Dogmen und zurechtgebogene Wahrheiten

Michael Hartl
Von Michael Hartl
13. Mai 2011

Ich verstehe alle Menschen, die unzufrieden damit sind, wie die Welt so ist. Oder wie sie ihr Leben derzeit gestalten. Und ich begrüße es ohne Einschränkungen, wenn Menschen so nicht weiter wollen. Nur so mancher Weg, der von Leuten dann eingeschlagen wird, stimmt mich nachdenklich.

„So einer wie der steht aber noch ganz am Anfang seiner Entwicklung!“

Nehmen wir zum Beispiel Menschen, die sich auf ihren buddhistischen oder esoterisch angehauchten Weg begeben. Ziele seien unter anderen, das eigene Ego aufzulösen und nicht mehr zu bewerten. Die dann oft gezeigte „buddhistische Praxis“ wirkt dann aber schon ein wenig widersprüchlich, wenn solche Menschen dann Stolz darauf sind, dass sie schon so weit sind auf ihrem Weg und ja eh den viel klügeren Weg gehen als andere.

Sehr böse formuliert habe ich es letztens in einem Interview mit einem „Heiler“ gelesen: Wer stolz darauf ist, wie weit sie oder er auf dem Weg zur Auflösung des Egos oder zur Erleuchtung ist, hat scheinbar nichts davon verstanden.

„Fliegen ist eh schlecht – aber dieses eine Mal….?“

Oder nehmen wir Menschen, die sich selbst als Umweltschützer*innen sehen oder genau wissen, wie ein nachhaltiger Lebensstil aussieht. Auch hier ist oft der Widerspruch zwischen dem ökologischen Gewissen und dem Verständnis für Umweltthemen auf der einen und dem gewünschten Lebensstil auf der anderen Seite.

Dies führt dann entweder dazu, dass Menschen all das, was sie halt gerne machen, vor sich selbst und anderen schön reden, oder es führt zur Lebenslüge „green economy“. Wenn wir nur alles auf öko und erneuerbar umstellen, dann sei alles super. Realitätsverlust zur Verteidigung des eigenen Lebensstils.

„Die Firmen sind böse und nur auf Profit aus!“

Ein anderes – und letztes – Beispiel betrifft einen großen Teil der Bevölkerung. Die meisten zeigen sich schockiert von Kinderarbeit, Sklaverei, Zuständen in Zulieferbetrieben der Bekleidungsindustrie oder Bildern aus afrikanischen Minen.

Gleichzeitig kaufen aber auch die meisten elektronische Gadgets wie Handys, Tablets, MP3-Player und Computer und kaufen spottbillige Kleidung ein. Für den Einkauf beim Billig-Discounter muss sich heute niemand mehr schämen.

Taten statt Worte

Ich möchte all das oben genannte gar nicht nur schlecht reden. Es ist ja gut, wenn Menschen anfangen zu hinterfragen und sich mit neuen Themen zu beschäftigen. Aber es darf eben nicht nur bei der theoretischen Auseinandersetzung mit einem Thema bleiben. Leben statt lesen könnte ich es sehr verkürzt ausdrücken. Wenn ihr wollt, dass Kinderarbeit der Vergangenheit angehören soll, dann ist es nett, wenn ihr Zahlen dazu aufzählen könnt – ein erster konkreter Schritt, der tatsächlich Realitäten verändert, wäre keine Produkte zu kaufen, bei denen es unter Umständen zu Kinderarbeit kommt. (Ist jetzt natürlich auch noch sehr vereinfacht ausgedrückt, sorry)

Auf was ich hinaus will ist, das Menschen konkret und tatsächlich ihr Leben verändern müssen. Dieser Planet wird nicht durch Diskussionen und Philosophieren geschützt, nicht durch Labels und Gütesiegel und nicht durch Ökostrom, sondern dadurch, dass Menschen umweltbewusst und selbstkritisch leben und immer mehr davon weg lassen, was ihrem Wunsch nach einer intakten Umwelt im Wege steht.

