Die Natur als Kalender

Ein Buch zum naturnahen Gärtnern

Michael Hartl
Von Michael Hartl
25. Januar 2012

Viele Gärtner*innen und Gartenbesitzer*innen grübeln derzeit wie wir über die Planung des kommenden Gartenjahres.Auf Saatgutpäckchen und in den allermeisten Gartenratgebern werden ungefähre Zeiten für die Aussaat angegeben: „Mitte März bis Anfang April“. Daraus entstehen bei vielen dann Arbeitslisten, die an bestimmte Monate gebunden sind. Im einen Jahr ist es aber Mitte März schon wieder grün mit voller Blütenpracht, in anderen Jahren aber fällt zu dieser Zeit nochmals Schnee und Nachtfröste schädigen empfindliche Jungpflanzen.

Mit unserem starren Kalender unsere Tätigkeiten in der Natur planen zu wollen, die nun mal lebendig und damit jedes Jahr ein wenig anders ist, kann auch nicht ganz reibungslos funktionieren. Wer sich mit Saatgut beschäftigt hat, weiß, dass jedes Saatgut bei einer bestimmten Bodentemperatur besonders gut keimt. Oder das sich Jungpflanzen bei bestimmten Tagestemperaturen besonders gut entwickeln. Und da sich beides, so wie viele weitere Faktoren, klarerweise in der Natur abzeichnen und auf alle Pflanzen und Tiere in unserer Umwelt auswirken, lässt sich daran viel besser ablesen, wann, was, wo zu tun ist.

Gärtnern nach den 10 Jahreszeiten der Natur

Bernhard Michels beschreibt in seinem bei blv erschienen Buch „Gärtnern nach den 10 Jahreszeiten der Natur“die Pflanzen, bei denen sich besonders gut beobachten lässt, welche Jahreszeit gerade angebrochen ist, läuft und zu Ende geht. Für den so genannten phänologischen Kalender, also einer Art Natur-Kalender, wird das Jahr in zehn Jahreszeiten unterteilt:

  • Vorfrühling
  • Erstfrühling
  • Vollfrühling
  • Frühsommer
  • Hochsommer
  • Spätsommer
  • Frühherbst
  • Vollherbst
  • Spätherbst
  • Winter

Diese viel feinere Untergliederung zeigt sich durch die Blüte, den Blattaustrieb, die Fruchtreife, den Blattfall oder andere Phänomene an ganz bestimmten Pflanzen. All diese Phänomene kehren Jahr für Jahr wieder. Sie sind abhängig von Bodentemperatur, Tageslänge und vielem mehr. Somit zeigen diese Phasen zum Beispiel an, ab wann kein Frost mehr zu erwarten ist, welche Bodentemperatur durchschnittlich erreicht ist und so weiter.

Naturnah gärtnern

Das schöne ist: niemand muss deswegen zum/zur Wissenschaftler*in werden und sich mit all diesen zahlreichen Phänomenen bis ins Detail auskennen oder verstehen, warum eine Pflanze eine bestimmte Phase erst einleitet, wenn die äußeren Bedingungen passen. Denn wenn zum Beispiel die Stachelbeere ihre Blüten voll entfaltet hat, wissen wir ohne die Umstände verstehen zu müssen, dass der Erstfrühling voll im Gange ist. Und das wiederum bedeutet, dass wir zum Beispiel vorgezogene Gemüsepflanzen abhärten und auspflanzen können.

Alle zehn phänologischen Jahreszeiten der Natur werden im Buch einzeln behandelt. Der Autor stellt dar, welche Pflanzen auf welche Weise die jeweilige Jahreszeit einleiten, ihren Höhepunkt anzeigen oder verabschieden. Er listet auf, welche Gartenarbeiten dann im Obstgarten, dem Gemüsebeet oder im Blumengarten anstehen. Er gibt Tipps, woran die Jahreszeiten außerdem erkannt werden können und rundet sein sehr lesenswertes Buch durch Bauernregeln, Pollenflugkalender und weitere Service-Teile ab.

Fazit

Auf der Rückseite des Buches steht „Der Kalender kann irren – die Natur nicht“. So sehe ich das auch. Für ein naturnahes Gärtnern ist ein grundlegendes Verständnis solcher Zusammenhänge sehr förderlich. Auch mehr auf die Natur als auf den astronomischen Kalender zu hören, ist für mich ein wichtiger Teil eines Gärtnerns in Harmonie mit der Natur.

Bernhard Michels Buch „Gärtnern nach den 10 Jahreszeiten der Natur“ ist ein sehr gelungenes Einstiegswerk und ein tolles Nachschlagewerk, das im Gartenjahr immer wieder in meine Hände wandert und zur Arbeitsplanung ganz unbedingt herangezogen werden sollte.

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8 Gedanken über “Die Natur als Kalender

  1. Helga Ahdursan

    Klingt voll interessant! Da habe ich noch so einiges zu lernen… Danke für die schöne Beschreibung, Michael!

    Und zum Thema Unterstützung: Ich finde es so schön, wie ihr "Schenkkultur" praktiziert mit dem Blog, dem Netzwerk usw. Vielleicht wollt ihr euch einmal Gedanken darüber machen, was ihr euch gerne von uns schenken lassen würdet? ;-)

  2. Lukiluke

    Lieber Michael,

    ich möchte das Buch gerne kaufen. Und ich würde mir wünschen dass, wenn ich es mir bei Amazon kaufe Du dann eine Provision dafür erhältst. Kannst Du nicht bei Amazon oder so ein Partnerprogramm machen dass ich direkt von Eurer Seite kaufen kann und ihr dafür ein paar Cents bekommt? Das würde mir das kaufen erleichtern und ein paar Euronen würden bestimmt bei Euch zusammenkommen.

    Liebe Grüße aus Hamburg,

    L

  3. Heike

    Hallo Michael,

    ja das Buch kann ich ebenfalls empfehlen! Meines ist nur etwas älterer Natur, denn ich besitze es schon seit fast 10 Jahren.

    Darin werden recht ausführlich die 10 Jahreszeiten erklärt. Etwas das mir damals sehr geholfen hat. Seit dem ist es mir nicht mehr passiert, etwas zu früh ausgepflanzt zu haben.

    Lg Kräuterfee Heike

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