Die Vorteile der modernen Landwirtschaft

Michael Hartl
Von Michael Hartl
28. Oktober 2011

Was würdest Du machen, wenn sich genau in diesem Moment jemand neben Dir schwer verletzt? Ganz klar, den Rettungswagen rufen, der dann auch kommen würde. Wir würden gerne ähnlich verfahren, nur dass zu uns raus derzeit kein Rettungswagen kommen könnte. Denn die moderne Landwirtschaft nimmt auf die Bedürfnisse von Menschen ungefähr genau so viel Rücksicht wie auf die Befürfnisse der Natur, des Bodens oder der Nutz- und Wildtiere (wenn man eine solche Einteilung vornehmen möchte).

Dank einem Niedersprühen des Grases, das den Feldweg zu uns raus normalerweise durchwurzelt und damit befestigt, mit Pestiziden verwandelt sich dieser besagte Weg derzeit in eine Schlammkuhle.

Teils tonnenschwere Traktoren stört das nicht, denn die können mit ihren Reifen und den vielen PS sowohl auf total zerstörten Feldwegen fahren – aber auch gerne über regennasse Felder, deren Boden dadurch wunderbar verdichtet wird. Das ist nicht nur gut, um später zu sehen, wo der Traktor langgefahren ist, das quetscht auch so richtig schön die nervenden Tiere aus dem Dreck Boden.

Denn Sinn macht all dieses Pflügen nicht so wirklich, wenn man sich die Folgen der Störung des Bodenlebens und der Zerstörung einer gesunden, wasser- und nährstoffspeichernden Bodenstruktur ansieht.

Aber dafür gibt es dann ja weitere Maschinen, um eine zwar künstliche Gare – also eine gute Bodenstruktur – nachzuahmen, die beim nächsten heftigen Regen zusammenfällt und verschlämmt wird, wodurch der Boden dann wieder Humus verliert, anstatt ihn aufzubauen, und in Folge dessen weniger Nährstoffe hat und diese schlechter speichert.

Aber dafür gibt es wiederum künstlich erzeugte Düngemittel, die wahnsinnig viel Energie und Öl in ihrer Produktion fressen, dann transportiert werden müssen, ins Grundwasser ausgewaschen werden und die Pflanzen zu schnell wachsen lassen, wodurch sie anfälliger für Krankheiten und Schädlinge werden.

Aber dafür gibt es dann ja Spritzmittel, Pestizide, Insektizide, Fungizide, Herbizide und so weiter. Die wiederrum viel Energie und Öl verbrauchen – aber wir habens ja.

So wie all das Land, das die deutlich uneffizientere industrialisierte Landwirtschaft verbraucht.

Die Punkte „Maschinen“ und „ineffiziente Landnutzung“ gelten im Übrigen auch für die Bio-Landwirtschaft, die statt Tiere durch Gifte am Feld zu töten, dies über die Milch- und Fleischproduktion in Ställen und Schlachthöfen erledigen lässt. Denn statt künstlichen Düngern wird hier das Fäulnisprodukt Gülle auf die Flächen ausgebracht.

Ach ja, eigentlich sollte es um die Vorteile der modernen Landwirtschaftsweisen gehen…. ähm …. nur ein paar Prozent der Menschen in modernen Ländern müssen in der Landwirtschaft arbeiten. Bei unseren Schwierigkeiten genug Mitarbeiter*innen für all unsere florierenden Unternehmen in den Zeiten der derzeitigen Vollbeschäftigung zu finden, wirklich klasse!

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14 Gedanken über “Die Vorteile der modernen Landwirtschaft

  1. Andreas

    Hallo Michael
    Ich habe ja schon gemerkt das es dir die schweren Landmaschinen angetan haben. Ich hab ehrlich gesagt noch nicht drüber nachgedacht was die für Auswirkungen haben. Sicherlich nicht schlimmer als ein Panzer.
    Sie verdichten den Boden, aber wie jemand hier schrieb haben sie eine große Reichweite. Die Spuren liegen weit auseinander.
    Was mich stört, das es überhaupt motergetriebene Fahrzeuge gibt.- Meinetwegen könnte alles bis auf Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen abgeschafft werden.
    Meiner Meinung nach könnte man bei den Arbeitslosenzahlen und dem Wegfall einiger Industrien, auch in der Landwirtschaft wieder manuell arbeiten. Auf die Preise würde sich das sicher auswirken aber ist Essen nicht das wichtigste im Leben? Wenn wir unser Geld nicht mehr in Autos und Elektronikmüll investieren, können wir auch mehr fürs Essen ausgeben.
    Du kritisierst auch das Ausbringen von Gülle. Ist es nicht aber besser als Kunstdünger?
    Gruß, Andreas