Auch Kapitalismus ist ein Dogma

Ich selbst bin auch erst auf diesem Weg – und wahrscheinlich noch recht am Anfang. Es geht mir also nicht darum zu verurteilen oder auf andere zu zeigen. Ich möchte anregen, dass wir uns alle selbst mehr auf die Finger schauen und hinterfragen, was wir so machen – und was wir so alles nicht machen. Und das wir nicht leichtgläubig sind. Egal ob uns etwas verspricht, dass es das einzige System ist, das uns Sicherheit geben kann (unser jetziges System zum Beispiel), dass es die einzige Methode ist, dies oder jenes zu erreichen oder dass es die einzige Organisation, Partei, Gruppe sei, die die Welt retten wird, in all diesen Fällen sollte unsere innere Alarmglocke schrillen und wir sollten kritisch hinterfragen.

Um es mit einem letzten Beispiel kurz abzurunden: FairTrade-Kaffee ist an sich eine Idee, die richtig toll klingt. Die Kaffebäuer*innen verdienen angeblich deutlich mehr. Kontrollieren kann ich das nicht – da muss ich vertrauen. Mit was aber die allermeisten Anbieter*innen von fair gehandeltem Kaffee selbst werben ist, dass der Kaffee in Hamburg geröstet wird. Aber hallo, deutscher Kaffee, toll! Naja, außer das damit weiterhin der größte Teil der Wertschöpfungskette in Deutschland bleibt. Das man mit diesem Geld, das durch die Verarbeitung und Röstung der Kaffeebohnen verdient werden kann, in den kaffeeproduzierenden Ländern neue Arbeitsplätze und Einkommen schaffen könnte, wäre dann wohl eine Spur zu fair.

Mein persönliches Fazit

Ich mag Menschen mit Persönlichkeit. Ich mag Menschen, die handeln. Menschen die zwar nicht vorgeben zu wissen, was der hundertprozentig richtige Weg ist, die aber anfangen. Ganz real eine Veränderung bewirken. In ihrem Leben, ihrem Umfeld und meist weit darüber hinaus. Und die bereit sind, Glaubenssätze und bisherige Überzeugungen auch über Bord zu werfen, wenn sie sich als nicht förderlich erwiesen haben. Ich mag Menschen, die ihren Kopf verwenden – Dinge hinterfragen, sich inspirieren lassen – und dann Lösungen in die Tat umsetzen.

Menschen, die reden, aber nicht handeln, sind Teil des Problems, nicht der Lösung.

Menschen, die lieber blind Dogmen oder Ideologien folgen, versuchen dem einen Gefängnis zu entfliehen, indem sie sich freiwillig in ein anderes Gefängnis setzen. Und wer dabei dann noch mit wehenden Fahnen einer Meisterin, einem Guru oder einer sonst wie gearteten An*führer*in hinterher läuft, mag seine*n persönliche*n Erlöser*in gefunden haben, sich selbst aber ganz offensichtlich noch nicht.

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

13 Gedanken über “Dogmen und zurechtgebogene Wahrheiten

  1. milarepa

    Ich bin 1994 zum tantrischen Buddhismus gekommen und arbeite seit 2001 in einem großen Biosupermarkt(private Besitzer). Ich kann das bestätigen, was du zu geistigen/esoterischen Lebenswegen und Umweltbewusstsein/Bio sagst!

    Ich nehme mich aus der Kritik nicht raus, ganz im Gegenteil . Egal, ob es sich um eine umweltgerechte Lebensweise, Ernährungsphilosophie oder um einen geistigen Lebensweg handelt – beides kann zu einem „Mercedesstern“ verkommen! Das wird gerne mal als spiritueller Materialismus bezeichnet. Nach dem Motto: „Früher war ich toll und heute bin ich spirituell/umweltbewusst,“ präsentiert man seine neue Errungenschaft nach außen.

