Die Wildnis Reifeprüfung

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
17. November 2016

Eieiei, da stand sie vor der Tür: Die Abschluss-„Reifeprüfung“ meiner Natur- und Wildnistrainer*innen Ausbildung. Und ich war mega aufgeregt!

4 Tage, 3 Nächte

Eigentlich hatte ich im Vorfeld gar keinen Kopf mir all zu viele Gedanken über dieses Event zu machen. Ich war privat so voll im Kopf, dass da einfach kein Platz für die Vorbereitung war. Meine Wildniskolleg*innen haben meine Entschuldigung liebevoll angenommen und ich wahr heilfroh und dankbar, dass sich andere um die Organisation kümmerten. Ja, richtig gelesen, wir mussten das als Gruppe nämlich alleine machen.

Wildromantisches Höllental

Nach vielen Diskussionen darüber, was die Anforderungen an einen Platz sind, haben wir schlussendlich einen Ort gewählt, wo wir offiziell sein und Feuer machen durften, der aber auch noch wilder als ein Campingplatz sein sollte. Die Wahl fiel auf einen Platz einer lieben und frechen Kräuterhexe im Höllental, gleich neben der Schwarza, einem wunderschönen Fluss.

Wasser: Das Nonplusultra

Am wichtigsten war uns ein Platz mit Wasser. Zumindest einem Fluss. Dort hatten wir sogar das Glück eine trinkbare Quelle anzapfen zu können und wir konnten uns die ganze Abkocherei sparen. (Klicke hier um meinen letzten Artikel zum Thema zu lesen, dort siehst du unsere Experimente Wasser in größeren Mengen abzukochen – nicht einfach!)

Nur mit dem Messer

Am schwierigsten war natürlich die Einigung was wir mitnehmen. Es sollte ja kein Camping Urlaub werden und wir wollten immerhin unsere erlernten Skills austesten! Aus „nur mit dem Messer“ wurden schlussendlich: Messer und Trinkflasche. Erste Hilfe Set sowieso. Im Auto hatten wir für den Notfall auch eine Plastikplane. Und jede Menge Futter für das Abschlussessen.

Das mit der Trinkflasche war auch gut so. Am ersten Tag hatte es eine unheimliche Hitze und ich glaube ohne Flasche wäre es um einiges schwieriger gewesen bei körperlicher Aktivität in praller Sonne nicht zu dehydrieren. Die Quelle war etwa 15 Minuten zu Fuß entfernt.

Shelter, Feuer, Wasser, Essen

Das ist die Reihenfolge, die man bei einem Survivalnotfall beachten sollte. Wasser war ja wie gesagt gebongt. Und Abkochen mussten wir es glücklicherweise auch nicht.

Also: Begrüßungskreis und dann die Organisation: Wie fangen wir an? Und was machen wir eigentlich? Eins war klar: Wir müssen eine Unterkunft für 7 Personen bauen! Bisher haben wir das noch nie gemacht. Höchstens für zwei Personen. Das mit dem Feuer bedurfte zwar einiger Diskussion, aber letztendlich konnten wir uns doch einigen, dass wir damit nicht zu spät beginnen.

Ungünstige Umstände

Da wir im Wald kein Feuer machen durften, mussten wir alles runter auf die Wiese schleppen. Das war schon mal sehr ernüchternd. Und der Wald war… wie soll ich sagen: Steil. Sehr steil… Also wurde aus rumlaufen und schleppen auch noch bergsteigen und schleppen. Gegen den Hunger haben wir uns immer wieder Spitzwegerichblätter in den Mund gestopft, damit der Magen etwas beschäftigt und das Gehirn beruhigt ist. Denn das war eine der größten Bedenken von uns allen: Wie werden wir drauf sein, wenn wir alle so richtig Hunger haben? Der Platz hatte leider so gar nichts reichhaltiges und einfach zu sammelndes geboten und die erste Priorität lautet nunmal die Nacht zu überstehen. Uns also gegen Kälte und Nässe zu schützen…

