Die einarmige Banditin

...oder wie ich lernte langsam und bewusst zu arbeiten.

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
1. Oktober 2012

Tja lang hab ich nichts mehr von mir hören lassen. Zum einen war viel los hier, ich war über eine Woche in Deutschland um mich im Hoopdance weiter zu bilden und danach noch auf Heimaturlaub und etwas arbeiten.

Ein kleiner Moment der Unaufmerksamkeit…

Kaum zu Hause angekommen waren einige liebe Helferleins bei uns die fleißig am Holzarbeiten waren und ich reihte mich fröhlich ein. Ich liebe ja zum Beispiel Holz spalten – das könnte ich stundenlang machen… Ein Unterschied zu unserer „üblichen“ Holzarbeit war dieses Jahr, dass wir uns eine große Tischkreissäge ausgeliehen hatten, weil wir dieses Jahr schneller arbeiten „mussten“ (an unserem vorigen Hofprojekt in Tschechien arbeiteten wir ohne Maschinen und haben alles händisch gesägt – halt nur dünnere Bäume…)

Mit dieser Kreissäge ist mir dann passiert, was ich mir im Albtraum nicht vorstellen mochte… Ich weiß nicht mehr wie es passiert ist, nur mehr dass die viel zu dünnen Holzstücke (große Kreissäge auch wirklich nur für große Holzstücke verwenden…^^) angefangen haben stark zu vibrieren und weiß der Teufel wie – ich weiß nur mehr, dass meine Finger im nächsten Moment brannten wie Feuer und ich mir die Seele aus dem Leib schrie. Die Schmerzen waren höllisch aber schlimmer war fast noch diese Panik meine Finger verloren zu haben.

Michael, der schon viele Menschen (unter anderem sich selbst) souverän erstversorgt hat, wurde dieses mal selbst nervös, konnte aber trotzdem die Ruhe behalten mir den Handschuh runter zu schneiden und die Hand zu verbinden. Schön sauber Ring- und Mittelfinger voneinander getrennt.

Es ist noch alles dran!

Mit diesen Worten wurden die Panikanfälle weniger und ich konnte mich immer mehr beruhigen und später auch schon mit den Rettungssanitäter_innen herumscherzen. Die Notärztin meinte sogar prompt: „Euch kenn ich ja eh! Ich hab von euch in der Zeitung gelesen!“ – im Aufwachraum des Krankenhauses versicherte sie uns noch, dass sie sich zwischenzeitlich auch unseren Blog angesehen hat – Dinge gibt’s, die gibt’s gar nicht :D

An dieser Stelle möchte ich gleich allen Menschen danken, die mir in dieser scheiß Situation beigestanden und geholfen haben. Es waren sicher mehr als ich weiß – manche hab ich erst am Samstag beim Uhudler Sturmfest in Heiligenbrunn kennengelernt – und ich bin so dankbar!! So sehr man manchmal auf die Gesellschaft oder das System schimpfen mag – es gibt auch sehr viel Gutes, lasst uns das nicht vergessen :)

Ergebnis ist eine durchtrennte Sehne am Ringfinger mit Trümmerbruch des hintersten Fingerglieds und auch ein Gelenk ist beschädigt. Dem kleinen Finger fehlt längs viel Gewebe (ein größeres Fleischstück wenn mans so nennen will) aber Sehne & Knochen sind nicht betroffen.

Für mich hat sich jetzt bestätigt was ich schon davor immer dachte: Ja es dauert länger händisch zu sägen, aber es ist auch weitaus ungefährlicher… Ich jedenfalls bin wieder an dem Punkt mir zu überlegen wie ich das in Zukunft machen will. Eine Kreissäge rühr ich jedenfalls so schnell nicht mehr an. Obwohl ich vor dem Unfall keine Angst davor hatte… Mit Motorsägen hab ich immerhin auch schon problemlos hantiert. Obwohl sie mir im Allgemeinen eh immer unsympathisch waren ;)

Szechuanpfeffer… und meine geschiente Hand ;)

Glück im Unglück

Aber hey was solls :) Die Finger könnten ganz weg sein – oder gleich die ganze Hand. Zu meinem Glück war es auch die rechte Hand und ich bin Linkshänderin. Also nur halb behindert. Die Schmerzen lassen mehr und mehr nach und nächste Woche hab ich einen weiteren OP Termin weil die Knochen nicht sooo ideal liegen. Wir wollten einfach sicher gehen und haben nochmal ein Krankenhaus konsultiert wo man sich mit Handchirurgie besser auskennt. Trotzdem wurde bei der Notoperation tolle Arbeit geleistet – nur damit das jetzt nicht falsch ankommt :) Aber wenn man die Chancen erhöhen kann, dass meine Finger wieder voll beweglich werden, dann nehm ich die Strapazen gern auf mich – Danke Michael für Dein Engagement :)

