu mehr Verständnis auf beider Seiten.

          In diesem Sinne schließe ich nun meine Schreiberei ab ;)
          Alles Liebe!

          1. Kerry

            Hallo,
            ich habe mal vor Jahren das Buch Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags gekauft. Karen Kingston schreibt darin, dass Geschenke belasten können, v.a. wenn man gerade entrümpelt hat oder dabei ist.

            Jedoch auch, dass der Beschenkte frei ist, mit dem Geschenk zu tun oder zu lassen, was ihm gefällt. Man kann Geschenke, wenn diese einem nicht zusagen, weiter verschenken, spenden oder auch verkaufen. Vielleicht ist das einen Möglichkeit? So bekommt es einen Besitzer, der den Gegenstand auch schätzt, mag, liebt…

            Wenn man die benötigten Rohstoffe für unntüzen Kram bedenkt ist das vielleicht nur die zweitbeste Lösung, aber besser, als sich das Leben wieder mit Krempel zu belasten, den man absolut nicht mag.

            LG
            Kerry

      2. Pia Selina DammPia Damm

        Liebe Dani,

        danke für deine Gedanken und deine offenen Worte.
        Ich kenne diese „Zwickmühle“ und der Konflikt, der damit einhergehen kann…

        Da ich momentan gar nicht an solchen großen Festen teilnehme, bekomme ich meist auch keine Geschenke ;)

        Allerdings finde ich das „schenken“ an sich eine sehr spannende Interaktion. Denn ich habe das Gefühl, dass das „Schenken“ anstatt es als einen Akt der Freude und aus Liebe zu empfinden, dieses oftmals zu Erwartungen, die auf Leistung und
        Gegenleistung beruhen sowie auf dem Verhältnis zu Besitz, führt. Oft kommt hinzu, dass abgecheckt wird, in welchem Wert das Geschenk des*der anderen sein wird, um mindestens im gleichen Wert zu schenken, bestenfalls aber zu überbieten. Dieses Überbieten in einem Wettbewerb des „Schenkens“ gleicht einem Zwangssystem. Somit ist „schenken“ von seiner eigentlichen Bedeutung abgekommen.

        Es war einer der Hauptvertreter der Frankfurter Schule, der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno, der bereits 1951 die gesellschaftliche Etablierung des Schenkens kritisierte:
        „[…] Schenken ist auf eine soziale Funktion heruntergekommen, die man mit wider williger Vernunft, unter sorgfältiger Innehaltung des ausgesetzten Budgets, skeptischer Abschätzung des anderen und mit möglichst geringer Anstrengung ausführt“.

        Meiner Ansicht nach kann das Schenken aus materiellen sowie nicht materiellen Gaben bestehen und zeichnet sich dadurch aus, dass es aus Freude und ohne Erwartung einer Gegenleistung geschieht. Diese ursprüngliche Form des wirklichen „Schenken[s] hatte sein Glück in der Imagination des Glücks des Beschenkten“ (Adorno 1951: 64).

        Diese Beleuchtung der Bedeutung des Schenkens zeigt für mich, dass es unbedingt notwendig ist, die Schenkenden darauf aufmerksam zu machen, dass sie mit besagten Geschenken keine Freude bereitet, was ja eigentlich ihre Absicht hätte sein sollen. Ich merke immer wieder, dass Schenken als eine Pflicht wahrgenommen wird, was dazu führt, dass sich mit Wünschen und Bedürfnissen des Beschenkten nicht vertraut gemacht wird, sondern eher möglichst schnell und stressfrei (meist resultiert daraus aber ziemlicher Stress) ein Geschenk in einem möglichst angemessenen Wert gefunden wird.

        Das möchte ich deinen Lieben, liebe Dani, keinesfalls unterstellen. Es sollte vielmehr eine subjektive Analyse des allgemeinen Schenkverhaltens sein… ;)

        Wenn ich also nun ein Geschenk bekomme, welches nicht meinen ethischen Standarts entspricht, dann versuche ich das meist ganz klar so formulieren – nicht aus egoistischen Gründen, sondern weil ich wie du im Hinterkopf das Leid und die Ausbeutung kenne, die meist damit verbunden ist. Für mich fühlt es sich am nachhaltigsten an, dass möglichst wertschätzend, aber ganz direkt zu kommunizieren, da ich sonst das Risiko eingehe, dass mir bei nächster Gelegenheit wieder ein auf Ausbeutung beruhendes Geschenk gemacht wird.

        Als konkretes Beispiel: Letztens wurde mir eine Creme geschenkt, welche nicht bio und auch nicht vegan war. Da mir beides ein sehr großes Anliegen ist, habe ich das so kommuniziert. Die „Lösung“ war, dass die Schenkende die Creme dann selbst behalten hat. Das hat meiner ANsicht nach den größten „Lerneffekt“. Wichtig finde, dass die Erklärung sehr wertschätzend passiert und nicht persönlich aufgenommen wird.

        Soweit meine Gedanken und Erlebnisse dazu.
        Freue mich auf weitere! :)

        Einen wundervollen Jahreswechsel euch und winterlich-sonnige Stunden. Alles Liebe, Pia

    1. Anneke

      Liebe Lisa!
      Vielen Dank für diesen Text! Ich stimme dir hundertprozentig zu und du hast meinen ganzen Respekt für dein So-Sein und Wirken.
      Ich fühle mich sehr angeregt durch deine/eure und ähnliche Blogbeiträge.
      Liebe Grüsse!

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