  2. Brigitte

    "Mein Mann hat jahrelang als Substitut und Marktleiter im Lebensmittelhandel gearbeitet und die gesamte verrückte “Entwicklung” dort an der Wurzel allen Übels mitbekommen: Die Auslage muss überquellen, es darf keinen “Fehlartikel” geben,.."

    Richtig, weil die Kunden am Samstag, 5 Minuten vor Ladenschluß herummeckern und sich in der Zentrale beschweren, wenn es statt Brokkoli nur noch Blumenkohl gibt.

    Ich habe auch jahrzehntelang im Verkauf gearbeitet und ehrlich gesagt die Kunden waren oft "Kotzbrocken", das was es gab wollten sie nicht, auch wir sauer, wenn wir viel wegwerfen mussten.

    "einige Konzerne verbieten Reduzierung zwecks Abverkauf (“sonst warten die Kunden nur darauf!”), lieber wegwerfen,"

    Natürlich, weil dann am Tag der Laden leer ist. Wir hatten in unserem Laden eine Bäckerfiliale mit drinnen, die eine Zeitlang Backwaren zum halben Preis die letzte halbe Stunde hergaben.

    Ergebnis:

    Nachmittags "tote Hose" beim Bäcker, dafür standen sie abends Schlange. Wir konnten den Laden nicht rechtzeitig schließen, ich (Dorfbewohnerin) habe meinen letzten Bus nicht mehr erwischt und musste MEHRFACH PRO WOCHE MIT DEM TAXI FÜR 25,- DM heimfahren, daraufhin habe ich vom Bäcker das Geld verlangt, ich arbeite nicht für das Taxi, da kann ich gleich zuhause bleiben und in meinem großen Garten werkeln.

    ER ließ den "Billigverkauf" bleiben und die Leute kamen wieder am Nachmittag. Und das Schlimmste war, diejenigen, die ein paar Pfennig beim Brötchenkauf eingespart haben, kauften vorher bei mir an der Supermarktkasse eine Stange Zigaretten bzw. eine Flasche Schnaps. Und ich habe 25,- DM für das Taxi gezahlt. Übrigens diese WEIBLICHEN Kundinnen haben nebenan im Sozailhilfeblock gewohnt.

    Die Kinder dieser Kundinnen mussten im bayer. Winter bei 20° Frost und kniehohem Schnee mit Turnschuhen herumlaufen, damit die "Mutter" ihre Zigaretten hatte. Seitdem bin ich dafür, dass es Bekleidungs- und Lebensmittelmarken statt Geld für hartz-IV-Empfänger gibt.

  3. Dieter

    Ich bin in den 1950ern auf einem Kleinhof in Niedersachsen aufgewachsen. Wir haben fast Alles hergestellt, was wir zum Leben gebraucht haben. Wir haben auch Weizen, Kartoffeln, Milch, Eier, Schweine und Kuehe verkauft. Geduengt wurde mit Stallmist. Bereits in den fruehen 1960ern hat ein Nachbar, der als ungelernter Arbeiter in Hamburg gearbeitet hat, das Vielfache dessen Verdient, was mein Grossvater verdienen konnte, obwohl die woechentliche Arbeitszeit meines Grossvaters ca. doppelt so lange war wie die des Nachbarn, mein Grossvater niemals krank werden durfte und auch niemals Urlaub nahm. Der Nachbar konnte bald mit dem eigenen Auto nach Italien fahren, einen Kuehlschrank, TV und vieles andere kaufen, was bei uns absolut nicht vorstellbar gewesen waere, obwohl das ueber Generationen angesammelte Fachwissen eines traditionellen Landwirts viel groesser war, als die Qualifikationen eines ungelernten Arbeiters. Das hat dazu gefuehrt, dass unser Hof, sowie Millionen anderer Hoefe in ganz Europa, in den 1960ern dicht gemacht wurde. Fazit: die Landwirdschaft in einer Industriegesellschaft ist zwangslaeufig auch industriell.