Zeit

Was ich gerade erleben darf, ist mich meinen Aufgaben mit noch mehr Zeit und meist auch mehr Geschick hinzugeben. Allein die Erfahrung mit einer Hand am Computer zu tippen ist irgendwie witzig. Dauert fast drei mal so lange aber man kommt rein. Ansonsten kann ich trotz meiner momentanen Einschränkung noch viele Dinge erledigen. Und – wie so oft wenn einem plötzlich etwas fehlt – ich empfinde noch mehr Bewunderung und Dankbarkeit für den menschlichen Körper. Vor allem die Bedeutung der Hände wird mir gerade in einem noch nie dagewesenen Ausmaß klar. Zur Zeit frag ich mich ob nicht die Hände ausschlaggebender waren für die menschliche Entwicklung als das Gehirn :)

Erntezeit! Und was sich sonst noch bei uns tut.

Im Moment sind wir viel dabei Gemüse, Bohnen und Samen zu ernten und einzukochen oder Lagermöglichkeiten zu schaffen. Vieles ist auch liegen geblieben in letzter Zeit. Zum Glück haben wir gerade jetzt einen sehr lieben und auch noch hochmotivierten Besucher, der es uns einfacher macht :) Ich bin wahnsinnig dankbar dafür.

Ein paar Arbeiten haben wir auch schon fotografisch dokumentiert und es sollte bald mal eine Anleitung folgen :)

Urlaub im Krankenhaus

Wie gesagt werde ich jetzt dann bis etwa Ende der Woche wieder im Krankenhaus verbringen… Viel Sonne ist angesagt – leider, aber da muss ich jetzt durch. Wir werden unser bestes geben wieder mehr von uns hören zu lassen – Michael ist im Moment ja auch recht eingespannt mit mir…

Falls jemand Tipps hat (Ernährung, Heiltees, oder allgemein…) zur Wund- und Knochenheilung, bitte immer her damit. Ich versuch grad viel frisches Obst und Gemüse zu essen (im Gegensatz zur Krankenhauskost ^^) aber vielleicht gibts ja noch mehr Begünstigendes ;)

Dafür siehts jetzt sehr gemütlich aus vor dem Haus ;)

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28 Gedanken über “Die einarmige Banditin

  1. Christa Reitermayr

    uaaaah! hab ich mir beim lesen gedacht, in die kreissäge kommen ist irgendwie eine alptraumvorstellung!

    an naturheilmitteln fällt mir ein: 1) beinwellpflaster – also: beinwellwurzeln mahlen, mit wasser zu brei rühren, auf einen sauberen stofflappen streichen, verletzte stelle damit einbinden ( so hat ein freund von mir seinen kompizierten beinbruch behandelt)

    2) arnikatintur- desinfiziert und heilt wunden

    ach ja, und mein persönliches rezept zum gesundwerden und -bleiben: beweglich bleiben

    alles gute, lisa, und dass du deine hand bald wieder gut bewegen kannst!

    liebe grüße, christa

  2. Annett

    Oh je Lisa, gute Besserung. wie die anderen auch schon empfehlen: Beinwell, Schafgarbe, Ringelblume und zur Narbenbehandlung Zwiebel und Veilchen.

    Wir haben auch so ein Ding… bisher noch nichts passiert, aber nun werde ich achtsam sein

  3. Helga

    ich empfehle ruhe und erholung!

    später dann beinwell für die knochen (als kulturbeinwell-salbe aus der apotheke zb, denn die pflanze ist geschützt, nur äusserlich anwenden! hochgiftig für verdauuungsapparat!!) wenn die wunde zu ist.

    und zur wundheilung johanniskrautsalbe oder johanniskrautöl (falls ihr das selber macht mit olivenöls) zur narbenvorbeugung sobald die wunde ein bisschen verheilt ist (nicht solange es noch blutet). schlecht verheile narben schmerzen oft ein leben lang, also pfleg die wunde.

    gegenwärtig nach tcm die verletzten finger auf der ANDEREN dh der nicht verbundenen, gesunden hand ein bisschen streicheln, einsalben und bewegen.

    ich wünsche gute besserung und heilung!

