Ein Gastartikel auf Lisa und Michaels Blog:

Eichel-Kaffee selber machen

Der Herbst ist da!

Von Verena Mondvogel
21. November 2014

Nach einem wundervollem Herbststurm lag bei mir im nahen Wald ein Meer aus Eicheln am Boden. Das war ein toller Anblick! Und in meinem üblichen „Das-kann-ich-sicher-für-was-brauchen-Sammelwahn“ hab ich gleich einen riesigen Sack voll mitgenommen. (Ich hab aber brav mit den zwei Eichhörnchen geteilt, die gleichzeitig mit mir gesammelt haben. ;) )

Foto von Eicheln auf einem Tisch

Essbares aus Eicheln

Zu Hause angekommen hab ich mich erst mal begeistert vor meinen Laptop gesetzt und recherchiert, was sich denn eigentlich wirklich alles aus Eicheln machen lässt. Die ersten Ergebnisse waren ernüchternd. Gebastelte Eichel-Tierchen sind zwar recht niedlich, und auch als“nette Herbstdeko“ sind sie sicher nett anzusehen. Aber ich wollte sie am liebsten zu etwas Essbarem verwerten.

Eichel-Kaffee

Da ist mir im Netz plötzlich das Stichwort „Eichel-Kaffe“ untergekommen. Und ich war sofort hin und weg! Ich trinke selbst keinen „echten“ Kaffee, vermisse aber ab und an das rituelle warme Morgengetränk. Also hab ich mich mit ein paar vagen Zubereitungsanleitungen aus dem Internet bewaffnet in die Experimentierküche begeben.

Verschiedene Eichen-Arten

Es gibt an die 400 verschiedene Eichen-Arten. Ich hatte sowohl Eicheln der Stieleiche, als auch Eicheln der Roteiche gesammelt. Die Eicheln der Roteiche fand ich besonders hübsch, da ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Jedoch haben die Eicheln der Stiel-Eiche viel besser geschmeckt. Praktischer Weise waren das zugleich die Eicheln, die sich am besten schälen haben lassen. ;)

Eicheln Schälen

Wie Lisa in ihrem letzten Artikel schon beschrieben hat, ist das Schälen der Eicheln kein Zuckerschlecken.

Deswegen hab ich mich gleich von vornherein für die „brutale“ Variante entschieden: Ein Stein in Kombination mit einem Holzbrett. Klappt gut, und ihr könnt gleichzeitig überschüssige Energie abbauen. Ein Nussknacker tuts aber genauso ;)   Die innere braune Haut auf der Frucht sollte auch möglichst komplett entfernt werden, denn sie ist wirklich ziemlich bitter.

Am einfachsten ging es bei mir, als ich die Eicheln drei Tage in der Küche liegen gelassen hatte. (Na, oke, ich hatte sie vergessen ;) ) Da war das Innere etwas zusammen geschrumpelt, und die braune Haut ist gleich beim Schälen in der Außenschale hängen geblieben. Wundervoll! Wem das zu lange dauert kann die Haut auch (in mühevoller Kleinarbeit) mit einem scharfen Messer abschälen.

Eicheln wässern

Die Eicheln gebt ihr sofort in eine Schüssel mit warmen Wasser. An der Luft verfärben sie sich schnell dunkel, was nicht so appetitlich aussieht. Das Wasser bewirkt zusätzlich, dass die in der Frucht enthaltenen (wasserlöslichen) Gerbstoffe herausgelöst werden und somit euer Kaffee später nicht bitter schmeckt.

Foto von Eicheln im Einweichwasser

Eicheln kleinhacken

Die Eicheln bleiben für einen Tag im Wasserbad. Dann schüttet ihr das verfärbte Wasser weg und wascht die Eicheln nochmal gründlich durch, bevor ihr sie in kleine Stücke hackt. Nicht zu klein, denn umso kleiner sind, umso leichter brennen sie euch anschließend an.

Foto von gehackten Eicheln

Eicheln anrösten und zermahlen

Nun röstet ihr die Eichel-Stückchen in einer beschichteten Pfanne langsam (ohne Öl!) auf kleiner Stufe an. Das hat bei mir fast eine halbe Stunde gedauert, da ich ja nichts anbrennen lassen wollte. War ja doch eine gehörige Arbeit bis zu diesem Punkt. ;) Wenn die Eichelstückchen fertig goldbraun angeröstet sind, könnt ihr schon mal die erste Verkostung starten! Ich finde sie schmecken auch als kleine Nascherei zwischendurch einfach herrlich! :)

Da ich aber auch den Eichel-Kaffee ausprobieren wollte, habe ich mich beim Naschen zurückgehalten und die noch übrigen Stückchen in den Mixer gegeben.