Hungerloch

Das mit dem Hunger war für mich überraschend einfach. Am ersten Tag hat er mich kaum beschäftigt. Und dabei bin ich unterzuckert schnell mal unausgeglichen. Aber ich war so drin und hatte nur die Unterkunft und das Feuer im Fokus. Und alle möglichen leckeren Speisen geisterten mir auch durch den Kopf ;)

Riesenshelter und Feuer

Am Abend haben wir noch im Mondlicht weiter gearbeitet, denn: Wir sind mit dem Shelter nicht fertig geworden! Zum Glück hat das mit dem Feuer (nach 2-3 Stunden) geklappt und alle waren hinsichtlich der Wärme entspannt. Aber das Shelter war einfach viel zu groß um es wind- geschweige denn regengeschützt zu bekommen. Die Nacht auf unseren selbst gebauten Wildnismatratzen waren alles andere als bequem und kalt war uns (ohne Schlafsack) trotz des Feuers auch allen.

Kraftlos

Die nächsten zwei Tage waren wir beschäftigt weiter Material heranzuschaffen um das Shelter abzudichten, Wasser zu holen und Brennholz zu sammeln. Einfacher wurde das nicht. Wir mussten immer weiter weg gehen und immer genauer suchen um etwas zu finden. Dabei dauerte alles fünf mal so lange, weil wir wie die Zombies umhergewandelt sind. Ich konnte einfach nicht fassen, was es energietechnisch ausmacht nichts zu essen!

Mein Kreislauf machte das einfach nicht mit und zwang mich drei mal in die Knie.

Ich dachte immer der Hunger sei das Anstrengende. Der war aber gar nicht wirklich vorhanden. Der einzige Grund warum man da an Nahrung denkt: Man braucht Energie! Jeder verdammte Schritt war so unglaublich anstrengend. Am dritten Morgen brauchte ich vier Anläufe um überhaupt aufzustehen. Mein Kreislauf machte das einfach nicht mit und zwang mich drei mal in die Knie.

Schummeln

Ja, wir haben auch geschummelt. Am zweiten Abend kündigte sich Regen an und unser Shelter war weit davon entfernt dicht zu sein. Also waren wir uns recht schnell einig doch die Plane zu holen. So hart war dann doch niemand und die Verlockung zu groß… Und wir haben auch am dritten Abend schon etwas gegessen. Also was sättigendes… Davor hatten wir Brennnesselblätter gegrillt, ein paar Nüsschen geknabbert und mehlige Weißdornbeeren gelutscht. Beruhigt das Hirn, aber gibt keine Energie ;)

Wir waren uns zwar sicher, dass wir es noch bis zum Ende durchgestanden hätten. Aber als klar war, dass wir das Shelter wieder abbauen sollen (das war noch nicht sicher ausgemacht) und die Platzhüterin uns gebeten hat ihr aus dem Wald-Hang Holz runter zu schlichten… Also angesichts unseres Zombie-Zustands konnte sich niemand von uns vorstellen auch nur einen Holzstamm überhaupt heben zu können. Deswegen dachten wir, wir müssten schon am Vorabend etwas essen um am letzten Tag wieder auch nur irgendwie Energie zu haben…