    Das ist nicht gut, aber so ist das nun mal. Die Schuldigen sind nicht die Landwirte – sie haben keine andere Wahl. Wenn wir an der Industriegesellschaft teilhaben, dann tragen wir Alle auch einen Teil der Verantwortung fuer die Zerstoerung durch die industrielle Landwirtschaft.

    Studien haben gezeigt, dass bereits die aegyptische Landwirtschaft vor ueber 2000 Jahren effektiever war als die heutige moderne Landwirtschaft – wenn wir den Verbrauch von fossielen Brennstoffen und anderen Rohstoffen mitrechnen. Die industrielle Landwirtschaft kann nur billige Nahrung herstellen, weil sie mit billigen Rohstoffen (Gas, Diesel, Phosphat, usw.) arbeiten kann und weil sie nicht fuer die Schaeden an Boeden, Umwelt und Gesundheit aufkommen muss.

    Billige Rohstoffe wird es bald nicht mehr geben. Teurere Rohstoffen fuehren bereits jetzt zu Preisverdoppelungen bei Grundnahrungsmittel, die seit einigen Jahren in armen Laendern zu sozialen und politischen Unruhen fuehren. Die Auslaeufer dieser Unruhen werden auch in den reichen Industrielaendern zu spueren sein. Schlimmer noch als der Abbau von begrenzt vorhandenen Rohstoffen ist die Zerstoerung des Bodens durch industrielle Methoden. Der organische Anteil in Ackerboeden ist weltweit gefallen, weil die Boeden nicht mehr mit organischen Materialien sondern mit toter Chemie ernaehrt werden. Dies fuehrt zu einem Verlust an natuerlicher Bodenfruchtbarkeit sowie zu Erosion und Wuestenbildung. Jedes Jahr verlieren wir ein bis zwei Millionen Hektar Ackerland durch Wuestenbildung. Ein Grossteil der verbleibenden Ackerflaeche ist ebenfalls bedroht.

    Die sogenannte gruene Revolution hat zu einer Ertragssteigerung und einer Explosion der Weltbevoelkerung gefuehrt. Die Weltbevoelkerung steigt weiter, aber eine weitere Ertragssteigerung ist nicht moeglich. Im Gegenteil, Zerstoerung der natuerlichen Bodenfruchtbarkeit, Erosion, Wuestenbildung usw. werdn zu noch groesseren Ernteausfaellen fuehren und die Welternaehrungskrise noch verschaerfen. Gleichzeitig fuehrt der Klimawandel zu weiteren Ernteausfaellen, weil in einer Region der Regen ausbleibt und in einer anderen Region die Ernten durch Ueberflutung zerstoert werden.

    Fazit: unsere einzige Ueberlebenschance ist, zu einer nachhaltigen Landwirtschaft zurueckzukehren und den organischen Anteil im Boden (und damit die natuerliche Bodenfruchtbarkeit) zu erhoehen. Das ist mit den heute bekannten Methoden moeglich: es gibt zahlreiche Modelle dafuer, wie dies im Grossen oder im Kleinen geschehen kann. Es liegt jetzt an den Konsumenten sowie an den Politikern nachhaltigen Anbau zu foerdern.

    lg. Dieter

  4. pro-edaphon

    Das der Abverkauf (Reduzierung) vertraglich untersagt wird war mir neu – gruselig. Und inzwischen werden wohl nicht mehr nur Ketten vor die Mülltonnen gehängt, sondern auch der Inhalt mit scharfen Reinigungsmitteln übergossen. :(

    Das Argument, dass die Kunden nur auf die Reduzierung warten kann ich nicht ganz nachvollziehen, denn nicht jede_r hat Zeit und Nerven das Risiko einzugehen, dass gar nichts mehr im Regal ist. Das ist doch auch eine Frage vernünftiger Kommunikation.

    Die Vertragspartner müssen sich aber auch nicht alles gefallen lassen. Auf der anderen Seite eröffnen ja auch Läden, die übriggebliebenes Brot anderer Läden aufkaufen und günstig am nächsten Tag verkaufen.

    Und da bin ich bei dem, was ich auch noch vergaß in meiner Auflistung:

    Es bedarf der Aktivist_innen, wenn sich etwas ändern soll. Nicht immer warten, dass die Zeit oder die anderen etwas ändern -> selber machen.