Die anfängliche Idee sie im Mörser zu zermahlen hab ich schnell bleiben lassen. Die Stückchen sind viel zu hart gewesen, und der Mixer stand schon verlockend auf der Arbeitsplatte. ;) Aber mit dem Mörser funktioniert das mit einer Portion Geduld sicher fast genauso gut!

Zubereitung des Eichel-Kaffees

Nachdem die Eicheln „pulverisiert“ sind, ist euer Eichel-Mehl, beziehungsweise“Eichel-Kaffee-Pulver“ fertig! Am Besten ihr bewahrt es in einem kleinen ausgewaschenen Marmeladenglas luftdicht auf.

Um in den ultimativen Eichel-Kaffee-Genuss zu kommen, müsst ihr nur noch Wasser aufkochen und pro Tasse 2-3 Teelöffel eures Kaffee-Pulvers einrühren. Und wer es schon gern etwas weihnachtlicher hätte, der kann auch noch eine Prise Zimt mit einrühren.

Der Eichel-Kaffee hat sich so wirklich als mein absolutes Lieblings-Morgengetränk etabliert!

Foto von fertigem Eichel-Kaffee

Nicht zu viel auf einmal

Denkt dran nicht zu viel Eichel-Mehl auf einmal zu machen. Zum einen ist es ärgerlich, wenn doch einmal eine Portion geschälter Eicheln in der Pfanne anbrennt. Da ist es gut, wenn nur wenig Arbeit für den Bio-Müll ist. Und zum anderen wird das Eichel-Mehl relativ schnell ranzig und schmeckt nicht mehr gut. Also, nur die Mengen machen, die ihr auch wirklich zeitnah verbrauchen könnt ;)

Und Ihr?

Habt ihr denn schon mal etwas aus Eicheln gegessen, oder gar Eichel-Kaffee getrunken? Wie gingt es euch mit dem Schälen, und hättet ihr da noch ein paar Tipps? Wie schmeckt euch das Ganze, und habt ihr noch ein paar „Würztipps“? Oder sogar noch andere Ideen, was man alles mit dem Eichel-Mehl anstellen kann?

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15 Gedanken über “Eichel-Kaffee selber machen

  1. simone schuhr

    Na da habt Ihr Euch ja durchgebissen durch die Eichelkaffeidee . meine Oma hat in der Kriegszeit daraus Kaffe bereitet . Nun weiß ich was das für eine sau-Arbeit war. Ist nicht auch Eichelmehl im gekauften kaffe drin als Ziroche oder so ähnlich?

  2. Nitla

    Habe letzten Herbst auch versucht, Eicheln zum Knabbern zu verarbeiten. Habe sie nicht nur mehrmals gewässert, sondern auch gekocht- hat sich noch stark verfaerbt, also hat hoffentlich geholfen beim Entziehen der Bitterstoffe.
    Danach geröstet und wie gebrannte Mandeln karamellisiert- war zwar eine Heidenarbeit, aber ein interessantes Experiment. Immernoch gewöhnungsbedürftig bitter, aber schmeckt immernoch lecker ;)

  3. Ann-Sophie

    Danke für die Anleitung, ich wollte das schon immer mal ausprobieren! Eine Frage zum fertigen Kaffee: filterst du das Eichelpulver dann vor dem Trinken raus, oder trinkst du ihn quasi türkisch? Funktioniert das auch wie bei Bohnenkaffee, dass man das Pulver nur mit kochendem Wasser übergießt?
    Danke!

  4. Ulli Maier

    könnte man das eichelmehl nicht auch als „mehlersatz“ verwenden ,für palatschinken ,oder kuchen….? zumindest teilweise, ev. gibt das einen guten geschmack….hat das schon wer probiert??? ich werde mal eicheln sammeln gehen und das ausprobieren….. zum knacken der diversen kerne,etc. (aprikosenkerne…) habe ich eine grosse eisenzwinge fix in der garage montiert, da geht das ganz leicht ohne viel kraftaufwand…..

  5. Rita

    au ja, bei mir im Dorf gabs und gibts noch ne Menge Eicheln. Also hab ich sie erstmal gewaschen, dann angeröstet, und geschält, das ging dann ganz leicht, wie bei Kastanien :-) . Aber was daraus wurde, war bäh, schrecklich bitter. Dabei roch es so fein, gemahlen wie auch nach dem Aufkochen, wie bei türkischem Mokka. Jetzt mach ich alles noch mal von vorne, ist ja noch ne Obstkiste voll da: erst schälen, dann wässern, hacken und rösten. Melde mich dann wieder ;-) Bei in Schale gerösteten Eicheln gehen die Bitterstoffe nicht mehr durch Wässern raus.