  4. Chenoa

    Liebe Lisa,

    auch von mir gute Besserung, ich hab gerade Deinen Beitrag gelesen.

    Auch ich hab bis vor kurzem noch mit einer Tischkreissäge mein Brennholz gesägt (hauptsächlich Paletten). Nachdem ich jahrelang mit Hand und Bügelsäge das Holz gesägt habe, war ich richtig glücklich, wie schnell und einfach das mit der Kreissäge ging. Doch irgendwann kam wieder das alte Bedürfnis durch, ohne diesen Lärm, diese rasante Schnelligkeit und die Gefahr das Holz in Harmonie und Frieden zu sägen. So hab ich die Säge vor ein paar Tagen wieder zum Verkauf angeboten.

    Ich bin auch der Meinung, das wir Menschen gar nicht so Achtsam sein können, um in Dauer-Konzentration mit dem Tempo dieser (Höllen-)Maschinen mithalten zu können.

    Ich denke, wir kommen alle wieder auf unseren einmal eingeschlagenen (guten) Weg. Jeder auf seine Weise.

    Es tut mir unendlich leid, das es bei Dir durch einen so üblen Unfall gekommen ist und schicke Dir alle guten Wünsche für eine baldige, rasche Genesung und die Hoffnung, das Du Deine Hand bald wieder uneingeschränkt einsetzen kannst.

    Herzliche Grüße

    Chenoa

  5. Magdalena Bott

    Es ist kein Zufall, dass ich das jetzt hier lese. Gestern habe ich mich böse geschnitten und war gewarnt, achtsamer und langsamer zu arbeiten. Ich hoffe, dass Du Dich schnell wieder erholst und voll einsatzfähig wirst.Mir wird ganz schlecht, wenn ich an Deinen schrecklichen Unfall denke. Auf alle Fälle eine Aufforderung mit seinen teuren Gliedern achtsam umzugehen. Mir langt schon der kleine Schnitt.

    Dir noch alles Gute.

  6. Luise

    Gute Besserung!

    Ich habe jetzt nicht die Kommentare durchgelesen, von daher kann es sein, dass es dort schon steht, aber Beinwell (zum Essen junge Blätter in Maßen, sonst alles mit Wurzeln), Schafgarbe und Wegerich sind super zur Wund- und Knochenheilung. Umschläge auf die Hand, Tinktur (ansetzen fürs nächste Wehwehchen!) und auch direkt essen helfen gut. Und natürlich Körper stärken, der benötigt jetzt ein großes Aufgebot an Mineralien und Vitaminen, da kann ich die jungen Herbsttriebe der Brennnessel empfehlen.

    Ich hatte bisher zum Glück noch keine Unfälle mit elektrischen Sägen, aber ich kann versichern, dass eine gute Handsäge auch ganz schön Löcher in die Hand schneiden kann…. Es ist wirklich kein Witz, wenn man immer hört, dass man sich auf die Arbeit konzentrieren soll – auch wenn's noch so einfach erscheint – ein kleiner Moment Unachtsamkeit und schon passiert was…

  7. Ramona

    CalendulaEssenz von Weleda wirkt Wunder! Als Essenz auf die Wunde auftragen und immer mal wiederholen! Hilft sehr gut und ich habe es immer bei Wunden angewendet. So entstehen keine Entzündungen und die Wundheilung geht wahnsinnig schnell!!!

    Gute Besserung!

    Ramona

  8. Anne Hartmann

    Ohje, gute Besserung!

    Zu den bereits genannten Hilfsmitteln fällt mir auch kein weiteres mehr ein, Arnikakügelchen, Johanniskrautöl, Ringelblume und Beinwell waren auch meine ersten Gedanken.

    Hoffe, dass der Heilungsprozess gut verläuft!!!

    Viele Grüße,

    Anne

  9. proedaphon

    Falls du doch nochmal eine Kreissäge anrührst, dann nutze – gerade bei Kleinkram – nen Schiebestock: .
    Ich glaube für Rundholz sind die Dinger eh nicht gedacht (also eher für Tischlerarbeiten als für Feuerholz).

    Alles Gute für die 2. OP.

  10. Manuela Schmidt

    Oh no, du Arme! Da wird mir schon beim Lesen ganz anders… Vor vielen Jahren hat sich mein Vater mal in den Finger gesägt, als ich alleine mit ihm zuhause war. Das war so schlimm… Bei ihm war "nur" der Mittelfinger betroffen, aber das hat auch wirklich lange gedauert… Aber es war faszinierend, wie schnell sich die gesunden Finger daran gewöhnt haben, die Aufgaben des verletzten Fingers zu übernehmen (z.B. beim 9-Finger schreiben ;)

    Ich wünsch dir alles alles Gute für die Operation und eine gute Besserung!