Kürbis-Kartoffel-Power-Eintopf

Das war der schönste Tag der Reifeprüfung! So schnell hatte noch niemand von uns einen Löffel geschnitzt! So viel Vorfreude auf Essen und Energiiiieee! Ich habe sogar gleich einen Schöpflöffel geschnitzt, weil ich zu faul war auch noch eine Schüssel zu brennen. Das war ein Fest! Haha und das war wie Zauberei! Erstens wurde eine ganze Gruppe aus einem zwei Liter Gemüse-Eintopf pappsatt, zweitens mussten plötzlich alle kacken (endlich! Alle fragten sich schon wo das bleibt… Jetzt verstehe ich erst warum man vor dem Fasten erst den Darm entleeren soll haha….) und drittens: Die Energie! Sie ist eingeschossen als hätten wir uns den Eintopf intravenös gespritzt. Plötzlich sind wir herum gelaufen wie Duracell Häschen und habe auch gleich noch das ganze Holz für die Platzhüterin geschupft! Und was für einen Spaß wir hatten. Wir waren wie ausgewechselt. Damit hätte ich nie und nimmer gerechnet wie schnell das geht! Am Vorabend essen war also völlig übertrieben, aber dafür war der nächste Tag ganz stressfrei mit dem Abbau von unserem Shelter, des gebührenden Abschlusses und der Heimreise…

Ich nehme alles!

Im Nachhinein mussten wir richtig lachen, dass wir vor lauter Vorfreude und Hunger nicht mal daran gedacht hatten auch nur ein Wildkraut in den Eintopf zu schmeißen. In unseren Köpfen war nur noch das Essen :D Ich selbst musste die drei Tage davor auch durchgehend an Essen denken. Ich hätte alles gegessen! Im Kopf bin ich die ekelhaftesten Speisen durchgegangen oder total langweilige… Ich hätte einfach alles gegessen! Ohne Salz ohne alles, hart und trocken… Hauptsache irgendwas im Magen.

Sehnsucht nach Geborgenheit

Ein Gedanke, der uns auch alle verbunden hat: Die Sehnsucht nach Zuhause, Partner*in, Familie, und einfach alles wo wir uns wohl gefühlt hätten. Mit der Zeit kam das Wohlfühlen dann auch zu uns, aber in der Ungewissheit ist das Heimweh einfach stark.

Reifeprüfung überlebt?

Ja, haben wir. Aber uns war danach auch allen klar: Wenn wir tatsächlich einen Notfall gehabt hätten? Ich weiß ehrlich nicht, wie das hätte weiter gehen sollen. Ich hatte echt den Gedanken, ob mich das Graben nach einer Wurzel nicht mehr Energie kostet, als sie mir gibt. Nicht selten sah ich einen Käfer, einen Wurm oder eine Schnecke vor mir und realisierte, dass ich auf diesem Gebiet noch zu wenig weiß. Aber auch Kräftetechnisch… Ich habe momentan nicht das Gefühl, dass sich das so gut ausginge… Klar.. wenn man alleine ist könnte man auch in einem Laubhaufen übernachten… Besser als nichts… Die abgesammelten Schnecken muss man sich nicht teilen… haha :D

Ob ich es nochmal machen würde?

Klar doch! Ich glaube je öfter man sowas erlebt, desto routinierter wird man. Desto weniger unangenehm ist es, desto mehr Gewissheit und Selbstvertrauen bekommt man. Und vor allem: Man übertritt immer und immer wieder die Komfortzone, sprengt seine Grenzen… und danach schätzt man alles was man hat, eben auch all den Komfort und man kann sich fragen: Was davon brauch ich jetzt wirklich?

Und du?

Hast du sowas schon mal gemacht? Wann bist du mal so richtig aus deiner Komfortzone geschlüpft? Es können ja auch „unscheinbarere“ Erlebnisse sein als ein Survival Wochenende :)

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17 Gedanken über “Die Wildnis Reifeprüfung

  1. Bushcrafter

    Hallo, tolle Aktion! Nur mit Messer und Wasserflasche – Respekt. Hab letztes Jahr selber ein ähnliches Projekt gestartet aber nur für 2 Tage und mit 5 Dingen:

    * Messer
    * Wasserflasche
    * Feuer
    * Plane
    * Schnur

    Also nur mit Messer und Wasserflasche gehts meiner Meinung nach ans Eingemachte und man benötigt einiges Wissen um die anderen Sachen die benötigt werden herzustellen. Toll!