    Ich verurteile das nur bedingt. Hinter all dem steckt einfach ein großer Mangel. Unsere Gesellschaft hat ihre Wurzeln verloren: Gemeinschaft, Familie, Freundschaft, wirkliche dauerhafte Werte/Tugenden…usw.

    Leider ist durch Internet, Globalisierung und einfach einer immer verwirrteren Lebensweise alles komplizierter geworden. Es traut sich auch keiner mehr mit klaren Worten die Probleme zu benennen. Klarheit wurde durch Superdiplomatie ersetzt, um es allen recht zu machen und selber immer noch einen Vorteil davon zu haben. Niemand wagt mehr etwas, weil sofort die gesellschaftliche/politische Keule droht und jeden mundtot macht!

    Es gibt eindeutig ein Oben und ein Unten, Führer und Geführte. Ob Politiker, Unternehmer, Leiter großer Organisationen – viele sind einfach verkopft und wissen nicht mehr was „da unten“ passiert!

    Vielleicht müßte es sowas, wie ein soziales Pflichtjahr geben, in dem man sowohl etwas über soziale Belange, als auch über Umweltbewusstsein lernt.

    Wenn ich etwas begriffen habe, dann das der Weg der Selbsterkenntnis und auch generelles Verständnis im Leben ein steiniger Weg ist. Es ist normal, das das Ego jeden austrickst. Jeder mag geliebt und anerkannt sein.

    Am Anfang steht immer erstmal ein gesunde Lebensbasis aufzubauen, sich selber immer wieder zu reflektieren und vor allem Kritik zuzulassen. Jeder hat noch immer seinen Lehrer gefunden – keiner ist perfekt.

    Selbst der historische Buddha hat keinen Dogmatismus gewollt. Am Ende seines Lebens meinte er: Nun glaubt mir ja nicht alles, nur weil ich ein Buddha bin. Geht euren eigenen Lebensweg, seid euer eigenes Führungslicht. Seine Belehrungen sind niemals als Gebote gemeint, sondern immer nur als Empfehlungen, die man selber für sich überprüft.

    In dem Sinne – glaubt niemandem – überprüft alles und seid geht euren Lebensweg!

  2. gabi

    hallo ihr beiden,
    der artikel, zu dem ich schreibe ist ja schon was älter, vielleicht habt ihr ja schon rausgefunden, wie das mit den kaffeebohnen und dem rohstoff ist?? es gibt ganz verschiedene zollbedingungen für rohstoffe bzw. verarbeitete produkte, würde man den kaffee verarbeitet einführen bliebe weniger für die händler im ursprungsland übrig.
    einer der gründe, warum ich den fairen kaffee kaufe ist der preis, der mich dann sparsamer damit umgehen lässt (und, ganz unsachlich: irgendwie störts mich bei kaffee nicht dass er so teuer ist wie damals, als wir von meiner oma noch „care-pakete“ bekamen – das „drogen“ was kosten ist schon angebracht. außerdem will ich den satz für den garten, da ist mir bio auch wichtig u. last but not least ist kaffee eins der am meisten gehandelten produkte (kommt glaub ich gleich nach öl) und da will ich auch nicht mitmachen).
    ninas kommentar find ich genial, endlich mal ein klares -warum- wir so blöd sein können, ohne es zu merken. wir sind noch ziemliche säugetiere/herdentiere und machen viel mehr über automatik/orientierung an gewohnheiten oder den anderen, als wir so denken. und einsicht ist der erste schritt zur besserung.
    macht weiter so, liebe grüße
    gabi

  3. Pingback: Permakultur

  4. Nina

    Hallo Michael und Kommentatoren,

    ich habe dasselbe Gefühl in meiner Umgebung gehabt und wollte oft andere dazu bewegen etwas zu tun. Wie kann man etwas falsch finden und trotzdem "shoppen" gehen? Am schlimmsten fand ich aber den Satz: "Also wenn ich Klamotten brauche, sind mir die Kinder auch egal." Ich war fassungslos. Habe aber verstanden, dass sie ihr Blickfeld hier in Deutschland hat. Sie sieht die Qualen nicht und empfindet kein Mitleid.