  6. Tess

    Vorsicht mit zu viel Eicheln. Sie enthalten meines Wissens Tannin, das zu Leberschäden führt… oder warens die Nierenschäden? Jedenfalls sind sie toxisch. Man kann sie aber essen, wenn man sie ca. 2h kocht und alle 30min das Wasser wechselt. Wenn sie noch eigenartig kitzeln auf der Zunge, ist immer noch Tannin drin.

    Wobei ich nicht glaube, dass es bei seltenem Konsum Auswirkungen hat. Salbeitee soll man ja auch wegen der Leber nur sparsam trinken und nicht täglich.

    1. Andreas Nowack

      Hallo Tess,
      du hast schon Recht Tanine sind in Eicheln enthalten und können auch toxisch wirken allerdings werden in dem oben genannten Rezept die Eicheln 24-Stunden in Wasser ausgelaugt, das Tanin geht dann mit dem Wasser in den Abfluss^^
      Liebe Grüße

      1. Yuki

        Genau. Tannine (Gerbstoffe) sind in Eicheln in ziemlicher Menge enthalten. Bei Ueberdosierung von Tannin kann es zu Bauchsmerzen, Uebelkeit, Diarhoe etc kommen.

        Allerdings sind Tannine sowohl wasserloeslich als auch hitzelabil und koennen auf die ein oder andere Art beseitigt werden. Entweder waessern und Wasser immer wieder beseitigen oder roesten ohne Oel.

        Wichtig dabei, in kleine Scheiben schneiden, etwa 1-2 mm dick maximal, damit alles ausgeschwemmt wird. Man kann auch geschnittene Scheiben ueber Nacht in ner Socke in den Fluss haengen… wer einen in der Naehe hat.

        Kaffee enthaelt auch Gerbstoffe (Tannin?) und man kann ihn ebenso waessern. Die Bohnen wurden zwar meist geroestet, aber als ganze Bohnen. Entweder enthaelt er andere Gerbstoffe oder eine geringere Konzentration. Aber wer 2 Liter am Tag trinkt, wird schon was merken.

  7. Arne Winter

    Ich liebe Eicheln! :) Danke für diesen tollen Beitrag.
    Ich persönlich mag es jede Eichel einzeln mit dem Messer zu öffnen. So kann ich die wurmigen gleich aussortieren. Für die ganz Faulen – so habe ich gelesen – funktioniert es wohl auch die Eicheln mit Schale in einer Pfanne zu rösten. Dabei soll dann die Schale aufspringen. Hat das schon wer probiert?

    Ich mache mir jedes Jahr Eichelmehl und backe daraus kraftvolle Kekse! Mampf!

    :)

  8. Natalie

    Hey,

    finde das super inspirierend mit dem Eichelkaffee. Danke für die Ideen.
    Wenn man auf englischen Seiten sucht, findet man sogar Rezepte zu Eichel-Bratlingen (mit dem Mehl)! Klingt ziemlich lecker und spannend.
    Eine vielleicht hier blöde Frage (passt gar nicht zum Thema): Ich hab auf deinem Blog etwas gestöbert und mir sind die wunderschönen Fotos aufgefallen. Darf ich fragen welche Kamera/Objektive du benutzt?

    Alles Liebe!
    Natalie

  9. Luzia

    Versuch doch mal folgenden Kaffee:
    50g Dinkelkörner geröster
    30g Eicheln geröstet
    20 g Löwenzahnwurzel geröstet
    Samen von 3 Kapseln Kardomom
    Alles zu Mehl vermahlen und pro Tasse 1 El Pulver+1 TL Rohrzucker rechnen.
    Pulver und Zucker mit Wasser aufkochen und sanft für 1 Minute aufwallen lassen, mit einer Tasse kaltem Wasser ablöschen, abdeccken und 10 Minuten ruhen lassen. – Mit ein paar Tropfen Milch, Obers (vegan schmeckt auch Reis oder Hafermilch) geniessen.
    Den Sud nicht weggeben sondern für das nächste Aufbrühen pro Tasse einen halben EL Kaffeepulver dazugebenund wieder mitaufbrühen. Das kannst du mindestens 3x wiederholen bevor du den Sud auf dem Kompost entsorgst. Die Kompostwürmer lieben ihn :-)
    liebeb Gruß
    Luzia

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