  11. lisa

    oh jeh, gut besserung wünsche ich dir! habe mich auch vor zwei wochen mit der brotschneidemaschine geschnitte, das war auch ein schock, aber alles halb so wild. jedenfalls kann ich grade gut mitfühlen! was mir auch gut geholfen hat war schafgarbentinktur. die hilft gut beim zusammenwachsen. alles gute dir! lisa

  12. irmi egger

    liebe lisa,

    ich verfolge euren blog schon lange und finde den weg, den ihr eingeschlagen habt, wirklich bemerkenswert und schön! habe mich noch nie gemeldet, möchte dir nun aber einfach gute besserung wünschen! wenn du die heilung homöopathisch unterstützen magst, wäre auf jeden fall arnica in hoher potenz zu empfehlen.

    alles liebe von irmi

  13. Frau Ella

    Da wurde mir wirklich ein wenig übel beim Lesen. Ich habe dich förmlich schreien gehört. Was für ein Schock! Sehr bewundernswert, wie du mit der Situation umgehst. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute für die Heilung, eine gute OP und dass du bald wieder ganz fit bist!

  14. Andrea kernbichler

    Hallo Lisa, wünsch Dir gute Besserung. Beinwell hilft bei Knochenheilung, hat ja schon jemand geschrieben hier. Du könntest es in der homöopathischen Form nehmen: Symphytum C30 zusätzlich Arnica und Ringelblume. Alles Liebe Andrea

  15. josipa

    tetanusspritze ok… aber lass dir kein cortison oder transplantation oder sonstwas einreden. du bist jung und gesund und hast genug eigene resourcen, deinen körper wieder gesund zu machen! unterstützen kannst du mit: sptzwegerich, schafgarbe, kamille, lungenkraut, königskerze, goldrute, huflattich, beinwll, frauenmantel, arnika, ringelblume…. und natürlich mein hochgeschätztes johanniskraut!! vielglück!!!

    janis

  16. josipa

    mir wollten sie nach einem öl-verbrennungs-unfall die haut transplantieren und ich wollte nicht und habs mit johanniskrautöl (von einer oma in kroatien) behandelt. heute dieht man die stelle kaum. ich spüre halt nichts mehr darauf aber das hätte ich mit einer transplantation auch nicht. alles gute!

    liebste grüsse janis

  17. Josephine

    Oh mein Gott ihr Armen, das sind ja wirklich erschreckende Nachrichten die man hier liest! :(

    Aber du scheinst gut mit der Situation umgehen zu können, meinen Respekt dafür.

    Ich könnt mir vorstellen, dass das auch psychisch sehr belastend sein kann, so eingeschränkt zu sein.

    Ich habe mit Schafgarben-Öl gute Erfahrungen bei der Wundheilung gemacht, aber nur bei kleineren Wunden.

    Ich wünsche euch das Beste und hoffe deine Gesundung wird schnell vorangehen!

  18. proedaphon

    He Lisa,

    mir fällt gleich der Beinwell (KnochenGut) ein. Innerlich soll er ja nicht angewendet werden, obwohl manche das wohl trotzdem machen. Ich habe im Juli einen fiesen Sturz auf den Steiß hingelegt mit Rippenprellung/-stauchung, anschließenden Muskelverkrampfungen nach Anstrengung, wovon ich heute teils noch was merke, aber geht schon wieder. Ich hatte dann die Wurzeln vom Beinwell ausgebuddelt und mit der Küchenmaschine geschreddert. Heraus kam eine echt schleimige Pampe ;)

    Damit habe ich mir dann eine Packung gemacht und einen Olivenölauszug zum einreiben.

    Rezepte und Wissenswertes:
    http://www.heilkraeuter.de/lexikon/beinwell.htm

    Oh weh, eine Tischkreissäge habe ich auch gekauft, für die Renovierung unseres Dachstuhls. Ich habe zu dem Teil auch noch keine gute Beziehung aufbauen können (obwohl ich schon oft einem befreundeten Tischler zugesehen habe). Nach deinem Bericht wird mir das noch schwerer fallen … .

    Ich hoffe deine Finger werden wieder gut beweglich. Viel Glück!

    Silke

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