    Was ich aber zu Jutta und dir sagen wollte, ist, dass es evolutionsbiologisch nicht schlecht ist einer Gruppe zu folgen, einen Anführer zu haben. Sich damit zu schützen und EINEN gemeinsamen Weg zu laufen (man denke an Gorillas). Ja es ist erschreckend eine wirkliche Freiheit zu haben. Ohne soziales Netzwerk (Gruppe) ist es als "Egoist", der man als Einzelgänger ist, schwer zu überleben. Und das ist gut so! Wir müssen zusammenhalten. Aber das klappt meistens nur, wenn man ein gemeinsames Ziel, einen Feind hat oder man sich einer Gruppe angehörig fühlt und stolz sein kann. Das führt erst zu Gemeinsamkeiten und damit erkennt man sich selbst im anderen wieder. Empathie eben. Das ist der ganze Sinn und man hilft sich dann gerne einander. Ideologien dienen nicht nur der Macht, das ist pures Ausnutzen, es soll die Angst nehmen, erklären, ein gemeinsames Ziel schaffen, Moral und Zusammengehörigkeit. Die meisten Ideologien hatten nicht mal schlechte Ideen (hier sei der Kommunismus genannt), nur ist die Umsetzung schlecht bis grauenvoll! Außerdem wäre es für die meisten Menschen schrecklich ständig seinen Kopf benutzen zu müsse, ALLES noch mal hinterfragen zu müssen, denn: Nach welchen Maßstäben? Nach Kants Moralethik? nach Mill und dem Utiliarismus? Keine Ethik ist perfekt und damit würde auch die alleinige Selbstbestimmtheit nicht perfekt sein. Alles hat Gute und schlechte Seiten (z.b. ist eben auch gut Arbeitsplätze in Deutschland zu behalten: wie viele in der Rösterei haben Kinder, die versorgt werden müssen? oder sind glücklich dort?) Wir brauchen unsere Gruppen, aber es ist gut, dass es immer wieder Menschen gibt, die Infragestellen. Und Menschen diesem folgen, wie es heute der Fall ist. Kritisch sein, aber trotzdem nicht vergessen zu leben! Nur denken macht krank.

  5. Christoph

    <cite>Menschen, die reden, aber nicht handeln, sind Teil des Problems, nicht der Lösung.</cite>

    Hallo,

    das trifft mich irgendwie hart. Ich habe seit ungefähr 2 Jahren angefangen mich systematisch in einige Probleme der Welt einzuarbeiten und rede mit vielen Leuten darüber.

    Ich habe selber noch nichts konkretes dazu beitragen können, dass irgendwas besser wird.

    Das ist ein unerträgliches Gefühl.

    Andere sagen die Anforderungen, die ich an mich selbst stelle sind einfach zu hoch.

    Ich selber würde sagen, ich hab einfach noch nicht den richtigen Hebel gefunden an dem ich mithebeln will und kann.

    Aber was in der Zwischenzeit bleibt ist reden. Warum auch nicht? Das ist doch die eigentliche Macht. Die Kommunikation, die Vernetzung. Wenn viele Leute sich ein gemeinsames Ziel vorstellen können und sich zusammenfinden.

    Je mehr Leute ähnlich denken (und wissen dass es da noch andere gibt), desto einfacher werden konkrete Schritte.

    Deswegen halte ich z.B. Errungenschaften wie das Internet (trotz fragwürdiger Umweltverträglichkeit) für sehr wertvoll – auch wenn da nichts konkretes getan wird; bis auf eins:

    Worte und Gedanken verbreiten.

    Was ich sagen will ist:

    Menschen die reden, aber zunächst nicht handeln, sind auch als Träger der Anschauungen sinnvoll. Das konkrete handeln wird dadurch für sie selbst und andere einfacher.