  2. Marek

    Woow, riesen Respekt für das Projekt! Mitten in der Natur, im Selbstversorgerstil, ist sicherlich viel Kraft von Nöten (mental UND körperlich) – ich würde jedoch sagen, dass es die Erfahrung definitiv wert ist!
    Sehr schöner Beitrag, habe diesen Blog erst kürzlich entdeckt, aber werde in Zukunft regelmäßig vorbeischauen. Schöner Schreibstil, also macht weiter so!

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    Marek B.

  3. Johannes

    Toller Bericht!

    Ich denke im Fall eines Nahrungsmangels in Notfallsituationen ist es vielleicht sogar das beste komplett nichts zu essen bis die erste ergiebige Nahrungsquelle erschlossen ist, da sich der Korper so viel schneller auf die Ernährung durch die eigenen Fettreserven umstellt, als wenn man immer wieder eine Kleinigkeit isst die einen doch nicht satt macht und somit die umstellung hinauszögert..
    Habe dieses Jahr auch eine Woche gefastet und kenne den Zustand der völligen Entkräftung sehr gut, der aber nach spätestens dem 3. Tag des völligen Nahrungsentzugs fast vollständig verschwindet, sobald der Körper sich umstellt. Wenn man jetzt kein total abgemagertes Model ist lässt es sich in diesem Zustand auch bis zu 30 Tage sehr gut leben ohne gesundheitliche Einschränkungen.

    Auf jedenfall ein interessante Back to the Roots experiment.

  4. Stephan

    20 Stunden alleine im buckligen Welt- Wald:
    Ausrüstung
    Rucksack
    Schlafsack
    Isomatte
    Schnur
    Taschenmesser
    Pflaster
    Trillerpfeife für Notfälle
    5l Wasser in 2 Trinkflaschen
    1 Tag und 1 Nachtarnitur +
    ReserveGewand
    Zuerst war die Aufgabe die Isomatte an einem guten Platz -ich wählte eine sanft gewölbte Hügelkuppe,um Staunässe zu verhindern.Dann kam die Schnur gespannt zwischen 2 Bäumen als Träger der Plane zum Einsatz. Die Enden der drübergehengten Plane beschwerte ich mit schweren Steinen, die ich nicht weit entfernt im Wald fand.
    Zunächst war dann nichts mehr…ausser dem Wald und mir…wie klein und doch groß in der Resonanz mit dem Wald kam ich mir vor und atmete die frisch nach Tannen-und Kiefern duftende Luft!:)
    Irgendwann gegen Abendrot brach die meditative,gedanklich reich erfüllte Stimmung ab und ,wie abends bei mir, nach einem Tag mit nur Frühstück, meldete sich mein Magen. Gut dass ich herrlichen Eierschwammerl und Brennnessseln finden konnte! Ich aß roh gewaschen und mit dem messer geputzt -natürlich ohne Nesselhaare-einfach ordentlich in einem Leiberl gewuzelt und weg warn sie;))
    Gewandeswechsel und Schlafsackverkriechen beim nach Einbruch der Nacht war gut um Körperfeuchtigkeit und Nachtfeuchtigkeit vom Körper abzuhalten.
    Die Nacht war voller Geräusche umherstromernden Rotwilds und Käuzchen schrien.
    Die Nacht war recht behaglich im Schlafsack – jedoch in unwegsamen gelände,nur mit etwas Mondlicht,pinkeln
    war ein Erlebnis!
    Der Morgen war herrlich und somnig und um 9:00 endeten die 20 Stunden in einem Wald bei Hofkirchen in der buckligen Welt.