    Es gibt Netzwerke und Fördermittel, die vernünftig genutzt werden wollen …

    Grüßle

  5. Sebastian

    Hallo Barbara,

    ich stimme mit dir eigentlich völlig überein. Bezüglich der Überproduktion hast du völlig recht. Dass Problem ist aber wie gesagt, dass der höhere Preis im Supermarkt einfach (noch) nicht bezahlt wird. Der Konsument fragt derzeit noch Masse nach und nicht die Qualität, die auch mehr kostet.

    Bezüglich der Wegwerfkultur hast du auch absolut recht. Bei mir verkommt nahezu nichts. Mich nervt schon allein der riesige Verpackungsmüllberg. Alles muss in unnötig kleinen Margen verpackt werden. 5g-Schokolade doppelt verpackt in einem Plastebeutel. Völlig pervers! Fleisch gibt es bei mir nur am Wochenende, ganz selten mal in der Woche. Von etwas Wurst mal abgesehen.

    Ich bin auch auf dem Land großgeworden und lebe nun in der Stadt (mit Kleingarten). Ich versuche auch hier möglichst ökologisch zu leben, auch wenn man leider als Kleingärtner gewissen Zwängen unterworfen ist.

    Das Problem mit der ganzen Massenproduktion usw. liegt am Ende der Kette, beim Verbraucher. Wenn sich die Nachfrage siginifikant ändert, ändern sich auch die Produktionsmethoden, denn es ist ein Käufermarkt. Ein Umdenken setzt langsam ein und auch die ökologisch nachhaltige Produktion nimmt zu. Erfreulicherweise. Durchsetzen kann sich Bio in der Breite aber nur, wenn die Preise etwas sinken bzw. beim Verbraucher das Bewusstsein einsetzt, dass gute Lebensmittel auch etwas kosten und sie diese trotzdem kaufen.

    Und bei steigender Nachfrage muss auch Bio in großen Produktionseinheiten erzeugt werden, denn Kleinbetriebe können die Nachfrage kaum bedienen.

    Die Zeit wird zeigen, in welche Richtung das Schiff steuert.

  6. Barbara

    Lieber Sebastian, so ganz "romantisch" wie im Mittelalter sollte es wirklich nicht wieder werden! Auch als bekennender Stadtflüchter respektiere ich auch Lebensformen in gepflasterter Umgebung mit weniger als 1000 qm Gartenland ;)

    Aber eine moderate Wandlung wäre schon von Vorteil- Weniger rücksichtslos und berechnend, kleinere Strukturen, weniger Überproduktion. Mein Mann hat jahrelang als Substitut und Marktleiter im Lebensmittelhandel gearbeitet und die gesamte verrückte "Entwicklung" dort an der Wurzel allen Übels mitbekommen: Die Auslage muss überquellen, es darf keinen "Fehlartikel" geben, einige Konzerne verbieten Reduzierung zwecks Abverkauf ("sonst warten die Kunden nur darauf!"), lieber wegwerfen, heißt die Devise. Und zwar im Container mit Kettenschloss, damit "die Penner den Abfall nicht auseinander wühlen!" Auf diese Art verliert der Mensch früher oder später die Achtung vor dem Gut "Lebensmittel", Resteverwertung ist "Armeleutesache", wer's trotzdem macht, gibt's selten zu. Es gibt Prozentzahlen dazu, wieviel Nahrung überhaupt wirklich gegessen wird, bei Fleisch finde ich persönlich das besonders schlimm – bedeutet es doch Töten ohne Not! Als ich klein war, weinte meine Oma, wann immer sie weggeworfene Nahrungsmittel z.B. im Papierkorb am Spielplatz sah, man sagte uns "mit Essen spielt man nicht" und "was Du anbeißt, wird auch aufgegessen!" Vielleicht heute als altmodisch verpönt, aber ich habe meine Kinder (heute 19 + 23) genauso erzogen und bereue es nicht. Auch die Freude über das Auftauchen saisonnaler Obst- und Gemüseprodukte – die ersten Erdbeeren im Sommer, die Orangen im Winter – kennt der moderne Mensch ja gar nicht mehr. ;) All diese Gewohnheiten könnten in der "modernen Landwirtschaft" preislich und ökologisch ganz sicher einiges zum Guten verändern, denn wir müßten weit weniger produzieren.