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo Christoph,

      ja, wenn das Reden über ein Thema ein Teil einer intensiven Auseinandersetzung damit ist, dann sieht das durchaus anders aus. Was aus meiner Sicht halt entsteht, wenn viele Menschen darüber reden, ist ein Bewusstsein dafür, was die politisch korrekte Antwort ist. Daraus resultiert noch lange keine Handlung. Es gibt genug Studien die gezeigt haben, dass Menschen wissen, welche politisch korrekte Antwort sie in Umfragen, etc. geben müssen – die Handlungen (z.B. Einkaufsverhalten) zeigen dann aber ein ganz anderes Bild.

      Ich möchte mit meinem Artikel auch gar nichts dagegen sagen, dass es eine theoretische Auseinandersetzung oder Diskussionen oder Gespräche zu den Themen gibt. Sie dürfen nur kein Selbstzweck werden und Menschen sollten nicht überwiegend damit beschäftigt sein, anstatt umzusetzen und konkret zu handeln.

  6. daniel

    Hi Michael,

    ich vermute, dass die meisten Deiner Leser Deine Aussagen (Denkt nach! Seid Kritisch! Handelt!) mehr oder weniger unterschreiben würden. Deine Leser leben vermutlich schon genau so, der eine mehr, der andere weniger. Das Problem: es sind einfach viel zu wenige Menschen, die so leben. Wenn ich in meinem Umfeld (Job, Freunde) mich umschaue, dann machen sich einfach zu wenige/keine Gedanken, die meisten genießen das Leben so gut wie möglich. Nicht böswillig, aber an bessere Lösungen zu denken oder sich gar um bessere Lösungen zu bemühen, kommt nicht in Betracht.

    Simples Beispiel: ich habe im Januar den Ökostrom-Anbieter gewechselt und Aufkleber bekommen. Die habe ich an Kollegen verteilt, bei denen ich vermutete, dass sie einen Anstoß benötigen, und Ihnen gesagt, dass sie mit einem Wechsel meist sogar Geld sparen könnten. Eine junge Kollegin (immerhin mit Abitur, *1986) hat mich dann gefragt, was denn überhaupt der Unterschied von "normalem" Strom zu Ökostrom sei. Ich war fassungslos. Als wäre das Thema in den Medien nicht präsent. Aber da wird dann wohl lieber weiter gezappt. Ist wohl zu anstrengend. Und das ist leider kein Einzelfall. Liegt das am Alter? An der Persönlichkeit? An der Bildung? An der finanziellen Situation? Von allem vermutlich ein bischen.

    Vielleicht bräuchte es einfach mehr populäre Vorbilder für die Menschen, die weniger nachdenklich sind und so vor sich hinleben…

    Jetzt hör ich lieber mal auf :-)

    Viele Grüße

    Daniel

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo Daniel,

      ja, leider gibt es zahlreiche Menschen, die "so vor sich hinleben". Aber dazu werden wir ja erzogen in diesem System. Denn darauf basiert das Ganze: arbeite, konsumiere, schweig, stirb!

      Wird spannend, wie sich die Gesellschaft entwickeln wird. Mal sehen.

      Das mit Deiner Arbeitskollegin überrascht mich übrigens dann doch, denn ich dachte, dass zumindest solche Basics in der breiten Masse bekannt sind. Aber vielleicht hast eh nur die eine einzige Ausnahme erwischt… ;)

  7. Nico

    danke für Deine Gedanken, es ist sehr erfrischend mal von jemand anderes, der die gleichen Gedanken hat, es mal völlig anders ausdrückt – äh zu lesen (Satz).

    Die Sache mit dem Realitätsverlust macht mich echt fertig, weil man nicht mal ne Chance hat es den Leuten an zu deuten. Viele haben so eine Art Instinkt gegen kritische Richtungen in einer Unterhaltung entwickelt…

    Naja

    Was Du im letzten Abschnitt geschrieben hast finde ich als Meinung so nicht haltbar, weil man ja nicht weiß ob eine Person, einer Ideologie blind hinterherläuft, oder wie sie das macht.