  5. Sibylle Nestrasil

    Tolles Erlebnis! Den Leichtsinn meiner Vorrednerin kann ich nicht erkennen: Ihr hattet ja eine Plane und Essen für Notfälle dabei, und die nächste Zivilisation war auch nicht so weit… ;-)
    Aber es ist immer eine großartige Erfahrung über sich selbst und die eigene Komfortsucht hinaus zu wachsen.
    Ich hab ähnliches auf meiner traditionellen Wanderschaft („Walz“ ) erleben dürfen, da gabs auch nicht sehr viel Komfort, und das wichtigste war immer, eine positive Einstellung zu behalten, auch wenns mal nicht so gut läuft. Man darf der Angst keinen Raum geben. Es kann ein sehr befriedigendes Gefühl sein, mit wenig auszukommen, und aufkommende Schwierigkeiten zu meistern.

  6. marcel

    hahaha – gut gelacht, weil an eigene erfahrungen erinnert. besonders gefällt mir die ehrliche schreibweise ;-)).

    und leichtsinnig!? ich weiß nicht – war doch ne laborbedingung solange so eine aktion nicht tatsächlich außerhalb der brotgrenze stattfindet ist autofahren leichtsinniger.

    allerbeste grüße

    marcel

  7. Martina

    Les dich doch mal in die Themen „Ketogene Ernährung“ und „Paleo-Diät“ ein. Wenn der Körper im Vorfeld solcher Aktion von Kohlenhydraten entwöhnt ist, gibt es keine Probleme mit der Unterzuckerung und dem Energiegleichgewicht.

  8. Nancy

    Hallo,
    also abgesehen davon, dass so was für mich überhaupt nichts ist, finde ich die Prioritätenreihenfolge sehr merkwürdig. Wieso ist Essen der letzte Punkt? Schon der logische Verstand sagt einem doch, was sich letztlich auch gezeigt hat: ohne Essen geht alles andere auch nicht. Wenn man verhungert, ist es egal, ob es warm oder kalt ist.
    Ich finde diese ganze Aktion ziemlich leichtsinnig. Nix für ungut.

    1. Holger

      Hallo liebe Nancy,

      es gibt eine Prioritätenliste, die je nach Situation und Umgebung variieren kann. Ich versuch das mal ein wenig zu erklären.

      Es gibt eine sogenannte 3er Regel, die wie folgt gegliedert ist:
      a) 3 Minuten ohne Atmen
      b) 3 Stunden in extremer Wetterumgebung
      c) 3 Tage ohne Wasser
      d) 3 Wochen ohne Essen

      zu a) Atmen ist klar. Wenn der Mensch nicht atmet, dann stirbt er, in der Regel nach spätestens 3 Minuten.

      zu b) Bei Kälte, selbst hier in Deutschland bei zb 15 Grad und Wind ist eine Unterkühlung sehr schnell gegeben. Nach ca. 3 Stunden ohne entsprechenden Schutz (Feuer, Heizung, bessere Kleidung) sinkt die Körpertemperatur so weit ab, das der Körper aufgibt und stirbt.

      zu c) Wasser ist absolut Lebenswichtig. Ohne Wasser ist spätestens nach 3 Tagen Schluss, da der Körper durch Schwitzen und Ausscheidungen zu viel Wasser verliert, und so die Organe versagen werden. Der menschliche Körper ist leider nicht in der Lage Wasser zu speichern. Wasser welches er im Moment nicht benötigt scheidet er aus.

      zu d) Der menschliche Körper kommt gut 3 Wochen ohne Nahrung aus. Sicherlich sind die körperlichen Aktivitäten mehr oder weniger stark eingeschränkt aber so schnell verhungert man nicht.

      Die 4 Tage waren also für normale und gesunde Menschen alles andere als Lebensbedrohlich. Für kranke Menschen wäre das natürlich nichts gewesen.