  7. pro-edaphon

    Probleme der Landwirtschaft sind meines Erachtens (neben den im Artikel genannten):

    – Falsche Subventionspolitik,

    – landgrabbing, (lokale) Äcker als Spekulationsobjekte

    – Konkurrierender Flächenverbrauch für Biosprit / Energiepflanzen

    – Lobbyismus der Agrarindustrie

    – Gentechnik / Saatgutmonopolisierung

    – Verantwortungvonsichweisende Sprüche wie:"Landwirte produzieren das, was nachgefragt wird" -> Die meisten Landwirte machen über ihre Netzwerke auch Werbung für zweifelhafte Produkte. Das müssen sie auch, haben sie sich erstmal in die Abhängigkeit von Saatgutkonzernen, Investitionen und Verschuldung begeben und die kleineren Bauern ausgebootet. Solche Sprüche schieben den Verbraucher_innen die Schuld zu, die zum größten Teil gar nicht die Möglichkeit / Zeit haben sich mit den komplexen Zusammenhängen auseinander zu setzen und folglich Werbung und Preis als eindringlichstem Kriterium folgen.

    – Ernährung über den Umweg Tier (zu hoher Flächenverbrauch, ökologische und ethische Probleme)

    Stattdessen sollten gefordert bzw. gefördert und umgesetzt werden:

    – Flächen für regionale – sinnvollsterweise bio-vegane – Anbauprojekte

    (für Selbstversorger_innen, CSA-Initiaiven, Mietgärten, Gemeinschaftsgärten, Kleinbetriebe, pädagogische Projekte, …) -> Arbeitsbeschaffung

    – freies Saatgut zur Eigenvermehrung statt Hybrid(H1)Saatgut und patentiertem Leben, Erhalt und Weiterentwicklung lokaler Sorten

    – Freigabe der vielen Obstbestände und Organisation ihrer Pflege (siehe mundraub.org)

    – Verteilung auf Ballungsräume auch zu günstigen Konditionen (für Einkommensschwache kann es auch eine FoodKoop statt dem Bioladen sein in der sie z.B. als Arbeitslose auch mitarbeiten können)

    – Bessere Verteilung – statt Vernichtung von Lebensmitteln

    – Bewußtseinsschulung: Aufklärung für gute Nahrungsmittel statt Werbung für Zweifelhafte

    – Ernährung auf pflanzlicher Basis (weniger Flächenverbrauch, ethische, gesundheitliche und andere ökologische Vorteile)

    – Permakultur in die Landwirtschaft (noch weniger Flächenverbrauch)

    Ein schönes Beispiel, wie es besser geht: http://www.youtube.com/watch?v=QFgB3ec50tk
    (für die deutschen Untertitel unten auf cc klicken).

  8. daniel

    Hallo zusammen,

    habe diese Woche ein Interview mit Wam Kat, der mir zuvor kein Begriff war, gelesen. Message: es muss nicht jeder sein eigenes Gemüse anbauen, aber mehr mittelgroße bis kleine Betriebe statt Monopolisierung und Industrialisierung der Nachrungsproduktion sind erforderlich. So lassen sich auch Großstädte versorgen.

    Grüße

    Daniel

  9. Sebastian

    Lieber Michael, liebe Vorkommentatorinnen,

    ich glaube, ihr denkt da etwas zu einseitig bzw. romantisch. Nicht jeder kann sich selbst mit landwirtschaftlichen Produkten versorgen. Eine "Agrarindustrie" ist ein Erfordernis unserer Gesellschaft, so unschön das auch sein mag, denn auch die urbanen Ballungsräume wollen versorgt werden.

    Zudem ist der größte Teil der Konsumenten noch nicht bereit bzw. nicht in der Lage, Nahrungsmittel angemessen zu bezahlen. So abgedroschen das auch klingen mag, aber der Verbraucher stimmt darüber ab, was auf den Feldern passiert. Landwirte produzieren das, was nachgefragt wird.

    Um eine "Agrarindustrie" kommt man also aus verschiedenen Gründen nicht umher. Dass durch Monokulturen etc. immer heftigere Pflanzenschutzmittel notwendig werden und diese mehr Schaden als Nutzen bringen, steht außer Frage.

    Aber großflächige landwirtschaftliche Bewirtschaftung erfordert landwirtschaftliche Großgeräte. Dabei spielt es keine Rolle, ob konventionell oder bio. Es hängt rein von der Betriebsgröße ab. Das man solche Felder nicht mit Pferden bewirtschaften kann, sollte klar sein.