    Ich denke es gibt genauso viel Ideologien und Glauben wie es Menschen gibt und weil das Thema so umfangreich ist kann man gar keine generellen Aussagen machen…

    Ich sehe das so weil ich selber streng religiös erzogen wurde und mein halbes Leben gebraucht habe um mich davon zu befreien. Nun hänge ich zwischen den Welten und eine richtig gute Vorstellung von Toleranz zu bekommen ist "überlebenswichtig" für mich geworden.

    Oh mann, ich wollte doch nur zwei Zeilen schreiben

    tschüß

  8. Rita Sauer

    Seit Menschengedenken ist schon alles mehrmals durchdacht und gesagt worden, aber zu wenig umgesetzt und gehandelt worden. Schon in der Pädagogik heißt der wirksamste Leitsatz: 'Learning by doing' oder wie es Maria Montessori ausgedrückt hat: 'Hilf mir, es selbst zu tun'.
    Angesichts dieser Wahrheiten kommt dem Begriff 'begreifen' eine immer wichtigerere Bedeutung zu.
    Und:'An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen'……gab uns Jesus schon zu verstehen!

    Danke für den inspirierenden Artikel!
    Besonders feue ich mich über die kluge, tatkräftige junge Generation.

  9. Jutta Jordans

    Die meisten Menschen suchen jemanden, der ihnen sagt, was sie tun sollen. So funktionieren eigentlich alle Religionen, so funktioniert Werbung und so funktionieren gesellschaftliche/politische Systeme. Und damit die Menschen erst gar nicht auf die Idee kommen, selber zu denken, werden sie mit spätestens sechs Jahren in ein Schulsystem gesteckt, in dem einem jedes bisschen Eigeninitiative und Selbstbestimmung frühzeitig ausgetrieben wird. Wir werden von klein auf alle auf Heilsversprechen nach dem Schema "Wenn du a,b und c befolgst, bekommst du gute Noten/kommst du in den Himmel/verdienst du viel Geld" gedrillt. Abweichungen von der Norm werden mit Höllenfeuer oder Hartz4 bedroht. Und dieses Schema haben wir alle mehr oder weniger verinnerlicht. Ich glaube, darum tauschen wir so gerne ein Gefängnis gegen das andere aus. Für jemanden, der sein Leben lang gefangen war, ist echte Freiheit und Selbstverantwortung sehr erschreckend und bedrohlich.

    Es gibt ein sehr schönes Buch von Charles Eisenstein: The Ascend of Humanity, kostenlos zum Download oder gelesen als Podcast bei Unwelcome Guests. Seine Hypothese ist, dass wir uns durch unsere Lebensweise zu weit von der Welt, von der wir ja eigentlich ein untrennbarer Teil sind, entfernt haben, Klingt jetzt fast schon nach einem Gemeinplatz … ist es irgendwie auch, aber Eisenstein zeigt da wirklich sehr schöne Zusammenhänge auf, es lohnt sich, da mal reinzulesen. Ich weiß leider nicht, ob es auch eine deutsche Übersetzung gibt.

    Jedenfalls ist eine seiner Kernthesen, dass wir immer versuchen, unsere Welt zu ordnen. Wir fürchten Komplexität und Chaos, weil es nicht kontrollierbar ist. Darum mögen Menschen die Idee, dass sie einen "richtigen" Weg gefunden haben, egal, ob das Buddhismus oder Fair-Trade-Kaffee ist. Weil der Gedanke "wenn nur alle Fair-Trade-Kaffee trinken, wäre die Welt ein besserer Ort" so schön tröstlich ist. Erstens macht er Hoffnung und zweitens schiebt er die Verantwortung so nett auf die vielen Millionen Mitmenschen, die eben noch keinen Fair-Trade-Kaffee trinken.

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