      Man kann aus der 3er Regel also folgendes ableiten:
      1) Wärme
      2) Schutz
      3) Wasser
      4) Nahrung

      In Deutschland und auch in Österreich haben wir ein kaltes und feuchtes Klima. Wir haben im Jahr nur 2 Monate die von der Temperatur nicht lebensbedrohlich ist, das ist der Juli und der August. In diesen zwei Monaten ist es auch Nachts so warm, das man nahezu keine Unterkühlung befürchten muss. Die restlichen Monate sind lebensbedrohlich, da wir zb eine durchschnittliche Temperatur von ca. 8,5 Grad haben.

      Somit sollte die Wärme (Feuer) in unseren Breitengraden die höchste Priorität haben. Gefolgt vom Schutz (Behausung), denn was bringt das wärmende Feuer wenn es beim ersten Regenguss wieder aus ist.
      Dann ist die Wasserversorgung als nächstes dran die sichergestellt werden sollte.

      Erst zum Schluss geht es an die Ernährung (Fischen, Kräuter, Nüsse, Jagen etc….).

      Es mag durchaus sein, dass das was Lisa an dem Wochenende gemacht halt, also der Kurs, nichts für dich ist. Ist ja auch vollkommen in Ordnung. Es gibt aber Menschen die wollen solche Situationen mal erleben oder auch nur mal die Komfortzone verlassen. Dadurch gewinnt man eine Menge Erfahrung, die für den einen Unwichtig ist aber für den anderen eine Wertvolle Erfahrung darstellt.

      Ich hoffe ich konnte dir beschreiben, warum die Nahrung nicht an der ersten Stelle der Prioritätenliste steht.

      Lieben Gruß
      Holger

    2. Andre

      Der logische Verstand begreift aber auch, das schon ganz schön viele Menschen etliche Tage und sogar Wochen ohne Essen ausgekommen sind. Aber noch niemand hat bei Kälte ohne Schutz länger als ein paar Stunden überlebt.
      Man kann auch leicht selbst ausprobieren, das man sich nicht beliebig „warm futtern“ kann. Nicht mal das opulenteste Mal kann eine Jacke ersetzen, geschweige denn ein Feuer… Da müsste man gleichzeitig Essen und sich sehr intensiv dabei bewegen… Was man beides nicht sehr lange durchhält.

    3. Tobi

      Hi Nancy,
      die gewählte Prioritätenreihenfolge ist tatsächlich richtig. Auch dann, wenn sie sich für dich auf den ersten Blick nicht erschließt.

      Im Allgemeinen kann man diesbezüglich eine „3er-Regel“ anwenden: Man erfriert in 3 Minuten – man verdurstet in 3 Tagen – man verhungert in 3 Wochen.

      Auch wenn viele Aktionen mit hungrigem/ausgepowertem Körper deutlich schwieriger werden, bleibt dieser Grundsatz bestehen. Denn was würde es nützen, endlich essen zu können, wenn man längst erfroren ist? ;-)

      Des Weiteren gewöhnt sich der Körper recht schnell daran, dass keine Nahrungszufuhr vorhanden ist, und geht dementsprechend an die körpereigenen Reserven, d.h. nicht-beanspruchte Muskeln, Fettreserven, etc.
      Da besteht also erstmal keine Sorge.

      Achja, und noch was: Für die Verdauung von Nahrung wird Wasser benötigt. Dementsprechend ist es sogar ratsam, nichts zu essen, wenn die Dehydrierung droht und kein Wasser vorhanden ist.

      Liebe Grüße,
      Tobi

    4. Nancy

      Hallo zusammen,

      ich danke euch für eure Erklärungen. Das ist natürlich verständlich, ich würde jedoch eher so vorgehen, dass wenigstens 1, 2 Leute sich um Nahrung kümmern, während der Rest für Wärme und Unterschlupf sorgt.