    Ich selbst lebe im Osten. Landwirtschaftliche Großebetriebe waren in Form von LPG und sind hier immer noch aktuell (auch in Osteuropa). In den alten Bundesländern sind solche Großbetriebe mit mehreren hundert Hektar Fläche nicht üblich. Dort sind die Höfe in der Breite m. W. n. kleiner und damit auch die Maschinen.

    Dass die Großmaschinen martialisch anscheinende Spuren hinterlassen, ist richtig, aber man muss auch die Reichweite solcher Maschinen berücksichtigen. Auf den Punkt machen solche Geräte sicher den Boden platt, aber sie lassen eben auch weite Fläche unberührt. Du lebst in Tschechien. Dort fahren sicherlich auch noch einige alte (meist gelbe) Kasimir K700. Die schleppen meist Maschinen mit enormer Reichweite und Kapazität.

    Ich merke, ich schreibe zu viel, deshalb nochmal mein Fazit: Eine industrielle Landwirtschaft ist aus verschiedensten Gründen (noch) notwendig, denn nicht jeder kann sich selbst versorgen und nicht jeder kann sich nachhaltig erzeugte Produkte leisten. Es findet ein umdenken statt, so dass biologische Produkte immer mehr nachgefragt werden. Dies ändert aber nichts an der Notwendigkeit an industrieller Landwirtschaft. Auch wenn die Produkte nach und nach immer ökologischer werden, brauch man die Fläche, um die notwendige Masse zu erzeugen.

    Problematisch sehe ich neben den Monokulturen auch die immer häufiger fehlenden Grünstreifen an den Feldern, die Lebensraum für zahlreiche Nützlinge darstellen. Da muss dringend nachgesteuert werden.

    Eine Rückentwicklung zu romantischen Kleinbetrieben ist in meinen Augen nicht mehr möglich. Leider.

    Seht das nicht so an, dass ich Landwirtschaft im großen Stil toll finde. Sie ist derzeit einfach ein Erfordernis unserer Gesellschaft. So traurig es auch ist.

  10. Sarah

    Liebe Barbara, lieber Michael,

    ihr schreibt mir beide aus der Seele. Man spürt deutlich euer beider Verbitterung über die aktuelle Situation v.a. in der großindustriellen Agrarwirtschaft.

    Hab erst kürzlich auf http://www.secret-wiki.de selbst einen Artikel zu ihrer Entwicklung und den daraus entstandenen Konsequenzen seit der sog. Grünen Revolution in den 50ern verfasst.

    Wichtig finde ich in solch einem Zusammenhang jedoch immer, nicht nur anzuprangern, sondern auch Alternativen aufzuzeigen, die für möglichst viele Mitmenschen auch ganz leicht umsetzbar sind.

    Einen großen Schritt in diese Richtung geht ihr mit eurem gesamten Blog ja bereits – weiter so!

    Herzlichst,

    Sarah

  11. Barbara

    Deprimierend! Nicht mal mehr auf den Wegen darf "Unkraut" noch in Frieden wachsen. Meinem Nachbarn z.B. erfrieren jeden Winter diverse Pflanzen hier im schneearmen NDS, aber er lästert trotzdem jeden Herbst über meine "unordentliche" dicke Blätterschicht, die bis zum Frühling meine Pflanzen wärmt. Einerseits der inzwischen schon ungesunde Zwang zu "Sauberkeit und Ordnung", aber auch die rigorose Eliminierung all dessen, was als "konkurrierend" betrachtet wird (um Nährstoffe, Futtergras, Erträge) lässt die meisten Menschen völlig gedankenlos werden. Es ist sich kaum noch jemand bewußt, dass Hähnchen im Kühlregal dasselbe ist wie Hühner auf der Wiese, nämlich Lebewesen. Sie prangern zwar den Masthähnchenbetrieb an, kaufen aber fleißig dessen Produkte! Und die Auslage hat, bitteschön, ordentlich gefüllt zu sein, auch am Samstag Abend halb acht! Und alles Obst hübsch "schädlingsfrei", bitte, makellos und steril-perfekt. Alles muss nur noch funktionieren, Ertäge abwerfen, verwertbar und kontrolliert sein … oft frage ich mich, wie lange wir Menschen selbst davon noch ausgenommen bleiben – oder ob wir es überhaupt heute noch wirklich sind!

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