      Viele Grüße

  9. kahalla

    Klar, ich habe so etwas auch mehr als einmal gemacht.
    Z.B. im Winterlichen Freiburg bei -5° C draußen übernachtet, als Wärmende Unterlage einen alten Hippie Schaffellmantel.
    Ohne Notausrüstung, weil ich eine Übernachtung bei Bekannten ausgemacht hatte, die aber nicht da waren. Damals gabs noch keine elektronischen Geldautomaten und so konnte ich auch in keinem Hotel unter schlüpfen.
    Im übrigen gibt es eine Menge Obdachlose ( und gab es damals schon) die sich in genau dieser Situation befinden und der Schlafplatz, den ich mir gesucht hatte, war schon recht bevölkert. In solch einer Atmosphäre bleiben die Menschen für sich weil keiner den anderen kennt und diesen auch nicht sehen kann. Da man von der Situation extrem gefordert ist wäre das Eingehen auf einen Fremden wohl zu viel, so habe ich das Verhalten( meins und das meiner „Schlafgenossen“) interpretiert.
    Was Du über den Hunger und das Fasten schreibst, wundert mich etwas. Mit einer gründlichen Darmentleerung stellt der Körper auf einen Fastenmodus um und fängt an, die körpereigenen Fettreserven abzubauen. Ein Heilöfasten mit drei „Mahlzeiten aus Flüssigkeit ( Gemüsebrühe, Tee oder stark verdünntem Saft) waren die einzige Ernährung. Dieser Zustand setzt körpereigene Glückshormone frei und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es zwar Fastenkrisen gibt, ich aber die meiste Zeit des Fastens zu den kreativsten Phasen meines Lebens zählen kann. Und dies nicht nur geistig, sondern auch körperlich. Sicher tritt dieser Zustand erst nach eine er weile des Fastens ein, aber da mein Körper diese Umstellung seit langem gewöhnt ist, geht das bei mir sehr schnell. Meist ist der zweite Fastentag schon einer, an dem es mir sehr gut geht. Klar war es eine Stresssituation, in der ich euch befandet, aber mit wachsendem Zutrauen zu eurem Körper und euren geistigen Fähigkeiten, werdet ihr solche Ausflüge mehr und mehr genießen. es wie das tolle Gefühl am Baggersee, wo man im Hochsommer aus den schweren am Körper klebenden Klamotten raus und in erfrischendes Wasser hüpfen kann. Meine klarsten und schönsten Tage hatte ich, als ich im Winter 8 Stunden am Tag bei – 10° draußen arbeiten durfte. Ich habe ein Wildnishecke von knapp 3 km Länge „ausputzen“ dürfen.
    Die kalte Luft macht e mich so klar im Kopf, meine Körper war so sehr an die Kälte gewöhnt, dass er eigentlich nie mehr wirklich fror, Der einzige nachteil war, das ich mit zentralbeheizten Menschen nur noch kurze Kontakte hatte, da mir ihrer Wohnungen viel zu überhitzt waren und ihnen mein olles Bauernhaus trotz bullerndem Ofen zu kalt.

    1. Sabine

      ich möchte deine, kahalla, Erfahrungen über die körperliche und geistige Fitness während des Fastens nur unterstreichen! Ich habe über 12 Jahre Fastengruppen durch die Natur, durch Wälder im Waldviertel geführt und dabei sind wir bis 20km pro Tag gegangen. Nie habe ich bessere sportliche Leistungen gebracht, sowohl beim körperlichen Arbeiten am Bauernhof, als auch beim Leiten von Gymnastikgruppen und Tanz, bzw. bin so klar im Kopf gewesen, als zu meinen Fastenzeiten. Wichtig dabei ist, so wie du schon schreibst, einige Regeln dabei zu beachten, sonst geht es einem eben schlecht.
      Die selben Erfahrungen wie du habe ich auch mit der alljährlichen Waldarbeit, die ja auch meist bei Temperaturen unter Null gemacht werden. Es ist einfach nur Training der Adaptationsfähigkeit des Körpers. In früheren Zeiten hat man eben Kneippanwendungen gemacht oder auch Sauna, Dann kann der Organismus schneller und besser umschalten und sich anpassen.

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